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Full text of "Gartenflora"

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ARTENFLORA 


ZEITSCHRIFT 


1  ü  r 


Garten-  und  Blumenkunde. 

(Begründet  von  Eduard  Regel.) 

48.  Jahrgang. 

Organ  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  in  den  preussischen  Staaten. 

LIBRARY 

Herausgegeben   von  MEW  YORK 

BOTANICAL 
_  ......  ÜARDBN. 

Dr.  L.  Wittmack, 

Geheimer  Regierungsrat,  Professor  an  der  Universität  und  an  der  König),  landwirtschaftl.  Hochschule 
in  BeTlin,  General-Sekretär  des  Vereins. 

Mit  12  Tafeln  und  91  Textabbildungen. 
Berlin  lsW. 

Selbstverlag  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  in  den  preussisch.  Staaten,  N.,  Invalidenstr.  42. 
In  Kommission  bei  Paul  Parey,  Verlagshandlung  für  Landwirtschaft,  Gartenbau  und  Forstwesen 

S\V.,   Hedemannstrasse   10. 


A  ^r 
#7: 


LIBRARY 
NEW  YORK 
BOTANICAL 

GARDü-N. 

Die  Bekämpfung  der  sog.  ..Schorfkrankheit"'  der  Obstbäume. 

Von  Dr.  Friedrich  Krüger. 
(Hierzu  Abb.   i.) 
;ie  allgemein  bekannt  sein  dürfte,   haben  manche  Sorten  von  Apfel-  und 
rvc  v     Birnbäumen    in    den    letzten  Jahren   ganz    ausserordentlich   stark   unter 
einem  Pilz,    den   man    im   gewöhnlichen  Leben  als  Fusicladium  bezeichnet,    zu 
leiden  gehabt. 

Dass  Fusicladien  auf  Apfel-  und  Birnbäumen  vorkommen,  ist  schon  sehr 
lange  bekannt;  sie  sind  so  allgemein  darauf  verbreitet,  dass  man  kaum  einen 
Obstbaum  finden  dürfte,  der  ganz  frei  von  ihnen  ist.  Die  Fusicladien  sind 
zwar  typische  Parasiten,  d.  h.  sie  befallen  lebende  und  noch  vollständig  gesunde 
Bäume,  aber  trotzdem  ist  bei  einem  schwachen  Befall  der  Schaden,  den  sie 
verursachen,  im  grossen  und  ganzen  meistens  nicht  allzu  gross,  da  er  nur 
darin  besteht,  dass  kleine  Flecke  auf  Blättern  und  Früchten  entstehen  (Rost-, 
Russ-,  Regen-  oder  Wasserflecke  genannt),  wodurch  speziell  die  Früchte  zwar 
unansehnlicher,  im  übrigen  jedoch  normal  entwickelt  zu  werden  pflegen.  Die 
Erscheinungen,  die  dabei  an  Apfel-  und  an  Birnbäumen  auftreten,  sind,  mit 
blossem  Auge  betrachtet,  ziemlich  gleich;  da  jedoch  die  von  dem  Apfelbaum- 
Fusicladium  gebildeten  Fruktifikationsorgane  bei  mikroskopischer  Untersuchung 
sich  von  denen  des  Birnbaum-Fusicladiums  unterscheiden,  so  werden  beide 
als  zwei  verschiedene  Spezies  aufgefasst,  und  man  bezeichnet  die  auf  Apfel- 
bäumen vorkommende  Form  als  Fusicladium  dendriticum  (Wallr.)  Fckl. 
=  Venturia  inaequalis  (Woke)  Ad.*),  die  auf  Birnbäumen  dagegen  als  Fusi- 
cladium pirinum  (Lil.)  Fckl.  =  Venturia  pirina  Ad. 

Beide  Formen  haben  nun  aber,  wie  schon  oben  erwähnt,  in  manchen 
Gegenden  Deutschlands,  so  z.  B.  im  ganzen  Nordwesten,  ferner  auch  in  der 
Mark  etc.  seit  den  letzten  Jahren  insofern  einen  anderen  Charakter  angenommen, 
als  sie  dort  in  äusserst  verderblicher  Weise  die  Bäume  befallen.  Das  Apfelbaum- 
Fusicladium  zeigt  sich  nämlich  schon  im  zeitigen  Frühjahr  auf  den  Blättern, 
auf  denen  es  zunächst  grau-grüne,  bald  dunkler  werdende,  strahlige  Flecke 
hervorruft.  Diese  nehmen  rasch  an  Umfang  und  Zahl  zu,  so  dass  bald  sämtliche 
Blätter  erkrankt  sind  und  gegen  Ende  Juli  oder  Anfang  August  abzufallen 
beginnen.  Die  Bäume  pflegen  dann  zwar  nochmals  auszuschlagen,  da  dies 
aber  nur  auf  Kosten  der  Reservestoffe  bezw.  der  Assimilationsprodukte 
geschehen  kann,  die  für  andere  Zwecke,  so  für  die  Ausbildung  der  reifenden 
Fcröchte,  für  den  nächstjährigen  Holztrieb  etc.  bestimmt  sind,  so  müssen  die 
^rae  schwer  unter  einem  derartigen  Eingriff  in  ihrer  normalen  Entwicklung 
n.     Gleichzeitig    geht    der  Pilz    aber  auch  auf  die  reifenden  Früchte  über 

C\)  *j  Vergl.  Ader  hold:  Über  die  in  den  letzten  Jahren  in  Schlesien  besonders  hervor- 
getretenen Schäden  und  Krankheiten  etc.  Vortrag,  gehalten  1897  in  der  Schlesischen  Gesell- 
schaft für  vaterländische  Kultur,  Sektion  für  Obst-  und  Gartenbau. 


Die  Bekämpfung  der  sog.  „Schorfkrankheil"-  der  Obstbäume. 


und  verbreitet  sich  so  schnell  und  so  reichlich  auf  denselben,  dass  er  bald 
einen  grossen  Teil  ihrer  Oberfläche  einnimmt,  was  zur  Folge  hat,  dass  sie 
unansehnlich,  klein  und  verkrüppelt  bleiben,  in  ihrer  gleichmässigen  Ausbildung 
gehemmt  werden,  oft  auch  unter  Schwarzfärbung  teilweise  aufreissen,  kurzum 
vollständig  unverkäuflich  werden.  Aber  auch  aus  den  weniger  heftig  erkrankten 
Früchten  derartig  stark  infizierter  Bäume  kann  nicht  viel  Gutes  werden,  denn 
da  die  zur  Ernährung  nötigen  Blätter  selbst  kranken,  oder  gar  noch  während 
der  Reife  der  Früchte,  wie  oben  gezeigt,  abfallen,  können  die  sich  entwickelnden 
Äpfel  nur  klein  bleiben,  oder  aber  sie  werden  bereits  vorzeitig  in  noch  unreifem 
Zustande  abgeworfen. 

Ähnlich  intensive  Erkrankungserscheinungen  verursachte  auch  das  Fusi- 
cladium  pirinum  in  den  letzten  Jahren  an  Birnbäumen,  wenngleich  die 
Blätter  der  letzteren  bisweilen  nicht  so  stark  unter  dem  Pilz  zu  leiden  haben 
wie  diejenigen  der  Apfelbäume.  An  den  Birnbäumen  werden  aber  auch  die 
Triebe  stark  von  dem  Pilz  befallen,  der  an  ihnen  anfangs  graue,  bald  sammet- 
schwarz  gefärbte  Flecke  hervorruft,  die  später  blasenartig  auftreiben,  dann 
aufspringen  und  als  harte,  schwarze  Borke  hervortreten,  eine  Erscheinung,  die 
dem  Praktiker  unter  dem  Namen  Grind  bekannt  ist. 

Es  kommen  zwar  derartige,  durch  Fusicladium  hervorgerufene  Gewebe- 
wucherungen auch  an  Apfelbäumen  vor,  wovon  ich  mich  mehrfach  zu  über- 
zeugen Gelegenheit  hatte,  doch  soll  die  Erscheinung  im  allgemeinen  an 
letzteren  seltener  sein  als  an  Birnbäumen. 

Nicht  alle  Äpfel-  und  Birnensorten  werden,  wie  jedem  Praktiker  bekannt, 
von  den  Fusicladien  gleich  stark  befallen,  von  ersterem  sind  es  beispielsweise 
Ribston-Pepping,  Goldparmänen,  Calville,  Cellini,  Gravensteiner,  von  letzteren 
namentlich  die  Grumbkower,  die  besonders  unter  diesen  Pilzen  zu  leiden  haben. 
Was  die  Ursache  von  diesem  ungleichen  Verhalten  ist,  mag  hier  zunächst 
unerörtert  bleiben,  ebenso  soll  auf  die  Frage  hier  nicht  weiter  eingegangen 
werden,  welche  Faktoren,  unter  denen  Witterungsverhältnisse*)  wohl  in  erster 
Linie  in  Betracht  kommen  dürften,  die  Veranlassung  gewesen  sind,  dass  die 
Fusicladien  jetzt  vielfach  einen  so  perniciösen  Charakter  angenommen. 

Angesichts  des  Umstandes  jedoch,  dass  die  Fusicladien  gerade  in  den 
letzten  Jahren  unausgesetzt  mehr  und  mehr  um  sich  gegriffen  haben,  und  die 
Ernte  infolgedessen  in  manchen  Gegenden  bereits  gleich  Null  geworden,  kann 
die  Bekämpfung  dieser  Pilze  nur  dringend  empfohlen  werden,  und  zwar  um 
so  mehr,  als  wir  in  den  Kupferpräparaten  ein  so  ausgezeichnetes  Mittel  gegen 
dieselben  besitzen.  Der  Erfolg  eines  solchen  Vorgehens  wird  naturgemäss  um 
so  durchschlagender  sein,  je  allgemeiner  die  Massnahmen  sind,  da  sonst  die 
durch  die  Kupferbespritzung  gesäuberten  Bäume  infolge  der  Übertragung  der 
Pilzsporen  durch  Wind  u.  s.  w.  nur  zu  leicht  von  dem  kranken  Nachbar  von 
neuem  infiziert  werden  können. 

Was  für  einen  Erfolg  man  von  einer  richtig  durchgeführten  Bespritzung 
der  Bäume  erwarten  kann,  das  zeigt  nebenstehende  Photographie.     (Abb.  i).**) 

*)Aderhold  1.  c. 

**)  Wir  gaben  dies  Bild  bereits  in  No.  24    der  Gartennora    S.  656,  wiederholen    es  aber 

im  Interesse    der  vielen    neu  hinzugekommenen    Leser.      Herr    Professor    Pynaert-Gent    hat 

sich  das  Cliche  für  das  Bulletin  d'arboriculture  ausgebeten    und  schreibt  uns:   „Solch    ein  Bild 

wirkt  mehr  als    eine    sechs  Seiten    lange  noch  so  wissenschaftlich  geschriebene  Abhandlung". 

Die  Redaktion. 


Die  Bekämpfung  der  sog.  „Schorfkrankheit"  der  Obstbäume. 


3 


Dieselbe  repräsentiert  Äpfel  —  Goldparmänen  — ,  von  Bäumen, 
die  auf  meine  Veranlassung*)  zum  teil  mit  Kupferbrühe  bespritzt 
wurden,  zum  teil  unbehandelt  blieben,  während  im  übrigen  die  Be- 
handlung der  Bäume  eine  absolut  gleiche  war.  Links  im  Bilde  befinden 
sich  die  Früchte,  welche  von  bespritzten  Bäumen  stammen,  rechts  solche  von 
unbespritzten;  erstere  sind  vollständig  gesund  und  zeigen  eine  glatte  Ober- 
fläche, letztere  sind  dagegen  infolge  des  Fusicladium-Befalles  stark  schwarz- 
fleckig und  unansehnlich.  Ferner  sind  aber  auch  die  Grössenunterschiede 
zwischen  den  behandelten  und  unbehandelten  Früchten  sehr  verschieden,  sowie 
die  ganze  Ausbildung  und  Entwickelung  der  Früchte  überhaupt,  denn  die 
Früchte  der  bespritzten  Bäume  wiegen  durchschnittlich  ca.  175  g,  die  der 
unbespritzten  dagegen  noch  nicht  100  g  und  erstere  haben  einen  Durchmesser 
von  6 — 7,5  cm,  die  der  letzteren  von  5,5 — 6  cm. 

Es  sei  hierzu  noch  bemerkt,  dass  die  Äpfel,  von  denen  obige  Photographie 
hergestellt  ist,  nicht  etwa  besonders  »ausgesuchte«   sind;   sie    stellen    vielmehr 


bespritzt 
Durchschnittsgewicht  175  g. 


Abb.    1.     Aepfel  (Goldparmänen). 
Photographien  von  Dr.  Friedrich  Krüger. 


unbespritzt 
Durchschnittsgewicht  mk>  g. 


den  Durchschnittscharakter  der  Ernte  dar.  Auch  sind  nicht  etwa  von  den 
bespritzten  Bäumen  vorher  Früchte  entfernt,  um  den  hängengebliebenen  Rest  zu 
solcher  Entwickelung  zu  bringen.  Im  Gegenteil,  gerade  die  unbespritzten  haben 
sehen  während  des  Reifeprozesses  eine  Menge  noch  unentwickelter  Apfel 
abgeworfen,  während  dies  bei  den  bespritzten  nicht  der  Fall  ist.  »Zufälligkeiten« 
oder  durch  Bodenverhältnisse  oder  sonstige  unbekannte  Faktoren  hervor- 
gerufene Täuschungen  sind  deshalb  ausgeschlossen,  weil  alle  bespritzten 
Bäume  derartige    Unterschiede   im  Gegensatz  zu  den  unbehandelten  autwiesen. 

Damit  die  Bespritzung  Erfolg  habe,  ist  freilich  die  Beobachtung  mehrerer 
Momente  von  der  allergrössten  Bedeutung;  vor  allen  Dingen  muss  dieselbe 
zur  richtigen  Zeit  und  mit  richtig  bereiteter  Brühe  ausgeführt 
werden. 

Die  Regel  lautet,  dass  das  junge  Laub  zunächst  bald  nach  seiner 
Entwickelung  —  also  schon  bevor  sich  die  Flecke   zeigen!  —  bespritzt  werde, 


*)  Herrn    Obergärtner    H  e  1  b  i  g  -  Blankenfelde,    der    die  Bespritzung    ausführte,    möchte 
ich  auch  an  dieser  Stelle  nochmals  meinen  Dank  für  seine  Bemühungen  aussprechen. 


Die  Bekämpfung  der  sog.  „Schorfkrankheit"  der  Obstbäume. 


und  dass  dann  einige  Wochen  später  noch  eine  gleiche  Behandlung  folge.  Dass 
der  Zeitpunkt  für  diese  letztere  richtig  gewählt  werde,  ist  besonders  wichtig 
und  insofern  schwierig,  als  sich  bestimmte,  ein  für  alle  Mal  feststehende  Angaben 
über  diesen  Zeitpunkt  nicht  angeben  lassen,  für  den  die  jeweiligen  Witterungs- 
einfiüsse,  speziell  Regen  ausschlaggebend  sind.  Xach  den  bis  jetzt  vorliegenden, 
mehrfach  an  verschiedenen  Stellen  gemachten  Beobachtungen  soll  die  zweite 
Bespritzung  etwa  dann  stattfinden,  wenn  die  jungen  Früchte  »nussgross«  sind. 
Die  Äpfel,  nach  denen  unsere  Photographie  gefertigt  ist,  sind  allerdings  nur 
einmal  und  zwar  als  sie  »nussgross«  waren,  bespritzt,  doch  dürfte  nach  meinen 
Beobachtungen  in  bereits  stark  infizierten  Beständen  eine  relativ  so  späte 
Behandlung  keinen  ausreichenden  Schutz  gegen  den  Fusicladium-Befall  gewähren. 
Eine  dritte,  noch  später  ausgeführte  Bespritzung  der  Bäume  ist  im  allgemeinen 
unnötig,  doch  hängt  auch  das  wiederum  von  den  gerade  obwaltenden  Regen- 
verhältnissen ab.  Dass  man  sie,  wenn  irgend  möglich,  vermeide,  ist  schon  — 
ganz  abgesehen  von  Zeit.  Arbeitskräften  und  Geld  ■ — ,  deshalb  wünschenswert, 
damit  später  die  reifen  Früchte  kein  Kupfer  auf  ihrer  Oberfläche  mehr 
enthalten.  Man  braucht  übrigens  allzu  grosse  Befürchtungen  in  dieser 
Hinsicht  nicht  zu  haben,  denn  die  Kupferbehandlung  der  Früchte  ist  durchaus 
nichts  Neues.  So  werden  beispielsweise  angeblich  die  vom  Auslande  her  zu 
uns  kommenden  feinen  Tafelfrüchte  nur  dadurch,  dass  sie  während  ihrer 
Reife  mit  Kupferpräparaten  behandelt  werden,  vor  dem  Pilzbefall  etc.  ge- 
schützt, und  dass  bereits  auch  in  deutschen  Weinbergen  die  Bespritzung  der 
Weinstöcke,  an  denen  sich  schon  reifende  Trauben  befinden,  ganz  allgemein 
ist,  dürfte  ebenfalls  nicht  unbekannt  sein. 

Weiter  kommt,  damit  eine  Kupferbespritzung  nicht  mehr  schade  als 
nütze,  sehr  viel,  wie  schon  erwähnt,  auf  die  Brauchbarkeit  der  Kupfer- 
brühe an.  Man  kann  sich  dieselbe  nach  der  altbekannten  Vorschrift*)  entweder 
selbst  bereiten  oder  aber  durch  Auflösen  der  im  Handel  käuflichen  Präparate, 
so  z.  B.  von  Dr.  Aschenbrandt-Strassburg  i.  E.  oder  Jean  Souheur-Antwerpen 
und  anderen  herstellen.  Der  Erfolg  dieser  verschiedenen  Kupferbrühen  ist  im 
allgemeinen  derselbe.  Wir  haben  in  dem  oben  beschriebenen  Fall  —  mehr 
zufällig  als  absichtlich  —  Souheurs  Fostite-Brühe  benutzt,  hätten  aber  ebensogut 
eine  beliebige  andere  wählen  können.  In  Tirol,  wo  die  Kupferbespritzung 
nicht  nur  der  Weinstöcke,  sondern  auch  der  Obstbäume  bereits  eine  ganz 
allgemeine  ist,  pflegt  man  meistens  eine  1%  selbstbereitete  Bordelaiser- 
Brühe  zu  gebrauchen. 

Zur  Ausführung  der  Bespritzung,  die  übrigens  nicht  in  direktem  Sonnen- 
schein stattfinden  soll,  kann  man  zwar  jede  beliebige  Gartenspritze  verwenden, 
jedoch    ist    die  Benutzung  derselben  insofern  unpraktisch,    als    man    bei    ihrer 


*)  Herstellung  der  selbstbereiteten  Bordelaiser-Brühe:  Man  löse  in  einem 
hölzernen  Gefäss,  z.  B.  einer  alten  gereinigten  Petroleumtonne,  2  Kilo  rohes  Kupfervitriol 
(zu  beziehen  aus  einer  Droguenhandlung)  in  5o  Liter  Wasser  auf.  Dies  geschieht  am  besten 
in  der  Weise,  dass  das  in  einem  Säckchen  liegende  Kupfervitriol  in  den  oberen  Teil  des 
Wasser  gehängt  und  bisweilen  hin  und  her  bewegt  wird.  Die  Auflösung  dauert  mehrere 
Stunden,  doch  kann  man  dieselbe  durch  Anwendung  von  heissem  Wasser  sehr  beschleunigen. 
Ferner  lösche  man  in  einem  andern  Gefäss  2  Kilo  guten  gebrannten  Kalk  und  versetze  ihn 
allmählich  mit  5o  Liter  Wasser,  sodass  eine  gleichmässige,  milchige  Flüssigkeit  entsteht. 
Darauf  werden  beide  Flüssigkeiten  unter  Umrühren  zusammen  gegossen.  Zur  Bereitung  der 
zuckerhaltigen  Brühe  versetze  man  den  aus  2  Kilo  Kalk  erhaltenen  Kalkbrei  mit  o,3  Kilo 
Krystallzucker  oder  einer  entsprechenden   Menge  Melasse. 


Der  älteste   Plan  des  Schlossgartens  \0n   Schwetzingen  (Baden). 


Verwendung  zu  viel  Spritzflüssigkeit  verbraucht,  und  trotzdem  die  zu  be- 
handelnden Gegenstände  nicht  überall  benetzt  werden.  Empfehlenswerter 
sind  vielmehr  die  extra  für  solche  Bespritzungen  konstruierten  Apparate  von 
Mayfarth  in  Berlin  (Chausseestrasse)  und  Frankfurt  a.  M..  oder  von  Alhveiler 
in  Radolfzell  (Baden),  Souheur  in  Antwerpen,  Lambert  in  Trier,  Platz 
in  Deidesheim  u.  a.,  welche  die  Spritzflüssigkeit  fast  nebelartig  fein  ver- 
theilen,  sodass  sie  infolge  dessen  äusserst  sparsam  arbeiten  und  die  Zweige 
auch  in  den  äussersten  Spitzen  treffen.  Auch  verteilen  sie  die  Flüssigkei 
gleichmässig,  wie  dies  mit  einer  gewöhnlichen  Gartenspritze  ganz  unmöglich  ist. 
Dass  eine  allgemein  durchgeführte  Bespritzung  der  Obstbäume  noch 
manche  interessanten  und  lehrreichen  Momente  ergeben  wird,  ist  ganz  zweifellos. 
Immerhin  haben,  wie  aus  diesen  Zeilen  hervorgeht,  auch  die  Resultate  der 
bisherigen  Versuche  schon  ergeben,  dass  eine  richtig  ausgeführte  Be- 
spritzung nur  nützen  kann,  und  dass  die  Unkosten,  die  dieselbe  verursacht, 
reichlich  durch  den  Erfolg  aufgewogen  werden;  denn  was  heutzutage  für  einen 
schönen,  gut  entwickelten,  dem  Auge  wohlgefälligen  Apfel,  speziell  in  den 
grösseren  Städten,  bezahlt  wird,  ist  allgemein  bekannt.  Mögen  diese  Zeilen 
dazu  beitragen,  dass  endlich  auch  der  deutsche  Obstzüchter  in  dieser  Beziehung 
erfolgreich  mit  den  Ausländern  in  Konkurrenz  treten  kann. 
Institut  für  Pflanzen  Physiologie  und  Pflanzenschutz  an  der  Kgl. 
landwirtschaftlichen  Hochschule  Berlin. 


Der  älteste  Plan  des  Schlossgartens  von  Schwetzingen  (Baden). 

(Hierzu  Abb.  2. 
jV/|  it  grossem  Interesse  habe  ich  das  Buch  der  Herren  Jung  und  Schröder, 
^§^  über  die  rheinischen  Gärten,  Heidelberg  und  Schwetzingen  gelesen. 
Was  mir  aber  auffiel,  war,  dass  hier,  wie  bei  anderen  Beschreibungen  der 
Gärten  von  Schwetzingen,  immer  nur  der  Plan  zu  finden  ist,  den  Zeyher  für 
seine  Beschreibungen  von  Schwetzingen  gezeichnet  hat.  Dieser  Plan,  auch 
zu  finden  in  verschiedenen  Büchern  über  Geschichte  der  Gartenkunst,  giebt 
nicht  die  Gärten  wieder,  wie  sie  von  Pigage   1743  entworfen  waren.*) 

Beigehend  sende  ich  zur  Reproduktion  einen  älteren  Plan  mit  drei  Detail- 
plänen**) und  können  Sie  sehen,  dass  die  Parterres  des  grossen  Zirkels  ganz 
anders  gezeichnet  waren,  als  wie  sie  auf  den  späteren  Plänen  zu  sehen  sind. 
Dieser  Plan,  zu  linden  im  grossen  Kupferwerke  von  Le  Rouge  i7s7 
jungefähr),  war  viel  umfangreicher,  ist  aber  nicht  ganz  zur  Ausführung 
gekommen.  Der  Plan  ist  nicht  mehr  im  reinen  Le  Nötre-Stil,  sondern  gehört 
mit  mehr  Recht  dem  Rokoko-Stile  an.     Die  vielen  gebogenen  Linien  der  Wege 


*  Deutsche  Gartenzeitung  1886  S.  43g  (siehe  auch  Phsters  Berichtigungen  zu  dem 
Plane  daselbst  S.  566.  L.  W.l  H.  Jäger,  Garten  und  Gartenkunst  sonst  und  jetzt.  Ompteda, 
Rheinische  Gürten.  Diese  beiden  sind  sehr  schlecht.  J.  C.  Loudon,  Encvclopedie  des 
Gartenwesens  182!-!.  In  der  kleinen  Schrift:  Beschreibung  der  Gartenanlage  zu 
Schwetzingen  von  Zeyher  und  G.  Roemer  ist  ein  Plan  mit  Skell'schen  Umänderungen, 
wo  aber  das  grosse  Bassin  noch  in  seiner  regelmässigen  Form  zu  finden   ist. 

**)  Wir  haben  des  Raumes  wegen  nur  den  Gesamtplan  gebracht,  die  übrigen  stellen 
nur  Teile  desselben,  z.  B.  das  Parterre  in  grösserem  Massstabe  dar.  Diese  Zeichnungen  sind 
aber  auch  genügend  auf  dem  Gesamtplan   zu  erkennen.     D.   Red. 


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Richtige  Garten  ptlanzennamen. 


durch    Gehölzgruppen    (Bosquets)     sind     dem    Le    Nötreschen    System     nicht 
anzupassen. 

Le  Nötre,  der  im  Alter  von  S;  Jahren  schon  im  Jahre  1700  gestorben  ist, 
kann  auch  keinen  Anteil  an  der  Darstellung  des  Entwurfes  gehabt  haben. 
Wageningen,  Dezember  1898.  Leonard  A.  Springer,  Gartenkünstler. 


«ei 


Richtige  Gartenpflanzennamen. 

Saribus:  Livistona:  Latania. 

m  Jahre  1789  stellte  Jussieu  in  »Genera  plantarum«  S.  39  die  Gattung  Latania 
auf,  die  sich  durch  Zweihäusigkeit,  zahlreiche  Staubfäden,  kätzchen-  oder 
kolbenförmige  inflorescenzzweige  u.  s.  w.  gut  von  Saribus  Rumpf  1741, 
Burmann  1769,  Jussieu  1789  =  Livistona  R.  Br.  1810  unterscheidet,  welche  Gattung 
Saribus  Jussieu  1789  mit  Sabal  noch  und  mit  der  Notiz:  »An  genera  diversa?« 
unter  Corypha  aufführte  und  welchen  Namen  Saribus  auch  Blume  1836,  Hass- 
karl  1842,  Lindley  1847  und  ich  1891  anwendeten.  Es  hat  also  der  bei  Gärtnern 
vielfach  noch  übliche  Name  Livistona  vom  Jahre  1810  keinerlei  Berechtigung 
vor  Saribus  1741  — 17S9  und  hat  Saribus  chinensis  Blume  für  Livistona  chinensis 
Martius  zu  gelten;  dagegen  ist  der  Gärtnername  Latania  borbonica  Lam.  hierfür 
total  zu  streichen,  weil  dieses  eine  Species  confusa  ist,  welche  den  Blättern 
nach  allerdings  hierzu  gehört,  aber  den  von  Lamarck  beschriebenen  Blüten  und 
Inflorescenzen  sowie  dem  Vaterland  nach  zu  Latania  gehört.  Lamarck  hatte 
—  wie  er  selbst  angiebt  —  unter  den  Commersonschen  Pflanzen  noch  andere 
und  zwar  die  richtigen  Blätter  von  Latania  gefunden,  aber,  diese  verwechselnd, 
die  falschen  Blätter  unter  Latania  borbonica  beschrieben.  Infolgedessen  kann 
aber  Latania  borbonica  Lam.  auch  nicht  unter  der  Gattung  Latania  gültig  bleiben; 
vielmehr  kommt  nun  der  Artname  von  dem  nächstältesten  Synomym:  Gleophora 
lontarodes  Gärtner  1791  zur  Geltung,  welcher  Name  älter  als  Latania  Commersonii 
Gmelin  ist,  weil  Gmelin  schon  den  Gärtnerschen  Namen  dabei  zitiert;  diese 
Art  mit  den  rötlichen  Blättern  und  dorniggezähnten  Blattsegmenten  ist  demnach 
Latania  lontarodes  0.  K.  zu  nennen. 

Die  einzige  Rumpfsche  Saribus- Art  in  »Herb. Amboin.«  1:4a  tab.  &ist  =  Corypha 
rotundifolia  Lam.  1784  =  Saribus  rotundifolia  Blume.  Die  letzte  Art,  welche 
Blume  noch  benannte:  S.  cochinchinensis,  hatte  Loureiro  1790  schon  Corypha 
Saribus  genannt,  sodass  sie  nach  dem  Pariser  Codex  von  1867  nun  Saribus 
Saribus  0.  K.  zu  nennen  ist.  Gegen  derartige  Doppelnamen  hatte  ich  mich 
früher  gewehrt;  aber  sie  sind  klassisch,  weil  Linne  genug  solche  Tautologien 
anwendete,  z.  B.  Cuminum  Cyminum,  Centaurea  Centaurium,  Pinus 
Pinea  u.  s.  w.,  und  sie  sind  gerechtfertigt,  weil  ein  Name  keinen  Sinn  zu 
haben  braucht.     Un  nora  est  un  nom,  schrieb  schon  A.  de  Candolle. 

Die  Angabe,  dass  Saribus  Rumpf  nicht  =  Saribus  Blume  sei,  ist  unrichtig; 
die  übrigen  Saribus-Arten  benannte  ich  in  meiner  »Revisio  generum«,  soweit 
dies  noch  nötig  war.  Dr.  Otto  Kuntze,  San  Remo. 


Nepenthes-Kannen  als  natürliche  Blumenvasen. 


Nepenthes-Kannen  als  natürliche  Blumenvasen.*) 

(Hierzu  Abb.   3.) 
lie  Firma  Th.  Hübner-Berlin  brachte  zum  ersten  Winterfeste  des  Vereins 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues  am   13.  Januar  1898.  bei  welcher  Feier 
obiger  Firma    die  Ausschmückung    der    Tafel    übertragen    war.    als    reizende 
Neuheit  Nepenthes-Kannen  als  Blumenvasen. 


Abb.  3.     Nepenthes-Kanne  als  natürliche   Blumenvase. 
Von  Th.  Hübner-Berlin.   Photographien  von  L.  Wittmack. 

Der  natürliche  Stiel  einer  Nepenthes-Kanne  wird  in  Form  eines  Henkels 
nach  unten  gebogen  und,  wie  auf  der  Abbildung  ersichtlich,  an  einem  drei- 
teiligen Drahtständer  befestigt,  welch  letzterer  dem  ganzen  Arrangement 
Halt  verleiht. 

Dadurch  erhält  das  Pflanzengebilde  die  Form  einer  natürlichen  Vase, 
welche,  mit  Maiblumen  und  Adiantum  gefüllt,  eine  reizende  Couvertbeigabe  für 
Damen  ist. 

Ganz  besonders  von  Vorteil  ist,  dass  das  Kännchen  mit  Wasser  gefüllt 
werden  kann  und  somit  die  hineingestellten  Blumen  frisch  bleiben. 


*J   Vergl.  Gartenflora    1808  S.  69  u.   S.    14; 


Bericht  über  die  Kulturversuche  im  Jahre   ii 


Mit  Recht  ist  darauf  hingewiesen,  dass  es  sich  wohl  verlohnen  dürfte, 
solche  Nepenthes-Vasen  auch  in  Porzellan  oder  Glas  nachzubilden;  denn  nicht 
jedem  stehen  die  kostbaren  natürlichen  Xepenthes-Kannen  zur  Verfügung. 
Andererseits  aber  sollten  nicht  nur  die  Privatgärtner,  sondern  auch  die  Handels- 
gärtner es  sich  angelegen  sein  lassen,  mehr  Nepenth.es  zu  ziehen.  Sie  würden 
sicherlich  leichten  Absatz  der  Kannen  zu  lohnenden  Preisen  linden. 


Bericht  über  die  Kuifurversuche  im  Jahre  1898, 

die  unter  Leitung  des  Vereins  zur    Beförderung  des    Gartenbaues  in    den  Preussischen  Staaten 
auf    den    Rieselfeldern    der    Stadt    Berlin    in    Blankenburg    ausgeführt    wurden. 

Erstattet  von 
Joseph  Klar,  Berlin,  Samenhandlung,  Hoflieferant  Sr.  Majestät  des  Kaisers  und  Königs, 
und  Otto  M  e  n  d  e  ,  Ohergärtner  der  Stadt  Berlin,  zu  Blankenburg. 
jie  trockene  Witterung  im  Frühjahr,  der  verregnete  Juli  und  die  abnorme 
d^;  Hitze  im  August  haben,  wie  überall,  so  auch  unser  Versuchsfeld  hart 
mitgenommen,  zumal  hier  noch  ein  Hagelwetter  hinzukam.  War  doch  der 
anhaltende  Regen  im  Juli  nahe  daran,  die  ganze  Ernte  zu  Grunde  zu  richten, 
sodass  die  Preise  einiger  Saaten  heute  noch  darauf  hindeuten,  wie  sie  in  die 
Höhe  gingen.  Ein  Glück,  dass  der  Monat  August  eine  Wendung  zum  Besseren 
eintreten  liess;  der  langersehnte  Sommer  trat  ein,  sodass  überall  das  Ein- 
heimsen der  Saaten  vor  sich  gehen  konnte.  Die  furchtbare  Hitze,  die 
nunmehr  die  Oberhand  gewann,  brachte  aber  wieder  manchen  Schaden. 

Wir  wollen  uns  nunmehr  der  angenehmen  Pflicht  entledigen,  die  im 
Jahre  189S  auf  dem  Versuchsfelde  gemachten  Erfahrungen  wiederzugeben,  die 
freilich  für  manche  Pflanzen  nicht  immer  massgebend  sind,  indes  zum  grossen 
Teile  zutreffen  werden.  Denjenigen  unserer  verehrten  Mitglieder  des  Vereins 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues,  welche  in  der  Umgegend  von  hier  wohnen, 
dürfte  es  zu  empfehlen  sein,  öfter  sich  unser  Versuchsfeld  anzusehen,  da  ein 
einmaliger  Besuch  resp.  eine  Exkursion  selbstredend  nur  das  präsentieren  kann, 
was  gerade  zu  der  Zeit  in  Blüte  ist.  Die  anderen  Artikel  kommen  dann  nur 
teilweise  zur  Geltung  oder  sind  bereits  aus  der  Anlage  entfernt.  Die  Stettiner 
Bahn  führt  mit  dem  Vorortszuge  in  15  Minuten  dorthin,  unmittelbar  am  Bahnhof 
in   Blankenburg  ist  die  Anlage  belegen. 

I.  Neue  Blumen,  ein-,  zwei-  und  mehrjährige  Gewächse. 

Ageratum  Bitte  Perfeetion  Q.  Eine  niedrig  bleibende  Composite,  ähnlich 
dem  bereits  existierenden  Ageratum  »Imperial  Dwarf«.  Diese  Abart  ist  aber 
in  der  Blüte  dunkler  und  macht  mit  ihren  amethystblauen  Dolden  einen  recht 
angenehmen  Eindruck,  für  Teppichbeete  ein  äusserst  wichtiges  Material.  Die 
Blätter  sind  dunkler  grün. 

Triumph- Aster,  weiss  O-  Die  Farbe  dieser  Aster  war  eher  mattrosa  als 
weiss  zu  nennen,  aber  als  solche  ebenso  schön.  Vor  10  Jahren  kam  die 
Triumph-Aster  in  den  Handel,  und  zwar  war  die  erste  Farbe  feurigscharlach. 
Es  ist  zu  verwundern,  dass  das  Sortiment  dieser  Prachtaster  sich  noch  nicht 
mehr   vervollkommnet   hat.     Sie   ist    für  Topfkultur    sowohl    wie  für  Teppich- 


]q  Bericht  über  die  Kulturversuche  im  Jahre    1898. 

beete  besonders  zu  empfehlen;  die  Paeonienform  der  Blumen  sowie  ihr  aufrecht- 
stehender Wuchs  sind  herrlich  zu  nennen. 

Straussenfeder- Aster,  weiss  Q.  Schön  gefüllt  blühende  langpetalige  weisse 
Aster,  die  mittelhoch  wurde  und  konstant  in  der  Farbe  ist.  Die  Blumen 
erinnern  an  die  Riesen-Komet-Aster,  doch  sind  sie  noch  lockerer  gebaut.  Diese 
für  den  Schnitt  bestimmte  Aster  scheint  der  Komet-  oder  Pudel-Aster  zu  ent- 
stammen. 

Amarantus  quadrieolor  Q.  Eine  äusserst  effektvolle  Blattpflanze  mit 
leuchtend  scharlachroten  Blättern,  die  zum  Teil  mit  dunkelbraun,  hellgelb  und 
grün  durchsetzt  sind.  Der  Bau  dieses  Fuchsschwanzes  ist  pyramidal,  seine 
Blätter  sind  lanzettförmig.  Wir  fanden,  dass.  sobald  die  Spitzen  aus  den 
Pflanzen  entfernt  wurden,  dieselben  noch  schöner  wurden.  Die  unteren  Blätter 
sind  nämlich  mehr  leuchtend  rot  und  kommen  dadurch  mehr  zur  Geltung. 
Durch  den  Schnitt  aber  wird  sie  mehr  für  Teppichbeete  geeignet.  Als  Solitär- 
pflanze  ist  sie  gleich  wertvoll.    Sie  wird  40  cm  hoch. 

Antirrhinum  majus  grandiflorum  <$.  Wir  haben  es  hier  mit  einem  etwas 
grossblumigeren  Löwenmaul  zu  thun,  das  in  den  Farben  weiss,  rot,  gelb 
und  gestreift  nunmehr  in  den  Handel  kommt.  Ein  Vergleich  mit  dem 
gewöhnlichen  Antirrhinum  Hess  nur  schwer  einen  Unterschied  in  der  Grösse 
konstatieren.  Diese  zweijährige  Pflanze  ist  nun  wieder  als  langstielige  Schnitt- 
pflanze hervorgeholt  worden  und  grosse  Posten  werden  hiervon  in  den  Markt- 
hallen konsumiert. 

Balsamine,  verbesserte  Camellien,  reinweiss  (alba  perfecta)  Q.  War.  wie  an- 
gegeben, reinweiss  mit  äusserst  gefüllten  Blumen,  die  aber  bald  zu  Grunde 
gingen  aus  Anlass  des  schlechten  Wetters,  da  die  Balsamine  Wärme  resp. 
Sonne  bedarf. 

Campanula  persicifolia  alba  rar.  „Backhouse"  %.  Eine  pyramidenförmig 
wachsende  Abart  der  C.  persicifolia.  die  weiss  blühte;  auch  einige  blau-  sowie 
gefüllt  blühende  waren  darunter.  Nachdem  diese  Glockenblume  zeitig  zurück- 
geschnitten war,  entfaltete  sie  noch  einen  Xachflor.  Nicht  allein  als  Schnitt- 
blumen sind  jetzt  die  Campanula  wieder  Mode,  man  sieht  sie  jetzt  vielfach 
auch  auf  Gruppen.  TJnter  anderen  sahen  wir  hier  Gruppen  in  der  Siegesallee 
vor  den  neuen  Denkmälern,  welche  viel  Publikum  anlockten  und  grossen  Bei- 
fall fanden.  Sämtliche  Campanula.  von  der  kleinen  Alpine  C.  pulla  bis  zu  der 
grossen  C.  medium  pyramidalis  etc.  sind  empfehlenswert. 

Myosotis  palustris  grandiflora  „Nixenauge"  21 .  Zwar  nicht  mehr  ganz  neu,, 
aber  äusserst  schön  grossblumig.     Zur  Massenkultur  sehr  zu  empfehlen. 

Myosotis  alpestris  „Triumph"  Q.  Das  frühe  Blühen  dieser  Varietät  war 
auffallend.  Im  Habitus  kommt  M.  »Triumph«  am  meisten  der  robusta  grandi- 
flora nahe,  auch  sind  die  himmelblauen  Blumen  schön  und  gross  zu  nennen. 
Für  die  Binderei  sowie  für  Gruppen  gut. 

Myosotis  alpestris  stricta  coelesiina  Q.  Ein  eigenartiger,  gedrungen  aufrecht- 
stehender Wuchs  ist  diesem  Myosotis  eigen,  das  in  dieser  Beziehung  an  die 
fast  vergessene  Lobelia  ramosa  erinnert.  Ein  niedliches  Vergissmeinnicht,  das 
für  Topfkultur  sich  am  besten  eignet. 

Myosotis  alpestris  „Distindion"  ■• .  Auch  dieses  M.  blühte  wie  M.  »Triumph« 
Mitte  Juni  und  ist  empfehlenswert.     Eine  seit  zwei  Jahren    eingeführte  Pflanze. 

(Fortsetzung  folgt). 


Ein  Beitrag  zur  Keimung  von  Champignonsporen. 


I  I 


Ein  Beitrag  zur  Keimung  von  Champignonsporen. 

(Hierzu  Abb.    |. 
eifolgende   Abbildung    giebt    eine    Darstellung    der   Keimung    und    Weiter- 
@Ty   entwickelung    von   Uhampignonsporen.     Unter  Sporen    versteht    man   be- 
kanntlich die  staubähnlichen  Gebilde,  die  Fortpflanzungsorgane,  welche  sich  auf 


Abb.  4.     Entwickelnd  der  Champignonbrut 

aut  einer  2  mal  zusammen  gefaltet  gewesenen  Pappe  von  H.  Amelung. 

Photographien  von  L.  Wittmaek. 

den    Blättern    oder    Lamellen    an    der    Unterseite    des    Hutes    ausgewachsener 
Pilze    befinden  und  bei  trockenem  Wetter  ausfallen. 

Solche  Sporen  streute  ich  nun  im  Herbst  1897  auf  starke  Pappe,  welche 
vorher  mit  Pferdeurin  durchtränkt  wurde,  aus  und  legte  sie  in  iS(l  R  warmen, 
mä-sig  feuchten  Pferdedünger.  Die  Pappe  wurde  zweimal  gefaltet,  und  jetzt 
haben  sich,  ein  Jahr  nach  der  Aussaat,  die  Pilzfäden  innerhalb  der  Faltung 
entwickelt;  die  stärksten  Fäden  sind  bereits  in  dem  Stadium,  wo  eine  Knötchen- 


jo  Der  Garten  des  Herrn  L.  F.  Blohm  in  Hörn  bei  Hamburg. 

bildung  bei  Vereinigung  derselben  stattfindet.  Etwa  acht  Tage  nach  dem 
Ausstreuen  der  Pilzsporen  zeigen  sich  kleine  fadenähnliche  Gebilde,  die  den 
Fühlhörnern  einer  Schnecke  nicht  unähnlich  sind.  Diese  Gebilde  senken  sich 
auf  den  Nährboden  und  bilden  später  eine  breite  schimmelähnliche  Masse,  aus 
der  sich  erst  nach  einigen  Monaten  weisse  Stränge  (die  eigentliche  Brut)  ent- 
wickeln, welche  zunächst  auseinanderlaufen  (den  Nährboden  durchspinnen), 
später  sich  aber  wieder,  wenn  sie  die  Stärke  eines  Zwirnfadens  erreicht  haben, 
vereinigen.  Aus  einer  solchen  Vereinigung  bilden  sich  kleine  Knötchen,  der 
Ausgangspunkt  der  Hüte  des  Champignons. 

Man  hat  es  also  in  der  Champignonzucht  mit  mehreren  Stadien  zu  thun; 
tritt  nun  bei  der  Kultur  eine  Störung  ein,  sei  es.  dass  ein  Beet  zu  nass  oder 
zu  trocken  gehalten  wurde,  oder,  dass  ein  Wechsel  in  der  Temperatur  eintrat, 
so  wird  dadurch  die  Rentabilität  mehr  oder  weniger  in  Frage  gestellt.  Also 
ist  es  wichtig,  diese  Stadien  bei  der  Kultur  zu  beobachten,  um  darnach 
Temperatur  und  Feuchtigkeit  zu  regeln,  ähnlich  wie  wir  dieses  bei  der  Treiberei 
von  Früchten  thun  müssen;  ich  meine  bei  diesen  die  Blüthezeit,  den  Frucht- 
ansatz, die  Kern-  oder  Steinbildung  und  die  Ausschwellung  der  Frucht. 

Die  Art  dieser  Darstellung  der  Mycel-Entwickelung  ist  insofern  noch 
interessant,  als  man  häufig  annimmt,  dass  sich  die  Weise  der  Brutverzweigung 
nach  der  Strohhalmlage  oder  überhaupt  nach  der  Lage  des  Nährbodens  richten 
müssse.  während  sich  hier  auf  der  glatten  Fläche  der  Pappe  zeigt,  dass  die 
Verzweigung  des  Gewebes  ganz  unabhängig  vom  Substrat  ist. 

H.  Amelung, 
Obergärtner  am  Joachimthalschen  Gymnasium,  Wilmersdorf  bei  Berlin. 


Der  Garten  des  Herrn  L.  F.  Blohm   in  Hörn  bei  Hamburg. 

Von    L.   Wittmack. 
oo,  (Hierzu  Abbildung  5,  (5,  7). 

1  Yj  nmittelbar  neben  der  bekannten  Missions-  und  Erziehungsanstalt,  dem 
Q-j  »Rauhen  Hause«  in  Hörn  bei  Hamburg,  liegt  der  schöne  Garten  des 
Herrn  L.  F.  Blohm,  der  in  den  23  Jahren,  seitdem  er  Besitzer  des  Grundstücks 
ist,  ausserordentlich  viel  gethan,  um  den  Garten  zu  einer  Sehenswürdigkeit 
ersten  Ranges  zu  machen  und  in  Herrn  Obergärtner  Bünger  einen  Mann 
gefunden  hat,  welcher  die  grössten  Leistungen  auf  kulturellem  Gebiete  mit 
einem  feinen  Geschmack  verbindet. 

Allen  Besuchern  der  Hamburger  Ausstellung  von  1897  ist  noch  in  Erinnerung 
ein  Glaskasten  mit  Weinreben,  gewissermassen  einen  Querschnitt  aus 
dem  Weinhause  des  Herrn  Blohm  darstellend,  den  Herr  Bünger  dort  vor- 
geführt; nicht  weniger  als  22  riesige  Trauben  hingen  an  dem  einen  Stocke, 
Black  Hamburgh.  und  ca.  44  an  dem  anderen,  Royal  Muscadine.  Black  Hamburgh 
wurde  mit  der  grossen  goldenen  Staatsmedaille,  Royal  Muscadine  mit  der 
grossen  goldenen  Komiteemedaille  prämiiert.  Kein  Wunder,  dass  es  da  unser 
Wunsch  war,  auch  einmal  das  Haus  selbst  zu  sehen.  Am  16.  September  wurde 
uns  dieses  unter  der  freundlichen  Führung  des  Herrn  Bünger  ermöglicht,  und 
wir  waren  hocherfreut  über  den  reichen  Behang  der  meisten  Reben,  während 
ein    Teil    selbstverständlich    schon    abgeerntet    war.     Herr    und    Frau    Blohm 


\a  Der  Garten  des  Herrn  L.  F.   Blohm  in  Hörn  bei  Hamburg. 

erzählten  uns  nachher,  eine  junge  Dame  aus  Würzburg,  die  bei  ihnen  zum 
Besuch  gewesen,  hätte  herzlich  darüber  gelacht,  dass  man  sich  in  Hamburg 
mit  dem  Wein  solche  Mühe  gebe;  aber  dass  die  Beeren  solcher  getriebener 
Weintrauben  doch  neben  der  bedeutenderen  Grösse  noch  einen  ganz  anderen 
Geschmack  haben  wie  die  aus  dem  Freien,  wird  wohl  niemand  leugnen.  Der 
Schnitt,  den  Herr  Bünger  anwendet,  ist  der  sogenannte  Wechselschnitt.  Man 
bildet  eine  Art  U-Form,  der  eine  Schenkel  ist  die  Tragrebe,  der  andere  die 
Ersatzrebe;  erstere  wird  im  Herbst  weggeschnitten  und  die  Ersatzrebe  wird 
zur  Tragrebe,  worauf  wieder  eine  neue  Ersatzrebe  herangezogen  wird.  — 
Nachstehend  lasse  ich  die  Beschreibung  dieses  Hauses,  die  Herr  Bünger 
freundlichst  sandte,  folgen:  Das  Weinhaus  ist  25,50  m  lang,  die  Höhe  der 
Hintermauer  beträgt  4,65  m,  die  vordere  Höhe  beträgt  1,40  m,  davon  kommen 
auf  die  Stehfenster  zum  Lüften  0,70  m,  und  0,70  m  ist  die  Höhe  der  Mauer, 
die  das  äussere  Beet  für  die  Weinwurzeln  abschliesst;  diese  vordere  Mauer 
ist  wie  üblich  auf  Bogen  gemauert,  sodass  die  Stöcke  die  im  Hause  gepflanzt 
sind,  leicht  in  das  äussere  Beet  gelangen  können.  Dass  äusere  Beet  ist  2,20. 
das  innere  3,10  m  breit.  Die  Tiefe  der  beiden  Beete  beträgt  2  m;  die  Sohle 
der  Beete  ist  mit  einer  ca.  50  cm  starken  Drainage,  bestehend  aus  Drainröhren 
und  groben  Ziegelsteinstücken,  versehen.  Die  Breite  des  Weges  im  Hause  be- 
trägt 0,75  und  die  Breite  einer  schmalen  Rabatte  an  der  Hintermauer  0,40  m. 
(Abb.  5.) 

Nicht  weniger  sehenswert  ist  das  Haus  für  die  Obsttreiberei.  Hier 
stehen  frei  ausgeflanzt  im  Mittelbeet  hoch-  und  halbstämmige  Pfirsiche  und 
Nectarinen:  Noblesse,  Royal  George  etc.,  auf  den  Seitenbeeten  Pfirsiche  und 
Nectarinen  in  Töpfen.  Herr  Bünger  beschreibt  dies  Haus  folgendermassen : 
Das  Obsthaus  (Sattelhaus)  misst  von  der  Sohle  bis  zum  First  3.75  m,  von 
der  Sohle  bis  zur  Wasserrinne  1,60  m,  die  Länge  beträgt  17,30  m.  Der  Innen- 
raum ist  eingeteilt  in  ein  Mittelbeet,  für  ausgepflanzte  Pfirsiche,  von  2,90  m 
Breite,  einen  Weg  um  das  Mittelbeet  von  0,85  m  Breite  und  an  jeder  Seite  ein 
Beet,  zum  Aufstellen  der  Topfobstbäume,  von  1,30  m  Breite.  Sämmtliche 
Seiten-  und  Giebelfenster  lassen  sich  zum  Lüften  öffnen.  Im  Winter  und 
Frühjahr  finden  hier  die  Obstbäume  in  Töpfen  ihren  Platz,  die  man  hier 
abblühen  lässt  und  dann  erst,  im  Mai,  hinausbringt.     (Abb.  6.) 

Jetzt  sahen  wir  das  Topfobst  an  einer  geschützten  Stelle  draussen  stehen 
und  müssen  bekennen,  dass  wir  selten  schönere  Exemplare  geschaut  haben. 
Herr  Bünger  behandelt  seit  13  Jahren  die  Bäume.  Durch  sachgemässen  Schnitt 
erzielte  er  nach  und  nach,  dass  die  Pyramiden  keinen  grösseren  Durchmesser 
haben  als  der  Topf,  in  dem  sie  stehen  —  das  ist  normal  — ,  und  doch  voller 
Früchte  hängen.  Letzteres  wird  mit  erreicht  durch  eine  Düngung  mit  Kuhdung 
und  Wagnerschera  Nährsalz.  Um  jeden  Stamm  liegt  auf  der  Erde  des  Topfes 
ein  ca.  4  cm  hoher  kreisrunder  Zinkstreifen,  der  als  Giessrand  dient,  damit  die 
Bäume  immer  gleichmässig  viel  Wasser  erhalten.  Besonders  gut  hatten  dies 
Jahr  die  Birnen  angesetzt,  namentlich  Winter-Nelis,  die  Lieblingsbirne  des 
Herrn  Blohm,  Diel,  Souvenir  du  Congres,  Doyennee  du  Comice,  Beurre  Hardy, 
Bachelier,  Vicar  of  Wakefield,  Marie  Louise,  Olivier  des  Serres  etc. 

Auch  im  Freien  findet  sich  noch  viel  Obst  an  Spalieren,  und  die  Erträge 
aller  dieser  Obstkulturen  werden  in  einem  sehr  zweckmässig  eingerichteten 
Raum,    der   ganz   verdunkelt    werden    kann,    aufbewahrt.      Die   Früchte    ruhen 


Der  Garten  des  Herrn  L.   F.  Blohm  in  Hörn  bei  Hamburg.  ]  - 

daselbst   auf  abnehmbaren   Lattenhorden,    einige  der   letzteren    sind    auch    zum 
Herausziehen  eingerichtet. 

Doch  auch  die  Gewächshäuser  für  Blumen  etc.  sind  sehr  sehenswert. 
In  dem  sogenannten  Kulturhause  linden  sich  schöne  Croton  und  auf  der 
hinteren  Tablette  spanischer  Pfeffer,  Capsicum  annuum.  aber  nicht  mit  roten, 
sondern  mit  gelben  Früchten;  dies  ist  nach  Herrn  Blohm  die  echte  Sorte, 
welche  seine  Freunde,  Herren  aus  dem  spanischen  Amerika,  mit  Vorliebe 
roh  essen. 

Im  Warmhause  sehen  wir  eine  Spezialität  des  Herrn  Bünger,  riesige 
Schaupflanzen  von  Farnen,  speziell  von  Adiantum,  von  denen  ein  reiches 
Sortiment  vorhanden  ist:  Ad.  Veitchi,  das  sich  mit  den  in  der  Jugend  roten 
Trieben  so  herrlich  ausnimmt,  A.  Weigandi,  A.  gracillimum  «Charlotte-, 
A.  St.  Catharinae,  A.  formosum,  A.  trapeziforme,  Farleyense  etc..  ausserdem 
Cypripedien  in  starken  Pflanzen.  In  der  kalten  Abtheilung  desselben  Hauses 
stehen  jetzt  die  Caladien,  die  im  vorigen  Jahre  auf  der  Ausstellung  so  viel 
Bewunderung  erregten  und  mit  dem  ersten  Preis:  kleine  goldene  Staatsmedaille 
und  einem  Ehrenpreis  von  300  Mark  prämiiert  wurden,  und  hochstämmige 
Fuchsien;  im  Frühjahr  ist  es  mit  Theerosen  in  Töpfen  gefüllt.  Dies  Haus  ist 
ganz  neu,  aus  Pitchpine,  die  Thüren  sogar  aus  Teakholz,  das  zwar  sehr  teuer, 
aber  auch  um  so  dauerhafter  ist  und  nicht  so  quillt. 

Rund  um  das  Haus  im  Freien  stehen  Theerosen,  die  mit  den  Töpfen  in 
die  Erde  eingelassen  werden. 

In  der  kalten  Abteilung  eines  höchst  geschmackvollen,  mit  Kuppeldach 
in  der  Mitte  versehenen  Hauses  fanden  sich  (am  16.  September)  schon  einige 
sehr  schöne  Chrysanthemum  in  Blüte.  H.W.  Lincoln,  gelb,  Rayonnante,  igelartig 
röhrig,  rosa.  Izerette,  William  Tricker,  die  grünlich-weisse  Florence  Davis.  Ganz 
besonders  hervorzuheben  sind  aber  auch  die  Hortensien  mit  Riesenblumen, 
Stecklinge  vom  Februar  d.  J.,  mit  auf  einem  Stiel  gezogenen  Blütenständen  von 
45  cm  Durchmesser,  etc.  —  Die  Mitte  war  mitherrlichen  hochstämmigen  Fuchsien 
besetzt,  während  im  Spätherbst  eine  Stellage  mit  Chrysanthemum,  im  Frühjahr 
die  Theerosen  ihre  Stelle  einnehmen. 

Der  kleine  Mittelbau,  welcher  als  Durchgang  zum  Warmhause  dient,  ist 
an  der  Rückwand  nischenartig  gehalten.  Hier  finden  sich  Palmen  etc.,  während 
aus  Ampeln  zwei  schöne  Exemplare  von  Asparagus  Sprengen  und  zwei  grosse 
Polypodium  Reinwardti  malerisch  herabhängen.  Eine  grosse  Schaupflanze 
von  Adiantum  euneatum,  1,30  m  Durchmesser  und  90  cm  Höhe,  schmückt 
den  Tisch. 

In  der  warmen  Abteilung  sind  besonders  die  Eucharis  amazonica  zu 
beachten,  mit  denen  Herr  Bünger  ganz  ausserordentliche  Resultate  erzielt 
Die  Pflanzen  stehen  dort  ausgepflanzt  in  einem  besonderen  Kasten.  Die  Haupt- 
sache ist  nach  Herrn  Bünger,  dass  man  die  Pflanzen  eine  Zeit  hindurch  ganz 
trocken  hält,  bis  sich  die  Blätter  ganz  verfärben.  Nach  der  Blüte  muss  aber 
viel  Wasser  gegeben  werden,  damit  der  neue  Trieb  sich  bildet;  aber  sobald 
das  letzte  Blatt  des  Triebes  heraus  ist,  halte  man  sie  wieder  trocken.  Aut 
diese  Weise  behandelt,  blühen  sie  jährlich  zweimal. 

Ein  niedriges  einseitiges  Haus  in  zwei  Abteilungen  von  1S  m  Länge 
dient  im  Winter  und  Frühjahr  zur  Erdbeertreiberei,  im  Sommer  zur  Anzucht 
von  Farnen  und  zur  Gurkenkultur. 


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Abb.  (3.     Obsthaus  des  Herrn 


ß 


Blohm  in  Hambur^-Horn. 


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Der  Garten  des  Herrn  L.  F.  Blohm  in  Hörn  bei  Hamburg. 


Wir  wenden  uns  nun  zu  den  Anlagen  im  Freien.  Da  sind  es  zunächst 
die  herrlichen  Koniferen,  welche  die  stattliche  Villa  umgeben.  Eine  Abies 
lasiocarpa  dürfte  wohl  10  m  hoch  sein.  Sehenswert  sind  ferner:  Chamae- 
cyparis  Lawsoniana  coerulea,  die  ganz  hart  ist,  Tsuga  Mertensiana,  Picea 
pungens,  Picea  orientalis,  Sciadopitys  verticillata,  Abies  polita  und  als  besonders 
seltenes  Exemplar  in  dieser  Grösse  Abies  Hookeriana.  Die  letztere  hatte  auch 
wenige  Tage  vor  meiner  Anwesenheit  die  Aufmerksamkeit  des  grossen  Koniferen- 
kenners Herrn  Rüppel  (in  Firma  Peter  Smith  &  Co.,  Bergedorf)  erregt,  der 
mit  etwa  100  Mitgliedern  des  Gartenbauvereins  für  Hamburg,  Altona  und  Um- 
gegend den  Blohmschen  Garten  besucht  hatte. 

An  die  Villa  stösst  ein  geräumiger  Wintergarten,  dessen  Dach  ganz  mit 
Ficus  repens  (stipulata)  berankt  ist.  ein  grossartiger  Anblick!   Mit  der  Schönheit 


Abb.  7.      Villa  des  Herrn  L.  F.  Blohm,  Hamburg-Horn. 


ist  zugleich  Nützlichkeit  verbunden,  denn  dieser  kletternde  Feigenstrauch 
schützt  die  anderen  Pflanzen  gegen  die  Sonne. 

Der  östliche  Teil  des  am  hohen  Diluvialrande  des  Bille-Thales  auf- 
steigenden Gartens  ist  parkartig  gehalten.  Hier  finden  sich  hohe  Liriodendron 
tulipifera,  hohe  Taxodium  distichum,  schöne  Platanen,  mächtige  Edelkastanien, 
Castanea  vesca,  die  jährlich  essbare  Früchte  liefern.  Eine  Felspartie  ist  mit 
Alpenpflanzen  und  Farnen  bepflanzt,  an  einem  Teich  steht  eine  schöne  Hänge- 
weide und  mehrere  hohe  Pterocarya  caucasica.  Eine  Hauptsehenswürdigkeit 
bildet  eine  riesige  Blutbuche. 

Sehr  hübsch  muss  sich  im  Frühjahr  eine  Hügelpartie  machen,  an  deren 
Abhang  Rhododendron  und  pontische  Azaleen,  weiter  oben  Flieder,  dahinter 
Goldregen  und  schliesslich  hochoben  Rotdorn  blühen. 

An  der  Xordseite  der  Villa  finden  sich  allerlei  Moorpflanzen,  Azalea 
pontica,  Skimmia  japonica  etc.  etc..  auch  der  seltsame  krause  Epheu,  Hedera 
Helix  conglomerata. 


Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 


±9 


Am  nordöstlichen  Ende  des  Parks  befindet  sich  ein  höchst  idyllisches 
Farnthal,  von  hohen  Bäumen  beschattet,  von  einem  plätschernden  Bach 
durchzogen.  Hier  in  dieser  feuchten  Luft  gedeihen  auch  die  selteneren  Arten 
(Adiantum  pedatum  mit  75  cm  Durchmesser,  Cyrtomium  Fortunei,  Polystichum 
setosum  etc.)  gut,  und  die  gewöhnlicheren  mahnen  in  ihren  riesigen  Dimen- 
sionen fast  an  längst  vergangene  Zeiten  unserer  Erde. 


Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 

Von  E.  Koehne. 
,_^  (Eingereicht  am  22.  November   1898.) 

^TLn  der  Gattung  Berberis  begegnet  die  Unterscheidung  und  Gruppierung  der 
(J^>  Arten  ungewöhnlichen  Schwierigkeiten,  und  ich  trug  mich  schon  lange  mit 
dem  Vorsatz,  die  äusseren  Artmerkmale  womöglich  durch  anatomische  zu 
ergänzen.     Erst  in  den  letzten  Monaten  konnte  ich  diesen  Plan  ausführen. 

In  den  folgenden  Zeilen  will  ich  nun  eine  kurze  Darstellung  derjenigen 
anatomischen  Eigentümlichkeiten  geben,  welche  bei  den  im  Freien  bei  uns 
kultivierten  Arten  geeignet  erscheinen,  eine  sichere  Unterscheidung  und  Ab- 
grenzung der  Arten  zu  unterstützen*),  sowie  derjenigen,  welche  für  denselben 
Zweck  wenig  oder  gar  nicht  nutzbar  zu  sein  scheinen.**) 

1.  Spaltöffnungen.  Der  Bau  und  die  Lage  der  Schliesszellen  zwischen 
den  Epidermiszellen  ist  überaus  einförmig.  Bemerkenswert  ist  nur,  dass 
Spaltöffnungen  auch  auf  der  Blattoberseite,  und  zwar  oft  kaum  weniger 
zahlreich  als  auf  der  Unterseite,  bei  sechs  Formen  gefunden  wurden,  die  meist 
zu  Euberberis,  2.  Reihe  in  meiner  Dendrologie  S.  167—168  gehören;  es  sind 
dies  B.  densiflora  Boiss.  et  Buhse,  B.  macrobotrys  m.  n.  sp.,  B.  pyrocarpa 
m.  n.  sp..  B.  crataegina  DC.,  B.  cretica  L.  und  B.  aetnensis  Presl.  nebst 
einer  Berberis  »spec.  Taschkents  aus  dem  Späthschen  Arboret,  die  sich  durch 
auffallend  lange  Stacheln  auszeichnet,  aber  noch  nicht  bestimmt  werden  konnte. 
Das  Merkmal  ist  beständig,  wie  auch  das  Gegenteil,  das  gänzliche  Fehlen  der 
Spaltöffnungen  oberseits,  bei  den  übrigen  untersuchten  Arten.***) 


*)  Vorarbeiten  liegen  nur  wenige  vor.  In  Engler-Prantl,  Natürliche  Pflanzenfamilien 
Bd.  III,  Abt.  II,  S.  71,  wird  nur  R.  Böning,  Anatomie  des  Stammes  der  Berberitze,  Dissert., 
Königsberg   i885,  erwähnt. 

**)  Viele  Kleinigkeiten,  die  mir  verschiedentlich  aufgefallen  sind,  übergehe  ich  ganz. 
***)  Nur  bei  einem  kultivierten  Exemplar    von  B.  heteropoda    waren,    möglicherweise 
infolge  von  Bastardierung,  oberseits  sehr  vereinzelte  Spaltöffnungen  vorhanden,  die  B.  heteropoda 
sonst  nicht  besitzt. 

Zu  den  einzelnen  Arten  ist  folgendes  zu  bemerken:  B.  densiflora  ist  im  Berliner 
Botanischen  Garten  als  B.  integerrima  und  heteropoda  vorhanden.  Auch  zog  ich  sie  selbst 
aus  Samen,  die  ich  unter  den  letzteren  beiden  Namen  aus  Petersburg  erhielt  (neben  einigen 
echten  heteropoda)  in  zwei  etwas  verschiedenen  Formen,  wovon  die  eine  möglicherweise 
durch  Bastardierung  von  seiten  der  heteropoda  oder  der  integerrima  verändert  ist.  Auf 
sie  bezieht  sich  die  Anm.    1   in  meiner  Dendrologie  S.   167. 

B.  crataegina  DC.  glaubte  ich  früher  (Dendr.  S.  168)  mit  densiflora  vereinigen  zu 
müssen,  sie  hat  aber  unterseits  nicht  papillöse  Blätter,  während  sie  bei  der  auch  in  der 
Blattform  sehr  verschiedenen  densiflora  papillös  sind.     In  Kultur  sah  ich  sie  nirgends. 

B  macrobotrys  ist  von  Bornmüller  als  Var.  von  densiflora  aufgestellt  worden, 
unterscheidet  sich  aber  durch  den  Mangel  unterseitiger  Papillen  von  letzterer.    Nicht  in  Kultur. 

B.  pyrocarpa  ist  Regeis  B.  integerrima  var.  pyrocarpa,  hat  aber  oberseitige  Spalt- 


OQ  Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 

2.  Papillen.  Nicht  minder  beständig  ist  die  Ausbildung  kurzer,  nur 
mikroskopisch  sichtbarer  Papillen  auf  den  Epidermiszellen  der  Blätter.  Als 
Haare  kann  man  diese  Gebilde  ihrer  Kürze  wegen  noch  nicht  bezeichnen.  Je 
eine  Papille  steht  auf  jeder  Epidermiszelle,  von  deren  Oberfläche  sie  meist 
nur  einen  kleinen,  zuweilen  aber  auch  einen  sehr  grossen  Teil  einnimmt,  indem 
sie  sich  in  der  Flächenansicht  als  oft  sehr  scharf  abgegrenzter  Ring  abhebt. 
Häufig,  aber  nicht  immer,  ist  diese  Papillenbildung  mit  einer  auffallenden, 
kreideweissen  Färbung  der  Blattunterseite  verbunden.     Beispiele: 

Subg.  Mahonia: 

a)  B.  repens  Lindl.  nur  auf  der  Unterseite.  Bei  B.  Aquifolium  L. 
fehlen  die  Papillen  gänzlich.  Eine  Anzahl  von  Formen  mit  schwachen  An- 
deutungen von  Papillen  glaube  ich  auch  nach  ihrem  makroskopischen  Verhalten 
als  Bastarde  beider  Arten  deuten  zu  dürfen. 

b)  B.  Fremonti  Torr.,  Papillen  auf  beiden  Blattflächen. 

c)  B.  trifoliolata  Moria,  auf  beiden  Blattflächen,  auf  der  Oberseite  durch 
grosse  Zwischenräume  getrennt,  auf  der  Unterseite  gruppenweise  sehr  gehäuft, 
sogar  sich  berührend,  vielleicht  hier  als  Schutzvorrichtung  für  die  Spaltöffnungen 
zu  betrachten. 

Subg.  Euberberis: 

1.  Reihe  (Dendr.  S.  166).    Immergrüne  Arten. 

a)  B.  empetrifolia  Poir.,  Papillen  nur  unterseits;  die  Blätter  sind  sehr 
schmal,  bis  zur  Mittelrippe  zurückgerollt,  die  Papillen  in  der  Nähe  des  Randes 
zu  wirklichen  Haaren  verlängert,  die  Spaltöffnungen  also  in  einem  sehr  wohl 
abgeschlossenen  Räume  geborgen. 

b)  B.  Darwini  X  empetrifolia,  Papillen  etwas  kürzer  als  bei  vor. 
(bei  B.  Darwini  Hook,  fehlen  sie  ganz). 

c)  B.  concinna  Hook,  f.,  nur  auf  der  Unterseite. 

d)  B.  asiatica  Roxb.  in  DC,  wie  vor. ;  bei  beiden  Arten  stehen  die  Papillen 
sehr  dicht  wegen  Kleinheit  der  Epidermiszellen. 

2.  Reihe  (Dendr.  S.  167). 

a)  B.  »spec.  Taschkent«   (s.  oben),  nur  auf  der  Unterseite. 

b)  B.  Lycium  Royle,  auf  der  Oberseite  schwache  Andeutungen,  auf  der 
Unterseite  wohl  ausgebildete,  ungewöhnlich  dicke,  einen  grossen  Teil  der 
Zellen  -  Aussenfläche  einnehmende  Papillen.  Zu  dieser  Art  gehört  eine  von 
Sargent  an  Späth  als  B.  ruscifolia  abgegebene  Pflanze  mit  genau  ebensolchen 
Papillen.     B.  ruscifolia  Lam.  hat  keine  Papillen. 

c)  B.  densiflora,  nur  auf  der  Unterseite,  wie  beifolgender. 

d)  B.  pyrocarpa  Koehne  (S.  oben  S.  19  Anm.  am  Schluss). 

3.  Reihe  (Dendr.  S.  168).  Papillen  stets  nur  unterseits,  sehr  gross  und 
sehr  dicht  stehend. 

a)  B.  virescens  Hook.  f. 


Öffnungen  und  unterseitige  Papillen.  Beide  Merkmale  besitzt  B.  integerrima  nicht!  — 
Nicht  in  Kultur,  wenn  nicht  „Berb.  spec.  Taschkent  arb.  Späth"  dazu  gehört. 

Zu  B.  cretica  gehören  die  von  mir  früher  für  calliobotrys  Bienert?  angesehenen 
kultivierten  Exemplare,  dagegen  nicht  B.  calliobotrys  Aitchison  aus  Afghanistan,  die  ihrerseits 
wieder  von    der  echten  calliobotrys  Bienert  verschieden  ist. 

B.  aetnensis  gehört  nicht  zu  B.  emarginata,  wie  ich  früher  glaubte  annehmen  zu 
müssen;  denn  letztere  hat  keine  oberseitigen  Spaltöffnungen.  Echte  aetnensis  sah  ich  in 
Kultur  noch  nicht. 


Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten.  21 


b)  I!.  d  iaphan  a  Maxim. 

c)  B.  umbcllata  Wall. 

d)  B.  papillifera  m.  (=  B.  Thunbergi  var.  papillifera  Franch.) 
B.  Thunbergi  hat  keine  Papillen,  nur  selten  sehr  schwache  Andeutungen  da- 
von, während  sie  bei  papillifera  gross  und  dicht  stehend  sind. 

4.  und   5.  Reihe  (Dendr.  S.  170  u.  171).     Bei  keiner  Art  Papillen  gefunden. 

3.  Form  der  Epidermiszellen  der  Blätter.  Es  giebt  in  dieser  Hinsicht 
zwei  Grenzfälle.  In  dem  einen  erscheinen  die  Wandungen  in  der  Flächen- 
ansicht ganz  geradlinig  oder  nur  schwach  gebogen,  in  dem  andern  sind  sie 
stark  hin-  und  her  geschlängelt.  Im  crsteren  Fall  sind  die  Zellen  häufig  that- 
sächlich  kleiner,  oft  aber  erscheinen  sie  nur  so  infolge  einer  optischenTäuschung. 
Zählt  man  auf  Zeichnungen,  die  mit  dem  Zeichenapparat  bei  gleicher  Ver- 
grösserung  angefertigt  wurden,  die  einen  bestimmten  Flächenraum  bedeckenden 
Zellen,  so  ist  die  Zahl  bei  geraden  wie  bei  geschlängelten  Wandungen  oft 
dieselbe,  obgleich  in  letzterem  Falle  die  einzelne  Zelle  den  Eindruck  viel 
bedeutenderer  Grösse  macht.  Es  kommen  aber  auch  wirkliche  Grössen- 
unterschiede  vor,  und  dann  stets  in  der  Weise,  dass  besonders  kleine  Zellen 
stets  geradlinige,  besonders  grosse  stets  geschlängelte  Wandungen  haben.  Von 
den  kleinen  Zellen  können  doppelt  so  viele  und  mehr  denselben  Flächenraum 
bedecken  wie  von  den  grossen  (gleichen  Entwicklungszustand  der  Blätter  selbst- 
verständlich vorausgesetzt).  Zwischen  beiden  extremen  Formen  giebt  es  alle 
möglichen  Übergänge,  auch  mit  der  Massgabe,  dass  bald  beide  Blattflächen 
sich  gleich  verhalten,  bald  auf  der  Unterseite  die  Wandungen  etwas  stärker 
geschlängelt  sind  als  oberseits,  bald,  wenn  auch  selten,  umgekehrt.  Trotz  der 
vielen  Übergangsbildungen  ist  nun  die  Form  der  Epidermiszellen  doch  nicht 
ohne  systematischen  Wert,  da  sie  nicht  selten  bei  Arten,  die  makroskopisch 
schwer  auseinander  zu  halten  sind,  deutlich  verschieden  bleibt.  Ich  will  mich 
nur  auf  wenige  Beispiele  beschränken.  B.  japonica  Spreng,  hat  kleine,  gerad- 
wandige,  B.  nervosa  Pursh.  grosse,  sehr  stark  wellenwandige  Epidermiszellen. 
B.  nepalensis  Spreng,  ist  B.  japonica  ähnlich,  die  Wandungen  sind  aber  ein 
wenig  geschlängelt.  In  der  ersten  Reihe  von  Euberberis  hat  B.  Wallichiana 
DC.  oberseits  schwach,  aber  deutlich  geschlängelte,  die  übrigen  untersuchten 
Arten  haben  daselbst  gerade  Wandungen.  In  der  3.  Reihe  hat  etwa  die  erste 
Hälfte  der  Arten  unterseits  gerade,  die  andere  Hälfte  lebhaft  geschlängelte 
Wandungen.  In  der  5.  Reihe  hat  B.  amurensis  Rupr.  oberseits  ganz  oder 
fast  geradlinige,  unterseits  etwas  geschlängelte,  B.  vulgaris  L.  beiderseits  Nein- 
lebhaft  geschlängelte  Wandungen.  Der  Eindruck  ist  in  beiden  Fällen  so  ver- 
schieden, dass  ich  nicht  mehr  glaube,  B.  amurensis  sei  nur  eine  Form  von 
B.  vulgaris,  wie  meistens,  auch  von  mir  selbst,  angenommen  wurde.*)  Auch 
B.  canadensis  Mill.  bezw.  B.  caroliniana  Lond.  scheinen  von  B.  vulgaris, 
von  der  sie  sonst  schwer  unterscheidbar  sind,  im  Verhalten  der  Epidermis 
stets  deutlich  verschieden  zu  bleiben.  Jedenfalls  verspricht  der  sorgfältige 
Vergleich  der  Epidermiszellformen  zu  einer  besseren  Sichtung  zahlreicher  sonst 
nicht  hinreichend  zu  kennzeichnender  Arten,  Varietäten  und  Formen  von 
Berberis  nicht  unwesentlich  beizutragen,  doch  sind  hierzu  noch  weitere  aus- 
gedehnte Untersuchungen    notwendig. 

*)   Übrigens    hat    sich    auch    herausgestellt,    dass    B.  amurensis    stets    ganz    erheblich 
früher  blüht  als  fast  alle  übrigen  Arten  von   Euberberis. 


22 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


Die  Dicke  der  Wandungen  der  Epidemiszellen,  in  der  Flächenansicht  be- 
trachtet, wechselt,  scheint  auch  mit  zunehmendem  Alter  der  Blätter  oft  etwas 
zuzunehmen.  Die  dicksten  Wandungen  fand  ich  bei  B.  nervosa.  Sehr  häufig 
bemerkt  man  in  den  Seitenwandungen  Tüpfel.  Auch  die  Aussenwandungen 
können  durch  netzförmige  Verdickungsleisten  sich  derart  verstärken,  dass  man 
in  der  Flächenansicht  die  Zellwände  von  den  Leisten  gar  nicht  mehr,  ausser  auf 
besonders  günstigen  einzelnen  Stellen  von  Flächenschnitten,  unterscheiden  kann. 
Solche  Leisten  fand  ich  bisher  nur  in  der  Untergattung  Mahonia  z.  B.  bei 
B.  Aquifolium  L.;  sie  können  sich  derart  verbreitern,  dass  die  Aussenwand 
der  Zelle  wie  mit  grossen  Tüpfeln  besetzt  erscheint,  so  z.  B.  bei  B.  Wagneri  h. 
(die  vielleicht  zu  B.  pinnata  Lag.  gehört),  aber  auch  bei  echter  B.  Aquifolium. 

(Schluss  folgt.) 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen  etc. 


Feijoa  Sellowiana  Berg. 

Feijoa  Sellowiana  ist  eine  von 
Eduard  Andre  aus  Uruguay  ein- 
geführte Myrtacee,  die  in  seinem  Villen- 
garten in  Golfe  Juan  (an  der  Riviera) 
ihre  köstlichen  Früchte  reift  und 
daher  auch  für  unsere  Kolonieen  zu 
emptehlen  ist.  Abgebildet  in  Revue 
hört.,  Bot. Mag., Garden, Gard.  Chronicle. 


Neuheiten  von  Herb  &  Wulle.  Neapel. 

(Nach  den  Beschreibungen   der  Züchter.) 


Centaurea  imperialis  (Hort.  Herb). 

Unter  dem  kurzen  Namen  Centaurea 
imperialis  übergiebt  die  Firma  Herb 
&  Wulle  (Inh.  M.  Herb)  in  Neapel 
dem  Handel  eine  Reihe  neuer,  riesen- 
blumiger Centaureen-Hybriden,  die  an 
Wert  und  Schönheit  alle  bis  jetzt 
kultivierten  wohlriechenden  Centaureen 
weit  übertreffen. 

Centaurea  imperialis  stammt  aus 
einer  Kreuzung  der  roten  C.  moschata 
mit  der  weissen  C.  Margaritae.  Von 
ersterer  erbte  sie  den  üppigen  Wuchs 
der  Pflanze,  von  letzterer  aber  den 
edlen  Bau  der  Blumen.  Die  Farbe 
derselben  variiert  bis  ins  Unendliche, 
so  dass  noch  eine  sehr  grosse  An- 
zahl prächtiger  Spielarten  wird  an- 
geboten werden,  sobald  sie  erst  alle 
konstant  geworden  sind. 

C.  imperialis  bildet  riesige,  über 
1  m  hohe  Büsche,  bedeckt  mit  lang- 
stieligen, edelgebauten  Blumen,    meist 


von  der  doppelten  Grösse  der  bekannten 
C.  odorata  und  Margaritae,  mit  dem- 
selben Wohlgeruch  und.  was  nochmals 
ausdrücklich  wiederholt  wird,  von 
genau  derselben  Form.  Was  sie  aber 
noch  ganz  besonders  von  den  bis- 
herigen wohlriechenden  Centaureen 
auszeichnet,  ist  die  aussergewöhnlich 
lange  Dauer  der  Blumen,  die  sich, 
wenn  frisch  aufgeblüht  abgeschnitten, 
bis  10  Tage  im  Wasser  gut  halten 
können;  ferner  die  härtere  Natur  und 
längere  Vegetationsdauer  der  Pflanze 
überhaupt,  sodass  sie  so  leicht  wie 
jede  andere  Sommerblume  kultiviert 
werden  kann,  was  bekanntliah  bei 
Centaurea  odorata  und  Abarten  nicht 
der  Fall  ist. 

In  der  Binderei  wird  die  pracht- 
volle, wohlriechende,  riesenblumige, 
langstielige  und  überaus  dauerhafte 
Centaurea  imperialis,  die  zudem  in  den 
meisten  beliebten  Modefarben  vertreten 
ist,  bald  tonangebend  und  unentbehr- 
lich geworden  sein.  Im  Garten  aber 
kann  man  sich  kaum  ein  wirkungs- 
volleres und  eleganteres  Blumen- 
Arrangement  vorstellen,  als  eine  Gruppe 
unserer  neuen  Centauieen-Hybriden. 

Centaurea  imperialis  alba. 

Blendend    weiss,    riesenblumig!     Es 

I   ist     einleuchtend,     dass     diese    völlig 

j   konstante     Spielart     für     Gärten     und 

'   Blumengeschäfte    von     unschätzbarem 

Werte  ist,  so  dass  wir  uns  jede  weitere 

Anpreisung  ersparen  können. 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


n 


Centaurea  imperialis  lilacina. 
Lilafarben,     riesenblumig,     mit    der 

Farbe  der  C.  odorata  übereinstimmend. 
Für  jede  Art  Blumen -Arrangements 
ist  diese  zarte  Modefarbe  unentbehrlich. 
An  Sorten  werden  ferner  angeboten: 
splendens  leuchtend  purpurn,  rosea, 
Favorita,  rosa,  Armida.  zartlila, 
Iphigenia,  rosa  mit  weissem  Zentrum, 
variabilis,  weiss  mit  rosa  Schein, 
purpurn  gezeichnet,  im  Verblühen  rosa, 
graciosa,  dunkellila. 

Centaurea  Mariae  (Hort.  Herb). 

Diese  neue  Centaurea  ist  jedenfalls 
das  »Non  plus  ultra«  aller  Centaureen. 
Die  Firma  Herb  &  Wulle  (Inh. 
M.  Herb)  in  Neapel  erhielt  sie  bereits 
vor  mehreren  Jahren  aus  einer  Kreuzung 
der  wildwachsenden  Centaurea  pur- 
purea  mit  Centaurea  suaveolens.  — 
C.  Mariae  ist  übrigens  der  Anfang  einer 
sicherlich  ganz  prachtvollen,  neuen 
und  hochinteressanten  Rasse.  Aus  be- 
sagter Kreuzung  gingen  eine  ganze 
Reihe  verschiedener  Hybriden,  sowohl 
einjähriger  als  perennierender,  hervor, 
sodass  die  Firma  in  den  nächsten 
Jahren  noch  oft  in  der  Lage  sein  wird, 
mit  neuen  und  kulturwürdigen  Cen- 
taureen in  die  Oeffentlichkeii  zu  treten. 

Die  neue  Centaurea  Mariae  ist  ein- 
jährig oder  bisannuel,  wie  C. suaveolens, 
ist  aber  sonst  hart  und  anspruchslos, 
ja  von  geradezu  zäher  Natur,  wie  die  wild- 
wachsende C.  purpurea.  Sie  wächst 
rasch,  bildet  schöne,  aufrechtstehende 
Büsche  und  entfaltet  einen  geradezu 
staunenerregenden  Blütenreichtum;  jede 
Pflanze,  zumal  wenn  die  Blumen  nach 
und  nach  verbraucht  werden,  zeitigt 
Hunderte  von  Blumen.  Diese  haben 
die  Form  und  Grösse  sowie  den  leichten 
Bau  der  Centaurea  Margaritae  oder 
C.  odorata.  stehen  auf  ganz  dünnen, 
festen  Stielen  mit  nur  ganz  kleinen 
eiförmigen  Hüllkelchen  und  sind 
ungemein  leicht  und  dauerhaft.  Ihre 
Farbe  ist  ein  zartes  Schwefelgelb,  nach 
den  Spitzen  zu  rosa;  am  Tage  des  Er- 
blühens  erscheinen  die  Blumen  rein 
schwefelgelb.  Für  feine  Bindereien, 
zu  denen  langstielige,  aber  ganz  leichte, 
graziöse  Blumen  gewünscht  werden, 
wird  Centaurea  Mariae  wohl  kaum, 
einen  ebenbürtigen  Rivalen  finden. 
Die  zart  rosa  -  gelben  Blumen  präsen- 
tieren sich  wie  gelbgrundige  Caryo- 
phyllus-Nelken.    Im  Garten  ist  ihr  Platz 


neben  den  herrlichen  Centaurea  impe- 
rialis,  bei  denen  diese  Farbe  vorläufig 
fehlt;  sie  ist  niedriger  und  eignet  sich 
deshalb  vorzüglich  als  Einfassung  um 
eine  C.  imperialis-Gruppe. 

Die  Samengewinnung  ist  schwach 
und  die  Ernte  somit  ganz  gering. 

Tomate  „ Wunder  von  Italien". 

Line  neue  Tomaten  -  Sorte  von 
staunenerregender  Fruchtbarkeit!  Die 
leuchtend  scharlachroten  Früchte  sind 
pflaumenförmig,  etwa  20  g  schwer  und 
gleichen  somit  denen  der  beliebten 
Sorte  »König  Humbert«.  Die  Früchte 
hängen  in  riesigen  Büscheln  von  50  bis 
70  Stück  und  darüber,  zu  einer  einzigen 
Fruchttraube  vereint,  an  einem  Stiele 
beisammen,  eine  Erscheinung,  wie  sie 
bei  Tomaten,  sowie  überhaupt  bei 
anderen  Gemüsen  jedenfalls  bis  jetzt 
noch  nicht  zu  sehen  war.  Eine  einzige, 
gut  ausgebildete  Fruchttraube  kann  das 
enorme  Gewicht  von  1 '  ...  kg  und  darüber 
erreichen.  Die  Pflanze  Weichst  hoch, 
ist  widerstandsfähiger  als  die  meisten 
letzten  Neuzüchtungen  und  produziert 
bis  zum  Spätherbst  eine  unzählige 
Menge  Früchte,  immer  zu  riesigen 
Büscheln  vereint.  Die  Früchte  sind 
festfleischig  und  sehr  schmackhaft, 
gleich  vorzüglich  sowohl  als  Salat  als 
auch  zum  Einkochen.  Da  sie  sich  sehr 
lange  halten,  so  eignet  sich  diese 
Sorte,  wie  keine  andere  zum  Auf- 
bewahren. Die  grossen  Fruchtbüschel 
ersparen  die  Mühe  des  Zusammen- 
bindens;  sie  werden  an  einem  trockenen 
und  luftigen  Ort  aufgehangen.  Im 
Herbst  grün  abgenommene  Früchte 
reifen  vollkommen  nach. 

Der  neue  Liebesapfel  »Wunder  von 
Italien«  ist  ein  Schaustück  ersten  Ranges 
und  besitzt  so  viele  Vorzüge,  dass  er 
sich  sofort  überall  einbürgern  wird! 

Er  ist  nicht  zu  verwechseln  mit  dem 
gewöhnlichen  »König  Humbert«,  der 
hier  und  da  auch  unter  dem  Namen 
»Wunder  von  Italien«  angeboten  worden 
ist,  wie  dies  bereits  in  Yilmorins 
»Gemüsegärtnerei«  als  Synonym  be- 
richtigt  wurde. 

Kartoffel  ,, Frühe  Vesuv". 
Feinste  Tafelkartoffel,  wie  es  so  leicht 
keine  zweite  giebt!  Die  Knollen  sind 
ziemlich  gross,  haben  eine  schöne, 
länglich  breite  Form  (ähnlich  »Perle 
von  Erfurt«    oder    »Pearl    of    Savoy«). 


H 


Kleinere  Mitteilungen. 


eine  dünne,  rötlich-gelbe  Haut,  weisses 
sehr  mehlreiches  Fleisch  und  sind  sehr 
wohlschmeckend.  Diese  Sorte  ist  eine 
der  frühesten  für  Freiland  (hier  bildet 
sie  bereits  Anfang  Mai  und  auch  früher 
einen  bedeutenden  Exportartikel).  In 
Deutschland  wird  man  von  ihr  Mitte 
Juni,  von  vorgekeimten  Knollen  aber 
schon  viel  früher  ernten  können;  dabei 
ist  sie  sehr  ertragreich  und  äusserst 
widerstandsfähig.  In  Jahrgängen,  wo 
andere  Sorten  durch  Krankheit  oder 
ungünstige  Witterung  heimgesucht 
wurden,  blieb  unsere  »Vesuv«  stets 
unberührt  und  brachte  stets  denselben 
Ertrag.  Sie  hält  sich  ausgezeichnet 
über  Winter  und  ist  im  Frühjahr  gleich 
frisch  und  wohlschmeckend.  Sie  ist 
die  beste  Kartoffel  des  Südens  und 
stets  so  gesucht,  dass  es  14  Tage  nach 
der  Ernte  absolut  unmöglich  ist,  noch 
etwas  davon  aufzutreiben. 

Wir  sind  fest  überzeugt,  dass  wir 
dem  Handel  eine  Kartoffelsorte  bieten, 
die  wegen  ihrer  gefälligen  Form,  ihres 
reichen  und  stets  sicheren  Ertrages 
zum  Anbau  im  Grossen  als  Markt-  und 
Exportkartoffel  ersten  Ranges  geeignet 
ist;    im   Hausgarten    und    zum    Selbst- 


bedarf wird  es  aber  kaum  eine  bessere 
Sorte  geben.  Ein  Versuch  wird  dieses 
aufs  ausgiebigste  bestätigen. 

Ganz  besonders  aber  empfehlen  wir 
unsere  »Frühe  Vesuv«  ausserdem  noch 
zum  Anbau  in  südlichen  Ländern,  wo 
sie,  wie  wir  bereits  erprobt  haben,  zu 
jeder  Jahreszeit  angebaut  werden  kann. 
Für  südliche  Länder  mit  entgegen- 
gesetzter Vegetationsperiode  liefern  wir 
dementsprechend  kultivierte,  d.  h.  in 
den  Monaten  Januar-Februar  geerntete 
Knollen. 

Kartoffel  „Violette  Aetna". 

Diese  Kartoffel  ist  ebenfalls  eine  sehr 
zu  empfehlende  hiesige  Sorte.  Die 
riesigen  Knollen  sind  länglich,  glatt- 
schalig,  dunkelviolett,  weissfleischig, 
sehr  mehlreich  und  schmackhaft.  Sie 
liefert  von  allen  Sorten  die  grössten 
Ernteerträge,  ist  absolut  widerstands- 
fähig gegen  alle  hiesigen  Kartoffel- 
krankheiten und  versagt  nie.  Sie  ist 
deshalb  besonders  als  ertragreichste 
und  widerstandsfähigste  Sorte  zu 
empfehlen,  und  sind  wir  überzeugt, 
dass  uns  Jedermann,  der  sie  baut,  für 
diese  Kartoffel  Dank  wissen  wird. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Das  Chrysanthemumfest  in  Stuttgart. 

In  dem  Blumen  liebenden  Stuttgart 
fand  unter  dem  Protektorate  der 
Königin  Charlotte  von  Württem- 
berg zum  Besten  armer  Kinder 
der  Stadt  Stuttgart  ein  einzigartiges 
Fest,  ein  wahrhafter  Blumentraum  vom 
22.  bis  27.  Xovember  statt. 

Eine  Anzahl  hochstehender  Damen, 
an  der  Spitze  Frau  Oberbürgermeister 
vonRümelin,  welche  bewährte  Kräfte 
wie  Baurat  Weigle,  Samenzüchter 
und  Handelsgärtner  Schneider  und 
Hofgarteninspektor  Ehmann  gewann, 
bildete  das  Festcomite.  Der  Besucher 
des  Festes  sollte  in  das  Land  jener 
Wunderblume,  die  das  Sinnbild  der 
Sonne,  des  Glanzes  und  der  Unwandel- 
barkeit ist,  nach  Japan  geführt  werden. 

Die  gelungene  Ausführung  dieser 
Idee  fand  in  den  Sälen  des  Königs- 
baues, welche  in  einen  blühenden 
Garten  umgewandelt  waren,  statt.  Man 
erblickte   Xipon    mit    seinem   Fusi-no- 


jama,  dem  schimmernden  Götterberge, 
im  Hintergrunde,  mit  seinen  blumigen 
Auen  und  murmelnden  Bächen.  Von 
grün  umbuschten  Felsen  stürzten  sich 
die  Wasser  in  glitzernden  Kaskaden 
in  die  Tiefe,  Binsen  und  Strauchwerk 
umsäumten  die  Ufer  und  über  die 
blauen  Wogen  wölbte  sich  in  schlankem 
Bogen  die  kleine  Brücke.  Wer  sich 
zu  dieser  den  Weg  durch  die  zahlreichen 
Besucher  gebahnt  hatte,  der  stand  wie 
geblendet  vor  der  flimmernden  Pracht. 
Zur  Rechten  erblickte  man  den 
glänzenden  Sonnentempel,  dessen  Vor- 
hof von  nickenden  Sonnenblumen  ein- 
geschlossen war.  Die  Wände  und 
Giebel  der  Pagode  waren  gleichfalls 
mit  Sonnenblumen  geschmückt.  Dann 
folgten  zu  beiden  Seiten  die  Bazare, 
eine  ununterbrochene  Kette  reizender 
Bauwerke,  geziert  durch  eine  grosse 
Anzahl  (ungefähr  70)  junger  Damen, 
welche  aus  dem  farbenglühenden  Japan 
erstanden   schienen.     Und    diese    vom 


Kleinere   Mitteilungen. 


lichtesten  Blau  bis  zum  tielsten  Rot, 
und  vom  zartesten  Orange  bis  zum 
dunkelsten  Violett  leuchtenden  Kostüme 
drückten  dem  Gesamtbild  ihren  Stempel 
auf,  so  dass  die  Toiletten  der  Besu<  hei 
als  sehr  einfach  erschienen. 

Diese  zierlichen  Japanerinnen  wussten 
dem  Besucher  das  Gross-  und  Klein- 
geld durch  Verkauf  von  Pfauenfedern, 
Postkarten.  Blumen.  Konfekt,  Kaffee, 
Thee.  Spiel,  Wahrsagen,  Theaterspielen 
aus  der  Tasche  zu  locken,  bis  schliess- 
lich   der  Geldbeutel    öde  Leere  zeigte. 

Und  wahrlich,  es  hatte  sich  das  Fest 
gelohnt,  ungefähr  38  000  Mark  wurden 
eingenommen,  die  Ausgaben  werden 
sich  ungefähr  auf  15  000  Mark  belaufen, 
Dank  dem  Entgegenkommen  der 
Handelsgärtner,  die  nicht  ganz  1000  M. 
für  die  Lieferung  der  Pflanzen  ver- 
langten. Der  Kgl.  Hof  besuchte  am 
24..  von  Bebenhausen  kommend,  das 
Fest  und  auf  Anordnung  I.  M.  der 
Königin  wurde  der  Reinertrag  des 
Promenadenkonzerts  am  27.  No- 
vember dem  stellvertretenden  Stadt- 
vorstand  übergeben,  welcher  bezüglich 
der  Verteilung  an  bedürftige  Wein- 
gärtner das  Weitere  in  die  Wege 
leiten   wird. 

Flohenheim.     Garteninspektor  Held. 


Neue  Ausschmückung   im  Erholungsgarten   des 
Hauses  Rudolph  Hertzog,  Berlin. 

Der  schöne  Wintergarten  des  Welt- 
hauses Rudolph  Hertzog  in  Berlin, 
das  bekanntlich  von  der  Breitenstrasse 
nach  der  Brüderstrasse  durchgeht,  hat 
jetzt  eine  andere  Ausschmückung  er- 
halten als  sie  zur  Zeit  war,  wo  wir 
eine  Beschreibung  derselben  gaben 
(Gartenflora  1897,  S.  407  m.  Abb.). 
Es  haben  sich  jetzt  zwei  Firmen  in  die 
Ausschmückung  der  Räume  des  Hauses 
Hertzog  getheilt.  Herr  Härder  besorgt 
den  Schmuck  im  Innern,  der  Treppen 
etc.,IlerrLandschaftsgärtner  Friedrich 
Maecker-Friedenau  bei  Berlin,  Rhein- 
strasse 29.  den  des  Erholungs-  oder 
Wintergartens. 

Zunächst  ist  im  Wintergarten  mehr 
Raum  gewonnen,  indem  an  der  Xord- 
seite  ein  unschöner  Kellerhals,  der 
verdeckt  werden  musste.  entfernt 
worden  und  der  Fussboden  unterwölbt 
ist,  um  einen  Durchgang  von  einem 
Keller  zum  andern  zu  haben.  Ferner 
ist   der   ganze   Raum    einheitlicher   ge- 


worden, indem  der  Seite  410  erwähnte 

Centaur.  .statt  quer  nahe  an  einem  1 
zu  stehen,  in  die  Längsachse,  aber 
seitlich  und  mehr  nach  vorn  gerückt  ist. 
Ueberall  sieht  man  schöne  Palmen- 
gruppen: Chamaerops Fortunei,  Phoenix 
canariensis ,  ferner  Blumentische , 
hübsche  Beete,  zahlreiche  Ampeln  und 
Farngruppen,  aus  denen  blühende 
Pflanzen  hervorlugen.  Das  ganze 
macht  einen  sehr  gefälligen  Eindruck, 
zumal  die  Wände  auch  mit  Schling- 
pflanzen bedeckt  sind.  Freilich  musste 
an  einzelnen  Stellen  künstlicher  Epheu 
und  künstlicher  wilder  Wein  mit  zur 
Hilfe  genommen  werden.  —  Das 
Verdienst  des  Herrn  Maecker  für 
diese  schöne  Ausschmückung  aner- 
kennend, sprach  der  Dekorations- 
ausschuss  ihm  eine  silberne  Me- 
daille  zu. 

Aus  der  Sitzung  des  Liebhaber-Ausschusses 
am  3.  Oktober  1898. 

(Es  ist  beschlossen  worden,  von  jetzt 
an  am  zweiten  Montag  im  Monat. 
7  Uhr,  Invalidenstr.  42  zu  tagen.) 

Herr  Urban  berichtet  über  ausser- 
ordentliche Erfolge  von  Kuhdung  bei 
Agaven.  Auf  eine  Tonne,  die  etwa 
ein  Hektoliter  Wasser  fasst,  werden 
zwei  Eimer  Kuhdung  genommen,  die 
man  darin  auflöst  und  mindestens 
acht  Tage  gären  lässt.  Alle  vier 
Wochen    wird   ein  Dungguss   gegeben. 

Herr  Demharter  zieht  Rinderguano 
vor.  Ein  Centner  kostet  0.50  M.  Er 
ist  sehr  reinlich,  wird  in  Wasser  gelöst, 
und  der  besseren  Wirkung  wegen  noch 
auf  fünf  Liter  mit  80  cem  Wagnerscher 
N ä h rlös u n g  versetzt. 

Herr(  '.eheimratHauchecorne  düngt 
seine  Obstbäume  mit  fünf  pro  Mille 
Wagnerscher  Nährlösung,  Marke  A.-G. 

Herr  Tri)  an  bemerkt,  dass  man 
Aloe  nicht  düngen  dürfe,  sonst  blühen 
sie  nicht.  Im  Winter  darl  man  sie 
auch  nicht  giessen.  Einzelne  sterben 
leider  trotzdem  im  Winter  ab,  bilden 
aber  aus  dem  Stumpf  neue  Triebe. 
Er  hält  sie  in  einem  Zimmer  mit 
(  »fenheizung. 

Herr  Geheim  rat  Hauchecorne 
berichtet  über  die  schönen  Orchideen 
des  Herrn  Gartenbau  -  Direktors 
Lackner  und  über  die  zahlreichen 
Exemplare      des     Usambara-Veilchens 


26 


Kleinere  Mitteilungen. 


Saintpaulia  ionantha,  die  zerstreut 
zwischen  den  Orchideen  stehen  und 
das  Ganze  sehr  beleben. 

Herr  Urban  hat  gefunden,  dass  bei 
ihm  Saintpaulia  ionantha  am  besten 
in    einem    kühlen   Keller    überwintert. 

Herr  Demharter  berichtet  über 
die  ausserordentlich  starke  Vermehrung 
des  Usambaraveilchens.  Am  besten 
ist  es,  Blätter  oder  Blattstücke  in  das 
Moos  von  in  guter  Vegetation  be- 
findlichen Orchideen  zu  stecken.  Dann 
bilden  sich  an  den  Nerven  leicht 
Wurzeln,    wie   bei    allen   Gesneraceen. 

Bei  Herrn  Geheimrat  Hauchecorne 
sind  die  gewöhnlichen  Zwetschen  und 
>-Anna  Späth«  fast  ganz  wurmfrei,  da- 
gegen hat  die  Katharinenpflaume  sehr 
viel  Würmer. 

Bei  Herrn  Martiny  ist  Napoleons 
Butterbirne   sehr  schön  geworden. 

Herr  Hauchecorne  findet,  dass 
das  meiste  Obst  dies  Jahr  früher  reift. 

Herr  Urban  teilt  mit,  dass  seine 
.Mutter  alles  Laub  hat  verbrennen 
lassen  und  nun  fast  gar  keinen  Apfel- 
stecher mehr  in  ihrem  Obst  hat, 
während  sich  sonst  viele  zeigten. 

Bei  Herrn  Martiny- Wilmersdorf 
giebt  es  dies  Jahr  fast  gar  kein 
Fallobst.  Er  hat  allerdings  alle  mög- 
lichen Vorsichtsmassregeln  ergriffen 
und  lässt  die  Bäume  so  weit  er  reichen 
kann,  mit  Kupferkalkbrühe   spritzen. 

Bei  Herrn  Geheimrat  Hauchecorne 
sind  dagegen  viele  Würmer.  Die 
Kanada-Reinetten  wurden  erst  ange- 
stochen, als  sie  schon  so  gross  wie 
Borsdorfer  waren. 

Herr  Martiny  hat  dasselbe  früher 
beim  Danziger  Kantapfel  bemerkt,  aber 
dies  Jahr  nur  wenig. 

Landesökonomierat  Göt  he  hat  Herrn 
Geheimrat  Hauchecorne  geraten, 
ein  Meter  über  dem  Boden  am  Stamm 
einen  Kranz  von  Holzwolle  anzubringen. 

Herr  Martiny  hat  das  auch  gethan; 
er  hat  das  Papier  darüber  auch  noch 
mit  Raupenleim  bestrichen  und  das 
hat  geholfen.  Sein  Nachbar,  der  es 
nicht  gethan,  hat  viel  Fallobst. 

Herr  Cordel  hatte  im  Jahre  1898 
nur  Maden  an  drei  Hochstämmen: 
geflammter  Cardinal,  Charlamowsky 
und  Cellini. 

Die  Birne  Howell,  die  am  jungen 
Hochstamm  sonst  viele  xMaden  hatte, 
hat  dies  Jahr  keine. 


Herr  Martiny  hat  auch  viele  Nist- 
kästen angebracht,  und  zwar  vor- 
schriftsmässig  mit  dem  Flugloch  nach 
Südost. 

Die  Schwarzdrosseln  werden  als 
sehr  schädlich  für  das  Obst  bezeichnet. 
Sie  bauen  selbst  in  Lorbeer-  und 
Stachelbeerhochstämmen. 

Herr  Martiny  -  Wilmersdorf  zieht 
sogenannte  kernlose  Johannisbeeren. 
Roh  schmecken  sie  wie  Ahlbeeren, 
dagegen  geschmort  als  Kompot 
wundervoll.  Im  Jahre  1898  sind  die 
Beeren  fast  alle  von  den  Stielen  ab- 
gefallen. L.  Maurer-Jena  brachte  sie 
zuerst  in   den  Handel. 

Herr  Geheimrat  Schmidt  teilt  mit, 
dass  im  Humboldthain  ein  weisser  und 
ein  roter  Hibiscus  hochstämmig  in 
schönster  Blüte   stehen. 

Bei  Herrn  Geheimrat  Fritsch  in 
Wilmersdorf  sind  nach  Herrn  Martiny 
auch  grosse  Hochstämme. 

Auf  dem  Wege  von  Pallanza  nach 
Intra  stehen  nach  Geheimrat  Hauche- 
corne grosse  Hochstämme  als  Allee- 
bäume. 

Bei  Buch  ist  im  Garten  eine  grosse 
Taxus  hibernica.  Der  Park  von  Buch 
kann  einst  ein  sehr  schöner  Park  für 
die  Berliner  Bevölkerung  werden,  wie 
Herr   Geheimrat  Schmidt  mitteilt. 


Die  Theehybrid-Rose  Gloire  Lyonnaise. 

Von  Adam  Heydt,  Kunstgärtner. 

Von  weissen  Rosen,  die  durch  ihre 
Schönheit  mir  besonders  gefielen, 
möchte  ich  Gloire  Lyonnaise  sehr  em- 
pfehlen. DerWuchs  und  das  ganze  Aus- 
sehen verrät  ihre  Abstammung  von 
Theerosen,  und.  ich  zähle  sie  zu  den 
Theehybriden,  selbst  wenn  auch  einige 
Rosisten  diese  Rose  zu  den  Remontan- 
ten  zählen. 

Die  Blumenform  ist  eine  echte  Rosen- 
form. Blumenblätter  ziemlich  breit, 
Farbe  innen  ins  Gelbe  spielend,  sonst 
schönstes  Weiss.  Gloire  Lyonnaise  be- 
sitzt einen  angenehmen  und  starken 
Duft.  Die  Blumen  stehen  immer  auf- 
recht, daher  passt  diese  Rose  am  besten 
für  Töpfe,  niedrige  Büsche  und  Pyra- 
miden, auch  für  halbhohe  und  mittel- 
hohe Stämme.  Für  Hochstämme  über 
1  m  ist  sie  nicht  zu  sehr  zu  verwenden, 
weil  man  dann  nicht  den  vollen  Blick 
der  Blumen  geniesst. 


Gewerbliche  Angelegenheiten. 


27 


Das  schlanke,  last  ganz  stachellose 
Holz  ist  ins  Rotbraungrüne  spielend: 
Blätter  von  mittlerer  Grösse,  Wuchs 
stark;  Blüte  sehr  früh  und  auch  reich. 

Als  Schaublume  ist  sie  vorzüglich. 
Gegen  den  Winter  ist  sie  nicht  gar  zu 
empfindlich. 


Das    Einfüttern    der    Cyclamen    in    Sägespäne. 

Von   Adam   Hey  dt,   Kunstgartner. 

Von  allen  den  Mitteln,  die  zum  Ein- 
füttern der  Cyclamen  genannt  werden, 
halte  ich  Sägespäne  für  das  beste. 
Jedoch  muss  man  immer  ein  Thermo- 
meter dabei  benutzen,  weil  sonst  die 
hohe  und  lang  anhaltende  Wärme  nicht 
taxiert  werden  kann  und  die  Pflanzen 
dann  zu  leicht  verbrennen  können. 

Sägespäne  wärmen  gut,  behalten  die 
Wanne  recht  lange,  lassen  kein  Unkraut 
aufkommen  und  verbreiten  nach  dem 
Ueberspritzen  eine  gute  feuchte  Luft. 
Solche  Sägespäne,  die  von  Buchenholz 
stammen,  sind  besser  als  diejenigen 
von  Tannen-  und  Fichtenholz,  weil  von 
letzteren  ein  den  Pflanzen  schädlicher 
Dunst  entsteigt  und  sie  auch  leicht  den 
bekannten  Kohlenpilz  hervorrufen. 

Hat  man  Cyclamen  in  einem  frischen 
warmen  Kisten  auf  Sägespäne  gestellt, 


so  muss  man  besonders  gegen  Sonne 
vorsichtig  sein,  im  Xu  ist  der  Kasten 
zu  heiss.  Deshalb  mit  dem  Schattieren 
aufpassen! 

Die  Saatstelle  der  Deutschen  Landwirtschafts- 
Gesellschaft, 

welche  die  möglichst  zuverlässige  und 
vorteilhafte  Versorgung  der  Landwirte 
mit  Saatwaren  —  möglichst  unmittel- 
bar vom  Erbauer  —  zum  Ziel  hat. 
zeigt  eine  stetige  Zunahme  ihrer  Um- 
sätze: Im  Frühjahrsgeschäft  dieses 
Jahres  hat  sie  7194  Aulträge  durch 
Vermittelung  von  41  335,09  D.-Ztr. 
Saatware  im  Werte  von  755  839  M. 
nach  Massgabe  ihrer  Grundregel  er- 
ledigt. Die  im  vorigen  Jahre  einge- 
führte »Anerkennung«  von  Saaten, 
die  den  Käufern  Wirtschaften  kenntlich 
macht,  die  den  Saatbau  mit  besonderer 
Sorgfalt  betreiben,  ist  in  diesem  Jahre 
von  17  Züchtern  mit  34  Wirtschaften 
für  02  einzelne  Saaten  in  Anspruch 
genommen,  gegenüber  10  Züchtern 
mit  16  Wirtschaften  und  31  einzelnen 
Saaten  im  Jahre  1897.  Es  erweist 
sich  diese  Einrichtung  als  weiterer 
Ausgestaltung  fähig  und  verspricht  ein 
wirksames  Mittel  zur  Verbesserung 
des  Saatenbezuges  zu  werden. 


Gewerbliche  Angelegenheiten. 


Auszug  aus  den  Vorschriften  der  bulgarischen 
Regierung    über    den    Pflanzen-    etc.   Verkehr. 

Die  Einfuhr  lebender  Pflanzen  mit 
Ausnahme  der  Rebe  ist  gestattet,  wenn 
die  betreffenden  Pflanzen  aus  Gegenden 
stammen,  welche  von  der  Reblaus 
nicht  heimgesucht  sind;  jedoch  ist  zu 
solcher  Einfuhr  die  Genehmigung  des 
Ministers  für  Handel  und  Landwirtschaft 
einzuholen.  Diese  Einfuhr  darf  nur 
über  die  Zollstellen  Tzaribrod,  Sofia, 
Harmanly,  Varna,  Burgas  und  Rustsehuk 
erfolgen;  auch  müssen  die  Sendungen 
mit  einem  das  Nichtvorhandensein  der 
Reblaus  am  Ursprungsorte  darthuenden 
Begleitscheine  versehen  sein.  Ein 
solcher  Begleitschein  ist  auch  bei  der 
Einfuhr  von  Obst  und  Gemüse  er- 
forderlich. Kartoffeln  und  Zwiebel- 
gewächse, ebenso  alle  Teile  von 
Reben  sind  hingegen  von  der  Einfuhr 
ausgeschlossen;  doch  ist  die  Durchfuhr 


dieser  Gegenstände  mit  Genehmigung 
des  Ministers  für  Handel  und  Land- 
wirtschaft gestattet. 

Wein,  Most,  Rosinen,  Trester,  land- 
wirtschaftliche Sämereien  werden  zur 
Einfuhr  zugelassen;  indess  kann  diese 
bei  Verdachtsmomenten  gewissen  Be- 
schränkungen unterworfen   werden. 

Alle  zur  Einfuhr  zugelassenen 
Pflanzen,  mit  Ausnahme  von  Blumen 
in  Töpfen,  sowie  Obst  und  Gemüse 
müssen  vollständig  von  Erde  entblösst, 
in  Leinwand  eingehüllt  und  in  Kisten 
oder  Körben  derartig  verpackt  sein, 
dass  die  Sendungen  leicht  geöffnet 
und  untersucht  werden  können,  ins- 
besondere auch  darauf  hin,  ob  sie 
Weinblätter  oder  andere  mit  dem 
Weinbau  zusammenhängende  Dinge 
enthalten,  durch  welche  die  Reblaus 
in  das  Fürstentum  eingeschleppt 
werden  könnte. 


28 


Litteratur. 


Wenn  die  Pflanzen  verdächtig  er- 
scheinen oder  den  Vorschriften  nicht 
entsprechend  versandt  sind,  werden 
sie  zurückgeschickt  oder  an  Ort  und 
Stelle  vernichtet,  sofern  der  Adressat 
in  die  Rücksendung  nicht  willigt. 
(Amtliche  Mitteilung  aus  dem  Kgl.  preussischen 
Ministerium  für  Landwirtschaft,  Domänen  und 
Forsten.) 


Verhütung  der  Einschleppung  von  Schildläusen 
in  Neuseeland. 

Nach  einer  für  Neuseeland  unter  dem 
10.  August  d.  J.  ergangenen  Bekannt- 
machung ist  die  Einfuhr  von  Obst-  und 
anderen  Bäumen  oder  Pflanzen  (ein- 
schliesslich Schnittlinge,  Reiser  oder 
anderer  Teile  von  Pflanzen,  aus- 
genommen Obst)  nach  Neuseeland  ver- 
boten, wenn  diese  Gegenstände  mit 
irgend  einer  Art  Schildläuse  behaftet 
sind  oder  auch  nur  Spuren  derartiger 
Schädlinge  in  irgend  einer  Ent- 
wicklungsform aufweisen. 

Werden  infizierte  Obstbäume  oder 
Pflanzen  oder  Teile  davon  verbots- 
widrig in  die  Kolonie  eingeführt,  so 
wird  mit  den  betreffenden  Gegen- 
ständen und  der  Verpackung  in  der 
dafür  anderweit  vorgeschriebenen 
Weise  verfahren. 

Die  fragliche  Einfuhr  darf  nur  über 
die  Häfen  Auckland  und  Wellington 
erfolgen. 

(Amtliche  Mitteilung  aus    dem  Kgl.    preuss. 
Ministerium  für  Landwirtschaft,  Domänen   und 
Forsten.) 


Neuer  preussischer  Gütertarif. 

Mit  dem  1.  Oktober  1898  ist  für  die 
preussischen  Eisenbahnen  ein  neuer 
Stückguttarif  zur  Geltung  gekommen, 
über  dessen  Nützlichkeit  die  Meinungen 


je  nach  Verschiedenartigkeit  der  Inter- 
essen geteilt  sind.  Obgleich  ein  sehr  er- 
heblicher Teil  des  heutigen  Stückgut- 
verkehrs von  den  Ermässigungen  des 
neuen  Tarifs,  nämlich  der,  welcher 
sich  innerhalb  der  ersten  Zone  bis 
zu  50  km  bewegt,  nicht  getroffen  wird, 
berechnet  der  preussische  Eisenbahn- 
fiskus  für  die  bewilligten  Herab- 
setzungen eine  Mindereinnahme  für  die 
preussischen  Staatsbahnen  von  11V2 
Mill.  M.  jährlich.  Als  Abschlagsleistung 
mögen  die  neuen  Stückguttarife  immer- 
hin begrüsst  werden,  die  sich  nun  wie 
folgt  stellen:  Bei  Entfernungen  von  bis 
zu  50  km  bleibt  es,  wie  schon  bemerkt, 
bei  dem  alten  Preis  von  1 1  Pf.  für  die 
Beförderung  von  1000  kg  auf  1  km; 
aber  für  weitere  Entfernungen  sind 
staffeiförmige  Ermässigungen  bewilligt 
worden  und  zwar  werden  berechnet 
51  bis  200  km  mit  10  Pf.,  201  bis  300 
km  mit  9  Pf.,  301  bis  400  km  mit  8  Pf., 
401  bis  500  km  mit  7  Pf.  und  über 
500  km  mit  6  Pf.  für  die  Beförderung 
von  1000  kg  auf  1  km.  Bei  diesen 
Staffeltarifen  wird  nicht  der  niedrigste 
Satz  für  die  längste  Entfernung  zu 
Grunde  gelegt,  sondern  jede  Zone 
wird  für  sich  berechnet,  so  dass  die 
Fracht  für  eine  Sendung  von  1000  kg 
mit  600  km  sich  wie  folgt  zusammen- 
setzt: 

aus       5,50  M.  für       1 —  50  km. 
„       15,00    ,,     ,,       51—200     „ 
9,00    ,,     ,,     201—300     ,. 
,,         8,00    „     ,,     301 — 400     .. 

7:00      „        „        401—500        „ 

.,         6,00    „     ,.     501 — 600     „ 

Sa.  50,50  M. 
Demnach   nimmt    die  Eisenbahnver- 
waltung für  dieBeförderung  von  1000  kg 
Stückgut  auf  600  km  50,50  M. 


Litteratur. 


Deutscher  Gartenkalender. 
XXVI.  Jahrgang,  1899.  Herausgegeben 
von  MaxHesdörffer  in  Berlin.  Verlag 
von  Paul  Parey,  Berlin.  Wir  finden 
einige  neue  Aufsätze  in  diesem  alt- 
bewährten Kalender,  der  wiederum 
warm  empfohlen  sei.  Die  Mischung 
für  Wiesen,  die  Ertrag  bringen  sollen 
(S.  79),  würde  aber  viel  zu  teuer  kommen, 


wenn  man  12  Teile  Fuchsschwanz 
(Alopecurus  pratensis)  nehmen  wollte. 
Auch  sind  6  Teile  Weissklee  zu  6  Teilen 
Rotklee  zu  viel,  der  Weisskleesamen 
ist  ja  viel  kleiner. 


Allgemeiner  Deutscher  Gärtner- 
Kaien  der  für  1899.  Herausgegeben 
vom  Haupt-Vorstand  des  Allgemeinen 


Aus  den   Vereinen. 


-'.' 


Deutschen  Gärtner-Vereins.  5.  Jahr- 
gang. Berlin.  Verlag  des  Allgemeinen 
Deutschen  Gärtnervereins,  N.,  Weissen- 
burgerstrasse  66. 

Dieser  besonders  für  Gehilfen 
geschriebene  Kalender  enthält  die 
wichtigsten  Bestimmungen  über 
Kranken-  und  Invaliditäts-,  sowie 
Unfallversicherung,  Gewerbeordnung, 
Gesinderecht  etc.  und  einige  andere 
wichtige  Tabellen  etc. 


Walter  T.  Swingle  and  Herbert 
J.  Webber,  Hybrids  and  their  utili- 
zation  in  plantbreeding  (S.-A.  aus 
Yearbook  of  Dep.  of  Agriculture  for 
1897,  Washington).  Die  Verfasser 
weisen  nach,  wie  durch  Bastardieren 
die  Pflanzen  bezw.  ihre  Blumen  und 
Früchte  meist  grösser  und  schöner 
werden;  mehrere  interessante  Ab- 
bildungen sind    beigegeben.       L.  W. 

Dr.  W.  G.  Farlow.  Some  edible 
and  poisonous  fungi  (Bullet.  Xo.  15 
U.  S.  Dep.  of  Agriculture,  Division  of 
veget.  phys.  and  pathology).  Einer 
der  besten  amerikanischen  Pilzkenner 
giebt  hier  populäre  Anleitung  zur 
Erkennung  essbarer  und  schädlicher 
Schwämme  an  der  Hand  vorzüg- 
licher Abbildungen.  I..  W. 


Deutsches  Gärtner-Liederbuch. 
Berlin, Verlag  d.  AllgemeinenDeutschen 
Gärtner-Vereins.  2.  vermehrte  Aufl. 
1898.     Preis  50  Pf. 

Dieses  »dem  ersten  Einiger  der 
deutschen  Gärtner  Paul  Gräbner  in 
hoher  Verehrung  gewidmete«  Lieder- 
buch, das  mit  dem  Portrait  Gräbners 
und  einer  Abbildung  seines  Grab- 
denkmals geschmückt  ist,  sei  allen 
Gärtnern      bestens     empfohlen.        Bei 


einiger  Umschau  auf  Vereinsfesten 
dürfte  übrigens  die  Zahl  der  Lieder 
sich  leicht  noch  steigern  lassen.  Einzelne 
Lieder  wären  dann  durch  andere  zu 
ersetzen,  so  z.  B.  Xo.  23,  in  welchem 
u.  a.  erklärt  werden  soll,  warum  die 
jungen  Gärtner  nicht  Gesellen,  sondern 
Gehülfen  heissen,  nämlich  weil  Gott 
dem  Adam,  dem  ersten  Gärtner, 
»Gehülfin«  schul  !  L.  W. 

Der  Schul-  und  Ilausgarten 
(Verlag  von  Oskar  Bonde-Altenburg), 
halbjährlich  bei  monatlichem  Er- 
scheinen 1  Mk.,  bei  freier  Zusendung 
1,20  Mk.  VI.  Jahrg.  Xo.  1.  Die  neueste 
Nummer  dieser  Zeitschrift,  welche  bei 
der  grossen  Bedeutung,  die  man  jetzt 
namentlich  in  pädagogischen  und  volks- 
wirtschaftlichen Kreisen  der  Schul- 
gartenfrage und  der  Pflege  des  Haus- 
gartens beimisst.  sich  in  allen  Kreisen 
leicht  neue  Freunde  erwerben  wird, 
i  bringt  folgenden  beachtenswerten  In- 
halt: Herbsteshofren,  Gedicht  von 
Martin  M  a  a  c  k.  —  Aus  unserer 
Spruchmappe.  —  Unsere  Ziele.  — 
Herbstarbeiten  im  Schulgarten.  —  Die 
brau  in  der  Landwirtschaft  und  im 
Gartenbau.  —  Einige  Winke  für  den 
Obstzüchter  während  der  Herbst-  und 
Winterzeit.  Das       Wegekraut«    in 

Bismarcks    Wappen.  Arbeiten    im 

Oktober  und  November.  —  Ratschläge 
und  Winke  für  Obst-,  Gemüse-  und 
Zimmergarten.  —  Kleine  Mitteilungen. 
—    Litterarisches.  Briefkasten.   — 

Anzeigen. 

S  ak  ellar  io.  Über  die  Wer  t- 
bestimmung  der  wichtigsten  land- 
w  i  r  t  s  c  h  a  f  1 1  i  c h  e  n  S  ä  m  e  r  e  i  e  n.  Publ. 
der     K.     K.     Samenkontrollstation     in 

Wien. 


Aus  den  Vereinen. 


Obstbau  -Kongress  in  Frankfurt  a.  M.  1899. 
Seitens    der    Gartenbau -Gesellschaft 

sowohl,  wie  des  landwirtschaftlichen 
Vereins  wurde  auf  Antrag  des  Beeren- 
wein-Produzenten, Herrn  J.  Fromm. 
Frankfurt  a.M.,  einstimmigderBeschluss 
gefasst,  anlässlich  der  im  Juni  1899 
hier  stattfindenden  grossen  landw.  Aus- 
stellung und  Versammlung  einen  <  >bst- 


bau-Kongress  hier  zu  veranstalten,  um 
auf  diesem  in  Form  einer  freien  Be- 
sprechung folgende  Punkte  zu  beraten 
und  zu  erörtern:  1.  Die  Förderung  der 
intensiven  Obstverwertung,  also  des 
Obstabsatzes  und  des  Obsthandels.  2.1  >ie 
Gestaltung  des  Obstes  zu  einer  wirk- 
lichen Marktware,  um  dadurch  den 
Obstbau    zu    einer    Quelle    des    Wohl- 


32_ 


Unterrichtswesen.  —  Ausstellungen  und  Kongresse. 


Standes  für  unser  Vaterland  zu  machen, 
die  ebenso  ergiebig  werden  kann,  wie 
die  Zucker-  und  Spiritus-Industrie  es 
geworden  sind.  3.  Organisation  des 
Obsthandels  in  Deutschland.  4.  Auf- 
bewahrung und  Transport  des  frischen 
Obstes.  5.  Fortschritte  in  der  Obst- 
verwertung, Erschliessung  von  Absatz- 
quellen. 6.  Ueberwinterung  des  Obstes 
in  Obstspeichern  (Aufbewahrungs- 
häuser) nach  Art  der  oder  im  An- 
schluss  an  die  Kornspeicher,  um  das 
geerntete  Obst  unbeschädigt  durch  den 


Winter  zu  bringen,  und  dadurch  nicht 
nur  eine  bessere  Verwertung  zu  er- 
möglichen, sondern  auch  die  Einfuhr 
fremden  Obstes  soviel  als  möglich  zu 
vermindern.  7.  Entsprechende  Ver- 
packung des  Obstes  für  Handel  und 
Konsum.  8.  Einrichtung  von  Obst- 
auktionen in  den  grossen  Marktzentren, 
wie  solche  in  Berlin ,  Paris,  London  u.  s.  w. 
stattfinden,  da  die  Verwertung  des 
frischen  Obstes  bekanntlich  die  best- 
lohnendste ist. 


Unterrichtswesen. 


Die  Staats-Gartenbauschule  in  Gent 
feiert  im  Juni  1899  ihr  sojähriges  Be- 
stehen   und  wird    bei  der  Gelegenheit 


ein  internationaler  Kongress  über  gärt- 
nerischen Unterricht  stattfinden. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Berlin.  Grosse  deutsche  Winter- 
Blumenaus  Stellung  Mitte  Februar 
1900  im  Zoologischen  Garten.  Das 
Programm  wird  nächstens   erscheinen. 


Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau-Ausstellung  vom  5./19. 
bis  15./27.  Mai  1899.  Anmeldungen  bis 
spätestens  zum  1./13.  März  an  Geheim- 
rat Exzellenz  Prof.  Fischer  von 
Wald  heim,  Kaiserl.  bot.  Garten. 
Auch  für  nicht  im  Programm  vor- 
gesehene Gegenstände  stehen  Preise 
zur  Verfügung.  Die  Preisrichter  wer- 
den bald  ernannt  werden. 

Nähere  Bestimmungen: 

1.  Auswärtige  Exponenten  zahlen 
keine  Platzmiete. 

2.  Auf  allen  russischen  Bahnen  wird 
eine  bedeutende  Preisermässigung  ge- 
währt: für  Exponate,  deren  Begleiter, 
für  die  Exponenten,  Kommissare,  Dele- 
gierte und  Preisrichter.  Wie  gross  die 
Preisermässigung  sein  wird,  soll 
nächstens  bekannt  werden. 

3)  Es  werden  Schritte  eingeleitet,  um 
eine  Preisermässigung  auch  von  Seiten 
ausländischer  Bahnen  zu  erwirken. 

4)  Alle  eben  erwähnten  Personen  er- 
halten ein  Zertifikat  von  der  kaiserl. 
russischen  Gartenbau  -  Gesellschaft, 
welches  dieselben  zur  Preisermässigung 
berechtigt.     Für  die  Exponate  werden 


besondere  Etiquetten  zugeschickt,  die 
zu  einer  zollfreien  und  direkten  Be- 
förderung über  die  Grenze  bis  zum 
Ausstellungsplatz  dienen. 

5.  Die  Exponate  können  mit  Etiquetten 
in  beliebiger  Sprache  von  den  Expo- 
nenten versehen  sein;  nur  müssen  die 
Pflanzen  lateinische  Namen  haben. 

6.  Im  Notfall  wird  die  Gesellschaft 
auf  Wunsch  die  Verpackung  und  Rück- 
sendung der  Exponate  besorgen;  die 
damit  verbundenen  Kosten  hat  der 
Exponent  zu  tragen. 

7.  Treibobst  und  Frühjahrsgemüse 
werden  bis  spätestens  den  4./16.  Mai  zur 
Ausstellung  zugelassen ,  wenn  die 
nötige  Anmeldung  rechtzeitig  stattfand. 

Belgische  Aussteller  wollen  grosse 
Sammlungen  blühender  Orchideen  per 
Nord-Express  senden.  Allem  Anschein 
nach  wird  die  auswärtige  Abteilung  der 
Ausstellung  glänzend  ausfallen. 


Hannover.  Crysanthemum  -Aus- 
stellung. Leider  können  wir  noch 
keinen  Bericht  bringen,  da  unser 
Berichterstatter  sein  Manuskript  noch 
nicht  eingesandt  hat. 


M  e  i  s  s  e  n.  In  Meissen  fand  vom 
13. — 15.  November  1898  eine  sehr  ge- 
lungene Chrysanthemum  -  Ausstellung 
statt. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse.  —   Personal-Nachrichten. 


V 


Antwerpen.  9.  bis  13.  April  1899. 
Internationale  Gartenbau  -  Aus- 
stellung   zur    Feier    der    300jährigen 


Wiederkehr  der  Geburt  von  Anton  v  an 
Dyck.  Anmeldungen  bis  10.  März  beim 
Sekretariat,    215  Chaussee   de  Malines 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


Mette  in  Quedlinburg.  Engros-Preis- 
liste  über  Blumen-,  Gemüse-.  Gras- 
und  landwirtschaftliche  Samen.  —  J.  C. 
Schmidt  in  Erfurt.  Engros-Preisliste 
über  Gemüse-  und  Blumensämereien 
(m.  Abb.).  —  Derselbe.  Album  für 
Geschenke  (m.  Abb.).  --  Keilholz  in 
Quedlinburg.  Blumen-,  Gemüse-,  Feld- 
und  Grassamen.  —  Thomas  S.  Ware 
in  Tottenham,  London.  Zwiebeln,  Zier- 
pflanzen etc.  (m.  Abb.).  —  Dammann 
&  Co.  in  San  Giovanni  a  Teduccio  bei 
Neapel.       Gemüse     und      Zierpflanzen 


(m.  Abb.)  —  Martin  Gras  hoff  in 
Quedlinburg.  Feld-,  Gemüse-,  Garten-, 
Gras-  und  Waldsamen.  —  A.  Käding 
in  Schwiebus.  Gewächshausbauten, 
Warmwasserheizungen  etc.  (m.  Abb.).  — 
Vigneron  Fils  Succrs.  in  Olivet  bei 
Orleans  (Loiret).  Rosen.  —  Thomas 
S.  Ware,  Haie  Farm  Xurseries  in 
Tottenham,  London.  Blumen-  und 
Gemüsesamen,  Begonien.  Chrysan- 
themum, Gladiolen  und  andere  Spe- 
zialitäten. —  Hof  lief.  J.  Klar  in  Berlin. 
Haupt-Preiscourant. 


Personal-Nachrichten. 


Goeppert-Denkmal  in  Sprottau. 

Dem  vor  mehreren  Jahren  in  Breslau 
verstorbenen  Ehrenbürger  der  Stadt 
Sprottau,  Geheimen  Medizinalrat  Prof. 
Dr.  Goeppert,  Direktor  des  bota- 
nischen Gartens  an  der  Universität  in 
Breslau.  welchem  bereits  in  den 
städtischen  Promenadenanlagen  in 
Breslau,  und  zwar  in  ihrem  schönsten 
Teile,  ein  Denkmal  errichtet  worden 
ist,  wird  nunmehr  auch  seine  Vater- 
stadt Sprottau  resp.  dessen  städtische 
Behörden  in  Verbindung  mit  einem 
Komitee,  bestehend  aus  Göpperts  vielen 
Verehrern.  Freunden  und  Schülern  ein 
Denkmal  errichten.  Dasselbe  soll  an 
seinem  100jährigen  Geburtstage,  dem 
25.  Juli  1900,  feierlichst  enthüllt  und 
der  Stadt  zu  seiner  Wartung  und 
Pflege  übergeben  werden.  Es  wird 
seinen  Platz  im  städtischen  Park,  gegen- 
über dem  „Laube-Denkmal",  erhalten. 
Strauwal  d-Cosel,  aus  Sprottau. 


Kommerzienrat  Helfft- Berlin,  Mit- 
glied des  Vereins  zur  Beförderung  des 
Gartenbaues  ist  zum  Geh.  Kommerzien- 
rat ernannt. 


Geh.  Kommerzienrat  Spindler- 
Spindlersfeld,  Mitglied  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  ist  zum 
Ehrenbürger  derStadt  Köpenick  ernannt. 


Als  Nachfolger  des  Institutsgärtners 
Lücke   ist  E.  S.  Weissen  bor  n   an  die 


Gartenbau-  und  Obstbaumschule  zu 
Wittstock  berufen  worden.  Weissen- 
born,  ein  Schüler  von  Geisenheim. 
war  an  der  Obst-  und  Weinbauschule 
zu  Trier  als  Lehrer  thätig  und  studierte 
später  an  der  landw.  Hochschule  in 
Berlin  namentlich  die  Krankheiten  der 
Gartenpflanzen. 

Professor  Axel  Blytt  an  der  T'ni- 
versität  Christiania  plötzlich  f  am 
18.  Juli  1898  im  Alter  von  55  Jahren. 
(Erst  vor  kurzem  ist  uns  die  Anzeige 
zugegangen.) 

Der  Hoflieferant  H.  F.  Eil  er  s  in 
St.  Petersburg  feierte  am  19.  (nicht 
am  17.)  Oktober  seine  silberne  Hochzeit. 


Dr.  Hoeppner  wurde  an  der 
önochemischen  Versuchsstation  der 
Kgl.  Lehranstalt  für  Obst-  und  Weinbau 
zu  Geisenheim  a.  Rh.  als  Assistent  an- 
gestellt. 

Dr.  Laubert  wurde  ebendaselbst 
als  Assistent  an  der  pflanzenphysio- 
logischen   Versuchsstation     angestellt. 


Der  Kgl.  sächsische  Hofgärtner  a.  D. 
G.  A.  W  e  n  t  z  e  1 ,  früher  Leiter  des 
Hofgartens  in  Pillnitz,  f  am  10.  Okt. 
1898  im  Alter  von  67  Jahren. 

Dem  1.  Obergehilfen  des  Kgl.  bota- 
nischen Gartens  in  Berlin,  Heinrich 
Strauss,  der  am  15.  Dezember  sein 
25  jähriges  Jubiläum  feiert,    ward  vom 


92  Berichtigungen.  —  Winterfest. 


Verein  zur  Beförderung  des  Garten- 
baues eine  silberne  Medaille  mit  der 
Inschrift:  »Für  25jährige  treue  Dienste« 
verliehen.  Auch  die  Beamten  des  bo- 
tanischen Gartens  und  des  Museums 
überreichten  ihm  Ehrengaben. 


F.  Rehnelt,  Universitätsgärtner  am 
botanischen    Garten    zu   Giessen,    und 

A.  Purpus,  Obergärtner  des  bota- 
nischen Gartens  zu  Darmstadt,  wurde 
vom  Grossherzog  von  Hessen  der  Titel 
Garteninspektor  verliehen. 


Berichtigungen. 

Zu  Nr.  23,  S.  626.  Die  Adresse  von  E.  Georg  Reid  ist  Reids  Xursery,  Becken- 
ham  Hill,  London  S.  E.  (South  East),  nicht  London  3b.  —  Seite  620  und  621 
war  sie  richtig  angegeben. 

S.  630.  In  der  Unterschrift  unter  der  Abbildung  124  lies:  Sumpfdotterblume 
mit   130  gelben  Blüten,  nicht  30.     Im  Text  steht  es  richtig. 

Bitte  berichtigen  zu  wollen,  dass  ich  in  der  letzten  Versammlung  (Garten- 
flora 1898  Seite  652)  bunte  Arundoblätter  zur  Verwendung  bei  Blumenkörben, 
Blumensträussen  etc.  empfahl,  jedoch  nicht  von  Blumen  stocken  gesprochen  habe. 

G.  Körper,  Fürstenwalde  a.  d.  Spree. 

Berichtigung  betr.  der  Obstausstellung.  In  Heft  24  der  Gartenflora 
1898  S.  653  steht,  dass  ich,  nachdem  ich  auf  die  wertvollsten  Sorten  der  von  mir 
ausgestellten  Aepfel  aufmerksam  gemacht,  gesagt  haben  soll,  dass  ich,  da  ich 
keine  vorschriftsmässigen,  guten  Früchte  ausgestellt  habe,  auf  die  mir  zu- 
erkannte kleine  silberne  Medaille  verzichte.  Dies  ist  ein  Irrtum;  ich  habe 
gesagt,  da  die  von  mir  ausgestellten  Früchte  (nach  Ansicht  der  Preisrichter) 
nicht  alle  ausstellungsfähig  gewesen  sein  sollen,  verzichte  ich.  Ich  bemerke 
hierzu,  dass  man  vielfach  der  Ansicht  war,  meine  Kollektion  enthielte  die 
schönsten  Früchte  und  besten  Sorten,  und  gab  mir  den  Rat,  da  dies  nicht 
gebührend  berücksicht  sei,  sollte  ich  die  kleine  silberne  Medaille  zurückweisen, 
was  ich  auch  gethan  habe. 

Im  übrigen  bemerke  ich  noch,  dass  die  beschränkte  Ausstellung  voll- 
ständig ihren  Zweck  verfehlt  hat,  da  eine  Berichterstattung,  welche  soviel  hätte 
sagen  können  und  sagen  sollen,  ausgeblieben  ist.*)  Der  Hauptzweck  war, 
die  Sorten  und  Früchte  danach  zu  beurteilen,  auf  was  für  Boden  die  eine 
oder  andere  Sorte  besser  gedeiht,  um  den  Liebhabern  einen  Fingerzeig  zu 
geben:  für  diesen  oder  jenen,  trocknen  oder  nassen  Boden  sind  die  hier 
gezeigten  Sorten  anzupflanzen;  wozu  wären  denn  auch  sonst  die  Zettel 
auszufüllen  gewesen?  Ob  eine  Frucht  verkäuflich  ist  oder  nicht,  bedarf  wahrlich 
keiner  Beantwortung,    denn    jeder    gute  Apfel    findet   immer  seinen  Abnehmer. 

C.  Dressler. 


2.  Winterfest  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues, 
Donnerstag,  den  19.  Januar  im  Hotel  Imperial  pünktlich  8  Uhr. 

Anmeldungen  nur  bis  n.  Januar  an  Herrn  Kgl.  Hoflieferant  J.  F.  Loock, 
Berlin  X.,  Chausseestr.  52  a. 

*)  Herr  Junge  hat  in  der  Versammlung  am  24.  November  Bericht  erstattet.    L.  W. 


Cattleya  Trianae  „Hofgärtner  Wundel". 

__.  Hierzu  Tafel    i.pN. 

'■]1£)  lüten  sehr  gross  und  von  vollendet  schöner  Form.  Blumenblätter  sehr  breit, 
(^=9  zartrosa  mit  karminrotem  Mittelstreifen,  der  sich  von  der  Basis  der 
Kelch-  und  Kronenblätter  nach  der  Spitze  hinzieht  und  sich  gegen  den  Rand  der 
Kronenblätter  in  besonders  schöner  Weise  verbreitert.  Unterseite  weisslick- 
rosa,  Lippe  mit  einem  bis  zum  äussersten  Rande  gehenden  prachtvoll  karmin- 
roten breiten  Saum  (viel  schöner  als  auf  unserer  Abbildung*),  der  sich  nach 
dem  dunkelgoldgelben  Schlünde  hin  scharf  abgrenzt. 

Diese  herrliche  Varietät  wurde  von  Herrn  Orchideenzüchter  Wundel  in 
Oranienburg  am  5.  Februar  1898  dem  Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 
vorgeführt  und  mit  dem  Wertzeugnisse  gekrönt  (Gartenfl.  1898,  S.  99).  Die 
Preisrichter  hoben  noch  besonders  hervor,  dass  sie  sowohl  für  Liebhaber,  als 
auch  für  Handelsgärtner  einen  hervorragenden  Wert  besitze. 

Cattleya  Trianae  Linden  et  Reichb.  f.  ist  benannt  zu  Ehren  des  um  die 
Flora  von  Columbien  hochverdienten  Botanikers  Jose  Triana  in  Bogota  (f  zu 
Paris).  Sie  gehört,  so  gut  wie  C.  Mossiae.  botanisch  zur  grossen  Art  C.  labiata 
und  unterscheidet  sich  von  C.  Mossiae  durch  hellere  Blätter  und  besonders 
durch  die  längere  Röhre  der  Lippe,  gärtnerisch  vor  allem  aber  dadurch,  dass 
sie  in  den  Wintermonaten  blüht,  während  C.  Mossiae  meist  im  Sommer  ihre 
Blumen  entfaltet. 

Benannt  ist  sie  von  Herrn  Wundel  zum  Andenken  seines  verstorbenen 
Vaters,  des  llofgärtners  Wundel  in  Potsdam. 

Diese  Varietät  steht  der  Cattleya  Trianae  var.  Capartiana  L.  Lind,  in 
Lindenia  vol.  IX  1893  t.  426  am  nächsten,  die  sich  aber  besonders  dadurch 
unterscheidet,  dass  allein  die  Blumenblätter  einen  karminroten  Mittelstreifen 
haben,  der  sich  nur  von   der  Spitze  bis  zur  Mitte  hinzieht.  L.  W. 


854.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 

am  29.  Dezember  1898. 

I.  Der  Direktor  des  Vereins  Kgl.  Gartenbaudirektor  Lackner  widmete  dem 
verstorbenen  Mitgliede  Herrn  Goeschke  in  Cöthen  warme  Worte  der 
Anerkennung  für  sein  rühmliches  Streben,  namentlich  auf  dem  Gebiete 
der  Frdbeerzüchtung,  und  die  zahlreich  Erschienenen  erhoben  sich  zum 
Ausdruck  der  Teilnahme  von   ihren  Sitzen. 

*)  Die   schwar/en  Flecke,    welche    die  Abbildung  zeigt,    sind  gar  nicht  vorhanden;    der 
Lithograph  hat  leider  statt  dunkles  Roth  —  Schwarz  genommen. 


•  )  I  854-  Versammlung  des  Vereins  Zur  Beförderung  des  Gartenbaues  ete. 


II.  Vorgeschlagen  wurden  zu  wirklichen  Mitgliedern: 

1.  Herr    S.    Thon,    stellvertretender   Direktor    der    »Victoria«,    Gross- 

Lichterfelde,  durch  L.  Wittmack. 

2.  „      Kaufmann  und  Importeur  mexikanischer  Landesprodukte  Emil 

Heese,  Gross-Lichterfelde,  Lutherstr.  4,  durch  Herrn  Urban. 

3.  .,      Kgl.  Hofgärtner   Rosenberg,    Potsdam,    durch  L.  Wittmack. 

4.  ,.      Henne,    W.  Kurfürstenstrasse   13,    Geschäftsführer   der  Firma 

J.  Ilaack,  Nachfolger  R.  Köhler,  durch  Herrn  Hofgärtner 
II  offmann. 

5.  ,,      Obergärtner    Füller,    Colonie    Grunewald,    Herthastrasse    7  8, 

durch  Herrn  Hoflieferant  Kropp. 

6.  ,,      Gärtnereibesitzer  Käding,    Zossen,    durch  Herrn  Marquardt. 

7.  „      Dr.  Paul  Graebner,  Friedenau,  Rembrandtstr.  6  (vom   1.  Mai 

ab  Gross-Lichterfelde,  Victoriastr.  8)  durch  L.  Wittmack. 
III.  Ausgestellte  Gegenstände:  1.  Die  Firma  Eugen  Blasberg,  Berlin, 
führte  die  bei  dem  vom  »Praktischen  Ratgeber«  veranstalteten  Leiter- 
Wettbewerb  unter  32  eingegangenen  Leitern  mit  dem  ersten  Preis 
gekrönte  Leiter  »Gnadenfrei«  vor.  Die  Leiter  ist  eine  Art  Tritt-  oder 
Stehleiter  und  hat  nach  den  Erläuterungen  des  Herrn  Vogt,  Vertreter 
der  Firma,  folgende  Vorzüge:  1.  Sie  hat  Stufen  statt  der  Sprossen  und 
drückt  daher  nicht  so  auf  die  Sohlen.  2.  Die  Stützen  sind  mit  einem 
(harnier  versehen,  durch  Herausziehen  eines  kleinen  Stiftes  kann  man 
die  Stütze  abnehmen  und  die  Leiter  als  Anlegeleitel"  verwenden.  3.  Die 
Stützen  haben  Schlitze,  die  es  möglich  machen,  dass  sie  einen  festen  Halt 
geben,  trotzdem  sie  aus  dünnem  Holz  sind.  4.  Das  Charnier  der  Stützen 
hat  oben  jederseits  einen  Stützpunkt,  so  dass  sich  die  Stützen  oben  nach 
aussen  nicht  verrücken  können  (nur  nach  innen)  und  eine  Seitwärts- 
bewegung ausgeschlossen  ist.  5.  Oben  sind  zwei  Anstelleisen,  so  dass 
man  bei  Wandspalieren  sie  anlegen  kann,  ohne  die  Wand  zu  beschädigen. 
6.  Die  Leiter  hat  ein  sehr  geringes  Gewicht. 

Herr  Brodersen  bemerkt,  er  habe  sich  eine  solche  Leiter  gekauft, 
sei  aber  sehr  enttäuscht.  Die  erste  Bedingung,  dass  die  Leiter  fest  stehe, 
sei  nicht  vorhanden.  Sowie  man  mit  ihr  auf  der  Strasse  arbeitet,  sind 
sämtliche  Vorzüge  verschwunden,  auf  weichem  Boden  mag  sie  fest  stehen. 

Herr  Kotte  würde  solche  Leiter  auf  seinem  abschüssigen  Terrain  auch 
nicht  brauchen  können.  Er  empfiehlt,  sich  die  Leitern,  wie  sie  das 
Reinigungs-Institut  zum  Fensterputzen  benutzt,  zum  Muster  zu  nehmen, 
oben  aber  noch  eine  Stange  anzubringen.  Eine  solche  dreibeinige  Leiter 
steht  überall  fest,  eine  vierbeinige  nicht;  die  letztere  lässt  sich  auch  nicht 
beim  Schneiden  von  Pyramiden  verwenden.  Bei  einer  dreibeinigen  steckt 
man  die  Stange  durch  die  Pyramide  und  hat  den  Baum  unter  sich. 

2.  Herr  Goedecke  in  Seehof  bei  Gross-Lichterfelde  erfreute  die  Ver- 
sammlung abermals  durch  herrliche,  abgeschnittene,  getriebene  Rosen, 
die  er  diesmal  ausser  Wettbewerb  vorführte.  Um  zu  zeigen,  dass  die 
Rosen  nicht  etwa  verspätete  Herbstblüher  seien,  führte  er  auch  einen 
kräftigen,  1,62  m  langen,  in  den  letzten  vier  Wochen  gewachsenen  Trieb 
vor.  Herr  Goedecke,  der  die  Vereinigten  Staaten  und  (anada  bereist 
hat,  bedauerte,  dass  man  bei  uns  noch  immer  bezweifle,  dass  es  möglich 


854.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  nc 


sei,  Rosen  ununterbrochen  wachsend  und  blühend  zu  haben  wie  in 
Amerika.  Er  habe  freilich  lange  probieren  müssen,  ehe  er  die  geeignetsten 
Sorten  gefunden  habe.  Diese  sind  besonders:  Ferd.  Jamin,  la  Franc-. 
Kaiserin  Auguste  Victoria,  Belle  Siebrecht,  Bridesmaid  (Sport  von  Catherine 
Mcrmet).  Eine  Firma  (der  Name  war  unverständlich)  in  Chicago  hat 
40000  Rosenstöcke  und  schneidet  täglich  10  15000  Rosen.  Er  selbst  hofft 
im  nächsten  Winter  täglich  100  Dutzend  schneiden  zu  können.  Hat  man 
klares  Wetter,  so  blühen  die  Rosen  natürlich  leichter,  aber  es  geht  auch 
bei  trübem.  Ich  war.  berichtete  er.  in  Canada  bei  300  Kälte  und  trübem 
Wetter.  Kein  Haus  wurde  gedeckt.  Abends  sind  wir  mit  der  Spritze 
umhergegangen  und  haben  alle  Fugen  mit  Wasser  bespritzt;  dies  gefror 
sogleich  und  dichtete  die  <  »Öffnungen.  Für  Palmen  und  Azaleen  aber  ist 
es  besser  zu  decken,  für  Pflanzen,  die  bald  blühen  sollen,  nicht. 

Ähnlich  grossartig  ist  die  Nelkenkultur  in  Amerika.  Es  kommt  vor, 
dass  ein  Farmer  zuerst  vielleicht  1 — 2  Nelkenhäuser  und  zuletzt  davon 
40  hat;  alle  Nelken  werden  aber  im  Hause  ausgepflanzt,  und  da  kann  man 
zu  Weihnachten    100    langstielige  Nelken    für  2   Dollars    (8,50  M.)  liefern. 

Herr  Ilofgärtner  Iloffmann:  Auch  in  Russland  werden  in  der  grossen 
Treiberei   die  Häuser  nicht  gedeckt. 

Herr  F.  Dietze:  Ich  habe  einst  auch  um  diese  Zeit  Rosen  vorgeführt 
und  dafür  sogar  die  grosse  silberne  Staatsmedaille  erhalten;  aber  ich 
konnte  mit  manchen  sich  schwerer  treibenden  .Sorten  nicht  zurecht- 
kommen, z.  B.  la  France  etc.  Der  diesjährige  Winter  ist  so  ausser- 
ordentlich günstig,  ein  solcher  kommt  aber  selten  vor.  In  Amerika  hat 
man  viel  Sonne,  wenn  auch  grosse  Kälte;  bei  uns  haben  wir  mit  zu  vielen 
Niederschlägen  zu  kämpfen.  Ich  hatte  s.  Z.  noch  grössere  Blumen  und 
verlangte  für  das  F)utzend  5  Mark,  erhielt  das  aber  nicht.  Im  Januar  und 
Februar  könnten  wir  Rosen  haben,  um  jetzige  Zeit  ist  es  zu  kostspielig. 
Ich  glaube  nicht,  dass  Herr  Goedecke  es  mit  seinen  Rosen  so  lange 
aushalten  wird  bis  wir  Schutzzoll  erhalten.  Im  Augenblick  sind  freilich 
die  Blumen  teuer,  weil  Italien  viel  Kälte  gehabt  hat. 

Herr  Kgl.  Übergärtner  Habermann:  Ich  bin  der  festen  Überzeugung, 
dass  wir  bald  die  italienischen  Rosen  satt  haben  werden,  die  besseren 
Geschäfte  haben  wenig  mehr  davon;  der  schwindelhafte  Flandel,  der  nur 
schlechte  Ware  aus  Italien  zu  uns  bringt  und  andererseits  der  Flciss  der 
deutschen  Gärtner  wird  sie  verdrängen.  Alan  wrird  lieber  etwas  mehr 
Geld  für  die  deutschen  Rosen  zahlen.  Als  man  einst  in  Berlin  sagte,  in 
Hamburg  könnte  man  deshalb  so  gut  Rosen  ziehen,  weil  dort  der  Golf- 
strom wirke,  entgegnete  der  verstorbene  Berliner  Rosenzüchter  II.  Wendt: 
»Der  Golfstrom  wirkt  in  Hamburg  so  viel  auf  die  Rosen,  wie  in  Berlin 
die  Panke!« 

Herr  Kotte:  Ich  bestreite,  dass  die  Rosenkultur  für  Januar  und 
Februar  rentabel  ist;  als  ich  junger  Anfänger  war.  sah  ich  noch  rosiger 
in  die  Zukunft.  Jetzt  weiss  ich,  dass  ich  vor  Monat  März  keine  Rosen 
haben  darf.  Warum?  Das  steht  in  meinen  Büchern.  Die  Hamburger 
sind  alle  an  der  Rosentreiberei   untergegangen. 

Herr  Hunholtz,  der  einen  grossen  Teil  der  Goedeckeschen  Rosen 
abnimmt,  bemerkt,  dass  Herr  Goedecke  den  ganzen  Winter  Kosen   lieferl 


•>5  854.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

und  dass  das  Publikum  die  höheren  Preise  willig  zahlt.  Die  italienischen 
Rosen  kosten  jetzt  2,50 — 4,50  M.  für  das  Publikum,  zu  Neujahr  werden 
sie  wohl  auf  4—6  M.  kommen;  diese  Waare  muss  noch  dazu  gedrahtet 
werden  und  hält  sich  nicht  lange.  Solche  Rosen,  wie  Herr  Goedecke 
liefert,  halten  sich  viel  länger,  eine  La  France  in  Knospen  bis  14  Tage. 
Sicherlich  werden  sie  die  Italiener  verdrängen. 

Herr  Hab  ermann:  Der  Preis  wird  nicht  so  sehr  durch  die  italienischen 
Rosen  gedrückt  als  durch  die  inländische  Konkurrenz.  Wenn  einer 
Rosen  treibt,  thun  es  gleich  alle. 

Herr  A.  Drawiel-Lichtenberg:  Herr  Goedecke  hat  ein  ganz  neues 
Terrain.  Auf  einem  solchen  und  in  neuen  Häusern  treiben  sich  erfahrungs- 
gemäss  die  Rosen  besser.  Im  Anfange  meiner  Thätigkeit  hatte  ich  auch 
schöne  Rosen,  weil  ich  ein  neues  Terrain  hatte.  Da  kamen  die  Ham- 
burger mit  ihren  Rosen  und  wollten  alles  tot  machen,  aber  sie  sind 
untergegangen  und  bei  mir  hat  es  auch  abgenommen.  Ich  habe  mehrfach 
Professoren  um  Rat  gefragt,  aber  keiner  konnte  mir  sagen,  warum  sie 
nicht  mehr  so  blühen  wollten.  Der  alte  Bouche  und  andere  sagten  mir 
gleich:  »Wenn  Sie  Ihre  Häuser  erst  länger  haben,  werden  die  Rosen  schon 
nachlassen.«  So  ist  es  auch  gekommen  und  ähnlich  ging  es  auch  bei 
Herrn  Dietze  und  Herrn  Buntzel.  Übrigens  sind  jetzt  meine  Rosen 
wieder  etwas  besser. 

Herr  Kotte:  Herr  Goedecke  hofft,  täglich  100  Dutzend  absetzen  zu 
können,  aber  Herr  Hunholtz  nimmt  vielleicht  täglich  nur  3 — 4  Dutzend, 
wo  bleiben  die  übrigen?  Jedenfalls  bezweifle  ich,  dass  Herr  Goedecke 
seine  100  Dutzend  mit  Gewinn  absetzen  wird. 

Herr  I)  Htm  an  n -Eberswalde:  Die  Äusserungen,  die  hier  gefallen,  sind 
keine  Ermutigung  für  den  jungen  Anfänger.  Ich  muss  Herrn  Goedecke 
die  Anerkennung  zollen,  dass  seine  Rosen  sehr  schön  sind.  Wir  wollen 
Fortschritte  machen,  keine  Rückschritte,  und  darum  haben  wir  in  der 
<  iktobersitzung  Herrn  Schlegel -Reinickendorf  für  seine  Rosen  die 
goldene  Medaille  beMrilligt.  Wenn  die  deutschen  Gärtner  eine  Besteuerung 
der  italienischen  Rosen  wünschen,  müssen  sie  auch  gute  Waare  liefern. 
Freuen  wir  uns,  dass  Herr  Goedecke  ein  so  schönes  Beispiel  giebt 
und  hotfen  wir,  dass  seine  Kulturen  sich  bewähren  werden.  (Bravo!) 

Herr  Goedecke:  100  Dutzend  Rosen  abzusetzen  ist  nicht  so  schwer, 
denn  Berlin  hat  ca.  1500  ^Blumengeschäfte.  Wenn  ich  0,70  bis  10  Mark 
für  das  Dutzend  fordere,  hat  Niemand  sich  geweigert  das  zu  zahlen. 
Leider  treiben  die  Gärtner  aber  hier  noch  nicht  genug  Spezialkulturen 
und  andererseits  macht  sich  der  Xeid  so  oft  geltend.  Auch  Russland 
ist  ein  guter  Abnehmer.  Bei  uns  haben  die  Gärtner  vielerlei,  aber  nicht 
viel.  In  Amerika  hat  ein  Züchter  Wortmann  in  (der  Ort  war 
unverständlich)  allein  80  Häuser  mit  Medeola. 

3.  Herr  Hapt-Nieder-Schönhausen  überbrachte  als  Merkwürdigkeit 
am  27.  Dezember  im  freien  Lande  geerntete  Gemüse:  Blumenkohl, 
Kohlrabi  und  verschiedene  Sorten  Radieschen.  Der  Winter  behandelt 
uns  in  diesem  Jahre,  bemerkt  Herr  Hapt,  äusserst  milde,  ich  weiss  mich 
eines  ähnlichen  Falles  nicht  zu  erinnern.  Jm  vorigen  Jahre  hatten  wir 
zwar    auch    einen  milden  Winter,    aber  doch    mehrere  Tage   anhaltenden 


854-  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  -in 


Frost.  Wenn  der  lllumenkohl  sechs  Tage  Frost  gehabt  hätte,  wäre  nichts 
aus  ihm  geworden.  Diesmal  hatten  wir  nur  ein  paar  Tage  Frost  und 
nachher  wurde  es  wieder  warm.  Wenn  die  Ptlanzen  unberührt  stehen 
bleiben,  zieht  der  Frost  vollkommen   wieder  aus. 

4.  Aus  dem  botanischen  Garten  der  Universität  Utrecht 
(Holland)  war  durch  den  Garteninspektor  Herrn  Budde  daselbst  eine 
hübsche  hybride  Bromeliacee,  als  Topfexemplar  übersandt.  Dieselbe 
hat  als  Mutter  die  Billbergia  nutans,  der  Vater  ist  nicht  sicher  bekannt. 
Am  meisten  hat  die  Pflanze,  wie  L.  Wittmack  auseinandersetzt,  Ähnlich- 
keit mit  Billbergia  hybrida  leodiensis  II.  L.  B.  (B.  vittata  9  X  nutans). 
beschrieben  und  abgebildet  von  II.  Witte  in  »Gartenflora«  1891  S.  .~'':- 
Auch  Herr  Garteninspektor  E.  Th.  Witte-Leiden,  Nachfolger  seines 
Vaters  in  Leiden,  schreibt  Herrn  Budde,  dass  sie  dieser  am  ähnlichsten 
sei.  Herr  Budde  bemerkt  freilich,  dass  B.  nutans  nicht  im  Spiele  sein 
könne,  da  im  Utrechter  Garten  B.  vittata  nicht  vorhanden  ist.  Wahr- 
scheinlich ist  aber  eine  verwandte  Art  oder  ein  Bastard  von  ihr  da. 

IV.  Hierauf  schreitet  man  zur  Neuwahl  des  1.  Stellvertreters  des  Vereins- 
direktors. Zu  Stimmzählern  wurden  vom  Direktor  ernannt  die  Herren  Inspektor 
Dressler,  Kgl.  Garteninspektor  Echtermeyer  und  Architekt  Urban. 
Wie  am  28.  Oktober  wurde  durch  Selbstzählen  die  Zahl  der  Stimm- 
berechtigten ermittelt  und  es  ergab  sich  die  Zahl  von  121.  Hierauf  wurden  die 
Stimmzettel  eingesammelt  (leider  nicht  gleich  gezählt)  und  es  ergaben  sich 
für  Herrn  Konsul  Seifert  62  Stimmen, 
,,  ,,  Kgl.  Garteninspektor  Perring  oi  Stimmen. 
Es  waren  mithin  zwei  Stimmzettel  zu  viel  abgegeben.  Die  Wahl  musste 
deshalb  für  ungültig  erklärt  und  auf  die  nächste  Vereinssitzung,  welche 
am  26.  Januar  stattfindet,  vertagt  werden. 
V.  Hierauf  hielt  Herr  Prof.  Dr.  B.  Frank  von  der  landwirtschaftlichen  Hoch- 
schule Berlin  einen  mit  lebhaftestem  Beifall  aufgenommenen  Vortrag  über 
die  in  Deutschland  vorkommenden  Obstbaum-Schildläuse  in  ihrer  Be- 
ziehung zur  San  Jose-Laus  und  mit  besonderer  Berücksichtigung  des 
Obstbaues  in  Tirol.     Der  Vortrag  wird  in    der  »Gartenflora«    erscheinen. 

VI.  Hierauf  wurden  ohne  Debatte  300  Mark  dem  Verbände  der  Handels- 
gärtner Deutschlands  zu  den  Kosten  der  Schutzzoll-Erhebungen  bewilligt. 
VII.  Herr  städtischerGarteninspektor  Axel  Fintelmann  erklärtmitBezugauf  die 
in  der  letzten  Versammlung  (Gartenflora  1898  S.  655)  gemachten  Äusserungen 
betreffs  der  Verlegung  eines  Weges  im  neuen  Königlichen  botanischen 
Garten  in  Dahlem,  dass  nicht  nach  seinem  Projekte  gearbeitet  worden  s 


*)  Herr  Garteninspektor  Fintelmann  hat  nachträglich  folgende  Berichtigung  eingesandt: 
In  der  November-Sitzung  wurde  im  Anschluss  an  eine  Bemängelung  der  Führung  des  Fahr- 
weges in  dem  neuen  botanischen  Garten,  Seite  <~>?5  d.  Gartenrl.  1898,  darauf  hinuewiesen,  dass 
der  ganze  Plan  zu  dem  Garten  und  auch  der  betr.  Weg  nach  Rücksprache  mit  den  Herren 
Geheimrat  Engler  und  Garteninspektor  Perring  entworfen  und  gezeichnet  worden  sei. 
Nachträglich  habe  sich  allerdings  eine  Verschiebung  des  Weges  wegen  eines  Tümpels,  den 
man  glaubte  zuschütten  zu  dürfen,  als  notwendig  erwiesen.  Hiernach  könnte  sich  leicht  die 
Ansicht  Geltung  verschaffen,  dass  der  Fahrweg  nach  meinem  Entwürfe  ausgeführt  bezw.  die 
Verschiebung  desselben  mit  meinem  Einverständnis  vorgenommen  worden  sei.  Es  veranlasst 
mich  dies,  ganz  besonders  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  bisher  nach  meinem  Plane 
nicht  gearbeitet  wurde,  dass  weder  Lage,  noch  Form  und  Inhalt  des  zur  Ausführung 
gelangten  Fahrweges  übereinstimmend  sind  mit  meinem  Entwürfe. 

Berlin-Humboldthain.  Axel  Fintelmann,  Stadt.  Garteninspektor. 


o§  Rhynchanthus    Bluthianus  Wittmack. 

Herr  Garteninspektor  Perring  bemerkt,  dass  Herr  Fintelmann  jetzt 
ersucht  worden  sei.  ein  neues  Projekt  betreffs  des  Weges  auszuarbeiten, 
und  dass  bereits  an  massgebender  Stelle  beschlossen  sei,  den  Weg  nach 
dem  neuen  Fintelmann  sehen  Vorschlage  auszuführen.  Die  Sache  sei 
damit  erledigt. 

Herr  Gartenbaudirektor  Hampel  bedauert,  dass  der  Vorstand  der 
Anregung,  die  in  letzter  Sitzung  gegeben  sei,  die  Sache  weiter  zu  ver- 
folgen, nicht  nachgekommen  wäre.  Ihm  wurde  bemerkt,  dass  ein  dahin 
gehender  Beschluss  nicht  gefasst  sei;  nur  einzelne  Mitglieder  des  Gehölz- 
ausschusses hätten  nach  der  Sitzung  den  Wunsch  ausgesprochen,  dass- 
die  vereinigten  Ausschüsse  den  fraglichen  Weg  besichtigen  möchten.  Der 
General-Sekretär  habe  sich  dann  an  die  massgebenden  Stellen  gewandt 
und  es  sei  ihm  gesagt,  man  möge  doch  nicht  eher  aburteilen,  bis  die 
Sache  fertig  wäre.  Herrn  Brodersen  sei  aber  infolge  dessen  Gelegenheit 
gegeben,  die  Pläne  einzusehen. 

Herr  Brodersen  spricht  seine  Freude  darüber  aus,  dass  auf  seine- 
Anregung  hin  nun  doch  die  Sache  gebessert  werde. 
VIII.  Hierauf  wurde  vom  Direktor  mitgeteilt,  dass  die  grosse  Winter-Blumen- 
Ausstellung  Mitte  Februar  1900  im  Zoologischen  Garten  stattfinden 
werde.  Die  Direktion  desselben  wolle  einen  Vertragsentwurf  einreichen. 
IX.  Aufgenommen  wurden  als  wirkliche  Mitglieder  die  in  der  letzten  Ver- 
sammlung Vorgeschlagenen  (siehe  Gartenflora  1898  S.  650). 

Carl  Lackner.  L.  Wittmack. 


Rhynchanthus  Bluthianus  Wittmack,  eine  neueZingiberaceen-Art. 

Von  L.  Wittmack. 

Gattungscharakter:  Rhynchanthus  Hook.  f.  in  Bot.  Mag.  t  6861. 
Wurzelstock  knollig;  Fasern  stark  behaart.  Stengel  beblättert.  Blätter  länglich- 
lanzettlich.  Ähre  endständig.  Kelch  cylindrisch,  undeutlich  gezähnt.  Kronen- 
röhre lang,  fast  cylindrisch.  Kronenabschnitte  ei-lanzettlich,  zugespitzt.  Seitliche 
Staminodien  fehlend;  Lippe  verkümmert;  Staubfaden  lang,  lineal,  seine 
Ränder  eingebogen,  Spitze  desselben  fadenförmig;  Antherenfächer  aneinander- 
liegend, ohne  Kamm.  Fruchtknoten  dreifächerig;  Samenanlagen  viele,  über- 
einander. Griffel  fadenförmig,  Narbe  klein,  kreiseiförmig.  Kapsel  und  Samen 
unbekannt. 

Artcharakter:  Knollen  kugelig-eiförmig,  Stengel  30  cm  hoch,  Blätter 
zweizeilig,  ei-lanzettlich,  sitzend,  mit  langer  offener  Scheide  stengelumfassend,. 
12  cm  lang,  2 — 4  cm  breit,  die  untersten  auf  scheidenartige  Niederblätter  reduziert. 
Ähre  wenigblütig  (zweiblütig),  jede  Blüte  ca.  5  cm  lang,  aus  der  Achsel  eines 
rötlich-grünen  Deckblattes  entspringend,  das  unterste  Deckblatt  mit  laubartiger 
Spitze.  Kelch  und  Blumenblätter  schön  karminrot,  Lippe  und  Staminodien 
fehlend.  Der  einzige  Staubfaden  tutenförmig,  mit  seinen  Rändern  verwachsen, 
gross,  schön  weiss,  an  der  Spitze  den  gelben  Staubbeutel  tragend,  Griffel 
durch  den  Staubbeutel  hindurchgehend,  Narbe  kugelig.  Stylodien  (verkümmerte 
seitliche  Griffel)  nur  1  statt  2. 


Ijber  anatomische  Merkmale  bei   Berberis-Arten.  oq, 

Diese  Pflanze  benenne  ich  zu  Ehren  des  Herrn  Gärtnereibesitzer  Franz 
Bluth  in  Gross-Lichterfelde  bei  Berlin,  bei  dem  sie  mit  Orchideen  aus  Ost- 
indien aufgegangen  ist.  Herr  Bluth  sandte  mir  die  Pflanze  als  sie  zum  erstenmal 
blühte,  am  15.  August  1896  zur  Bestimmung.  Sie  hatte  damals  nur  eine  einzige 
Blume,  aber  an  dem  grossen  weissen,  horizontal  abstehenden  tutenförmigen 
Staubgefäss  erkannte  ich  bald,  dass  sie  zur  Gattung  Rhynchanthus  (d.  h.  Schnabel- 
blume), von  der  erst  eine  Art,  R.  longitlorus  Hook.  Bot.  Mag.  6861,  bekannt 
ist.  gehören  müsse. 

Im  Oktober  1898  erhielt  ich  die  Pilanze  wieder,  leider  schon  fast  verblüht; 
sie  war  grösser  geworden,  aber  die  Ähren  doch  nur  zweiblütig.  Immer  mehr 
wurde  mir  klar,  dass  sie  neu  sei,  zumal  im  Kgl.  Botanischen  Museum,  wo 
Herr  Prof.  K.  Schumann  neuerdings  die  Scitamineen  durcharbeitete,  sich 
nichts  Ähnliches  findet.  Der  Sicherheit  wegen  schickte  ich  aber  Photographie 
und  farbige  Abbildungen  auch  nach  Kew  an  Dr.  J.  G.  Baker,  der  die  Scitamineae 
für  Hookers  Flora  of  British  India  bearbeitet  hat,  und  dieser  schreibt  mir 
freundlichst  unter  dem  27.  Dezember  1898: 

»Wir  haben  dieselbe  Pflanze  im  Kew-IIerbarium  als  eine  unbenannte  Art 
von  Rhynchanthus.  Unser  Exemplar  erhielten  wir  im  September  1897  von 
Herrn  Dr.  G.  Walker,  12  Springlicld  road,  Wimbledon.  Es  wurde  uns  geschickt, 
um  benannt  zu  werden.« 

Darnach  ist  anzunehmen,  dass  vielleicht  mit  einem  und  demselben  Trans- 
port von  Orchideen  diese  Ptlanze  in  mehreren  Exemplaren  eingeführt  ist. 

Obwohl  der  Kontrast  zwischen  dem  weissen  tuten-  oder  kahnförmigen 
Staubfaden  und  dem  schönen  Karminrot  von  Kelch  und  Krone  ein  sehr  hübscher 
ist.  ist  die  Pflanze,  wenn  sie  nicht  von  selbst  allmählich  oder  durch  die  Kultur 
gezwungen  mehr  Blumen  ansetzt,  gärtnerisch  von  keinem  grossen  Wert, 
mehr  von  botanischem  Interesse.  Sie  zieht  im  Winter  ein  wie  die  Canna, 
welche  bekanntlich  auch  eine  Zingiberaceae  ist. 


Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 

Von  E.  Koehne.  [Fortsetzung  statt  Schluss.] 

(Eingereicht  am  22.  November   1898.) 

4.  Hypodermales  Sklerenchym*)  in  den  Blättern.  Unter  der  Epidermis 
der  Blattoberseite  können,  aber  nur  bei  immergrünen  Arten,  dickwandige, 
schmale,  aber  langgestreckte,  chlorophyllfreie  Zellen  in  einer  Schicht,  bei 
B.  trifoliolata  und  japonica  in  2— 3  Schichten  auftreten.  Unter  den  Mahonien 
zeigen  diese  Erscheinung  B.  Fremonti.  B.  Fortunei  Lindl.,  B.  trifoliolata, 
B.  nervosa,  B.  nepalensis,  B.  japonica,  unter  den  Euberberis 
B.  Darwini,  B.  actinacantha  Mart.,  B.  Darwini  X  empetrifolia,  B.  em- 
petrifolia.  B.  ilicifolia  Forst.,  B.  ruseifolia  Lam.,  jedenfalls  auch  noch 
ander'-  Arten.  Jedenfalls  fehlt  dies  hypodermale  Sklerenchym  bei  B.  repens, 
Aquifolium,  Aqu  ifolium  X  vulgaris.  B.  pygmaea  Koehne  (=microphylla 
Förster?),  buxifolia  Poir.,  congestiflora  Gay,  concinna,  asiatica  und 
Wall i Chiana,    sowie  wohl  sicher  bei  allen  sommergrünen  Arten. 


*)  Festigungsgewebe  unter  der  Oberhaut-Zellschicht. 


^O  Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 

5.  Sonstiges  Blattsklerenchym.  Stets  ist  das  Gefässbündel  der  Mittel- 
rippe von  einem  schwach  gelblich  gefärbten  Sklerenchymring  umgeben,  der 
an  beiden  Seiten  nur  sehr  schwach,  d.  h.  auf  eine  Zellbreite  beschränkt,  oder 
auch  ganz  unterbrochen  sein  kann.  Konstanz  scheint  hierin  nicht  zu  bestehen. 
Nach  der  Oberseite  hin  kann  der  Ring  durch  einen  schmalen  bis  kräftigen 
Pfeiler  mit  der  Epidermis  in  Verbindung  treten.  Selten  schiebt  sich  zwischen 
den  Pfeiler  und  die  Epidermis  in  einer  oder  zwei  Schichten  ein  Stückchen 
Gewebe  ausZellen  mit  weisslicheren  Wandungen undmitmehrkollenchymatischem 
Aussehen,  noch  seltener  chlorophyllhaltiges  Gewebe.  Letzteres  beobachtete 
ich  gelegentlich  z.  B.  bei  B.  Aquifolium  und  B.  Wallichiana.  Unten  be- 
rührt der  Sklerenchymring  der  Mittelrippe  nur  selten  unmittelbar  die  Epidermis. 
Meist  drängt  sich  dazwischen  in  1 — 6  Schichten  ein  Gewebe  mit  nicht  gelblichen, 
weniger  dicken  Wandungen  von  mehr  kollenchymatischem  Aussehen,  manch- 
mal mit,  manchmal  ohne  Intercellularräume,  zuweilen  sogar  recht  dünnwandig 
und  Chlorophyll  führend.  Systematisch  verwertbar  scheinen  aber  diese  Ver- 
hältnisse nicht  oder  in  geringem  Grade  zu  sein.  An  den  Seitennerven  und 
Adern  wiederholt  sich  die  Sklerenchymbildung  in  geradweise  abgeschwächtem 
Masse,  sodass  Nerven  und  Adern  an  getrocknetem  Material  beiderseits  vor- 
springen, auf  der  Unterseite  natürlich  deshalb  stärker,  weil  hier  das  Schwamm- 
parenchym  zwischen  den  Adern  beim  Trocknen  stärker  einsinkt  als  oberseits 
das  Pallisadenparenchym. 

Der  Rand  des  Blattes  ist  ebenfalls  stets  durch  etwa  1 — 10  Sklerenchym- 
lagen  verstärkt,  welche  bei  den  oberseits  mit  hypodermalem  Sklerenchym  ver- 
sehenen Arten  durch  dieses  letzte  mit  den  oberen  Sklerenchympfeilern  der 
Nerven  und  Adern  in  Verbindung  treten.  Unter  der  Lupe  erscheint  das  Rand- 
sklerenchym  als  durchscheinende  Berandung.  Die  Dornzähne  am  Blattrande 
bestehen  ganz  aus  solchemSklerenchym.  Als  ArtenmerkmalistdieseSklerenchym- 
bildung  von  geringem  Wert,  da  sie  je  nach  der  Nähe  der  Zähne  schwächer 
und  stärker  sein  kann  und.  wenn  auch  stets  innerhalb  gewisser  Grenzen, 
schwankt.  Immerhin  kann  man  Arten  mit  starkem  und  solche  mit  schwachem 
Randsklerenchym  unterscheiden. 

Metamorphosieren  sich  die  ganzen  Blätter  in  Dornen,  wie  es  bekanntlich 
an  den  Langtrieben  der  Fall  ist,  so  nähert  sich  das  Randsklerenchym  der 
Mittelrippe  und  tritt  mit  deren  Sklerenchym  oberseits  in  unmittelbare  Ver- 
bindung, während  von  dem  dünnwandigen  Parenchym  des  Blattes  nur  eine 
kleine,  fast  ringsherum  vom  Sklerenchym  umschlossene  Zellgruppe  übrig  bleibt. 
Auch  unterseits  kann  sich  endlich  das  Sklerenchym  um  diese  Gruppe  herum 
völlig  zusammenschliessen.  Bei  dieser  ganzen  Sachlage  ist  der  Bau  der  Dornen 
überaus  einförmig  und,  soviel  bisher  zu  ersehen,  systematisch  ohne  Wert. 

6.  Pallisadenparenchym.  Es  tritt  namentlich  bei  immergrünen,  selten 
bei  sommergrünen  Arten  in  2—3  Schichten  auf,  ist  aber  auch  bei  ersteren 
häufig  einschichtig.  Konstanz  bei  ein  und  derselben  Art  besteht  im  all- 
gemeinen nicht,  nur  insofern,  als  bei  den  meisten  sommergrünen  Arten  die 
Schichtenzahl  1  niemals  überschritten  wird.  Jedenfalls  ist  die  Zahl  der 
Schichten  für  die  Art-Unterscheidung  nur  von  geringem  Belang.  Die  Gesamtdicke 
des  Pallisadenparenchyms  kann  der  des  Schwammparenchyms  gleichkommen, 
aber  auch  weit  dahinter  zurückbleiben.  Die  Wahrscheinlichkeit,  in  diesen 
Verhältnissen    systematisch  verwendbare  Unterschiede  zu  finden,  ist  sehr  gering. 


Bericht  über  Jie  Kulturversuche  im  Jahre    [898.  _|  1 

7.  Bau  der  jüngeren  Zweige.  Hierin  hoffte  ich  von  vornherein  gute 
Unterschiede  zu  rinden,  da  die  Zweige  bald  grau,  bald  lebhaft  braun  gefärbt, 
bald  drehrund,  bald  feingestreift,  bald  tiefgefurcht  sind.  Ich  wurde  aber 
durch  die  anatomischen  Befunde  enttäuscht,  da  sich  hierin  die  äusseren 
l'nterschiede  lange  nicht  so  scharf  ausprägten,  wie  ich  geglaubt  hatte  erwarten 
zu  dürfen.     In  den  Ilauptzügen  ist  der  Stammbau  sehr  einförmig. 

Die  Zellen  des  Markes  sind  bei  Euberberis  meist  dünnwandig  und 
ziemlich  spärlich  getüpfelt,  bei  Mahonia  erheblich  dickwandiger  und  reichlich 
getüpfelt.  Die  Markstrahlen  sind  meist  sehr  schmal,  zuweilen  ein  wenig  breiter, 
bieten  aber  wenig  Aussicht  auf  systematische  Verwendbarkeit.  Die  Sklerenchym- 
sichel,  welche  den  Holzteil  der  Leitbündel  vom  Marke  trennt,  ist  überall 
gleichförmig.  Sie  ist  selten,  und  wie  es  scheint,  in  unbeständiger  Weise  von 
dem  sklerenchymatischen,  durch  Berberin  gelb  gefärbten  Teil  des  Holzgewebes 
durch  eine  schmale  Lücke  getrennt,  vielmehr  geht  sie  in  letzteres  meist 
unmittelbar  über,  welches  seinerseits  im  mittleren  Teil  des  Bündels  bald  nur 
sehr  kleine,  bald  grössere  oder  ansehnliche,  mehr  oder  weniger  zusammen- 
tli essende,  auch  die  grossen  Gefässe  mit  umfassende,  unregelmässige  Gruppen 
dünnwandigen  Gewebes  übrig  lässt.  Anhaltspunkte  für  Artunterscheidung 
scheint  die  grössere  oder  geringere  Ausbildung  des  sklerenchymatischen  Anteils 
im  Holzteil  der  Leitbündel  nicht  zu  bieten.  Auch  im  Kambial-  und  Siebteil, 
sowie  im  chlorophyllführenden  Rindenparenchym  habe  ich  bisher  nichts 
Bemerkenswertes  gefunden.  Bei  kantiger  Zweigform  ist  schon  der  ganze  Gefäss- 
bündelring  mehr  oder  weniger  deutlich  eckig,  und  das  Rindenparenchym  pflegt 
in  die  Zweigkanten  hinein  mit  deutlicher  Verstärkung  vorzuspringen,  sodass 
es  als  die  eigentliche  Ursache  der  Rippenbildung  sich  darbietet,  und  seinen 
Umrissen  die  weiter  aussen  liegenden  Gewebemassen  im  wesentlichen  nur 
tolgen.  (Schluss  folgt.) 


Bericht  über  die  Kuiturversuche  im  Jahre  1898, 

die  unter  Leitung  des  Vereins  zur    Beförderung  des    Gartenbaues  in    den  Preussischen  Staaten 
auf    den    Rieselfeldern    der    Stadt    Berlin    in    Blankenburg    ausgeführt    wurden. 

Erstattet  von 

Joseph    Klar,    Berlin,   Samenhandlung,    Hoflieferant  Sr.  Majestät  des   Kaisers    und  Königs 

und    Otto   M  e  n  d  e  ,    Obergärtner  der  Stadt  Berlin,  zu  Blankenburg. 

(Fortsetzung. 

Myosotis  oblongata  perfecta  Q.  Eine  grossblumige  Abart  des  bekannten 
Winterblühers  M.  oblongata  vera,  die  übrigens  den  ganzen  Sommer  in  Blüte 
stand,  während  die  vorhergehenden  Arten  und  Abarten  mit  der  zunehmenden 
Hitze  das  Blühen  einstellten.  Die  Pflanze  ist  äusserst  robust,  hat  dicke  Blüten- 
stiele, die  sehr  lang  sind,  und  ist  mit  grossen  leuchtend  blauen  Blumen  ver- 
sehen. Da  die  Myosotis  oblongata,  wie  bemerkt,  Winterblüher  sind,  so  kann 
man  die  Pflanzen,  im  Falle  sie  zu  gross  werden,  zum  Herbst  hin  zurück- 
schneiden  und  werden  sie  dann  noch  kräftiger. 

Eeuchera  sanguinea  vor.  alba  %.  Die  im  verflossenen  Jahre  ausgesäeten 
Samen  standen  nunmehr  als  vollständig  blühende  Pflanzen  vor  uns.  Wir  waren 
immerhin  etwas  enttäuscht,  denn  die  Blumen  sind  nicht  reinweiss,  sondern 
schmutzig  weiss,  auch  mattrosa.  gelb  etc.,  dabei  gross-  und  kleinblumig.    Durch 


42  Bericht  über  die  Kulturversuche   im  Jahre    1898. 


strenge  Zuchtwahl  dürften  indes  reinweiss  wie  auch  noch  andere  Farben  sich  ein- 
stellen. Immerhin  eine  zu  empfehlende  neue  Farbe  dieser  beliebten  und  mit  Recht 
begehrten  Perenne,   die  für  die  Binderei  noch  besonders  zu  empfehlen  ist. 

Viola  trieolor  maxima  „Feenkönigin"  0.  Eine  himmelblaue  Spielart  mit 
grossem  weissen  Saum,  das  ist  Alles,  wodurch  wir  dieses  schöne  Viola 
charakterisieren;  dies  reicht  aber  aus,  dieses  Stiefmütterchen  voll  und  ganz 
würdigen  zu  können.  Die  Pflanzen  waren  konstant  aus  Samen,  und  dies  will 
auch  etwas  sagen.  Die  Blumen  waren  nur  massig  gross,  bilden  indes  eine 
wertvolle  Bereicherung  in  diesem  unendlich  grossen  Sortiment! 

Viola  trieolor  maxi  um  „La  Brillante"  0.  Mit  grösseren  Blumen  als  vorher- 
gehende, aber  nicht  so  treu  in  der  Farbe,  welch  letztere  sich  in  den  matten 
Nuancen  des  Hellweinrot   bewegen.     Darunter  einige   recht   schön   rotblühende. 

Salpiglossis  variabilis  superbissima  0.  Die  alte  S.  var.  grandiflora  in  vor- 
trefflicher Verbesserung.  Im  Wuchs  gedrungener,  konzentriert  sie  ihre  grossen 
schönen  Blumen  mehr  am  Stamm  und  ist  höher  als  die  alte  bekannte  S.  Die 
Blumen  sind  getreu  der  grandiflora  in  blauen,  gelben  etc.  Farbentönungen  ge- 
halten, die  sämtlich  durch  Goldadern  unterbrochen  sind  und  auf  diese  Weise 
marmoriert  erscheinen.  In  den  letzten  Jahren  sind  die  Salpiglossis  wieder 
mehr  in  Aufnahme  gekommen  und  würden  noch  beliebter  sein,  falls  die  Pflanzen 
zuweilen  nicht  so  plötzlich  eingingen  ohne  jegliche  Veranlassung.  Empfindlich 
sind  diese  Annuellen  immerhin,  und  will  man  sie  schön  auf  Gruppen  haben,  so 
muss  man  ihnen  einen  warmen  Untergrund  geben. 

Lohelia  erinus  pumila  sjilendcns  0.  Diese  dunkelblaue  Gruppenpflanze  mit 
ihrem  weissen  Zentrum  erinnert  an  L.  Schwabenmädchen  und  war  ziemlich 
neu  aus  Samen. 

Ethulia  conyxoides  Q.  (Composite.)  Die  Pflanzen  wurden  einen  Meter 
hoch  und  erinnern  an  Eupatoria,  den  Wasserdost.  Die  Blätter  sind  ebenfalls 
schmal,  auf  den  langen  Stengeln  befinden  sich  violettrosa  doldenähnliche 
Blüten,  die  man  ebenso  wie  das  Blattwerk  zur  Binderei  verwenden  kann. 
Diese  einjährige  Pflanze  kommt  aus  Ostindien  und  ist  nicht  direkt  Neuheit. 

Malcolmia  litiorea  Q  tf .  (Grucifere.)  Ein  ein-  und  zweijähriges  niedliches 
Pflänzchen,  das  in  seinem  Äussern  an  Cheiranthus  maritimus  erinnert  und  auch 
nur  so  hoch  wird  Die  Blumen  sind  rosa  mit  weisser  Mitte.  Die  Blätter  sind 
schmal  und  silbergrau. 

Chrysanthemum  maximum  „Triumph"  %.  Wohl  mit  eine  der  besten  Schnitt- 
blumen, die  wir  in  diesem  Jahre  in  den  Handel  bekommen  haben.  Die  Blumen, 
über  8  cm  im  Durchmesser  gross,  sind  reinweiss  und  stehen  auf  langen,  ziem- 
lich harten  Stielen,  was  sie  zur  Binderei  sehr  geeignet  macht.  Das  Zentrum 
der  Blume  ist  dunkel  und  markiert  sich  hierdurch  viel  intensiver.  Diese 
Marguerite  ist  würdig,  in  jeden  Katalog  aufgenommen  zu  werden  und  übertrifft 
Chrys.  maximum  Perfectior. 

Gaillardia  perennis  grandiflora  compaeta  %.  Niedrigbleibend,  grossblumige 
Neuheit  der  perennierenden  Gaillardien,  die  ausserordentlich  dankbar  im 
Blühen  und  von  gedrungenem  Wuchs  ist.  Die  Blumen  halten  sich  in  den 
bereits  zur  Genüge  bekannten  Nüancierungen  und  werden  jetzt  gern  gekauft. 

Cynoghssum  furnatum  tf.  (Asperifoliaceae.)  Bildete  starke  dunkelgrüne 
Büsche  mit  langen,  spitz  auslaufenden  Blättern.  Leider  blühten  die  Pflanzen  nicht, 
sodass  wir  uns  im  nächsten  Jahre  nochmals  hiermit  beschäftigen  müssen. 


Bericht  über  die  Kulturversuche  im  Jahre   1898.  ^ 

Dahlia  variabilis  multiflom  „Etoih  de  feuu  Q.  Eine  aus  Samen  treugebliebene 
cactusartige  Dahlia  oder  Georgine,  die  60  cm  hoch  wird  und  einfach  blüht. 
Die  Blumen  sind  prachtvoll  leuchtend  purpur  blutrot  und  sind  die  Blumen- 
blätter leicht  gedreht,  rinnenförmig  und  an  den  Spitzen  zurückgebogen.  Die 
Pflanzen  standen  bereits  im  Juni  in  Blüte,  und  wo  man  in  der  Parkanlage 
mit  Massives  wirken  will,  sind  sie  ausserordentlich  zu  empfehlen.  Eine  Neuheit 
ersten  Ranges. 

Reseda  od.  grandifl.  „Rubin"  Q.  Diese  Reseda  wäre  in  der  That  ein  Edel- 
stein, wenn  die  einzelnen  Blumen  nicht  so  schnell  verblühen  würden  und  die 
Blütentrauben  auf  dem  Rieselfelde  nicht  mehr  Samenansatz  zeigte  als  Blumen. 
Ob  dies  anderweitig  auch  der  Fall  ist,  möchten  wir  im  Interesse  diest-r 
Ilandelspflanze  nicht  glauben.  Die  Farbe  der  Blumen  ist  rotbraun  und 
sind  die  Trauben  sehr  gross.  Die  unter  dieser  Aussaat  vorgefundenen  falschen 
Exemplare  waren  in  Bau  und  Farbe  eine  Reseda  Machet,  von  welcher  die  Sorte 
sicher  abstammt.     Sonst  gut. 

Helianthus  annuus  foL  mir.  rar.  „Goldrand1'  Q.  Etwa  2  m  hoch  werdende, 
gewöhnliche  Samen  rosa,  deren  Blätter  zum  Teil  goldgelb  gefleckt  waren. 
Sobald  erst  diese  panaschierte  Pflanze  echt  sein  wird,  was  bis  jetzt  nur  zur 
Hälfte  der  Fall  war.  dürfte  dieser  Liebling  der  grossen  Masse  sich  noch  mehr 
Freunde  verschaffen.     Pflanze  und  Blume  nur  von  Mittelstärke. 

Mimuliis  tigrinus  nanus  roseus  O-  Eine  ins  Rosa  übergehende  Gaukler- 
blume, die  uns  aber  nur  unscheinbar  vorkam.  Die  Farbe  sahen  wir  aller- 
dings noch  nicht,  aber  die  recht  stark  gefleckten  leuchten  mehr  und  sind  uns 
lieber. 

Iberis  Timoryi  fol.  nur.  rar.  0  Diese  einjährige  Neuheit  hat  gelbgraue 
Belaubung,  die  aber  wenig  auffällt.  Die  Blumen  sind  weiss,  wie  bei  der  gewöhn- 
lichen Schleifenblume,  Iberis  amara.  Unter  dieser  Aussaat  befanden  sich 
Exemplare  mit  gewöhnlichem  grünen  Laube,  deren  Blumen  von  besonderer 
Pracht  und  an  Dankbarkeit  im  Blühen  unerreicht  waren.  Einige  Blüten- 
Stände  massen  60  cm  im  Durchmesser.  Die  einzelnen  Stengel  verzweigten  sich 
mehr  am  Stamme  und  es  genügte  eine  einzige  Pflanze,  um  eine  Jardiniere  zu 
füllen.  Diese  Pflanze  ist  jedenfalls  noch  entwicklungsfähig  und  dürfte  sich 
für  Gruppen-  wie  Topfkultur  eignen. 

Meliea  eiliata  alba  %.  Eine  Abart  des  bekannten  Perlgrases,  das  ausdauernd 
ist.  Die  von  Natur  weissen  Blütenrispen  können  einen  wichtigen  Platz  in  der 
Makartbinderei  ausfüllen,  da  die  meisten  Ziergräser  zu  diesem  Behufe  erst 
gebleicht  werden  müssen. 

Rudbeekia  bicolor  superba  Q.  Eine  einjährige  vielblühende  Rudbeckia,  die 
etwa  60  cm  hoch,  die  durch  ihre  Blumen  sehr  besticht.  Die  gelben  Strahlen 
bluten  haben  leuchtend  dunkelbraune  Flecke  und  ebenso  dunkelbraun  ist  die 
Scheibe.  Selbst  rein.<;elbe  waren  darunter.  Die  Blütenstiele  sind  lang,  aber 
sehr  krautig  und  weich,  daher  auch  wohl  empfindlich.  Es  ging  ein  grosser 
Posten  von  Pflanzen  während  der  Blüte  ein.  wurden  schwarz  und  verdorrten 
Sonst  aber  sehr  schön  und  autfallend. 

Helianthus  perennis  hybridus  %.  Recht  schöne  neue  Samenblume,  die  in 
dem  verschiedensten  Gelb  ihre  Blumen  leuchten  liess.  Die  Blumen  dieser 
einfachblühenden  Perenne  waren  nur  so  gross  wie  eine  Caillardia.  die  Höhe 
der  Pflanze  90  cm.     Für  Binderei  sehr  gut. 


ji  Bericht  über  die  Kulturversuche  im  Jahre    1898. 


Nicotiana  nortifloria  Book.,  vor.  altiflora  Comes.  Neue  Tabakart,  deren  Blätter 
an  Nicotiana  glauca  erinnern,  also  graugrün,  klein  und  glatt  sind.  Die  Pflanze 
blüht  reichlich  und  hat  einen  stattlichen  Wuchs.  Die  Blumen  sind  weiss,  einige 
auch  mattrosa,  aufrechtstehend.  Für  grössere  Gruppen  sehr  geeignet,  umsomehr. 
da  sie  dankbar  blüht. 

Nicotiana  sylvestris  Q  Spegaz.  Wir  haben  es  hier  mit  einer  graziösen 
Solitär-  wie  auch  Gruppenpflanze  zu  thun,  welche  auf  ca.  2  m  Höhe  ihre 
schneeweissen  Blumen  entwickelt  und  die  alte  Nicotiana  affin is  übertrifft.  Der 
Bau  der  Pflanze  ist  elegant  zu  nennen;  die  breiten  Blätter  werden  über  1  m 
lang  und  kommen  den  grössten  Tabakblättern  in  jeder  Weise  nach.  Die 
Blumen  sind  gross  und  hängend  und  von  herrlichem  Wohlgeruch.  Erst  der 
Frost  machte  ihrer  Pracht  'ein  Ende. 

Helenium  Bigelowi  %.  Eine  langgestielte  Perenne  mit  gelben  Strahlen- 
blumen und  schwarzer  Mitte.  Sie  soll  aus  Amerika  stammen,  von  wo  sie  vor 
längerer  Zeit  nach  hier  importiert,  jetzt  aber  erst  wieder  in  Kultur  genommen 
ist.  Der  sehr  fleischige  Stiel  der  Blume  dürfte  diese  Staude  zur  Binderei  un- 
geeignet machen.  Es  wird  übrigens  bald  nicht  mehr  herauszufinden  sein  aus 
den  vielen  Rudbeckia,  Helenium,  Helianthus  und  sich  sonst  ähnelnden  Schnitt- 
blumen, welche  heute  den  Markt  beherrschen.  Ein  Blick  in  ein  Schaufenster 
eines  besseren  Blumengeschäfts  dürfte  dies  bestätigen. 

Heliotropium  hybridum  giganteum  Q| .  Dieses  Heliotrop  wurde  im  verflossenen 
fahre  eingeführt.  Die  Blütenstände  dieser  Sommerwende  waren  bei  manchen 
Pflanzen  30  cm  und  darüber  im  Durchmesser,  die  Farbe  vom  hellsten  bis  zum 
dunkelsten  Blau,  das  Laub  sehr  kräftig  und  gross.  Hochstämme,  von  den 
echten  grossblumigen  gezogen,  müssten  grossartig  wirken.  Leider  gehören 
hochstämmige  Heliotrop  jetzt  zu  den  Seltenheiten. 

Verbesina  virginiea  %.  Die  Pflanzen  haben  kantige,  geflügelte  Stämme  und 
wurden  über  1  m  hoch,  leider  ohne  zu  blühen,  während  einzelne  Knospen  sich 
bereits  bemerkbar  machten.  Diese  Staude,  welche  aus  Nordamerika  stammt. 
scheint  ziemlich  hart  zu  sein,  da  der  bereits  stattgehabte  Reif  sie  nicht 
beschädigte.  Die  Verbesina  ist  nicht  mehr  ganz  neu.  jedoch  fast  nirgends 
anzutreffen. 

Rudbeckia  radula  %.  Eine  Einführung  von  1896,  die  mit  ihren  goldgelben 
Strahlenblüten  und  schwarzer  Scheibe  sich  von  weitem  bemerkbar  machte. 
Zur  Bouquetfabrikation  vorzüglieh  geeignet. 

Pyrnanthemuni  pilosum  9) .  (Labiatae.)  Mit  Astrantia  minor  ähnlichen  Blumen 
trat  diese  30  cm  hoch  werdende  Staude  bescheiden  im  Laufe  des  Herbstes 
hervor,  kam  aber  nicht  mehr  recht  zur  Entwicklung.  Hoffentlich  wird  Pyr- 
nanthemum hier  den  Winter  aushalten. 

Petunia  hybrida  man.  multifl.  „Schneeball"  Q.  Wir  hatten  uns  bereits  im 
verflossenen  Jahre  über  diese  Hybride  geäussert,  fügen  nur  noch  hinzu,  dass 
die  Pflanzen  ziemlich  konstant  aus  Samen  waren.  Zum  Herbst  nahmen  aber 
die  Blumen  ihre  frühere  Farbe,  rot  mit  weiss  gefleckt,  an. 

Thunbergia  (data  Q.  Eine  alte  niedliche  Schlingpflanze,  die  in  ihren  in 
verschiedenem  Gelb  blühenden  einfachen  Blumen  stets  eine  schwarze  Mitte  zeigt, 
wodurch  dieser  Schlinger  äusserst  zierlich  erscheint.  Das  Wachstum  ist  nur 
massig.     Die  Aussaat  glückte  im  freien  Lande.  (Schluss  folgt.) 


Pflanzenschmuck  am  Geburtstage  Seiner  Majestät  des   Kaisers. 


[5 


Pflanzenschmuck  am  Geburtstage  Seiner  Majestät  des  Kaisers 

in  der  Kgl.  landwirtschaftl.  Hochschule  zu  Berlin. 

(Hierzu   Abb.    8.) 

k er  grosse  Hörsaal  der  landwirtschaftlichen  Hochschule,  vielen  Lesern 
bekannt,  da  in  ihm  die  Versammlungen  des  Vereins  zur  Beförderung 
des  Gartenbaues  stattfinden,  erhält  alljährlich  zum  Geburtstage  Seiner  Majestät 
des  Kaisers  einen  testlichen  Schmuck,  den  wir  in  unserer  Abbildung  8 
wiedergeben.  Vor  der  schwarzen  Wandtafel  ist  ein  rotbrauner  Baldachin 
errichtet,  dessen  Hintergrund  das  Banner  der  Hochschule  ziert,  während  vor 
[lern  Banner  die  Büste  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Aufstellung  erhält.     Zu  beiden 


Abb.  8.     Pflanzenschmuck  am  Geburtstage  Sr.  Maj.  des  Kaisers  in  der  Kgl.  landwirtschaftl. 

Hochschule  zu  Berlin. 
Photograpliiert  von  L.  W  i  1 1  m  a  c  U. 


Seiten  sind  Fahnen  angebracht  und  weiter  links  und  rechts  —  auf  dem  Bilde 
nicht  mehr  sichtbar  —  nehmen  die  Vertreter  des  Ausschusses  der  Studierenden 
und  der  verschiedenen  Vereine  und  Korporationen  der  Studierenden  in  vollem 
Wichs  mit  ihren  Bannern  und  gezogenen  Schlägern  Aufstellung. 

Den  Hintergrund  bilden  die  Pflanzenschätze  des  botanischen  Instituts 
(Prof.  Dr.  L.  Kny,  Gärtner  Behse)  und  des  Instituts  für  Pflanzenschutz  (Prof. 
Dr.  B.  Frank,  Gärtner  W.  Vorwerk),  erstere  vorzugsweise  links  vom  Be- 
schauer, letztere  besonders  rechts.  Zu  beiden  Seiten  der  Büste  Seiner  Majestät 
des  Kaisers  stehen  zwei  säulenförmige  Cypressen,  Cupressus  sempervirens, 
weiterhin  folgen  Viburnum  Tinus,  Cryptomeria  elegans,  Lorbeeren,  Oleander, 
Veronica  speciosa,  Aralia  Sieboldi  etc. 

Auf  dem  langen  Laboratoriumstische,  in  dessen  Mitte  das  Rednerpult 
sichtbar,  finden  wir  an  den  Ecken  kleine  Latania  borbonica  Lam.  oder  richtiger,. 


Aß  Grosse  Allgemeine  Chrysanthemum-Ausstellung  zu  Hannover. 

um  mit  Otto  Kuntze  zu  reden.  Saribus  chinensis  Blume"),  während  im  übrigen 
eine  reiche  Fülle  von  Crocus,  Hyacinthen,  Maiblumen,  getrieben  von  Herrn 
Vorwerk,  untermischt  mit  dem  Grün  von  Pteris  serrulata,  Tradescantia 
elongata  (T.  Sellowiana),  Panicum  plicatum  etc.,  die  an  sich  kahle  Fläche  beleben. 
Unser  Bild  ist  nach  der  Feier  am  26.  Januar  1898  aufgenommen:  im 
wesentlichen  ist  es  aber  alle  Jahre  das  gleiche  und  immer  aufs  Neue  fesselnde. 
Um  aber  die  Wirkung  voll  zu  ermessen,  muss  man  sich  die  Chargierten  der 
Studierenden  in  ihrem  schönsten  Schmuck,  die  stattliche  Zahl  der  Festgäste, 
die  dichten  Reihen  der  Lehrer  und  Studierenden  im  Geiste  mit  vorstellen, 
man  muss  dem  Gesang  der  Liedertafel  der  Studierenden  und  vor  allem  der 
weihevollen  Festrede  lauschen,  dann  wird  man  unwillkürlich  mit  einstimmen 
in  den  Ruf:     Seine  Majestät  der  Kaiser,  er  lebe  hoch!  hoch!  hoch!         L.  YV. 


Grosse  Allgemeine  Chrysanthemum -Ausstellung   zu  Hannover 

nL^  vom  24.  bis  30.  November  1898. 

ÜJ^Niese  Ausstellung,  infolge  ungünstiger  Witterung  der  Monate  September  und 
^^  Oktober  auf  das  Ende  November  verlegt,  fand  in  dem  Konzert-  und 
Palmengarten  zu  Hannover  statt.  Der  Gartenbauverein  von  Hannover,  welcher 
auf  eine  mehr  denn  100jährige  Thätigkeit  zurückweisen  kann,  in  den  letzten 
Dezennien  beruflicherseits  aber  wenig  an  die  Oeffentlichkeit  getreten  ist. 
feierte  mit  dieser  Ausstellung  gleichsam  ein  Auferstehungsfest.  Die  heute 
an  der  Spitze  des  Vereins  stehenden  Kräfte  spornten  die  Mitglieder  zu 
dieser  Lebensäusserung  nicht  nur  an,  sondern  verstanden  auch,  hierbei  durch 
Stiftung  hoher  Preise  die  Interessen  der  Liebhaber  aufs  Neue  in  den  Kreis 
gemeinsamer  Thätigkeit  hineinzuziehen.  Unter  Voraussetzung  dieser  Thatsachen 
durfte  man  eine  allgemeine  Beteiligung  seitens  der  Fachkreise  wohl  erwarten. 
Allein  diese  Erwartungen  sind  nicht  nur  erfüllt,  sondern  übertroffen  worden 
und  nimmt  dies  Urteil,  als  ein  allgemein  geltendes,  in  erster  Linie  auf  die  die 
Ausstellung  beschickenden  Kultivateure  Bezug,  wie  sie  in  und  mit  ihren 
Erzeugnissen  hier  öffentlich  deutschen  Fleiss  und  deutsche  Fachkenntnisse 
bekundeten.  Ich  schätze  als  wesentlichstes  Moment  dieser  Ausstellung  das- 
jenige der  kulturellen  Leistung  deutscher  Züchter,  gegenüber  hervorragenden 
bisherigen  Leistungen  ausländischer  Züchter  auf  diesem  Spezialgebiete.  Gerade 
dieser  Umstand  in  Verbindung  mit  der  Thatsache  eines  aus  sich  heraus  selbst- 
ständig entstandenen  Unternehmens  in  durchaus  gelungener  Darstellung  bilden 
den  Wert  der  Chrysanthemum-Ausstellung  zu  Hannover.  Blieb  auch  bezüglich 
der  Einrichtung  und  Anordnung  dies  und  das  zu  bemängeln  (und  wo  wäre  das 
nicht  jedesmal  noch  der  Fall?),  so  bilden  diese  Mängel  doch  nicht  den  Tenor 
eines  Berichtes. 

Zunächst  eine  kurze  Skizzierung  des  Ausstellungsraumes,  der  in  vier 
Abteilungen  gegliedert,  uns  zunächst  einen  grossen  rechtwinkligen  Saal  zeigt. 
In  der  Mittelaxe  (Tiefe  des  Rechtecks)  dem  Eingange  gegenüber,  springt  eine 
Kaisergruppe,  halbkreisförmig  die  eine  Längslinie  des  Rechtecks  unterbrechend, 
vor.     In  der  Längsaxe  des  Saales  finden  wir  auf  der  rechten  wie   linken  Seite 


*)  Siehe  Gartenflora  d.  J.  Heft  1    S.  7. 


Grosse  Allgemeine  Chrysanthemum-Ausstellung  zu  Hannover.  An 


(vom  Eintritt  aus)  grössere  wie  kleinere  Gruppen,  meist  in  kreisförmiger  oder 
•oval  gehaltener  Anordnung  im  Räume  verteilt,  im  Wesentlichen  aus  Chry- 
santhemum bestehend.  Der  zur  rechten  Hand,  an  der  kurzen  Seite  des 
Rechtecks  sich  erhebenden  Felspartie  (dekorative  Ausschmückung  mit  Palmen, 
Blattpflanzen,  Orchideen)  gegenüber,  befindet  sich  links  vom  Eintritt  ein 
Kiosk,  dessen  beide  Seiten  mit  Blattpflanzen-,  sowie  Cyclamen  -  Gruppen 
flankiert  sind. 

Saal  Xo.  2,  unmittelbar  an  diesen  ersten  anstossend,  enthält  im  Wesent- 
lichen Bindereien.  Blumenbindereien,  Blumenarrangements  vornehmlich  aus 
Chrysanthemum. 

3.  Die  Emporen,  Bühnenräume  dieses  Sales,  eine  Etage  hoch  gelegen, 
beherbergten  auf  beiden  kurzen  Saalseiten  rechts  das  grosse  Heer  der  Pläne  (in 
Kojen),  sowie  an  Kulturpflanzen:  Primeln,  Eriken,  Nelken,  Ardisien,  Pteris: 
links,  gegenüber:  Stauden,  Rosen,  Bouvardien,  Nelken,  Dahlienblumen  in  ab- 
geschnittenem Zustande,  zwei  grössere  Yeilchensortimente;  die  Emporen  an 
beiden  Längswänden  Chrysanthemum,  Dahlien.  Pelargonien-Blumen,  ab- 
geschnitten, Nelken.  Primeln,  Cyclamen-Sortimente  in  Töpfen  sowie  eine 
Weintraubensammlung. 

4.  In  dem  Überbau  (halbe  Strassenbreite),  der  Tiefe  des  vorigen  Saales 
angefügt,  waren  dagegen  nur  Chrysanthemum-Marktpflanzen  aufgestellt. 

So  bildete  also  das  Chrysanthemum-Material  den  Grundton;  die  ander- 
weitig zu  dieser  Jahreszeit  noch  oder  bereits  in  Blüte  befindlichen  Kultur-  und 
Blattpflanzen  gaben  einen  angenehmen  Kontrast  den  ersteren  gegenüber. 

Als  Züchter  in  Chrysanthemum-Kulturen:  Schaupflanzen,  Hoch-  und 
Ilalbstämmen  traten  wesentlich  hervor:  F.  Kirsten-Klein  -  Flottbek  bei  Ham- 
burg (Kaiser-Medaille);  K.  Schuhmacher-Hamburg  (goldene  Vereinsmedailie 
und  100  M.);  Daiker  &.  Otto-Langenweddingen;  H.  Bartels  und  F.  Kracke- 
Döhren;  W.  Meyer-Kirchroda;  F.  Wellhausen-Hannover;  A.  Bayer-Linden; 
0.  Ileyneck-Magdeburg;  F.  Sperling  und  J.  Dannenbaum-Hildesheim. 

Zu  diesen  traten  noch  in  Abteilung  »Neuheiten«  hinzu:  Koenemann 
«V  Maasser-Remscheid,  Dittmann-Neumünster,  Thürnau-Hannover,  Chr. 
Küster  &  Sohn-Döhren;  während  in  den  »Sortimenten  in  abgeschnittenen 
Blumen«  Bornemann-Blankenburg ,  Daiker  &  Otto-Langenweddingen. 
Warnecken-Blankenese,  C.  Danner  und  IL  Walter-Wandsbek,  Dittmann- 
Darmstadt,  A.  Etzold-Altenburg  u.  a.  ihre  Hauptkraft  bewiesen. 

Unter  den  in  Cyclamen -Kulturen  hervortretenden  Firmen  nenne  ich 
hier:  Th.  Grabbe-Braunschweig,  Fr.  Kraacke-Döhren,  Tutesche  Gärtnerei 
und  J.  Gerke-Hannover,  F.  Kirsten- Hamburg,  J.  Dannenbaum-Hildesheim. 

In  Orchideen,  namentlich  Cattleyen  und  Cypripedien:  S.  Chollet- 
Eilbek  -  Hamburg;  F.  Sperl  ing-Hildesheim,  P.  Tagmann-Döhren.  In  Nelken: 
Fr. Brau ck mann  und  J.  Dannebaum-Hildesheim,  Th.  Grabbe-Braunschweig; 
in  Primeln  (chinensis  und  obeonica):  Chr.  Küster  &  Sohn-Döhren,  H.  Meyer- 
Kirchroda.  J.  &  C.  Gerke-Ilannover;  II.  Dörrie-Vahrenwald;  in  Citrus 
chinensis  mit  Früchten:  F.  W.  Böttcher-Hamburg,  Laurentius  &  Co.- 
Crefeld;  in  Pelargonium  scarlet:  W.  Reid-London:  in  Veilchen:  Drube- 
Schönhausen ,  IL  Wre  de  -  Lüneburg;  in  Bouvardien:  F.  Wellhausen- 
Ilannover:  in  Eriken:  IL  Samson-Crefeld,  C.  Thürnau-Hannover,  P.  Tag- 
mann-Döhren.    Die  von  Vollmar-Frankfurt   a.  M.    ausgestellten    drei    Wein- 


lX  Grosse  Allgemeine  Chrysanthemum-Ausstellung  zu  Hannover. 

sorten:  Black  Alicante,  Black  Hamburgh  und  Black  Muscat  bilden  die  Haupt- 
treibsorten der  betreffenden  Weinanlage.  Genannte  Firma  befasst  sich  indes 
nicht  nur  mit  Heranzucht  der  Trauben,  sondern  auch  mit  Weintreibanlagen. 
Eine  Vorführung  der  Entwicklungsgeschichte  des  Chrysanthemum  in  lebenden 
Bildern,  d.  h.  Pflanzenformen,  rührte  von  G.  Cap  eile  -Springe  her.  Leider 
mangelte  es  hier  an  der  botanischen  Bezeichnung,  indessen  so  viel  konnte  auch 
der  Unkundigste  heraussehen,  dass  von  dem  einfachsten  Chrysanthemum,  jener 
dem  Pyretbrum  nahestehenden  Form,  bis  hin  zu  den  kultivierten  Formen  des 
Chrysanthemum  indicum,  ein  grosser  Schritt  in  der  Entwicklungslinie  dieser 
Pflanzenart  gethan  sein  musste.  Der  an  sich  schüchterne  Versuch,  gewisser- 
massen  ein  Erläuterungsprogramm  zu  den  vorliegenden  Errungenschaften  auf 
dem  Züchtungsgebiete,  verdient  im  Prinzip  fachlicherseits  mehr  Beachtung. 
Derartige  Dinge  sind  nicht  nur  dazu  angethan,  dem  Laien  begrifflich 
näher  zu  rücken,  ihm  das  Verständnis  zu  öffnen,  sondern  auch  andererseits 
seine  Achtung  unseren  Leistungen  in  Zucht  und  Kreuzungen  gegenüber  heraus- 
zufordern. 

Unter  den  letztjährigen  deutschen,  englischen,  französischen  und  ameri- 
kanischen Züchtungen,  soweit  diese  hier  zur  Vorführung  gelangten,  möchte  ich 
besonders  erwähnen:  Mad.  Edmond  Roger,  weiss  mit  grünen  Spitzen,  von  ganz 
besonderem  Effekt,  Züchtung  von  Calvat  in  Grenoble;  Secretaire  Rivoire,  fein 
gelb  in  lila  übergehend,  verspricht  eine  gute  Schnittblume;  General  Paquee, 
leuchtend  rotgelb,  französische  Züchtung;  Mad.  Bouidoin,  rosa,  nach  innen 
weiss,  desgl.  Topace  Orientale,  strohgelb,  einwärtsgebogen;  Vicar  of  Exmouth, 
Bmarantrot;  Marfa,  orange  rot:  Natacha,  leuchtend  amaraDtrot;  Marie  Calvat, 
leuchtend  rosa;  le  grand  Dragon,  lebhaft  orange;  Sonne  von  Blankenburg, 
dottergelb,  gute  Schnittblume,  Bornemannsche  Züchtung;  Simplicity,  reinweiss, 
amerikan.  Züchtung,  N.  C.  S.*)  Jubilee,  lila-rosa;  Charles  Davis,  altgold,  Sport 
von  Viviand  Morel;  Fee  du  Champsaur,  reinweiss,  Züchtung  von  Calvat;  Le 
Colosse  grenoblois,  lila  mit  grau;  Mad.  Charles  Capitant,  centifol.  rosa;  Mr.  E. 
G.  Whittle,  malmaison-fleischfarben;  Mrs.  H.  Weeks,  weiss,  ziemlich  spät; 
James  Bidencope ,  amarantroth;  Mme.  Gustave  Henry,  reinweiss,  besonders 
gute  Schnittsorte  für  Freiland;  Beauty  of  Shoking,  bernsteinfarben;  Black 
Hawk,  dunkelblutrot,  amerikanische  Züchtung. 

Xeben  den  zumeist  sehr  hervorragenden  Kulturleistungen,  der  Fülle 
grosser,  zahlreicher  Arrangements  wie  Tafeldekorationen,  einer  Hauptzierde, 
zählten  die  vorhandenen  Pläne,  sichtbare  Zeichen  der  Landschaftsgärtnerei,  mit 
zu  den  wesentlichsten  Glanzpunkten  der  Ausstellung.  Um  es  hier  kurz  zu 
erwähnen:  Zu  den  drei  Preisaufgaben  a)  Villengarten,  b)  Vor-,  c)  Hausgarten 
nach  gegebenen  Verhältnissen,  waren  gegen  ca.  60  Lösungen  erschienen,  unter 
denen  auffallend  viele  von  sogenannten  Bureau-Zeichnern  herrührten.  Die 
Namen  E.Böttcher,  E.  Schultz-Berlin,  G.  Potente-Hannover,  kehren  mehrfach 
ausgezeichnet  wieder ,  von  selbständigen  Geschäftsinhabern  dagegen  u.  a. 
Hardt  &  Schmidts-Düsseldorf,  Körner-Steglitz.  Den  Grund  für  diese,  wenn 
auch  an  sich  günstige,  so  doch  vorwiegend  einseitige  Beteiligung  glaube  ich 
in  erster  Linie  dem  Umstände  zuschreiben  zu  müssen,  dass  betreffs  der  Auf- 
gaben, bei  aller  sonstigen  Sorgfalt  der  Angabe  detaillierter  Terrainverhältnisse, 
die  Aufgabe  an  sich  noch  zu  abstrakt  hingestellt  wird.     Will    sich    der    Land- 

*)  Nationel  Chrysanthemum  Society. 


Hillmanns  Zement-Isolier-Bausteine   für  Gärtnereien. 


49 


schafter  in  wirklich  künstlerischer  Weise  bewähren,  so  kann  er  dies  doch  in 
erster  Linie  nur  in  glücklicher  Einfügung  seines  geplanten  Bildes  in  die  den 
Teil  umgebende  Landschaft,  den  Teil  einschliessende  Umgebung  thun.  Es 
gehören  meines  Erachtens  nach,  soll  das  Ganze  recht  wirken  und  entsprechend 
disponiert  sein,  zu  jeder  Aufgabe  genaue  Andeutungen  über  Ort,  Lage,  Boden- 
beschaffenheit  des  nächsten  Gesamt-Landschaftsbildes.  Ich  meine,  dass  wir  über 
die  Zeit,  nur  ideelle  Aufgaben  für  derartige  Zwecke  stellen  zu  können,  bereits 
hinweg  sind.  Denn  eine  dahingehörige  Disposition  gleicht  mehr  oder  minder 
einem  Schlag  ins  Wasser.  Allein  auch  in  Darstellung  eigener  Anlagen  herrscht 
grosser  Wetteifer  und  namentlich  wirkten  hier  u.  A.  die  Vorführungen  einer 
Yillegiaturanlage  auf  dem  Deister  Gebirge  von  Herrn  Gartendirektor  Trip- 
Hannover,  durch  die  Fülle  interessanter  Einzelheiten. 

Auch  die  Fortbildungsschüler  fehlten  hierbei  nicht  mit  z.  T.  recht 
anerkennenswerten  Leistungen  bez.  Fleiss  und  Geschicklichkeit  in  der  Aus- 
führung. Das  Fortbildungsschulwesen  trägt  hier  den  Stempel  einer  hervor- 
ragenden Leistung  und  wird  den  kommenden  Berufstechnikern  nur  zum  Vorteil 
gereichen.  Über  die  wesentlichen  Momente  des  betr.  Unterrichtes  gelegentlich 
an  einer  anderen  Stelle.  Hoffmann. 


Hillmanns  Zement-Isolier-Bausteine  für  Gärtnereien. 

ufmerksam  gemacht  durch  die  Herren  Gärtnereibesitzer  Kretschmann- 
Pankow  und  H.  Mehl-Weissensee,  besichtigte  ich  am  30.  November  v.  J. 
Zementsteinfabrik  des  Herrn  Georg  Hillmann  in  Waidmannslust  bei 
Berlin  (an  der  Xordbahn)  und  sah  dann  in  dem  nahen  Hermsdorf,  dass  nicht 
nur  Mistbeetkästen  oder  Gewächshäuser  (wie  bei  den  genannten  Herren  und 
Herrn  Reinhold  Hoffmann-Weissensee),  sondern  auch  ganze  Villen  aus 
Zement-Isolier-Steinen  erbaut  werden. 

In  der  Fabrik  des  Herrn  Flillmann  werden  ferner,  vermittelst  der  voll- 
kommensten Maschinen  und  Modelle,  aus  scharfem  Sand  und  bestem  Portland- 
zement viele  andere  Arten  Bausteine  in  bemerkenswertem  Umfange  hergestellt, 
wie  Isolier-Gewülbsteine,  Pfeiler-  und  Sockelsteine  für  Thorwege  und  Front- 
gitter, Treppenstufen,  Steine  für  Schornsteinanlagen,  Platten  für  Trottoir-  und 
Hofpflaster,  Rinnen-  und  Gossensteine,  Dachfalzziegel  und  vieles   andere   mehr. 

Die  Isolier-Bausteine,  welche  in  verschiedenen  Grössen,  von  5000  cm 
und  in  Stärken  von  20—15 — 10  und  7  cm  angefertigt  werden,  sind  in  ganzer 
Höhe    mit  durchgehenden  Kanälen  von  entsprechenden  Dimensionen  versehen. 

Bei  Villenbauten  werden  für  die  Aussenwände  doppelte  Wände  mit  Luft- 
schicht, für  die  Zwischenwände  einfache  Isolier-Bausteine  angewendet.  Durch 
die  in  den  Kanälen  eingeschlossene  Luftschicht  werden  die  Räume  zweckmässig 
temperiert;  sie  sind  im  Sommer  kühl  und  im  Winter  warm.  Das  Aufmauern 
dieser  Steine  geht  ausserordentlich  rasch  von  statten,  und  sehen  alle  daraus 
gefertigten  Bauten  sehr  sauber  aus.  Von  nicht  zu  unterschätzendem  Vorteil  ist 
ferner,  dass  die  Steine  leicht  mit  Meissel  und  Bohrer  bearbeitet  werden  können. 
Aus  Hillmanns  Zement-Isolier-Bausteinen  aufgeführte  Mauern  und  Wände 
sind  nicht  nur  teuer-  und  schwammsicher,  sondern  auch  vollkommen  wider- 
standsfähig   gegen    YV'itterungseinflüsse,    wie    die    seither    in     Hermsdorf    und 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


Umgebung  aufgeführten  Bauten  unzweifelhaft  darthun.  Auch  hinsichtlich  ihrer 
Tragfähigkeit  ist  die  Festigkeit  der  Isoliersteine  durch  Atteste  der  königlichen 
Prüfungsstation  für  Baumaterialien  genügend  nachgewiesen  und  es  übernimmt 
daher  Herr  Hillmann  eine  vieljährige  Garantie  für  die  Güte  seiner  Fabrikate. 
Aus  dem  Handelsblatt  für  den  deutschen  Gartenbau  1898,  S.  402,  ersehen  wir. 
dass  Herr  Reinhold  Hoffmann  bereits  eine  Erdbude  von  40  m  Länge  hat 
erbauen  lassen,  Herr  Mehl  zwei  Gewächshäuser,  Herr  Kretschmann  gleich- 
falls zwei  Gewächshäuser;  alle  sprechen  sich  lobend  über  die  hierzu  ver- 
wendeten Isolier-Bausteine  aus  und  heben  besonders  hervor,  dass  dieselben 
durchaus  zweckmässig  und  dauerhaft  seien.  Über  die  Winterfestigkeit  können 
sie  noch  kein  Urteil  fällen,  weil  die  Häuser  erst  im  Sommer  1898  errichtet 
worden  sind.  Herr  Hillmann  hat  aber  einen  Anbau  seines  eigenen  Gewächs- 
hauses in  Hermsdorf  vor  drei  Jahren  aus  solchen  Steinen  hergestellt  und  zeigt 
derselbe,  wie  wir  uns  überzeugen  konnten,  keine  Beschädigungen  durch  Frost  etc. 
Die  Zement-Isolier-Steine  scheinen  sich  sonach  in  jeder  Weise  zu  bewähren 
und  wäre  damit  für  Gärtnereien  ein  äusserst  empfehlenswertes  Material,  mit 
dem  sich  leicht  hantieren  lässt,  gegeben.  Auch  für  andere  Bauten 
eignen  sich  die  Zement-Isolier-Bausteine  gut.  Wie  wir  hören,  sind  u.  a.  seitens 
der  Kruppschen  Germania- Werft  und  seitens  der  Borsigschen  Fabrik  grössere 
Bestellungen  auf  diese  Steine  erfolgt,  welche  sie  zu  Zwischenwänden  für  ihre 
neuen  Fabrikgebäude  in  Tegel  verwendet  haben.  L.  Wittmack. 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen  etcr 


Neue  Cactus-Dahlien  für  1899, 
angeboten  von  Thomas  S.  Ware,  Ltd., 

Haie  Farm  Nurseries,  Tottenham,  London,  N. 
Nach  den  Beschreibungen  der  Züchter. 


Antelope. 

Kirsch-karmoisin,  die  Spitzen  der 
Fetalen  mit  einem  grünlichen  Gelb 
betupft.    Sehr  schöne  Form.    1  m  hoch. 

Captain  Broad. 

Farbe  vom  leuchtendsten  Kirschrot 
klar  und  bestimmt  ohne  jede  Schattie- 
rung. Petalen  sehr  lang,  gedreht  und 
gewunden,  geben  der  Blume  ein  ent- 
zückendes Aussehen.  Stiel  lang,  steif 
und  aufrecht.     1  m  hoch. 

Countess  of  Lonsdale. 

Eine  ausgesuchte  Schattierung  von 
reich  lachsrot,  mit  einem  Anflug  von 
Aprikosen-Farbe  an  der  Basis  der 
Petalen,  geht  nach  den  Petalenspitzen 
in  ein  zartes,  weiches  Blass-karmin 
über.     Reichblühend.     0,90  m  hoch. 


Debonair. 

An  der  Basis  der  Petalen  zimmet- 
farbig,  nach  den  Spitzen  sich  zu  einer 
reichen  Kupferfarbe  vertiefend.  Petalen 
lang  und  schmal,  nach  der  Mitte  der 
Blume  zusammengebogen.  Eine  der 
schönsten  Varietäten,  die  je  gezüchtet. 
0,90  m  hoch. 

E.  0.  Greenincj. 
Dunkel-purpur,    lange    gedrehte   Pe- 
talen.    Volle    runde,     schön    geformte 
Blüte.     Reichblühend. 

Ebony. 

Eine  sehr  schöne  Kaktus-Form  von  tief 
schwärzlicher  Ebenholzfarbe,  beinahe 
ganz  schwarz,  mit  einem  leuchtenden 
Glanz  auf  den  Petalen.  Die  dunkelste 
Cactus-Dahlie,  die    je    gezüchtet. 

Exquisite. 

Rötlich-zimmet-  oder  blassrot  apri- 
kosenfarben.  Die  langen  vogelklauen- 
artigen  Petalen  geben  der  Blume  ein 
hübsches  Ansehen.  Ausserordent- 
lich reichblühend.  Stengel  lang.. 
0,90  m  hoch. 


Kleincrc   Mitteilungen. 


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Firebrand. 
Ein  sehr  reiches  sammtig  Karmoisin. 
Petalen  lang,    schmal  und  spitz.     Eine 
wertvolle  Einführung  in  dieser  Farbe. 
1,35  ni  hoch. 

Lucius. 
Tief  orange.     Blume   von  sehr  guter 
Qualität,    gutem    Habitus    und   Wuchs. 
Sehr  reichblühend.     0,90  m  hoch. 

Magnificent. 

Hell  orange  mit  stumpf  ziegelbraun. 
Petalen  röhrenförmig,  sternartig,  ähnlich 
Starfish.  Stengel  lang  und  kräftig. 
Blume  ist  sehr  gross  und  hat  ein  selten 
schönes  Aussehen.  Entschieden  eine 
Errungenschaft  in  der  Klasse  der 
Cactus-Dahlien. 

Radiance. 
Lebhaft  orange-scharlach.    Eine  sehr 
distinkte    Blume.      Reichblühend    und 
gut    für    Ausstellungen.     0.75  m   hoch. 

Sylvia. 

Silberig  lila,  schattiert  karmin, 
Petalen  dunkel  gerändert.  Sehr  zarte 
Farbe.  Kräftiger,  langer  Stengel. 
Blume  bis  15  cm  im  Durchmesser. 
Ausgezeichnet  für  Schnitt.  Sehr 
unempfindlich  gegen  kaltes  und  nasses 
Wetter  und  ausserordentlich  dauerhaft. 
Sehr  zu  empfehlen.     1.25  m  hoch. 

The  Clown. 
Eine  sehr  bemerkenswerte  Blume. 
Die  Grundfarbe  ist  weich  ziegelrot 
und  jedes  Petal  bis  zur  halben  Länge 
weiss  betupft.  Ausgezeichnet  gut  ge- 
formte Blüte.  Stengel  lang  und  steif. 
1.25  m  hoch. 


Viscountess  Sherbrook. 

Leuchtend  rötlich  terracotta,  apri- 
kosenfarbig übergössen.  Petalen  lang 
schmal  und  zusammengedreht.  Sehr 
reichblühend.     0,90  m  hoch. 

Wallace. 
Leuchtend  bernsteinfarbig.  Die 
Rückseite  der  Petalen  mit  einem 
weichem  Rot  Übergossen.  Blüte  voll- 
kommen distinkt  und  sehr  brauchbar. 
1,25  m  hoch. 

William  Cuthbertson. 

Reich karmoisin-lackfarben, gegen  die 
Spitzen  der  Petalen  in  ein  leuchtend 
Karmin  übergehend.  Sehr  lange  und 
und  gewundene  Petalen.  Sehr  reich- 
blühend an  langen  steifen  Stengeln. 
Blume  sehr  dauerhaft.    1,25  m  hoch. 

Obige  Sorten  sind  eine  Auslese  der 
schönsten  neueren  englischen  Kaktus- 
Dahlien. 

*  * 

Neuheiten  von  1898. 
Amber,  Arachne,  Capstan,  Colonel' 
Wilson,  Daffodil,  E.  J.  Deal,  Eastern 
Queen,  Island  Queen,  King  Fisher, 
Taverstock  Beauity,  Mary  Service,  Miss 
Agnes  Box,  Night,  Porcupine,  Ruby. 
Tillie,  Casilda  Falka,  Keynes  White, 
die  beste  weisse  Kaktus-Dahlie. 

*  * 

Neuheiten  von  1897 
sind  African,  Bridesmaid,  Cedric, 
Cinderella,  Cycle,  Dr.  Jameson,  Ensign, 
Fantasy.  Flossie,  Harry  Stredwick,  Iona. 
Tessie,  Mrs.  Kingsley  Foster,  Mrs. 
G.  Cole,  Miss  Webster,  Ophelia,  Prinzess 
Ena,  The  Queen. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Dankschreiben    der  Kaiserin    an   Georg  Egger. 

Dem  Sammler.  Züchter  und  Exporteur 
syrischer  Blumenzwiebeln  Georg 
Egg  er  in  Jaffa,  welcher  anlässlich 
des  Kaiserbesuches  Ihrer  Majestät  der 
Kaiserin  eine  Kollektion  Blumen- 
zwiebeln des  heiligen  Landes  ein- 
sandte, ging  aus  dem  Kabinet  der 
Kaiserin  und  Königin  ein  Dankschreiben 
zu,  worin  bemerkt  wurde,  dass  auf 
Allerhöchsten  Befehl  Ihrer  Majestät 
diese  Blumenzwiebeln  in  Sanssouci 
eingepflanzt  worden  sind. 


Preisgekrönte  Entwürfe. 
Am  Sonnabend  wurden  im  Rathause 
zu  Schöneberg  unter  dem  Vorsitz  des 
ersten  Bürgermeisters  Herrn  Wilde 
von  der  Jury  die  Preise  verteilt  für 
die  Entwürfe  zur  Ausschmückung  des 
Platzes  Z.,  für  welche  die  Berliner 
Bodengesellschaft  eine  Konkurrenz 
ausgeschrieben  hatte.  Der  1.  Preis 
mit  dem  Motto  Ruhe«  wurde  dem 
königl.  Garteninspektor,  Lehrer  der 
königl.  Gärtnerlehranstalt  Encke, 
Wildpark.  Viktoriastr.  41,  der  2.  Preis 


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Kleinere  Mitteilungen. 


mit  dem  Motto  »Ruhe  2«  dem  städtischen 
Friedhofverwalter  und  Landschafts- 
gärtner Georg  Beitz,  Köln-Merheim, 
der  3.  Preis  mit  dem  Motto  »Con  amore« 
dem  Architekten  H.  A.  Krause, 
Berlin  W.,Culmstr.  5,  zuerkannt.  Ferner 
wurde  der  Ankauf  der  Projekte  »Stadt- 
recht« von  Fritz  Schultz e,  Grunewald 
und  Richard  Köhler,  Inhaber  der 
Firma  J.  Haack  Nachf.  H.  Köhler, 
Berlin  W.,  Nettelbeckstr.  15,  und 
»Exzentrisch«  von  Paul  jatzow  und 
Schweitzer,  Schöneberg,  Goethestr.6, 
empfohlen.  Sämtliche  prämiierte  Ent- 
würfe sind  im  Rathaus  zu  Schöneberg 
zur  Besichtigung  ausgestellt. 

Ein    Verfahren     zur    Behandlung     natürlicher 
Blumen  und  Blätter, 

um  dieselben  als  Dauerblumen  zu 
dekorativen  Zwecken  verwenden  zu 
können,  wurde  kürzlich  durch  Patent 
in  Deutschland  geschützt.  Bei  diesem 
Verfahren  werden  die  natürlichen 
Blumen  und  Blätter  einseitig  mit  einer 
erstarrenden,  das  Wesen  der  Blume  hin- 
sichtlich ihrer  Form  nicht  beeinflussen- 
den Masse  bestrichen.  Eventuell  kann 
hierzu  auch  eine  aus  Gewebe,  Papier, 
Draht  oder  dergleichen  bestehende 
Einlage  angewandt  werden.  Die  Gegen- 
stände werden  sodann,  wie  uns  das 
Patentbureau  von  H.  &  W.  Pataky, 
Berlin  mitteilt,  mittels  trockener  Luft 
oder  auf  sonst  geeignetem  Wege  ge- 
trocknet und  schliesslich  in  eine  er- 
starrende Masse,  beispielsweise  Gips, 
Zement,  Wasserglas,  Salzlösung,  oder 
dergleichen  eingetaucht. 


Die  beste  Zeit  zum  Schneiden   der  Edelreiser 

ist  nach  der  »Dresd.  ldw.  Pr.«  vom 
November  bis  Februar,  wenn  der  Saft 
zurückgetreten  und  kein  Trieb  in  ihnen 
ist.  Die  Reiser,  welche  man  zum  Ver- 
edeln nimmt,  müssen  gesund,  im  Kern 
nicht  rot  und  an  der  Rinde  nicht 
schwärzlich  sein.  Auch  der  Baum 
muss  gesund  sein.  An  der  Mittagsseite 
oder  am  Wipfel  des  Baumes  findet  man 
die  besten  Reiser.  Fruchtreiser  oder 
Wasserschosse  soll  man  nicht  nehmen. 
Bis  zum  Gebrauche  legt  man  dieselben 
im  Garten  in  die  Erde  oder  auch  im 
Keller  in  feuchten  Sand.  Reiser,  die 
man  aus  anderen  Gegenden  erhält  und 
welche  vielleicht  schon  etwas  trocken 
aussehen,  legt  man  erst  etwa  24  Stunden 
in  frisches  Wasser.    Die  Stellen,  welche 


in  der  Erde  oder  im  Sand  gesteckt 
haben,  schneidet  man  beim  Verbrauche 
ab  und  wirft  sie  weg.  Reiser,  welche 
im  Herbst  zeitig  oder  im  Frühjahr 
spät  geschnitten  werden,  schlagenbesser 
aus,  wenn  man  sie  erst  eine  Zeitlang 
vor  dem  Gebrauch  in  die  Erde  steckt, 
damit  der  Saft  aus    ihnen    verdunstet. 


Anlage  von  Frühbeetkästen. 

Die  Tiefe  des  Frühbeetkastens  richtet 
sich  nach  den  unterzubringenden  Dung- 
stoffen und  auch  nach  der  Höhe  des 
Grundwassers.  Wo  solches  vorhanden 
ist  und  im  Winter  sehr  hoch  tritt,  soll 
die  Erde  nach  dem  »Ldw.  Anz.  f.  g. 
Dtschld.«  niemals  so  tief  ausgehoben 
werden  wie  in  Lagen,  wo  Grundwasser 
nicht  oder  nur  selten  zu  Tage  tritt. 
Für  gewöhnlich  werden  die  Frühbeet- 
kästen 50  bis  70  cm  tief  ausgeworfen. 
In  Fällen  aber,  wo  das  Frühbeet  oder 
der  Frühbeetkasten  nicht  auf  die  an- 
gegebene Weise  benutzt  werden  soll, 
grabe  man  alle  darin  befindliche  Erde 
und  so  auch  den  Dünger  im  Herbst 
aus,  werfe  sie  neben  das  Beet  oder 
schaffe  sie  an  eine  andere  Stelle.  Es 
ist  stets  gut,  wenn  der  Frühbeetkasten 
im  Herbst  schon  geleert  wird,  man 
hat  ihn  so  zur  nächsten  Bestellung  frei 
und  kann  ihn  leichter  wieder  mit 
Dünger  oder  Erde  füllen;  wartet  man 
hingegen  mit  dem  Ausleeren  bis  zum 
Frühjahr,  so  ist  dies,  weil  die  Erde 
bisweilen  sehr  lange  nass  bleibt,  viel- 
umständlicher  als  im  Herbst  und  Winter, 
oder  will  man  warten,  bis  sie  trocken 
ist,  so  muss  man  sich  mitunter  sehr 
Tange  gedulden,  ehe  man  zum  Bestellen 
kommen  kann. 


Wagners  Nähr-Salz  in  der  Praxis. 

Von    Adam    Hey  dt,    Kunstgärtner. 

Wenn  auch  von  verschiedenen  Seiten 
praktischer  Gärtner  nicht  jene 
glänzenden  Resultate  erzielt  worden 
sind,  die  man  erhoffte,  so  ist  es  doch 
entschieden  Thatsache,  dass  Wagners 
Nähr-Salz  für  die  gärtnerischen  Kulturen 
von  hoher  Bedeutung  ist.  Die  ver- 
schiedenen Versuche,  die  ich  damit 
gemacht  habe,  haben  dies  bewiesen. 
Es  muss  jedoch  die  Anwendung  mit 
gewisser  Vorsicht  geschehen,  denn 
gerade  von  dieser  richtigen  Ausführung 
hängt  der  ganze  Erfolg  ab. 

In  der  irrigen  Meinung,  die  in  vielen 
Kreisen  der  Praktiker    herrscht,    dass, 


Unterrichtswesen. 


53 


je  stärker  dieDunggabe,destointensiver 
das  Wachsthum  sei,  wird  dem  Erfolg 
der  Todesstoss  gegeben.  Solche 
Praktiker  linden  die  Lösung  von  3  g 
Salz  auf  t  Liter  Wasser  zu  schwach, 
schon  weil  das  Wasser  nicht  die  geringste 
Trübung  zeigt.  Es  wird  dann  zu  viel 
Salz  gegeben,  was  einen  Misserfolg  in 
der  Kultur  zur  Folge  hat,  und  dann 
wird  kurzweg  gesagt,  das  Salz  taugt 
nichts. 

Neben  der  richtigen  Gabe  ist  auch 
notwendig,  dass  die  1  lauptbedingungen 
wie  Luft, Schatten, Bewässerung  u.  s.w., 
im  Auge  behalten  werden,  denn  nur 
da,  wo  sachliche  Behandlung  im  Verein 
mit  richtiger  Düngung  Hand  in  Hand 
geht,  kann  auf  guten  Erfolg  gerechnet 
werden,  [ch  kann  Wagners  Salz 
jedem  zur  Benutzung  empfehlen,  ein 
sicherer  Erfolg,  bei  ganz  reinlichem 
Arbeiten,  ohne  jeden  pestilenzartigen 
Geruch,sind  sehr  zubeachten  deFaktoren. 
Bei  Topfgewächsen  des  Hauses  wie 
im   Freiland    wirkt  es  gleich  gut. 

Sägespäne  für  Mistbeetkästen. 
Von   Adam    Hey  dt,   Kunstgärtner. 

Im  Bereiche  d'-r  Topfpflanzenkultur 
spielen  warme  .Mistbeetkästen  eine 
grosse  Rolle,  und  es  gilt,  besonders  im 
Frühjahr,  dieselben  recht  lange  warm 
zu  erhalten.  Wenn  guter  Mist  ver- 
wendet und  der  Kasten  auch  gut  ge- 
packt wird,  so  trägt  dies  sehr  dazu 
bei.  Allein,  wenn  dann  Erde  in  den 
Kasten  kommt,  in  den  die  Pflanzen  ein- 
gesenkt werden  sollen,  so  wärmt  sich 
der  Kasten  schlecht  und  verliert  be- 
deutend von  seiner  Wärme.  Will  man 
daher  letztere  recht  lange  erhalten, 
so  muss  das  Fütterungsmaterial  eben- 
falls wärmehaltig  sein.  Der  Eine  be- 
nutzt Lohe,  der  andereKoaksascheu.  s.w., 
hingegen  viel  zuwenig  werden  die  Säge- 
späne zu  diesem  Zweck  benutzt.  Säge- 
späne, besonders  aus  Buchenholz,  sind 
sehr  vorteilhaft.    Sic  wärmen  gut.  ver- 


dunsten gut  die  Feuchtigkeit,  lassen  nicht 
-n  s<  hnell  Moos  autkommen,  versauern 
die  Luft  nicht,  und  es  sieht  immer 
reinlich  aus.  Ich  benutze  Sägespäne 
zum  Einfüttern  von  Cyclamen, Begonien, 
Farnen,Maranten,Achimenes,(  rloxinien, 
Primeln.  Bouvardien  u.  s.  w.  Ich  habe 
hierbei  immer  eine  schöne,  last  egale, 
langanhaltende  Wärme  beobachtet  und 
cm  sehr  tlottes  Wachstum  aller  Pflanzen, 
was  mich  auch  bewog.  Sägespäne  zur 
vermehrten  Benutzung  zu  empfehlen. 
Besonders  im  Frühling  sind  sie  gut  am 
Platze.  Ficusstecklinge  wurzelten,  in 
Sägespäne  gesteckt,  recht  bald  und 
streuten  sozusagen  ihre  Wurzeln  in  den 
Spänen  ganz  umher.  Es  muss  jedoch 
darauf  geachtetwerden.  dass  die  Wärme 
nicht  zu  hoch   wird. 

Bestimmung  der  Himmelsgegend. 

Der  Landwirt  und  Gärtner  kommt 
oft  in  die  Lage,  sich  in  der  freien 
Natur  orientieren  zu  müssen,  ohne 
immer  einen  Kompass  bei  sich  zu 
führen.  Mit  Hilfe  der  Sonne  und  einer 
gewöhnlichen  Taschenuhr  kann  man 
aber  nach  der  »Balt.  Wochenschr.« 
jederzeit  dieXord-Südlinie  leicht  linden. 
Man  halte  die  Taschenuhr  mit  dem 
nach  oben  gerichteten  Zifferblatte  vor 
sich  hin  und  drehe  sich  so  lange,  bis 
der  kleine  Zeiger  genau  nach  der 
Sonne  gerichtet  ist.  Die  Nord-Süd- 
richtung wird  dann  durch  die  Linie 
markiert,  welche  den  Winkel  zwischen 
dem  kleinen  Zeiger  und  der  Zahl  XII 
des  Zifferblattes  halbiert.  Die  Stellung 
des  grossen  Zeigers  kommt  gar  nicht 
in  Betracht.  Ist  es  z.  B.  morgens 
LO  Ihr.  wenn  man  die  Bestimmung 
vornehmen  will,  so  wird  die  Meridian- 
linie durch  die  Linie  angegeben,  welche 
durch  die  Zahl  XI  gezogen  wird. 
Wird  dagegen  die  Beobachtung  am 
Nachmittag  um  4  Uhr  gemacht,  so 
giebt  die  durch  die  Zahl  II  gezogene 
Linie  die  Richtung  des  Meridianes  an. 


Unterrichtswesen. 


Kursus  über  Obstwein-  und   Obst-Schaumwein- 
Herstellung  in  Geisenheim. 

Im  die  neueren  Fortschritte  auf  dem 
Gebiete  der  Obstweinbereitung  speziell 
im  gewerblichen  Betriebe  weiteren 
Kreisen  zugänglich  zu  machen,  findet 
in  der  Zeit  vom  0.  bis  -'5.  Februar  1899 


an  der  önochemischen  Versuchsstation 
der  Königl.  Lehranstalt  zu  Geisenheim 
ein  Kursus  über  Herstellung  und  Be- 
handlung der  Obstweine  und  Obst- 
schaumweine statt.  .Nähere  Auskunft 
erteilt  der  Leiter  der  genannten 
Station.  Dr.  P.  Kulisch  in  Geisenheim. 


34 


Litteratur.  —  Ausstellungen  und   Kongresse. 


Litteratur. 


Fr.  Paeske,  Conraden.  Welche 
Waldbäume  sind  auf  den  w e n  i  g 
oder  g :  a  r  n  i  c  h  t  landwirtschaftlich 
benutzbarenBö den,  insbesondere 
auf  Sandböden  mit  und  ohne 
jM  er  gelbe  im  ischung  zu  bauen? 
Diese  kleine,  auf  Veranlassung  des 
Landwirtschaftlichen  Kreisvereins  ge- 
druckte Schritt  enthält  viele  praktische 
Winke  über  die  Anforderungen,  welche 
die  einzelnen  Baumarten  an  Boden  und 
Klima  stellen,  sowie  eine  Zusammen- 
stellung der  für  verschiedene  Boden- 
arten passenden  Bäume.  Die  kleine 
Abhandlung  dürfte  manchem  Praktiker, 
der  in  die  Lage  kommt,  grössere  An- 
pflanzungen von  Waldbäumen  machen 
zu     müssen,    recht    willkommen    sein. 


Zawodny:  Pflanzen  ph  y  s  i  o  1  o  - 
gische  Betrachtungen  über  die 
Zu  a  im  er  Gurke  und  deren  Kultur. 
S.-A.  a.  d.  Jahresbericht  der  Gesell- 
schaft »Flora«  zu  Dresden. 

Wissenschaftliche  Ali tteilun gen, welche 
man  in  dieser  Abhandlung  nach 
dem  Titel  erwarten  könnte,  findet  man 
in  derselben  nur  einige.  Dagegen  wird 
der  praktische  Gurkenbauer  manche, 
freilich  mehr  interessante  als  belehrende 


Gesichtspunkte  in  der  kleinen  ..Me- 
trachtung" linden,  so  speziell  über  den 
Verein. .Interessenschutz  der  Exporteure 
konservierter  Gurken'",  sowie  über  die 
Znaimer  Marktordnung.  Dr.  Kr. 


Bericht  über  dieThätigkeit  des 
chemischen  Untersuchungsamtes 
der  Stadt  Dresden  für  die  Zeit  vom 
1.  August  bis  31.  Dez.  1896.  Desgl.  bis  1897. 

Jahresbericht  der  K.  K.  Samen - 
kontrollstation  in  Wien.  Heraus- 
gegeben vom  Direktor  Ritter  von 
W  e  i  n  z  i  e  r  1 . 

E.  Licrcke  und  Dr.  D.  Morck,  Chry- 
santhemum-Düngungsversuche.  1897. 
Herausgegeben  von  der  Agrikultur- 
Abteilung  des  Verkauf-Syndikats  der 
Kaliwerke  in  Leopoldshall-Stassfurt. 
Die  Verfasser  verwandten  drei  ver- 
schiedene Nährsalze  und  erhielten 
ungefähr  dieselben  Resultate.  Kali 
scheint  für  Chrysanthemum  weniger 
nötig  als  Stickstoff  und  Phosphorsäure. 
Sie  gaben  5  g  Nährsalz  per  Liter  und 
gössen  damit  alle  8  bis  14  Tage  (auf 
eine  Giesskanne  von  10  1  Inhalt  50  g 
Nährsalz). 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Petersburg.  III.  internationale 
Garten  bau- Ausstellung  vom  5.19. 
bis  15./27.  Mai  1899.  Anmeldungen  bis 
spätestens  zum  1.  13.  März  an  Geheim- 
rat Exzellenz  Prof.  Fischer  von 
Waldheim,      Kaiserl.      bot.      Garten. 

1.  Alle  Ausstellung^  -  Gegenstände 
haben  keinen  Zoll  zu  zahlen,  falls 
selbige  zwei  Monate  nach  Schluss 
der  Ausstellung  über  die  Grenze  zu- 
rückbefördert werden  (sie  zahlen  also 
Zoll  nur  im  Fall,  wenn  sie  hier  im 
Lande  bleiben,  also  verkauft,  ver- 
schenkt etc.  werden).  Die  Gegenstände 
müssen  mit  einer  Etiquette  von  der 
Kaiserl.  Russische  Gartenbau- Gesell- 
schaft mit  der  Aufschrift  »transito 
Ausstellung«  versehen  sein,  siepassieren 
dann  die  Grenze  ohne  Aufenthalt  und 
werden  erst  im  Ausstellungsgebäude 
geöffnet. 


2.  Alle  Exponate  zahlen  nichts  für 
den  Rücktransport  von  der  Ausstellung 
biszurGrenzstation.  überweiche  selbige 
vom  Auslande   nach   Russland   kamen. 

3.  Um  eine  Preisermässigung  (Gratis- 
rückfahrt) der  nach  der  Ausstellung 
vom  Auslande  kommenden  Kommissare, 
Delegierten,  Preisrichter,  Exponenten 
und  Begleiter  der  Exponate  sind  Ver- 
handlungen eingeleitet,  über  deren 
Resultat  jedoch  noch  nichts  bekannt  ist. 

4.  Für  die  Vorkultur  der  aus- 
zustellenden Pflanzen  werden  im 
'Bäurischen  Garten  zwei  grosse  Ge- 
wächshäuser vorhanden  sein  mit  dem 
dazu  nöthigen  Personal.  Herr  Siess- 
meyer  jun.  will  die  Sache  überwachen. 

Ausserdem  werden  wohl  zwei  Ge- 
wächshäuser von  140  Fuss  Länge  für 
die  auszustellenden  Gegenstände  extra 
erbaut  werden. 


Aus  den  Vereinen.  —  Gewerbliche  Angelegenheiten  —  Preisverzeichnisse. 


- 


Für  bevorstehende  Festlichkeiten  isl 

ein  Komitee  gebildet  winden,  welches 
auch  für  Wohnungen  etc.  zu  sorgen  hat. 

Alle  Exponenten  können  auch  zu- 
gleich Preisrichter  sein,  natürlich  in 
einer  anderen   Preisbewerbung. 

(Letzteres  erscheint  auch  uns  in 
diesem  Falle  empfehlenswert.  Es 
wird  sich  Mancher  eher  entschliessen 
in     Petersburg      Pflanzen     und     abge- 


schnittene Blumen  auszustellen,  wenn 
er  sie  selbsl  mitnehmen,  bezw.  über- 
wachen kann.)  I..  W. 

Mont-St.  Amand  bei  Gent.  Grosse 
i  n  ternation  ale  Garl  e  n  bau  -  A  u  s- 
stellung  (Grande  Exposition  inter- 
nationale d'Horticulture)  vom  30.  April 
bis  9.  Mai  1899.  Das  Programm  von 
derselben  isl  erschienen. 


Aus  den  Vereinen. 


Deutsche  Dahlien-Gesellschaft. 
Erste  Jahres-Versammlung,  Sonntag 
den  39.  Januar,  nachmittags  2 1/2  Uhr, 
in  den  Räumen  des  Clubs  der  Land- 
wirte, Berlin  SW.,  Zimmerstrasse  90  91. 
Tagesordnung:  1.  Erstattung  des 
Jahres-  und  Kassenberichtes;  2.  Vor- 
standswahl; 3.  diesjährige  Ausstellungs- 
besprechung;  4.  neue  Anträge  zu  den 
Wertzeugnisbestimmungen  und  daran 
anschliessend  Bekanntgabe  der  letzt- 
jährigen Dahlienausstellungen;  5.  Ver- 
schiedenes. Nach  der  Sitzung  findet 
gemeinsames    Abendessen,    ä   Couvert 


l,50  M.,  statt.  Um  recht  zahlreichen 
Besuch  der  Mitglieder  sowie  Dahlien- 
liebhaber bittet 

Der  Vorstand 
C.   Kotte,  Präsident. 

Potsdamer  Gartenbau  Verein. 

In  der  General- Versammlung  am 
4.  Januar  d.  J.  wurde  der  bisherige 
eiste  Vorsitzende  des  Vereins,  der 
Inspektor  der  Königl.Gärtnerlehranstarl 
am  Wildpark  bei  Potsdam.  Herr  Th. 
Echtermeyer,  wiederum  einstimmig 
zum  ersten   Vorsitzenden  gewählt. 


Gewerbliche  Angelegenheiten. 


Wirtschaftlicher  Ausschuss. 

her  Staatssekretär  des  Innern  hat 
den  Verein  zur  Beförderung  des  Garten- 
baues ersucht,  einen  Vertreter  zu 
entsenden  zu  einer  am  21.  Januar  im 
Reichsamt  des  Innern  stattfindenden 
Versammlung  des  wirtschaftlichen  Aus- 
schusses zur  Besprechung  der  wirt- 
schaftlichen Verhältnisse  der  Gärtnerei 
und  etwa  zu   machenden    Erhebungen. 

Der  Vorstand  hat  den  Direktor  des 
Vereins,     Herrn     Königl.     Gartenbau- 


direktor 

ernannt. 


Lackner,     zum     Vertreter 


Schutzzoll-Versammlung  in  Berlin. 
Am  11.  fanuar  fand  in  denGermania- 
sälen  ein  e  gn  »sseVe  rsam  m  Lung(i  500]  'e  1- 
sonen)  der  Handelspartner  der  Povinz 
Brandenburg,  einberufen  vom  Verbände 
der  Handelspartner,  statt  in  welcher 
Lebhaft  für  den  Schutzzoll  gesprochen 
wurde.  Ein  näherer  Bericht  kann  erst 
in  nächster  Nummer  erfolgen. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


Adolph  Demmler,  Perlin  und 
Friedrichsfelde,  Preisverzeichnis  über 
Sämereien.  —  Haage  &  Schmidt. 
Erfurt.  Ilauptverzeichnis  über  Samen 
und  Pflanzen1  mit  Abb.).  —  Gebr.  Dippe, 
Quedlinburg.  Samenkataloe.  Joseph 
Klar  in  Perlin,  Linienstrasse,  Haupt- 
Preiskourant     (mit    Abb.).     —     Ernst 


Strauss  in  Köln -Ehrenfeld,  Garten- 
geräte (mit Abb.).  —  Martin  Grashof 
in  Quedlinburg.Feld-,1  remüse-,  Garten-, 
Gras-  und  Waldsamen,  Blumensamen 
(mit  Abb.).  Vilmorin,  Andrieux 
&  (  o.  in  Paris,  Engros- Preisverzeichnis 
über  Gemüse-,  Feld-  und  Blumen- 
sämereien    (mit     Abb.).  Sattler 


Personal-Nachrichten.    —  Winterfest. 


&  Bethge  in  Quedlinburg,  Engros- 
Preisliste  über  dasselbe  (mit  Abb.). 
—  Otto  Putz  (Ferdinand  Jühlke  Nach- 
folger) in  Erfurt,  dasselbe   (mit  Abb.). 


—  Kohlmannslehne r  &  Schwenke 
in  Schöneberg  -  Berlin .  dasselbe  für 
Handelsgärtner. 


Personal-Nachrichten. 


Der Kgl. Gartenbaudirektor  Lackn  er 
in  Steglitz.  Direktor  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  ist  von 
der  bayerischen  Gartenbau-Gesell- 
schaft zum  korrespondierenden  Mit- 
gliede  ernannt. 

Am  3.  Dezember  starb  zuWernigerode 
der  Kunst-  und  Handelsgärtner  Ulrich 
Pitt  im  70.  Lebensjahre.  Er  war  lang- 
jähriges Mitglied  des  Vereins  zur  Be- 
förderung des  Gartenbaues,  ein  ge- 
borener Jeveraner.  aber  fast  40  Jahre 
in  Wernigerode  etabliert  und  als 
Knollenbegonienzüchter  in  weiteren 
Kreisen  bekannt.  Einer  der  »Getreuen 
aus  Jever«,  hat  er  wiederholt  in  wohl- 
gelungenen Versen  den  Alt-Reichs- 
kanzler begrüsst  und  dafür  warme 
Anerkennung  und  Dank  empfangen. 


garten-Inspektor  nach  Oliva  bei  Danzig 
an  Stelle  des  verstorbenen  Rad  icke 
berufen  und  wird  am  1.  Februar  sein 
neues  Amt  antreten. 


Der  Professor  der  systematischen 
Botanik  an  der  deutschen  Universität 
in  Prag.  Dr.  Richard  v.  Wettstein, 
ist  vom  Professorenkollegium  der 
Wiener  Universität  unico  loco  zum 
Professor  der  Botanik  und  Direktor 
des  Botanischen  Gartens  der  Wiener 
Universität  vorgeschlagen  worden. 


Der  Obergärtner  des  botanischen 
Gartens  in  Zürich.  Erich  Wocke. 
Mitglied  des  Vereins  zur  Beförderung 
des  Gartenbaues,   ist  als  Kgl.  Schloss- 


Der  Direktor  der  Royal  Botanie 
Gardens,  Kew  bei  London,  William 
Turner  Thiselton  Dyer  Esq..  ist  in 
Anerkennung  seiner  Verdienste,  die  er 
den  englischen  Kolonialregierungen 
erwiesen,  von  I.  M.  der  Königin  von 
England  zum  Kommandeur  des  hohen 
Ordens  von  St.  Michael  und  St.  George 
ernannt  und  führt  damit  das  Prädikat 
»Sir«.  Wir  freuen  uns  herzlich  über 
diese   Auszeichnung. 


Winterfest  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues. 
Abendessen  und  Ball. 

Donnerstag,  den  19.  Januar  8  Uhr  präc,  im  Hotel  Imperial,  Unter  den  Linden  44. 

Auf  vielfachen  Wunsch  ist  die  Anmeldefrist  bis  zum  16.  Januar  verlängert. 
Meldungen  mit  Angabe  der  Zahl  der  Damen  und  der  Herren  an  Herrn  Hof- 
lieferanten J.  F.  Uoock,    Berlin  X.,    Chausseestr.  52a.     Telephon-Amt  III,  183. 


Tagesordnung 

für  die 

855.  Versammlung  des  Vereins  z.  Beförderung  d.  Gartenbaues  i.  i  pr.  Staaten 

am  Sonnabend  den  28.  Januar  1899,  6  Uhr, 

im  grossen  Hörsaal  der  Königl.  landw.  Hochschule,  Invalidenstrasse  42. 

1.  Ausgestellte  Gegenstände.  2.  Abermalige  Wahl  des  1.  Stellvertreters  des 
Direktors,  da  die  Wahl  am  29.  Dezember  nicht  zu  Stande  gekommen  ist.*)  ?.  Vortrag  des 
Herrn  Kgl.  Gartenbaudirektors  Carl   Hampel:  Die  Verschönerung  der  Städte.    4.  Verschiedenes. 


*)   her  Wahlzettel  liegt  für  die  hiesigen  Mitglieder  diesem  Heft  bei. 


Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse  im 
Vergleich  zur  San  Jose-Schildlaus. 

_^j  Von  Professor  Dr.  Frank-Berlin. 

v>b  eit  vergangenem  Winter  wissen  wir,  dass  die  San  Jose-Schildlaus  aus 
£&T  Amerika  mit  lebenden  Pflanzen  und  Obst  zu  uns  herübergebracht  wird. 
Deshalb  hat  seitdem  die  europäischen  Regierungen  und  Obstplantagenbesitzer 
die  Frage  beschäftigt,  ob  der  amerikanische  Schädling  etwa  bereits  in  unsere 
heimischen  Obstkulturen  übergegangen  ist.  Denn  wenn  derselbe  auch  erst  seil 
verhältnismässig  kurzer  Zeit  in  so  verheerenden  Dimensionen  in  den  nord- 
amerikanischen Staaten  selbst  sich  ausgebreitet  hat.  so  war  bei  unserem  regen 
Verkehr  mit  Amerika  und  bei  der  thatsächlich  bereits  vielfach  konstatierten 
Einschleppung  der  Schildlaus  auf  importiertem  Obst  die  Befürchtung,  dass 
Europa  bereits  verseucht  ist,  sehr  naheliegend.  Jedenfalls  würde  dies  in  ab- 
sehbarer Zeit  mit  Sicherheit  zu  erwarten  sein,  ebenso  wie  wir  früher  durch 
die  unbeschränkte  Aufnahme  amerikanischer  Produkte  uns  die  Blutlaus,  die 
Reblaus,  die  Wein-Peronospora  geholt  haben.  Bei  allen  diesen  Schädlingen 
haben  wir  die  rechte  Zeit  verpasst,  um  durch  geeignete  Einfuhrbeschränkungen 
der  Invasion  zuvorzukommen.  Bezüglich  der  San  Jose-Schildlaus  liegt  in  diesem 
Augenblicke  die  Sache  noch  anders.  Dank  der  Nachforschungen,  die  durch 
eine  ganze  Kette  von  Sachverständigen  bis  jetzt  in  Deutschland  vorgenommen 
worden  sind,  darf  man  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  annehmen,  dass  unsere 
(  »bstkulturen  von  diesem  amerikanischen  Eindringling  augenblicklich  noch  frei 
sind,  denn  er  ist  bis  jetzt  noch  nirgends  auf  unseren  deutschen  Obstbäumen 
gefunden   worden. 

Xun  hat  man  aber  von  gewissen  Seiten  der  Sache  wieder  eine  ganz 
andere  Auffassung  gegeben  durch  die  Vermutung,  dass  die  bei  uns  seit  langer 
Zeit  als  einheimisch  bekannte  Obstschildlaus  Aspidiotus  ostreaeformis  nichts 
anderes  als  die  amerikanische  San  Jose-Schildlaus  sei,  nur  in  ihren  Formen 
durch  das  europäische  Klima  verändert,  mit  anderen  Worten,  dass  es  zwecklos 
wäre,  die  Einwanderung  der  San  Jose-Laus  aus  Amerika  zu  verhindern,  da 
dieselbe,  wenn  sie  wirklich  nach  Europa  überginge,  hier  im  Gewände  der 
ostreaeformis,  die  eben  schon  da  ist,  sich  fortpflanzen   würde. 

Zwischen  der  San  Jose-Schildlaus  (Aspidiotus  perniciosus)  und  unserem 
Aspidiotus  ostreaeformis  bestehen  allerdings,  wie  ich  gemeinschaftlich  mit 
Herrn  Dr.  Krüger  gezeigt  habe,  grosse  Ähnlichkeiten,  was  wir  durch  die 
Bezeichnung  des  einheimischen  A.  ostreaeformis  als  Pseudo-San  Jose-Schildlaus 
zum  Ausdruck  brachten;  trotzdem  haben  wir  doch  in  der  mikroskopischen 
Struktur  des  Hinterleibes  der  Weibchen  beider  Tiere  so  bedeutende, 
charakteristische  Unterschiede  festgestellt,   dass  die  Annahme,    so  etwas  könne 


rg  Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse. 


durch  das  Klima  verändert  werden,    höchst  unwahrscheinlich  erscheint,  worin 
uns  auch  von  zoologischer  Seite  zugestimmt  wird. 

Immerhin  ist  damit  jene  Vermutung  in  zwingender  Weise  noch  nicht 
widerlegt.  Am  leichtesten  würde  man  ja  die  Sache  entscheiden  können,  wenn 
man  San  Jose-Schildläuse  in  Europa  weiterzüchtete,  natürlich  unter  der 
erforderlichen  Isolierung;  doch  dürfte  ein  solcher  Versuch  mit  Rücksicht  auf 
das  Gemeinwohl  vielleicht  zu  gefährlich  erscheinen. 

Ich  habe  inzwischen  auf  einem  anderen  Wege  der  Entscheidung  dieser 
Frage  näher  zu  treten  gesucht.  Wäre  die  Vermutung  richtig,  dass  die  in 
Deutschland  vorkommende  Pseudo-San  Jose-Laus  eine  durch  das  Klima  ver- 
änderte echte  San  Jose-Schildlaus  sei,  so  müsste  man  dieselbe  in  einem 
europäischen  Lande,  welches  klimatisch  mit  den  amerikanischen  San  Jose- 
Schildlaus-Ländern  übereinstimmt,  in  der  amerikanischen  Form  auffinden, 
d.  h.  es  müsste  dort  die  echte  San  Jose-Schildlaus  vorhanden  sein.  Ein 
solches  Land  ist  Südtirol,  wo  bekanntlich  auch  ein  bedeutender  Obstbau 
getrieben  wird. 

Diese  Erwägung  veranlasste  mich,  die  südtiroler  Obstbaugegenden  behufs 
Erforschung  der  dort  auftretenden  Obstschildläuse  zu  bereisen.     Dies    geschah 
in  den  Monaten  August  und    September    vorigen    Jahres    und    erstreckte    sich 
erstens  auf  das  Hauptobstgebiet  Südtirols,  nämlich  auf  das  Etschthal  bei  Bozen. 
Hier  kamen  besonders  die  Umgegend  von  Bozen  sowie  die  Eppaner  Hochebene 
oder  Überetsch,  das  sogenannte  Paradies  von  Tirol,  zwischen  Bozen  und  Kaltem, 
in  Betracht,  wo  gemischt  mit  den  Weingärten  die  Obststücke  liegen,    in  denen 
der  Pfirsichbaum,  aber  auch  viel  Äpfel-,  Birnen-  und  Pflaumenbäume  vertreten 
sind.     Ferner  wurde  die  Gegend  von  Lana  bei  Meran  untersucht,  weil  sie  das 
Hauptproduktionsgebiet    der  aus  Tirol    exportierten    Äpfel    ist.     Diese    Gegend 
bietet  obstbaulich  ein  hohes  Interesse,  weil  die  Obstkulturen,  hier  durchgängig 
rein  aus  Apfelbäumen  bestehend,  feldmässig  angelegt  sind  in   mächtigen  Gras- 
gärten, welche  mit  Ausnahme  der  eigentlichen  Etsch-Aue  die   ganze  Thalsohle 
bis  zu  den  untersten  Anhöhen    bedecken,    über    welchen    sich    dann    erst    die 
Hänge  mit  Weinbau  und  darüber  die  Kastanien  anschliessen.     Jene  Apfelbaum- 
pflanzungen bestehen  zwar    meist  aus    Bäumen    mittleren    Alters,    vielfach    mit 
jungen  Nachpflanzungen;    hin  und  wieder  sind   aber    auch  Apfelbäume    in  den 
allerältesten  Individuen  zu  sehen,  wahre  Riesen  mit    ungeheurer  Krone,  die  in 
weitem  Umkreise  um  den  Stamm  bis  zur  Erde  hängt  und  urwaldartig  in  ihrem 
dichten  Zweiggewirr  alte  Astleichen  birgt,    weil  an  solchen    Bäumen    ein  Aus- 
schneiden und  Ausputzen  kaum  ausführbar  erscheint.     Endlich    habe    ich  aber 
die  Untersuchungen  auch  auf  die  Brixener  Gegend  ausgedehnt,  denn  sie  bildet 
klimatisch  den  Übergang  zu  den    deutschen    Obstländern;    vom    Brenner    nach 
Süden    liegt    Brixen    in    derjenigen    Thalweite,    in    welcher    man    den    ersten 
bedeutenden  Obstbau  antrifft.     Ausserdem  habe  ich  auch  das  südlichste  Baden, 
nämlich  die  Umgegend  von  Konstanz  und  besonders  die  Insel  Mainau,  die  durch 
ihr  südliches  Klima  ausgezeichnet  ist,  wo  die  ersten  Cypressen  im  Freien  aus- 
halten und  wo  überall  viel  Obst  gebaut  wird,  untersucht,  desgleichen  auch  den 
angrenzenden  schweizer    Kanton    Thurgau,    wo    ein    ausgedehnter    Obstbau  ge- 
trieben wird. 

Das    Ergebnis    der  Untersuchung    war,    dass    in    keinem    der    genannten 
Länder  auch  nur  eine  Spur  der  San  Jose-Schildlaus  gefunden  wurde,  dass  viel- 


Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse.  -q 


mehr  dort  nur  dieselben  Schildlausarten  auf  den  Obstbäumen  vorkommen,  wie 
in  Deutschland,  insbesondere  dass  die  Pseudo-San  Jose-Schildlaus(Aspidiotus 
ostreaeformis)  dort  in  allen  mikroskopischen  Details  mit  unserem  deutschen 
Insekt  genau  übereinstimmt  und  selbst  in  den  wärmsten  Lagen  der  südtiroler 
Obstgegenden  seine  Merkmale  in  keiner  Weise  im  Sinne  der  amerikanischen 
San  Jose-Schildlaus  abgeändert  zeigt.  Da  die  letztere  in  Amerika  die  Pfirsich- 
bäume als  ihre  liebsten  Nährpflanzen  bevorzugt,  so  habe  ich  der  Pseudo-San 
Jose-Schildlaus  auf  den  Plirsichbbäumen  in  Südtirol  noch  besondere  Auf- 
merksamkeit geschenkt,  aber  auch  hier  mit  dem  gleichen  soeben  ausgesprochenen 
Resultate. 

Da  nun  also  die  Pseudo-San  Jose-Schildlaus  in  den  wärmsten  Teilen 
Südtirols  genau  in  allen  den  charakteristischen  mikroskopischen  Details  sich 
zeigt,  wie  überall  in  Deutschland  bis  Ostpreussen,  so  kann  darüber  kein 
Zweifel  sein,  dass  das  Klima  die  morphologischen  Merkmale  dieser  Schildlaus 
in  keiner  Weise  zu  verändern  vermag.  Dass  sie  eine  veränderte  San  Jose- 
Schildlaus  sei,  wird  dadurch  nur  noch  unwahrscheinlicher.  Sie  ist  eben  eine 
andere  Schildlaus-Art,  welche  Europa  angehört  und  mit  der  amerikanischen 
San  Jose-Laus  nichts  zu  thun  hat. 

Dies  wird  übrigens  auch  durch  die  Beziehungen  der  Pseudo-San-Jose- 
Laus  zum  Klima  bestätigt,  welche  andere  sind,  als  die  der  amerikanischen 
Laus.  Die  letztere  bevorzugt  das  wärmere  Klima,  wie  deutlich  daraus  hervor- 
geht, dass  sie  in  Nordamerika  in  den  südlichen  Staaten  eine  viel  grössere 
Verbreitung  hat  als  in  den  nördlichen  Staaten  der  Union  und  in  Kanada.  Die 
Pseudo-San  [ose-Schildlaus  dagegen  tritt,  während  sie  in  ganz  Deutschland 
verbreitet  ist  und  hier  an  manchen  Orten  in  sehr  starkem  Grade  sich  vermehrt 
hat,  in  Südtirol  mehr  untergeordnet  und  soweit  ich  gesehen  habe,  nirgends 
bedenklich  auf. 

In  Südtirol  ist  vielmehr  die  vorherrschende  und  hin  und  wieder  bereits 
schädlichen  Einfluss  äussernde  Obst-Schildlaus,  die  Diaspis  fallax,  eine 
Species,  die  gleich  den  beiden  im  Vorhergehenden  besprochenen  Läusen  eben- 
falls unter  runden  Schildern  lebt,  sich  aber  schon  durch  die  rote  Farbe  der 
weiblichen  Tiere  sowie  durch  ihre  sehr  hellen,  fast  weisslichen  Schilder  unter- 
scheidet. Diese  Schildlaus  ist  in  Deutschland  wenig  verbreitet.  Ich  habe  sie 
auch  im  südlichen  Baden  gefunden  und  sie  geht  den  Rheinländern  entlang 
bis  in  den  Rheingau,  wo  sie  schon  länger  bekannt  ist.  Offenbar  ist  dies  also 
eine  den  wärmeren  Ländern  nachgehende  Schildlaus  und  für  diese  könnte  sie 
bei  weiterer  Zunahme  wohl  zu  einem  gefährlichen  Feinde  werden. 

Ausserdem  kommt  in  Südtirol  und  den  übrigen  obengenannten  südlichen 
Ländern  auch  die  Kommalaus  (Mytilaspis  conchaeformis),  die  bei  uns  in 
Deutschland  die  gemeinste  Obstschildlaus  ist,  nicht  selten  vor.  am  häutigsten 
an  Apfelbäumen;  in  geringer  Menge  habe  ich  auch  das  in  Deutschland  weit 
verbreitete  Lecanium  Persicae  in  Südtirol  gefunden,  an  Aprikosen.  Pflaumen 
und  Birnen. 

Der  Nachweis,  dass  in  Tirol  keine  San  Jose-Schildlaus  vorhanden  ist. 
kann  uns  bei  der  massenhaften  Einfuhr  des  tiroler  Obstes  nach  Deutschland 
wegen  etwa  zu  befürchtenden  schädlichen  Infektionen  unserer  eigenen  Obst- 
kulturen beruhigen.  In  Tirol  hätte  man  meiner  Ansicht  nach  ganz  besonderen 
Grund,  wegen  der    möglichen    Einschleppung    des    amerikanischen    Schädlings 


(5q  Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse. 


auf  der  Hut  zu  sein;  er  würde  dort  jedenfalls  sehr  günstige,  seinen  heimischen 
Verhältnissen  ähnliche  klimatische  Bedingungen  vorfinden.  Thatsächlich  hat, 
wie  mir  erzählt  wurde,  amerikanisches  Obst  schon  bis  nach  Bozen  seinen  Weg 
gefunden.  Es  ist  zu  hoffen,  dass  die  auch  von  der  österreichisch-ungarischen 
Regierung  verfügten  Beschränkungen  des  amerikanischen  Pflanzen-  und  Obst- 
importes die  in  dieser  Beziehung  für  Österreich-Ungarn  und  für  Deutschland 
bestehende  Gefahr  beseitigen  werden. 

Da  bei  uns  in  Europa  Durchforschungen  eines  ganzes  Landes  speziell 
hinsichtlich  des  Schildlausbefalles  der  Obstpflanzungen  bis  jetzt  wohl  noch 
nicht  vorgenommen  worden  sind,  so  mag  hier  auf  Grund  meiner  tiroler  Unter- 
suchungen das  Bild  des  Schildlausbefalles,  wie  es  sich  thatsächlich  in 
jenem  Lande  zeigt,  in  seinen  Hauptzügen  beschrieben  werden. 

Im  allgemeinen  lässt  sich  derselbe  in  Tirol  zur  Zeit  als  ein  entschieden 
gutartiger  bezeichnen.  Die  dortigen  Obstkulturen  in  ihrem  überreichen  Frucht- 
anhange und  in  ihrem  Aussehen  überhaupt  lassen  kaum  ein  ernstliches  Leiden 
erkennen.  Allerdings  fielen  Äpfel-  und  Birnbäume  im  Monat  August  hin  und 
wieder  durch  dünne  Belaubung  auf.  Die  Ursache  davon  aber  war  meistens  in 
etwas  anderem  zu  finden,  besonders  in  dem  blattverderbenden  Pilze  Fusicladium, 
der  wie  bei  uns  in  der  neueren  Zeit,  so  auch  dort  sich  ziemlich  stark  ent- 
wickelt hat,  ferner  an  den  Birnbäumen  bisweilen  in  dem  Blattpilze  Sphaerella 
nigerrima,  ausserdem  sehr  oft  auch  im  Befall  durch  die  rote  Spinne,  die  durch 
die  enorme  Hitze  begünstigt  wurde.  Nur  die  rote  Schildlaus,  Diaspis  fallax, 
habe  ich,  wie  schon  angedeutet,  an  einzelnen  Birnbäumen  in  solcher  Menge 
angetroffen,  dass  die  letzteren  dadurch  augenscheinlich  schon  stark  geschwächt 
waren  und  dass  hier  für  die  Zukunft  eine  gewisse  Gefahr  bestehen  dürfte. 

Das  Steinobst  ist  in  Tirol  sehr  wenig  von  Schildläusen  befallen.  An  den 
Pfirsichbäumen  tritt  sowohl  Diaspis  fallax  als  auch  Aspidiotus  ostreaeformis 
auf,  beide  nur  in  massigem  Grade.  Pflaumenbäume  zeigen  wenig  Diaspis  fallax. 
An  Aprikosen  habe  ich  mit  Ausnahme  von  etwas  Lecanium  Persicae  keine  und 
an  Kirschbäumen  überhaupt  nichts  von  Schildläusen  in  Tirol  gefunden. 

Das  Kernobst  ist  dagegen  weit  mehr  dem  Schildlausbefall  ausgesetzt. 
Hier  ist  die  rote  Diaspis  fallax  die  häufigste  und  gefährlichste  auf  Birnen-  wie 
auf  Apfelbäumen.  Oft  gesellt  sich  zu  ihr.  ebenfalls  auf  beiden  Obstgattungen, 
der  gelbe  Aspidiotus  ostreaeformis,  jedoch  wie  schon  erwähnt  weit  minder 
häufig.  Auch  die  Komma-Schildlaus  macht  sich  in  manchen  tiroler  Apfelbaum- 
Pflanzungen  bemerklich. 

Bemerkenswert  ist  das  Befallungsbild  in  der  einzelnen  Obstplantage.  Es 
macht  sich  hier  oft  ein  einheitliches  Verhalten  des  einzelnen  Baumindividuums 
geltend.  Ist  der  Baum  von  Mytilaspis  infiziert,  so  sieht  man  den  Stamm  und 
von  diesem  aus  alle  einzelnen  Zweige  oft  nur  mit  dieser  Laus  besetzt.  Ist  ein 
anderer  Baum  von  der  Diaspis  befallen,  so  gilt  derselbe  einheitliche  Charakter 
vom  ganzen  Baum.  Dies  tritt  besonders  auch  an  den  an  einem  und  demselben 
Spalier  stehenden  Bäumen  hervor;  es  können  hier  ein  Mytilaspis-Baum  und 
ein  Diaspis-Baum  und  auch  ein  ganz  lausfreier  Baum  mit  einander  wechseln, 
was  deutlich  die  individuelle  Infektion  erkennen  lässt,  die  sich  an  dem  einzelnen 
Baume  dadurch  vollzieht,  dass  die  Nachkommen  der  Schildläuse,  deren  Ahnen 
einstmals  die  ersten  Ansiedler  an  dem  Baume  waren,  sich  allmählich  über  das 
ganze  Baumindividuum  verbreiten. 


Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse.  6l 

Auch  nach  Obstplantagen  ist  manchmal  der  SchilaTaüsbefall  ungleich. 
Man  trifft  Obstpflanzungen,  wo  alle  Bäume  z.  1!.  nur  die  Mytilaspis  zeigen, 
andere,  wo  die  Diaspis  sehr  verbreitet  ist,  dagegen  von  der  Kommalaus  nichts 
oder  weit  weniger  gefunden  wird.  Auch  das  kann  nur  das  Resultat  der  im 
Laufe  der  Jahre  fortgegangenen  allmählichen  Verbreitung  der  ersten  Schildlaus- 
Ansiedler  in  der  betreffenden  Plantage  sein.  Die  Verbreitung  der  Schildläuse 
im  Obstgarten  selbst  unter  den  freistehenden  Bäumen  von  einem  Baum  zum 
andern  durch  die  Luft  ist.  wenn  auch  erschwert,  aber  doch  möglich,  und  zwar 
durch  den  Wind,  nämlich  im  Larvenzustande  der  Schildläuse,  wo  diese  Tiere 
frei  auf  den  Zweigen  umherlaufen  und  bei  ihrer  ausserordentlichen  Kleinheit 
schon  von  schwachen  Luftbewegungen  fortgeblasen  werden  können,  wovon  ich 
mich  überzeugen  konnte. 

Es  war  mir  von  Interesse,  zu  finden,  dass  auch  in  Tirol  die  Obst- 
schildläuse ihre  natürlichen  Feinde  haben,  die  an  der  Zerstörung  dieser 
Schädlinge  arbeiten.  Obenan  stehen  die  Schlupfwespen.  Wie  man  in  Amerika 
einen  Befall  der  San  Jose-Schildlaus  durch  Schlupfwespen  kennt,  so  ist  uns 
auch  in  Deutschland  an  den  Obstschildläusen  in  weiter  Verbreitung  das  Vor- 
kommen solcher  Schlupfwespen  bekannt  geworden.  Ich  habe  dieselbe  Er- 
scheinung nun  auch  in  Tirol  beobachtet.  Vielfach  sind  hier  wie  bei  uns  die 
Schilder  der  Kommalaus,  sowie  der  Pseudo-San  Jose-Laus  angelocht  und 
darunter  die  Leiche  der  durch  die  Schlupfwespe  angestochenen  und  getöteten 
weiblichen  Schildlaus  zu  finden,  deren  Haut  dann  immer  ungewöhnlich  ver- 
dickt, gebräunt  und  erhärtet  ist.  was  als  ein  sicheres  Kennzeichen  für  Schlupf- 
wespentod gelten  kann.  Auffallend  war  es  mir,  die  rote  Diaspis  fallax  nur 
sehr  selten,  meist  gar  nicht  von  Schlupfwespen  befallen  zu  finden.  Man  könnte 
versucht  sein,  darin  einen  Grund  dafür  zu  sehen,  dass  diese  Laus  zur  schäd- 
lichsten tiroler  <  »b.-tschildlaus  sich  entwickelt  hat,  und  annehmen,  dass  die 
anderen  Obstschildlausarten  durch  die  Schlupfwespen  in  Schranken  gehalten 
werden.  Doch  spielen  dabei  unzweifelhaft  auch  Abhängigkeiten  der  Schild- 
läuse von  klimatischen  Einflüssen  eine  Rolle. 

Auch  ein  Pilzbefall  kommt  an  den  tiroler  Obstschildläusen  vor.  In 
Amerika  hat  man  das  Gleiche  an  den  San  Jose-Schildläusen  beobachtet,  und 
kürzlich  insbesondere  eine  Sphaerostilbe-Art  als  Schildlauspilz  gefunden,  den 
man  durch  Züchtung  zu  vermehren  und  als  Schildlausvertilger  zu  benutzen 
beabsichtigt.  Ich  habe  an  den  verpilzten  Schildläusen,  die  ich  vielfach  bei 
uns  gefunden  habe,  noch  nicht  die  sichere  Überzeugung  gewinnen  können. 
dass  dieselben  durch  den  Pilz  getötet  worden  waren;  immer  war  die  Annahme 
zulässig,  dass  die  Tiere  aus  irgend  einem  anderen  Grunde  verkümmert  und 
ihre  Leichen  dann  erst  von  dem  Pilze  in  Besitz  genommen  worden  waren. 
Meistens  ist  es  ein  steriles  Pilzmycelium,  welches  bei  uns  in  Deutschland  und 
auch  in  Tirol  mit  seinen  Fäden  auf  und  in  dem  Körper  toter  weiblicher  Schild- 
Läuse  wachsend  gefunden  wird;  seinem  Aussehen  nach  dürfte  dieses  Mycelium 
mit  den  Baumrinden  bewohnenden  Pilzformen  Fumago  oder  CTadosporium  ver- 
wandt oder  identisch  sein.  In  Tirol  und  auf  der  Insel  Mainau  habe  ich  die 
Weibchen  der  Pseudo-San  Jose-Schildlaus  auch  durchwuchert  gefunden  von 
einem  Pilzmycelium,  welches  an  der  Oberfläche  des  verpilzten  Tieres  die 
Sporenfrüchte  eines  Phoma  entwickelt  hatte,  nämlich  rundliche,  am  Scheitel 
mit  einem  runden  Porus  versehene,  bräunliche  Pykniden,  von  0,04  bis  0,1  mm 


g'2  Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse. 


Durchmesser,  die  mitunter  auch  zu  mehreren  verschmolzen  sind  und  dann 
mehrfachen  Durchmesser  haben.  Die  kleinen,  ovalen,  farblosen,  einzelligen 
Sporen  sind  3,5  bis  5.5  /<  lang  und  werden  nach  Phoma-Art  in  Schleimranken 
aus  dem  Porus  entleert.  Es  steht  zu  vermuten,  dass  auch  dieser  Pilz  von 
dem  Baume  aus  auf  die  Schildläuse  übergeht.  Aber  von  den  bei  Saccardo 
zusammengestellten  bekannten  Phoma-Formen,  die  auf  Pomaceen  und  Amygda- 
laceen  vorkommen,  stimmt  keine  mit  dieser  überein,  sie  muss  also  erst  einen 
Namen  erhalten,  und  ich  werde  sie  Phoma  Coccorum  nennen. 

Da  ich  im  Jahre  1898  von  Ausgang  Winter  bis  in  den  Spätherbst  die 
einheimischen  Obstschildläuse  in  ihrer  Entwickelung  von  Zeit  zu  Zeit  verfolgt 
habe,  so  sind  damit  die  Entwickelungsphasen  dieser  Tiere  im  ganzen 
Jahrescyclus  festgestellt  worden.  Es  ist  dadurch  eine  fühlbare  Lücke  in 
unseren  Kenntnissen  ausgefüllt  worden,  denn  man  wusste  bis  jetzt  über  die 
Häufigkeit  der  Vermehrung,  also  über  die  Zahl  der  Generationen  im  Jahre 
nichts  Genaues,  und  doch  ist  es  zur  Beurteilung  der  Bedeutung  dieser  Schäd- 
linge wichtig,  dies  zu  wissen.  Ich  lasse  die  betreffenden  Angaben  für  die 
einzelnen  Schildläuse  folgen. 

1.  Mytilaspis  conchaeformis.  Bereits  im  März  befinden  sich  unter 
den  jetzt  völlig  erwachsenen  weiblichen  Schildern  die  abgelegten  Eier;  aus 
letzteren  kommen  im  Mai  und  Juni  die  kleinen  Larven  heraus,  welche  sich  nun 
auf  den  Zweigen  neue  Ansiedelungspunkte  suchen  und  allmählich  heranwachsen. 
Schon  Ende  Juli  sind  einige  derselben  zu  geschlechtsreifen  Weibchen  geworden; 
doch  dauert  diese  Entwickelung  für  die  Gesamtheit  der  Tiere  bis  in  den 
Oktober,  wo  man  neben  vielen  bereits  erwachsenen  weiblichen  Schildern, 
unter  denen  schon  jetzt  Eier  abgelegt  sind,  auch  noch  halbwüchsige  Schilder 
findet,  unter  denen  noch  nicht  vollentwickelte  Weibchen  sich  befinden.  Das 
Tier  hat  also  nur  eine  einzige  Generation  und  überdauert  den  Winter  vor- 
wiegend im  Zustande  abgelegter  Eier;  die  in  der  Entwickelung  zurückgebliebenen 
Weibchen  gelangen  vielleicht  erst  im  zeitigen  Frühling  zum  Eierlegen  oder 
gehen  möglicherweise  zu  Grunde.  Männchen  habe  ich  noch  keine  gefunden. 
Will  man  sich  eine  Vorstellung  von  der  Stärke  der  Vermehrung  machen,  so 
ergiebt  sich  diese  aus  der  Zahl  der  unter  den  weiblichen  Schildern  liegenden 
Eier,  welche  nach  meinen  Zählungen  durchschnittlich  35  betragen  dürfte. 
Nimmt  man  an,  dass  die  Hälfte  der  Nachkommen  zu  Grunde  geht,  so  würde 
die  Kommalaus  ihre  Zahl  jährlich  etwa  versiebzehnfachen. 

2.  Aspidiotus  ostreaeformis.  Im  April  finden  sich  neben  zahlreichen 
Weibchen,  welche  geschlechtsreif  oder  bereits  mit  embryonenhaltigen  Eiern 
im  Leibe  versehen  sind,  auch  noch  unfertige  Weibchen,  zugleich  aber 
auch  männliche  Tiere  in  allen  Stadien,  bis  zu  fertigen  geflügelten  Männchen. 
Die  allmähliche  Reifung  der  Geschlechter  zieht  sich  bis  in  den  Mai  hin. 
Die  Eier  werden  hier,  schon  die  Embryonen  enthaltend,  abgelegt  (ovivivipar). 
Im  Juni  und  Juli  zieht  die  junge  Larvenbrut  unter  den  mütterlichen 
Schildern  hervor  nach  neuen  Ansiedelungspunkten  und  hat  sich  bis  zum 
September  grossenteils  zu  jungen,  aber  noch  geschlechtsunreifen  Weibchen, 
zum  Teil  zu  männlichen  Puppen  entwickelt;  die  Entwickelungsphase  schliesst 
sich  also  wieder  an  den  beschriebenen  Frühlingszustand  an;  diese  Laus  hat 
ebenfalls  nur  eine  einzige  Generation.  Die  Zahl  der  in  den  reifen  Weibchen 
liegenden  Eier  kann  zu  durchschnittlich  50  angenommen  werden;  rechnet  man 


Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse.  go 

davon  die  Hälfte  ab,  welche  zu  Männchen  werden  oder  zu  Grunde  gehen,  so  würde 
man  bei  dieser  Laus  auf  eine  25  fache  Vermehrung  im  Jahre  schliessen  können. 

3.  Diaspis  fallax.  Entsprechend  dem  wärmeren  Klima,  welchem  diese 
Schildlaus  angehört,  zeigt  ihre  Entwickelung  im  Frühjahr  einen  bedeutenden 
Vorsprung.  Schon  im  April  sind  die  Weibchen  geschlechtsreif  und  haben  oft 
schon  Eier  im  Leibe.  Die  Männchen  sind  um  diese  Zeit  schon  verschwunden, 
ihre  zahlreich  vorhandenen  Schilder  sind  bereits  leer.  Anfang  Juni  haben  die 
Weibchen  die  Brut  abgesetzt;  die  Larven  suchen  jetzt  die  neuen  Ansiedelungs- 
punkte auf.  Aus  ihnen  sind  im  August  schon  junge,  vielfach  aber  auch  schon 
geschlechtsreife  Weibchen  geworden,  neben  denen  allerdings  auch  noch  ver- 
spätete Larvenzustände  vorkommen;  zugleich  sind  jetzt  viele  männliche  Puppen, 
manchmal  auch  schon  fertige  ausgeschlüpfte,  also  begattungsfähige  Männchen 
vorhanden.  Hier  fällt  also  die  Geschlechtsreife  und  die  Begattung  bereits  in 
den  Herbst;  bei  Verspätung  und  in  weniger  warmen  Ländern  vielleicht  auch 
erst  ins  zeitige  Frühjahr;  aber  auch  hier  giebt  es  nur  eine  einzige  Generation. 
Ich  zählte  ungefähr  40  Eier  im  reifen  Weibchen;  nach  der  für  die  vorigen 
Schildläuse  angenommenen  Berechnungsweise  würde  hier  eine  ungefähr  20  fache 
jährliche  Vermehrung  sich  ergeben. 

4.  Lecanium  Persicae.  Die  Ueberwinterung  geschieht  im  Zustande 
ovaler  flacher  1 — 2  mm  langen  Larven,  die  im  Herbst  sich  zerstreut  an  den 
Zweigen  festgesetzt  haben.  Sie  wachsen  erst  im  Frühling  zu  den  grossen 
weiblichen  Schildläusen  heran,  und  zugleich  erscheinen  jetzt  auch  die  Männchen. 
Im  Juni  haben  die  weiblichen  Schilder  Eier  unter  sich;  von  Anfang  Juli  an 
wandern  die  ausgekommenen  zunächst  sehr  kleinen  Larven  nach  ihren 
Ansiedelungspunkten  und  erreichen  bis  zum  Herbst  die  oben  angegebene 
Grösse.  Es  giebt  also  nur  eine  einzige  Generation.  Ein  weibliches  Tier  hat 
ungefähr  400  Eier  unter  sich;  nach  der  vorigen  Berechnungsweise  würde  dies 
eine  etwa  aoofache  Vermehrung  ergeben,  doch  dürfte  auch  diese  nur  unter 
I'mständen,  die  für  die  Läuse  besonders  günstig  sind,  zutreffen. 

Alan  sieht,  dass  bei  allen  diesen  Schildläusen  die  Entwickelungsgeschichte 
in  einem  gewissen  gleichen  Grundzug  überall  wiederkehrt,  wenn  dieselbe  auch 
in  ihren  einzelnen  Phasen  bei  den  verschiedenen  Schildlausarten  in  etwas 
ungleiche  Zeiten  fällt.  So  trifft  namentlich  für  die  drei  echten  Schildläuse 
allgemein  zu,  dass  die  Geschlechtsreife  im  Herbst  oder  in  dem  darauffolgenden 
Frühjahr  erreicht  wird,  die  Jungen  im  Frühjahr  erscheinen  und  bis  zum  Spät- 
sommer oder  Herbst  wieder  zu  fertigen  Läusen  sich  entwickelt  haben.  Nur 
das  Lecanium  überwintert  im  Larvenzustände,  wird  erst  im  Frühjahr  zu 
Weibchen  und  Männchen  und  erzeugt  erst  gegen  den  Sommer  hin  die  Jungen. 
Vor  allen  Dingen  ist  aber  auch  die  Übereinstimmung  zu  konstatieren,  dass 
überall  nur  eine  einzige  Generation  im  Jahre  erzeugt  wird,  und  zwar  sogar 
in  dem  klimatisch  so  äusserst  begünstigten  Südtirol,  denn  aus  den  von  mir 
dort  vorgefundenen  lebenden  Stadien  und  Überresten  der  früheren  Generation 
liess  sich  der  vollständige  Entwicklungscyklus  in  Lebereinstimmung  mit  den 
deutschen  Verhältnissen  konstruieren. 

Es  erregt  mir  daher  Zweifel,  ob  die  Amerikaner  mit  ihrer  Angabe  Recht 
haben,  wonach  die  San  Jose-Schildlaus  drei  Generationen  im  Jahre  haben  soll 
und  wonach  die  Nachkommenschaft  eines  einzigen  Weibchens  in  einer  Saison 
auf  1,608,040,200,  in  einem  anderen  Falle  auf  3,216.080  berechnet  wird. 


Qa  Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse. 


Wenn  ein  europäischer  Forscher  Gelegenheit  hätte,  in  Amerika  ein  ganzes 
Jahr  oder  "wenigstens  von  Ende  Winter  bis  Anfang  des  nächsten  Winters  zu- 
zubringen und  die  Entwickelungsphasen  dieser  Schildlaus  zu  verfolgen,  so  würde 
die  Sache  am  besten  aufgeklärt  werden  können.  Ich  habe  zu  dem  Aushilfs- 
mittel gegriffen,  dass  ich  mir  zu  verschiedenen  Zeiten  während  der  Vegetations- 
periode aus  Amerika  Baumzweige,  die  von  der  San  Jose-Laus  befallen  sind, 
zur  Untersuchung  kommen  liess.  Das  Syndikat  der  Kaliwerke  zu  Stasfurt  hat 
sich  das  grosse  Verdienst  erworben,  durch  seine  dortige  Vertretung  dieses 
Material  beschaffen  zu  lassen.  Das  letztere  ist  jedesmal  mit  besonderem  Dispens 
des  Herrn  Reichskanzlers  unter  allen  Vorsichtsmassregeln  in  der  Original- 
verpackung direkt  in  mein  Institut  übergeführt  und  erst  hier  entleert  worden, 
um  jede  Verbreitungsgefahr  auszuschliessen.  Es  stand  jedesmal  in  so  reicher 
Menge  zur  Verfügung,  dass  damit  der  Untersuchung  die  beste  Gelegenheit 
geboten  wurde.  Das  Material  entstammt  den  drei  Monaten:  Ende  April,  Ende 
Juni,  Anfang  September.  Die  Befunde,  welche  bei  der  fleissigen  Durchforschung 
dieses  Materials  sich  ergaben,  stelle  ich  in  Folgendem  nebeneinander: 

1.  Ende  April.  In  grosser  Menge  sind  vorhanden  die  kleinsten  Schildchen, 
unter  denen  die  Larven  sich  befinden;  ausserdem  grössere  Stadien,  in  denen 
bereits  junge  Weibchen,  selbst  schon  geschlechtsreife  und  sogar  Embryonen 
enthaltende  Weibchen  vorhanden  sind,  zugleich  aber  auch  männliche  Schilder, 
unter  denen  teils  noch  männliche  Puppen,  teils  fertige  geflügelte  Männnchen 
sich  befinden,  oder  die  auch  bereits  von  den  Tieren  verlassen  sind;  es  sind 
also  eigentlich  alle  Stadien  der  Schildlausentwickelung  zugleich  vorhanden. 

2.  Ende  Juni.  Männchen  sind  nicht  mehr  zu  finden,  die  etwa  noch  vor- 
handenen männlichen  Schilder  sind  alle  leer.  Aus  den  Larven  sind  grössten- 
teils junge  Weibchen  geworden;  auch  finden  sich  entwickelte  Weibchen  bis  zu 
solchen  mit  Eiern  im  Leibe. 

3.  Anfang  September.  Die  Zweige  sind  in  reichster  Menge  bedeckt 
mit  neuen  ganz  kleinen  Schildchen,  unter  denen  die  jüngsten  Larvenzustände 
sitzen,  die  also  die  junge  Generation  darstellen,  welche  jetzt  ihre  Niederlassungen 
begründet  hat.  Die  männlichen  Schilder,  soweit  solche  noch  übriggeblieben 
sind,  sind  leer:  höchstens  enthält  eine  oder  das  andere  die  Leiche  des  aus 
irgend  einem  Grunde  während  derEntwickelung  abgestorbenen  und  bis  jetzt  liegen 
gebliebenen  Männchens.  Auch  die  grossen  weiblichen  Schilder  der  vorher- 
gegangenen Generation  sind  fast  alle  abgefallen  oder  wenn  noch  solche  vorhanden, 
so  bergen  sie  die  eingeschrumpfte  leere  Haut  des  Weibchens,  aus  welcher  vor- 
dem die  junge  Brut  ausgewandert  ist. 

Aus  diesen  Bildern  scheint  mir  eine  grosse  Ähnlichkeit  mit  dem  Ent- 
wickelungsgange  der  europäischen  Schildläuse  zu  sprechen.  Das  Erscheinen 
der  Geschlechter  und  der  Geschlechtsakt  dürfte  hiernach  in  das  zeitige  Frühjahr 
fallen.  Der  Sommer  scheint  zur  Entwickelung  der  neuen  Brut  verbraucht  zu 
werden,  die  bis  zum  Herbst  in  ihren  Jugendstadien  ins  Leben  getreten  ist  und 
im  nächsten  Frühlinge  ihre  Geschlechtsreife  erreicht.  Das  würde  also  auch 
bei  der  San  Jose-Schildlaus  für  eine  einzige  Generation  sprechen.  Allerdings 
tritt  dabei  auffallend  hervor,  was  übrigens  auch  bei  den  einheimischen  Schild- 
läusen zu  bemerken  ist,  dass  die  einzelnen  weiblichen  Individuen  nicht  alle  in 
gleichem  Tempo  sich  entwickeln,  sondern  ihre  Reife  zu  sehr  ungleichen  Zeiten 
erreichen,  sodass  man  eben  im  Frühling  die  allerverschiedensten  Stadien  neben- 


Neue  Mitteilungen  über  die  europäischen  Obst-Schildläuse.  ßc. 

einander  rindet.  Das  würde  aber  noch  nicht  zu  dem  Schlüsse  berechtigen, 
dass  hier  eine  Aufeinanderfolge  verschiedener  Generationen  in  demselben 
Sommer  vorliegt.  Indessen  ich  gebe  zu,  dass  mit  diesen  Beobachtungen  noch 
nicht  endgiltig  über  die  Zahl  der  Generationen  bei  dieser  Schildlaus  ent- 
schieden ist. 

Es  verlohnt  sich  aber,  näher  nachzusehen,  wie  die  Amerikaner  zu  der 
Annahme  der  mehrfachen  Generation  der  San  Jose-Schildlaus  in  einem  Jahre 
und  zu  den  obigen  erschreckenden  Zahlen  der  Vermehrung  des  Tieres  ge- 
kommen sind.  Howard*)  beschreibt  dies  wie  folgt:  »Auf  in  Blumentöpfen 
stehenden  Bäumen  sei  je  ein  einziges  Weibchen  überwintert  worden,  die  Nach- 
kommen dieses  Individuums,  die  sich  über  den  Baum  verbreiteten,  seien  wieder 
bis  auf  ein  trächtiges  Weibchen  abgenommen  worden,  und  so  habe  man  drei 
Generationen  im  Sommer  bekommen,  deren  jede  etwa  sechs  Wochen  in  An- 
spruch nehme.  Die  Zahl  der  jedesmal  einem  Weibchen  entstammenden  Jungen  sei 
dabei  auf  über  100,  200,  300,400,  500,  in  einigen  Fällen  auf  fast  600  durchZählung  der 
auf  dem  Yersuchsbaume  gefundenen  Individuen  berechnet  worden;  ein  Weibchen 
müsse  danach  alle  24  Stunden  9 — 10  Junge  zur  Welt  bringen.  Hiergegen  ist 
zunächst  folgendes  einzuwenden:  Im  Leibe  eines  trächtigen  San  Jose-Weibchens 
zählt  man  mikroskopisch,  wie  aus  den  Abbildungen,  welche  die  Amerikaner 
selbst  geben,  und  wie  wir  nach  unserem  amerikanischen  Materiale  bestätigen 
können,  durchschnittlich  nur  30  Embryonen  und  Eier,  eine  Zahl,  die  ziemlich 
mit  der  entsprechenden  für  unsere  verwandte  einheimische  Aspidiotus-Art 
gefundenen  übereinstimmt.  Dass  die  bei  diesem  Versuche  auf  einem  Baume 
wirklich  gezählten  Individuen  alle  nur  einem  einzigen  stehen  gelassenen 
Weibchen  entstammt  sein  sollen,  scheint  mir  durchaus  nicht  bewiesen.  Vor 
und  nach  dem  Winter  sitzen  die  Zweige  befallener  Bäume  so  voll  von  ungeheuer 
kleinen  Larven  der  San  Jose-Schildlaus,  dass  es  kaum  möglich  erscheint, 
dieselben  alle  bis  auf  ein  Weibchen  abzulesen.  Bleiben  davon  aber  welche 
sitzen,  so  werden  sich  diese  allmählich  weiterentwickeln  und  zu  verschiedenen 
Zeiten  im  Sommer  ihre  Brut  zur  Welt  bringen  müssen.  Solange  also  solche 
Versuche  nicht  gewissenhafter  und  einwandfreier  angestellt  werden,  halte  ich 
die  Mehrfachheit  der  Generationen  der  San  Jose-Schildlaus  nicht  für  erwiesen. 
Bestreiten  will  ich  sie  nicht,  sie  scheint  mir  aber  nach  den  obigen  eigenen 
Beobachtungen  und  auch  nach  Analogie  mit  den  europäischen  Schildlausen 
nicht  sehr  wahrscheinlich. 

Nehmen  wir  aber  auch  nur  eine  einfache  Generation  an  und  lassen  die 
San  Jose-Laus  ihre  Zahl  in  jedem  Jahre  verdreissigfachen,  so  wäre  das  auch 
schon  genug,  um  einen  Baum  in  wenigen  Jahren  zu  unterdrücken.  Dass  dies 
die  San  Jose-Schildlaus  thut.  das  lehren  uns  die  vorliegenden  Photographien 
amerikanischer  Obstplantagen,  sowie  die  Obstbaumzweige,  die  ich  aus  AJherik  1 
zu  den  erwähnten  Untersuchungen  erhielt,  die  auf  dem  zwei-  und  mehrjähr 
Holze  meist  so  dicht  von  den  San  Jose-Schildläusen  besetzt  sind,  dass  kaum 
noch  ein  freier  Punkt  auf  der  Rinde  vorhanden  ist. 

Somit  wird  auch  in  jener  Auffassung  sich  nichts  ändern,  dass  die  San 
Jose-Schi ldl uns  ein  sehr  gefährliches  Tier  ist.  und  dass  die  Fei  nhaltung  derselben 
vi  in  Europa  eben  nicht  nur  im  deutschen,    sondern  im  europäischen    Intcr 


Bulletin  des  Departem.  of  Agriculture.    The  San  Jose  Scale,  Washington  1896.    S.    |;. 


(5(5  Sauromatum  venosum  Schott. 


liegt.  Die  deutsche  Reichsregierung  ist  zuerst  in  Europa  der  Gefahr  entgegen- 
getreten durch  die  bekannte  Beschränkung  der  Einfuhr  amerikanischer  Pflanzen 
und  amerikanischen  Obstes;  denselben  Massnahmen  haben  sich  im  Laufe  des 
Sommers  auch  Österreich  -  Ungarn,  Holland,  Belgien  und  die  Schweiz  an- 
geschlossen, und  kürzlich  hat  auch  die  französische  Republik  zur  Verhütung  der 
Einschleppung  der  San  Jose-Schildlaus  die  gleichen  Anordnungen  getroffen,  die 
für  die  genannten  anderen  Staaten  ergangen  sind. 
Berlin,  im  Dezember   1898. 

Institut  für  Pflanzenphysiologie  und  Pflanzenschutz 
der  kgl.  landwirtschaftlichen  Hochschule. 


Sauromatum  venosum)  Schott 

Eine  Pflanze,  die  ohne  Erde  und  Wasser  Blüten  bringt. 

(Hierzu  Abb.  9  u.  10.) 
[4^1  err  Architekt  Et.  Stöckhardt-Berlin  übersandte  uns  im  Februar  1898 
eine  grosse  farbige,  von  ihm  selbst  gemalte  Abbildung  einer  Pflanze,  die, 
wie  er  schrieb,  ohne  Erde  und  Wasser  Blüten  bringt  und  deren  Knollen  als 
Arum  cornutum  oder  A.  Sauromatum  im  Handel  angeboten  werden.  Arum 
cornutum  und  A.  Simlense  sind  aber  nur  Gartennamen,  in  Wirklichkeit  heisst 
die  Pflanze  Sauromatum  venosum  Schott.  Prodromus  Systematis  Aroidearum 
Wien  1860  S.  71. 

Engler,  der  beste  Kenner  der  Araceae,  der  sie  monographisch  in 
de  Candolle  Suites  au  Prodromus  II  bearbeitet  hat,  schildert  in  Engler  &  Prantl 
natürliche  Pflanzenfamilien,  diesem  nicht  genug  zu  empfehlenden  Werke  IL  Teil 
3.  Abt.  S.  141  die  zur  Unterabteilung  der  Areae  gehörige  Gattung  Sauromatum 
in  folgender  Weise: 

Staubbeutel  mit  dünnem  Gonnectiv  (Mittelband),  Fächer  mit  ovalen  Poren. 
Fruchtknoten  mit  2 — 4  basalen  Samenanlagen.  Blätter  lang  gestielt,  fussförmig 
zerschnitten.  Blütenstand  kurz  gestielt,  mit  einigen  Xiederblättern  im  Frühjahr 
entwickelt.  Scheide  mit  langer  geschlossener  Röhre  und  lang  -  lanzettlicher 
Spitze,  innenseitig  dunkel  purpurn,  verschiedenartig  gelleckt,  Kolben  durchweg 
zylindrisch;  oberhalb  des  weiblichen  Teils  des  Blütenstandes  zahlreiche,  lang- 
keulenförmige Pistillodien  (verkümmerte  Blütenanlagen),  oberhalb  des  zylindrischen 
männlichen  Teils  des  Blütenstandes  ein  sehr  langer,  stielrunder  Anhang. 

Die  Art  Sauromatum  venosum  Schott,  beschreibt  Engler  in  de  Candolle 
Suites  au  Prodromus  II  S.  570  folgendermassen: 

Stiel  des  Blattes  gefleckt,  Abschnitte  der  Blattspreite  länglich,  gegen  die 
Basis  hin  keilförmig,  an  der  Spitze  zugespitzt,  Mittelrippe  und  Nerven  1.  Grades 
sehr  zahlreich,  dicht,  gelblich.  Blütenstiel  sehr  kurz  (?  W.),  mit  einem  lanzettlichen, 
bleichen  Niederblatt,  violett  gefleckt.  Blütenscheide  aussen  etwas  purpurn, 
innen  gelblich  und  sehr  dicht  mit  kleinen  länglichen  purpurnen  oder  dunkel- 
purpurnen Flecken  bedeckt.  Anhang  des  Kolbens  sehr  lang,  cylindrisch,  gegen 
die  Spitze  wenig  verschmälert. 


*)  Sauros  griechisch  =  Eidechse,  venosus  lat.  geädert,  hier  gefleckt. 


Sauromatum   venosum   Schott. 


6? 


Syn.  Sauromatum  guttatum*)  Bot.  Mag.  t  4465,  II.  d.  serres  t  1334. 
S.  Simlense  Schott  in  Ocst.  bot.  Zeitschr.  1 S58  p.  349.  Prod.  72.  Arum 
Simlense  Hort. 

Stiel  des  ausgewachsenen  Blattes  bis  1  m  lang,  mittlere  Lappen  der  Blatt- 
ei reite  20  cm  und    darüber    lang,    10  cm    breit,    seitliche    kleiner.     Ülütenstiel 


Abb.  9.     Sauromatum  venosum  (Arum  cornutum). 

Eine  Zimmerpflanze,  welche  ohne  Wasser  und  Krde  eine  ca  '/?  m  lange 
Blume  entwickelt.  Gezogen  und  nach  der  Natur  genial!  von  II.  Stöckhardt, 
Berlin,  den  29.  Januar  1898-  I >ie  Figur  links  am  5.  Februar  iStjS.  Knolle 
bräunlich -grau,  Niederblätter  bleich,  Blutenscheide  aussen  weisslich,  mit 
braunen  Längsstreifen,  innen  auf  gelblich  wei-sem  Grunde  mit  blutroten 
Flecken,  der  lange  wurmförmige  Kolben  schwarzbraun.  Auf  der  Figur  links 
sieht  man  die  Pistillodien  entwickelt. 


bleich,  sparsam  gefleckt,  7 — 8  cm  lang.  Rühre  der  Blütenscheide  ca.  8 — 10  cm 
lang,  unten  4 — 5  cm  weit;  ihre  Spreite  35 — 40  cm  lang,  unten  0  cm  breit,  von 
der  Mitte  nach  der  Spitze  nur  2 — 3  cm  breit.  Weiblicher  I;lütenstand  des 
Kolbens  (der  unterste  Teil)   1,5  cm   lang,    von    dem    2  cm    langen    männlichen 


*)   Das  echte  S.  guttatum  Schott  ist  eine   andere  Art.     L.   \Y. 


58  Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 

durch  einen  5—6  cm  langen  Zwischenraum  getrennt.  Anhang  des  Kolbens  35  cm 
lang,  unten   1   cm,  oben  7,5  mm  dick. 
Vaterland  Ostindien,  Simla. 

An  dem  Exemplar  des  Herrn  Stöckhardt  war  die  Blüte  im  Ganzen 
1 '._,  m  lang. 

Wir  haben  hier  einen  ähnlichen  Fall  wie  bei  der  Sprekelia  formosissima 
Herb.  (Amaryllis  formosissima  L.).  die  auch  im  Winter,    warm  gehalten,    ohne 
Erde  und  Wasser  vor  den  Blättern  blüht.  Die  Knollen  desSauromatum  venosum,  die 
gegenwärtig  in  vielen  Läden  feilgeboten  werden,  sind  grau, 
flachkugelig,    bis  9  cm  im  Durchmesser,   bis  4  cm  dick, 
unten  flach  gewölbt,  ohne  alle  Wurzeln,  oben  mit  Wurzel- 
narben versehen  und  um  das  Zentrum  durch  die  Narben 
der    abgestorbenen    Blätter    geringelt.      Sie    muss    nach 
Angabe   des  Herrn  Carl  Kuntze   (J.  C.  Schmidt)   Berlin 
bei  140  R.  am  Lichte  kultiviert  werden. 
Abb-  IO-  Herr    Stöckhardt    schreibt    uns    noch    unter    dem 

Eine  Knolle  des  Sauromatum        ,     ,  j      t  c    i      j  j  j-  r      i  -ix- 

venosum  von  J.C.Schmidt,  iö.  Januar  d.  J.:  »Schade,  dass  die  so  farbenprächtige 
DurrcLetsne^n4JcamUdkk.C-  Blüte  nicnt  farbig  dargestellt  werden  konnte!  Dagegen 
Ende  Januar'  war  der  Trieb    ist    ^ie   Zinkographie    wirklich    sehr    gut    gelungen,    der 

7  cm  hoch.  o      r  000 

Massstab    hätte  etwas  grösser  sein  können. 

Jedenfalls  freue  ich  mich  sehr  darüber,  dass  meine  aus  reiner  Freude 
an  der  Schönheit  der  Blume  entstandene  Arbeit  in  Ihrer  so  viel  gelesenen  Zeit- 
schrift Aufnahme  gefunden  hat. 

Zu  der  mich  sehr  interessierenden  Besprechung  der  Pflanze  vermag  ich 
weder  Neues  hinzuzufügen,  noch  Änderungen  vorzunehmen.  Die  fünf  Zwiebeln, 
welche  ich  besass,  unterschieden  sich  in  ihrer  äusseren  Erscheinung  durch 
ihre  Farbe,  aber  auch  dadurch,  dass  einige  mehr  glatte,  die  anderen  mehr 
schuppige  Oberfläche  zeigten.  Sollten  hier  etwa  Varietätenunterschiede  sich 
bemerkbar  machen?  Der  Geruch  der  Blüte  war  nicht  gerade  angenehm  zu 
nennen,  er  war  aber  doch  nur  in  nächster  Nähe  derselben  bemerkbar;  ich 
glaube  der  Ausdruck:  »pestilenzialisch«,  den,  wie  Sie  schreiben,  eine  junge 
Dame  dafür  gebrauchte,  ist  zu  hart,  ich  meine,  »widerlich«   genügt." 

Die  Pflanze   lässt   sich  im  Sommer  als  Blattpflanze  im  Freien  verwenden. 

L.  W. 


Über  anatomische  Merkmale  bei  Berberis-Arten. 

Von  E.  Koehne.  [Schluss.] 

(Eingereicht  am  22.  November  1898.) 
Nach  aussen  wird  das  Rindenparenchym  begrenzt  von  einem  gänzlich 
chlorophyllfreien,  mächtigen  Gewebe,  das  erst  an  der  Epidermis  seine  Grenze 
findet,  seinerseits  aber  in  drei  verschiedene  Abteilungen  zu  zerfallen  pflegt. 
Für  das  Verständnis  dieser  Abteilungen  dürfte  am  besten  von  B.  nervosa 
auszugehen  sein,  die  bei  ihrem  kaum  2—3  cm  über  den  Boden  sich  erhebenden 
Stengel  der  geringsten  Festigungs-Einrichtungen  in  diesem  bedarf.  In  der  That 
liegt  hier  zwischen  Epidermis  und  Rindenparenchym  ein  fast  gleichartiges, 
mächtiges  Gewebe  aus  isodiametrischen  Zellen  mit  dünnen,  schwach  gefärbten 


Über  anatomische  Merkmale  bei   Berberis-Arten. 


6g 


Wandungen.  Nur  etwa  die  zwei  äussersten  Zellschichten  haben  Wandungen, 
die  gleich  den  Seiten-  und  Innenwandungen  der  Epidermis  sehr  dunkelbraun 
gefärbt  sind.  Eingebettet  liegen  in  diesem  Gewebe  ganz  vereinzelte  und 
zerstreute  kleine  oder  sehr  kleine,  oft  nur  auf  eine  Zelle  reduzierte  Sklerenchym- 
gruppen.  Bei  B.  repens  sind  diese  Gruppen  schon  von  erheblicher  Grösse 
und  Dicke,  meist  tangential  gestreckt,  sodass  hier  schon  ein  ziemlich  voll- 
ständiger, aber  durch  viele  schmälere  oder  breitere  Lücken  zerrissener 
Sklerenchymring  zu  stände  kommt.  Bei  den  übrigen  Mahonien  ist  dieser  Ring 
noch  vollständiger  geschlossen,  da  die  Sklerenchymgruppen  noch  mehr  tangential 
gestreckt,  die  Lücken  zwischen  ihnen  durchweg  noch  kleiner  und  weniger 
zahlreich  sind.  Bei  allen  Euberberis  endlich  ist  der  Sklerenchymring  völlig 
geschlossen  oder  nur  ausnahmsweise  hier  und  da  durch  eine  kleine  Lücke 
unterbrochen.  Seine  Zellen  haben  fast  immer  etwas  rötlich-gelb  oder  sehr  hell 
braunrötlich  gefärbte  Wandungen,  die  ziemlich  dick  sind,  vom  Zellraum  aber 
doch  immer  noch  einen  beträchtlich  grossen  Teil  übrig  lassen.  Bei  kantiger 
Stengelform  ist  der  Sklerenchymring  über  den  oben  erwähnten  Parenchym- 
rippen  zuweilen  bis  etwa  auf  das  Doppelte,  zuweilen  aber  auch  gar  nicht 
verstärkt. 

Der  Sklerenchymring  zerlegt  nun  das  bei  B.  nervosa  ziemlich  einheitliche, 
extraparenehymatische  Gewebe  bei  den  übrigen  Arten  in  einen  inneren  Teil, 
der  stets  aus  charakteristischen  Korkzellen  besteht,  und  einen  äusseren,  ab- 
weichend gebauten  Teil,  den  ich  als  hypodermales  Gewebe  bezeichnen  will. 
Jene  Korkzellen  liegen  in  1  bis  etwa  4  oder  5  Schichten,  überall  auf  dem 
Stengelcruersehnitt  last  gleichmässig  ausgebildet,  wobei  zu  bemerken  ist,  dass 
ich  nur  ein-  oder  zwei-,  auch  dreijährige  Zweige  untersucht  und  auf  etwaige 
Veränderungen  dieses  Korkgewebes  im  zweiten  und  dritten  Jahre  mein  Augenmerk 
noch  nicht  gerichtet  habe.  Es  hat  mir  aber  nicht  den  Eindruck  gemacht,  als  ob 
es  im  Verlaufe  dieser  Zeiträume  Veränderungen  erlitte.  Möglich,  dass  in  der 
Stärke  dieses  Korkgewebes  bei  gleichaltrigen  Zweigen  verschiedener  Arten 
kleine  spezifische  Unterschiede  zu  finden  sind. 

Das  oben  erwähnte  hypodermale  Gewebe  scheint  noch  am  meisten  Aus- 
sicht auf  Auffindung  brauchbarer  Artunterschiede  unter  allen  Geweben  des 
Stengels  zu  bieten.  Es  ist  nämlich  zuweilen  sehr  dünn,  auf  1 — 3  oder  4  Zell- 
schichten beschränkt,  aus  mehr  oder  wenigerplattgedrückten, oftsehrundeutlichen 
Zellen  zusammengesetzt,  deren  Wände  hin  und  her  gebogen  und  sehr  dunkel 
rotbraun  gefärbt  sind.  Dann  sind  auch  die  Wände  der  Epidermiszellen  ebenso 
gefärbt,  mit  Ausnahme  der  gelblich  bleibenden  Aussenwand.  So  bei  den 
meisten  Arten  mit  glänzend  braunroten  blühbaren  Zweigen.  Häufig  nimmt  dies 
Gewebe  zwischen  den  vorspringenden  Rippen  des  Sklerenchymringes  etwas  an 
Mächtigkeit  zu,  sodass  die  Vertiefungen  mehr  oder  weniger  ausgeglichen  und 
die  Rippen  äusserlich  abgeschwächt  werden. 

In  anderen  Fällen,  und  zwar  besonders  bei  grauzweigigen  Arten,  ist  das 
hypodermale  Gewebe  oft  aus  zahlreicheren  Zellschichten  zusammengesetzt;  die 
Zellen  sind  isodiametrisch,  ihre  Wandungen  schwach  oder  fast  gar  nicht  gefärbt. 
Auch  hier  kann  es  in  den  Vertiefungen  zwischen  den  Sklerenchymrippen  an 
Mächtigkeit  zunehmen. 

Über  diese  Verhältnisse  werden  sehr  ausgedehnte  Untersuchungen  nötig 
sein,  um  über  ihre  systematische  Verwendbarkeit  ein  Urteil  zu  gewinnen. 


>-q  Bericht  über  die  Kulturversuche  im  Jahre    i8q8. 

Aus  allen  vorstehenden  Bemerkungen  geht  jedenfalls  soviel  hervor,  dass 
auf  keine  der  beobachteten  anatomischen  Merkmale  eine  natürliche  Einteilung 
der  ganzen  Gattung  gegründet  werden  kann.  So  würde  z.  B..  wollte  man  die 
Arten  mit  hypodermalem  Sklerenchym  oder  diejenigen  mit  Papillen  auf  der 
Blattunterseite  vereinigen,  die  so  offenbar  natürliche  Untergattung  Mahonia 
zerrissen  werden  müssen,  und  es  müssten  Mahonia-  mit  Euberberis-Arten 
in  verschiedenen  Gruppen  vereinigt  werden.  Es  scheint  klar,  dass  die 
anatomischen  Kennzeichen  nur  in  untergeordneter  Weise  innerhalb  natürlicher, 
auf  Grund  anderer  Merkmale  gewonnener  Gruppen   verwendbar    sein    werden. 


Bericht  über  die  Kulturversuche  im  Jahre  1898. 

die  unter  Leitung  des  Vereins  zur    Beförderung  des    Gartenbaues  in    den  Preussischen  Staaten 
auf    den    Rieselfeldern    der    Stadt    Berlin    in    Blankenburg    ausgeführt    wurden. 

Erstattet  von 

Joseph    Klar,    Berlin,    Samenhandlung,    Hoflieferant  Sr.  Majestät  des   Kaisers    und  Königs 

und    Otto  Mende,    Obergärtner  der  Stadt  Berlin,  zu  Blankenburg. 

(Schluss. 

Tropaeolum  peregrinum  oder  canariense  Q.  Kleinblumige  gelbe  Kresse,  die 
z.  Z.  in  Sanssouci,  Potsdam,  viel  verwendet  wurde.  Dieses  Tropaeolum  ist 
entgegengesetzt  zu  der  vorher  genannten  Pflanze  äusserst  starkwüchsig. 

Clilorix  polystackya.  Aus  den  Gärten  verschwundenes  Ziergras,  das  30  cm 
hoch  wird  und  in  dieser  Höhe  durch  je  ca.  12  regelmässig  verteilte  Blüten- 
ähren gekrönt  wird.  Ein  solcher  Blütenstand  sieht  wie  ein  Quirl  oder  Kreuz- 
spinne aus.  Dies  Gras  gehört  der  Makartbinderei.  da  es  die  Sträusse  sehr 
locker  und  leicht  macht. 

( hUichroa  platyglossa  Q.  (Composite.)  Eine  ältere  Pflanze,  als  frühes 
leuchtend  gelbblühendes  Sommergewächs  mit  weissem  Saum:  für  Gruppen 
sehr  zu  empfehlen,  aber  fast  nicht  mehr  anzutreffen. 

Oirsium  Vdenovskyi  tf.  Diese  Prachtdistel  beschäftigte  uns  bereits  mehrere 
Male.  Die  purpurviolettroten  Köpfe  unserer  Solitärpflanzen  imponieren  sehr, 
die  Knospen  dienen  der  Trockenbinderei. 

Gosmea  bipinnata  alba  ©.  (Composite.)  Bekannte  weissblühende  1  m  hoch 
werdende  Schnittptlanze,  die  bis  zum  Frost  unaufhörlich  Blumen  brachte.  Es 
giebt  auch  lila-,  purpurrot-  und  gelbblühende  Spielarten. 

Tagetes  lucida  ©.  Kleinstblumige  Studentenblume,  deren  Blüten  gelb  und 
wohlriechend  sind,  auch  trifft  das  letztere  bei  den  Blättern  zu.  Zum  Garnieren 
der  Blumengestelle  vorzüglich  und  unentbehrlich. 

Datum  Wrigkti  (meteloides)  l  mit  ihren  violetten  grossen  Blumen,  D.  tmmilis 
flava  fl.  pl.  mit  gefüllten  gelben  und  D.  fastuosa  Huberianä  fl.  pl.  mit  gefüllten 
gelben  und  violetten  Blumen  sind  fast  in  keiner  Gärtnerei  mehr  zu  finden.  Erstere 
Pflanze  lässt  sich  so  leicht  in  einem  Jahre  heranziehen  und  hat  wohlriechende 
Blumen.     Alle  Stechäpfel  werden  über  1  m  hoch. 

Physales  Francheti  %.  Die  im  verflossenen  Jahre  von  Veitch  aus  Japan 
eingeführte  Solanacee  hingen  wir  hiermit  nochmals  in  Erinnerung.  Speziell 
im  Herbst  durch  ihre  leuchtend  orangeroten  Samenkapseln  beliebt  geworden, 
hat  sich  schnell  eingebürgert.  Die  Fruchtstände  sind  schon  in  sämtlichen 
besseren  Blumengeschäften  zu  sehen  und  werden  gern  gekauft. 


Bericht  über  die   Kulturversuche  im  Jahre    1898.  71 


II.  Gemüse  und  Futterpflanzen. 

Radies  erste  Ernte.  Eine  schön  leuchtend  rote  Sorte,  deren  Form,  wie  be- 
schrieben, oval  ist.  Die  Blätter  dieses  Wurzelgewächses  sind  gross,  mehr 
rettigartig,  so  dass  die  Pflanzen  im  Frühbeet  mehr  Raum  beanspruchen  als 
erwünscht  ist.     Diese  Neuheit  ist  einige  Tage  früher  als  andere  Sorten. 

Wirsingkohl  „Eisenkopf.  Dieser  Kohl  hat  unseren  Beifall  gefunden.  Der- 
selbe ist  rundköpfig,  mittelgross,  gelbgrau  und.  was  ihn  noch  wertvoller  macht, 
sehr  zeitig.  Es  ist  möglich,  das  vorstehende  Kohlsorte  Aufnahme  in  die 
Kataloge  finden  dürfte,  vorausgesetzt,  dass  er  sich  so  weiter  bewährt  und 
konstant  bleibt. 

Rotkohl,  Zittauer  Riesen.  Dieser  Salatkohl  hatte  schön  dunkelrote  Farbe, 
entwickelte  sich  hier  aber  spät,  so  dass  Mitte  '  »ktober  die  Köpfe  noch  klein 
waren.  Das  Fleisch  dieser  Neuheit  schien  indes  grob  und  dies  dürfte  die 
Einführung  erschweren.     Ein  ähnliches  Urteil  ist  uns  bereits  bekannt. 

Rotkohl,  grosser  Mammuth.  Auch  dieser  war  sehr  spät,  sodass  wir  ohne 
Resultat  blieben. 

Rosenkohl,  murr  verbesserter  Zwerg-.  Die  00  cm  hohen  Pflanzen  waren  dicht 
besetzt  mit  Rosen,  die  ziemlich  zeitig  sich  zeigten  und  fest  waren.  Ob  nicht 
eine  höhere  Pflanze  ergiebiger  sein  kann  und  ist.  dürfte  doch  fraglich  sein. 
Ein  empfehlenswertes  Gemüse. 

Eine  ebenfalls  ganz  niedrige   neue    Abart    nennt    sich    wunderbarerweise 

Rosenkohl  Herkules.  Die  Pflanzen  gleichen  aber  in  jeder  Beziehung  der  vorigen 
Sorte.  Wir  haben  es  hier  mit  zwei  unter  sich  gleichen  Neuheiten  zu  thun,  die 
nur  der  Name  trennt.     Letztere  Sorte  ist  wohl  mit  Unrecht  »Herkules«  getauft. 

Zur  besseren  Kontrolle  hatten  wir  noch  angebaut: 

Rosenkohl,  halbhoher  Pariser  der  Halle,  der  etwa  noch  einviertelmal  so  hoch 
wird  (75  cm)  und  seinen  Ruf  bisher  bewährte,  sowie 

Rosenkohl  „Perfection",  der  eine  neuere  Einführung,  sich  in  Vollkommenheit 
und  Grösse  mit  den  zuletzt  genannten  deckt. 

Wirsingkohl  von  Aubervilliers.  Ein  grossköpfiger  Kohl,  der  vor  ca.  5  Jahren 
eingeführt  wurde  und  mit  zu  den  frühen  zählt.  Wir  können  genannten  nicht 
genug  empfehlen  und  doch  rinden  wir  ihn  zu  wenig  in  Kultnr. 

Mais,  sehr  früher  August-  •).  Äusserst  früher,  kaum  30  cm  hoher  türkischer 
Weizen,  welcher  nach  3  Monaten  der  Aussaat  bereits  einige  kleine  Kolben  zur 
Reife  brachte.  Er  bleibt  also  niedriger  als  Nanerottolo,  ist  aber  früher  als  der 
Letztere.  Die  Kolben  sowie  die  einzelnen  Samen  sind  kleiner  als  die  von 
Nanerottolo.  indes  von  gleicher  heller,  gelblicher  Farbe.  Die  hier  im  Norden 
sicher  reif  werdenden  Maisarten  haben  natürlich  nur  Wert,  wenn  auf  Körner- 
ertrag hin  gebaut  wird.     Ein  gutes  Geflügelfutter. 

Rheum  hybridurn  Florentini  9|.  Diese  Neuheit  ist  eine  Kreuzung  des 
R.  Collinianum  mit  officinale  und  stammt  aus  Frankreich.  Die  Pflanzen 
erreichten  gleich  in  diesem  Jahre  eine  Ausdehnung  an  Blättern  und  Stielen, 
die  auf  ein  interessantes  Resultat  hoffen  lassen.  Die  Stiele  waren  braun,  auch 
grün  und  hätten  schon  zu  Kompott  dienen  können.     Ein  Näheres  später. 

Mirakel- Speisekürbis  mit  schalenlosem  Kern.  Dieser  Kürbis  entfaltete  sich 
sehr  spät  und  die  Frucht  wurde  infolge  dessen  nicht  gross.  Letztere  ist  grün 
und  gelb  gestreift  und  in  Form  mehr  spitz.  Ob  die  Samen  so  beschaffen  sind 
wie  angegeben,  werden  wir  später  erörtern. 


72  Grosse  allgemeine  Schutzzoll-Versammlung. 


Zwerg- Stangenbohne,  türkische  Perl.  War  wie  im  verflossenen  Jahre  mit 
Hülsen,  die  sehr  kurz  sind,  voll  behangen.     Als  Einmachebohne  wie  geschaffen. 

Rumex  hymenosepalus  %.  Torr.  (Canaigre.)  Wurde  im  Freien  ausgesäet 
und  verpflanzt.  Anfangs  wuchs  diese  berühmte  Gerbpflanze  ganz  gut,  um 
später  aber  fast  ganz  einzugehen.  Das  Kraut  bekam  hellbraune  Flecke,  ver- 
schwand nach  und  nach  und  kleine  rübenartige  Gebilde  blieben  zurück. 
Hoffentlich  treiben  diese  Wurzeln  im  nächsten  Jahre  wieder  aus. 

Atriplex  sewiibaccatum  %.  Bereits  vor  2  Jahren  in  der  Gartenflora  erwähnte 
Meldeart,  die  zur  Begrasung  trockener,  schlechter  selbst  salziger  Bodenarten 
warm  empfohlen  zu  werden  verdient,  die  den  unwirtlichen  Steppen  unserer 
Kolonien  wenigstens  noch  Schaffutter  abringt.  Leider  überwinterte  die  Melde 
nicht  und  ging  ein.  Es  ist  aber  nochmals  ein  Versuch  gemacht  und  werden 
wir  im  kommenden  Jahre  auf  das  Ausdauern  zurückkommen. 

Zum  Schluss  bitten  wir  um  Verzeihung,  wenn  wir  zu  lang  geworden  sind, 
wir  konnten  uns  aber  nicht  kürzer  fassen,  wollten  wir  auch  nur  die  aller- 
wichtigsten  Eigenschaften  der  Neuheiten  etc.  hervorheben. 


Grosse  allgemeine  Schutzzoll-Versammlung 

des  geseamten  Gärtnerstandes  für  Berlin  und  die  Provinz  Brandenburg 

fam  II.  Januar  1899. 
on  den  17  Rednern  des  Abends,  unter  denen  nur  ein  Redner  gegen  den 
Schutzzoll  auftrat,  wurde  die  sehr  zahlreich,  von  c.  1000 — 1400  Gärtnern 
besuchte,  gegen  3Y2  Stunden  währende  Versammlung,  über  Wesen  und  Wert 
des  Schutzzolles  belehrt.  Zu  Referenten  in  dieser  höchst  wichtigen  Angelegenheit 
waren  die  Herren  van  der  Smissen,  Kotte.  Hapt,  Kohlmann,  Jung- 
clausen  aus  den  Kreisen  der  Samen-,  Pflanzen-,  Gemüse-,  Baumschul-  und 
Obstzüchter  sowie  der  selbständigen  Händler  zunächst  beordert.  An  der  Hand 
zahlreicher  Illustrationen  aus  dem  täglichen  Geschäftsleben  und  unter  lebhaften 
Beifallsbezeugungen  sprachen  die  Befürworter  des  Schutzzolles,  und  zwar  unter 
namentlicher  Betonung,  dass  seit  den  zu  Anfang  der  90er  Jahre  geschlossenen 
Handelsverträgen  des  deutschen  Reiches  mit  auswärtigen  Staaten,  in  all  den 
vorgenannten  Abteilungen  lebhafte  Preisrückgänge  zu  konstatieren  seien,  ob- 
schon  der  Verbrauch  im  allgemeinen  als  ein  ganz  enorm  hoher  bezeichnet 
werden  müsse.  Der  einzige  Gegner  des  Schutzzolles,  der  das  Wort  ergriff. 
Herr  van  Thiel,  versuchte  seinen  ablehnenden  Standpunkt  damit  zu  begründen, 
dass  angesichts  der  Konkursstatistik  aus  den  Jahren  1896  und  1897  unter  den 
Gärtnerfirmen  die  Prozentzahl  der  Konkurse  sich  von  0,60  auf  0.50  %  erniedrigt 
habe;  im  Verhältnis  zu  anderen  Branchen  die  ö,  7.  8  ja  bis  38  %  aufweisen,  sei 
dies  als  sehr  günstig  für  den  Gärtnereibetrieb  anzusehen.  Aus  den  Reihen  der 
eingeladenen  Reichstagsabgeordneten:  von  Oueis-Malshöven,  Dr.  G.  Oertel, 
Dr.  Hahn,  Geschäftsführer  des  Bundes  der  Landwirte,  wurde  darauf  hin- 
gewiesen, wie  enorm  hohe  Summen  das  deutsche  Reich  z.  Zt.  für  gärtnerische 
Produkte  dem  Auslande  zahle.  Der  statistische  Zahlennachweis  von  1892  bis 
1897  bekunde,  dass  die  Einfuhrziffer  in  genanntem  Zeiträume  für  Blumen. 
Obst,  Gemüse,  Pflanzen  um    28527000  Mark    gestiegen  sei.    die  Ausfuhrziffer 


Bei  wem  soll  ein  junger  Gärtner  in  die   Lehre  treten?  no 

in  diesen  Artikeln    dagegen    nur  um    1244400(1   Mark,    mithin  die  Einfuhr    ein 
Mehr  von  16083000  Mark  ergebe*),  welche  Summe  vom  deutschen  Reiche  dem 

Auslande  geopfert  worden  sei.  Eine  so  erhebliche  Ausgabeziffer  in  einer  Branche 
verlange  dringend  nach  einer  Korrektur,  einer  ausgleichenden  Gerechtigkeit 
seitens  der  Reichsbehörde.  Es  sei  im  Sinne  Bismarckscher  Politik:  »der  ein- 
heimische Markt  möge  der  einheimischen  Arbeit  angehören«,  erst  seien  der 
Produktion  und  dann  erst  dem  Handel  die  geigneten  Wege  zu  bahnen.  Nichl 
Unbilliges  werde  gefordert,  noch  weniger  sollten  dadurch  die  guten  Beziehungen 
zu  auswärtigen  Staaten  getrübt  werden,  sondern  nur  an  die  ausgleichen'!- 
Gerechtigkeit  der  Staatsbehörden  interpelliere  man. 

Die    Versammlung    fasste    schliesslich    mit    allen   Stimmen    gegen    kaum 
50  Stimmen  folgende  Resolution: 

»Die  am  11.  Janur  1899  m  den  Germaniasälen  in  Berlin  tagende, 
von  über  1000  Gartenbau-Interessenten  aus  Berlin  und  der  Provinz  Branden- 
burg besuchte  Versammlung  beschliesst:  Nachdem  die  masslose  Zunahme 
der  zollfreien  Einfuhr  aller  Cartenbauprodukte  die  schon  im  vorigen 
Jahrzehnt  schwere  Existenz  der  Handelsgärtner  u.  s.  w.  jetzt  nahezu  un- 
haltbar gestaltet  hat,  spricht  die  Versammlung  die  Erwartung  aus,  dass 
bei  dem  Abschluss  der  neuen  Handelsverträge  die  deutsche  Gärtnerei 
gebührenden  Schutz  finde.  Die  Versammlung  richtet  an  die  hohe  Reichs- 
.  ierung  sowie  an  die  gesetzgebenden  Körperschaften  die  dringende 
Bitte,  den  von  allen  Seiten  im  Deutschen  Reiche  ausgesprochenen  Wünschen 
der  Gärtner  gerecht  zu  werden,  zum  Schutze  ihrer  Produktion  wie  zur 
Erhaltung  ihrer  Existenz.  Die  Versammlung  beauftragt  den  Verband  der 
Handelsgärtner  Deutschlands  als  den  berufenen  Vertreter  der  deutschen 
Handelsgärtnerei,  mit  allen  ihm  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  dahin  zu 
wirken,  dass  sämtliche  Produkte  des  Gartenbaues  sobald  wie  angängig 
mit  einem  Eingangszoll  belegt  werden.«  Hoftmann. 


Bei  wem  soll  ein  junger  Gärtner  in  die  Lehre  treten? 

Von  G.  Körper- Fürstenwalde. 

,m  letzten  Frühjahr  ist  in  verschiedenen  Zeitungen  und  zwar  von  gärtnerischer 
:>   Seite  aus  vor  der  Erlernung  des  Gärtnerberufes  gewarnt,  weil  derselbe  zu 
schwer  und  ungesund  sei. 

Es  liegt  mir  fern,  dem  im  ganzen  widersprechen  zu  wollen,  jedi  ch  sei  es 
mir  als  (leider)  altem  Gärtner  gestattet,  hier  meine  diesbezüglichen  Ei  fahrungen 
und  Ansichten  mitteilen  zu  dürfen.  Wer  allerdings  glaubt,  dass  nur  diejenigen 
Gärtner  seien,  welche  in  einer  Gärtnerei  gelernt  haben,  wo  lediglich,  möglichst 
aber  recht  viel  Gewächshäuser  vorhanden  sind,  also  Anzucht.  Kultur  und 
Treiberei  von  Topfgewächsen  die  Hauptsache  sind,  wem  ferner  absolut  nur 
eine  solche  Gärtnerei  vornehm  genug  erscheint,  um  in  einer  solchen  seinen 
Sohn  oder  Pflegebefohlenen  lernen  zu  lassen,  der  darf  allerdings  nicht  zuviel 
darauf  rechnen,  dass  der  Lernende  in    solchen    Eiskellern    oder    Schwitzkästen 

Siehe  Gartenflora  1898  S.  53i  und  die  Denkschrift  des  Verbandes  der  Handelsgärtner 
Handelsblatt  No.  36,  189«.  Wir  haben  in  Gartenflora  1.  c.  berechnet,  dass  die  Ausfuhr  sogar 
nur  um   9  479  ooo  Mark  gestiegen   ist.     f..   W. 


~ja  Bei  wem  soll  ein  junger  Gärtner  in  die  Lehre  treten? 

von  Gewächshäusern,  welche  noch  obendrein  sehr  oft  den  Zellengefängnissen 
gleichen,  die  Gesundheit  sonderlich  wahren,  geschweige  dieselbe  fördern  resp. 
erlangen  wird,  und  gerade  das  letztere  ist  doch  wohl  bei  sehr  vielen  der 
Grund,  diesen  Beruf  zu  erwählen.  Es  ist  ja  auch  sehr  leicht  erklärlich,  dass 
wenn  man  fast  alle  Tage  und  beinahe  ganze  Tage  mit  verschwindend  geringen 
Unterbrechungen  sich  nur  in  den  Gewächshäusern  aufhält,  in  denen,  je  nach 
Jahres-  und  Tageszeit  und  je  nachdem,  was  eben  in  denselben  kultiviert  wird, 
mehr  oder  weniger  eine  sehr  feuchte,  kalte  oder  heisse  Luft  und  eine 
Temperatur  von  3 — 25  Grad  R.  und  oft  noch  mehr,  herrscht,  und  dann  mit 
einemmal  heraus  und  direkt  in  das  Freie  und  somit  in  die  bei  weitem  niedrigere 
also  immerhin  (wenn  man  in  den  Warmhäusern  war)  kältere  und  im  Winter 
sehr  oft  recht  kalte  Temperatur  und  zugige  Luft  kommt,  es  einem  selbst  nicht 
viel  besser  ergeht  und  gehen  kann  als  den  Pflanzen,  die  aus  solchen  Häusern 
kommen  (und  wie  es  solchen  Pflanzen  geht,  wird  wohl  jeder  Gärtner  und 
Blumenfreund  erfahren  haben).  Das  heisst,  er  wird  häufiger  das  Gegenteil  von 
dem,  was  er  durch  Erlernung  des  Gärtnerberules  erhoffte  (nämlich  recht  gesund 
und  kräftig  zu  werden)  erleben  und  den  fast  ständigen  Begleiter  vieler  Gärtner, 
nämlich  Rheumatismus  etc.  nicht  viel  los  werden,  geschweige  sich  stärken  und 
kräftigen  können.  Es  kann  hier  von  Stärkung  und  Kräftigung  des  Körpers 
und  der  Gesundheit  umsoweniger  die  Rede  sein,  als  eben  die  Beschäftigung 
nicht  danach  ist;  das  Hantieren  und  Kultivieren  der  Gewächshauspflanzen  und 
die  damit  verbundene  Arbeit  stellt  nie  oder  doch  nur  äusserst  selten  solche 
Anforderungen  an  die  Körperkräfte,  wie  die  Freilandgärtnerei  etc.;  hier  werden 
die  Muskeln  und  die  Gesundheit,  wenn  ich  so  sagen  darf,  gekräftigt  und  gestärkt, 
während  dieses  in  jenen  Gärtnereien  weit  weniger  der  Fall  ist,  indem  es  ganz 
andere  und  viel  leichtere  Arbeiten  sind.  Sehr  oft  kann  von  einer  richtigen 
Bewegung  in  den  Gewächshäusern  gar  nicht  die  Rede  sein,  weil  sie,  wie  schon 
vorhin  gesagt,  den  Zellengefängnissen  (die  ich  ja  Gott  sei  Dank  aus  eigener 
Erfahrung  nicht  kenne,  aber  man  hört  und  liest  doch  genug  davon)  gleichen, 
denn  man  kann  in  vielen  derselben  weder  recht  stehen  noch  gehen,  geschweige 
sich  in  denselben  derart  bewegen  und  wie  man  so  zu  sagen  pflegt,  so  aus- 
arbeiten, dass  dadurch  Geist,  Körper  und  Gesundheit  gestärkt,  gestählt  und 
gehärtet  werden  könnten.  Hierbei  möchte  ich  nun  noch  der  Beschäftigung  und 
des  Aufenthalts  in  den  Kalt-  und  den  sogenannten  Erdhäusern  etwas  Erwähnung 
thun.  In  denselben  ist  in  der  Regel  die  Luft  kalt  und  feucht,  weil  hier  nicht 
eher  und  nicht  mehr  geheizt  wird  als  um  die  in  denselben  befindlichen 
Pflanzen  gegen  das  Erfrieren  zu  schützen.  Eine  ganz  unausbleibliche  Folge  der 
feuchten  Luft  ist  nun  die,  dass  sehr  viele  der  hier  befindlichen  und  zu  über- 
winternden Pflanzen  gelbe  und  faule  Blätter  etc.  derart  bekommen,  dass  sie  von 
Pilz  und  Moder  vollständig  überzogen  werden;  um  nun  die  Pflanzen  vor  gänz- 
licher Fäulnis  und  dem  Verderben  zu  schützen,  müssen  dieselben  des  öfteren 
ausgeputzt  (sehr  häufig  sagt  der  Gätner  und  beinahe  mit  Recht,  ausgemistet 
werden).  Diese  Arbeit  erfordert  in  den  meisten  Fällen  nicht  nur  viele  Stunden, 
sondern  viele  Tage  und  gerade  diese  kalten,  feuchten  Lläuser  und  diese 
Arbeit,  welche  noch  weniger  Bewegung  bietet,  als  sie  Schuster  und  Schneider 
haben,  sind  es,  welche  Gicht  und  Rheumatismus  etc.  zur  Folge  haben.  Ich 
kann  dieses  zu  erwähnen  umsoweniger  unterlassen,  als  ich  dieses  leider  an 
meinem  eigenen  Leibe  in  früheren  Jahren  erfahren  habe. 


Bei  wem  soll  ein   junger  Gärtner  in   die    Lehre  treten: 


73 


Also  hinweg  mit  dem  ganz  unbegründeten  Vorurteil,  dass  man  nur  in 
den  eingangs  erwähnten  Gärtnereien  ein  wirklicher,  ein  sogenannter  K.unst- 
gärtner  und  später,  oder  wohl  in  vielen  Fällen  richtiger  gesagt,  recht  bald 
etwas  Grosses  werden  könne.  Deshalb  noch  einmal  hinweg  mit  solchem 
Vorurteil  und  zwar  deshalb,  weil  man  auch  ohne  in  einer  solchen  Gärtnerei, 
wo  man  eingestandenermassen  seine  Gesundheit,  anstatt  sie  zu  erlangen  und 
zu  fördern,  aufs  Spiel  setzt,  zu  lernen  resp.  gelernt  zu  haben,  sehr  wohl  ein 
recht  tüchtiger  und  sehr  brauchbarer  Gärtner  werden  kann,  Ind  wer  es  nun 
einmal  darauf  abgesehen  hat,  der  kann  auch  etwas  Grosses  werden,  auch  wenn 
er  nicht  gerade  in  den  zuerst  bezeichneten  Gärtnereien  gelernt  hat.  Denn  es 
giebt.  ganz  respektable  Gärtnereien,  wo  gar  keine  oder  doch  nur  ganz 
nebensächliche  Gewächshäuser  vorhanden  sind  und  ebenso  Topfpflanzen kultur 
und  das  Treiben  von  Blumen  und  Pflanzen  als  Nebensache  betrachtet  werden. 
Ich  nenne  als  solche  Gärtnereien  in  erster  Linie  Baumschulen  jeder  Art  und 
Landschaftsgärtnereien.  Die  Inhaber  der  letzteren  oder  die,  welche  Land- 
schaftsgärtnerei betreiben,  nennen  sich  oder  werden  genannt  Landschaftsgärtner, 
( '.artenkünstler.  Garteningenieure,  auch  Gartenarchitekten  oder  wohl  gar  Gartenbau- 
meister. Man  sieht  also,  dass  man  gerade  in  diesem  Zweig  der  Gärtnerei 
gewiss  '-ine  schöne  Auswahl  und  Aussicht  hat,  etwas  Grosses  werden  zu 
können. 

Ferner  giebt  es  sogenannte  gemischte  Gärtnereien;  das  sind  solche, 
in  welchen  zwar  auch  Gewächshäuser  vorhanden,  aber  nicht  immer  die  Haupt- 
sache sind.  Auch  die  Gärtnereien,  in  denen  Samenbau  von  Blumen  und  Gemüse 
oft  in  recht  erheblichem  Umfange  betrieben  wird,  sind  zu  erwähnen  und  zu 
empfehlen.  Ferner  hat  man  schon  seit  Jahren  die  sogenannten  Freiland-  oder 
Staudengärtnereien,  das  sind  solche,  in  denen  die  schönsten  und  mannigfachsten 
Blumen  und  Gartengewächse,  welche  Sommer  und  Winter  im  freien  Lande 
ausdauern,  kultiviert  werden  oder,  richtiger  gesagt,  nur  die  schönsten  Blumen 
und  Gewächse  kultiviert  werden  sollten. 

Alsdann  möchte  ich  die  Obstgärtnereien  nicht  unerwähnt  lassen,  welche, 
allem  Anschein  nach  zu  urteilen,  eine  sehr  gute  Zukunft  haben.  In  all  diesen 
Gärtnereien  kann  man,  wie  schon  gesagt,  auch  etwas  Grosses  werden,  denn  es 
giebt  unter  diesen  wie  jenen  Gärtnereibesitzern  Ökonomie-  und  Kommerzien- 
räte  sowie  Gartenbau-Direktoren  etc.,  nur  wird  derart  Grosses  nicht  aus  dünkel- 
haftem Vorurteil  hervorgehen  und  weder  in  jenen  noch  in  di 
Gärtnereien  aus  Stecklingen  gezogen. 

Nun  werden  ja  allerdings  manche  der  verehrten  Leserinnen  oder  Leser 
dieser  Zeilen  sagen  und  fragen:  »Haben  denn  die  so  besonders  empfohlenen 
Gärtnereien  resp.  die  Beschäftigung  in  denselben  nicht  auch  ihre  Schatten- 
seiten?« Jawohl,  auch  diese  haben,  wie  jedes  Ding,  namentlich  bei  Sonnenschein, 
ihre  Schattenseiten;  hier  sind  sie: 

In  all  diesen  Gärtnereien  ist  man  allerdings  mehr  als  in  jenen  dem  Wind 
und  Wetter  ausgesetzt.  Man  wird  da  oft  durchnässt  bis  auf  die  Haut,  und  es 
kommt  wohl  öfter  vor,  dass  man  sich  nicht  immer  gleich  umziehen  kann,  es 
kommt  hier  das  Sprichwort  zur  Geltung:  AVer  mich  nass  gemacht  hat,  der 
kann  mich  auch  wieder  trocken  machen!  Also  es  ereignet  sich  wohl,  dass 
der  auf  dem  Leibe  nass  gewordene  Anzug  auch  auf  dem  Leibe  wieder  trocken 
werden  muss.  und  er  wird  auch  wieder  trocken. 


nß  Bei  wem  soll  ein  junger  Gärtner  in  die  Lehre  treten? 

Es  passiert  aber  nicht  allein  dies,  sondern  es  stellt  sich  infolge  dessen 
auch  öfter  ein  recht  unangenehmer  Schnupfen  und  sonstiges  Unbehagen  ein. 
Man  ist  ferner  nicht  nur  Wind  und  Wetter,  sondern  auch  oft  den  sengendsten 
Sonnenstrahlen  ausgesetzt  und  es  giebt  weder  dort  einen  Regenschirm,  noch 
hier  einen  Sonnenschirm,  sondern  es  heisst  einfach  aushalten  und  man 
lernt  auch  aushalten  und  hält  es  aus,  indem  man  sich  gar  bald  daran  gewöhnt. 
Die  Gesundheit  wird  aber  bei  alledem  nicht  so  leicht  aufs  Spiel  gesetzt,  weil 
man  hier  nie  einem  so  plötzlichen  und  schädlichen  Temperaturwechsel  als  in 
den  zuerst  erwähnten  Gärtnereien  ausgesetzt  ist,  sondern  man  erlangt  hier, 
wenn  man  sie  nicht  schon  hat,  in  den  meisten  Fällen  seine  Gesundheit,  indem 
man  nicht  nur  den  ganzen  oder  fast  den  ganzen  Tag,  sondern  beinahe  alle 
Tage  und  das  ganze  Jahr  in  Gottes  freier,  frischer  und  gesunder  Natur  sich 
befindet  und  somit  die  schönste  Gabe  Gottes,  ich  möchte  beinahe  sagen 
umsonst  empfangt. 

Und  gerade  dieses  alles,  nicht  allein  die  schönen  Blumen  und  Früchte 
(wie  es  in  den  abratenden  Artikeln  heisst)  ist  resp.  sind  es,  dass  der  Gärtner 
soviel  um  seinen  schönen  Beruf  beneidet  wird  und  viele  veranlasst,  Gärtner 
zu  werden. 

Wer  nun  etwa  an  dem  Gesagten  zweifeln  sollte,  der  sehe  sich  die  Leute 
an,  die  in  solchen  Gärtnereien  arbeiten  resp.  sich  diesen  Zweigen  der  Gärtnerei 
gewidmet  haben,  dem  werden  die  wettergebräunten  Gesichter  sowie  die  Körper- 
haltung und  Bewegung  mehr  oder  weniger  bestätigen,  was  ich  gesagt  habe. 
Und  wenn  es  diese  noch  nicht  zur  Genüge  thun,  so  werden  es  wohl  unsere 
Herren  Ökonomen  und  auch  wohl,  wenn  auch  nicht  in  dem  Masse  ,  die 
Förster  thun.  Ich  für  meinen  Teil  treue  mich  stets,  wenn  ich  solche  wetter- 
feste, kernige  Leute  sehe.  Xun  zu  dem  Gesagten  noch  einige  Beispiele:  Ich 
habe  vor  einer  längeren  Reihe  von  Jahren  ein  paar  Lehrlinge  gehabt,  die  so 
schwach  und  klein  waren,  dass  ihnen  anfänglich  selbst  die  Verrichtung  der 
leichtesten  Arbeiten  zu  schwer  war;  der  eine  von  ihnen  hatte  ein  ganz 
blasses  Gesichtchen  mit  eingefallenen  Backen.  Nachdem  er  erst  längere 
Zeit  bei  mir  war.  wurde  er  nicht  allein  verhältnismässig  gross  und  stark, 
sondern  er  hatte  im  Laufe  der  Zeit  derart  zugenommen,  dass  er  von  jedem 
nicht  anders  als  der  »Dicke«  genannt  wurde.  Ähnlich  war  es  mit  dem  zweiten. 
Dieser  war  auch  derart  gross  und  stark  geworden,  dass  er  gleich  im  ersten 
Jahre  seiner  Gestellung  Soldat  wurde.  Ein  anderer,  neuerer  Fall:  Vor  einigen 
Jahren  kam  ein  Knäblein  zu  mir  und  fragte,  ob  er  bei  mir  in  die  Lehre 
kommen  könnte.  »Mein  Kind«,  sagte  ich,  »wie  alt  bist  Du  denn?«  »Ich  komme 
Ostern  (es  war  damals  einige  Wochen  vor  Ostern)  aus  der  Schule.«  Ich  muss 
gestehen,  ich  sah  mir  dieses  Kind  von  Knaben  ordentlich  mitleidig  an  und 
sagte:  »Um  Gärtner  zu  werden  bist  Du  doch  allzu  klein  und  schwach.«  Darauf 
machte  dieser  Kleine  ein  recht  betrübtes  Gesicht  und  dies  that  mir  so  leid, 
dass  ich  ihn,  in  der  Hoffnung,  dass  er  ja  doch  noch,  wie  man  so  sagt,  werden 
könne,  ersuchte,  mit  seinem  Vater,  zu  mir  zu  kommen.  Jetzt  machte  er  aber 
ein  vergnügtes  Gesicht  und  kam  wenige  Tage  nachher  mit  seinen  Eltern 
wieder  und  wir  wrurden  einig,  sodass  dieses  Kind  von  Knaben  zu  mir  in  die 
Lehre  kam  und  siehe  da,  es  dauerte  nicht  allzu  lange,  da  wrurden  ihm  all  seine 
Kleidungsstücke  zu  klein  und  eng,  er  musste  neue  und  nach  nicht  allzu  langer 
Zeit  abermals  neue  und  immer  wieder  neue  Kleidung  haben.     Auch  seine  Kräfte 


Das  Winterfest  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues.  rn 

nahmen  derart  zu.  dass  er  schon  im  zweiten  Jahr  seines  Hierseins  ziemlich 
schwere  und  im  dritten  Lehrjahre  selbst  die  schwersten  Männerarbeiten 
fast  spielend  verrichten  konnte.  Nun  der  neueste  derartige  Fall:  Vor  etwa 
2V2  Jahren  habe  ich  aus  Berlin  einen  Knaben  in  die  Lehre  bekommen;  obschon 
derselbe  damals  schon  15'  L,  Jahre  alt  war,  so  war  er  doch  noch  so  elend  und 
schwach,  dass  ich  auch  hier  recht  sehr  Bedenken  trug,  dass  aus  ihm  etwas 
werden  würde.  Aber  trotz  Essen  und  Trinken  wollte  aus  ihm  absolut  nichts 
werden,  bis  vor  nun  etwa  i'/2  Jahren.  Da  fing  er  endlich  an,  etwas  Gesichts- 
farbe und  auch  neue  Kräfte  zu  bekommen.  Viel  grösser  ist  er  nun  allerdini;- 
nicht  geworden,  aber  seine  Kräfte  haben  derart  zugenommen,  dass  er  jetzt  so 
leicht  keine  Arbeit,  auch  wenn  sie  einmal  etwas  schwer  ist.  scheut  und  es 
beinahe  übel  nimmt,  wenn  ich  ihm  bei  schwerer  Arbeit  sage:  »Na,  schaffst  Du 
das  auch?«  (Eben  sagt  er  mir.  dass  er  hier  doch  i!/2  Fuss  grösser  ge- 
worden sei.) 

Was  nun  meine  Wenigkeit  selbst  betrifft,  so  kann  ich  sagen,  dass  ich  mich 
bei  einem  Alter  von  62  Jahren  körperlich  und  geistig  noch  recht  frisch  und 
wohl  fühle  und  glaube  ich,  dies  nur  meinem  Beruf  als  Freilandgärtner  danken 
zu  können.  Ausser  einer  etwa  14  Tage  dauernden  Krankheit  im  vorigen  Jahre 
hat  mir  sonderlich  ausser  Geld  noch  nichts  gefehlt,  und  wenn  mir.  was  ja 
allerdings  in  einem  so  langen  Zeitraum  wohl  öfter  vorkommt,  einmal  nicht  ganz 
so  war,  wie  mir  sein  musste,  wie  man  so  zu  sagen  pflegt,  nun.  dann  bin  ich  in 
meinen  Garten  gegangen  und  es  hat  dann  niemals  allzulange  gedauert,  so 
fühlte  ich  mich  wieder  wohl  und  munter. 

Währenddem  ich  mit  dem  Schreiben  dieses  Artikels  bis  hierher  gekommen 
bin,  besucht  mich  in  geschäftlicher  Angelegenheit  ein  recht  vornehmer  Fabrik- 
besitzer und  sagt  mir  unter  Anderem,  dass  er  schon  seit  längerer  Zeit  alle 
Tage  mehrere  Stunden  im  Garten  arbeite,  und  das  mache  ihm  solche  Freude 
und  bekomme  ihm  so  gut,  dass  er  es  nicht  mehr  lassen  könnte  und  möchte. 
Dem  Leser  dieses  aber,  welcher  einen  Garten  oder  auch  nur  ein  Gärtchen 
hat,  möchte  ich  zurufen:  »Gehe  hin  und  thue  desgleichen,  und  es  wird  Dir  auch 
bald  gelohnt  werden.« 

Zum  Schluss  möchte  ich  nicht  unerwähnt  lassen,  dass  ich  dieses  nur 
geschrieben  habe  für  die,  welche  die  Sache  nicht  kennen,  nicht  aber  für  die. 
welche  sie  schon  kennen,  am  allerwenigsten  aber  für  die,  die  alles  können. 
alles  kennen  und  schon  alles  wissen. 


Das  Winterfest  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 

am  19.  Januar  1899. 

x  V 

|Y/l  it  hoher  Befriedigung  kann  der  Festausschuss  auf  seine  rhätigkeit  zurück- 

ij=35^:   blicken.     Nicht  weniger   als    365    Personen    nahmen    an    dem    Feste    im 

Hotel  Imperial  teil  und  einstimmig  \wn-  der  Dank,    der  vor  allen    den    Herren 

Loock,    Habermann.    Hampel,    Hering,    Junge    und    Neumann    für    ihre 

treffliche  Leitung  des  Festes  gespendet  wurde. 


n£  Das  Winterfest  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues. 

Der  grosse  Saal  des  Hotel  Imperial  zeigte  in  der  Mitte  der  Rückwand  die 
Kaisergruppe  von  Herrn  Clotofski,  vornehmlich  aus  Palmen  bestehend;  an 
den  Ecken  des  Saales  hatte  Herr  Clotofski  Dracaenen  und  Blattpflanzen  auf- 
gestellt, alles  geschmackvoll  und  nicht  zu  weit  vortretend,  um  die  Tanzenden 
nicht  zu  hindern. 

Die  Sträusse  für  die  Tafel  hatte  Herr  Fasbender  geliefert  und  hierzu 
nur  deutsche  Blumen  und  deutsches  Bindegrün  benutzt.  Herr  Clotofski 
hatte  in  liebenswürdigster  Weise  das  Material  für  die  zahlreichen  grossen 
Tafelsträusse:  Flieder  und  Schneeball  etc.,  gespendet.  Vor  jedem  Gedeck  stand 
eine  kleine  Vase  in  der  Form  der  einfachen  kleinen  Zimmervasen,  wie  sie  im 
Kgl.  Schloss  benutzt  werden  (abgebildet  in  Gartenflora  1898  S.  505  und  511,) 
gefüllt  mit  Maiglöckchen,  Farnen  etc.  Abwechselnd  damit  waren  kleine  Ständer 
aus  Draht  aufgestellt,  die  ein  enges  Gläschen  trugen,  das  ähnlichen  Schmuck 
enthielt.  Da  Vasen  und  Gläschen  mit  Wasser  gefüllt  waren,  so  blieben  die 
Blumen  während  der  recht  langen  Dauer  der  Tafel  frisch.  Schliesslich  ver- 
kündete der  Vorsitzende  des  Festkomitees,  der  Kgl.  Hoflieferant  Loock,  zur 
Freude  aller  Damen,  dass  sie  nicht  nur  die  Sträusschen,  sondern  auch  die 
Vasen  und  Gestelle  zum  Andenken  mitnehmen  möchten.  Selbstverständlich 
waren  die  Vasen  nicht  aus  so  kostbarem  Opalglase  wie  im  Kgl.  Schloss, 
sondern  nur  aus  einfachem  weissen  Glase,  das  am  Halse  mit  einer  hübschen 
grünen  Schleife  verziert  war. 

Der  Direktor  des  Vereins,  Kgl.  Gartenbaudirektor  Lackner,  brachte  das 
Hoch  auf  S.  M.  den  Kaiser,  den  Allerhöchsten  Protektor  des  Vereins,  aus,  der 
Vorsitzende  des  Verbandes  der  Handelsgärtner  Deutschlands,  C.  van  der 
Smissen,  widmete  dem  Vorstande  sein  Glas,  Herr  Garteninspektor  Perring 
dankte  und  trank  auf  das  Wohl  des  Vereins,  wobei  er  hervorhob,  wie  wünschens- 
wert es  sei,  alle  Interessen  sowohl  die  der  Gärtner  wie  die  der  Lieb- 
haber zu  berücksichtigen.  Herr  Hofgärtner  Hoffmann  toastete  auf  die  Damen, 
Herr  Bluth  auf  den  Festausschuss,  Herr  Junge  auf  die  Gäste,  in  deren  Namen 
Herr  Dr.  Thost  dankte. 

Besonders  verschönert  wurden  die  Freuden  der  Tafel  durch  den  herr- 
lichen Gesang  des  Frl.  Hering  und  des  Frl.  Schmidt,  Tochter  des  Herrn 
Obergärtner  Schmidt.  Villa  Dellschau-Pankow,  ferner  durch  den  gemeinsamen 
Gesang  eines  Kaiserliedes  und  eines  vom  Vereinssekretär  Herrn  S.  Braun 
gedichteten,  höchst  scherzhaften  Liedes:  »Vereinsvorkommnisse«. 

Beim  Tanze  fehlte  es  natürlich  nicht  an  Überraschungen.  Bei  der  Polonaise, 
die  übrigens  nicht,  wie  sonst,  zu  Beginn  des  Balles,  sondern  erst  viel  später 
stattfand,  erhielten  die  Teilnehmer  die  verschiedenartigsten  Kopfbedeckungen 
und  führten  die  Reise  nach  Palästina  vor.  Beim  Kotillon  erschien  Herr 
O.  Neumann  als  invalider  Drehorgelspieler  und  bot  den  Damen  in  seiner 
Orgel  die  schönsten  Orden  für  die  Herren  dar;  die  Damen  erhielten  pracht- 
volle Sträusse  etc.  etc.     Kurz,  alle  waren  hochbefriedigt. 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


79 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen  etc. 


Neuheiten-Liste  für  1898  99 

von 

F.  C.  Heinemann,  Erfurt. 

Nach  den  Beschreibungen  des  Züchters. 

Salpiglossis  variabiiis  superbissima. 

Neue  Kaiser-Salpiglossen. 

(Hierzu  Abb.  n.i 

Meine  neuen  Kaiser-Salpiglossen 
haben  von  allen  Seiten  uneinge- 
schränktes Lob  erhalten.  Der  von  mir 
voriges  Jahr  verkaufte  Same  brachte 
neben  einigen  wenigen  Farbennüancen 
namentlich  die  Farbe  »Chamois«,  ich 
kann  dieses  Jahr  diese  Farbe  und 
noch  vier  andere  prachtvolle  Nuancen 
sortenrein  anbieten. 

Die  Kaiser-Salpiglossen  werden  bald 
die  alte  Form  dieser  beliebten  Sommer- 
blume ganz  verdrängen,    da  ihre  Ver- 


wendbarkeit eine  bei  weitem  viel- 
seitigere ist  und  die  Schönheit  ihrer 
Blumen  unerreicht   dasteht. 

1.  Chamois.  Die  Blume  ist  auf 
allen  fünf  Blumenlappen  dunkelblutrol 
gezeichnet  und  bis  in  den  Schlund 
hinein  mit  goldenen  Adern  durch- 
zogen. 

2.  Purpurviolett.  Prachtvolle,  bis 
jetzt  noch  gar  nicht  bei  Salpiglossen 
gekannte  Farbe.  Fin  leuchtendes 
Karmin  wird  nach  der  Mitte  der 
Blumen  hin  von  einem  tiefen,  sammet- 
artig  glänzenden  Purpurviolett  über- 
zogen. Die  Blumen  sind  besonders 
gross,  rund  und  wie  eine  Superbissima- 
Petunie  geformt.  Der  kurze  und  weit 
geöffnete  Schlund  ist  ganz  dunkel  und 
glänzt  seidenartig.  Der  Bau  der  Pflanze 
ist  besonders  kräftig,  sie  wird  ca.  Socm 
hoch. 


Abb.    ii.     Salpiglossis  variabiiis  superbissima. 


Abb.    12.     Begonia  hybrida  gigantea  Mammut. 


8o 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


3.  Purpurbraun  mit  Gold.  Diese 
Sorte,  etwas  niedriger  bleibend  als  die 
übrigen,  ist  besonders  blütenreich.  Die 
ganze  Pflanze  ist  wie  ein  grosses 
ßouquet.  Grundfarbe  ein  gesättigtes 
Purpurbraun,  reich  durchwirkt  mit 
kräftigen  goldenen  Adern. 

4.  Dunkelscharlach.  Gleich  der 
»Purpurviolett«  von  sehr  kräftigem 
Bau,  circa  80  cm  hoch.  Die  schön  ge- 
öffneten Blumen  sind  dunkelscharlach 
mit  gleichmässig  über  die  ganze  Blume 
verteilter  goldener  Aderung. 


Begonia  hybrida  marmorata. 

„Der  Schmetterling". 
(Hierzu  Abb.  13.) 

Entgegen  den  früheren,  gestreiften 
Begonien  ganz  konstant  aus  Samen. 
Der  Wuchs  ist  kräftig  wie  bei  der 
Gigantea-Klasse,  und  auch  ihre  Blumen 
sind  trotz  reichen  Blühens  von  ansehn- 
licher Grösse.  Die  Grundfarbe  ist 
entweder  lebhaft  Scharlach  oder 
glänzend  Karmin,  wovon  sich  die 
unregelmässig  aufgetragenen  weissen 
Flecken  vorteilhaft  abheben. 

Diese  Sorte  ist  der  gestreuten  be- 
deutend überlegen. 


Abb.  i3. 
Begonia  hybrida  marmorata. 

5.  Rosa.  Die  Grundfarbe  ist  ein 
lebhaftes  Rosa  mit  bläulicher  Abtönung, 
meist  ringsum  goldig  geädert,  sehr 
grossblumig  und  reichblühend.  Die 
Pflanze  wächst  sehr  kräftig  und  bleibt 
niedrig,  ca.  70  cm  hoch. 

Begonia  hybrida  gigantea  Mammut. 

(Hierzu  Abb.  12.) 

Eine  vorjährige  Einführung.  Zeichnet 
sich  aus  durch  riesigen  Wuchs,  wie 
er  im  ganzen  Begoniensortiment  bisher 
nicht  bekannt  war,  und  leuchtend 
scharlachrote  Blumen.  Zur  Frühkultur 
sehr  geeignet  und  konstant. 


Abb.   14.     Gloxinia  hybrida  grandiflora  „Coquette' 
Schlund  gelb. 

Gloxinia  hybrida  grandiflora  „Coquette". 

(Hierzu  A.bb.  14.) 

Von  allen  bisher  gekannten  Gloxinien- 
Varietäten  weicht  diese  Sorte  dadurch 
bedeutend  ab,  dass  alle  ihre  Blumen, 
sie  mögen  blaue  oder  rote  Farben- 
schattierungen aufweisen, einen  gelben 
Schlund  haben.  Es  ist  dies  deshalb 
schon  bemerkenswert,  weil  die  gelbe 
Farbe  hier  noch  gar  nicht  vertreten 
ist  und  der  Gedanke,  eine  reingelbe 
Gloxinie  auf  diesem  Wege  zu  erzielen. 
ist  nicht  fernliegend. 

Die  Blumen  sind  fast  alle  drei- 
farbig   gezeichnet,     wie     ich    das     im 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


ein  Sommergewächs,  in  jeder  Ver- 
wendungsari effektvoll  wirkt.  Mag  man 
sie  als  Topfpflanze,  im  freien  Land' 
Einfassung  oder  in  ganzen  Gruppen 
benutzen,  überall  wird  sie  durch  ihren 
wunderschönen  Flor,  der  beim  winzi 
Pflänzchen  beginnt  und  bis  in  den 
Winter  hinein  dauert,  entzücken  und 
befriedigen. 

Die  Farbe  der  Blumen  ist  feurig- 
dunkelkarmin  mit  bläulichem  Reflex, 
der  namentlich  im  Aufblühen  dieBlume 
in  einem  tiefgesättigten  Farbenton  er- 
scheinen lässt.  Der  Schlund  ist  fast 
reinweiss,  was  sich  sehr  Wirkung* 
ausnimmt. 

Die  Pflanze    wird    höher   als  die  be- 
kannte   Petunia    »Schneeball  ,     welch 
letztere     sich     bei     Gruppenpflanzüng 
vortrefflich  als  Einfassung  für  Ad 
eignet. 

Begonia  hybritla  „mit  gelber  Mitte". 
(Hierzu  Abb  16.) 

Die  gelbe  Mitte,  die  sich  oft  bis  tief 
goldgelb  färbt,  hebt  sich  auffällig  von 
dem  sie  umgebenden,  mehr  oder  weniger 

breiten  roten  Rande  ab.  Die  Pflanze 
blüht  sehr  willig  und  reich  und  hat 
allen  Besuchern  meiner  Kulturen  aus- 
nahmslos gefallen. 


Abb.    [5.      Petunia  hybrida  „Adonis'-. 
Blumen  dunkelkarmin,  Schlund  weiss. 

Cliche    zu    veranschaulichen    versucht 
habe. 

Das  Farbenspiel  auf  den  ver- 
schiedenen Pflanzen  variiert  von 
Hellblau  über  Lila  nach  Dunkelblau, 
von  Rosa,  Lilarosa  bis  Dunkelrot.  Die 
Zeichnungsfarbe  ist  oft  kräftig  auf- 
getragen oder  auch  nur  leicht  ge- 
tuscht, sodass  zarte  liebliche  .Nuancen 
mit     tiefen     Farbentönen    aliwechseln. 

Petunia  hybrida  „Adonis". 
(Hierzu  Abb.  15.) 

Es  ist  mir  gelungen,  in  »Adonis« 
eine  Hybride  konstant  zu  bekommen, 
die  mit  ihrer  Blütenpracht,  wie  selten 


\      .    [6.     Begonia  hybrida  „mit  gelber  Mitte 


82 


Kleinere  Mitteilungen. 


Myosotis    alpestris    stricta   alba. 

Weisses  Säulen vergissmeinni cht. 

Die  neue  Stricta-Klasse  hat  sich  sehr 
gut  eingeführt  und  ist  schnell  ungemein 
beliebt  geworden.  Dies  Jahr  kann  ich 
den  beiden  vorher  eingeführten  Farben 
(rosa  und  blau)  noch  die  weisse  hinzu- 
fügen, die  das  Sortiment  vervollständigt. 


Sie  ist  ebenso  zierlich  wie  reichblühend 
und  bildet  sowohl  als  Topfpflanze  als 
auch  als  Gruppenpflanze  eine  wirkliche 
Zierde.  Die  drei  erwähnten  Farben 
dieser  Klasse  erhielten  vom  Verein  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues  in  den 
preussischen  Staaten  eine  silberne 
Vereinsmedaille  als  Anerkennung. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Rosentreiberei  in  Amerika. 

Zu  seinem  Bericht  über  die  Rosen- 
treiberei in  Amerika  (Gartenfl.  Heft  2, 
S.  34)  giebt  uns  Herr  Goedecke  noch 
folgende  Nachträge: 

Reinberg  Bros.  Ghicago*)  ist  heute 
wohl  die  erste  tonangebende  Firma, 
sie  hat  nach  den  neuesten  Berichten 
600000  DFuss  unter  Glas,  hauptsächlich 
Rosen  zum  Schnitt.  40000  American 
Beauty  (richtiger  Mad.  Ferd.  Jannin) 
haben  sie  diesen  Sommer  in  die 
Häuser  gepflanzt,  ausserdem  noch 
Kaiserin,  Bridesmaid  u.  s.  w.  —  Nach 
ihnen  folgt  wohl  Bas sett  &  Washburn, 
Hinsdale,  Chicago.  Diese  Firma  hatte 
1895  schon  80000  Rosen,  hiervon  40000 
Mad.  Ferd.  Jamin  in  Häusern,  wie  ich 
diese  hier  kultiviere.  Früher,  vor  circa 
6  Jahren  war  John  N.  May,  Summit, 
New-Jersy  wohl  die  erste  Firma  in 
Rosen,  Chrysanthemum,  Nelken.  Was 
die  Häuser  anbetrifft,  so  ist  deren 
Grösse  ganz  verschieden,  ich  habe  sie 
da  angetroffen  von  20  m  bis  zu  200  m, 
also  ist  es  richtiger,  wenn  man  sagt, 
so  und  soviel  JFuss  oder  so  und  soviel 
Morgen  für  die  und  die  Pflanzen  ist 
unter  Glas.  Bei  Mrs.  Reinberg  Bros, 
wären  es  ungefähr  17  Morgen. 

Es  giebt  in  Amerika  noch  viele  grosse, 
schöne  Gärtnereien,  z.  B.  Asmus, 
West-Hoboken;  Sieb  recht  &  Sons, 
New-Rochelle;  Gebr.  Dailledouze, 
Flattbush,  alle  nahe  New-York.  Ich 
habe  bei  der  letzten  Versammlung  an- 


*)  Ich  habe  deren  Häuser  und  die  von 
Bassett.  schon  i8g5  S.  197  d.  Gartenfl.  ab- 
gebildet, ebenso  die  von  C.  Strauss  &  Co.- 
W'ashington,  S.  227.  Schon  damals  habe  ich 
betont,  dass  bei  Gebr.  Reinberg  die  längere 
Seite    des  Daches    nach  Norden    gerichtet   ist. 

L.  W. 


genommen,  dass  die  grösseren  Gärt- 
nereien täglich  6 — 10000  Rosenblumen 
schneiden;  es  werden  vielleicht  mehr 
sein,  aber  ich  wollte  keine  höhere 
Zahl  nennen. 


Williams  gute  Christenbirne 

hat  sich  in  Schlesien  als  eine  der  besten 
Birnen  für  den  Markt  und  zur  Bereitung 
von  Konserven  bewährt.  Dieselbe  trägt 
zeitig  und  ist  sehr  fruchtbar,  wenn  sie 
in  milden,  mehr  sandigen,  aber  frucht- 
baren Boden  gepflanzt  wird.  Wegen 
seiner  reichen  Tragbarkeit  ist  es  er- 
forderlich, dass  der  Baum  wenigstens 
alle  2  Jahre  gedüngt  wird.  Die  Birne, 
welche  auf  den  Breslauer  Märkten  im 
Schlesierdialekt  »Bonkertiner«  genannt 
wird  und  sehr  gesucht  ist,  muss,  um 
den  Transport  auszuhalten,  8  Tage  vor 
der  vollen  Reife  gepflückt  werden. 
Die  Reifezeit  ist  hier  Mitte  bis  Ende 
September.  Strauwald-Kosel. 


Für  eine  neue  Gartenhalle  im  Zoologischen 
Garten 

war  kürzlich  ein  Wettbewerb  aus- 
geschrieben worden,  wozu  zahlreiche 
Arbeiten  eingegangen  waren.  Da 
manche  von  diesen  die  geforderte 
Mitverwendung  von  Birkenstämmen 
oder  ähnlichem  Naturholz  nicht  ge- 
nügend berücksichtigten,  andere  aber 
das  verlangte  Obergeschoss  und  damit 
die  malerische  Dachbildung  zu  stark 
betont  hatten,  wurden  schliesslich  nur 
dreizehn  Projekte  für  die  engere  Wahl 
zugelassen.  Es  erhielten  den  ersten 
Preis  von  500  Mark  die  Architekten 
Zaar  und  Vahl  (Motto:  „Birkenhalle"), 
den  zweiten  Preis  von  300  Mark  Ar- 
chitekt Friedrich  Schulze  (Grune- 
wald),   den    dritten    Preis    (200    Mark) 


Kleinere  Mitteilungen. 


83 


Architekt  Voigt  in  Eisleben  (Motto: 
.,  Stämmig'-).  Dem  Preisgericht  ge- 
hörten u.  a.  die  Bauräte  Böckmann, 
und  v.  Grossheim  an,  ebenso  die 
Gartendirektoren  Mächtig  und 
Geitner.  Betreffs  der  Zeichnungen 
von  Zaar  und  Vahl  wurde  bemerkt, 
dass  der  Entwurf  sich  besonders  gut 
der  gärtnerischen  Umgebung  anschliesst 
und  dass  es  sehr  vorteilhaft  sei,  die 
Halle  an  der  vorhandenen  ,,Wald- 
schänke"  vorbei  zu  führen.  Dieser 
Entwurf  wurde  zugleich  für  die  Aus- 
führung empfohlen.  Die  sämtlichen 
Blätter  sind  in  den  nächsten  Tagen  in 
der  Bibliothek  des  Architektenvereins 
(Wilhelmstrasse  92/93)  ausgestellt. 


Etwas  über  Pflege  erkrankter  Gloxinien. 

Vim  Adam  Hey  dt,  Kunstgärtner. 

Wenn  auch  die  Pflege  der  Gloxinien 
eine  bekannte  ist,  so  tritt  doch  zu 
leicht  bei  verkehrter  Behandlung 
der  Gloxinienpilz  auf,  jener  ge- 
fährliche Pilz,  der  oft  ganze  Bestände 
vernichtet.  Der  Pilz,  der  sich  durch 
rostgelbe,  terracottafarbene  Flecken 
kennzeichnet,  ist  gewöhnlich  die  Folge 
von  trockener  Luft  oder  Temperatur- 
schwankungen. Gloxinien  verlangen 
eine  gleichmässige  Temperatur  von 
15— 200  R.  und  feuchte  Luft  bei 
ziemlicher  Beschattung. 

Sobald  sich  der  Pilz  zeigt,  nehme 
man  die  befallenen  Pflanzen  bei  Seite, 
spritze  sie  mit  einer  Lösung  von 
Kupferzuckerkalkpulver,  was  in  etwa 
vierzehn  Tagen  nochmals  geschieht. 
Alsdann  bringt  man  die  kranken 
Pflanzen  in  einen  warmen  Kasten  bei 
20 — 24"  R.  Bodenwärme,  hält  sie 
geschlossen,  schattig  und   spritzt  öfter. 

Binnen  kurzer  Zeit  entwickelt  sich 
ein  neues  Leben,  und  wenn  sich  ein 
Teil  neuer  Blätter  gebildet  hat,  entfernt 
man  die  kranken  und  bringt  die  Pflanzen 
in  einen  mehr  kalten  Kasten,  wo  zeit- 
weise, je  nach  Umständen,  gelüftet 
werden  kann:  hier  wird  dann  bald  von 
der  Krankheit  bei  ordentlicher  Pflege 
wenig  zu  sehen  sein. 


Ausserordentliche  Kälte  in  Amerika. 

In  den  östlichen  Staaten  der  Union 
herrschte  ausserordentliche  Kälte.  In 
New-York  stand  am  11.  Januar  der 
Wärmemesser  nur  auf  9  Grad 
Fahrenheit      über      dem      Nullpunkte. 


In  dem  gleichfalls  im  Staate  New- 
York  gelegenen  Saratoga  aber 
herrschte  eine  Kälte  von  32  Grad  unter 
Null  und  in  Pittsburg  und  Pennsyl- 
vanien  hatten  die  Einwohner  gar  eine 
solche  von  40  Grad  unter  Null  aus- 
zuhalten. Viele  Menschen  sind  erfroren 
und  die  Sterblichkeit  hat  bedeutend 
zugenommen.  In  vielen  Dörfern  auf 
dem  Lande  mussten  wegen  der  grossen 
Kälte  die  Schulen  geschlossen  werden. 
Unter  den  Armen  herrscht  viel  Elend. 
Die  Niagara-Fälle  haben  vom  ameri- 
kanischen nach  dem  kanadischen  Ufer 
eine  Eisdecke  gebildet.  Es  wird  ein 
Eispalast  gebaut,  der  sich  schon  seiner 
Vollendung  nähert,  (-f-  90  Fahrenheit 
ca.  -r-  13°  C,  -=-  320  F.  -  =  -=-  35,4°  C, 


40"  F. 


39,9°  C.     Die  Red.) 


Unterirdische  Bewässerung  von  Strassenbäumen. 

In  einer  Nummer  des  »Prakt.  Ratgeb.« 
veröffentlicht  Stadtgärtner  Degenhard 
in  Dresden  einen  beachtenswerten 
Aufsatz  über  die  unterirdische  Be- 
wässerung von  Strassenbäumen  mit 
Hilfe  von  Bewässerungsröhren,  durch 
welche  den  Bäumen  fortgesetzt  Wasser 
zugeführt  werden  kann,  ohne  dass  der 
Verkehr  auf  den  Strassen  dadurch  be- 
rührt wird.  Diese  Art  derBewässerung 
empfiehlt  sich  zwar  besonders  für 
öffentliche  Plätze  und  mit  Bäumen 
bepflanzte  Strassen  in  verkehrsreichen 
Städten,  sie  dürfte  sich  aber  auch  für 
ländliche  Baumanlagen,  insbesondere 
um  das  Wohnhaus  herum  eignen,  zumal 
der  Bau  einer  unterirdischen  Wasser- 
leitung in  dem  weichen  Landboden, 
dessen  Oberfläche  ausserdem  kein 
Pflaster  deckt,  welches  aufgerissen 
werden  müsste,  billiger  zu  stehen 
kommt  als  in  städtischen  Anlagen. 

Behandlung    der  Melonen,    die    keine    Früchte 

ansetzen  wollen. 

Von  Adam  Heydt,  Kunstgärtner. 

Es  kommt  sehr  leicht  vor,  dass 
Melonen,  selbst  bei  guter  Kultur,  sehr 
schlechte  oder  nur  wenige  Früchte 
ansetzen  wollen;  es  empfiehlt  sich  dann, 
nachbenanntes  Verfahren,  welches  ich 
bewährt  gefunden  habe,  zu  versuchen. 

Sobald  die  Melone  einigermassen  ins 
Kraut  gewachsen,  hebt  man  die  Fenster 
ab  und  setzt  die  Pflanzen  ganz  den 
I  nbilden  des  Wetters  aus.  Nur  wenn 
sogenannter  Landregen  eintritt,  bedeckt 


84 


Kleinere  Mitteilungen. 


man  die  Melonen.  Jegliches  Begiessen 
und  Bespritzen  wird  unterlassen,  so 
dass  die  Pflanzen  förmlich  zusammen- 
schrumpfen. Wenn  dieser  Zeitpunkt 
eingetreten,  werden  die  Fenster  wieder 
aufgelegt  und  die  Melonen  wieder 
ordnungsmässig  behandelt.  Es  zeigt 
sich  dann  nach  kaum  wenigen  Tagen 
ein  guter  Fruchtansatz:  nun  entferne 
man  alles  überflüssige  Holz  und  belasse 
einer  Pflanze  höchstens  8 — 10  Früchte, 
vergesse  aber  nicht,  die  Melonen  gut 
zu  ernähren.  Hochwichtig  für  Melonen 
ist.  dass  sie  immer  warm  gehalten 
werden. 


Schöne  Skelette  von  Laubblättern 

kann  man,  wie  längst  bekannt  ist, 
dadurch  erhalten,  dass  man  die  Blätter 
in  stehendes  Wasser  legt,  das  Moos, 
Algen  und  andere  Wasserpflanzen 
enthält.  Nach  einigen  Monaten  sind 
dann  alle  weicheren  Teile  des  Blattes 
verschwunden  und  nur  die  Blattnerven 
übrig  geblieben.  Man  hat  angenommen, 
dass  diese  Veränderung  auf  der  Thätig- 
keit  von  Bakterien  und  Pilzen  beruhe. 
Jedoch  lehren  Versuche,  die  Albert 
F.  Woods  vom  U.  S.  Department  of 
Agriculture  soeben  in  der, .Science" ver- 
öffentlicht hat,  dass  die  Skelettierungs- 
arbe.it  vorzugsweise  von  mikro- 
skopischen Wassertierchen  geleistet 
wird,  nämlich  von  Muschelkrebsen 
(Cyprididae),  jenen  kleinen,  von  einer 
zweiklappigen  Schale  umhüllten  Krebs- 
tieren, die  man  fast  in  jeder  einem 
Teich  entnommenen  Wasserprobe  findet. 
Die  von  Woods  bei  Aquariumversuchen 
beobachteten  Tierchen  gehörten  zur 
Gattung  Cypridiopsis.  Ihre  Schale  ist 
Va— i  mm  lang  und  halb  so  breit  und 
hoch;  die  Fresswerkzeuge  sind  kräftig 
und  zum  Nagen  gut  geeignet.  Bei  der 
Untersuchung  des  Darmkanals  wurden 
zahlreiche  Blattreste  in  halbverdautem 
Zustande  gefunden.  Hiernach  konnten 
wenig  Zweifel  über  die  Thätigkeit  der 
Tierchen  bestehen.  Ueberzeugend  war 
aber  folgender  Versuch.  Es  wurde 
neben  dem  Aquarium,  in  dem  sich  die 
Muschelkrebse  befanden,  noch  ein 
zweites  aufgestellt,  das  Verwesung  er- 


regende Pilze  und  Bakterien,  aber  keine 
Cypridiopsis  enthielt.  In  jedes  Aqua- 
rium wurde  eine  Anzahl  Blätter  ver- 
schiedener Bäume  gelegt.  In  dem 
zweiten  Aquarium  (ohne  Muschelkrebse) 
schritt  der  Verwesungsvorgang  rasch 
vor,  aber  noch  nach  1V2  Monaten  war 
kein  Anzeichen  von  Skelettierung  an 
den  Blättern  zu  erkennen.  In  dem 
Aquarium  mit  Cypridiopsis  dagegen 
begann  die  Arbeit  fast  sogleich.  An 
den  von  einer  Fleckenkrankheit  be- 
fallenen Blättern  wurden  die  toten 
Flecke  in  24  Stunden  skelettiert;  in 
vier  Wochen  war  das  ganze  Werk 
vollbracht.  Nachdem  die  weiche  Blatt- 
masse völlig  entfernt  ist,  beginnen  die 
Tierchen,  wenn  sie  hungrig  sind,  auch 
die  feineren  Nerven  anzufressen;  man 
thut  daher  gut,  die  Blätter  nicht  länger 
als  nötig  im  Wasser  liegen  zu  lassen. 
Wenn  man  sie  dann  zwischen  Lösch- 
papier schwach  presst,  so  erhält  man 
sehr  schöne  Blattskelette. 


Erigeron  aurantiacum. 

Von  Adam  Hey  dt,  Kunstgärtner. 

Immer  noch  wenig  in  Gärten  an- 
gepflanzt findet  man  die  Stauden  im 
dekorativen  Sinne.  obwohl  nichts 
die  Schönheit  einesParkes  mehr  hebt  als 
Dekorationsstauden,  selbstverständlich 
wenn  sie  an  der  geeigneten  Stelle  ge- 
pflanzt werden. 

Ich  möchte  heute  einmal  die  Auf- 
merksamkeit auf  Erigeron  aurantiacum 
richten,  eine  jener  Stauden,  die  dem 
obigen  Sinne  entspricht.  Erigeron 
aurantiacum  ist  eine  Composite.  Sie 
wird  bis  1,20  m  hoch  und  bildet  einen 
breiten  Busch.  Die  Blumen  entwickeln 
sich  auf  hohen  Stielen,  fast  in  der  Form 
von  Disteln,  und  in  goldgelber  Farbe. 
Die  Blätter  sind  eirund  lanzettlich, 
etwas  gewellt,  15  —  20  cm  lang  und 
3 — 5  cm  breit,  auf  der  Lichtseite  glatt 
und  auf  der  Unterseite  rauh.  Die 
Blume  bildet  eine  Strahlenblüte  in 
Büschelform  und  ist  von  langer  Dauer. 
Der  Flor  beginnt  gegen  Juli  und  dauert 
bis  Ende  September.  Auch  für  die 
Binderei  ist  sie  sehr  vorteilhaft  zu  ver- 
wenden. 


Litteratur.  —   Ausstellungen  und  Kongresse.  —  Gewerbliche  Angelegenheiten.  8c 

Litteratur. 


Zeitschrift  für  Landschafts- 
gärtnerei und  Gartenarchitektur. 
Herausgegeben  von  E.  Pf  y  ff  er 
von  Alt is holen.  Garteningenieur 
und  Gartenarchitekt  in  München 
(I  »rleansplatz  5).  Die  uns  vorliegende 
erste  Nummer  dieser  neuen  Zeitschrift 
ist  reich  mit  Plänen  und  Abbildungen 
versehen,  die  allerdings  z.  T.  Cliches 
zu  sein  scheinen,  die  von  einer  Bau- 
gesellschaft entliehen  sind.  Sie  er- 
scheint monatlich  einmal  und  ist 
speziell  für  Garten -Architekten.  -In- 
genieure, Landschaftsgärtner,  Baum- 
schul-, Villen-  und  Gartenbesitzer 
bestimmt.  Jede  Xummer  soll  eine 
Preisaufgabe  enthalten. 

Normal  -  Sortiment  des  Kernobstes, 
festgestellt    auf    dem   Pomologen-Kon- 


gress  in  Breslau,  herausgegeben  vom 
Verein  der  Pomologen  und  1  »bstzüchter 
für  Anhalt  und   Provinz  Sachsen. 


Gilbert  II.  Ilicks  and  Sothoron 
Key,  Additional  Notes  on  Seed 
Testing,  S.-A.  aus  }  earbook  of  Depart- 
ment ofAgriculturefor  1  897,  Washington. 
Die  Verfasser  empfehlen  als  Keimbett 
zum  Samenprüfen  Gefässe  aus  Gips  und 
geben  eine  Methode  zum  Herstellen 
derselben  an.  Ferner  haben  sie  einen 
verbesserten  Spiegelkasten  erfunden, 
um  taube  Grassamen  zu  erkennen,  und 
endlich  schildern  sie  auchdiefür  die  ver- 
schiedenen Sämereien  besten  Methoden. 
Bei  einigen  Bohnensorten  keimten  un- 
geritzte  Samen  noch  nach  48  Tagen, 
geritzte  dagegen  in  4  Tagen  mit  90  pCt. 

L.  W. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau- Aus  Stellung  vom  5.  17. 
bis  15.  27.  Mai  1899.  Anmeldungen  bis 
spätestens  zum  1.  13.  März  an  Geheim- 
rat Exzellenz  Prof.  Fischer  von 
Waldheim,  Kaiser!,  bot.  Garten.  Die 
Einladungen  an  die  Preisrichter  sind 
letzt  versandt  worden. 


Antwerpen.  Internationale  Aus- 
stellung vom  9. — 13.  April  1899  zur 
Feier  des  30«  jährigen  Geburtstages  von 
Anton   van  Dyck. 

Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899 
grosse  internationale  Ausstellung  der 
Ligue  horticole  L'Union  zu  Mont 
St.  Amand    bei   Gent.     Das  Programm 


ist  ausserordentlich  umfangreich,  gegen 
1000  Aufgaben. 


Dresden.  Jubiläums  -  Ausstellung 
des  Landesobstvereins  für  das  König- 
reich Sachsen  vom  14. — 19.  Oktober. 
Das  Programmm  ist  zu  beziehen: 
Gerokstrasse  45. 


Dresden.     Anfang   Mai    1900   Früh- 
jahrsausstellung der  Feronia. 


London.  Internationale  Konferenz 
über  Bastard-  und  Kreuzungs- 
pflanzen,  veranstaltet  von  der  Royal 
Horticultural  Society  am  11.  und 
12.  Juli  1899.  Anmeldung  von  Artikeln 
und  Pflanzen  an  W.  Wilks,  Secretan. 
117   Victoria  Street,    Westminster  S\V. 


Gewerbliche  Angelegenheiten. 


Sitzung  der  gärtnerischen  Kommission  des 

wirtschaftlichen  Ausschusses. 
Am    Sonnabend  den    ai.    d.   M.    trat 
unter  Vorsitz    des    Herrn    Geh.    Ober- 
regierungsrat Wer muth  im  Reichsamt 
des  Innern  eine  Kommission  zusammen. 


I  deren  Mitglieder  auf  Grund  von  Vor- 
schlägen gärtnerischer  lachvereine 
und   Korporationen,  der  gärtnerischen 

Presse  u.  a.  berufen  wurden,  um  über 
etwaige  handelspolitische  Massnahmen, 
soweit    sie    das  gärtnerische  Gewerbe 


86 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


im  deutschen  Reiche  betreffen,  in  Be- 
ratung zu  treten. 

Es  waren  erschienen  die  Herren 
Bauer,  Handelsgärtner  in  Danzig, 
Beissner,  Königl.  Garteninspektor  in 
Bonn,  Kommerzienrat  Benary-Erfurt, 
Brettschneider,  Vertreter  der  Lor- 
bergschen  Baumschule  in  Berlin,  Peter 
F  e  1 1  w  e  i  s, Handelsgärtner  in  Uerdingen, 
Hoss,  Handelsgärtner  in  Frankfurt  a.M., 
Carl  Lackner-Steglitz,  Mietzsch, 
Baumschulenbesitzer  in  Dresden, 
Möller,  Redakteur  der  Deutschen 
Gärtnerzeitung  in  Erfurt,  Müller  (in 
Firma  J.  C.  Schmidt),  Erfurt,  van  der 
S  m  i s  s  e  n-Steglitz,  Oekonomierat  S  t  o  11- 
Proskau. 

In  der  Einführungsrede  des  Herrn 
Geh.      Oberreoierungsrat      Wermuth 


proklamierte  derselbe  mit  bezug  auf 
die  Einzelheiten  der  Verhandlungen 
Amtsverschwiegenheit. 

Am  Schlüsse  der  Verhandlungen, 
welcher  um  4  Uhr  nachmittags  ein- 
trat, wurde  eine  Unterkommission  ge- 
bildet, welche  aus  acht  Herren,  und 
zwar:  Stoll  für  Obstbau,  Benary  für 
Samenbau  und  Samenhandel,  Fettweis 
für  Gemüsebau,  Hoss:  frische  Blumen 
und  Blätter,  Müller:  getrocknete 
Blumen  und  Blätter,  Mietzsch  für 
Baumschulartikel,  Carl  Lackner  für 
Topfpflanzen  und  Handelsgärtnerei, 
van  der  Smissen  für  Blumenzwiebeln 
und  Knollen,  zusammengesetzt  ist  und 
die  mit  der  weiteren  Bearbeitung  und 
Berichterstattung  in  ihren  Spezial- 
fächern beauftragt  wurde. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


F.  C.  Heinemann,  Kgl.  Hoflief., 
Erfurt.  General-Katalog  No.  208/9.  ~~ 
Wilhelm  Rückert,  Görlitz.  Saat- 
kartoffeln.—  Vilmorin,  Andrieux  & 
Cie.,  Paris.  Liste  des  nouveautes.  - 
Wilh.  Pfitzer,  Stuttgart.  Samenver- 
zeichnis. —  Gustav  Scherwitz, 
Königsberg  i.  Pr.,  landw.  Sämereien.  — 
C.  Rusteberg  &  Günther,  Zeitz, 
Prov.  Sachsen.  Saatgetreide  und  Futter- 
Sämereien.  —  Joseph  Mock,  Trier. 
Samenverzeichnis.  —  Samenkulturen 
Mechau  (Gartendirektor  F.  Wegner) 
in  Mechau,  Post  Schüttlau,  Reg.-Bez. 
Breslau.  Engros-Verzeichnis  No.  14  über 
Gemüse-,  Feld-  und  Blumensamen.  — 
Kelway  &  Son,  Langport,  Somer- 
setshire,  England.  Manual  of  Horti- 
culture  (Haupt-Preisverzeichnis  von 
Samen,  Zwiebeln  undPflanzenm.  Abb.). — 
W.Atlee,  Burpee  &  Co.,  Philadelphia, 
Burpee's  Seed  -  Annual.  Samenver- 
zeichnis (Riecherbsen.  Tomaten  etc., 
etc. m. Abb.). —  Gius  eppe Siebzehn  er, 
Florenz.  Lorbeerblätter  und  anderes 
Bindegrün.  —  Bernhard  Haubold, 
Laubegast-Dresden.  Räucherapparat.  — 
Jacob  Zopes,  Fischenich  b.  Köln  a.  Rh. 
Haupt-Preisverzeichnis  über  Gemüse-, 
Feld-,  Gras-.  Gehölz-  und  Blumen- 
Sämereien  (m.  Abb.).  —  Friedrich 
Roemer,  Quedlinburg  a.  Harz.  Preis- 
verzeichnis über  dasselbe.  —  Peter 
Smith  &  Co.,  Hamburg,  Gr.  Burstah  10. 


Haupt-Preisverzeichnis  über  dasselbe 
und  Apparate.  —  Friedrich  Spittel, 
Arnstadt  b.  Erfurt.  Desgl.  (m.  Abb.).  — 
H.  Cannell  &  Sons,  Swanley,  Kent. 
Desgl.  (m.  Abb.),  auch  Apparate.  - 
Kohlmannslehner  &  Schwenke, 
Schöneberg-Berlin.  Engros  -Preisliste 
über  dasselbe.  —Vilmorin,  Andrieux 
&  Cie.,  Paris.  Quai  de  la  Megisserie. 
Desgl.  (m.  Abb.).  —  Sam.  Lor. 
Ziemann,  Quedlinburg.  Desgl.  —  Max 
Kornacker.Wehrden  a.  Weser.  Haupt- 
Preisverzeichnis  über  dasselbe.  — 
Wilhelm  Mühle,  Temesvär.  Desgl.  — 
J.  C.  Schmidt,  Erfurt.  Auszug  aus 
dem  Hauptkatalog  (m.  Abb.).  — 
Kohlmannslehner  &  Schwenke, 
Schöneberg  -  Berlin.  Engros  -Angebot 
von  Samenneuheiten  (m.  Abb.);  die- 
selben, von  Neuheiten  (m.  Abb.); 
dieselben,  echte  Cactus-Dahlien.  — 
Peter  Smith  &  Co.,  Hamburg,  Gr. 
Burstah.  Haupt-Verzeichnis  über  Koni- 
feren, Bäume,  Sträucher  etc.  — ■  Van 
den  Blink  &  Aaij,  Brielle  (Holland). 
Gemüse  etc.  —  Harlan  P.  Kelsey, 
Boston,  Mass.  Harte  amerikanische 
Pflanzen  und  Carolina  -  Gebirgs  - 
blumen,  Galax-Blätter,  Ginseng  etc.  — 
V.  Lemoine  et  fils,  Nancy-Neuheiten 
von  Abutilon,  Fuchsien,  Pelargonium 
zonale,  Pentstemon  etc.  etc.  — 
J.  Lambert  &  Söhne,  Trier.  Haupt- 
verzeichniss  von  Samen. 


Personal-Nachrichten. 


\ 


Personal-Nachrichten. 


Beim  Krönungs-  und  Ordensfest 
haben  erhalten:  den  Stern  zum  Roten 
Adler-Orden  II.  Kl.  mit  Eichenlaub: 

Dr.  A  1 1  hott".  Wirkl.  Geh.  Ober-Reg.- 
Ratu. Ministerialdirektor  im  Ministerium 
der  geistl.  etc.  Angelegenheiten: 

Dr.  Thiel,  Wirkl.  Geh.Ober-Reg.-Rat 
u. Ministerialdirektor  im  Ministerium  für 
Land\v.(  V>  irsitzenderd. Kuratoriums  der 

kgl.  Gärtner-Lehranstalt    zu   Potsdam): 

den  Roten  Adler-Orden  III.  Kl.  mit 
der  Schleife: 

Dr.  Reinke,  Geh.  Reg.-Rat,  ordentl. 
Professor  und  Direktor  des  bot.  Gartens 
an  der  Universität  Kiel; 

den  Roten   Adler-Orden  IV.  KL: 
Dr.    Traugott  Müller,    Geh.  Reg.- 
Rat  und  vortragender  Rat  im  Ministerium 
für  Land \\     (Dezernent  für  Gartenbau); 

Dr.  Pflug,  Rechnungsrat  im  Reichs- 
Schatzamt.  Mitglied  des  Vereins  zur  Be- 
förde]  m  .     les  Gartenbaues; 
das  Allgemeine  Lhrenzeichen : 
i '.  abbe.  ( rartenarbeiter  zu  Sanssouci; 
Lauften'  rster  Gartengehilfe  im 

Schlossgarten  zu  Brühl;  Vogt,  Ober- 
gärtner in  der  Karlsau  bei  Kassel; 
/immer.  Gartenarbeiter  zu  Wilhelms- 
höhe bei  Kassel. 


Aus  Ajilass  der  Anwesenheit  S.  M. 
des  Kaisers  in  Konstantinopel  sind  ver- 
liehen: Dem  Hofgartendirektor  Adam 
Schi«  rfi  daselbst  der  Kgl.  Kronen- 
orden 4.  Kl.,  dem  Hofgärtner  Wienhold 
das  Allgemeine  Lhrenzeichen. 


Geh.  Reg.-Rat  Seh  wenden  er,  Di- 
rektor des  botanischen  Instituts  dei 
Universität  Berlin,  feiert  am  10.  Februar 
seinen  70.  Geburtstau,.  Es  werden  von 
seinenSchülern  und  Freunden  zu  diesem 
Feste    viele    Vorbereitungen    getroffen. 


Der  weltbekannte  Botaniker  J.  G. 
Baker  in  Kew  gab  seine  Stellung  am 
Kgl.  l :  im  :  a  ><  Lbsl  am  1 2.  Januar 

auf,  um  in  den  wohlverdienten  Ruhe- 
stand zu  treten.  Baker  hat  sich  auch 
um  die  Gartenbotanik  hoch  verdienl 
gemacht,  indem  er  sehr  „handliche" 
Handbücher  über  Amaryllidaceen, 
Bromeliaceen,  sowie  Uebersichten  über 
Liliaceen   etc.  etc.  schrieb. 

Johan  ring,  Rosenschulen- 

besitzer  zu  1  Htm  ach  au  in  Schlesien, 
f  am  mbei   1  sn\  im  \o.  Lebens- 

jahre.     Er    hatte    die    frühen-    Rosen- 
Kaufmanns     Rad  ig     zu 
-er  Blüte  gebracht. 


Garteninspektor  E.Ortgies  in  Kilch- 

berg  bei  Zürich,  der  3S  Jahre  lang, 
bis  zum  1.  April  1894,  im  botanischen 
Garten  zu  Zürich  tätig  war,  feiert  am 
19.  Februar  seinen  70.  Geburtstau.  Wir 
brachten  seine  Biographie  mit  Portrait 
in  Gartfl.  1894  S.  225  und  berichteten 
über  sein  50jähriges  Gärtner-Jubiläum 
daselbst  S.   168,  200,  279,  282,  312. 


Matthias  Gebhardt,  unseren  ver- 
einten Lesern  aus  früheren  Jahrgängen 
durch  mehrere  Abhandlungen  über  die 
Weltausstellung  in  Chicago  und  den 
amerikanischen  Gartenbau  bestens  be- 
kannt, ist  seit  1.  Januar  in  der  Firma 
J.  C.  Schmidt  in  Erfurt  mit  der 
Stellung  eines  Obergärtners  betraut 
worden. 

Johannes  Mahlin g,  seither  Ober- 
gärtner in  der  Hauptgärtnerei  der 
Firma  J.  C.  Schmidt  in  Erfurt,  wurde 
die  Stellung  des  erstenKorrespondenten 
bei  derselben  Firma  übertragen. 

Der  frühere  Gärtnereibesitzer,  jetzige 
Rentier  Jean  Louis  Mathieu.  Berlin, 
langjähriges  Mitglied  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  f  am 
23.  Januar  im  09.  Lebensjahre.  Der 
Verstorbene  war  der  Sohn  des  rühm- 
lichst bekannten  Louis  Mathieu. 
nach  dem  die  Mathieustrasse  benannt 
ist,  und  der  Vetter  des  Kgl.  Garten- 
baudirektors Carl  Mathieu. 


Otto  Bissmann,  <  ibstbaulehrer  in 
Gotha,  winde  vom  Herzog  zu  Sachsen- 
Koburg-Gotha  zum  Obstbau -Inspektor 

ernannt. 

Karl  Bierwitz,  Gutsgärtner  in 
Meerchin,  wurde  das  preussische  All- 
gemeine Ehrenzeichen  verliehen. 

I  lerKunstgärtnerViktor  Hägemann 
im   Kgl.  Doraänenpark  zu  Gatersleben 

,1.  Harz    f  am   31.  Dezember  1898    im 

Alter   von   76  Jahren. 


n8 


Unentgeltlich  abzugebende  Samen. 


Unentgeltlich  abzugebende  Samen. 

Njr  für  die  Mitglieder  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues. 
Meldungen   bis   zum  15.  Februar    an  das  General-Sekretariat  in  Berlin  N.,    Invalidenstrasse  42. 
Nur  die  gewünschten  Nummern  aufschreiben;  nur  einige  auswählen,  nicnt  alle; 
10-  oder  20-  event.   25-  oder  5o-Pfennig-Marke  beitiu. 

1.  Dill.  Anethum  graveolens.  48.  Antirrhinum  majus  nan.,  niedrigstes 

2.  Köll-  oder  Bohnenkraut,   einjährig.   :  Löwenmaul,  alle  Farben  gemischt. 


8. 

9- 
10. 
1 1. 
12. 
13- 
14- 

15. 
16. 

17- 

18. 
19. 
20. 

21. 

2  2. 

23- 
34- 


28. 
29. 
30- 

3i- 

32. 

33- 
34- 
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40. 

4'- 
42- 
43- 

44- 
45- 
40. 

47- 


Tomate  Ficarazzi,  früheste. 

»         Albino,   gelbfrüchtig,    neu. 
Petersilie,  gewöhnliche  Schnitt-. 
Thymian,  Sommer-  oder  franz. 
Gurken,  Japan.  Kletter-,   Formosa-. 

»  lange  Berliner  Aal-. 

Speise-Kürbis,  mehrere  Sort.,  gem. 
Zier-Kürbis,  in  guter  Mischung. 
Erbse,  Pahl-,  de  Grace,  niedrig. 

»       Gold-  oder  Wachs-. 

»       Mark-,  Klars  Riesen-Stangen-. 
Stangen-Bohnen,    Schneide-,    aller- 
grösste  Schlachtschwert-. 
Krup-Bohnen,   Flageolet-,  Victoria. 

»        »  früheneuezartschot.Brech- 
Blumenkohl,  Erfurter  grosser  früher. 
Weisskohl,  Klars  Liebling,  früh. 
Rotkohl,  früher  schwarzroter. 
Wirsing,  Berl.  mittelfrüher,  gelber. 
Rosenkohl,  hoher  vorzüglicher. 
Blätterkohl,  niedr.,  krauser  grüner. 
Kohlrabi,Wiener,  kurzl. frühe  weisse. 
Mohrrüben,  Douwicker. 

»  lange  rote  Braunschw. 

Pastinakwurzel,  lange  glatte. 
Petersilien  würz.,  kurze  dicke  Zucker. 
Sellerie,  Berl.  grosser  Knollen-. 
Salatrüben,  echte  schwarzrote  lange. 
Kopfsalat,  Rudolfs  Liebling. 
Schnitt-     oder     Stechsalat,     früher 
gelber  mooskrauser. 
Feldsalat  od.  Rabinschen,  dunkelgr., 
vollherziger,  breitbl. 
Spinat,  grossblättriger,  de  Gaudry. 
Zwiebeln,  weisse  Valencia-. 
Porree,  Ostia,  dunkelgrüner. 
Radies,  runde  KlarsZwerg-,  karmin- 
rote, früheste   kurzlaubigste   Sorte. 
Radies,  Woods  längste  rosenrote. 
Rettig,  Mai-,  golgelber  ovaler. 

»         Winter-,  weisser  Münchener. 
Aster.  Juwel- od. Ball-,  gem. alle  Färb. 

»      Komet- oder  Pudel-,  gemischt. 
Chrysanthemum-,  gemischt. 
Levkoyen.grossblum.engl.Sommer-, 

gemischt. 
»  grossblum. Riesen-Sommer-,  gem. 
Goldlack,  einf.  Pariser,  hellbraun. 
Rittersporn,  Delphinium  consolida 
cand.  fi.  pl.,  alle  Farben  gemischt. 
Balsaminen,  Impatiens  bälsamina 
ilore  pleno,  gemischt. 


49- 

50. 
51- 

52. 

53- 

54- 


tf 


- 


Lathyrus  odoratus,  Eckfords  Pracht- 
sorten gemischt. 

Mirabilis  Jalappa,    alle  Färb.   gem. 
Papaversomnifer.pl.,  alle  Färb.  gem. 
Salpigl.  var.  nan..  alle  Färb.  gem. 
Scabiosa  grandiflora,  alleFarb.gem. 
Mola  tricolor  maxima,  von  den  aus- 
gezeichnetsten   Muster-    und    Aus- 
stellungsblumen  gemischt. 
Acacia  lophanta  (Albizzia). 
Amarantus  salicifolius. 
57    Aquilegia  vulgär,  fl.  pl. 

58.  Asperula  azur.  setosa. 

59.  Bellis  perennis,  fl.  pl..  gemischt. 
Brachycome  iberidifol. 
Centaurea  nana  compacta  Victoria. 
Chelone  barbata. 
Coix  Lacrymae  aurea  zebrina. 
Convolvulus,  gemischt. 
Cosmea  bipinnata  albitlora. 

66.  Dianthus   caryophyllus    Rem.   Mar- 
garitae,  Margareten-Xelke. 

»         chinensis.  fl.  pl.,  gemischt. 
»  diadematus  plen. 

Godetia  Whitneyi,  Lady  Albemarle. 
Gypsophila  elegans. 
Helianthus  cucumerifolius  Stella. 

»  mollis. 

Heliotrcpium  hybr.  gigant.,  Riesen-. 
Heuchera  sanguinea. 
Iberis  amara  umbellata,  purpurrot. 
Lobelia  Erinus  ramosa. 
Lupinus,  gemischt. 
Myosotis  alpestris,  rob.  grandiflora. 
Nemophila  maculata,  gemischt. 
Panicum  tonsum. 

Perilla  nankin.  macr.  crispa  comp. 
Petunia  hybrida,  schöne  Färb.,  gem. 
Phlox  Drummondi,  alle  Färb.  gem. 
Portulaca  grandifl..  alle  Färb.  gem. 
Primula  veris. 

Reseda  odorata  grandifl.  Gabriele. 
Ricinus  Zanzibarensis. 
Schizanthus   grdfl.  alb.  atropurpur. 
Tagetes  erecta  nana  »Ehrenkreuz«. 
Tropaeolum  Lobbian.,  Kresse,  gem. 

»       majus  nanum  King  Theodore. 

«       Mammouth-,  gemischt. 
Wigandia  Caracasana. 
Zinniaeleg.  fl.pl.,  grandifl.plenissima. 
Capsicum    annuum,    span.   Pfeffer, 
Paprica,   Cardinal. 


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61. 
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65. 


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95- 


Gartenflora  1899. 


1459. 


MAGNOLIA  WATSONI.    j.  d.  hook. 


Magnolia  Watsoni  J.  D.  Hooker. 

f  (Hierzu  Tafel   1459. 

ir  John  Dalton   Ilooker    beschreibt    in    Botanical  Magazine    1891  t.  7157 
diese  von  ihm  an  gedachter  Stelle  neu  aufgestellte  Art    folgendermassen: 

»Ganz  glatt,  Blätter  4 — 7  Zoll  lang,  2 — 3V2  Zoll  breit,  ziemlich  kurz 
gestielt  (y2 — 1  Zoll),  länglich  oder  verkehrt- eiförmig  oder  kreisförmig  verkehrt- 
eiförmig, etwas  spitz  oder  zugespitzt,  an  der  Basis  keilförmig  oder  abgerundet, 
etwas  wabig,  oberseits  dunkelgrün,  gelb  gerandet,  unterseits  bleich,  die  jüngeren 
seidenhaarig;  Nerven  jederseits  10 — 15,  bogenförmig,  oberseits  tief  eingedrückt 
und  wie  die  Mittelrippe  gelblich;  Blumen  wohlriechend,  einzeln,  mit  den 
Blättern  gleichzeitig,  5—6  Zoll  im  Durchmesser,  Kelchblätter  länglich  oder 
linear-länglich,  sehr  konkav,  später  zurückgeschlagen,  rosa  oder  blass-purpurn; 
Blumenblätter  breit,  verkehrt-eiförmig,  sehr  konkav,  stumpf,  ungleich,  aus- 
gebreitet, rahmweisslich;  Staubgefässe  sehr  zahlreich,  V3  so  lang  wie  die 
Blumenblätter,  vielreihig,  zurückgebogen,  einen  breiten  Ring  bildend;  Staubfäden 
blutrot,  so  lang  wie  die  linearen,  stumpfen,  schmutzig-rötlichgelben  Staubbeutel; 
Fruchtknotenstand  länglich,  dick,  gestielt,  die  einzelnen,  sich  dachig  deckenden 
Fruchtknoten  lanzettlich,  zugespitzt,  aufrecht,  leicht  zurückgebogen;  Narben  linear. 

Kleiner  Baum,  Zweige  glatt,  rund,  geringelt.  Blätter  4—7  Zoll  lang, 
2 — 3V2  Zoll  breit.« 

Vergleicht  man  diese  Beschreibung  und  die  Abbildung  im  Bot.  Mag. 
t.  7157  mit  unserer  Abbildung,  so  wird  man  kleine  Unterschiede  finden,  die 
aber  nur  darauf  beruhen  ,  dass  im  Bot.  Magazine  eine  Blume  im  weiter 
aufgeblühten  Stadium,  daher  mit  zurückgebogenen  Staubfäden  und  mehr  auf- 
gesprungenen Staubbeuteln  und  entwickelten  Narben  dargestellt  ist,  wodurch 
der  Fruchtblätterstand  länglicher  und  höher  wird,  während  bei  uns  die  Blume 
eben  aufgeblüht  ist. 

J.  D.  Ilooker  bemerkt,  er  sei  zögernd  an  die  Aufstellung  einer  neuen 
Art  gegangen,  da  die  chinesischen  und  japanischen  Arten  der  Gattung  Magnolia 
unvollkommen  beschrieben  seien,  und  sagt:  Dass  es  nicht  M.  parviflora  ist,  ist 
einleuchtend  wegen  der  Grösse  der  Blumen.  Von  M.  parviflora  sah  er  ein  gut 
getrocknetes  Exemplar  und  eine  treffliche  Abbildung  in  dem  Werke  von 
Keisuke  Ito,  Professor  der  Botanik  an  der  Universität  Tokio,  in  »Figures  and 
descriptions  of  plants  in  the  Koishikawa  Botanical  Gardcns  (Tokio)«  vol.  I  t.  13 
und  diese  stimmten  vollkommen  mit  der  von  Siebold  und  Zuccarini  ge- 
gebenen Beschreibung,  die  ihr  kleine  kreisrund-verkehrt-eiförmige  zugespitzte, 
häutige  Blätter  mit  wenigen  Nerven  (6—8  Paar)  und  kleine  Blumen  mit  langem, 
schlankem  Blütenstiel  zuschreiben.   M.  Watsoni  steht  viel  näher  der  M.  hypoleuca. 

Sieb,  et  Zucc.  (Keisuke  Ito  t.  14),  welche  eine  grössere  Pflanze  darstellt 
mit  kräftigen  Zweigen,  grossen  länglichen  Blättern,  die  dicht  bereift,  unterseits 
dünn  behaart  sind  und  mehr  oder  weniger  zwei  Jahre  dauern. 


QO  855.   Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

Hook  er  benannte  die  Pflanze  zu  Ehren  des  Herrn  Watson,  Assistent- 
kurator (d.  h.  Assistent  des  Inspektors)  der  Kgl.  Gärten  zu  Kew.  der  so  manche 
Pflanze  zur  Blüte  brachte,  die  im  Bot.  Magazine  abgebildet  ist. 

Der  Strauch,  nach  welchem  Hooker  die  Art  benannte,  wurde  für  die 
Kgl.  Gärten  in  Kew  aus  demjapanischenlfof  auf  der  Pariser  Weltausstellung  1889 
gekauft  und  blühte  zuerst  im  freien  Grunde  in  Kew  im  Juni  1890.  Die  Blumen 
hatten  einen  sehr  kräftigen  Geruch  nach  Calycanthus. 

Das  Exemplar,  nach  welchem  unsere  Abbildung  angefertigt  wurde,  ist 
von  Herrn  Ökonomierat  Späth  1895  lebend  aus  Japan  eingeführt. 

Nachdem  die  Pflanzen,  welche  durch  den  Transport  etwas  gelitten  hatten, 
im  ersten  Jahre  in  Töpfen  kultiviert  waren,  wurden  sie  im  nächsten  Jahre,  aber 
ziemlich  spät,  erst  im  Juni,  ins  freie  Land  gepflanzt  und  erklärt  es  sich  dadurch, 
dass  die  Blüte,  welche  unsere  Abbildung  zeigt,  erst  am  18.  September  zum 
Aufblühen  kam.  Die  normale  Blütezeit  wird  also  wahrscheinlich  Juni  sein, 
wie  auch  Herr  Hofmarschall  v.  St.  Paul  in  Fischbach  beobachtet  hat.  Letzterer 
gab  eine  sehr  charakteristische  Beschreibung  der  Blüte  in  Gartenzeitung  1894, 
S.  386.  Die  abgebildete  Blume  hatte  11  cm  Durchmesser  und  zeichnete  sich 
besonders  durch  einen  köstlichen  Duft  aus.  Die  Kelchblätter  waren  hellrosa, 
dem  Stiele  anliegend,  die  Staubfäden  dunkelbraunrot,  die  Staubbeutel  lachs- 
farben, die  Blumenblätter  elfenbeinweiss  und  fleischig.  Xach  den  Notizen  des 
Herrn  Prof.  Koehne  sind  die  Blätter  unterseits  entschieden  grau  (bei  hypoleuca 
mehr  weisslich),  mit  feinen  Härchen  gleichmässig  bestreut,  an  der  Mittelrippe 
mit  ziemlich  langen,  sehr  feinen  Haaren  reichlich  besetzt.  L.  W. 


855.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 

am  28.  Januar  1899. 

I.  Der  Direktor  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues,  Kgl.  Gartenbau- 
direktor C.  Lackner,  bemerkte  zunächst,  dass  wegen  der  Feier  des 
Geburtstages  S.  M.  des  Kaisers  in  derlandw.  Hochschule  die  Versammlung 
vom  26.  auf  den  28.  Januar  verlegt  sei. 

IL  Zum  Andenken  der  verstorbenen  Mitglieder  Gärtnereibesitzer  Feigenspan 
in  Forst  N.  L.,  kaiserl.  russ.  Hofgärtner  a.  D.  Schulz  in  Cöln  und  Rentier 
Louis  Mathieu  in  Berlin  erhoben  sich  die  zahlreich  Erschienenen  von 
ihren  Sitzen. 

III.  Vorgeschlagen  wurden: 

1.  zum  Ehrenmitgliede  Herr  Geh.  Regierungsrat  Prof.Dr.  Schwendener, 
dem  das  Diplom  am  10.  Februar,  seinem  70.  Geburtstage,  überreicht 
werden  soll;*) 

2.  zu  wirklichen  Mitgliedern: 

1.  Herr  Th.   Lange,   Garteninspektor  der  Gärtner-Lehranstalt  zu 

Oranienburg; 

2.  »      Otto  Platz,  Gärtnereibesitzer,  Charlottenburg; 

3.  »      W.  Boeck,  Versicherungsdirektor,  Steglitz; 

4.  »      G.  Bartsch,  Obergärtner,  Berlin; 

5-      »      F.  Goe dicke,  Gärtnereibesitzer,  Seehof  bei  Teltow; 

*)  Der  Bericht  über  die  Feier  des  70.  Geburtstages  folgt  in  Heft  5. 


855.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  ((1 

6.  Herr  Freitag,  Maurermeister,  Sommerfeld; 

7.  »      Gottschall,  Ilandelsgärtner,  Seehof  bei  Teltow; 

8.  »      Rudolf  Meyer,  Rentier,  Charlottenburg; 

9.  »       C.  von  Reklam,  Major,  Berlin; 

10.  »      Dr.    Thost,    Inhaber    der     Verlagsbuchhandlung    Gebr. 

Bornträger,  Berlin; 

11.  »      P.  Kirchner,  Stadtgärtner,  Dessau. 

IV.  Auf  allgemeinen  Wunsch  wurde  sofort  die  Wahl  des  1.  Stellvertreters 
des  Direktors  vorgenommen.  Um  Irrtümer  zu  vermeiden,  wurden  alle 
Stimmberechtigten  ersucht,  aus  dem  Saale  hinauszugehen  und  beim  Wieder- 
eintritt ihren  Stimmzettel  an  den  Wahlvorstand,  die  Herren  Inspektor 
Dressler,  Garteninspektor  Echtermeyer  und  Architekt  Urban,  ab- 
zugeben. Der  Direktor  verlas  ein  Schreiben  des  Herrn  Kgl.  Garten- 
inspektors Per  ring,  in  welchem  dieser  erklärte,  dass  er  eine  etwa  auf 
ihn  fallende  Wahl  ablehnen  würde,  und  in  welchem  er  weiter  im 
Interesse  des  Vereins  die  Bitte  aussprach,  einen  Liebhaber,  in  diesem 
Falle  Herrn  Konsul  Seifert,  zu  wählen.  Von  den  112  abgegebenen 
Stimmen  fielen 

7S  auf  Herrn  Konsul  Seifert, 
31     »  »       Kgl.  Gartenbaudirektor  Hampel, 

1     »  »       Perring, 

1      »  »       Bluth, 

1      »  »       Hofgärtner  Hoffmann. 

Herr  Konsul  Seifert  ist  somit  gewählt.     Er  hatte  schriftlich  erklärt,  dass 
er,  im  Fall  die  Wahl  auf  ihn  fiele,  dieselbe  annehmen  werde. 
V.  Ausgestellte  Gegenstände    waren  sämtlich    ausser    Preisbewerb    vor- 
geführt. 

1.  Als  eine  ganz  hervorragende  Leistung  ist  eine  für  Ende  Januar 
ausserordentlich  reichhaltige  Sammlung  von  Äpfeln  und  Birnen  des 
Herrn  Kgl.  Gartenbaudirektors  Carl  Mathieu-Charlottenburg,  Ehren- 
mitglied des  Vereins,  zu  bezeichnen.  Sie  umfasste  65  Sorten  Äpfel 
und  11,  Sorten  Birnen.  Herr  Direktor  Mathieu  hob  als  besonders 
empfehlenswert  hervor:  Von  Äpfeln  Ontario,  Xorthern  Spy,  Calvill  von 
Oullins,  Winter-Rambour,  ganz  besonders  für  die  Rheingegenden  von 
Lambert  &  Reiter  in  Trier  empfohlen,  eine  belgische  Reinette  deChenee, 
den  kleinen  Api  als  Topfobst  (vielleicht  das  Pomum  Appianum  der 
Römer)  und  Elise  Rathke,  deren  Stamm  bekanntlich  einen  Trauer- 
baum bildet;  von  Birnen:  Triomphe  de  Touraine  (neu),  Chs.  Cognee, 
Olivier  de  Serres. 

Herr  Mehl  möchte  bei  den  Birnen  Six1  Iiutterbirne  (Beurre  Six)  als 
höchst  empfehlenswert  hinzugefügt  sehen,  sie  dürfte  in  Wohlgeschmack 
und  Tragbarkeit  wohl  von  keiner  anderen  übertroffen  werden;  leider 
bleibt  sie  grün,  ist  aber  glatt  und  schön  geformt.  Herr  A.  Drawiel 
bestätigt  das;  sie  habe  sich  bei  ihm  dies  Jahr  ausnahmsweise  gut 
gehalten,  ihre  Schale  sei  sehr  dünn  und  das  Fleisch  sehr  schmelzend. 
Herr  Kgl.  Garteninspektor  Weidlich  rühmt  noch,  dass  sie  im 
Borsigschen  Garten  in  Berlin  trotz  der  ungünstig-ten  Verhältnisse  immer 
rein  bleibe    und    gut    trage.     Herr  Hofgärtner   Iloffmann    bemerkt,   dass 


Q2  855.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

die  Birne  Olivier  de  Serres  sich  dies  Jahr   nicht  so  gut  halte,  im  übrigen 
ist  sie  sehr  zu  empfehlen  wegen  Fruchtbarkeit  und  Aroma. 

2.  Herr  Gartenbaudirektor  Carl  Mathieu  legte  ferner  eine  Frucht  der 
Anona  squamosa,  ein  beliebtes  tropisches  Obst,  vor,  die  sein  von  West- 
afrika zurückgekehrter  Sohn  auf  Madeira  das  Stück  zu  50  Pf.  gekauft  hatte. 

3.  Herr  Gärtnereibesitzer  G.  Marquardt-Zossen  führte  sein  neues 
Veilchen  Kaiser  Wilhelm  II.  in  mehreren  Töpfen  sowie  in  vielen 
abgeschnittenen  Exemplaren  vor,  deren  köstlicher  Duft  den  ganzen  Saal 
erfüllte.  Herr  Marquardt  berichtete:  Dieser  Sämling  ist  1896/97  aus 
vier  verschiedenen  Veilchen  gezogen,  die  Mutter  ist  Viola  canina,  das 
Hundsveilchen,  drei  andere  Sorten  wurden  mit  diesem  wilden  Hunds- 
veilchen in  drei  verschiedenen  Mistbeeten  zusammengepflanzt.  Die  Be- 
fruchtung habe  ich  nicht  besorgt,  sondern  die  Insekten.  Ganz  be- 
sonders hervorzuheben  sind  die  langen  Stiele,  die  bis  30  cm  Länge 
erreichen;  ferner  die  Grösse  der  Blumen  (sie  bedecken  mitunter  einen 
preussischen  Thaler),  die  schöne  dunkelblaue  Farbe  und  der  herrliche 
Geruch.  Allerhöchsten  Ortes  ist  ihm  die  Ermächtigung  erteilt,  dem 
Veilchen  den  Namen  S.  M.  des  Kaisers  zu  geben,  auch  sind  bereits  zwei- 
mal zum  Geburtstage  S.  M.  von  ihm  Veilchen  übersandt  worden.  Herr 
Marquardt  hat  ca.  15 — 20  000  Stück  herangezogen  und  wird  diese  Neuheit 
am   1.  April  in  den  Handel  geben. 

Herr  de  Coene:  Wenn  es  sich  um  die  Grösse  handelt,  so  ist  das 
Veilchen  von  Millet  in  Bourg-la-Reine  wohl  ebenso  gross  oder  noch  grösser. 

Herr  Inspektor  Dressler  stellt  den  Antrag,  das  Veilchen  zu  Versuchs- 
zwecken anzuschaffen,  was  stillschweigend  genehmigt  wird.  Herr  Hof- 
gärtner Hoffmann  findet  an  dem  schönen  Veilchen  nur  das  eineBedenk- 
liche,  dass  die  Stiele  etwas  schlaff  sind.  Herr  Marquardt:  Da  wir  lang- 
stielige Blumen  haben  wollen,  so  züchte  ich  hauptsächlich  darauf  hin, 
ich  fürchte,  den  Stiel  nicht  stärker  erhalten  zu  können,  denn  ich  halte  das 
Haus  auf  12 °  R.  Übrigens  haben  nur  die  Blüten  der  Ranken  schlaffe 
Stiele,  die  aus  der  Mitte  nicht.  Einer  der  vorgeführten  Töpfe  hat 
44  Blumen  incl.  der  Knospen.     Auch  die  kleinsten  Spitzen  blühen. 

Herr  Garteninspektor  Lindemuth:  Nach  Herrn  Marquardt  soll  Viola 
canina  die  Mutter  gewesen  sein.  Die  ist  aber  geruchlos  und  viel  heller. 
Da  nun  die  Neuheit  dunkelblaue  Blumen  und  sehr  schönen  Geruch  hat,  so 
muss  der  Vater  durchschlagend  gewesen.  Ähnliches  habe  ich  selber  früher 
'bei  Begonienkreuzungen  gefunden,  wo  die  Nachkommen  ebenfalls  mehr 
dem  Vater  als  der  Mutter  glichen. 

Herr  Direktor  Lackner:  Auch  bei  Rhododendronkreuzungen  ist  der 
Vater  immer  ausschlaggebender  als  die  Mutter. 

Herr  Dietze:  Ich  kann  mir  nicht  denken,  dass  die  Blumen  bei  12  °  R. 
getrieben  sind,  dazu  ist  die  Farbe  zu  dunkel. 

Herr  Marquardt:  Es  sind  gegen  12  °  und  ich  treibe  zugleich  Kaiserin 
Auguste  Victoria,  die  muss  ich  so  warm  halten.  Bei  Sonnenschein  gebe 
ich  mittags  natürlich  Luft. 

Herr  Dietze:  Wenn  man  abends  und  über  Nacht  wollte  12  °  behalten, 
so  würden  die  Stiele  zu  schlaff  werden,  bei  8 — 9  Grad  würden  sie 
straffer  bleiben. 


855.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  qo 

4.  Herr  Kgl.  Hofmarschall  v.  St.  Paul,  Ehrenmitglied  des  Vereins 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues,  übersandte  eine  Ranke  von  Lapageria 
rosea  mit  folgendem  Schreiben:  »Diese  Ranke  ist  von  derselben  Pflanze, 
von  welcher  ich  früher  eine  Ranke  sandte,  welche  1898  in  Heft  4  S.  101 
der  »Gartenflora«  abgebildet  ist.  Wer  sich  für  diese  Pflanze  interessiert 
—  und  ich  hoffe,  ihre  Liebhaber  werden  sich  stets  mehren  —  kann  daraus 
ersehen,  dass  bei  verständiger  Kultur  aus  den  Blattachseln  nicht  einzelne 
Blüten,  sondern  Blütenstände  mit  3 — 5  und  mehr  Blüten  hervorbrechen. 
Ein  solches  Stück  Ranke  in  voller  Blüte  ist  ein  fertiger  Strauss  für  sich 
und  hält  sich  14  Tage  bis  3  Wochen  in  einer  Vase.  Sie  blühte  hier  gerade 
um  die  Weihnachtszeit  und  wollte  ich  das  Prachtstück  nicht  dem 
damaligen  Postpacket-Trubel  anvertrauen,  sonst  hätte  ich  sie  Ihnen  mit 
Blüten  gesandt.« 

L.  Wittmack  bemerkte,  in  Gartenflora  1876  p.  9  nehme  ein  Herr  E.  M. 
(wohl  E.Mayer,  Garteninspektor  in  Karlsruhe)  an,  dass  vonLapageria  ver- 
schiedene Varietäten  existieren  müssten,  seine  Exemplare  hätten  immer 
nur  1  Blume  im  Blattwinkel  erzielt,  anderswo  habe  er  viel  mehr  Blumen 
gesehen.  An  seiner  Kultur  habe  es  nicht  gelegen,  denn  nachdem  er  sich 
die  reichblühende  Varietät  verschafft,  habe  diese  unter  denselben  Ver- 
hältnissen auch  reich  geblüht.  Herr  de  Coene  meint,  es  läge  doch  an 
der  Kultur,  die  Blätter  werden  bei  guter  Kultur  auch  viel  grösser.  Herr 
Direktor  Lackner:  Man  hat  allerdings  verschiedene  Varietäten,  aber  bei 
guter  Kultur  blühen  sie  alle  reich.  Ganz  besonders  schön  war  der 
Flor  im  Frankfurter  Palmengarten  im  letzten  Herbst,  Herr  Hofgärtner 
Hoff  mann:  Ausgepflanzt  blüht  L.  viel  besser  als  im  Topf;  meist  wird 
sie  zu  warm  gehalten  und  dann  leicht  von  der  Spinne  befallen.  Die 
Temperatur  sei  nicht  zu  hoch,  aber  gleichmässig. 

5.  Herren  Spielberg  &  de  Coene  führten  eine  Vriesea  hybr. 
Leodiense*)  vor,  die  auffallenderweise  statt  einer  einzigen  Ähre,  deren 
mehrere  gebildet  hatte,  sodass  der  Blütenstand  eine  Rispe  darstellte. 
L.  Wittmack  wies  darauf  hin,  dass  bei  Vrieseen  das  öfter  vorkäme 
und  er  schon  früher  darauf  hingewiesen  habe,  dass  die  Einteilung  der 
Vriesea-Arten  nach  dem  Blütenstande  mitunter  irreführe. 

6.  L.  Wittmack  legte  Champignonbrut  aus  Sporen  gezogen,  sogen, 
sterilisierte  Brut,  aus  dem  Institut  Pasteur-Paris  vor,  die  ihm  Herr 
Kritter,  Spezialist  für  Champignonkultur,  Berlin  X.,  Treskowstrasse  35, 
freundlichst  überlassen  hatte.  Man  zieht  im  Institut  Pasteur  aus  den 
Sporen  der  besten  Champignons  das  Mycel  in  wahrscheinlich  sterilisiertem 
Pferdedünger  in  Form  von  Halbcylindern,  sogenannten  Cartouchen  und 
von  da  weiter  in  gewöhnlichen  Fladen  (galettes).  Herr  Amelung,  Ober- 
gärtner am  Joachimsthalschen  Gymnasium,  zieht  auch  die  Brut  aus  Sporen 
und  Herr  Kritter  bemerkte  dem  Vortragenden,  dass  Herr  Amelung  in 
Gartenflora  d.  J.  Xo.  1  S.  11  die  Entwicklung  sehr  richtig  geschildert 
habe.  Erst  bilde  sich  eine  feine  Haut  und  nachher  erst  die  sichtbaren, 
stärkeren   Fäden. 


*)   Y.   Leodiensis    Hort    Leodiensis  l  l.eodium^Lüttich  t  ist    ein  Rustard    von    V.  Morre- 

niana  )<  Barilletti     üartrl.     1893     S.     340  und     ähnlich     dem  umgekehrten    Bastard,    der    als 

V.   Wmmackiana  Kittel   in   Gartrl.    1888  t.  12NH   abgebildet  ist.  Vergl.  Mez   in  Suites  au  Prodro- 
mus  IX  567. 


Q/l  855.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

Herr  Amelung:  Schon  vor  drei  Jahren  habe  ich  im  Blumen-  und 
Gemüseausschuss  darüber  gesprochen,  wie  wichtig  es  sei,  die  Brut  aus 
Sporen  zu  ziehen,  da  man  dann  gute  Rassen  erhalten  kann.  Ich  habe  in 
einer  grossen  Berliner  Champignonzüchterei  die  Brut  aus  dem  Institut 
Pasteur  mit  gutem  Erfolge  verwenden  sehen,  sie  ist  nur  sehr  teuer,  eine 
Cartouche  kostet  80  Pf.,  und  man  braucht  zum  Belegen  von  1  qm  für 
2  M.  Brut,  von  deutscher  Brut  nur  für  75  Pf.  Jedenfalls  sollte  man  aber 
in  Deutschland  es  ähnlich  machen  wie  in  Paris. 

7.  Herr  Goedecke  zu  Seehof  bei  Gross-Lichterfelde  führte  zum 
dritten  Mal  herrliche  Rosen  vor,  um  zu  beweisen,  dass  er  so  gut  wie 
im  Oktober,  November  und  Dezember  auch  im  Januar  Rosen  liefern  könne. 
Dass  es  mit  dem  Frei-Auspflanzen  der  Rosen  in  den  Häusern  bei  uns 
gehen  müsse,  sei  dadurch  bewiesen,  dass  es  selbst  in  Dänemark  gehe. 
Dort  haben  sich  Gärtner  zusammengethan.  ein  Haus  erbaut  und  darin 
Rosen  getrieben,  um  der  Regierung  zu  zeigen,  dass  sie  selbst  Rosen 
liefern  können.  Infolge  dessen  ist  jetzt  ein  sehr  hoher  Schutzzoll  von 
2  Kronen  =  2,25  M.  auf  1  kg  in  Dänemark  eingeführte  Rosen  gelegt. 

Herr  Hofgärtner  Hoffmann,  der  sich  die  Kulturen  des  Herrn  Goedecke 
angesehen,  erklärte  dessen  Bestreben  als  ein  ausserordentlich  anerkennens- 
wertes. Es  sei  doch  etwas  anderes,  ob  man  an  einer  Rose  im  Topf 
4 — 6  Blumen  oder  an  einer  Rose  im  freien  Beete  15 — 20  Blumen  ziehe. 
Dazu  komme  noch  ganz  wie  bei  den  Rosen,  die  man  einst  in  Russland 
bewunderte,  eine  gute  Kultur  und  ein  herrliches  Farbenspiel.  Er  habe 
einige  der  Goedecke'schen  Rosen  14  Tage  im  Zimmer  gehabt  und 
sie  hätten  kaum  etwas  von  ihrer  Farbe  eingebüsst. 

8.  L.  Wittmack  legte  einen  aufgesprungenen  $  Zapfen  von  Dioon 
edule  vor,  der  sich  durch  lockig  wollige  Behaarung  an  den  Spitzen 
der  Schuppen  auf  deren  Aussenseite  von  den  normalen  Zapfen  unter- 
scheidet und  den  er  var.  lanuginosum  nennt. 

VI.  Hierauf  hielt  Herr  Kgl.  Gartenbaudirektor  Carl  Hampel  einen  mit 
grossem  Beifall  aufgenommenen  Vortrag  über  die  Verschönerung  der 
Städte,  in  welchem  er  den  von  Herrn  Prof.  Begas  im  vorigen  Jahr  im 
Lokalanzeiger  ausgesprochenen  Tadel,  dass  man  bei  uns  Denkmäler  und 
Fassaden  durch  Bäume  verdecke,  zu  widerlegen  versuchte.  Der  Vortrag 
wird  besonders  abgedruckt  werden.  Nur  der  Teil,  der  sich  auf  die 
Prachtstrasse  in  Steglitz  und  die  Köpenicker  Landstrasse  bezieht,  und  die 
Diskussion  seien  hier  kurz  wiedergegeben. 

Herr  Hampel  tadelt  die  Art  der  Baumpflanzung  in  der  Pracht- 
strasse. Erst  kommt  zu  beiden  Seiten  ein  übermässig  breiter  Bürger- 
steig, dann  jederseits  am  Rande  desselben  eine  Baumreihe,  darauf  ein 
Absatz  (eine  Bordschwelle)  und  dann  jederseits  ein  Geleise  für  die 
elektrische  Bahn,  dann  wieder  je  eine  Reihe  Bäume,  darauf  wieder  ein 
Absatz  und  dann  der  Fahrdamm  in  der  Mitte.  Die  beiden  Absätze 
werden  im  Winter  bei  Schnee  und  Glatteis  Manchen  zu  Fall  bringen,  die 
Droschken  und  Privatwagen  können  nicht  vor  dem  Bürgersteige  halten, 
weil  die  elektrische  Bahn  dazwischen  liegt,  und  beim  Umzüge  werden 
den  Bewohnern  dadurch  viel  Unannehmlichkeiten  erwachsen.  Vor  allem 
beschatten  aber  die  vier  Baumreihen  mehr  die  elektrische  Bahn    als  den 


855.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 


Bürgersteig  und  die  Bäume  werden  in  wenigen  Jahren  unten  immer  aus- 
geputzt werden  müssen,  da  für  die  elektrische  Bahn  bis  5  m  über  dem 
Boden  die  Aste  störend  sind.  —  Auch  auf  der  Köpenicker  Landstrasse 
hat  man  das  eine  Gleis  der  elektrischen  Bahn  zwischen  die  Baumreihen 
gelegt  und  musste  die   Bäume  5   m   hoch  aufstutzen. 

Herr   Direktor  Lackner    bedauerte  auch,    dass  oft  da,    wo   allein    dei 
Gärtner  sprechen  sollte,    nur  der  Architekt  zu  sprechen  habe;    bezügli«  h 
der  Prachtstrasse  aber  müsse  er  sagen,  dass  die  jetzige  Lösung  die  bi 
sei.     Wäre  die  elektrische  Bahn  in  die  Mitte  des  Fahrdammes  gelegt,    so 
würden  die  anderen  Wagen  stets  in  Gefahr  kommen. 

Herr  Perring  schliesst  sich  betreffs  der  Prachtstrasse  Herrn  Lackner 
an,  nur  sei  der  Fahrdamm  zu  schmal,  vielleicht  weil  man  an  Asphalt 
habe  sparen  wollen.     Die  billigeren  Bürgersteige  seien  zu  breit. 

Herr  Amts  Vorsteher  a.  D.  Martin  Hoffm  an  n  -Treptow  bemerkt,  da>s 
viel  mehr  Leute  eine  elektrische  Bahn  benutzen  als  eine  Droschke,  es  sei 
daher  gut  gewesen,  die  elektrische  Bahn  dicht  an  den  Bürgersteig  zu 
legen.  —  Auf  der  Köpenicker  Landstrasse  habe  man  nur  aus  Xot  das 
eine  Gleis  zwischen  die  Baumreihen  gelegt,  da  der  Damm  nur  12  m 
breit  war.  Es  sei  zweckmässig,  bei  elektrischen  und  Kleinbahnen  die  Geleise 
ganz  vom  anderen  Fuhrwerksverkehr  zu  trennen.  --In  Bezug  auf  die 
technische  Hochschule  müsse  er  Herrn  Prof.  Begas  Recht  geben,  sie  sei 
zu  sehr  durch  Bäume  verdeckt.  Vor  dem  Museum  sind  die  Vorpflanzungen 
jetzt    auch    zu  hoch   geworden,    doch    im  allgemeinen    muss    man    sagen. 

-  Umpflanzungen,  wie  alle  Umrahmungen,  den  Wert  eines  Kunstwerkes 
erhöhen.  —  Bei  Anlage  von  Plätzen,  wie  in  Schöneberg,  müssen  oft  so  viel 
Privatinteressen  mit  in  Berücksichtigung  gezogen  werden,  dass  sich  nicht 
immer  vom  idealen  Standpunkt  aus  verfahren  lässt.  Bei  Verkehrswegen 
über  einen  Platz  dürfte  die  Diagonale,  trotzdem  sie  nicht  schön,  immer 
die  zweckmässigste  sein. 

Herr  Hofgärtner  Martin  Hoffmann  trat  für  die  Gleichberechtigung, 
der  Gartenkunst- mit  der  Baukunst  und  den  anderen  Künsten  ein.  Ein 
Dozent  an  der  früheren  Bauakademie  habe  ihm  gegenüber  einst  selbst 
das  Bedauern  ausgesprochen,  dass  aus  Mangel  an  Zeit  den  Baubeflissenen 
kein  Unterricht  in  landschaftsgärtnerischen  Darstellungen  gegeben  werden 
könne.  Da  dies  nicht  geschehen  kann,  so  hat  sich  eben  als  ein  besonderer 
Zweig  der  Kunst  die  Landschaftsgärtnerei  entwickelt.  -  Gerade  eine 
grüne  Umrahmung  belebt  die  Städte. 

Herr  Brodersen:  Als  die  technische  Hochschule  fertig  war.  hat  es 
an  Bemühungen,  die  Bäume  zu  entfernen,  nicht  gefehlt.  Wie  man  erzählt, 
hat  man  die  Erlaubnis  Sr.  Majestät  des  hochseligen  Kaisers  Wilhelm  I.. 
der  sich  die  Bäume  ansah,  u.  a.  dadurch  zu  erlangen  gesucht,  dass  einer 
der  Räte  sagte,  die  Bäume  seien  doch  schon  recht  alt.  Da  aber  habe 
der  Kaiser  geantwortet:  dann  mögen  sie  auch  stehen  bleiben,  bis  sie  von 
selber  sterben. 

Herr  Hampel:  Professor  Begas  ist  eben  im  Irrtum,  wenn  er  meint, 
dass  die  Gärtner  schuld  daran  seien,  wenn  die  Bäume  vor  der  technischen 
Hochschule  stehen.  Ähnlich  ist  es  in  manchen  Fällen,  wo  die  Krone 
mitzureden  hat.     Der  hochselige   Kaiser  Wilhelm  I.  war   bekanntlich    ein 


96_ 


Riesen-Eichen. 


grosser  Verehrer  älterer  Bäume.  Man  denke  nur  an  die  dicke  Pappel  in 
der  Potsdamerstrasse.  Was  das  Museum  betrifft,  so  ist  es  richtig,  dass, 
wenn  man  von  der  Schlossbrücke  kommt,  man  das  Museum  nicht  sofort 
sieht,  weil  die  vielen  Bäume  davor  stehen.  Das  Museum  soll  aber  doch 
vorzugsweise  vom  Schloss  aus  gesehen  werden  und  von  dort  aus  ist  die 
Einrahmung  nicht  störend.  Indes  dies  würde  eins  derjenigen  Gebäude 
sein,  von  denen  ich  in  meinem  Vortrage  sagte,  dass  man  Bäume  fehlen 
lassen  muss.  Bei  alten  Baumpflanzungen  hat  sich  das  Publikum  aber 
schon  so  daran  gewöhnt,  dass  eine  Entfernung  schwer  ist.  Vor  der 
Thomaskirche  wurden  die  Bäume  fortgenommen,  weil  sie  den  Blick  auf 
die  Kirche  von  der  Köpenickerstrasse  aus  störten;  jetzt  verlangen  die 
Umwohner,  dass  wieder  Bäume  geflanzt  werden.  Bei  Anlage  von  Plätzen 
sollen  auch  die  Privatinteressen  berücksichtigt  werden,  aber  die  all- 
gemeinen müssen  vorgehen.  In  Stadtgegenden,  wo  der  Grund  und  Boden 
teuer  ist,  wird  man  nicht  so  ausgiebige  Plätze  anlegen  können,  anderer- 
seits ist  aber  nicht  zu  vergessen,  dass  durch  die  Plätze  die  Grundstücke 
wieder  wertvoller  werden. 
VII.  Herr  Kohlmannslehner  lud  zur  Versammlung  deutscher  Dahlienzüchter 
am  29.  Januar  ein. 
VIII.  Der  Vereinsdirektor  teilt  hierauf  mit,  dass  der  Vorstand  beschlossen 
habe,  den  Ordnern  und  einigen  anderen  Männern,  welche  sich  um  die 
Jubiläums-Ausstellung  besonders  verdient  gemacht  haben,  eine  Anerkennung 
zu  verleihen.  Es  besteht  diese  in  einer  grossen  Reliefmedaille  aus  echter 
Bronze  in  einem  Holz-Rahmen,  der  den  Xamen  des  Besitzers  trägt.  Die 
Medaille  ist  angefertigt  nach  dem  Modell  des  Prof.  Schley  von  unserem 
Mitgliede  Otto  Schultz,  Naunynstrasse  19. 
IX.  Aufgenommen  wurden  als  wirkliche  Mitglieder  die  in  der  letzten  Ver- 
sammlung Vorgeschlagenen.  (Siehe  Gartenfl.  Heft  2  S.  34.) 
Carl  Lack n er.  L.  Wittmac k. 


Riesen-Eichen. 

(Hierzu    Abbildung     17  —  20.) 
,ede  und  einsam  erscheint    im  Winter    die  Xatur,  wenn   sie  ihren   Blätter- 
-   schmuck  verloren  und  Bäume  und  Sträucher  ihre  kahlen  Zweige  gegen  den 
Himmel  strecken. 

Um  so  interessanter  ist  es  aber,  dann  Beobachtungen  anzustellen  über  den 
Aufbau  von  Wäldern  und  die  in  diesen  vorkommenden  Eigentümlichkeiten, 
betreffend  die  Gestalt  mancher  Baumriesen. 

Der  Verfasser  führt  den  Leser  dieser  geschätzten  Zeitschrift  in  die  Um- 
gegend Dessaus,  der  Hauptstadt  Anhalts,  und  werden  noch  Manchem,  gelegent- 
lich der  dendrologischen  Versammlung  in  Wörlitz,  die  Schöpfungen  der  gross- 
artigen Parkanlagen  in  Wörlitz,  Oranienbaum  sowie  vieler  anderer  Orte,  die 
wegen  ihrer  schönen  Lage  zu  anziehenden  Aufenthaltsorten  im  Sommer  um- 
gewandelt und  die  die  Residenz  selbst  förmlich  wie  ein  grosser  Garten 
einschliessenden  Anlagen    in    Erinnerung    sein.     Lange    sind    die    Schaffer    zur 


Riesen-Eichen. 


«>7 


ewigen  Ruhe  eingegangen,  jedoch  die  grossen  Bäume,  unter  ihnen  die  knorrigen 
Eichen,  die  in  einigen  bemerkenswerten  Formen  in  laubtreiem  und  in 
belaubtem  Zustande  zur  bildlichen  Darstellung  gelangen,  mögen  anzeigen,  wie 
manches  Jahr  über  ihren  Häuptern  dahingegangen  und  sie  dennoch  zum  Teil 
prächtige  belaubte  Kronen  zur  Schau  bringen. 

Einer  der  ältesten  dieser  Baumriesen  ist  wohl  die  »Franzosen-Eiche«, 
die  an  dem  früheren  Knüppeldamm*  jetzt  Fahrweg  zwischen  zwei  weit  aus- 
einander liegenden  Forsthäusern  Hohe  Strasse«  und  »Speckinge«,  steht  und 
ihre  weit  ausgebreiteten  Aste  gegen  den  Himmel  streckt.  In  diesem  früheren 
leuchten  Gelände  mag  sie  wohl  durch  den  Bau  der  Strasse  gelitten    haben,  so 


Abb.   17.     Eiche  im  Luisium  bei  Dessau,  unbelaubt. 


dass  sie  jetzt  nur  noch  mit  den  ihr  belassenen  trockenen  Zweigen  düster  dasteht, 
und  als  ein  Wahrzeichen  vergangener  Zeiten  in  Ehren  gehalten  wird.  Als 
besonders  erwähnenswert  sei,  dass  nach  der  Schlacht  bei  Leipzig  1S13  flüchtende 
Franzosen  in  dem  hohlen  Stamm  Unterkommen  gefunden  und  sich  längere  Zeit 
dort  verborgen  gehalten  hatten.  Sie  misst  ungefähr  1  m  über  dem  Erdboden, 
trotz  der  schon  auf  einer  Seite  abgewetterten  Rinde  3,80  im  Umfang. 

In  einem  anderen  Forstrevier,    »zum  Sieglitzer  Berg",    ist  ein  den  Namen 

I'teifen-Eiche«  tragendes  Exemplar  zu  erwähnen,  da  dieses  in  seinen  unteren 

Zweigpartien    eine    die  Form  einer  Riesenpfeife  darstellende   Verwachsung  hat. 

Es  ist  diese  Bildung  nicht  auf  künstlichem  Wege    hervorgerufen,    sondern  sich 

im  Anfang  scheuernde  Zweige  sollen    durch  Aneinandcrwachsen    dieses  Xatur- 


q8_ 


Riesen-Eichen. 


gebilde  hervorgerufen  haben.  Durch  die  Reihe  der  Jahre  sind  die  schwächeren 
Astpartien  abgebrochen,  sodass  ein  fast  50  cm  umfassender  Ast  das  scheinbare' 
Pfeifenrohr  bildet.  Der  Umfang  des  Stammes  1  m  über  dem  Erdboden  beträgt 
4,20  m. 

Viele  prächtige  Eichen  bergen  die  ausgedehnten  Forsten  und  Parkanlagen 
in  und  um  Dessau,  so  dass  man  noch  manches  prächtigen  Exemplares  gedenken 
könnte,  jedoch  sei  hier  nur  noch  ihres  stattlichen  Baues  und  Grösse  wegen  zweier 
Bäume  Erwähnung  gethan.  und  zwar  eines  im  herzoglichen  Garten  Luisium 
stehenden  sehr  grossen  Baumes,  der  wegen  seiner  Höhe  und  seines  sich  kaum 
3  m  über  dem  Erdboden  teilenden  Stammes  bemerkenswert  ist.     Die  sechs  von 


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3>x 

Abb.   18.     Eiche  im  Luisium  bei  Dessau,   belaubt. 


der  Teilung  ausgehenden  Äste  haben  an  ihrer  Basis  einen  Umfang  von  1  bis 
1,50  m.  Leider  ist  schon  einer  der  gewaltigen  Zweige  einem  heftigen  Wirbel- 
winde unterlegen  und  2  m  über  der  Basis  abgebrochen.  Der  Stamm  hat  1  m 
über  dem  Erdboden  einen  Umfang  von  6,20  m. 

Lange  nicht  so  hoch  und  alt  ist  eine  im  Tiergarten  stehende  Eiche,  die 
wegen  Ihres  schönen  Baues,  der  weniger  hochgehenden,  aber  sehr  breiten 
Krone  den  Namen  »schöne  Eiche«  führt  und  einen  Stammumfang  von  2,50  m  hat. 

Alle  hier  aufgeführten  Eichen  gehören  sämtlich  der  grösseren  Abteilung 
der  Stiel-Eichen,  Ouercus  pedunculata,  an. 

Dessau.  •  P.  Kirchner. 


Die  Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Champignonzucht. 


99 


Die  Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Champignonzucht.*) 

f 


lu-r  drei  Jahre  sind  verflossen,  seit  ich  im  Jahre    i  s < > 5   V>.   1    Seite    14  der 
Gartenflora    eine    Anregung    zur    Champignonzucht    gab     und    dabei    die 
Frage  stellte,  ob  es  in  Deutschland  möglich  sei.  eine  Champignonzucht  rentabel 

zu  gestalten. 

Wenn   ich  mir  nun  heute  erlaube,  die  Spalten  der  Gartenflora   ein   v 
in  Anspruch  zu  nehmen,  so  geschiehl   es  deshalb,   1.  um  klarzustellen,  wie  sich 
die  seiner  Zeit  von  mir  empfohlene    Methode,    Champignons   in   leeren  Cement- 
fässern,  und  zwar  in  Räumen  ohne  Heizung,  zu  züchten,  bewährt  hat;  3.  möchte 
ich  einen  kurzen  Überblick  geben,  welchen  Aufschwung  die  Champignonzucht 


Abb.    K).     Eiche   im  Tiergarten  bei   Dessau,  unbelaubt. 

in  Deutschland  seit  meiner  Anregung  genommen  hat;  3.  will  ich  versuchen, 
darzustellen,  wie  in  Zukunft  die  Champignonzucht  gefördert  und  zum  Allgemeingut 
der  Deutschen  gemacht  werden  kann. 

Obwohl  ich  mich  nunmehr  seit  iS  Jahren  mit  der  Champignonzucht  be- 
schäftige, wozu  ich  durch  den  Umstand  angeregt  wurde,  dass  ich  schon  als 
Kind  Gelegenheit  hatte,  auf  einer  von  der  braunschweigischen  Kammer  seiner 
Zeit  angelegten  Rieselwiese,  welche  vormals  Jahrzehnte  hindurch  Viehtrift  war, 
viele  Jahre  hindurch  von  Anfang  September  bis  Ende  Oktober  die  schönsten 
Champignons  zu  suchen,  so  waren  mir  doch  bis  vor  einem  Jahrzehnt  die  inneren 
Vorgänge  in  einem  künstlich  angelegten  Champignonbeete   noch    recht  unklar. 


*)  Vergl.  auch  den  Aufsatz  des  Verfassers:  „Ein  Beitrag  zur  Keimung  von  Champignon- 
sporen-', Gartenrlora   i8<io  Heft   1   S.    1  1   und  Heft    |   S.  u.\     D.   Red. 


100 


Die  Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Champignonzucht. 


Um  über  diese  Unklarheit  hinwegzukommen,  legte  ich  Beete  in  auseinander- 
nehmbaren Kästen  und  schliesslich  in  Fässern  an,  so  dass  ich  alle  Stadien 
der  Entwicklung  genau  beobachten  konnte;  zugleich  lernte  ich  auch  bei  Ver- 
wendung verschiedener  Dünger  diejenigen  kennen,  welche  auf  eine  reiche 
Entwicklung  von  Pilzen  Einfluss  hatten. 

Waren  die  ersten  Fässer,  welche  ich  benutzte,  nur  Versuchszwecken  ge- 
widmet, so  habe  ich  später,  bei  Verwendung  einiger  Dutzend  Fässer,  doch  meine 
Rechnung  gefunden,  so  dass  ich  diese  Methode  der  Öffentlichkeit  übergab  mit 
dem  Bewusstsein,  dass  sie  dem  Privatmann  nützen  könnte,  denn  als  Wett- 
bewerb für  den  rationellen  Züchter  konnte  sie  nicht  in  Betracht  kommen. 
Ziehe  ich  nun  die  Resultate,  wie  sie  mir  aus  den  verschiedenen  Teilen 
Deutschlands  sowohl  wie  vom  Auslande  vorliegen,  zusammen,  so  ergiebt 
sich,      dass     sich     die      Fasskultur      im      Privat  gebrauch      als      handlich 


v». -,                                           Rfc> 

... 

Abb    20.     Eiche   im  Tiergarten  bei  Dessau,   belaubt. 

und  reinlich  bewährt  hat.  Während  die  Tragfähigkeit  in  trockenen 
Räumen  etwa  14  Tage  betrug,  erhöhte  sich  selbige  in  Räumen,  welche  fast 
immer  etwas  Grundwasser  hatten,  aber  durch  indirekt  zugeführte  Wärme  auf 
durchschnittlich  io°  R.  gehalten  werden  konnten,  auf  4  Wochen. 

Ich  selbst  benutze  die  Fässer  z.  Z.  nur  noch  zu  Versuchszwecken,  da 
ich  für  die  rationelle  Zucht  jetzt  einen  trockenen  Keller  habe;  im  übrigen 
übertrage  ich  die  bei  der  Fasskultur  gesammelten  Erfahrungen  auf  die  Frei- 
beetkultur. 

Recht  erfreut  bin  ich,  dass  meine  Anregung  und  Bekanntgabe  einer  ver- 
einfachten Kulturanweisung  dazu  beigetragen  hat,  dass  die  künstliche  Champignon- 
zucht in  Deutschland  seit  einigen  Jahren  im  Aufschwung  begriffen  ist.  Nicht 
bloss  beschäftigen  sich  die  Privatgärtnereien  wieder  mehr  als  vor  Jahren  damit, 
zum  eigenen  Gebrauch  der  geernteten  Pilze,  sondern  auch  viele  grössere 
Handelsgärtnereien,  ja  selbst    rein    landwirtschaftliche    Betriebe    haben    sie  als 


I>ie  Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Champignonzucht.  101 


Nebenzweig  ins  Auge  gefasst.  Jedenfalls  trägt  hierzu  auch  der  Umstand  bei, 
dass  viele  Landwirt''  durch  Lieferung  anderer  Produkte  mit  den  Delikatessen- 
geschäften und  Konsumenten  der  grösseren  Städte  durch  unsere  vorzüglichen 
Verkehrsmittel  im  regen  Geschäftsverkehr  stehen  und  auf  diese  Weise  erfahren. 
dass  die  Nachfrage  inbezug  auf  die  Champignons  grösser  ist  als  das  Angebot. 
Ein  gutes  Zeichen  des  Emporblühens  der  Champignonzucht  in  Deutschland 
möchte  ich  auch  noch  in  dem  Umstände  erkennen,  dass  sich  mit  der 
Grosskultur  nicht  mehr  so  viel  Laien  beschäftigen,  sondern  Fachleute, 
die  schon  ein  gut  Teil  Erfahrung  mit  ins  Geschäft  bringen. 
Aber  nicht  nur  der  deutsche  Züchter  hat  erkannt,  dass  die  Kultur  des 
(,'hampignons  unter  gewissen  Umständen  lohnend  ist,  auch  der  Konsument 
besonders  in  Berlin,  schätzt  die  frische,  feste  deutsche  Ware,  welche 
auf  den  Markt  gebracht  wird,  sodass  die  Einfuhr  frischer  Champignons  aus 
Frankreich  sehr  nachgelassen  hat. 

Ich  komme  nun  zu  dem  dritten  Punkt  meiner  heutigen  Betrachtung: 
Wie  kann  in  Zukunft  die  deutsche  Champignonzucht  gefördert  werden? 

Infolge  der  Regsamkeit,  welche  hier  in  den  letzten  Jahren  auf  dem  Gebiete 
der  Champignonzucht  zu  verzeichnen  ist,  hat  sich  auch  die  Fachliteratur  ge- 
hoben. Einige  ältere  Werke  über  Champignonzucht  haben  neue  Auflagen 
erfahren,  einige  sind  auf  Grund  praktischer  Erfahrungen  entstanden.  Wenn 
nun  auch  in  diesen  Werken  die  Champignonzucht  im  allgemeinen  behandelt 
wird,  so  befassen  sich  die  Autoren  doch  vorwiegend  mit  der  Treiberei,  d.  h. 
Gewinnung  des  Champignons  zu  einer  Zeit,  wo  es  im  Freien  keine  giebt.  Die 
in  Deutschland  in  bedeckten  resp.  heizbaren  Räumen  gezogenen  Champignons 
werden  vorwiegend  frisch  verbraucht,  deswegen  wäre  zu  wünschen,  dass  man 
sich  an  geeigneten  Orten  in  Zukunft  mehr  mit  der  Zucht  des  Freiland- 
Champignons  beschäftigen  möchte.  Einerseits  deshalb,  um  die  auf  diese  Weise 
gewonnenen  Pilze  zu  Konservenzwecken  in  Massen  zu  verwenden,  wodurch 
die  sehr  rege  Einfuhr  von  Konserven  aus  Frankreich  abgeschwächt  würde, 
anderseits  aber,  um  auch  die  geringwertigeren  Pilze,  welche  man  auf  den 
Märkten  sieht,  zurückzudrängen.  Ich  meine,  es  sei  ebensogut  möglich,  in 
Deutschland  den  Champignon  zum  Allgemeingut  der  Volksernährung  zu 
machen,  wie  man  neuerdings  den  Seelisch  durch  geeignete  Massnahmen  der 
ärmeren  Bevölkerung  zugänglich  gemacht  hat.  Die  Frage,  auf  welche  Weise 
der  Freiland-Champignon  in  Massen  gezüchtet  werden  könnte,  möchte  ich  auf 
Grund  meiner  Beobachtungen  und  Versuche  folgendermassen  zu  beantworten 
suchen. 

Der  Champignon  ist  ein  Pilz,  der  mit  Vorliebe  in  tierischen  Excrementen 
gedeiht,  deshalb  finden  wir  ihn  auch  an  solchen  Stellen  im  Freien  wildwachsend, 
wo  Pferde.  Schaf--  und  Kühe  aufwiesen  und  Triften  geweidet  haben,  oder  aber 
in  Wäldern,  wo  Hirsche,  Rehe  und  Hasen  zur  Atzung  sich  aufhielten.  Aber 
auch  in  den  in  Verwesung  begriffenen  Bestandteilen  unserer  heimischen 
Laub-  und  Nadelhölzer  gedeiht  der  Champignon,  besonders  in  Verbindung  mit 
Moos  und  kurzem  ('.rase.  Jedoch  gedeiht  der  Champignon  im  Freien  nur  an 
solchen  Stellen,  die  weder  vom  Grund-,  noch  vom  Stauwasser  belästigt 
werden,  also  nur  da,  wo  eine  massige  Feuchtigkeit  herrscht. 

Wenn  sich  nun  zunächst  die  Forstverwaltungen  bemühen  würden,  bei 
Einrichtung  von  Schonungen  in  der  einfachsten  Weise  dem  Boden  Champignon- 


102  Die  Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Champignonzucht. 


mycel  einzuverleiben,  so  könnte  ein  Wald  durch  eine  einmalige  Anlage  auf 
eine  lange  Reihe  von  Jahren  durch  die  Champignonzucht  nutzbar  gemacht 
werden. 

Auf  ähnliche  Weise  könnte  auch  der  Landwirt  hochgelegene,  kurzgrasige 
Wiesen  doppelt  ausnützen,  indem  er  sie  in  zweckmässiger  Weise  mit  Champignon- 
brut infiziert.  Je  nach  der  Witterung  würde  die  Ernte  der  Champignons 
entweder  im  April  bis  Mai  oder  im  September  bis  Oktober  stattfinden,  sodass 
die  Heuernte  nicht  darunter  leiden  würde.  Die  Kosten  zu  diesem  Beginnen 
sind  meinen  Berechnungen  nach  gering,  noch  dazu,  da  das  dazu  verwendete 
Material  dem  Graswuchs  noch  zu  statten  käme. 

Dass  man  die  Champignonzucht  mit  Spargelanlagen  verbinden  kann,  ist 
nicht  mehr  neu,  denn  es  wurden  vor  Jahren  im  Königreich  Sachsen  sowie  im 
Braunschweigischen  damit  Versuche  angestellt,  die  auch  zum  Teil  ganz  zufrieden- 
stellende Resultate  ergeben  haben.  Es  fällt  hierbei  nur  ins  Gewicht,  dass  man 
jedes  Jahr  genötigt  ist,  Brut  zu  legen,  da  das  Pilzmycel  durch  die  Bearbeitung 
der  Spargelbeete  zerrissen  wird.  Trotz  alledem  möchte  ich  diese  Art  von 
Freilandkultur  für  solche  Betriebe  empfehlen,  wo  doch  jahraus,  jahrein  Leute 
beschäftigt  werden  und  wo  die  Brut  ohne  grosse  Umstände  herangezogen 
werden  kann. 

Ferner  möchte  ich  auch  noch  für  die  Champignonkultur  im  Freien  die 
Ausnutzung  der  mit  Obstbäumen  bestandenen  Grasgärten  empfehlen.  Wo 
jetzt  der  Obstbau  im  Aufschwung  begriffen  ist,  wird  der  Landmann  auch  daran 
denken,  seine  oft  recht  vernachlässigten  Obstbäume  in  den  Grasgärten  zu  düngen, 
und  es  würde  auch  bei  dieser  Gelegenheit  jeder  praktisch  denkende  Landwirt. 
Förster  und  Gärtner  imstande  sein,  die  Kultivierung  von  Champignons  damit 
zu  verbinden,  zumal  in  solchen  Grasgärten,  wo  Kühe  und  Schafe  weideten, 
sehr  häufig  die  Champignons  schon  wild  vorkommen. 

Wenn  ich  mir  nun  bei  den  Vorschlägen,  die  ich  nicht  etwa  aus  der  Luft 
gegriffen  habe,  sondern  nach  den  Versuchen  in  den  hiesigen  Anlagen  (durch 
Auslegen  von  Brut  unter  Bäumen,  in  Strauchpartien,  auf  Rasenplätzen  u.  s.  w.) 
für  ausführbar  halte,  nicht  verhehle,  dass  man  z.  B.  bei  der  Anlage  in 
Schonungen  damit  zu  rechnen  hat,  das  Mycel  eines  schon  im  Boden  befind- 
lichen geringwertigen  Pilzes  könnte  die  Champignonbrut  unterdrücken  oder  das 
Weidevieh  könnte  die  Champignonernte  auf  einer  Wiese  beeinträchtigen,  so 
sage  ich  mir  doch,  dass  man  unter  bedingten  Verhältnissen  auch  zu  über- 
raschenden Resultaten  kommen  kann. 

Ich  will  heute  von  meinen  noch  nicht  abgeschlossenen  Versuchen  in 
dieser  Hinsicht  nur  hervorheben,  dass  man  das  Anpassungsvermögen  des 
Mycels  dem  Nährboden  gegenüber  in  erster  Linie  in  Betracht  ziehen  muss, 
d.  h.  man  muss  Brut  in  ähnlichem  Material  heranziehen,  worin  sie  später 
anwachsen  und  Resultate  zeitigen  soll. 

Ganz  besonders  sei  diese  Anregung  Interessenten  empfohlen,  die  im  Besitz 
solcher  Gelände  sind,  auf  denen  Champignons  seit  Jahren  wild  vorkommen; 
wenn  hier  die  Natur  in  ihren  Bestrebungen  durch  den  Menschen  unterstützt 
wird,  so  kann  auf  dem  Gebiete  der  Freiland-Champignonzucht  als  Mittel 
zur  Volksernährung  in  Zukunft  noch  viel  geleistet  werden. 

Berlin,  Joachimsth.  Gymnasium.  H.  Amelung. 


hie   Verschönerung  des  Berliner  Tiergartens  10^ 


Die  Verschönerung  des  Berliner  Tiergartens. 

-cLyja    die  jetzigen  Ausholzungen    im  Tiergarten    in  den  Tageszeitungen    z.  T. 
^Z-,    abfällig    besprochen  sind,    so  erscheint    es    :  cht,    das  mitzuteilen. 

was  im  Gehölz-  und  Obstausschuss   des   Vereins  zur    Beförderung 
baues  darüber  geäussert   ist.     Allgemein  Mar  man  der  Meinung,   dass  die  Aus- 
holzungen höchst  zweckmässig  seien,  dass  sie  sogar  schon  viel  früher  hi 
vorgenommen  werden  können.     Es  ist   nicht  beabsichtigt,   aus   dem   Tiergarten 
einen  englischen   Park   mit   grossen    Rasenflächen   zu   schaffen.     Das   würde 
der  langgestreckten   Form   desselben   kaum    möglich   sein,   ohne   dann   auch  die 
umgebenden  Häuserreihen  mit  sichtbar  zu  machen,  was  doch  vermieden  w<  i 
muss.     Es  müssten  dann   auch  viele  der  schönen  Alleen  lallen,  weh  he  fast  alle 
Fuss-  und  Fahrwege  begleiten.     Der  Tiergarten  soll  den  Charaktereines  Hai 
behalten  und    durch    die   jetzigen    Ausholzungen    soll    ihm    nur    eine    günstige 
Zukunft  geschaffen   werden. 

Im  Laufe  der  Jahre  haben  sich  viele  10 — 12  m  hohe  Stangen  gebildet, 
die  einzeln  nur  wenig  Blätter  haben,  gemeinsam  aber  doch  ein  Dach  bilden, 
das  kein  Unterholz  autkommen  lässt.  Infolge  dessen  hat  auch  die  Zahl  der 
Singvögel  abgenommen.  Es  soll  frisches  Unterholz  angepflanzt  werden,  um 
auch  die  Vögel  zu  vermehren. 

Durch  das  Auslichten  kommen  andererseits  die  vielen  alten  schönen 
bäume  mehr  zur  Geltung;  sie  sollen  künftig  besser  ernährt,  gedüngt  und  be- 
gossen werden,  was  bisher  nicht  möglich  war.  In  die  Linken  werden  gut 
belaubte  Gehölze  gepflanzt  werden,  namentlich  Rotbuchen.  Wo  sich  blühende 
Sachen  eignen,  sollen  auch  diese  angebracht  werden:  bis  jetzt  mangelt  es  daran 
im  Tiergarten  ganz. 

Entschieden   wird  durch  die   Ausholzungen  auch    die    Lutt  im  Tiergarten. 
die  an  einzelnen  Stellen     sehr  dumpfig    ist.    verbessert    und  die  Wege  werden 
trockener  werden,  zumal  jetzt  auch  die  Gewässer  im  Tiergarten,  seitdem  Was 
aus  dem    Landwehrkanal    hineingeleitet    ist,    ein    grösseres    Gefälle    nach 
Spree  haben. 

Wir  wollen  auch  an  den  Ausspruch  des  grossen  französischen  Landschafts- 
gärtners Ed.  Andre  erinnern,    der  bezüglich  des    Tiergartens    1897    sich   auch 
für  Ausholzung  aussprach  und  scherzhaft  hinzufügte:  »Pour  avoir  une  ome 
il  faut  casser  des  oeufs.«     (Siehe  Gartfl.   1.897  S.  333.) 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen  etc 

Neue  Gemüse-Samen  von  Dammann  &  ;  Eierfrucht,  lange  Hom- 


Co.  in  San   Giovanni   a  Tetluccio   bei 
Neapel. 

Nach  den  Beschreibungen    der  Züchter. 


Eierfrucht,  grüne  Campania-. 
Runde  grosse  Frucht,  grün  mit  weiss, 
ungemein  fleisch i-i. 


Frucht  länglich,    reinweiss  mit  grün 
gestreift,   sehr  früh   reitend. 

Eierfrucht,  runde  Riesenbirne  von  Guadeloupe. 

Früchte  reinweiss,  mit  schön  \  iolett 
Längsstreifen,     von     enormer     Grösse 
und  sehr  vollfleischig. 


io4 


.Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


Abb.   21.     Gurke,  persische  Trauben-. 

Eierfrucht,  Tricolore. 

Sehr  grosse,  lange,  starkfleischige 
Frucht,  oben  hellgrün,  die  untere 
Hälfte  weiss  mit  hellviolett  gestreift 
und  gefleckt;  ganz  eigenartig. 

Gurke,  persische  Trauben-. 

Hierzu   Abb.  21.) 

Zu  den  Traubengurken  gehörig, 
zeichnet    sie    sich    durch    sehr    frühe 


Reife  aus.  indem  sie  innerhalb  fünf 
Wochen  vom  Tage  der  Aussaat  an 
vollständig  gebrauchsfertig  ist.  Die 
kurzen,  15 — 20  cm  langen  Früchte  sind 
schön  rund  geformt,  dunkelgrün,  mit 
braunen  Stacheln  schwach  besetzt. 
Eine  höchst  schmackhafte  und  wert- 
volle Art.  die  in  keinem  Gemüsegarten 
fehlen  sollte. 

Melone  Cilento. 

Frucht  glatt,  mittelrosa,  oval,  dunkel- 
grün. Fleisch  grünlich,  fast  weiss, 
überaus  saftig  und  süss.  Was  aber 
diese  Melone  besonders  wertvoll 
macht,  ist,  dass  sie  sich  an  einem 
trockenen  Platze  monatelang,  unter 
günstigen  Verhältnissen  bis  zum  Früh- 
jahr aufbewahren  lässt.  Sie  ist  ver- 
schieden von  der  neapolitanischen 
Wintermelone,  auch  sind  ihre  Samen 
verschieden  von  denen  irgend  einer 
anderen  Melonenart.  Sehr  zu  em- 
pfehlen, da  sie  zudem  auch  sehr  reich 
trägt. 

Melone  Abundantia. 

Von  allen  kultivierten  Arten  sicher 
die  reichtragendste,  denn  das  Land 
scheint  buchstäblich  mit  Früchten 
bedeckt.  Die  ovalrunde,  mittelgrosse, 
gerippte,  hellgrüne  Frucht  besitzt  grün- 
liches Fleisch  von  ausgezeichnetem 
Aroma.  Eine  der  frühesten  Melonen, 
daher  auch  für  nördliche  Länder  zum 
Anbau  wärmstens  zu   empfehlen. 


Abb.   22.     Celosia  pyramidalis  monstrosa. 
Blumen  dunkelrot. 


Neue  eingeführte  Blumensamen. 

Celosia  cristata  „Rubin".     O 

Die  Pflanze  wird  ca.  30  cm  hoch, 
ihre  edelgeformten  Blüten  sind  lebhaft 
kirschcarmoisin,  welche  schillernde 
Färbung  namentlich  im  Sonnenschein 
einen  bezaubernden  Anblick  gewährt. 
Gehoben  wird  diese  herrliche  Blüte 
noch  durch  die  gleichfarbigen  Stiele 
sowie  durch  die  stark  ins  braun  über- 
gehend gefärbten  Blätter. 

Celosia  pyramidalis  monstrosa.     G 

(Hierzu  Abb.  22.) 

Mit  dieser  beginnt  eine  Zwischenart 
der  C.  cristata  und  pyramidalis.  Ihr 
buschiger  Bau  gleicht  dem  der  C.  py- 
ramidalis, während  die  Blüten, 
namentlich  diejenigen  der  Haupttriebe, 
sich  den  cristata-Formen  nähern.  Die 
Farbe  der  Blumen  ist  tiefbraunrot,  die 
Blätter  dunkelgrün  mit  mehr  oder 
weniger  braunrot  gefleckt.  Die 
Pflanze    erreicht   die  Höhe  bis   1V2  m> 


Neue   und   empfehlenswerte   Pflanzen. 


lo: 


wächst  ungemein  üppigj  ist  daher  für 
höhere  Gruppen  von  unschätzbarem 
Werte. 

Clinopodium  argenteum. 

(Hierzu  Abb.  23.) 

Diese  für  Gruppenpflanzung  äusserst 
wertvolle  Melisseae  verdient  einen 
bevorzugten  Platz  in  jedem  Blumen- 
garten. Die  Ptlanze  erreicht  eine 
Höhe  von  30  cm.  Die  gegenständigen 
Blätter  sind  lebhaft  grün,  schwach 
behaart  und  ovalrund,  in  deren  Achsen 
die  unzähligen  reinweissen  kleinen 
Blüten  sich  während  des  ganzen 
Sommers   entfalten. 

Collinsia  bicolor  rosea.  O 
Den  bereits  existierenden  Farben 
der  mit  Recht  so  beliebten  Collinsia 
lügen  wir  in  diesem  Jahre  obige  bei, 
welche  sich  durch  ihre  lebhaft  rosa 
Blüten  von  allen  bisher  im  Handel 
befindlichen  Collinsien,  wesentlich  auch 
noch  durch  ihre  bedeutend  grösseren 
Blumen  unterscheidet. 

Dianthus  laciniatus  rubro-striatus.  G 
Eine  sehr  reichblühende  Abart  von 
20 — 25  cm  Höhe.  Die  weisse  Grund- 
farbe der  Blumen  ist  mit  lilaroten, 
sehr  zahlreichen  Streiten  versehen. 
Ueberaus  effektvoll  und  eine  sehr  wert- 
volle Bereicherung  des  Sortimentes. 

Epilobium  hirsutum  var.  adenocaulum 
(Hausknecht).    % 

(Hierzu  Abb.  24.) 

Eine  prächtige,  aus  Kleinasien 
stammende  Abart;  die  bis  70  cm  hohen 
Pflanzen  sind  an  den  Rispen  mit  leb- 
haft lilaroten  Blüten  reichlich  besetzt. 
Eine  sehr  dankbare  Perenne. 

Eupatorium  altissimus  L.     %   U 
Diese  sehr  widerstandsfähige  Perenne 

erreicht  eine  Höhe  bis  zu  2  m.  Ihre 
zierlichen,  bis  8  cm  langen,  sehr 
schmalen  Blätter  geben  der  robusten 
Pflanze  ein  schönes  Aussehen.  Die 
Blüten,  welche  sich  den  ganzen  Sommer 
hindurch  unermüdlich  erneuern,  sind 
reinweiss. 

Eupatorium  serotinum  Mich.  Qj 
Bau.  Blüte  und  die  hervorragenden 
Eigenschaften  theilt  diese  Pflanze  mit 
der  vorhergehenden,  nur  sind  ihre 
Blätter  kürzer,  in  der  Form  des  Eupa- 
torium riparium,  jedoch  noch  bedeutend 
länger  und  schmäler  als  die  letzt- 
genannte. Für  Schnittblumen  sind 
beide  von  unschätzbarem  Werte. 


Abb.   2^.     Clinopodium   argenteum. 
Blumen   reinweis. 


Abb.    24. 

Epilobium  hirsutum  var.    adenocaulum   Hausknecht. 

Blumen  lila  rosa. 


io6 


Kleinere   Mitteilungen. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Ktiolls    Aluminium -Etiketten. 
(D.  R.-G.-M.). 

Hierzu  Abbildung  25. 
Bereits  seit  Jahren  arbeitete  ich  an 
dem  Problem,  ein  für  den  Gärtner 
passendes  Etikett  zu  finden,  da  die 
bisher  gebräuchlichen  mehr  Fehler 
als   Vorteile  besassen.        Ilolzetiketten 


Alle  diese  Nachteile  beseitigt  das 
von  mir  nunmehr  in  den  Handel  ge- 
gebene Aluminium-Etikett,  denn  es 
ist  vor  allen  Dingen  billig  und  schön; 
es  bleibt  silberweiss,  da  es  nicht 
oxydiert;  es  lässt  sich  leicht  beschreiben; 
die  Schrift  ist  tiefschwarz  und  ver- 
wittert nicht;  es  ist  infolge  des  erhaben 


Abb.   25.     Aluminium-Etiketten  von  F.  Knoll,  Leipzig-Lindenau. 


sind  zwar  billig,  doch  ist  die  Schrift 
bald  verwischt,  solche  von  Zink 
oxydieren  zu  schnell,  setzen  Belag 
an  und  sind  ebenfalls  sehr  bald  un- 
leserlich. Etiketten  von  Celluloid 
zerfrieren  zumeist  im  Winter,  solche  von 
Glas  und  Porzellan  sind  zu  teuer  und 
besonders  leicht  zerbrechlich,  auch 
muss  die  Inschrift  vom  Fabrikanten  ein- 
geätzt werden,  so  dass  man  meist  nicht 
die  Etiketten-Inschriften  auf  Lager  hat, 
welche  benötigt  werden. 


gepressten  Randes  besonders  dauer- 
haft und  unzerbrechlich;  es  ist  leichter 
als  Ilolzetiketten! 

Sie  werden  bis  jetzt  in  fünf  Formen 
angefertigt:  No.  I,  rund,  4,8  cm  Durch- 
messer, Xo.  II,  oval,  6,5  cm  Durch- 
messer, No.  III,  eckig,  6,5  cm  lang, 
unten  und  oben  5  cm  breit,  No.  IV, 
lang,  8.5  cm  lang,  2  cm  breit,  No.  V. 
herzförmig,  4.5  cm  Durchmesser. 

F.  Knoll,  Leipzig-Lindenau. 


Kleinere  Mitteilungen. 


'"7 


Die  Etiketten  sind  besonders  zur  Be- 
zeichnung von  Rosen  und  Obstbäumen 
geeignet;  für  botanische  Gärten  müssen 
sie  grösser  sein,  was  wohl  leichl  gemachl 
werden  kann. 

Dinte  nebst  Gebrauchsanweisung 
wird      beigegeben.  Die      Etiketten 

sehen  sehr  sauber  aus.  L.  W. 

Jetzt  zu    vermehrende    feine    Schmuckpflanzen 
für  Hausdekoration  und  fürs  Freie. 

Je  mehr  das  Frühjahr  herannaht,  desto 
mehr  beginnt  das  Wachstum  in  unseren 
Glashäusern.  Es  ist  jetzt  in  den  ersten 
Monaten  des  Jahres  die  Zeit  zur  Ver- 
pflanzung und  Vermehrung  unserer 
leinen  Schmuckpflanzen  gekommen, 
welche  wir  während  des  Sommers  an 
geschützten  Orten  auch  im  Freien  aus- 
pflanzen resp.  aufstellen  können.  Im 
Folgenden  seien  einige  Winke  in  dieser 
Hinsicht  gegeben. 

In  den  letzten  Jahren  haben  die 
Croton  immer  mehr  an  Beliebtheit 
zugenommen  und  man  hat  einsehen 
gelernt,  dass  wenigstens  einige  Sorten 
sehr  leicht  zu  kultivieren  sind.  Herr 
W.  A.  Taplin,  dessen  Ausführungen 
im  »American  Florist«  wir  hier  in 
der  Hauptsache  folgen,  giebt  nach- 
stehende Kulturanweisungen.  Man 
schneidet  die  Stecklinge  von  halb- 
ausgereiftem Holze,  steckt  sie  in  ein 
YiTinehrungsbeet,  Sand,  und  hält  sie 
auf  warmem  Fusse  geschlossen.  Besser 
ist  es  noch,  sie  einzeln  in  zweizöllige 
Töpfe  in  sandige  Cocosfasererde  zu 
bringen  oder  auch  mehrere  zusammen 
in  einen  4 — 5  zölligen  Topf.  Diese 
Töpfe  kommen  in  den  Vermehrungs- 
raum. Man  hat  hierbei  die  einzelnen 
Stecklinge  besser  unter  Kontrole  und 
es  wird  ein  geringerer  Prozentsatz  ver- 
loren gehen. 

Will  man  die  Croton  recht  schnell 
zum  Frühjahr  heranziehen,  so  halte 
man  die  Temperatur  während  der 
Nacht  auf  700  F..  2  i°C,  sorge  für  feuchte 
Luft  und  lasse  am  Tage  die  Sonne  voll 
einwirken.  Natürlich  müssen  die 
Bilanzen  nach  und  nach  etwas  ab- 
gehärtet werden,  ehe  man  sie  zum 
Verkauf  bringt,  denn  sonst  sind  sie  zu 
zart  und  zu   wenig  widerstandsfähig. 

Auch  A<  al y ph en  und  Sanchezien, 
welche  zum  Verkauf  im  Frühjahr  oder 
zum  Auspflanzen  im  Sommer  heran- 
gezogen weiden  sollen,  können  gleicher- 
weise   wie    Croton    kultiviert    werden. 


Bei   Acalyphen  ist  indes  eine  niedrig 
Temperatur  besser,  man  kann  sie  etwa 
so  behandeln  wie  man  Coleus  heran- 
zieht.      Von      den      A.calyphen      sind 

A.  nuisaii  a.  tnoolor  und  marginata 
wohl  die  brauchbarsten  Arten,  [hre 
prächtige  Färbung  und  ihr  üppige] 
Wuchs  machen  sie  füi  grosseBeete  sehr 
geeignet  und  schmuckvoll. 

Auf  der  letzten  Genter  Ausstellung 
waren  von  Sander-Brügge  zwei  neue 
Ao.ilyphen  ausgestellt,  A.  Sander i- 
ana  und  l  rod  seffiana.  Erste]  e,  von 
welcher  schon  mehrfach  in  dieser  Zeit- 
schrift die  Rede  war,  zeichnet  sich 
durch  Grösse  der  Belaubung  und 
prächtig  rote,  lange  Blütenähren  aus. 
Letztere  ist  viel  kleiner,  aber  infolge 
der  bunten  Blattfärbung  sehr  dekorativ 
und  wohl  auch  deswegen  wertvoll, 
weil  sie  härter  als  A.  Sander i- 
ana  ist.  Diese  soll  übrigens  weiter 
nichts  sein  als  die  alte  A.  hispida, 
wie  in  neuerer  Zeit  gesagt  wird,  immer- 
hin ist  sie  sehr  interessant. 

Von  Sanchezien  sind  die  Arten 
Sanchezia  nobilis  varieg.  und  S. 
glaucophylla  die  besten.  Beide 
wachsen  willig  und  haben  breite, 
streifte  Blätter,  sobald  das  Erdreich 
und  die  Feuchtigkeit  ihnen  halbwegs 
zusagten.  Stecklinge  von  jungen  Trieben 
wurzeln  in  sehr  kurzer  Zeit.  Man  pflanze 
sie  dann  gleich  in  dreizöllige  Töpfe, 
da  sie  das  Verpflanzen  nicht  lieben. 

Auch  die  immer  beliebten  Aspi- 
distra  (Plectogyne)  können  jetzt  \ei- 
mchrt  werden.  1  »ieskannnichl  nur  durch 
Teilung  der  beblätterten  Rhizome  ge- 
schehen, sondern  auch  durch  Rhizome 
ohneBlätter  können  sie  Vermehrtwerden. 
Man  schneidet  diese  in  etwa  zollange 
Stücke,  steckt  sie  in  Töpfe  oder  Schalen 
in  Sand  oder  sandige  Erde,  indem  man 
sie  etwa  1  Zoll  hoch  bedeckt  und  stellt 
sie  in  ein  Warmhaus  bis  das  erste  Blatl 
treibt,  dann  werden  sie  in  kleine  1 
gepflanzt  und  bald  zu  kleinen,  brauch- 
baren Exemplaren  heranwachsen. 

Nicht  minder  wertvoll  als  die  bisher 
genannten  Pflanzen  sind  einige  Aralia- 
A.rten  zur  Dekoration.  Zuerst  nennen 
wir  Aralia  Sieboldii.  welche  Viel- 
fach unter  dem  Namen  Fatsia 
japonica  geht.  Sowohl  die  grüne 
tuch  die  2  bunten  Formen  dieser 
Art  sind  ausgezeichnet  für  Hauskultur. 
Die  grüne  Stammform  wird  bei  kühler 


io8 


Aus  den  Vereinen. 


Anzucht  ebenso  hart  und  widerstands- 
fähig wie  eine  Aspidistra. 

Fatsia  (Aralia)  papyrifera  ähnelt 
der  ersteren  etwas  im  Wuchs.  Auch 
sie  wird  durch  Aussaat  oder  Wurzel- 
schnittlinge  vermehrt.  Diese  letztere 
Art  ist  sehr  leicht  und  empfehlenswert, 
zumal  die  Pflanzen  selten  Samen 
bringen. 

Aralia  Veitchii  und  ihre  schmal- 
blättrige Form,  welche  als  A.  gracil- 
lima  bekannt  ist.  gehören  zu  den 
schön  belaubten  Pflanzen  für  Winter- 
gärten, Fenster  u.  s.  w.,  allein  sie  sind 
leider  etwas  schwierig  heranzuziehen, 
ausgenommen  durch  Veredlung  auf 
A.   reticulata    oder    A.    Guilfoylei. 


Diese  veredelten  Pflanzen  gelten  meist 
als  zu  langsam  wachsend  und  zu  zart 
für  den  Handelsgärtner,  aber  A. 
Veitchii  ist  doch  nicht  so  zart  wie 
sie  erscheint,  ausgenommen,  wenn  in 
einer  sehr  hohen  Temperatur  heran- 
gezogen. Man  kann  Pflanzen  zwei  bis 
drei  Sommer  zur  Dekoration  von 
Vasen  etc.  in  Hallen  u.  s.  w.  ver- 
wenden. 

Pandanus  Veitchii  und  Ficus 
elastica  dürfen  wir  bei  der  Frühjahrs- 
vermehrung nicht  vergessen ;  wenn  auch 
Stecklinge  dieser  Pflanzen  auch  zu 
anderer  Jahreszeit  wachsen,  so  ist  jetzt 
doch  entschieden  die  geeignetste  Zeit 
zur  Vermehrung.  C. 


Aus  den  Vereinen. 


Die  Kaiserl.  Russ.  Gartenbau-Ge- 
sellschaft hat  am  16./28.  Januar  den 
Direktor  des  Kaiserlich  botanischen 
Gartens  in  Petersburg,  Se.  Excellenz 
Herrn  Wirklichen  Staatsrat  Professor 
Dr.  Fischer  von  Waldheim,  zu 
ihrem  Vicepräsidenten  erwählt. 


Fränkischer  Gartenbauverein. 

In  der  am  10.  Dezember  1898  in  den 
Zentralsälen  abgehaltenen  General- 
Versammlung  erstattete  der  erste 
Vereins  -  Vorstand,  Herr  Hofrath 
Seuffert,  den  Jahresbericht  über  die 
Thätigkeit  des  Jahres  1898:  Es  wurden 
zehn  Vereinsversammlungen  mit  Vor- 
trägen aus  dem  Gebiete  der  Botanik, 
ßlumistik  und  Obstkultur  abgehalten. 
Durch  die  stets  mit  diesen  Versamm- 
lungen verbundenen  Blumen-Ver- 
losungen gelangten  etwa  isooblühende 
und  Dekorationspflanzen,  unter  diesen 
auch  recht  seltene  Pflanzenneuheiten, 
in  die  Hände  der  Vereinsmitglieder. 
Um  der  Hauptaufgabe  des  Vereins,  der 
Förderung  der  unterfränkischen  Obst- 
kultur, gerecht  zu  werden,  brachte  der 
Vereins-Ausschuss  im  Frühjahr  1.  J. 
203  veredelte  Obstbäume  an  Obstbau- 
vereine und  Obstbau  treibende  Ge- 
meinden Unterfrankens,  3100  Obst- 
wildlinge an  unterfränkische  Schul- 
gärten, 39  000  Edelreiser  der  wertvollsten 
und  reichtragendsten  Obstsorten  an 
Obstbauvereine,     Gemeinden.    Pfarrer. 


Lehrer  und  Obstproduzenten  Unter- 
frankens unentgeltlich  zur  Verteilung. 
Die  überaus  reiche  Zwetschenernte 
dieses  Jahres  gab  demVereinsausschuss. 
um  solche  im  Interesse  unserer  Land- 
wirte möglichst  nutzbar  zu  machen, 
willkommenen  Anlass,  am  24.  September 
1.  J.  in  der  städtischen  Ludwigshalle 
zu  Würzburg  eine  Ausstellung  der 
besten,  vollkommensten  und  wert- 
vollsten Zwetschen- Sorten  zu  veran- 
stalten, um  die  edelsten  und  schönsten 
Spielarten  der  in  früheren  Jahren 
weithin  renommierten  und  im  Handels- 
verkehr sehr  begehrten  Franken- 
zwetsche  kennen  zu  lernen  und  solche 
weiter  zu  verbreiten.  Es  gelangten 
aus  allen  Teilen  Unterfrankens  über 
60  Zwetschen-Sorten,  zum  Teil  von 
vorzüglicher  Güte  und  Vollkommenheit, 
zur  Ausstellung  und  wurden  für  die 
besten  Leistungen  durch  das  Preis- 
gericht 6  Preis-Medaillen  nebst  Diplom 
zuerkannt. 

Auch  in  diesem  Jahre  wurden  an- 
fangs Oktober,  um  den  Verkehr  mit 
frischem  Obste  im  Interesse  der 
Obstproduzenten  und  Konsumenten 
reger  zu  gestalten,  auf  dem  Neumünster- 
platz zu  Würzburg  zwei  Obstmärkte 
veranstaltet,  welche  ungeachtet  der 
im  ganzen  geringen  Obsternte  mit 
durchgehends  schönen  Aepfeln  und 
Birnen  von  guten  wertvollen  Sorten, 
zumeist  auch  in  zweckentsprechender 


Teilungen  und  Kongresse. 


109 


Verpackung,  befahren  waren.  Im 
ganzen  gelangten  auf  diesen  Märkten, 
die  sich  unverkennbar  gul  hier  ein- 
gebürgert haben,  gegen  500  Ztr.  zumeist 
schönes  Tafelobst  zu  sein-  guten  Preisen 
zum  Verkauf.  I  >em  Herrn  Pfarrer 
Marschall  zu  Wintersbachj  dem 
Begründer  der  Heidelbeerverwertungs- 
Genossenschaft  »Vorspessart«,  sowie 
den  Herren  Lehrern  Hellmuth  zu 
Wittershausen,  Nunn  zu  Prappach, 
Lehritter  zu  Reichartshausen  und 
Stock  zu  Sommerau,  welche  sich  in 
hervorragender  Weise  und  in  den 
verschiedensten  Richtungen  um  die 
liebung  der  unterfränkischen  Obst- 
kultur verdient  gemacht  haben,  wurden 
von  der  General  -  Versammlung  auf 
Antrag  des  Ausschusses  Ehrenpreise, 
dem  sehr  pflichteifrig  und  erfolgreich 
Baumwart  Herrn  En  n  es  zu  Miinnerstadt 
wirkenden  aber  eine  Ehrengabe  von 
zehn  Mark  bewilligt.  Im  Verlauf  der 
General-Versammlung  wurde  das  durch 
Herrn  Stadtgärtner  und  Anlagenin- 
spektor Sturm  in  dankenswerterweise 
geordnete  und  übersichtlich  aufgestellte 
Obstkabinett,  welches  die  edelsten  und 
wertvollsten  fürUnterfranken  besonders 
geeigneten  Obstsorten  in  naturgetreuen 
Nachbildungen  enthält,  von  den  an- 
wesenden Vereinsmitgliedern  besichtigt. 
Die  vom  Vereinskassierer,  Herrn  Pri- 
vatier Breiting,  vorgelegte  Vereins- 
rechnung pro  1898  schliesst  ab  mit 
2588,21  Mark  Einnahmen,  2359.85  Mark 
Ausgaben,  sohin  mit  einem  Aktivrest 
von  228,36  Mark.  Dem  Herrn  Vereins- 
kassierer Breiting  wurde  für  seine 
opferwillige  Thätigkeit,  sodann  den 
Herren  Kreiswandererlehrern  Oekono- 
mierat  Schmitt  und  Albert  für  ihre 
unermüdliche  und  pflichteifrige  Thätig- 
keit zur  Vervollkommnung  der  unter- 
fränkischen  Obstkultur,  weiterhin  noch 
der  verehrlichen  Verlosungs- 

kommission für  ihre  eifrige  umsichtige 
und    erfolgreiche    Thätigkeit    der    be- 


sondereDank  im  Namen  des  fränkischen 
Gartenbauvereins    durch     den     ersten 
Vereins-Vorstand    zum    Ausdruck 
bi  acht. 

Die  Wiederwahl  des  Vereins- Aus- 
schusses, welchem  die  Herren  Ober- 
landesgerichtsrat Wissel  und  Herr 
Hauptmann  a.  D.  Faulhaber  für 
seine  seitherige  Thätigkeit  in  warmen 
herzlichen  Worten  den  Dank  Namens 
der  Vereinsmitglieder  zum  Ausdruck 
gelangen  Hessen,  erfolgte  du  ich 
Akklamation.  Mit  einem  von  Herrn 
Hauptmann  Faulhaber  der  Vorstand- 
schaft und  dem  Vereinsausschuss  ge- 
brachten dreimaligen  Hoch  sei: 
die  sehr  gut  besuchte  General -Ver- 
sammlung. 

(Neue  Würzburger  Zeitung.) 


Vereinigung  derMaiblumenzüchter  und -Händler. 

Auf  Wunsch  der  Herren  J.  Hansen- 
Pinneberg  und  A.  Krause-Roitzsch 
berief  Herr  Gartenbaudirektor  G.  A. 
Schultz  -  Lichtenberg  -  Berlin.  als 

I.  Vorsitzender  der  Vereinigung,  eine 
Versammlung  der  Sachverständigen 
für  streitige  Fälle  am  18.  Januar  1899 
in  Berlin  zusammen. 

Es  fungierten  als  solche  einerseits: 
die  Herren  Gartenbaudirektor  C. 
Lackn  er- Steglitz,  Gärtnereibesitzer 
Paul  George-Berlin  O.,  Gärtnerei- 
besitzer Franz  Goetze  -  Stralau. 
Andererseits:  die  Herren  Gärtnerei- 
besitzer C.  Graf-Petersroda.  A.Spiess- 
Roitzsch,   W.  Berger-Roitzsch. 

Nach  längeren  Verhandlungen  gelang 
es,  den  verwickelten  Fall,  dank  den 
eifrigen  Bemühungen  des  Herrn  Vor- 
sitzenden und  denen  der  Herren  Sach- 
verständigen, gütlich  beizulegen.  Da 
das  streitige  '  »bjekt  ein  grösseres  war, 
so  erzielte  die  Einigung  auch  bei  den 
streitenden  Parteien  allgemein'-  Be- 
friedigung. 

C.  Schwartz-Tempelhof,  Schriftführer. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau-Ausstellung  vom  5.  17. 
bis  15.  27.  Mai  1899.  Anmeldungen  bis 
spätestens  zum   1.  13.  März  an  Geheim- 


rat Excellenz  Prof.  Fischer  von 
Waldheim,  Kaiserl.  bot.  Garten.  Es 
haben  schon  120  auswärtige  Preisrichter 
ihre  Mitwirkung  zugesagt.     Von  neuen 


1  10 


Litteratur. 


Preisen  sind  folgende  hinzugekommen: 

1.  EinWertgegenstand  von  Ihrer  Kaiserl. 
Hoheit  der  Frau  Grossfürstin  Elisabeth 
Feodorowna  (für  eine  Gruppe  Lathyrus 
odoratus    oder    Theerosen     in    Blüte). 

2.  Desgl.  von  Ihrer  Kaiserl.  Hoheit  der 
Frau  Grossfürstin  Alexandra  Josephowna 
(für  beste  Gesamtleistung  in  Abt.  V. 
des  Programms).  3.  Desgl.  von  Seiner 
Kaiserl.  Hoheit  dem  Grossfürsten 
Michael  Nikolajewitsch  (Preisbewer- 
bung noch  unbestimmt).  4.  Zwei  Geld- 
prämien zu  je  100  Rubel  vom  Grafen 
Orloff  Dawydoff.  5.  Fünf  grosse  gol- 
dene, drei  grosse  und  zwei  kleine  sil- 
berne Medaillen  vom  Ministerium  der 
Agrikultur  und  Reichsdomänen.  6.  Vom 
Departement  der  Apanagen  eine  gol- 
dene Medaille.  7.  Vom  Präsidenten 
der  Kaiserl.  Russ.  Gartenbau-Gesell- 
schaft, General  Speransky,  zwei  gold. 
Medaillen.  8.  Vom  Vicepräsidenten  der 
Kaiserl.  Russ.  Gartenbau-Gesellschaft, 
Fischer  von  Waldheim,  zwei  goldene 
und  drei  silberne  Medaillen.  9.  Vom 
Dresdener  Gartenbau-Verein  ein  Wert- 
gegenstand im  Werte  von  120  Mark. 
10.  Vom  Mitgliede  der  Gesellschaft, 
Herrn  Freundlich,  ein  Wertgegen- 
im  Preise  von  150  Rubel  (für  eine 
Kollektion  Theophrasten).  11.  Desgl. 
von  Herrn  Schmölling  drei  goldene 
und  drei  silberne  Medaillen.  12.  F)esgl. 
von  Herrn  Seetingson  eine  goldene 
Medaille.  13.  Von  Herrn  Plautin  100 
Rubel.  14.  Von  Herrn  Röderscheidt 
zwei  silberne  Medaillen.     15.  Von  Frau 


Andrejeff    zwei      silberne     und     zwei 
bronzene  Medaillen. 

Wie  uns  Herr  Professor  Zacharias- 
Hamburg  mitteilt,  wird  Flerr  Wm. 
Minlos- Lübeck  am  9.  Mai  einen 
Dampfer  von  dort  nach  Petersburg 
senden,  der  am  13. — 14  daselbst  ein- 
trifft. Fracht  pro  50  kg  1.50M.  -j-  !5% 
sog.  »Caylaken«  für  den  Kapitän. 


Antwerpen.  Internationale  Aus- 
stellung vom  9. — 13.  April  1899  zur 
Feier  des  3ocjährigen  Geburtstages  von 
Anton  van  Dyck. 


Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899 
grosse  internationale  Ausstellung  der 
Ligue  horticole  L'Union  zu  Mont 
St.  Amand  bei  Gent.  Das  Programm 
ist  ausserordentlich  umfangreich,  gegen 
1000  Aufgaben. 


Dresden.  Jubiläums  -Ausstellung 
des  Landesobstvereins  für  das  König- 
reich Sachsen  vom  14. — 19.  Oktober. 
Das  Programmm  ist  zu  beziehen: 
Gerokstrasse  45. 


London.  Internationale  Konferenz 
über  Bastard-  und  Kreuzungs- 
pflanzen, veranstaltet  von  der  Royal 
Horticultural  Society  am  11.  und 
12.  Juli  1899.  Anmeldung  von  Artikeln 
und  Pflanzen  an  W.  Wilks,  Secretary, 
117   Victoria  Street,    Westminster  SYV. 


Litteratur. 


Die  Schädlinge  des  Gemüse- 
baues und  deren  Bekämpfung.  Ein 
Volksbuch  für  Gartenfreunde,  Gärtner, 
Samenzüchter.  Würzkräuter-  und  Apo- 
thekerptlanzen  Anbauende.  Von  Heinrich 
Freiherr  von  Schilling.  Mit  viel- 
farbigen Tafeln  nach  Aquarellen  des 
Verfassers.  Frankfurt  a.  Oder,  Verlag 
von  Trowitzsch  &  Sohn,  1898.  — 
Preis  geb.  2  M.,  10  Exemplare  17.50  M., 
30  Exemplare  45  M. 

Seinem  bekannten  und  weitver- 
breiteten Werke:  Die  Schädlinge  des 
Obst-  und  Weinbaues,  hat  Freiherr 
von  Schilling  jetzt  als  sehr  will- 
kommene Ergänzung  das  oben  genannte 


folgen  lassen.  Durch  77  farbige  Ab- 
bildungen hat  sich  Verfasser  bemüht, 
die  Schmarotzer  auf  den  ersten  Blick 
kenntlich  darzustellen,  und  der  Verlags- 
buchhandlung ist  es  gelungen,  durch 
sorgfältige  Wiedergabe  dieser  Absicht 
des  Verfassers  gerecht  zu  werden.  In 
kurzen  Worten  giebt  Letzterer  Be- 
schreibungen der  Schmarotzer  —  fast 
durchweg  von  Insekten  —  und  ihres 
Vorkommens  und  fügt  jedesmal,  was 
dem  Praktiker  die  Hauptsache  ist,  die 
Mittel  zur  Bekämpfung  hinzu.  Es  ist 
jedem  Gartenfreunde  dringend  zu 
empfehlen,  dieses  Buch  zu  erwerben 
und  bei   jeder  Gelegenheit   zu  Rate  zu 


Eingesandte  Preisverzeichnisse.  —  Personal-Nachrichten. 


l  I  l 


ziehen;     er    wird    bei    Befolgung    der 
darin  gegebenen  Vorschriften  sich  vor 

manchem  Schaden  bewahren. 

Dr.  Joh.  Thiele. 


Verhandlungen      der       Li.      Haupt- 
versammlung   des    Vereins    deuts 

Gartenkünstler  vom  31.  Juli  bis2. August 


zu  Köln  a.  Rh.    Mit  einem  Vortrage  des 
Stadtobergärtners    Jung:     Die    öffent- 
lichen Anlagen  der  Stadt   Köln.     Sehr 
oswert! 


Kitu-r  v.   Weinzierl.     Zur    I  1 
des  ameri  kan  ischen  Rotklees.  Publ. 
d.  K.  K.  Samenkontrollstation  zu  Wien. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


C.  van  der  Smissen, Steglitz-Berlin. 
No.  60  Preisliste  über  Gartengeräte; 
No.  öi  Samenpreisliste;  No.  64  Geor- 
ginenpreisliste; No.  65  Frühjahrs- 
preisliste.—  Rivoire  pere  et  fils  in 
Lyon.  Gemüse,  Blumen,  Baumschul- 
artikel etc.  (m.  Abb.).  —  Ernst  Bena  ry 
in  Erfurt.  Hauptverzeichnis  über 
dasselbe  (m.  Abb.).  --  Jacob  Zopes 
in  Fischenich  bei  Köln.  Desgl. 
Dammann  &  Co.  in  San  Giovanni  a 
Teduccio  bei  Neapel.  Desgl.  -  Metz 
&  Co.  in  Steglitz  bei  Berlin.  Haupt- 
verzeichnis über  dasselbe  und  über 
Baumschulartikel.  —  Dieselben:  Säm  e- 
reien  etc.  für  die  grossen  Kulturen  der 
Land-    und    Forstwirtschaft.    —    Otto 


Meyer  in  Tecklenburg  bei  Lengerich 
i.  W.Gemüse,  Blumen,  Obstbäume  etc. 
A.  Metz  &  Co.,  Berlin,  Bülowstr. 
Hauptverzeichnis.  —  Victor  Lagar- 
rique  in  Murviel  bei  Beziers 
ikreich).  Canna,  Chrysanthemum 
und  Dahlien.  —  Vallerand  freres  in 
Asnieres  (Seine)  und  Tave]  -<  ».). 

Begonien,  Cyclamen,  Gloxinien.  Canna 
etc.  —  Walter  Siehe  in  Mersina 
(Turquie  d'Asie,  Briefe  via  Marseille!). 
I'i  eislistefürWiederverkäufer.Aroideen, 
Galanthus  Cilicicus,  Sternbergia  ma- 
crantha,  diverse  Neuheiten,  Gehölz- 
sämereien, Tafeltrauben.  —  Billiard 
et  Barre  in  Fontenay-aux-Roses  (Seine). 
Canna,  Dahlien  etc. 


Personal-Nachrichten. 


Gelegentlich  des  40jährigen  Bestehens 
der  königl.  bayerischen  Gartenbau- 
Gesellschaft  ist  Herr  Geh.  Reg.-Rat 
Prof.  Dr.  Engler,  Direktor  des  königl, 
botanischen  Gartens,  Berlin,  zum  Ehren- 
mitglied ernannt,  städtischer  Garten- 
inspektor Axel  Fintelmann  -  Berlin 
und  städtischer  Garten  dir  ektor  Ko- 
wallek-Köln  zu  korrespondierenden 
Mitgliedern. 


Der  Veteran    der    Berliner    Gärtner. 
Herr  Demmler-Friedrichsfelde,  feiert 

am  23.  Februar  seinen  90.  Gebui: 


Charles  Joly,   Ehren-Vizepräsidenl 

der  Soc.  nat.  d'hort.  d.  France  Paris, 
korrespondierende^  Mitglied  des  Ver- 
eins zur  Beförderung  des  Gartenbaues, 
ist  zum  Ritter  der  Ehrenlegion  ernannt, 
eine  Ehre,  die  diesem  verdienten  Manne 
von  seinen  Freunden  schon  seit  langen 


Jahren  gewünscht  wurde.  Darum  ist 
jetzt  die  Freude  um  so  grösser;  es 
wird  ein  Festessen  veranstaltet  und 
Herrn  Joly  ein  Fhrengeschenk  über- 
reicht. 

Der  kgl.  wirkliche  Rat  Max  Kolb, 
<  »berinspektor  am  kgl.  botanischen 
Garten  in  München  feiert  am  19.  März 
sein  40jähriges  Dienstjubiläum  und 
zugleich  seine  40jährige  Mitgliedschaft 
derbayerischen Gartenbau-!  resellschaft 


Henry  Leveque  de  Vilmorin, 
Vizepräsident  derSoc.  d'hort.  deFrance, 
Ehrenmitglied  des  Vereins  zur  Be- 
rung  des  Gartenbaues,  ist  zum 
Offizier  des  Merite  agricole  ernannt. 
Mit  Recht  sagt  Gard.  Chron.,  dass  keine 
□  dieser  Arl  die  Achtung,  die 
Henry  de  Vilmorin  bereits  besitzt. 
not  h   erhöhen  ki">nnen. 


I  12 


Sprechsaal. 


Sprechsaai. 


Frage  1.  »Wie  kultiviert  man 
Fuchsia  corymbiflora,  damit  selbe  nicht 
nur  zu  stattlichen  Büschen  heran- 
wachsen, sondern  auch  einen  reich- 
lichen Blüthenflor  entwickeln?«  Ich 
habe  schon  die  verschiedensten  Kultur- 
methoden in  Anwendung  gebracht,  aber 
noch  ganz  wenig  Blüten  erzielt. 

K.  L.  in  O.  Böhmen. 

Antwort.  Fuchsia  corymbiflora  ist 
eine  von  jenen  langblumigen  Arten, 
welche  ihren  Flor  gleich  F.  boliviensis. 
serratifolia  u.  a.  erst  am  alten  aus- 
gereiften Holz  entwickeln.  Obgleich 
sich  nun  diese  holzigen,  strauchartigen 
Sorten  durch  den  Charakter  der 
Pflanzen  selbst  sowie  ihrer  Blüten- 
bildung in  Trauben  wegen  mehr  zur 
Hochstammform  eignen,  so  können 
durch  richtige  Vorbereitung  doch 
buschige  Pflanzen  erzogen  werden. 
Immerhin  ist  es  etwas  gewaltsam,  sie 
wie  die  gewöhnlichen  Marktfuchsien 
ziehen  zu  wollen. 

Man  pflanze  sie  in  1/2  Rasenerde, 
V2  Lauberde  und  groben  Sand,  gebe 
mehr  flache  als  tiefe  Gefässe  und 
drainiere  gut.  Einjährige  überwinterte 
Pflanzen  schneide  man  bei  Beginn  des 
Triebes  kurz  zurück,  um  möglichst 
viel  Triebe  von  unten  zu  erhalten;  die 
sich  zeigenden,  schwachen  Triebe  ent- 
ferne man  gänzlich.  Diese  in  nicht 
zu  warmen  Kasten  und  nahe  dem  Licht 
vorzunehmende  Anzucht  kann  durch 
Kubdung  unterstützt  werden.  Noch 
einmal      nun      verpflanzt,      sind      die 


Pflanzen  immer  mehr  abzuhärten,  bis 
sie  gänzlich  ins  Freie  gebracht  werden 
können.  Kann  es  geschehen,  so  gebe 
man  ihnen  einen  möglichst  sonnigen 
Platz,  etwa  jenem  entsprechend, welchen 
man  Azaleen,  Rhododendron  gern  zur 
guten  Knospenbildung  reserviert.  Dort 
werden  sie  eingefuttert  und  die  Töpfe 
mit  kurzem  Dung  gedeckt.  Ein  Ver- 
brennen der  Blätter  kann  nur  bei  lässig 
abgehärteten  Pflanzen  vorkommen,  bei 
in  der  Sonne  gewachsenen  Blättern 
geschieht  es  nicht.  Die  langsame 
Triebentwicklung  in  voller  Sonne 
sichert  ein  Blühen  an  jeder  Spitze; 
jedenfalls  ist  dasGegenteil,  eineschnelle 
Triebbildung,  möge  sie  noch  so  kräftig 
sein,  ohne  richtige  Reife  des  Holzes, 
die  Ursache  ihres  unwilligen  Blühens. 
Schliesslich  sei  noch  erwähnt,  dass 
zu  diesem  Ausreifen  auch  die  richtige 
Ueberwinterung  gehört.  Ausser  Vege- 
tation sollen  die  Pflanzen  kalt  —  in 
einem  nur  eben  frostfreien  Raum  —  und 
trocken  gehalten  werden.     G.  Kittel. 


Frage  2:  Entwickelt Arum  palaesti- 
num,  syn.  sanctum,  syn.  Richardia 
sancta,  während  der  Blütezeit  einen 
schlechten  Geruch,  wie  beispielsweise 
Arum  Dracunculus  oder  andere  Arum- 
Arten? 

Antwort:  Nur  in  nächster  Nähe  ist 
der  Geruch  etwas  unangenehm;  bei 
weitem  nicht  so  stark  wie  A.  Dra- 
cunculus.    Der  Blumen-Ausschuss. 


Tagesordiiiui 


für  die 


856.  Versammlung  des  Vereins  z.  Beförderung  d.  Gartenbaues  i.  d.  pr.  Staaten 

am  Donnerstag,  den  23-  Februar  1899,  6  Uhr, 

im  grossen  Hörsaal  der  Königl.  landw.  Hochschule,  Invalidenstrasse  42. 
1.  Professor  Dr.  Carl  Müller:  Über  das  Ives'sche  Verfahren  der  Reproduktion  von 
Photographien  in  natürlichen  Farben  und  seine  Bedeutung  für  den  Gartenbau.  (Mit  Demon- 
stration des  Chromoskopes).  2.  Ausgestellte  Gegenstände.  3.  Antrag  der  vereinigten  Ausschüsse: 
a)  den  Fonds  der  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung  für  Gärtner  von  6S00  auf  10000  M. 
zu  erhöhen;  b)  der  Kgl.  Gärtner-Lehranstalt  Potsdam  zu  ihrem  70 jährigen  Jubiläum  eine 
Summe  von  5ooo  M.  unter  dem  Namen  „Stipendienfonds  des  Vereins  zur  Beförderung  des 
Gartenbaues"  zu  überweisen.  4.  Vorlage  des  Programms  der  grossen  Winterblumen-Aus- 
stellung im  Februar  1900  im  Zoologischen  Garten.  5.  Verschiedenes.  —  Mit  Rücksicht  auf 
die  Vorführung  farbiger  Photographien  wird  um  pünktliches  Erscheinen  gebeten. 


Die  Baumschulen  der  Herren  Jurissen  &  Sohn 
in  Naarden  (Holland). 

,,_.  Von   L.   Wittinack. 

m  2.  Üsterleiertage,  den  11.  April  1898,  tuhr  ich  von  Amsterdam  mit 
einem  Zuge  der  Holländischen  Eisenbahngesellschaft  nach  der  südöstlich 
gelegenen  Station  Naarden-Bussum,  zwei  Vororten  von  Amsterdam  mit  vielen 
Villen,  die  z.  T.  von  Amsterdamern  bewohnt  werden.  Mich  überraschten  in  den 
Eisenbahnwagen  die  grossen  schönen  Photographien,  welche  die  bemerkens- 
wertesten Gegenden,  die  von  der  Holländischen  Eisenbahngesellschaft  berührt 
werden,  darstellen  und  die  von  den  Photographen  Brainick  &  I.eusink  in  Arn- 
heim  angefertigt  sind.  Da  sah  man  z.  B.  Alkmar,  den  Stadtwall  zu  Amersfoort, 
den  Markt  zu  Xymwegen  (Xijmegen),  den  Park  zu  Ilet  Loo  etc.  etc.  Mag  das 
vielleicht  auch  Reklame  der  Photographen  sein,  jedenfalls  lässt  man  sich  eine 
derartige  belehrende,  künstlerisch  ausgeführte  Reklame  gern  gefallen. 

Nachdem  man  in  unmittelbarer  Nähe  von  Amsterdam  viel  Gartenland 
und  viele  kleine  Kanäle  passiert,  durchschneidet  die  Bahn  den  grossen  Polder 
>Watergraafsmeer«  mit  ausgedehnten  grünen  Wiesentlächen,  berührt  das 
Städtchen  Weesp  an  der  Vecht,  wo  sich  die  grossen  Gebäude  der  Kakaofabrik 
des  Herrn  van  Houten  befinden,  der  für  seine  Angestellten  eine  grosse  schöne 
Parkanlage  schaffen  wird,  fährt  weiter  durch  das  eingedeichte  ehemalige 
»Xaardener  Meer«  und  ist  in  33  Minuten  schon  in  Naarden-Bussum. 

Mein  Ziel  war  die  berühmte  Baumschule  der  Herren  Jurissen  &  Sohn 
in  Naarden*),  die  nicht  fern  von  der  Station  gelegen,  und  unter  der  freundlichen 
Führung  des  Vaters  und  seiner  Söhne  konnte  ich  eingehender  dieselbe  be- 
sichtigen, wenngleich  die  Jahreszeit  noch  zu  wenig  vorgeschritten  war,  um  die 
Laubgehölze  im  Blätterschmuck  zu  schauen.  Um  so  mehr  fesselten  daher  die 
Koniferen  und  andere  immergrüne  Gehölze  die  Aufmerksamkeit. 

Die  Baumschule  besteht  aus  drei  z.T.  etwas  weit  von  einander  liegenden 
Teilen  und  umfasst  im  Ganzen  ca.  50  ha. 

Der  Boden  ist  in  der  Oberkrume  ein  humoser.  z.  T.  anmooriger  Boden, 
im  Untergrund  ist  bis  zu  40  cm  Tiefe  guter  humoser  Sand.  In  der  ganzen 
Umgegend  von  Xaarden  lag  ursprünglich  eine  3  — 4  m  hohe  Sandschicht  über 
dem  fruchtbaren  Humusboden.  Seit  80  —  i<><>  Jahren  hat  man  angefangen, 
den  Sand  abzutragen,  diesen  auf  Kanälen  nach  Amsterdam  etc.  zu  schaffen,  wo 
er  zu  den  Hafenbauten  u.  s.  w.  verwendet  wird,  und  li.it  nach  der  Abtragung 
ein  Land  erhalten,  so  wertvoll,  dass  es  statt  früher  300  ^oo  fl.  jetzt  3000  bis 
3000  fl.  pro  ha  kostet. 

•  Die  direkte  Linie  Berlin  Rheine— Almelo  Hilverssum— Amsterdam  berührt  auch 
Naarden.  Der  Zug  10  Ihr  abends  Berlin,  Friedrichstrassc.  ist  am  nächsten  Vormittag  9  Uhr 
schon   in   Naarden. 


"4 


Die  Baumschulen  der  Herren  Jurissen  &  Sohn. 


Die  vielen  Kanäle  erleichtern  auch  den  Betrieb  der  Baumschule  ungemein. 
alles  kann  per  Kahn  herbeigeschafft  und  ebenso  damit  abgeführt  werden.  Der 
Boden  ist  ausserdem  leicht  zu  bearbeiten  und  leicht  rein  zu  halten.  Die  niedrige 
Lage  und  vor  allem  die  Xähe  der  Zujdersee  bewirkt  eine  grosse  Feuchtigkeit, 
namentlich  der  Luft,  und  so  ist  denn  das  Wachstum  der  Pflanzen  ein  höchst 
erfreuliches,  wie  auch  der  Graswuchs  auf  den  vielen  Wiesen  in  der  Umgegend 
ein  sehr  üppiger  ist.  Das  Grundwasser  steht  in  1  —  1V2  m  Tiefe.  Beim  Rigolen 
kommt  der  Dünger  deswegen  auf  den  zweiten  Spatenstich,  nicht  in  den  kalten 
Untergrund. 

In  dem  ersten  Teil  der  Baumschule,  der  am  nächsten  der  Bahn  belegen, 
werden  besonders  die  Sortimente  gehalten.  Hier  sah  man  u.  a.  eine  Picea 
Omorica.  die  Herr  Jurissen  aus  Potsdam  erhalten,  Thuja  Lobbiana,  Picea 
excelsa  pendula*),  eine  hübsche  hängende  Fichte  aus  Frankreich,  Berberis 
stenophylla  Mast.  (B.  Darwini  X  empetrifolia),  schmalblättrige  Berberitze,  die 
viel  von  Landschaftsgärtnern  gekauft  wird,  Chamaecyparis  pisifera  aurea, 
viel  hübscher  als  plumosa  aurea,  wundervoll  gelb,  Thuja  occidentalis  Hoveyi 
Hort.,  eine  hübsche  hellgrüne  aufrechte  Form,  die  aber  unter  Schneedruck 
etwas  leidet,  Hex  aquifolium  aurea,  sehr  schön,  oben  gelb,  unten  weiss,  I.  a. 
bromeliaefolium  maculatum,  Pinus  ayanensis  Fisch,  (früher  Alcockiana  Yeitch.), 
unterseits  blauweiss.  sehr  schön,  und  viele  Blutbuchen,  die  namentlich  stark 
nach  Deutschland  gehen.  Linden  sind  in  vielen  schönen  Exemplaren  vor- 
handen und  werden  u.  a.  waggonweise  nach  Deutschland  und  Dänemark  ge- 
schickt. Von  Ulmen  wird  für  Alleen  viel  die  von  Rinz  in  Deutschland  ge- 
züchtete Ulmus  campestris  monumentalis  begehrt,  weil  diese  nicht  so  in 
die  Breite  wächst.  Umgekehrt  wird  Ulmus  c.  horizontalis  sehr  breit  und  finden 
sich  zwei  Reihen  schöner  Exemplare  nach  Herrn  Jurissen  auf  dem  Fischmarkt 
in  Lüttich,  die  in  6  m  Höhe  gepfropft  sind  und  mit  ihren  breiten,  horizontalen 
Kronen  den  ganzen  Platz  beschatten. 

Hübsch  baut  sich  Ulmus  campestris  suberosa  pendula,  eine  hängende  Form 
der  Korkulme.  Die  Vermehrung  der  gewöhnlichen  holländischen  Ulmen 
erfolgt  durch  Ableger,  die  dann  eventuell  einjährig  veredelt  werden. 

Sehr  gesucht  sind  jetzt  Platanen,  die  kaum  zu  haben  sind.  Sie  werden 
durch  Stecklinge  vermehrt.  Auffallend  ist  auch  die  Nachfrage  nach  Pirus 
salicifolia  pendula,  dem  Lieblingsbaum  des  verstorbenen  Hermann  Jäger;  jähr- 
lich werden  ca.  500  Stück  verkauft.  Vom  Kirschlorbeer  besitzt  Herr  Jurissen 
eine  kaukasische  Varietät,  die  viel  dunkler  und  breiter  ist  (Wohl  ähnlich  wie 
Herrn  Späths  schipkaensis).  Von  Herrn  Frahm-Elmshorn  hat  er  die  neue 
schwarze  Blutbuche  bezogen,  welche  die  Jurissen  sehe  grossblätterige  aber 
nicht  übertreffen  soll. 

Von  Birnbäumen  wird  eine  holländische  Lokalsorte,  die  Dirkjes  Birne, 
sehr  viel  herangezogen;  sie  reift  im  August  und  September,  ist  eine  gute  Koch- 
birne und  bildet  sehr  gesunde,  schöne  Bäume,  die  in  der  Baumschule  im  Alter  von 
5 — 7  Jahren  schon  12 — 16  cm  Umfang  erreichen  und  viel  von  der  ländlichen 
Bevölkerung  gekauft  werden.  Auch  mehrere  Hunderte  Birnen  in  feinen  Sorten, 
ebenfalls    von  12 — 16  cm  Stammumfang    stehen   als  Prachtbäume  abgebbar  da. 


*)   Ob  identisch  mit  der  von   L.  Späth  angebotenen  Picea  excelsa  pendula  major.' 

L.  W. 


Die   Baumschulen  der  Herren  Jurissen  &  Sohn.  !  ,  r 

Zur  Zwischenveredelung  benutzt  man  besonders  die  St.  Nicolasbirne,  auch 
die  normannische  Ciderbirne,  doch  ist  letztere  nicht  so  <rut.  Zwischen- 
veredelungen wendet  man  an  bei  Jägerbirnc.  bunte  Juliusbirne,  Winterdechants- 
birne  etc. 

Ann  Kirschen  ist  die  Köstliche  von  Erfurt  in  tragbaren  starken 
Pyramiden  viel  vorhanden.  Diese  Sorte  ist  spätreifend  und  von  J.  C.  Schmid  t- 
Erfurt  sehr  empfohlen. 

Für  Friedhöfe  sind  hängende  Prunus  Mahaleb  pendula,  Salix  vitellina 
pendula  u.  a.  sehr  zu  empfehlen. 

Vor  dem  Verlassen  des  ersten  Teils  der  Baumschule  besichtigen  wir 
noch  einen  höchst  zweckmässigen  Schuppen,  der,  trotzdem  er  20  m  lang  und 
5  m  breit  ist.  nicht  mehr  als  ca.  800  M.  kostet.  Das  Gerippe  besteht  aus 
starken  Pfosten,  die  Wände  sind  aus  einem  Rohrgeflecht,  das  mit  Gips  be- 
worfen ist,  das  Dach  ist  aus  Rohr.  An  den  Seiten  sind  einige  Fenster,  so  dass 
es  im  Innern  sehr  hell  ist.  Die  Rohrwand  und  das  Rohrdach  bewirken,  dass 
der  Raum  im  Winter  nicht  zu  kalt,  im  Sommer  nicht  zu  warm  wird. 

Der  zweite  Teil  der  Baumschule  enthält  Obst-  und  Zierbäume.  Ein  Teil 
der  Birnbäume  war  nicht  okuliert,  sondern  auf  den  Wurzelhals  gepfropft;  man 
thut  das  dann,  wenn  die  Unterlage  schon  sehr  stark  ist.  Die  Kirschen  waren 
schon  vor  vier  Wochen  gepfropft,  also  schon  in  der  1.  Hälfte  des  März.  So 
früh  könnte  man  das  bei  uns  nicht  machen.  Der  Wuchs  der  Kirschbäume  ist 
ausserordentlich;  Bäume,  die  vor  zwei  Jahren  einjährige  Veredelungen  waren, 
sind  jetzt  3'/3  m  hoch.  Der  Boden  ist  auch  so  fruchtbar,  dass  man  bei  Wiesen- 
acker, (wenn  umgebrochene  Wiesen  benutzt  werden),  die  ersten  4— 6  Jahre  gar 
keinen  Dünger  braucht.  Ebenso  üppig  wachsen  die  Ulmen.  Wenn  diese  an 
der  Basis  abgeschnitten  werden,  machen  sie  Triebe  bis  4  m;  dies  gilt  von  der 
sogenannten  holländischen,  grossblätterigen  Ulme.  Ähnlicher  Wuchs  herrscht 
bei  den  Pappeln,  von  denen  namentlich  die  canadische  viel  gepflanzt  wird. 
Pappelholz  ist  in  Holland  sehr  gesucht,  es  dient  zu  Kisten,  zur  Bekleidung  der 
Wände  in  den  Häusern  und  besonders  zu  Ilolzsc  huhen.  Besonders  viele 
Pappeln  finden  sich  in  den  Provinzen  Nord-Brabant  und  Zeeland,  in  20  Jahren 
erreicht  eine  Pappel  einen  Wert  von  ca.  25  Gulden. 

Der  dritte  Teil  der  Baumschule  beherbergt  besonders  die  Koniferen. 

Wir  sehen  schöne  Nordmannstannen  und  viele  junge  Pseudotsuga 
Douglasii,  die  für  die  Forsten  verlangt  werden.  Sehr  schön  ist  eine  bunt- 
blätterige Form  von  Chamaecyparis  Lawsoniana,  welche  nach  Dr.  Wester- 
mann als  var.  Westermanni  bezeichnet  wird;  selbst  die  Triebe  sind  panachiert. 
Dass  Araucaria  imbricata  meist,  wenn  auch  nicht  immer,  im  Freien  aushält, 
darf  in  Holland  vielleicht  nicht  Wunder  nehmen.  Picea  excelsa  aurea  wird 
im  Sommer  grün,  ist  aber  im  Winter  schön  goldgelb  und  verdient  daher  in 
der  Xähe  der  Wohnungen  einen  Platz. 

Von  Laubgehölzen  seien  noch  hervorgehoben:  der  hängende  Maulbeer- 
baum, Morus  alba  pendula,  neu;  Prunus  Pissardi  als  Pyramiden  gezogen,  Blut- 
buchen desgleichen,  Tilia  euchlora,  von  der  einige  sehr  starke  kürzlich  nach 
Wiesbaden  geliefert,  und  Prunus  cerasus  globosa  Späth,  eine  herrliche 
Ku.uelform,  die  man  in  kleinen  Städten  Sachsens  sogar  als  Alleebäume  benutzt, 
Prunus  pumila  pendula  etc.  Von  hochstämmigen  Kirschen  sahen  wir  sehr 
schöne  einjährige  Veredelungen  mit  vier  Asten. 


1  i  (3  Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 


Noch  vieles  wäre  zu  sehen  gewesen,  doch  die  Zeit  drängte  und  wir 
eilten  nach  Hause.  Der  Weg  führte  über  eine  höchst  originelle  Drehbrücke, 
wie  sie  vielfach  bei  kleineren  Kanälen  benutzt  werden.  Ein  Brett  ist  auf  einer 
Seite  mit  zwei  Sandkästen  beschwert  und  stellt  sich  dadurch  wie  eine  Wippe 
hoch,  so  dass  die  Schiffe  vorbeigehen  können;  will  eine  Fussgänger  das  Brett 
als  Brücke  benutzen,  so  wird  es  heruntergezogen  und  herumgedreht. 


Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 

Vom  Landwirtschaftlichen  Sachverständigen  bei    der  Kaiserlichen  Botschaft  in  London. 
rz^c^      (Veröffentlicht  in  den  Mitteilungen  der  Deutschen  Landwirtschafts-Gesellschaft.; 

4LS))as  britische  Ackerbau-Ministerium  giebt  in  seinen  jährlichen  »Agricultural 
\^£~>  Returns«  u.  a.  auch  eine  Statistik  über  die  Ausdehnung  sowie  Abnahme 
oder  Vermehrung  der  Obstgärten  von  Grossbritannien.  Die  Statistik  ist,  wie 
das  Ministerium  selbst  dazu  bemerkt,  nicht  ganz  sicher.  Sie  teilt  die  zum  Obstbau 
benutzten  Ländereien  seit  dem  Jahre  1888  ein  in  »orchards«,  d.  h.  mit  Obst- 
bäumen bepflanzte  Gärten,  und  in  »acreage  under  small  fruit",  d.  h.  Flächen, 
welche  der  Zucht  von  Erdbeeren,  Stachelbeeren,  Johannisbeeren  und  anderen 
kleinen  Früchten  dienen.  Weil  aber  häufig  Ländereien  mit  beiden  Obst- 
Gattungen  zusammen  bepflanzt  sind,  so  erscheinen  sie,  soweit  das  der  Fall  ist. 
in  beiden  Abteilungen.  Ausserdem  waren  bei  früheren  Schätzungen  Irrtümer 
in  der  Bezeichnung  und  Unterbringung  der  verschiedenen  Fruchtsorten  unter 
die  beiden  erwähnten  Arten  vorgekommen.  Dieser  Umstand  hatte  bedeutende 
Berichtigungen  in  den  letzten  »Returns«  für  1897  gegenüber  denen  der  früheren 
Jahre  nötig  gemacht  und  mit  dazu  beigetragen,  die  angegebene  Fläche  für 
kleinere  Früchte  im  Jahre  1897  um  mehr  als  6000  Acker*)  zu  verringern.  Die 
Abnahme  ist  aber,  wie  ausdrücklich  dazu  bemerkt  wird,  nicht  allein  auf 
Rechnung  dieser  Berichtigungen  zu  schreiben.  Es  hat  vielmehr  an  einzelnen 
Orten  auch  eine  wirkliche  Abnahme  im  Anbau  der  kleineren  Fruchtsorten 
stattgefunden.  Diese  wirkliche  Abnahme  wird  dem  Wettbewerb  der  von  den 
Kanal-Inseln  und  anderswoher  eingeführten  Früchte  zugeschrieben. 

Diese  Erörterungen  schienen  nötig,  um  den  Wert  der  nachstehenden 
Zahlen  über  die  Ausdehnung  des  Obstbaues  in  Grossbritannien  in  das  richtige 
Licht  zu  stellen.  Es  sind  zunächst  die  Baum-Obst-Gärten  und  dann  die  Gärten 
für  kleinere  Früchte  zu  besprechen. 

Die  Obstgärten  (orchards)  von  Grossbritannien  zeigen  seit  den  letzten 
20 — 25  Jahren  eine  fast  ununterbrochene,  wenn  auch  zuletzt  eine  langsame  Zu- 
nahme. Ihre  Gesamtfläche  betrug  im  Jahre  1875  155  000  Acker,  im  Jahre  1S97 
aber  224116  Acker.  Die  Zunahme  der  letzten  Jahre  ergiebt  sich  ausfolgenden 
Ziffern,  welche  die  Gesamtfläche  der  Obstgärten  in  den  Jahren  1891  — 1897 
zeigen: 


1891 

209  996  Acker, 

1892 

208  950   » 

1893 

2 1 1  664   » 

1894 

214  187 

1895 

218  428  Acker, 

1896 

221  254   » 

1807 

224  1 16   » 

1    acre  (Acker)  =  40,45   Ar. 


Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 


"7 


Dir    Fläche    verteilt    sich    au!    England,    Wales    und    Schottland    in    den 

genannten  Jahren  in  folgendem  Verhältnisse: 


1S91  1892  1S93  1894 


1896 


1897 


England.     . 

204530 

203  .--J" 

200314 

-'•■X    82  1 

2  l  _'  963 

2  15  642 

3l8  3Ö1 

Wales      .     .     . 

3  539 

3509 

3  429 

3    509 

3  677 

3  7"7 

Sch»  ittland  .     . 

1  927 

1  921 

1  921 

1      857 

1  901 

1935 

2   I4S 

England  hat  hiernach  bei  weitem  den  grössten  Anteil  an  der  Obstgarten- 
fläche  Grossbritanniens.  Es  zeigt  sich  gleichzeitig  auch  die  stärkste  Zunahme 
desselben.  Dies  erklärt  sich  aus  Boden  und  Klima.  Der  weitaus  grösste  Teil 
der  Obstgärten  liegt  im  Süden  und  Südwesten  von  England,  d.  h.  denjenigen 
Grafschaften,  deren  Klima  dem  Obstbau  am  günstigsten  ist.  Dies  ergiebt  sich 
aus  der  nachstehenden  Übersicht,  welche  12  Grafschaften  Englands  mit  den 
grössten  Obstgartenflächen  aufzählt: 

1  896. 

26944 
36  347 
-,4MS" 
24  093 
20  165 

13  724 
5  096 

4830 

4  593 

4  530 

3  9V 

3  535 

Diese  12  Grafschaften  enthalten  zusammen  10.8637  Acker  oder  dreiviertel 
der  Gesamt-Obstgartenfläche  von  England.  Mit  Ausnahme  von  Kent,  dem  s.  g. 
Garten  von  England  im  Südosten  und  von  Middlesex  bei  London,  liegen  sie 
sämtlich  dicht  beieinander  im  westlichen  England.  Von  ihnen  weisen  nur  zwei. 
Cornwall  und  Dorset,  im  letzten  J2hre  keine  Zunahme  auf. 

Es  darf  nicht  angenommen  werden,  dass  alle  als  »Obstgärten«  bezeichneten 
Flächen  diesen  Namen  verdienen  und  wirkliche  Obstgärten  sind.  Es  wird 
selbst  in  der  amtlichen  Statistik  dazu  alles  »pflügbare  oder  unter  Gras  Liegende 
Land«  gerechnet,  welches  Obstbäume  irgend  welcher  Art  trägt,  daneben  aber 
oder  sogar  hauptsächlich  für  andere  landwirtschaftliche  Zwecke  gebraucht  wird. 
In  den  meisten  Fällen  handelt  es  sich  nur  um  Weideland,  das  mit  Apfel-  oder 
Birnbäumen  bepflanzt  ist,  welche  mehr  oder  weniger  sich  selbst  überlassen 
bleiben  und  keine  aufmerksame  Fliege  erhalten.  Von  den  318000  Acker  Obst- 
gärten« in  England  bestehen  volle  170000  aus  solchem  Weide-  und  Grasland. 
Auch  diese  Einschränkung  lässt  nicht  die  Verwahrlosung  voll  ersehen,  in 
welcher  sich  ein  grosser  Teil  der  Obstbäume  auf  diesen  Grasländereien  befindet. 
Das  englische  Ackerbau-Ministerium  hat  eine  eingehende  Prüfung  der  gej 
wältigen  Lage  des  Obstbaues  in  England  angestellt  und  in  der  letzten  Nummer 
seines  »Journal«  zum  ersten  Male  unter  dem  Titel   »english  orchards     eine  amt- 


Grafschaft: 

1897. 

Devon     .     .     . 

27  093 

Hereford     .     .     . 

26  392 

Sommerset .     . 

24  732 

Kent   .... 

24  2  1  1 

Worcester  .     .     . 

20  568 

Gloucester       .     . 

18  920 

Cornwall     .     . 

5074 

Middlesex    .     . 

4  895 

Salop       .     .     . 

4699 

Dorset     .     .     . 

4  392 

Munmouth  .     . 

4  0 1  2 

Wilts  .... 

•       3  649 

iSm7    verglich 

en   mit    1896. 

Zunahme. 

Abnahme. 

149 

— 

45 

— 

343 

— 

1  l8 

— 

4"  3 

— 

L96 

— 

— 

a 

65 

— 

106 

— 

— 

138 

35 

— 

04 

— 

Il8  Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 

liehe  Veröffentlichung  darüber  veranlasst.  Leider  ist  bisher  nur  ein  Teil  der 
Ergebnisse  der  bezüglichen  Untersuchungen  in  dem  genannten  ».Journal«  ver- 
öffentlicht. Die  bisherigen  Mitteilungen  über  den  Zustand  der  Obstgärten  sind 
aber  schon  von  grossem  Interesse. 

Der  Bericht  des  Ackerbau-Ministeriums  beginnt  mit  der  Feststellung,  dass 
ein  grosser  Teil  der  Gras-Obstgärten  nicht  die  Hälfte  der  erzielbaren  Früchte 
trägt  und  dass  ein  grosser  Teil  des  Obstes  selbst  von  gewöhnlicher,  sogar 
dürftiger  Beschaffenheit  ist.  Es  wird  dabei  ausdrücklich  hervorgehoben,  dass 
dieses  Urteil  für  den  grösseren  Teil  sämtlicher  s.  g.  Gras-Obstgärten,  sowohl 
im  Osten  wie  im  Westen,  gilt  und  dass  die  einzige  Rettung  in  der  Vernichtung 
der  alten  Bäume  und  ihrer  Ersetzung  durch  neue  und  gute  Sorten  bestehen  würde. 

Zunächst  ist  bei  Anlage  von  Obstgärten  in  der  Auswahl  der  richtigen 
Obstbäume  und  Obstsorten  viel  versehen.  Trotz  vieler  Bemühungen,  hierin 
einen  Fortschritt  herbeizuführen,  hält  der  englische  Farmer  an  der  »guten 
alten  Methode«  fest  und  bequemt  sich  nicht  zur  Annahme  »unpraktischer 
Erfindungen  der  Neuzeit«,  wie  er  sie  nennt.  Selbst  die  erdrückende  Einfuhr 
von  Obst  aus  den  Vereinigten  Staaten  und  Kanada  hatten  ihn  nicht  zu  grösserer 
Rührigkeit  anspornen  können. 

Ferner  ist  aus  »Unwissenheit  und  Nachlässigkeit«,  wie  der  Bericht  sagt, 
viel  beim  Pflanzen  der  Bäume  und  noch  mehr  bei  ihrer  späteren  Pflege  gesündigt 
worden.  Junge  Bäume  werden  beim  Umpflanzen  oft  und  zu  lange  ausserhalb 
der  Erde  gelassen.  Ihre  Wurzeln  werden  nicht  richtig  behandelt.  Die  Löcher, 
in  welche  sie  gepflanzt  werden  sollen,  sind  zu  klein,  zu  flach  oder  zu  tief.  Der 
junge  Baum  hat  daher  von  Haus  aus  kein  gesundes  Wachstum  und  ist  den 
Angriffen  der  Feinde,  schädlicher  Insekten  und  Schwämme,  mehr  als  nötig  aus- 
gesetzt. Dann  ist  er  nicht  genügend  gegen  das  um  ihn  herum  weidende  Vieh 
und  die  Kaninchen  geschützt,  oder,  selbst  wenn  er  geschützt  ist,  mit  Draht  und 
Stricken  so  fest  an  die  schützenden  Pfähle  gebunden  worden,  dass  seine  Rinde 
darunter  leidet.  In  einem  gewöhnlichen  Garten  ist  selten  ein  Baum  zu  finden, 
der  nicht  Zeichen  dieser  schlechten  Behandlung  an  sich  trägt.  Die  Einschnitte 
der  Drähte  haben  zu  Schwellungen  der  Rinde  Anlass  gegeben,  welche  nach 
dem  Bericht  des  Ackerbau-Ministeriums  zu  Herden  der  Nectria  ditissima  und 
Schhizoneura  lanigera  geworden  sind.  Eine  regelmässige  Düngung  der  Bäume 
findet  in  den  Durchschnitts-Gärten  überhaupt  nicht  statt.  Sie  wird  sogar  noch 
immer  vielfach  für  ganz  überflüssig  gehalten.  Das  Gras  wächst  bis  an  den 
Stamm  der  Bäume  und  entzieht  ihren  Wurzeln  die  Düngestoffe  und  die  Feuchtig- 
keit. Ebensowenig  Aufmerksamkeit  wird  der  regelmässigen  Beschneidung  der 
Bäume  gewidmet.  Ein  sogenannter  englischer  Obstgarten  macht  daher  im 
Durchschnitt  einen  mehr  oder  minder  verwahrlosten  Eindruck.  Der  Bericht 
des  Ministeriums  bedauert  daher  mit  Recht  den  »beklagenswerten  Zustand  einer 
grossen  Zahl  englischer  Obstgärten.» 

Über  die  Gärten  mit  »small  fruit«,  d.  h.  die  mit  kleineren  Gartenfrüchten 
bebauten  Grundstücke,  äussert  sich  der  bisher  veröffentlichte  Teil  des  Berichts 
noch  nicht.  Die  Ausdehnung  der  den  kleineren  Früchten  gewidmeten  Flächen 
ist  nach  der  amtlichen  Statistik  in  den  Jahren   1S93— 1897  folgende  gewesen: 

1896  76  245  Acker, 

1897  69794 


1893 

59  694  Acker, 

1894 

62  457   » 

1 895 

68  122 

Obstbau  und  Obsthandd   in   England.  i  ig 


Die  teils  scheinbare,  teils  wirkliche  Abnahme  dieser  Flachen  ist  bereits 
im  Eingang  besprochen  worden.  Im  allgemeinen  möge  bemerkt  werden,  dass 
den  festländischen  Reisenden  die  geringe  Aufmerksamkeit  und  Pflege  bei  de] 
Zucht  dieser  Gartenfrüchte,  selbst  für  den  privaten  Gebrauch,  befremdet. 
Diese  Vernachlässigung  erscheint  noch  wunderbarer,  wenn  dabei  der  absatz- 
fähige Markt  in  Betracht  gezogen  wird,  den  das  reiche  England  fast  überall, 
selbst  in  scheinbar  entlegenen  Bezirken,  bietet.  Aber  Obststräucher,  Pflanzen 
und  Beete  befinden  sich  meist  in  einer  völlig  urzuständlichen  Verfassung,  was 
die  Auswahl  der  Fruchtsorten,  wie  auch  die  Haltung  und  das  Aussehen  der 
Pflanzungen  betrifft.  Die  llimbeer-,  Johannisbeer-  und  Stachelbeer-Sträuch<i 
sind  verwahrlost,  unbeschnitten,  der  Boden  um  sie  herum  ist,  wenn  er  überhaupt 
bearbeitet  ist,  nicht  aus  Rücksicht  auf  die  Sträucher  bearbeitet  worden,  sondern  für 
andere  Gartenzwecke.  Die  Erdbeerbeete  sind  ungehackt,  hart  und  von  Unkraut  so 
überwachsen,  dass  die  Früchte  nicht  Luft  noch  Licht  erhalten.  Kurz,  es  drängt 
sich  dem  Beschauer  sofort  der  Eindruck  auf,  dass  es  dem  Durchschnitts-Farmer 
in  England  fern  liegt,  aus  der  Obstzucht  einen  Erwerbszweig  zu  machen. 

Natürlich  befinden  sich  nicht  alle  Fruchtgärten  in  dem  geschilderten, 
beklagenswerten  Zustande.  Die  guten  sind  aber  in  der  Minderheit,  und  nur 
selten  sieht  man  Gärten,  die  eine  dauernde  aufmerksame  Pflege  und  die  Absicht 
verraten,  mit  dem  Anbau  und  dem  Verkauf  von  Obst  Geschäfte  zu  machen. 
Namentlich  sind  es  die  schwarzen  Johannisbeeren,  die  für  den  englischen  Markt 
gebaut  werden  und  leicht  Absatz  finden.  Der  Verbrauch  dieser  Beeren  in 
gekochtem  Zustande  ist  hier  sehr  bedeutend.  Die  Beeren  werden  als  Kompot, 
in  Kuchen  u.  s.  w.  in  grossen  Massen  genossen.  Man  kann  fast  sagen,  dass 
man  die  guten,  planmässig  bebauten  und  betriebenen  Obstgärten  sofort  an  ihrer 
regelmässigen  Bepflanzung  mit  Johannisbeersträuchern  erkennt.  Sie  sind  meisl 
reihenweise  unter  die  höheren  Fruchtbäume  gepflanzt,  machen  das  Gras  über- 
flüssig und  gewähren  die  Möglichkeit  einer  besseren  Bearbeitung  des  Bodens 
auch  zum  Vorteil  der  höheren- Fruchtbäume. 

Die  Zucht  von  edlem,  an  Mauern  und  Spalieren  gezogenem  Obst,  wie 
Pfirsichen,  Weintrauben  u.  s.  w..  ist  fast  noch  mehr  vernachlässigt  wie  die  der 
gewöhnlichen  Obstsorten.  Von  den  Luxus-Obstgärten  der  reichen  Landeigen- 
tümer oder  Gross-Kapitalisten,  die  ihre  Landhäuser  damit  umgeben,  soll  hier 
nicht  die  Rede  sein.  In  ihnen  werden  die  Früchte  hauptsächlich  für  den  eigenen 
Bedarf  gezogen  und  kommen  nicht  auf  den  Markt.  Jene  Vernachlässigung  muss 
auffallen.  Der  englische  Markt  --  der  Markt  Londons  mit  seinen  o  Millionen 
Abnehmern  und  derjenige  der  andern  grossen  Städte  Englands  ist  ungeheuer 
aufnahmefähig!  '  Die  Preise,  welche  dort  willig  für  Obst  gezahlt  werden,  sind 
ganz  unverhältnismässig  hoch.  Ein  essbarer  Apfel  ist  auf  dem  Londoner  Markt 
nicht  unter  1  —  2  Silbergroschen  (1—2  d)  zu  haben,  eine  gute  Hirne  nicht  unter 
3—4  Silbergroschen.  Und  doch  sind  es  fast  ohne  Ausnahme  eingeführte  Früchte, 
die  man  dort  kauft.  Englisches  Obst  ist  auf  dem  Markt  überhaupt  nicht  oder 
doch  nur  für  Kochzwecke  zu  haben.  Nichts  ist  schwerer,  als  auf  dem  Markt 
in  London  einen  essbaren  englischen  Apfel  oder  eine  gute  englische  Birne  zu 
finden.  Fs  ist  sogar  schwer,  sie  in  dem  vFruchtgarten  vor.  England  .  im 
Herzen  von  Kent,  zu  kaufen. 

Der  Durchschnitts-Farmer  hat  wenig  Sinn  und  Verständnis  für  gutes  Obsl 
und  kann  sich  noch  weniger  in  den  Geschmack  des  Städters,    der    jeden  Preis 


1 20  '  Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 

dafür  zu  zahlen  bereit  sein  würde,  hineindenken.  Er  kennt  weder  die  outen 
Obstsorten,  noch  kümmert  er  sich  um  den  Zustand,  in  welchem  das  Obst  zu 
Markte  kommt.  Es  wird  in  der  sorglosesten  Weise  von  den  Bäumen  genommen, 
geschüttelt,  abgeschlagen.  Es  wird  unsortiert  und  schlecht  verpackt  auf  den 
Markt  geschickt,  um  dort  zu  irgend  einem  Preise  verkauft  zu  werden.  Es  ist 
daher  sehr  natürlich,  wenn  sich  das  englische  Obst  neben  dem  sorgfältig  aus- 
gesuchten und  verpackten  Obst  aus  Frankreich,  den  Vereinigten  Staaten  oder 
den  Kolonien  nicht  behaupten  kann.  Es  ist  daher  im  allgemeinen  nur  für  Koch- 
zwecke oder  für  billigen  Verkauf  an  die   ärmere  Stadtbevölkerung  verwendbar. 

Der  Farmer  hat  aber  auch  hier  eine  Entschuldigung.  Selbst  wenn  er 
den  Obstbau  mehr  pflegen  wollte,  so  würde  es  für  ihn  ein  gefährliches  Unter- 
nehmen sein,  die  ersten  grossen  Ausgaben  dafür  zu  machen.  Sein  Pacht- 
vertrag giebt  ihm  nicht  die  Sicherheit,  dass  er  diese  Auslagen  verzinsen  oder 
wieder  erhalten  kann.  Der  grösste  Teil  der  Pachtverträge  in  England  läuft  nur 
von  Jahr  zu  Jahr.  Der  Grundeigentümer  kann  die  Farm  stets  mit  einjähriger 
Kündigung  zurückfordern.  Die  Wiedererstattung  der  Auslagen  für  Ver- 
besserungen bei  der  Rückgabe  der  Farm  findet  nur  nach  einem  sehr  bescheidenen 
Massstabe  statt.  Der  Farmer  wagt  es  daher  nicht,  grössere  und  kostbare  Anlagen 
zu  machen,  zumal  in  einer  Zeit,  in  der  sein  Kapital  infolge  des  langjährigen 
Darniederliegens  der  Landwirtschaft  sehr  vermindert  ist. 

Ein  ferneres  Hindernis  für  die  Ausdehnung  des  Obstbaues  in  England  ist 
der  unentwickelte  Zustand  derjenigen  Industrien,  welche  die  Präservierung 
des  Obstes  in  dieser  oder  jener  Form  zum  Gegenstand  haben.  Allerdings  ist 
hier  in  gewissem  Sinn  die  Wirkung  auch  die  Ursache.  Der  mangelhafte 
Zustand  des  Obstbaues  hat  es  zu  einer  lohnenden  Industrie  für  Verarbeitung 
von  Obst  nicht  kommen  lassen.  Die  früher  blühende  »Cider«-Industrie  ist 
beispielsweise  zurückgegangen,  weil  die  englische  Obstzucht  ihr  nicht  mehr 
die  richtigen  Sorten  von  Äpfeln  und  Birnen  liefern  konnte.  Thatsache  ist  aber 
doch,  dass  das  Fehlen  der  Gelegenheit,  den  Überschuss  von  Obst  in  guten 
Obstjahren  durch  Trocknen.  Einkochen  u.  a.  zu  verwerten,  dazu  beigetragen 
hat.  die  Farmer  von  der  Ausdehnung  der  Obstzucht  abzuhalten.  Die  Obst- 
preise sind  in  solchen  Jahren  in  Ermangelung  anderweiter  Verwertbarkeit  so 
gedrückt  worden,  dass  es  sich  nicht  bezahlt  machte,  das  Obst  von  den  Bäumen 
zu  nehmen.  Die  Royal  Agricultural-,  sowie  die  Royal  Horticultural-Society 
haben  sich  zwar  sehr  bemüht,  in  dieser  Beziehung  Hilfe  zu  schaffen  und 
Anregung  sowohl  zum  Trocknen  der  Früchte  nach  neuem  Verfahren  als  auch 
zum  Einmachen  derselben  zu  geben.  Indes  ist  trotz  der  in  dieser  Beziehung 
gemachten  Fortschritte  das  bekannte  Wort  Gladstones,  dass  der  englische 
Farmer  in  seiner  Not  zur  Herstellung  von  »jams«,  zum  Einmachen  von  Früchten, 
übergehen  müsse,  bisher  in  ausgedehntem  Umfange  noch  nicht  befolgt  worden, 
obgleich  die  billigen  Zuckerpreise  England  in  den  Stand  setzen  sollten,  diese 
Industrie  mit  Erfolg  zu  betreiben.  Dieser  letztere  Umstand  ist  sogar  wieder- 
holt als  der  englischen  Industrie  zu  gute  kommend  hervorgehoben  worden. 
In  dem  Journal  des  »Board  of  Agriculture«  vom  Dezember  1894  wird  beispiels- 
weise zur  Hebung  der  Obstzucht  in  England  die  Gründung  von  Jams-Fabriken 
in  den  hauptsächlichsten  Obstbezirken  Englands  vorgeschlagen  und  dabei 
bemerkt,  dass  die  Entwicklung  der  wichtigen  Industrie  der  Fruchtpräservierung 
in  Form  von   eins,emachten    oder   getrockneten    Früchten    der  Ausdehnung  des 


Obstbau  und  Obsthandel  in  England.  I  2  i 

Obstbaues  Vorschub  Leisten  müsse,  »wenn  der  Zucker  weiter  so  billig  bliebe 
wie  jetzt«.  Es  wird  dann  hinzugefügt,  »dass  die  Billigkeil  des  Zuckers  in 
England  den  Wettbewerb  aller  andern  Länder  in  der  Einmachung  von  Früchten 
beeinträchtigen,  wenn  nicht  ganz  verhindern  und  die  britischen  Hersteller  in 
den  Stand  setzen  müsse,  ihre  Ausfuhr  darin  bedeutend  auszudehnen.  Ein  Jahr 
später  heisst  es  in  demselben  Journal  vom  Dezember  1895,  dass  die  britischen 
Obstzüchter  infolge  der  Billigkeit  des  Zuckers  einen  grossen  Vorteil  in  der 
Einmachung  von  Früchten  vor  allen  anderen  Wettbewerbsländern  hätten  und 
diesen  Vorteil  wahrnehmen  sollten. 

Dass  der  Handel  mit  den  in  dieser  Weise  verarbeiteten  Früchten  trotz 
der  Billigkeit  des  Zuckers  sich  noch  nicht  sehr  entwickelt  hat,  beweisen  die 
englischen  Ausfuhrlisten.  In  ihnen  wird  dieser  Ausfuhrzweig  noch  gar  nicht 
besonders  aufgeführt,  sondern  einbegriffen  in  die  Gruppe  pickles,  preserved 
fruits,  confectionary  etc.,  und  diese  zeigt  eine  zwar  regelmässige,  aber  doch  nicht 
sehr  schnelle  Zunahme  von  1 102  000  £  im  Jahre  1893  auf  1319000  £  imjahre  1897. 

Über  das  Trocknen  von  Obst  äussert  sich  das  Journal  des  »Board  of 
Agriculture«  vom  Dezember  1895  ebenso  kurz  wie  bestimmt,  dass  in  dieser 
Beziehung  bisher  in  Grossbritannien  noch  nichts  gethan  worden  sei.  Dieses 
Urteil  gilt  auch  noch  heute.  Zwar  hat  sich  auch  in  dieser  Beziehung  die 
Royal  Agricultural-Society  bemüht,  die  englischen  Farmer  zu  erziehen.  Auf 
der  landwirtschaftlichen  Ausstellung  der  genannten  Gesellschaft  im 
Jahre  1896  in  Leicester  hielt  Flerr  Dr.  Voelker,  ein  Beamter  der  Gesellschaft. 
Vorlesungen  über  die  in  Deutschland  angewandten  Trocknungsverfahren  bei 
gleichzeitiger  Erklärung  der  dazu  benutzten  Trockengeräte.  Irgendwelche 
bemerkbare  Fortschritte  hat  aber  die  Obsttrocknung  noch  nicht  gemacht. 

Endlich  werden  auch  die  Eisenbahngebühren  für  Obst  in  England  dafür 
verantwortlich  gemacht,  dass  der  Obstbau  keinen  grösseren  Umfang  angenommen. 
Es  wäre  indes  die  Aufgabe  der  Farmer  gewesen,  durch  erhöhten  Obstbau  und 
die  Fähigkeit,  den  englischen  Markt  zu  versorgen,  eine  Tarifherabsetzun^ 
herbeizuführen.  Unter  diesen  Umständen  ist  es  dem  fremden  Obst  leicht 
gelungen,  sich  auf  dem  englischen  Markte  einzubürgern;  beteiligt  daran  sind 
vor  allem  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika,  Kanada,  Australien,  Tasmanien. 
Sie  haben  die  Grosshandelspreise  auf  diesen  Plätzen  für  bestimmte  Obstsorten 
derartig  gedrückt,  dass  ein  Wettbewerb  der  entsprechenden  englischen  Obst- 
sorten auf  ihnen  kaum  noch  möglich  erscheint.  Die  englische  Ware  sieht 
sich,  wie  auch  bei  Butter  und  Fleisch,  auf  die  kleinen  Märkte,  zu  denen  die 
Einfuhrware  noch  nicht  gedrungen  ist,  beschränkt.  So  werden  aus  den 
besseren  Obstgärten  von  Kent,  die  vor  den  Thoren  Londons  liegen,  gute  Apfel 
und  Birnen  statt  nach  London  nach  Schottland  und  anderwärtshin  geschickt. 
Eine  allgemeine  Herabsetzung  der  Eisenbahnfrachten  für  diese  Obstsorten  würde 
unter  solchen  Verhältnissen  dem  fremden  Obst  noch  mehr  zu  statten  kommen  als 
dem  heimischen  und  es  ihm  ermöglichen,  auch  von  denjenigen  Märkten  Besitz  zu 
ergreifen,  welche  bisher  noch  einen  Sonderbesitz  des  englischen  Obstes  bildeten. 

Aus  dieser  Bemcrkun-  darf  nichl  entnommen  werden,  dass  das  fremde 
Obst  auf  dem  Londoner  Markt  zahlenmässig  billiger  als  das  englische  Obst  ist. 
Das  Gegenteil  ist  der  Fall.  Im  Jahre  1896  hatten  beispielsweise  eingeführte 
Äpfel  mit  einem  Durchschnittspreise  von  über  5  sh  für  den  bushel  fast  den 
doppelten  Preis  als  englische  Äpfel  mit  etwa   .»'  _.  bis  3  sh.     Sie  waren  aber  ver- 


122 


Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 


hältnismässig  billiger  als  die  englischen  Äpfel;  denn  bei  ihnen  handelte  es  sich 
stets  um  sortierte  und  wohlverpackte  gute  Waare.  während  das  englische  Obst 
unsortiert,  unausgesucht  und  unverpackt  auf  den  Markt  kam  und  daher  mit 
jedem  Preise  zufrieden  sein  musste. 

Was  nun  die  Höhe  der  Einfuhr  fremden  Obstes  nach  England  betrifft,  so 
geben  die  Einfuhrlisten  leider  keine  genaue  Auskunft  über  die  verschiedenen 
eingeführten  Obstsorten.  Sie  unterscheiden  unter  rohem  Obst  nur  Äpfel,  Birnen, 
Kirschen,  Pflaumen,  Weintrauben,  Zitronen,  Orangen  und  Xüsse.  Alle  übrigen 
Fruchtsorten,  wie  z.  B.  Erdbeeren.  Himbeeren  und  dgl.,  erscheinen  zusammen 
unter  dem  allgemeinen  Titel  »unenumerated«.  Die  einzelnen  Sorten  sind  nicht 
aufgeführt.  Neben  dem  rohen  Obst  wird  ferner  noch  unterschieden:  1.  ein- 
geführtes »getrocknetes«  Obst,  2.  ohne  Zucker  preserviertes,  aber  nicht  ge- 
trocknetes Obst,  und  3.  mit  Zucker  behandeltes  Obst.  Soweit  die  Arten  von 
rohem  Obst  einzeln  aufgelührt  und  ihre  Ursprungsländer  angegeben  sind,  lässt 
sich  eine  Verschiedenheit  in  Zufuhren  erkennen,  je  nachdem  sie  aus  den  Ver- 
einigten Staaten  und  Kolonien  kommen,  oder  aus  den  Ländern  des  europäischen 
Festlandes.  Es  wiederholen  sich  auch  hier  aus  denselben  mehr  oder  weniger 
ausgesprochenen  Gründen  dieselben  Erscheinungen,  auf  welche  bereits  bei  der 
Besprechung  der  Einfuhren  anderer  landwirtschaftlicher  Erzeugnisse  aufmerksam 
gemacht  wurde.  Die  Einfuhren  von  Äpfeln  beispielsweise,  welche  aus  denKolonien 
kommen, zeigen  einesehr  starkeZunahme, während  diejenigen  ausden  europäischen 
Nachbarländern  abnehmen.  Die  Einfuhr  von  Birnen  weisen  eine  ähnliche  Entwick- 
lung auf.  Birnen  sind  jedoch  ein  feineres,  empfindlicheres  Obst.  Ihre  Einfuhr  hat 
sich  daher  noch  nicht  so  bedeutend  entwickelt  wie  diejenige  der  härteren 
Äpfel.  Es  treten  bei  ihr  die  angeführten  charakteristischen  Erscheinungen  nicht 
in  dem  Grade  hervor  wie  bei  der  Einfuhr  von  Äpfeln.  Die  Einfuhren  anderer 
Fruchtsorten  aber,  bei  denen  die  Vereinigten  Staaten  und  Kolonien  die 
europäischen  Länder  nicht  unterbieten,  zeigen  eine  andere  Bewegung.  Hier 
findet  auch  aus  europäischen  Ländern  eine  Zunahme  der  Einfuhren  statt.  Bei 
einzelnen  Fruchtsorten,  namentlich  bei  Äpfeln  und  Zitronen,  vor  allem  aber 
bei  Orangen,  hat  Spanien  sich  den  Kolonien  angeschlossen  oder  ihre  Rolle 
übernommen  und  seine  Einfuhren  nach  England  auf  Kosten  der  anderen  Länder 
ausgedehnt.  Ähnlich  sucht  in  neuerer  Zeit  auch  Portugal  durch  Entwicklung 
seiner  Obstausfuhren  sich  ein  neues  Absatzgebiet  zu  schaffen. 

Die  Einfuhrzahlen  von  Äpfeln  für  die  letzten  5  Jahre  geben  folgendes  Bild: 


Aus 


1803  1894 

bushelä36lj      bushel 


i«95 
bushel 


1896 
bushel 


1897 
bushel 


Deutschland   .  . 

00  000 

50  000 

27  000 

1 4  000 

27  OOO 

Holland  .... 

588  000 

505  000 

243  000 

52  000 

387  OOO 

Belgien  .... 

1  000000 

1  160  000 

58  1  000 

3 1 1  000 

383  OOO 

Frankreich  .  .  . 

504  000 

5 1 0  000 

185  000 

2  1 7  000 

173000 

Verein.  Staaten  . 

472  000 

1  442  000 

984  000 

2  ö  1 4  OOO 

1  S08  OOO 

Kanada  .... 

4S3  000 

1  082  000 

1  007  000 

2  624  OOO 

1  021  OOO 

Tasmanien  .  .  . 

121  000 

135  000 

1 2  2  000 

152  OOO 

135  OOO 

Spanien  .... 

1  000 

1  700 

342 

5  262 

59  OOO 

Portugal   .  .  . 

95  000 

65  000 

91  000 

146  OOO 

14O  OOO 

Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 


123 


Die  Gesamteinfuhr  von  Äpfeln  in   England  aus  allen  Ländern  betrug: 


1893 
bushel 


1894 

bushel 


1895 

bushel 


1896 
bushel 


1897 

bushel 


3460000  |    4969000       3292000  |    6177000       4120000 

Im  Jahre  1896  betrugen  die  Zufuhren  aus  den  Vereinigten  Staaten  und 
(,'anada  5230000  bushel  von  der  Gesamt-Einfuhr  von  6177000  bushel,  also 
85  v.  H.  Das  Jahr  1896  hatte  eine  besonders  reiche  Ernte  in  Amerika  gezeitigt. 
Unter  dem  Druck  derselben  litten  die  Zufuhren  aus  andern  Ländern  natürlich 
noch  unverhältnismässig  mehr  als  sonst. 

Die  Einfuhr  an  Birnen  in  denselben  Jahren  betrug: 


1893 

1894 

1895 

1896 

1897 

aus 

bushel 

bushel 

bushel 

bushel 

bushel 

Deutschland  .  . 

39  000 

18  000 

8  000 

2  500 

23  000 

Holland  .... 

54  000 

103  000 

43000 

4S  000 

134  000 

373  000 

693  000 

116  000 

143  000 

529  000 

Frankreich  .  .  . 

430  000 

445  000 

189  000 

239  000 

269  000 

Verein.  Staaten  . 

3  7oo 

32  000 

41  000 

38  000 

87  000 

Die  Kolonien  beteiligen  sich  vorläufig  an  der  Birneneinfuhr  aus  den 
oben  angeführten  Gründen  noch  nicht,  oder  doch  nur  mit  ganz  kleinen 
Beträgen.  Mit  den  neuerdings  ins  Leben  gerufenen  Kühlvorrichtungen  bei 
der  Beförderung  dürfte  indes  Kanada  sehr  bald  diesen  Handelszweig  ent- 
wickeln. 

An  Kirschen  stieg  die  Einfuhr  aus  Deutschland  von  31  000  bushel  im 
Jahre  1893  allmählich  und  ununterbrochen  auf  rund  57  000  bushel  im  Jahre  1897; 
die  Einfuhr  von  Frankreich  von  174000  auf  193000.  An  Pflaumen  wuchs  die 
Einfuhr  in  denselben  Jahren  aus  Deutschland  von  189000  bushel  auf  287000; 
aus  Holland  von  122000  auf  150000;  aus  Frankreich  von  327000  auf  510000. 
Nur  die  belgische  Einfuhr  fiel  von  etwa  139000  bushel  auf  90000. 
Dagegen  führten  die  Vereinigten  Staaten,  welche  im  Jahre  1893  mit  der  Ein- 
fuhr von  nur  90  busheis  angefangen  hatten,  im  Jahre  1897  bereits  etwa 
5  400  bushel  ein. 

Von  den  anderen  unaufgezählten  Obstsorten  führten  die  hauptsäch- 
lichsten Länder  folgende  Beträge  nach  England  ein: 


1893 

1894 

1895 

1896 

1897 

bushel 

bushel 

bushel 

bushel 

bushel 

Deutschland  .  . 

76  000 

132  000 

192  000 

136  000 

1 10  000 

Frankreich  .  .  . 

106  000 

159  000 

8<  >  000 

90  000 

133000 

Holland  .... 

149  000 

2711  000 

1 s  1  000 

131  000 

148  000 

Spanien  .... 

351  000 

351  000 

371  000 

436  000 

534000 

Can.  Inseln  .  .  . 

252  000 

>  10  000 

3 1 5  000 

485  000 

569  000 

Die  Vereinigten  Staaten  und  die  Kolonien  beteiligen  sich    an  dieser  Ein- 
fuhr nur  in  verschwindendem  Lmfange. 


124 


Obstbau  und  Obsthandel  in  England. 


Dagegen  haben  sich  beide  in  den  letzten  Jahren  auf  die  Einfuhr  von 
preserviertem  Obst  gelegt,  und  zwar  von  Obst,  das  ohne  Zucker  preserviert 
wird.     Die  Statistik  über  diese  Einfuhren  ist  sehr  interessant: 


Aus 


1893      1894      1895 

In  tausend  Pfund 


1897 


Frankreich  .     .     . 

3  357 

3  36o 

4  066 

3653 

4098 

Spanien    .... 

2  212 

2  164 

2856 

7211 

7845 

Italien       .... 

20  281 

26  510 

19992 

21  844 

23  064 

Griechenland   .     . 

459 

391 

764 

1  063 

2  174 

Verein.  Staaten     . 

1958 

3042 

3638 

3763 

5  951 

Pacifisch.  Gebieten 

6  245 

3  213 

6  142 

11  409 

10  010 

Im  ganzen  wurden  aus    fremden  Ländern   in   den   genannten  Jahren  nach 
England  an  Früchten,  ohne  Zucker   preserviert   (in  tausend  Pfund),   eingeführt: 

1893:  35433>  1894:  39947,  1895:  39155,  1896:  49Q59,  1897:  554H-  Aus  den 
Kolonien  dagegen  gingen  in  der  gleichen  Zeit  ein:  1893:  2202,  1894:  2928 
1895:  6702,  1896:  13028,  1897:  10403.  Kanada  beteiligte  sich  an  dieser  Einfuhr 
in  den  betreffenden  Jahren  mit  folgenden,  eine  rasche  Zunahme  zeigenden 
Zahlen:  178000,  434000,  828000,  1319000  und  1561000.  Das  übrige  kam  fast 
ganz  und  gar  aus  den  Straits  Settlements  und  bestand  vermutlich  ausschliesslich 
aus  tropischen  Früchten.  Diese  letzteren  interessieren  Deutschland  ebensowenig 
wie  die  Zitronen  und  Orangen,  von  denen  erstere  zum  bei  weitem  überwiegenden 
Teil  aus  Italien,  die  letzteren  aus  Spanien  kommen.  Von  8777000  bushel 
Orangen  kommen  beispielsweise  im  Jahre  1897  allein  7903000  bushel  aus 
Spanien. 

Die  Frage  ist  nun  die,  wie  weit  Deutschland  Aussichten  hat,  seine  Obst- 
ausfuhr nach  England  zu  entwickeln.  Der  Wettbewerb  des  englischen  Obstes 
steht  derselben  nicht  im  Wege.  Das  englische  Obst,  soweit  es  überhaupt  auf 
den  Markt  kommt,  ist  »billig  und  schlecht«  Der  englische  Markt  für  Obst 
dagegen  ist  ein  ungeheurer,  der  bereit  ist.  für  gute  Ware  die  besten  Preise 
zu  zahlen.  Es  kommt  nur  darauf  an,  dass  wirklich  gute  Ware  hierher  geliefert 
wird.  Dies  geschieht,  was  Äpfel  und  vermutlich  bald  auch  Birnen  betrifft,  von 
den  Vereinigten  Staaten,  Canada  und  überhaupt  den  Kolonien.  Da  von  dieser 
Seite  planmässig  vorgegangen  und  die  Anlage  neuer  Pflanzungen,  sei  es  von 
den  Regierungen  selbst  oder  von  den  grossen  Land-  und  Eisenbahn-Gesell- 
schaften dauernd  beaufsichtigt  wird,  so  wird  es  für  einen  neuen  Mitbewerber 
um  den  englischen  Markt  schwer  werden  hier  Fuss  zu  fassen.  Es  würde  dazu 
gehören,  dass  sich  diese  oder  jene  deutschen  Äpfel  einen  Xamen,  eine  Marke 
schafften,  wie  es  amerikanische,  canadische  und  tasmanische  Äpfel  gethan 
haben.  Auf  gut  Glück  hier  herüber  geschickte  Äptelsorten  würden  das  Schicksal 
der  englischen  teilen  und  als  Waren  zweiter  und  dritter  Klasse  keine  Preise 
erzielen.  Das  schliesst  nicht  aus,  dass  ganz  feine  Tafel-Äpfel  oder  -Birnen 
zu  hohen  Preisen  einen  guten  Absatz  finden  würden.  Frankreich  und  Belgien 
machen  hierin  gute  Geschäfte.  Es  würde  sich  darum  handeln,  mit  den  Londoner 
Lieferanten  Verbindungen  anzuknüpfen.  Wahrscheinlich  würde  die  Birne  dabei 
noch  mehr  Erfolg  haben  als  der  bereits  mehr  umstrittene  Apfel.  Dagegen 
würde  das  s.  g.  kleinere  Obst,   wenn  in  guter  Auswahl  und  gutem  Zustande 


Stand  der  Obstbaumdüngungsversuche  der  D.  L.  G.  12 5 

hergesandt,  in  England  einen  vorzüglichen  Markt  finden  müssen.  Abgesehen 
von  den  sehr  teuren  Tafelfrüchten,  Erdbeeren,  Kirschen  u.  s.  \v.,  welche  zur 
Schau  in  den  Fenstern  der  angesehenen  Fruchthandlungen  oder  auf  grossen 
Diners  ausgestellt  werden,  sind  auf  dem  Eondoner  Markt  auch  diese  kleinen 
Früchte  unbefriedigend.  Der  Berliner  Markt  stellt  in  der  Auswahl  und  in  dem 
Aussehen  seiner  Früchte  ganz  London  in  den  Schatten.  Es  müsste  in  London 
als  eine  allgemeine  Wohlthat  begrüsst  werden,  wenn  ihm  in  gehörigen  Mengen 
und  zu  annehmbaren  Preisen  Früchte  zugesendet  würden,  welche  mit  guten 
deutschen  Früchten  wetteifern  könnten.  Die  Anlage  der  hierzu  erforderlichen 
Pflanzungen,  die  schon  nach  wenigen  Jahren  tragen,  ist  leichter  ausführbar  als 
die  erst  nach  vielen  Jahren  tragenden  Obstgärten  Es  würde  sich  daher  für 
den  deutschen  Obstzüchter  immerhin  empfehlen,  sein  Auge  auf  den  englischen 
Markt  zu  richten.  Erdbeeren,  Himbeeren,  Stachelbeeren,  Johannisbeeren  und 
Pflaumen  würden  dabei  in  erster  Linie  in  Betracht  kommen.  Die  vielen  neueren 
Vervollkommnungen  im  Versand  hinsichtlich  Kühlvorrichtungen  u.  s.  w.  dürften 
die  Zufuhren  und  das  Geschäft  erleichtern.  Ich  brauche  nicht  ausdrücklich 
anzuführen,  dass  es  mir  eine  grosse  Befriedigung  sein  würde,  bei  der  An- 
knüpfung von  Verbindungen  behilflich  zu  sein  bezw.  auf  Wunsch  einzelne 
weitere  Ratschläge  zu  erteilen. 


Stand  der  Obstbaumdüngungsversuche  der  D.  L.  G. 

Vorläufiger  Teil-Bericht  von  Prof.  Dr.  Barth-Colmar. 

£7~  mx  Feststellungdes  Xährstoffbedürfnisses  der  Obstbäume  sind  auf  Veranlassung 
^L-/  des  Sonderausschusses  für  Obstbaumdüngung  der  D.L.G.  unter  anderen  Unter- 
suchungen auch  90  Analysen  von  Vegetationsorganen  der  Obstbäume  ausgeführt 
worden.  Diese  Arbeiten  werden  gegenwärtig  noch  durch  zahlreiche  Frucht- 
untersuchungen vervollständigt;  sie  sollen  auch  im  nächsten  Jahre  durch  eine  grössere 
Zahl  von  Wurzelholzanalysen,  insbesondere  von  Steinobst,  fortgesetzt  werden. 
Immerhin  bieten  bereits  die  bis  jetzt  gewonnenen  Ergebnisse  ein  derartiges 
Interesse,  dass  ein  Ueberblick  über  sie  schon  heute  gegeben  werden  möge. 
Zur  Ableitung  einer  rationellen  Düngung  der  Obstbäume  und  einer  sach- 
gemässen  Grundlage  für  die  Obstbaumdüngungsversuche  dienen  ausser  diesen 
Untersuchungen  die  Ermittelungen  des  Herrn  Dr.  Steglich  von  der  Versuchs- 
station Dresden  über  Ilolzzuwachs,  Laub-  und  Fruchtwachstum.  Die  folgenden 
Angaben  sind  von  Bäumen  mit  5  m  Kronendurchmesser  und  etwa  20  qm  Standort- 
fläche auf  1  qm  Standortfläche  berechnet.  In  einem  Jahre  bringt  ein  Baum 
von  5  m  Kionendurchmesser  an  Trockenmasse  hervor: 

,,,  ,.     ,       „  .     .       Astholz  und  .       .  r-  -    u. 

Wurzelholz    Stammholz     ..       ,    .     .  Laub  Fruchte 

1'  rucntholz 

Kirschbaum 1847  g         1846  g         1846  g         9050  g         6020  g 

Zwetschenbaum 1805  g         1806  g         1806  g         2451g         7495  g 

Apfelbaum 1994  ff         1993  ff         *993  g         4"73  g         6929  g 

Birnbaum 1395  g         1295  g         1394  g         --73  ff       15548  g 

Die  Durchschnittswerte  des  Gehaltes  der  Trockenmasse  der  verschiedenen 


j  26  Stand  der  Obstbaumdüngungsversuche  der  D.  L.  G. 

Organe    an    einzelnen  Nährstoffen,    nach    den    beiden    Gruppen    Steinobst    und 
Kernobst  zusammengestellt,  ergeben  folgende  Übersicht: 
Wurzelholz       Stammholz 

Steinobst    0,37  v.  H.      0,36  v.  H. 

Kernobst    0,36     „          0.58     ,, 


Stickstoff 
Kali  .     . 


Fruc 

itholz 

Laub 

Früchte 

0,90 

v.  H. 

1,80  V.  H. 

0,86  v.  H. 

o,99 

,, 

1,70     „ 

0,56     „ 

0,40 

,, 

2,20     „ 

1,80     „ 

0,50 

>> 

1,20     ,, 

1,11     „ 

0,24 

55 

0,36     „ 

o,37     „ 

0,19 

)) 

0,20     „ 

0,19     „ 

2,10 

>5 

4,00     „ 

0,15     M 

2,63 

!s 

2,70     „ 

0,12      „ 

littlerer  Nährstoffbedai 

f  für  1  qm 

Kali 

Phosphorsäure         Kalk 

15.95 

g 

3-1  g 

21.05  g 

10,63 

g 

2-3  g 

8,42  g 

7,3° 

g 

1,5  g 

9,8o  g 

IO.90 

er 
8 

2,1  g 

6,7o  g 

( Steinobst  0,21  ,,  0,21  ,, 

( Kernobst  0,30  ,,  0.32  „ 

Phosphor-    [Steinobst  0,11  ,,  0,09  „ 

säure .     .  ( Kernobst  0,15  ,,  0,13  ,, 

f  Steinobst    0,60     ,,         0,80     ., 
Kalk .     .     .  ,    ,  , 

{ Kernobst    0,70     ,,  1,26     ,, 

Aus  diesen  Angaben  berechnet  sich  e 

Standortfläche  an: 

Stickstoff 

Kirschbaum 11.9  g 

Zwetschenbaum 7,0  g 

Apfelbaum 7,1  g 

Birnbaum 7,5  g 

Besonders  bemerkenswert  ist  hier  die  Feststellung,  dass  im  grossen  und 
ganzen  in  allen  Obstbäumen  vom  Wurzelholz  durch  das  Leitholz  zum  Frucht- 
holz und  bis  zum  Laub  die  Trockenmasse  beständig  in  ihrem  Anteil-Gehalt  an 
wertvolleren  Pflanzennährstoffen  zunimmt.  Während  ferner  in  allen  Holzteilen 
der  Gehalt  an  Stickstoff  höher  ist  als  der  an  den  übrigen  Nährstoffen,  mit 
Ausnahme  des  Kalkes,  tritt  er  im  Laub  und  noch  mehr  in  den  Früchten  hinter 
das  Kali  zurück.  Die  Steinobstbäume  sind  in  ihren  Holzteilen  ärmer  an  Kalk, 
im  Laub  dagegen  —  ebenso  in  den  Früchten,  wenn  auch  in  stark  ab- 
geschwächtem Verhältnis  —  erheblich  kalkreicher  als  die  Kernobstbäume. 
In  den  Steinen  der  Kirschen  und  Zwetschen  aber  tritt,  wie  besondere  Unter- 
suchungen gelehrt  haben,  wiederum  der  Stickstoff  gegenüber  sämtlichen  Mineral- 
bestandteilen überaus  stark  hervor,  unter  den  letzteren  überwiegt  teilweise  die 
Phosphorsäure.  Mit  diesen  Feststellungen  ist  unter  anderem  ein  weiterer  Beleg 
für  die  Wichtigkeit  der  Rolle  gegeben,  welche  dem  Kali  bei  der  Erzeugung 
und  dem  Hochtreiben  des  Zuckers  in  der  Pflanze  zufällt. 

Den  bisherigen  Ermittelungen  zufolge  wird  auch  nach  deren  Vervoll- 
ständigung eine  grundsätzliche  Änderung  des  Obstbaumdüngungs -Versuchs- 
planes voraussichtlich  nicht  erforderlich.  Der  Plan  geht  von  Nährstoffmengen 
aus,  welche  wenigstens  annähernd  in  dem  Verhältnis  zu  einander  stehen  wie 
die  hier  festgestellten,  nämlich  auf  1  qm  Standortfläche  10  g  Stickstoff,  15  g  Kali, 
5  g  Phosphorsäure  und  20  g  Kalk.  Auch  in  dieser  Zusammenstellung  herrscht, 
abgesehen  vom  Kalk,  das  Kali  vor;  im  übrigen  wird  darin  den  durch  grosse 
Laubentwickelung  begründeten  grösseren  Ansprüchen  der  Kirschbäume  wesent- 
lich Rechnung  getragen.  Wenn  die  Zusammenstellung  an  Phosphorsäure  etwas 
mehr  bietet,  als  dem  jährlichen  Bedarf  entspricht,  so  ist  dies  zum  mindesten 
für  die  erstmaligen  Düngungen  bei  der  ausserordentlichen  Schwerbeweglichkeit 
der  Phosphorsäure  im  Boden  kein  Fehler.  Jedenfalls  lassen  die  durch  den 
Versuchsplan  vorgeschriebenen  Düngemengen,  infolge  des  dem  thatsächlichen 
Bedarf  entsprechenden  Arerhältnisses  der  einzelnen  Nährstoffe  zu  einander, 
klare  Antworten  auf  die  gestellten  Düngungsfragen  erwarten. 

(Aus:  Mitteilungen  der  D.  L.  G.) 


Kremurus  robustus  var.   Elwesianus  Leichtlin. 


127 


Eremurus  robustus  var.  Elwesianus  Leichtlin. 

Von  W.  .1.  Goverts,  Hamburg-Eilbek. 

,  s^  (Hierzu  Abb.   26  u. 

L^ereits  erwähnt  Herr  Köngl.  Garten-Inspektor  PerrinL;  auf  seiner  Reise 
:£j4  nach  Belgien  und  Holland  (Gartcntlora  1  S<>5  S.  191)  bei  einem  Besuche 
der  Krelageschen  Gärtnerei  die  dort  blühenden  Kremurus-Arten,  darunter 
E.  Elwesii*),  der  wahrscheinlich  vom  Elbrus  (Persien)  stammt.  Auch 
diese  Art  lässt  kaum  ahnen,  dass  aus  ihren  am  Hoden  liegenden  Blättern 
Blütenschäfte  von   1—2.30  m  Höhe  aus  dem   Herzen  emporschiessen. 

Herr  Inspektor  Perring  bezweifelt  (1.  c),  dass  die  Kultur  von  E.  Elwesii 
im  Freien  gelingt;  ich  erlaube  mir  zu  bemerken,  dass  dies  sehr  wohl  möglich 
ist,  denn  wenn  auch  die  Pflanze  im  Winter  resp.  Frühling  gedeckt  werden 
muss,  hat  sie  doch  eine  hohe  Triebkraft.  Obgleich  sie  1898  zwei  Blütenschäfte 
von  ca.  1,60  m  getrieben,  schoss  sie  im  Oktober  —  trotzdem  die  Blätter 
und  Blütenschäfte  entfernt  waren  —  wieder  aus.  Ein  Beweis  also,  dass  sie  am 
richtigen  Standort,  wo  sie  verbleibt,  sich  akklimatisiert,  natürlich,  wie  gesagt 
bei  gehöriger  Deckung. 

Doch  nun  zur  Erklärung  des  Bildes.  Die  Aufnahme  fand  im 
Hamburger  botanischen  Garten  1897  statt;  im  Hintergründe  sieht  man  das 
Inspektorats-Gebäude  und  den  Hörsaal  wie  auch  einen  Teil  der  Obstbaum-Allee. 
Den  Vordergrund  nimmt  ein  Teil  der  Monocotyledonen  ein,  ganz  vorn  als 
Paradestück:  Eremurus  Elwesii  mit  2.40  m  hohem  Blütenschaft.  Rechts  vom 
Beschauer  unser  Obergärtner  Herr  Widmaier,  links  meine  Wenigkeit.  Zu 
bemerken  ist  noch,  dass  Eremurus  Elwesii  bei  uns  willig  Frucht  ansetzt. 


Flerr  Stadtrat  Leichtlin,  Baden-Baden,  Besitzer  des  »Hortus  botanicus 
Aquis  Aureliis«,  der  diesen  Eremurus  eingeführt  hat,  schreibt  uns  unter  dem 
30.  Januar  1899  folgendes: 

>Yor  etwa  15  Jahren  kaufte  ich  von  einem  Privatimport  Regeis  ein  Quantum 
Eremuri,  von  denen  einer  durch  seine  grünen  —  nicht  bläulich-grünen  — 
Blätter  mir  auffiel;  das  Jahr  darauf  hatte  ich  ein  halbes  Dutzend  E.  robustus 
(von  Regel  hinlänglich  in  den  Acta  Petrop.  beschrieben)  und  auch  den  grün- 
blättrigen in  Blüte;  diesem  gab  ich  zum  Unterschied  von  der  typischen  Form 
nach  den  botanischen  Nomenclaturvorschriften  den  Namen  Eremurus  robustus 
var.  Elwesianus.  er  konnte  nicht  Elwesii  heissen,  weil  mein  Freund  Elwes 
gar  nichts  mit  der  Ptlanze  zu  thun  hatte.  Es  ist  also  eine  superiore  Form  von 
robustus.  Unterschiede:  grüne  Blätter,  welche  erst  nach  der  Blüte  abwelken, 
während  sie  bei  der  typischen  Form  schon  Ende  der  Blütezeit  welk  und  gelb  sind. 
2  —  2V2  m  hohe  Blütenstände  (bei  robustus  i '/,- 2  m).  grössere  Ülumenfülle. 
besser  geformte  und  kräftiger  gefärbte  Blumen,  auch  grössere  Früchte.  (Die 
Blumenblätter  sind  nach  einer  Skizze  des  Herrn  Leichtlin  oval,  nicht  lanzettlich, 
auch  grösser.)  Die  Pflanze  ist  unbedingt  winterhart,  hält  selbst  200  R.  ganz 
gut    aus,    nur    verlangt    sie   in  solchen  Fällen  Schneedecke  oder  eine  handvoll 


*     L'nter  dem   Namen  Eremurus  Elwesii  scheint  diese  Art   von   E.   H.   Krelage-Haarlem 
verbreitet  zu  sein.     Der  richtige  Name   ist,  wie  aus  dem  unten  folgenden  Schreiben  hervorgeht 
E.  robustus  var.  Elwesianus  Leichtlin. 


128 


Eremurus  robustus  var.  Elwesianus  Leichtlin. 


trockenes  Laub  über   den  Kopf.     Die  Hamburger  Herren   verstehen  die  Kultur 
nicht  ganz,  anders  hätte  die  Pflanze  nicht  schon  im  Oktober  in  Trieb  sein  dürfen.« 

*  .  * 

Nachtrag. 

Auf  Veranlassung  des  Herrn  Max  Leichtlin  wandten  wir  uns  an  Herrn 
Marc  Micheli  in  Gent,  der  uns  freundlichst  eine  Photographie  der  in  seinem 
an  Seltenheiten  so  reichen  Garten  1898  blühenden  Exemplare  dieses  Eremurus 
sandte.     Herr  Micheli  bemerkt  uns  dazu,  dass   diese  Spezies,  wie  er  in  »Revue 


Abb.  26.     Eremurus  robustus  var.  Elwesianus  Leichtlin 
im  bot.  Garten  zu  Hamburg,  2,40  m  hoch!     Von  \V.  J.  Goverts  9.  Juli  1897  übersandt. 

horticole«  1897  S.  280  nachgewiesen  habe,  sich  wegen  ihres  botanischen 
Charakters  weit  mehr  dem  Eremurus  himalaicus  nähert  als  dem  robustus. 
Man  müsse  entweder  daraus  eine  eigene  Spezies  machen  oder  sie  nennen 
E.  himalaicus  var.  Elwesianus.  Wir  geben  anbei  einen  Abdruck  nach  der 
Photographie  des  Herrn  Marc  Micheli  und  bemerken,  dass  auch  die  »Revue 
de  rhorticulture  beige«,  1.  Oktober  1898,  sowie  »Gardeners  Chronicle«  1898  II 
S.  157  (hier  als  Eremurus  Elwesianus)  nach  Michelis  Photographie  Abbildungen 
brachten.  Eremurus  robustus  ist  beschrieben  und  farbig  abgebildet  von  Regel 
in  »Gartenflora«   1873  s-  257  mit  farbiger  Tafel  769-    Hier  sind  die  Blüten  blass- 


Eremurus  robustus  var.  Elwesianus  Leichtlin. 


I  20 


Abbildung    27.      Eremurus    robustus    var.    Elwesianus 
im  Garten  des  Herrn  Marc  Micheli   in  Genf.     Mai  I898. 


rosa;  in  »The  Garden«  vol.  XXIX  1886  S.  96  t.  529  sind  sie  etwas  dunkler  und 
etwas  grösser.  In  »The  Garden  <  vol.  XLIX  1896  S.  131  ist  Eremurus  himalaicus 
abgebildet,  ferner  S.  133  E.  Bungei.  Eine  Übersicht  aller  Arten  gab  Baker  im 
»Journal  of  the  Linnean  Society  Botany«  vol.  XV  1877  S.  279.  Dort  fehlt 
natürlich  noch  Elwesianus.  I-  Wittmack. 


13° 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 

Von    L.    Wittmack. 
Vorbemerkung:     Dieser  Abschnitt  ist    bisher  nicht    gedruckt  worden,    da  im  amtlichen  Bericht 
,-a  ^r,  des  Reichskommissars  s.  Z.  kein  Raum  mehr  war. 

Ulster  Gemüsebau  gliedert  sich  in  den  Vereinigten  Staaten  in  zwei  ver- 
.^^  schiedene  Arten  von  Betrieben,  einmal  wird  sogenannte  »Markt- 
gärtnerei« betrieben,  die  ihren  Sitz  in  der  Nähe  der  Städte  hat  und  die 
Erzeugnisse  mittels  Gespann  etc.  in  dieselben  schafft,  zweitens  aber  sogenannte 
»Truckfarming«,  Gemüsezucht  im  Grossen,  wobei  Eisenbahnen  oder 
Wasserwege  zum  Versand  der  Produkte  benutzt  werden.  Im  allgemeinen  ist 
der  Bedarf  an  eigentlichem  Gemüse  nicht  so  gross  wie  in  Europa;  namentlich 
isst  man  weniger  Blattgemüse,  dagegen  ist  aber,  wie  Oetken  in  seinem  treff- 
lichen Werk  »Die  Landwirtschaft  in  den  Vereinigten  Staaten«.  Berlin  1893, 
S.  413  mit  Recht  bemerkt,  bezeichnend  der  ausserordentliche  Verbrauch  an 
Gemüsen,  die  einen  obstartigen  Charakter  haben,  wie  namentlich  Tomaten, 
Wassermelonen,  Melonen,  Kürbisse  etc.  In  den  Aordstaaten  wird  aber  auch 
viel  Kohl  gebaut,  z.  B.  bei  Boston,  ferner  viel  Bleichsellerie. 

1.    Truckfarming,    Gemüsebau    im    Grossen. 

Nach  dem  11.  Census  von  1891  wurden  1889  534440  acres*)  im  Werte  von 
70  156  294  $  von  den  Truckfarmers  benutzt.  Der  Ertrag  ward  auf  76  517  155  $  nach 
Abzug  der  Kosten  für  Fracht  und  Kommission  geschätzt.  Beschäftigt  wurden 
216765  Männer,  nur  9254  Frauen  und  14874  Kinder,  75866  Pferde  und  Maul- 
tiere. Der  Wert  der  Geräte  (implements,  Oetken  übersetzt  Inventar)  betrug 
8  971  206,70  $.**) 

Im  einzelnen  fallen  auf  die  verschiedenen  Gemüse  folgende  Anbau- 
flächen: 

*) 


Spargel  .     .     . 

37  9"o 

acres, 

Gurken   .... 

4721 

acres, 

Bohnen    .     .     . 

12  607 

» 

Wassermelonen   . 

114381 

» 

Weisskohl  .     . 

17  094 

> 

Andere  Melonen  . 

28  021 

» 

Grünkohl     .     . 

2  962 

» 

Erbsen    .... 

56  162 

* 

Spinat     .     .     . 

20  195 

» 

Süsse  Kartoffeln 

Frühkartoffeln 

28  046 

» 

Batatas  edulis    . 

28  621 

» 

Rüben      .     .     . 

2  420 

» 

Tomaten      .     .     . 

22  802 

» 

Sellerie  .     .     . 

153S1 

> 

Verschiedenes 

82  601 

» 

Bezüglich  näherer  statistischer  Einzelheiten  sei  auf  den  Auszug,  den 
Oetken  aus  dem  11.  Census  gegeben,  hingewiesen.  Hervorzuheben  ist,  dass 
ein  Fünftel  der  ganzen  Truck-farmingfläche  auf  die  Umgegend  von  New-York 
und  Philadelphia  fällt  (108  315  a  =  43  254  ha,  Wert  der  Produkte  ca.  80  Millionen 
Mark),    etwa    ebenso    viel    (111441    a   =   44576   ha)    auf    die    südatlantischen 

*)    1    acre  =  0.40  ha,    1   $  (Dollar)  =  4,20  M. 
**)  Proceedings  of  the  Amer.  Pomological  Society  for   1891    S.  94. 
***)   Dies  scheint  zu  niedrig,  da  in  der  Tabelle  der  Saat-Farmen  in  The  American  Florist- 
Company  Directory  1896  S.   35   für  Gurken  zur  Saat  im  Ganzen    10  210  acres  Gurken  angegeben 
werden.     Maurice  de  Vilmorin  giebt  folgende  Übersicht: 

Hectar     Wert  der  Produkte  in  M.  rund 

1.  Südstaaten  u.  Golf  von  Mexiko 55  576  53   Millionen 

2.  Umgegend  von  New-York  u.  Philadelphia      .     .  43  254  84  ,, 

3.  Central-Staaten:  Ohio,  Michigan,  Illinois   .     .     .  42  qo5  62  ,, 

4.  Umgegend  von  Norfolk  in  Virginien       ....  18  i5o  i3  „ 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten.  I  2  | 

Staaten  Nord-Carolina,  Süd-Carolina,  Georgia  und  Florida,  endlich  ungefähr 
die  gleiche  Zahl  (107414  a  =  42905  ha,  Wert  der  Produkte  61  Millionen 
Mark)  auf  die  Centralstaaten.  Auf  die  Umgegend  von  Norfolk,  Virginien,  die 
wegen  Frühgemüse  wichtig,  kommen  45  375  acres  =  18  150  ha  mit  einem  Wert 
der  Produkte  von  18  Millionen  Mark,  schliesslich  3^130  a  =  14492  ha  auf 
die  Golfstaaten  (das  Mississipithal). 

Uns  interessieren  am  meisten  die  grossartigen  Truckfarms  im  Süden, 
wo  besonders  Frühgemüse  gebaut  wird,  das  dann  nach  dem  Norden  geht,  ähn- 
lich wie  die  dort  gebauten  Erdbeeren,  während  umgekehrt  im  Sommer  ein 
wenn  auch  weit  kleinerer  Teil  aus  dem  Norden  nach  dem  Süden  versandt 
wird.  Über  diesen  Gegenstand  ist  eine  Reihe  wichtiger  Artikel  von  Maurice 
de  Vilmorin  in  Sagnier's  Journal  de  l'Agriculture,  Paris  1894,  S.  13  ff.,  erschienen, 
die  um  so  mehr  Beachtung  verdienen,  als  Herr  M.  de  Vilmorin  im  Frühj  ahr  in 
jenen  Gegenden  war  und  die  Felder  z.  T.  noch  bestanden  sah.  Ich  konnte 
Florida,  Ost-Georgia  und  Ost- Virginien  im  September  wegen  des  in  New-Bruns- 
wick  (Georgia)  ausgebrochenen  gelben  Fiebers  nicht  besuchen,  würde  um  jene 
Zeit  auch  wenig  gesehen  haben.  Auf  der  Reise  von  Los  Angeles  nach  New- 
(  irleans  und  von  da  durch  Alabama,  Georgia,  Süd-  und  Nord-Carolina  sowie 
Virginien  nach  Washington  sammelte  ich  aber  manche  Nachrichten.  Wert- 
volles Material  verdanke  ich  auch  den  Herren  Roelker  &  Sons  in  New-York, 
Herrn  Thilo w  von  der  Firma  Henry  A.  Dreer-Philadelphia  sowie  vielen 
anderen. 

Die  Gemüsekultur  in  den  Südstaaten  begann  gleichzeitig  mit  der  Erd- 
beerkultur bald  nach  dem  Secessionskriege.  Die  freigewordenen  Sklaven  fingen 
an,  kleine  Gärten  anzulegen  oder  in  solchen  gegen  Lohn  zu  arbeiten,  die  weisse 
Bevölkerung  musste  aus  Mangel  an  Arbeitskräften  ihre  Kraft  auf  kleinere 
Flächen  beschränken  und  so  entstand  aus  Ackerbau  Gemüse-  und  Erdbeer- 
kultur. Diese  wurde  begünstigt  durch  die  immer  besseren  Verbindungen  nach 
dem  Norden  (oft  1000 — 1800  km),  weiter  durch  den  guten,  verhältnismässig  nicht 
zu  teuren  Boden,  die  reichlichen  Arbeitskräfte,  das  warme  Klima  und  das 
intensive  Licht. 

Wegen  der  schnellen  Verbindungen  und  der  guten  Verpackung  kommen 
die  Gemüse  aus  dem  Süden  im  Norden  meist  gut  an  und  werden  vom  grossen 
Publikum,  das  die  vierfachen  Preise  für  im  Norden  getriebenes  Gemüse  nicht 
zahlen  kann,  gern  gekauft,  gerade  wie  bei  uns  im  Winter  das  Gemüse  aus 
dem  Süden. 

Trotzdem  wird  der  Gemüsegärtner  im  Norden,  wie  Maurice  de  Vilmorin 
auseinandersetzt,  dadurch  nicht  ruiniert.  Die  intensiven  Kulturen  in  der  Nähe 
der  grossen  Städte  des  Nordens  sind  im  allgemeinen  doch  gewinnbringend. 
Häufig  sind  sie  mit  Konservenfabriken  verbunden,  ausserdem  stehen  sie 
telephonisch  mit  dem  Markte  und  den  grossen  Kommissionären  in  Verbindung 
und  der  Marktgärtner  (marketgardener)  des  Nordens  hat  oft  mehr  Gewinn  als 
die  Truckfarmer  des  Südens  (siehe  auch  weiter  unten  Gemüsetreiberei). 

Die  Züchter  in  den  Staaten  am  Golf  von  Mexiko  (Louisiana,  Alabama, 
Mississipi ,  Florida)  und  in  den  südatlantischen  Staaten  (Georgia.  Nord- 
und  Südkarolina)  ernten  im  freien  Felde  das  für  den  Norden  bestimmte 
Frühgemüse:  der  Gemüsetreiber  im  Norden  kultiviert  unter  Glas,  in  Mistbeeten 
und  unter  Glocken  etc.  für  die   reichen    Leute    meist    ausserordentlich    schöne 


I«2  Der  Gemüsebau  in    den  Vereinigten  Staaten. 

Gemüse,  die  teuer  verkauft  werden.  Zwischen  beiden  Kulturarten  hat  sich 
eine  dritte  geschoben,  eine,  die  nach  Vilmorin  am  meisten  zugenommen  hat, 
das  ist  die  Anzucht  von  Frühgemüse  auf  freiem  Felde  in  Virginien,  in  der 
Nähe  von  Norfolk,  von  wo  aus  die  Waren  meist  zu  Schiff  nach  Philadelphia, 
New-York  etc.  gehen. 

Das  Seeklima  von  Virginien  ist  milde,  das  Frühjahr  tritt  bald  ein,  die 
Entfernungen  nach  den  grossen  Zentren  sind  nicht  gross  und  die  Waren  treffen 
dort  in  gutem  Zustande  ein  zu  einer  Zeit,  wo  dort  das  Freilandgemüse  noch 
nicht  entwickelt  ist. 

So  sind  es  also,  um  mit  Vilmorin  zu  reden,  drei  Hauptgegenden,  welche 
die  weitentfernten  Märkte  versorgen:  1.  der  Süden  in  Bezug  auf  Frühgemüse, 
im  Winter  und  ersten  Frühjahr;  2.  in  Carolina,  aber  besonders  in  Virginien 
im  Frühjahr;  3.  in  einigen  mittleren  und  einigen  nordöstlichen  Staaten  zur 
normalen  Zeit  für  die  grossen  Städte  und  auch  für  den  Süden,  der  dann  nichts 
mehr  erntet. 

Betrachten  wir  jetzt  die  einzelnen  Gegenden  genauer. 

2.  Die  Gemüsekultur   in    den  Golfstaaten. 

Das  Zentrum  dieser  nicht  sehr  ausgedehnten  Kulturen  ist  Mobile.  Von 
dort  werden  meist  die  in  den  drei  Staaten:  Louisiana,  Mississipi  und  Alabama 
geernteten  Produkte  verschifft. 

Die  Grösse  der  Gemüseländereien  ist  nach  Maurice  de  Vilmorin 
gewöhnlich  15 — 20  ha,  der  Boden  ist  sandig,  aber  frisch,  der  Preis  beträgt  pro 
ha  1000 — 1500  Mark.  Viele  Züchter  sind  Farbige,  die  aber  sehr  gut  wirtschaften. 
Der  Wert  der  Ausfuhr  wurde  1890  auf  fast  2  Millionen  Mark  geschätzt,  dabei 
sind  aber  die  FrühKartoffeln  und  Zwiebeln,  die  auf  landwirtschaftlichem  Terrain 
erbaut  werden,  nicht  mitgerechnet.  Das  Meiste  geht  zu  Schiff  fort,  nur  die 
ersten  Bohnen  per  Bahn.  Die  Produktion  fällt  in  die  Monate  Dezember  bis 
März  und  hört  dann  ganz  auf,  ausgenommen  die  Wassermelonen,  welche  erst 
Anfang  Sommer  reifen.  Meist  wird  nur  eine  Ernte  entnommen,  1  —  8  Monate 
liegen  manche  Stücke  brach. 

Die  wichtigsten  Gemüse  sind:  1.  Spargel.  Dieser  wird  auf  Rücken  ge- 
baut, mit  Guano  gedüngt  und  bleibt  meist  nur  4  Jahre  am  Platze.  Die 
Spargelkultur  ist  fast  die  einzige,  welche  viel  Handarbeit  erfordert,  denn  nach 
der  Ernte  muss  man  die  Rücken  einebnen  und  das  Land  reinigen.  Die  Ernte 
findet  im  Februar  statt;  man  bindet  Bunde  im  Gewicht  von  zwei  Pfund  und 
2  —  3  Dutzend  Bunde  kommen  in  eine  Kiste.  Die  ersten  Spargel  werden  oft  zu 
8  M.  das  Bund  verkauft;  nachher  sinkt  der  Preis  schnell,  trotzdem  soll  das  ha 
500—600  M.  Reinertrag  abwerfen. 

2.  Grüne  Bohnen.  Beliebt  sind  die  Sorten  Red  Valentin  und  Newhawk 
Man  säet  die  Bohnen  im  November  oder  Dezember  und  erntet  sie  im  Februar 
oder  März.     Reinertrag  400  M.  pr.  ha. 

3.  Kohl.  Man  baut  frühen  Weiss-  und  Wirsingkohl;  von  letzterem 
werden  die  jungen  Pflanzen,  die  noch  keine  Köpfe  gebildet  haben,  im  Norden 
besonders  geschätzt.  Reinertrag  des  im  Winter  A'erpflanzten  Kohl  800  M. 
pr.  ha. 

4.  Frühkartoffeln.  Dies  ist  die  Hauptfrucht,  sie  nimmt  fast  die  Hälfte 
der  Gemüseländereien  ein.  Die  Saatkartoffeln  bezieht  man  meistens  aus  den 
Nordstaaten,  besonders  von  New-York,  wo  sie  im  August  reifen.     Man  kann  sie 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten.  p^ 


dann  im  Oktober  oder  November  schon  wieder  legen.  Hauptsorte  ist  die  Early 
Rose,  die  in  Amerika  viel  mehr  als  Speisekartoffel  geschätzt  wird  als  bei  uns. 
Die  Kartoffelfelder  werden  stark  gedüngt  und  bringen  einen  Reinertrag  von 
500—600  Mark.     Alljährlich  breitet  sich  diese  Kultur  weiter  aus. 

Die  Gemüsewirtschatten  in  der  Golfregion  sind  zwar  nur  klein,  bringen 
aber,  wie  oben  gezeigt,  gute  Erträge  und  alle  Jahre  entstehen  neue.  Das 
Personal  besteht  ausser  dem  Chef  fast  nur  aus  Farbigen;  man  rechnet  1  Mann 
für  4  ha  und  zahlt  ihm  täglich  im  Durchschnitt  3,60  M.  Auf  8— 10  ha  rechnet 
man  1  Gespann.  Der  Boden  wird  im  Herbst  mit  Baumwollsamenkuchen, 
Guano,  Phosphaten  oder  Kalisalzen,  je  nach  der  Gemüseart,  gedüngt.  Gehackt 
wird  zwischen  den  Reihen  möglichst  mit  einer  Pferdehacke,  in  den  Reihen  mit 
der  Hand. 

3.    Jacksonville    (Florida). 

Viel  grossartiger  sind  die  Frühgemüse-Anlagen  in  Florida,  das  im  Klima 
ähnlich  ist  wie  Alabama. 

Ananas.  Der  südliche  Teil  der  Halbinsel  dient  besonders  zur  Anzucht 
von  Ananas  im  freien  Felde.  Man  pflanzt  sie  auf  sandigem,  drainierten,  aber 
seine  Frische  bewahrenden  Boden  im  Winter  in  Reihen,  die  1,20 — 1,50  m  ent- 
fernt sind,  und  nimmt  dazu  Seitensprossen  von  der  Basis  alter  Pflanzen,  sogenannte 
»Kindel«.  Im  ersten  Jahre  schon  bringt  die  Pflanze  eine  Frucht,  aber  erst  die 
des  zweiten  Jahres  ist  versandfähig.  Alan  schneidet  sie  ab  und  alsbald  treten 
an  der  Basis  der  Pflanze  5 — 6  Kindel  hervor,  von  denen  man  aber  nur  eine 
stehen  lässt.  Diese  giebt  wieder  eine  einzige  Frucht  und  so  fährt  man  noch 
zwei  Jahre  fort,  ehe  man  die  Plantage  umbricht.  Hauptsorte  ist  die  rote 
spanische  Ananas. 

Etwas  weiter  nördlich  baut  man  in  Florida  besonders  Bataten,  Tomaten, 
Frühkartoffeln,  Bohnen,  Kohl,  Kürbisse  u.  s.  w. 

Die  Bataten,  Convolvulus  Batatas,  Batatas  edulis.  Sweet  potatoes,  werden  in 
Amerika  sehr  viel  gegessen  und  auch  viel  weiter  nördlich  als  Florida,  z.  B.  bei 
Philadelphia  und  inNew-Jersey  viel  gebaut.  Unsmuss  das  wunderbar  erscheinen. da 
man  dort  doch  auch  gute  Kartoffeln  bauen  könnte,  die  doch  viel  besser  schmecken. 
Aber  der  gewöhnliche  Amerikaner  hat  wenig  gute  Kartoffeln,  so  wenig  wie 
der  gewöhnliche  Engländer,  trotzdem  wir  einige  der  besten  Sorten  von  ihnen 
bekommen  haben;  viele  Eingeborene  essen  die  uns  widerlich  süss  er- 
scheinenden Bataten  lieber.  Man  bringt  die  Bataten  meist  ungeschält,  gedämpft 
auf  den  Tisch,  wie  überhaupt  das  Dämpfen  von  Kartoffeln  sehr  üblich  ist. 
Besonders  beliebt  sind  für  letzteren  Zweck  recht  grosse  lange  Kartoffeln. 
Diese  werden  auch  ungeschält  gedämpft,  der  Länge  nach  aufgeschnitten,  ein 
Stück  Butter  hineingethan  und  nun  mit  einem  Löffel  das  Innere  heraus- 
gegessen. 

Um  auf  die  Bataten  zurückzukommen,  so  werden  in  Florida  alte  Knollen 
unter  Glas  auf  Beeten  von  Sand  und  Lauberde  oder  reinem  Sand  angetrieben, 
die  bewurzelten  Triebe  abgenommen  und  im  April  gepflanzt;  im  Sommer  kann 
man  dann  die  meist  spindelförmigen,  mitunter  aber  auch  rundlichen  Knollen 
versenden.     Man  schätzte  die  Ernte  von  Florida  1891  auf  620000  hl. 

In  der  Nähe  von  Philadelphia,  jenseits  des  Delaware,  also  schon  im 
Staate  Xew-Jersey,  werden  auf  dem  leichten,  sandigen,  durchlässigen,  gut  ge- 
düngten Boden,   der    zwei    Jahre    hindurch    Erdbeeren  getragen,  ebenfalls  sehr 


134 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


viel  Bataten  gezogen.  Nach  Abernten  der  Erdbeeren  pflanzt  man  die  Knollen 
vom  1. — 10.  Juni  auf  einzelnen  l  m  hohen,  37  cm  von  einander  entfernten 
Hügeln  und  zieht  die  windenden  Stämme,  die  Ranken,  immer  an  den  Hügel 
heran,  sieht  aber  streng  darauf,  dass  die  Knoten  nicht  Wurzel  schlagen,  damit 
alle  Kraft  in  die  Knollen  gehe.  Den  ganzen  Sommer  gehen  deswegen  Arbeiter 
mit  Stöcken  umher,  um  das  Wurzelschlagen  zu  verhindern.  Zum  Ausheben 
der  Knollen  bedient  man  sich  eines  mit  einem  Gitter  versehenen  Pfluges.  Die  süssen 
Kartoffeln  müssen  sehr  sorgfältig  behandelt  werden.  Schon  auf  dem  Felde 
werden  sie  mit  einer  weichen  Bürste  abgebürstet,  machen  dann  noch  einen 
Schwitzprozess  durch,  während  welcher  Zeit  sie  offen  stehen  müssen,  und  werden 
hierauf  versandt.  Auch  im  Winter  faulen  sie  leicht,  man  legt  sie  deshalb  in 
Florida  auf  Horden  und  hält  sie  bei  200  C. 

In  anderen  Gegenden  pflanzt  man  die  Bataten  in  Furchen,  immer  aber  lässt 
man  erst  die  alten  Knollen  in  Mistbeeten  austreiben  und  pflanzt  die  Triebe  im 
Mai  oder  Juni.  Ertrag  3 — 4  Bushel*)  p.  acre.  Das  kleine  New-Jersey  erzeugte 
schon  1880  über  2  Millionen  Bushel,  Virginien  und  Süd-Carolina  etwa  ebenso 
viel,  Alabama  und  Mississippi  je  ca.  3V2  Millionen,  Georgia  und  Nord-Carolina 
aber  ca.  41 2  Millionen. 

Tomaten  werden  im  nördlichen  Florida  vielmehr  gebaut  als  in  den  Golf- 
staaten. Man  säet  den  Samen  im  Januar  unter  Glas  und  verpflanzt  im  Februar 
bis  März  ins  Freie.  Hauptsächlich  baut  man  runde,  keine  kantigen  Früchte, 
besonders  die  Sorten  Trophy,  Acme,  Perfection.  Der  Versand  wurde  1891  auf 
ca.  13  Millionen  Mark  geschätzt. 

Dass  in  Florida  als  Nachfrucht  von  Frühkartoffeln  viel  Erdbeeren  ge- 
zogen werden,  ist  bereits  beim  Obstbau  erwähnt.  Über  die  Menge  der  er- 
zeugten Frühkartoffeln  in  Florida  liegen  keine  Daten  vor,  für  1888  werden 
155  000  Bushel  Kartoffeln  angegeben,  was  wahrscheinlich  alles  Frühkartoffeln 
sind.  (Fortsetzung  folgt.) 

*)    1   Bushel  =  36  1. 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen  etc. 


Begonia  „Louise  de  Vries". 

DieseZüchtung  von  Aug.  W.deVries, 
Handelsgärtner  in  Iserlohn,  Westfalen, 
ist  mit  dem  Wertzeugnis  des  Verbandes 
der  Handelsgärtner  Deutschlands  aus- 
gezeichnet. Sie  ist  halbstrauchig,  rein- 
weiss,  kamellienartig  gefüllt  und  wird 
als  Bindeblume  wie  als  Topfpflanze 
empfohlen. 


Neue  Fuchsia  „Frau  Ida  Noack". 

Diese  in  Hamburg  1897  prämierte  und 
mit  dem  Wertzeugnis  des  Gartenbau- 
vereins von  Hamburg,  Altona  und  Um- 
gegend gekrönte  Fuchsia  ist  jetzt  von 
Struss  &  Noack  zu  Bergedorf  bei 
Hamburg  in  den  Handel  gegeben.    Sie 


zeichnet  sich  durch  ein  gedrungenes 
Wachstum,  kleine,  schmale,  lebhaft 
grüne,  an  Fuchsia  Riccartonii  er- 
innernde Blätter  und  kleine,  hängende, 
in  grossen  Mengen  erscheinende  Blumen 
aus.  Kelchblätter  und  Staubfäden 
mattrot,  Kronenblätter  violett-blau.  Zur 
Kronen-   und  zur  Buschform  geeignet. 


Cyclamen  Papilio. 

Das  gefranste  Cyclamen  Papilio 
(Schmetterling),  das  zuerst  in  Gent  1897 
ausgestellt  wurde,  ist  von  L.  P.  De 
Langhe -Vervaene  in  Brüssel,  rue 
de  Constantinople  150,  gezüchtet,  aber 
jetzt  auch  von  deutschen  Firmen  zu 
beziehen. 


Neue  und  empfehlenswerte  I'tianzen. 


«35 


Neue  eingeführte  Blumensamen 

von  Dammann  &  Co.  in   San  Giovanni 

a  Teduccio  bei  Neapel. 

Nach  den  Beschreibungen    der  Züchter.) 

Heterospermum  Xanthii  A.  Gray.  Q  (Compositae.) 
1 1  lierzu  Abb.  2S.1 
Diese  im  westlichen  Nordamerika 
einheimische  Pflanze  empfehlen  wir 
auf  das  wärmste.  Wuchs  und  Blüte 
erinnern  sowohl  an  Tagetes  signata 
pumila,  als  an  Sanvitalia  procumbens. 
Sie  wird  20—25  cm  hoch,  ist  mithin 
als  Rabattenptlanze  höchst  empfehlens- 
wert. Die  Blumen  sind  klein,  tief 
Chromgelb  mit  canariengelbem  Anflug 
an  den  Spitzen  der  Petalen.  Der 
herrliche  Blütenflor  dauert  von  Anfang 
Juni  bis  in  den  Spätherbst  und  ist 
daher  diese  Pflanze  noch  besonders 
da  zu  empfehlen,  wo  es  auf  einen  sehr 
frühen  Flor  ankommt,  da  sie  bereits 
vier  Wochen  nach  der  Aussaat  zu 
blühen  beginnt.  Die  sehr  fein  ge- 
fiederte Belaubung  wird  thatsächlich 
gänzlich  von  Blüten  überdeckt. 

Kuhnia  eupatorioides,  L    2J    j->    (Compositae.) 

Halbstrauch,  mit  sehr  schönen  rahm- 
weissen  Blüten,  welche  sich  bis  zum 
Herbst  erneuern.  Die  feinen,  wechsel- 
ständigen schmalen  Blätter  sind  nur 
2  cm  lang.  Die  sehr  üppig  wachsende, 
anspruchslose  Pflanze  erreicht  eine 
Höhe  bis   i]/2  m- 

Englische  Sommer-Levkoje,  cremegelb. 

Eine  neue  Farbe  und  wertvollste 
Bereicherung  des  Sortiments.  Durch 
reichlichen  und  anhaltenden  Flor 
zeichnet  sich  diese  prächtige  Sorte  noch 
besonders  aus. 

Winter-Levkoje  mit  Lackblatt,  canariengelb. 

Ein  würdiges  Seitenstück  zu  der 
von  uns  vor  Jahren  eingeführten  und 
zu  so  grosser  und  verdienter  Beliebt- 
heit gelangten  reinweissen  Winter- 
Victoria-Levkoje.  Was  diese  neue 
Art  übrigens  noch  besonders  wertvoll 
macht,  ist,  dass  sie  sich  gut  treiben 
lässt  und  eine  sehr  feine  Schnittblume 
liefert,  weshalb  wir  sie  SpezialZüchtern 
auf  das  Wärmste  empfehlen. 

Oenothera  Johnsoni  Parry.    O 
Hierzu  Abb.  29.) 
Eine  bis   i1-,  111  hohe  äusserst  stark- 
wüchsige  Annuelle  mit  langen  Rispen 
citronengelber  Blüten    von    ca.    3    cm 
Durchmesser.     Wegen  ihres  schnellen 


Abb.   28.     Heterospermum   Xanthii. 
lilumen  tief  Chromgelb. 

Wuchses  ist  diese  Pflanze  mit  Vorteil 
auch  da  zu  verwenden,  wo  es  gilt, 
eine  Lücke  in  höheren  Sträucher- 
gruppen  während  des  Sommers  aus- 
zufüllen. Unser  Bild  stellt  eine 
einzelne  Pflanze  dar,  die  zwei  Monate 
nach  der  Aussaat  bereits  in  Blüte 
stand.  Am  besten  sagt  ihr  ein  nahr- 
hafter Boden  von  möglichst  sonniger 
Lage  zu.  Die  einzelnen  Triebe  sind 
von  unten  auf  mit  länglich  schmalen 
Blättern  gleichmässig  besetzt,  so  dass 
die    Pflanze    auch    ohne    Blüten    noch 


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Abb.   29.      Oenothera  Johnsoni  Parry. 
Blumen    citronengelb. 


i36_ 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen. 


einen  dekorativen  Werth  besitzt.  Die 
Aussaat  kann  im  März  ins  freie  Land 
bewirkt  werden.  Der  Blüthenflor 
erstreckt  sich  auf  den  ganzen  Sommer. 

Polypteris  callosa  A.  Gray  (Compositae.) 

Circa  60  cm  hoch  mit  sehr  feiner, 
zierlicher  Belaubung.  Während  des 
ganzen  Sommers  ist  die  Pflanze  von 
einem  Flor  kleiner,  herrlicher  rosa- 
lila  Blüten  bedeckt.  Eine  der  reich- 
blühendsten Pflanzen,  die  wir  je  in 
Kultur  hatten.  Auch  für  Bindezwecke 
ist  die  Pflanze  sehr  gut  zu  verwenden. 

Silene  pendula  compacta  fol.  aureis  Venus.     O 

Hervorgegangen  aus  unserer  S.  pen- 
dula compacta  fol.  aureis  Luna,  trägt 
diese  reizende  neue  Art  reinweisse 
Blumen.  Der  Kontrast  der  gelben 
Belaubung  und  der  weissen  Blumen 
mit  dem  umgebenden  Grün  Iässt  diese 
Xeuheitbesonders  wertvoll  für  Teppich- 
gruppen erscheinen. 

Vernonia  arkansana  (Compositae).    % 

Eine  Perenne,  die  in  keinem  Garten 
fehlen  sollte.     Sie  wird  ca.   1  m  hoch, 


wächst  sehr  schön  buschig  und  leistet 
jedwedem  Witterungseinfluss  Wider- 
stand. Auch  in  Bezug  auf  Boden- 
beschaffenheit ist  sie  nicht  sonderlich 
wählerisch,  da  sie  in  unseren  Gärten 
trotz  enormer  Hitze  bei  geringen 
Wassergaben  ihren  Blütenflor  ununter- 
brochen vom  Juli  bis  November  er- 
neuerte. Die  äusserst  zahlreich  er- 
scheinenden Blüten  sind  purpuiiila. 
Die  sehr  langen,  schmalen,  zugespitzten 
Blätter  verleihen  der  Pflanze  auch 
ohne  Blumen  schon  ein  dekoratives 
Aussehen.  Als  Schnittblume  unent- 
behrlich. 


Neue  eingeführte  Schlingpflanzen. 

Ipomoea  imperial. s  „Aphrodite". 

Unter  den  von  uns  in  den  Handel 
gebrachten  Ip.  imperialis  fehlte  bisher 
noch  eine  solche  mit  reinweissen 
Blüten.  In  diesem  Jahre  haben  wir 
diese  Lücke  durch  obige  Neuheit 
ausgefüllt. 

Ipomoea  imperialis  aurata  ,,Cleopratra". 

Laub  goldgelb  schillernd.  Blüten 
leuchtend  karmin  mit  weissem  Rand 
und  Schlund.  Ein  wertvoller  Zuwachs 
zu  der  wirklich  herrlichen  aurata- 
Klasse. 

Ipomoea  imperialis  collata  carminea  albo- 
marginata. 

Den  sehr  schnell  beliebt  gewordenen 
I.  collata-Sorten  fügen  wir  dieses  Jahr 
einige  sehr  schöne  neue  Sorten  hinzu. 
Die  prachtvollen  Blüten  der  obigen 
sind  dunkelkarmin  mit  weissem  Rand 
und  mattrosa  Schlund.    Sehr  effektvoll. 

Ipomoea  imperialis  collata    „Diana". 

Tief  dunkelblau  mit  zartrosa  Schlund 
und  weissem  Rand.  Ein  brillantes 
Farbenspiel,  das  von  keiner  anderen 
übertroffen  wird. 


Abb.  3o.     Luffa   acutangula. 


Luffa  acutangula. 

(Hierzu  Abb.  30.) 

Für  Freunde  der  bekannten  Bade- 
schwämme, Luffa  cylindrica  und  acu- 
tangula. bilden  wir  hier  die  letztere  ab. 


Kleinere    Mitteilungen. 


L37 


Kleinere  Mitteilungen. 


San  Jose-Schildlaus   auf  Dörrbirnen  in  Danzig 
gefunden. 

Hochgeehrter  Herr  Geheimrat! 
Erlaube  mir  Ihnen  mitzuteilen,  dass 
ich  gestern  bei  der  in  meiner  Eigen- 
schaft als  Sachverständiger  ausgeführten 
Untersuchung  einer  hier  seewärts  ein- 
gegangenen Sendung  amerikanischer 
Birnen  (Fancy  unpared  pears  halves*) 
die  echte  San  Jose-Schildlaus  gefunden 
habe,  allerdings  nur  in  wenigen,  soweit 
ersichtlich  toten  Exemplaren.  Ur- 
sprünglich müssen  die  Früchte,  wie  aus 
den  zahlreichen  Narben  ersichtlich  ist, 
massenhaft  von  Schildläusen  besetzt 
gewesen  sein;  doch  dürften  die  letzteren 
bei  der  Austrocknung  der  Früchte  zum 
grössten  Teil  abgefallen  sein. 
Dr.  Kumm, 

Kustos  am  Provinzial-Museum. 

Vernichtung  der  Reblaus. 

Eine  von  der  Landwirtschaftskammer 
der  Provinz  Sachsen  nach  Freyburg 
a.  d.  Unstrut  einberufene  Versammlung 
von  Winzern  aus  dem  Saal-  und  Unstrut- 
gebiet  beschloss  um  die  Aufhebung 
des  jetzigen  Verfahrens  zur  Vernichtung 
der  Reblaus  bei  der  Staatsregierung 
zu  petitioniren.  und  erkärte  sich  für 
die  Verwendung  amerikanischer  Reben 
bei  Xeuanpflanzungen. 

Helianthus  cueumerifolius. 

Von  Adam  Heydt,  Kunstgärtner. 

Unter  der  artenreichen  Gattung  der 
Helianthus  ist  mir  besonders  Helian- 
thus cueumerifolius.  die  gurkenblättrige 
Sonnenblume,  wert  geworden.  Diese 
ist  nicht  eine  jener  gigantischen  Sonnen- 
blumen, für  die  man  gewöhnlich  keine 
Verwendung  hat  und  die  nur  Lieb- 
habereien dient.  Im  Gegenteil,  Helian- 
thus cueumerifolius  ist  eine  nur 
massig  hohe,  sehr  schätzbare  Sonnen- 
blume sowohl  für  den  Betrieb  des 
Berufsgärtners,  als  auch  für  den  Garten 
des  Liebhabers. 

Recht  vielseitig  ist  ihre  Verwendung; 
sie  dient  zum  Bepflanzen  von  Gruppen, 
zur  GehOlzvorpflanzung  und  nament- 
lich für  moderne  Bindezwecke. 

Helianthus  cueumerifolius  wird  bis 
70     80    cm    hoch,    trügt     die     Blumen 

* |  D.  h.  halbe  ungeschälte  Birnen.     L.W. 


auf  hohen  testen  Stielen,  die  sich 
etwas  rauh  anfühlen.  Die  Blumen, 
prächtige  Strahlenblüten  in  reinster, 
leuchtender,  goldgelber  Farbe  mit 
schwarzem  Zentrum,  werden  5 — 7  cm 
breit,  haben  also  gerade  eine  für 
Binderei  am  besten  geeignete  Gr< 
Die  Blütezeit  dauert  von  Juli  bis 
gegen  Oktober. 

Gruppen,  mit  diesen  Helianthus  be- 
pflanzt, machen  einen  guten  Effekt, 
zudem  ist  die  Anzucht  einfach. 

Alan  säet  den  Samen  im  April  in 
einen  lauwarmen  Mistbeetkasten,  unter 
der  üblichen  Behandlung,  die  über- 
haupt Sommerblumen  widerfährt.  So- 
bald die  Pflanzen  sich  einigermassen 
entwickelt  haben,  ist  es  sehr  gut,  sie 
zu  pikieren  und  dann  erst  nach  ge- 
nügendem Erstarken  auf  recht  sonnige 
Beete  zu  pflanzen. 

Für  Gruppenpflanzung  empfehle  ich, 
ja  recht  dicht,  etwa  15  cm.  zu  pflanzen, 
damit  die  Pflanzung  von  Anfang  an 
voll  aussieht. 

Einen  Schutzzoll  auf  Obst 

verlangen  jetzt  auch  unsere  mär- 
kischen Obstzüchter.  Zur  Beratung 
der  Angelegenheit  tagte  kürzlich  in 
Werder  eine  Versammlung  der 
Obstzüchtervereine  von  Werder,  Glin- 
dow, Geltow,  Caputh,  Bornstedt. 
Krielow  und  Michendorf.  Der  Vor- 
sitzende des  Obstbauvereins  zu  Werder 
erklärte,  dass  die  Notlage  der  Obst- 
züchter diese  jetzt  unabweisbar  zu 
energischem  Vorgehen  zwinge,  um  an 
zuständiger  Stelle  die  Einführung  eines 
Schutzzolles  auf  Obst  zu  erstreben. 
Nach  den  statistischen  Feststellungen 
seien  die  Preise  für  alle  Obsterzeug- 
nisse  seit  1873  fortgesetzt  im  Rück- 
gang begriffen.  Auch  die  sämtlichen 
übrigen  Redner  sprachen  sich  ent- 
schieden für  den  Schutzzoll  aus.  worauf 
dann  einstimmig  eine  Erklärung  an- 
genommen wurde,  worin  es  heisst: 
Es  ist  bedauerlich,  beobachten  zu 
müssen,  wie  das  geschmack-  und 
gehaltvollere  einheimische  Früh-  und 
Spätobst  durch  Spekulation  aus- 
ländischer Händler  von  unseren  Märkten 
verdrängt  wird.  Die  Versammlung 
richtet  an  die  hohe  Reichsregierung 
sowie    an    die  gesetzgebenden  Körper- 


13Ä 


Kleinere  Mitteilungen. 


schaften  die  dringende  Bitte,  die  Ge- 
fahren, -welche  für  den  Obstbau  in  hie- 
siger Gegend  durch  die  Konkurrenz  des 
Auslandes  entstanden  sind  und  noch 
entstehen  können,  durch  einen  ent- 
sprechenden Schutzzoll  zu  beseitigen 
und  zu  verhüten.  Die  Versammlung 
beauftragt  den  gewählten  Ausschuss, 
mit  allen  ihm  zu  Gebote  stehenden 
Mitteln  dahin  zu  wirken,  dass  unsere 
Beschlüsse  an  geeigneter  Stelle  zum 
Ausdruck  gebracht  werden.  Zur  stän- 
digen Wahrnehmung  der  Interessen 
der  Obstzüchter  wurde  dann  ein  Zentral- 
ausschuss  gebildet,  und  endlich  wurde 
beschlossen,  die  Obstbaugegend  von 
Werder  und  dem  ganzen  Umkreise 
.,Havel-Obstgau"zu benennen.   (Voss.Z.) 


Champignon-Brut  aus  Sporen. 

(Blanc    vierge    der    Franzosen.) 

Das  aus  Sporen  erzogene  Mycelium 
ist  der  wichtigste  Faktor  bei  einer 
rationellen  Champignon-Kultur.  Unsere 
deutschen  Züchter  tragen  diesem  Um- 
stände leider  immer  noch  zu  wenig 
Rechnung  und  dieses  ist  wohl  auch 
in  den  meisten  Fällen  die  Hauptursache 
vieler  Misserfolge. 

Die  Mehrzahl  unserer  Züchter  ver- 
wendet zur  weiteren  Zucht  Brut  aus 
tragenden  Beeten  und  züchtet  sich  auf 
diese  Weise  Generationen  heran,  welche 
mehr  und  mehr  ausarten. 

Xoch  unzweckmässiger  aber  ist  es, 
Brut  aus  abgetragenen  Beeten  zu  ver- 
wenden, und  doch  wird  hierin  noch 
vielfach  gesündigt 

Es  liegt  auf  der  Hand,  dass  solche 
Brut  mit  allen  möglichen  Bakterien 
behaftet  und  verseucht  sein  muss,  daher 
vollkommen  wertlos  ist.  Die  Folge 
davon  ist  entweder  gar  keine  oder  eine 
schlechte  Ernte  von  dünnen,  weichen 
Pilzen,  welche  auf  dem  Beete  faulen 
und  die  ganze  Anlage  verderben. 

Diesem  Uebelstande  hilft  nun  in 
neuerer  Zeit  das  »wissenschaftliche 
Institut  Pasteur«  in  Paris  ab.  Dasselbe 
liefert  den  Züchtern  jungfräuliche 
Sporenbrut  (Blanc  vierge),  direkt  aus 
Sporen  besonders  ausgewählter  Cham- 
pignons gezüchtet,  und  zwar  in  zwei 
Formen: 

1.  Blanc   de   semis   sterilise  in  Form 
einer  grossen  Cartouche  (Patrone). 

2.  Blanc     vierge     de     semis      (jung- 
fräuliches Sporenmycel)  in  Kisten. 


3- 


I.   Blanc   de   semis  sterilise. 

Ein  völlig  neues  Produkt,  welches 
durch  Keimen  von  Sporen  ausgesuchter 
Champignons  erlangt  wird;  jede 
Cartouche  enthält  den  ersten 
Anfang  dieser  Keime. 

Das  Produkt  hat  zahlreiche  Vorteile 
vor  dem  bisher  verwendeten  Mycelium : 

1.  Das  Produkt  ist  rein  und  folglich  frei 
vonKrankheiten  (sog.  Grünspan, Er- 
weichung, Tropfen,  Schimmel  etc.). 

2.  Es  wird  erhalten  von  ausgesuchten 
Champignons  einer  sehr  produk- 
tiven Rasse  und  ist  für  den 
Handel  sehr  geeignet. 
Durch  die  Züchtungsmethode  ist 
jederzeit  dieselbe  Varietät  wieder 
zu  erhalten. 

4.  Das  Mycel  nimmt  mit  Schnelligkeit 
an  und  spinnt  gleichmässig  mit 
hohem  Ertrage. 

Da     diese    Cartouchen     den     ersten 
Anfang  der  Keimung  enthalten,  so  sind 
dieselben  zur  Brutselbstzucht  ganz  be- 
sonders geeignet. 
II.  Blanc  vierge  obtenu  de  semis. 

Diese  zweite  Form  wird  vom  Institut 
Pasteur  als  fertiges  Blanc  vierge  eben- 
falls direkt  aus  Sporen  ausgewählter 
Champignons  geliefert.  Der  Züchter 
ist  sicher,  wirkliches  Blanc  vierge  aus 
Champignon  -  Sporen  und  nicht  ab- 
getragene und  teilweise  wieder  belebte 
Brut  zu  erhalten. 

Das  Blanc  vierge  de  semis  wird  nur 
in  ganz  trockenem  Zustande  geliefert, 
nicht  nach  Gewicht,  sondern  in  Post- 
kisten für  16 — 17  Dm  Beetfläche  und 
in  Kisten    für  die  doppelte  Beetfläche. 

Vom  Institut  Pasteur  ist  mir  die  Ver- 
tretung desselben  in  Preussen  über- 
tragen und  bin  ich  zu  weiteren  Mit- 
teilungen gern  bereit. 

Berlin  N.,  Treskowstr.  25 

Ad.  Kritter. 

Spezialist  für  Champignon-Kultur. 


Bocconia  cordata. 

Von  Adam  Hey  dt,  Kunstgärtner. 
Sehr  wenig  findet  man  in  unseren 
Gärten  Bocconia  cordata,  auch  Macleya 
japonica  genannt,  angepflanzt,  obwohl 
sie  besonders  in  den  Ziergärten  und 
Parks  als  Gruppen-  und  Dekorations- 
staude sehr  zu  verwenden  ist.  Ihr 
malerischer  Wuchs,  verbunden  mit 
ihrem  hübschen  Aussehen  als  Blatt- 
und    Blutenpflanze,     sollten    die    Auf- 


Kleinere  Mitteilungen. 


L39 


merksamkeit     der     Berufsgürtner     auf 
diese  Staude  wenden. 

Bocconia  cordata  isteinePapaveracee. 
Sie  wird  bis  über  2  m  hoch  und  be- 
sitzt einen  starken  Wuchs.  Die  Blätter, 
spiralförmig  um  den  glatten,  matt- 
glänzenden, grüngelben  Stengel  in  etwa 
10  cm  weiten  Internodien  verteilt,  sind 
ähnlich  einem  Eichblatt  eingebuchtet, 
von  schöner,  zierlicher  Form.  Die 
Lichtseite  ist  dunkelgrün  mit  helleren 
Adern,  während  die  Unterseite  filzig 
grau  ist;  Blattstiel  etwa  5  cm  lang. 

Die  Blumen  erscheinen  in  einer  bis 
80  cm  langen  Rispe  auf  bis  2  m  hohen 
Stielen.  Die  einzelnen  Blütchen  sind 
cremegelb  undbesitzen  einen  schwachen 
Geruch. 

Bocconia  cordata  verbreitet  sich 
durch  Rhizome ,  verunkrautet  jedoch 
das  Land  nicht  in  der  Weise,  wie 
Polygonum  amplexicaule  u.  a. 

Die  Anzucht  ist  leicht  und  geschieht 
entweder  durch  Samen  oder  Stock- 
ausschläge, wie  auch  durch  Teilung. 
Einerlei,  wie  sie  vermehrt  wird,  ist 
als  Bestimmungsort  kein  gar  zu 
schattiger  Ort  zu  wählen,  denn  wenn 
auch  Bocconia  noch  im  Schatten  ge- 
deiht, so  ist  ein  recht  sonniger  Platz 
ihr  am  zusagendsten  und  nur  dort  ge- 
deiht sie  prächtig  und  entwickelt  sich 
in  ihrer  ganzen  Vollkommenheit.  Um 
sie  zur  höchsten  Entwicklung  zu  be- 
kommen, ist  sie  von  Zeit  zu  Zeit  gehörig 
zu  düngen,  denn  zu  viel  schadet  nicht 
leicht,  wohl  aber  das,  was  sie  nicht 
erhält. 

Gaillardia  grandiflora   ., Golden  Sunset". 

Von  Adam  Hey  dt,   Kunstgärtner. 

Schon  seit  man  die  Gaillardien  kennt, 
hat  man  sie  ihrer  schönen  Blumen 
wegen  in  Kreisen  der  Schnittblumen- 
züchter gepilegt.  Hier  möchte  ich  die 
Varietät:  »GoldenSunset«, eine  englische 
Züchtung,  besonders  hervorheben. 

»Golden  Sunset«  wird  bis  1  m  hoch. 
Der  Wuchs  ist  wie  bei  allen  Gaillardien 
mehr  breit  als  kompakt.  Die  Blätter 
sind  dreizählig,  das  Hauptblatt  ist  etwa 
12 —  15  cm  lang,  lanzettlich,  ca.  1  cm 
breit,  die  beiden  anderen  am  selben 
Stiele  sitzenden  Blätter  sind  bis  5  cm 
lang  und  1/->  cm  breit;  Blätter  leicht 
behaart. 

Die  Blumen  sitzen  auf  hohen  bis 
7<>  cm  langen  glatten  Stielen  und  sind 


doldenähnlich  gestellt,  5 — 7  cm  breit 
und  von  schönster,  reiner,  leuchtender, 
dem  Auge  wohlgefälliger  goldgelber 
Farbe.  Die  Blumen  erscheinen  in 
unzähliger  Menge  von  Juli  bis  Ende 
Oktober.  Der  Blütenflor  grenzt  an 
das  Märchenhafte.  Die  Illumcn 
bilden  einen  ganz  vortrefflichen  Werk- 
stoff für  allerlei  Bindearbeiten  und 
verdienen  die  vollste  Beachtung  aller 
blumenkonsumierenden  Praktiker  und 
Dilettanten. 

Die  Anzucht  geschieht  durch  Samen, 
der  im  März  entweder  in  Schalen  oder 
ins  Mistbeet  gesäet  werden;  nach  dem 
genügenden  Erstarken  pikiert  man  die 
jungen  Pflanzen  in  Kästen,  um  sie 
später  an  Ort  und  Stelle  zu  pflanzen, 
wo  sie  dann  mehrere  Jahre  verbleiben 
können. 


300  Jahre  alte  Buche. 

In  den  letzten  Tagen  wurde  im 
Ilaardtgebirge  eine  etwa  300  Jahre 
alte  Buche  gefällt,  die  einen  Meter 
über  der  Erde  sich  in  zwei  mächtigen 
Stämmen  emporreckte.  Beim  Zerlegen 
entdeckten  die  Holzknechte,  dass  in 
einen  der  beiden  Stämme  das  Skelett 
eines  Pferdekopfes  hineingewachsen 
war.  Eine  nähere  Erklärung  über 
dieses  Naturwunder  konnte  nicht  ge- 
geben werden. 


Krankheit  der  La  France-Rosen. 

Der  in  den  Berliner  Gärtnereien  in 
grossem  Massstab  getriebenen  Zucht 
der  La  France-Rosen  droht  eine  ernste 
Gefahr.  Die  Rosen  dieser  Art  werden 
neuerdings  von  einer  bisher  nicht 
beobachteten  Krankheit  heimgesucht, 
die  kurz  vor  der  Blütezeit,  also  während 
die  Pflanze  sich  in  vollster  Vegetation 
befindet,  akut  auftritt,  und  die  sich 
darin  äussert,  dass  die  einzelnen 
Triebe  schlaff  werden  und  innerhalb 
weniger  Tage  die  Blätter  fallen  lassen. 
Über  die  Ursache  der  Krankheit  gehen 
die  Meinungen  noch  auseinander. 
Während  einige  auch  hier  die  Wirkung 
eines  Pilzes,  und  zwar  eines  Wurzel- 
pilzes, vermuten,  neigt  Prof.  Sorauer 
der  Ansicht  zu,  dass  es  sich  um 
eine  allgemeine  Schwächeerscheinung 
handelt.  Die  Krankheit  ist  jetzt  auch 
bei   Marechal   Xiel  beobachtet. 


140 


Unterrichtswesen. 


Unser  frühestblühendes  Freiland-Rhododendron. 

Dies  ist  nach  meinen  Beobachtungen 
das  in  den  Gärten  noch  seltene,  aus 
Sibirien  stammendeRhododendron  par- 
vifolium Adams. 

Es  bildet  einen  ca.  meterhohen,  etwas 
sparrig  wachsenden  Strauch,  dessen 
dünne,  leicht  gewundene  Zweige  teil- 
weise überhängen  und  mit  kleinen, 
schmal  länglichspitzen,  mit  Schilfer- 
schüppchen  bedeckten,  immergrünen 
Blättern  besetzt  sind.  Die  kleinen, 
karminfarbenen  Blüten  stehen  zu  4 
bis  5  in  Dolden  am  Ende  der  Zweige, 
erscheinen  in  reichlicher  Anzahl,  nicht, 
wie  in  den  deutschen  Dendrologien 
irrtümlich  angegeben,  im  Juli — August, 
sondern  gegen  Mitte  bis  Ende  März 
und  halten  sich  mehrere  Wochen  am 
Strauche. 

Das  ausnahmsweise  milde  Wetter 
dieses  Winters  brachte  die  Blüten  sogar 
schon  um  die  Mitte  des  Januar  zur 
Entfaltung,  wo  die  Blütenknospen  des 
Rhododendron  mucronulatun  eben  zu 
schwellen  begannen  und  die  von  Rho- 


dodendron dahuricum  sich  noch  gar 
nicht  rührten. 

Obgleich  der  Blütenflor  des  Rho- 
dodendron parvifolium  von  beschei- 
!  denerer  Schönheit  ist  als  der  der  lezt- 
genannten  beiden  Arten,  so  macht 
doch  seine  frühzeitige  Entwicklung 
die  Pflanze  für  unsere  Gärten  wertvoll. 
Die  ersten  Boten  des  erwachenden 
Frühlings  sind  wohl  jedem  Menschen, 
dem  der  Sinn  für  die  Schönheiten  der 
Natur  nicht  ganz  verloren  gegangen 
ist,  doppelt  lieb;  als  einen  solchen 
möchte  ich  deshalb  Rhododendron 
parvifolium  jedem  Gartenfreund  zur 
Anpflanzung  warm  empfehlen. 
L.  Späth. 
Baumschulenweg  b.  Berlin. 

Riesen-Heliotrop 

mit  Blütenständen  von  30 — 40  cm  Durch- 
messer in  den  drei  Farben:  tief  dunkel- 
blau, fliederfarbig  oder  himmelblau, 
werden  von  We igelt  &  Co.-Erfurt  an- 
geboten. Aus  Samen  erzielt  man  in 
vier  Monaten  fertige  Pflanzen. 


Unterrichtswesen. 


Das   75jährige  Jubiläum    der   Königl.   Gärtner- 
Lehranstalt. 

In  wenigen  Monaten  werden  75  Iahre 
verflossen  sein,  seitdem  die  Königliche 
Gäiiner-Lehranstalt  am  Wildpark  bei 
Potsdam,  die  älteste  Unterrichtsstätte 
für  Gärtner,  im  Frühling  1824  eröffnet 
wurde.  Infolge  eines  im  Verein  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues  in  den 
preussischen  Staaten  gestellten  An- 
trages unseres  Altmeisters  Lenne 
wurde  sie  gegründet,  und  unter  dem 
Schutze  des  Vereins  wurde  sie  auf  die 
richtige  Bahn  zu  einer  erfolgreichen 
Thätigkeit  geleitet.  Eine  stattliche  Zahl 
von  Schülern  ist  aus  der  Königlichen 
Gärtner-Lehranstalt  am  Wildpark  und 
Potsdam-Schöneberg  hervorgegangen, 
welche  sich  zum grössten Teil  in  hervor- 
ragenden Stellungen  des  In-  und  Aus- 
landes befinden  und  in  Gemeinschaft 
zahlreicher  Freunde  der  Anstalt  die 
Gelegenheit  freudig  begrüssen,  den 
Dank  gegen  die  alte  Bildungsstätte 
durch  eine  würdige  Feier  des  7  5  jähr. 
Jubiläums  zu  bekunden. 


Bereits  am  29.  April  1897  wurden 
die  ersten  Schritte  für  die  geplante 
Feier  gethan.  Eine  Sitzung  des  Vor- 
bereitungs- Komitees  tagte  im  Hotel 
Imperial  zu  Berlin  und  fasste  den  Be- 
schluss,  anlässlich  der  Jubelfeier  der 
Anstalt  und  zum  bleibenden  Andenken 
an  diese  Zeit  einen  Fonds  zu  gründen, 
aus  dessen  Zinserträgen  würdige  Eleven 
unterstützt  werden  sollen.  Der  aus 
neun  Herren  gebildete  Vorstand  erliess 
dann  im  November  1897  zur  Be- 
schaffung des  erforderlichen  Grund- 
kapitals an  die  früheren  Schüler  der 
Anstalt  und  an  die  Freunde  der 
letzteren  ein  Schreiben,  in  welchem 
um  Zeichnung  von  Beiträgen  gebeten 
wurde.  Die  gezeichneten  und  einge- 
gangenen Beiträge  belaufen  sich  gegen- 
wärtig auf  rund  13000  M.  ■ —  So  er- 
freulich auch  dies  Resultat  ist,  so 
reicht  diese  Summe  doch  nicht  an- 
nähernd hin  für  eine  erspriessliche 
Unterstützung  in  dem  gedachten  Sinne, 
da  in  der  Hauptsache  die  Absicht  vor- 
liegt, aus  dem  Zinserlös  des  Jubiläums- 


Unterrichtswesen. 


141 


fonds      Reise  -  Stipendien       zu      ver- 
leihen. 

Wir  sehen  uns  daher  gezwungen, 
noch  einmal  mit  der  ergebensten  Bitte 
um  weitere  Beiträge  an  unsere  Fach- 
genossen und  an  die  Freunde  der  An- 
stalt heranzutreten.  Die  erste  An- 
regung wurde  bisher  nur  von  wenigen 
berücksichtigt,  was  wohl  dem  Um- 
stände zugeschrieben  werden  darf,  dass 
die  in  Aussicht  genommene  Feier  da- 
mals noch  in  weiter  Ferne  lag.  Um 
das  allgemeine  Interesse  für  diese  Feier 
und  für  die  Sammlung  auch  in  ent- 
ferntere Kreise  zu  tragen,  ist  am 
31.  Januar  dieses  Jahres  beschlossen 
worden,  das  bisherige  »Ausschuss- 
Komitee«  zu  erweitern.  Das  ursprüng- 
liche »Vorbereitungs  -  Komitee«  für 
unsere  Feier  ist  unter  Heranziehung 
noch  anderer  Herren  zu  einem  »er- 
weiterten Komitee«  umgewandelt 
worden.  —  Die  Geldbeträge  wolle 
man  gefälligst  nur  an  die  Kasse  der 
Königlichen  Gärtner  -  Lehranstalt  am 
Wildpark  bei  Potsdam  einsenden. 

Für  die  Feier  selbst  ist  vom  engeren 
Komitee  Folgendes  in  Aussicht  ge- 
nommen: Die  Feier  findet  statt  vom 
Freitag  den  3o.  Juni  bis  Sonntag  den 
2.  Juli  1899  einschliesslich. 

Vorabend:  Begrüssung  der  an- 
kommenden Teilnehmer  auf  der  Wild- 
parkstation. Konzert.  Illumination  der 
Anstalt. 

I.  Tag.  Eröffnung  der  Feier  im  Ge- 
bäude der  Königlichen  Gärtner-Lehr- 
anstalt am  Wildpark,  a)  Festrede  (Herr 
Ministerialdirektor  Dr.  Thiel,  Ehren- 
präsident), b)  Frühschoppen  auf  der 
Anstalt,  c)  Wagenfahrt  durch  die  Pots- 
damer Parkanlagen,  d)  Fest-Diner  mit 
Damen. 

II.  Tag.  a)  Von  2  Uhr  nachmittags 
ab  Dampferfahrt  auf  der  Havel  (mit 
Damen),  b)  Abends  8  Uhr  Fest-Kommers. 

III.  Tag.  a)  Von  2  Uhr  nachmittags 
ab  Exkursion  nach  den  Baumschulen 
des  Königl.  Oekonomierat  F.  Späth  in 
Baumschulenweg  bei  Berlin,  b)  Zwang- 
loses Zusammensein  im  Ausstellungs- 
park, Berlin. 

Die  Zusendung  des  Festprogramms 
wird  zur  geeigneten  Zeit  erfolgen.  Den 
Teilnehmern  an  der  Feier  wird  eine 
Festschrift  überreicht  werden,   welche 


am  Schluss  ein  Verzeichnis    aller  bis- 
herigen  Anstalter  enthalten  wird. 

Das  Ausschuss-Komitee 

für  die  Feier  des  75  jährigen  Jubiläums  der 

Königlichen    Gärtner-Lehranstalt    am   Wildpark 

bei   Potsdam. 

Dr. II.  Thiel.  Königl. Wirkl. Geheimer 
Ober-Regierungsrat  und  Ministerial- 
direktor,Ehrenpräsident.  Fintelm  an  n, 
Königlicher  Ilofgarten-Direktor  und 
Direktor  der  Königlichen  Gärtner- 
Lehranstalt  am  Wildpark  bei  Potsdam, 
Sanssouci  bei  Potsdam,  Vorsitzender. 
Mächtig,  Garten-Direktor  der  Haupt- 
und  Residenzstadt  Berlin,  erster  Stell- 
vertreter, Berlin  N„  Humboldthain. 
Brandt,  Königlicher  Gartenbau-Direk- 
tor, Charlottenburg,  zweiter  Stellver- 
treter. C.  Lackner,  Königlicher  Gar- 
tenbau-Direktor, Steglitz  bei  Berlin, 
dritter  Stellvertreter. 

Beirat: 

Buntzel,  Königlicher  Gartenbau- 
Direktor,  Niederschönweide  bei  Berlin. 
Otto  Chone,  Direktor,  Kolonie  Grune- 
wald, Boothstr.  44.  A.  Demmler  sen.. 
Rentier,  Friedrichsfelde  bei  Berlin. 
A.  Fintelmann,  Städtischer  Garten- 
inspektor, Berlin,  Flumboldthain. 
Hampel,  Königlicher  Gartenbau- 
Direktor,  Berlin,  Vor  dem  Schlesischen 
Thore.  H.  Jancke,  Königlicher  Hof- 
gärtner, Schloss  Bellevue  bei  Berlin. 
R.  Meyer,  Handelsgärtner,  Wildpark 
bei  Potsdam.  K.  Nietn  er,  Königlicher 
Hofgärtner,  Babelsberg  bei  Nowawes- 
Neuendorf.  F.  Späth,  Königlicher 
Oekonomierat  und  Baumschulen -Be- 
sitzer, Baumschulenweg  bei  Berlin. 
Schulz,  Direktor  der  Realschule,  Pots- 
dam. Wittmack,  L.,  Geh.  Reg.-Rat, 
Prof.  Dr..  Berlin  N..  Invalidenstr.  42. 

Probst,  Rendant,  Bornstedt  (Mark), 
Kassierer.  Th.  Echtermeyer.  In- 
spektor der  Königlichen  Gärtner-Lehr- 
anstalt am  Wildpark  b.  Potsdam,  Wild- 
park. Geschäftsführer. 

Gärtner-Lehranstalt  Köstritz  i.  Thür. 

1  las  laufende  Wintersemester  iSqs  99, 
das  24.  seit  dem  Bestehen  der  Anstalt. 
wird  von  111  Berufs-Gärtnern. besucht, 
deren  Nationalität  sich  wie  folgt  ver- 
teilt: Braunschweig  3,  Hannovers. 
Hessen  6,  Posen  1,  Pommern  4.  I  »st- 
und Westpreussen  4,  Rheinprovinz  4. 
Schlesien  10,  Schleswig  2,  Westfalen  8, 
Prov.  und  Kgr.  Sachsen  20,    Baden  2. 


14- 


Ausstellungen  und  Kongresse.   —  Litteratur. 


Württemberg  3,  Bayern  5,  kleinere 
Staaten  und  freie  Städte  20,  Oester- 
reich  5,  England  2,  Frankreich  1.  Bra- 
silien 1,  Russland   1,  Guatemala   1. 

Die  Frequenz  hat  sich,  Sommer-  und 
Wintersemester  zusammengestellt,  wie 
folgt  gestaltet:  1S87  17,  1888  23.  1889 
25,  l 8 90  43,  1891  03,  1892  90,  1893  111, 
1894  128,  1895  167,  1896  170,  1897  177. 
1898   190. 

Das  Abgangszeugnis  erhielten  auf 
Grund  der  mündlichen  und  schrift- 
lichen Schlussprüfung  am  Ende  des 
Sommersemesters  1S98:  26  Gehilfen, 
unter  diesen  C.  Bruns,  Hauwick,  für 
hervorragende  Leistungen  gleichzeitig 
den  Semester-Ehrenpreis. 

Die  Prüfung  als  Obergärtner  be- 
standen nach  der  Prüfungs- Ordnung 
vom  1.  April  1892  der  Gehilfe  Curt 
Rottig,  Wiehe  a.  U. 


Die  Berechtigung  zum  Einjährig-frei- 
willigen Dienst  erhielt  Erich  Lehmann. 
Steglitz. 

Der  Unterricht  wird  in  5  Abteilungen 
von  10  Lehrern  erteilt,  und  in  jeder 
WTeise  dafür  Sorge  getragen,  dass  die 
Gehilfen  sich  eine  zeitgemässe,  ab- 
geschlossene Fachbildung  aneignen. 

Der  nächste  Kursus  beginnt  den 
20.  April  er.  und  ist  der  Direktor  Dr. 
H.  Settegast  zu  jeder  näheren  Auskunft 
stets  bereit. 

Gartenbau-  und  Haushaltungs-Schule  in 
Friedrichshafen. 

Im  schön  gelegenen  Friedrichshafen 
am  Bodensee  wird  im  Anschluss  an 
das  Lehrerinnenheim  am  1.  April  eine 
Gartenbau-  und  Haushaltungs-Schule 
für  Mädchen  gebildeter  Stände  eröffnet. 
Anmeldungen  an  Frau  Oberbürger- 
meister von  Rümelin,  Stuttgart. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Berlin.  Grosse  deutsche  Winter- 
blumen -  Ausstellung,  Mitte  Februar 
1900  im  Zoologischen  Garten.  Das 
Programm,  das  Medaillen  und  Geld- 
preise im  Gesamtbetrage  von  nicht 
weniger  als  20000  Mark  aussetzt, 
ist  am  23.  Februar  vom  Verein 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues 
genehmigt  und  wird  nun  gedruckt 
werden. 

Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau-Ausstellung  vom  5./17. 
bis  15./27.  Mai  1899.  Anmeldungen  bis 
spätestens  zum  1.  13.  März  an  Geheim- 
rat Excellenz  Prof.  Fischer  von 
Wald  heim.  Kaiserl.  bot.  Garten. 


Antwerpen.  Internationale  Aus- 
stellung vom  9. — 13.  April  1899  zur 
Feier  des  3ocjährigen  Geburtstages  von 
Anton  van  Dyck. 


Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899 
grosse  internationale  Ausstellung  der 
Ligue  horticole  L'Union  zu  Mont 
St.  Amand  bei  Gent.  Das  Programm 
ist  ausserordentlich  umfangreich,  gegen 
1000  Aufgaben. 


Dresden.  Jubiläums -Ausstellung 
des  Landesobstvereins  für  das  König- 
reich Sachsen  vom  14. — 19.  Oktober. 
Das  Programmm  ist  zu  beziehen: 
Gerokstrasse  45. 


Litteratur. 


Mitteilungen  der DeutschenDen- 
drologischen  Gesellschaft  1897. 
Enthält  den  Bericht  über  die  Thätig- 
keit  der  Gesellschaft  im  Jahre  1897, 
sowie  eine  Reihe  interessanter  und 
belehrender  Vorträge  und  sonstiger 
Aufsätze  aus  dem  Gebiete  der  Baum- 
und Gehölzkunde.  Besonders  interessant 


ist  eine  farbige  Abbildung  von  Rho- 
dodendron mucronulatum.  Ein  Mit- 
gliederverzeichnis  bildet  den  Beschluss. 


Der  Bericht  über  die  Acker-  und 
Gartenbau-Ausstellung  zu  Nizza,  welche 
vom  31.  März  bis  3.  April  1898  statt- 
fand, ist  erschienen.     Derselbe  enthält 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


'43 


u.   a.    auch    ein    Verzeichnis    der    Prä- 
miierungen.        ____ 

Albert  Maumene.  L'arf  du 
ileuriste.  Paris,  Verlag  der  Librairie 
agricole  du  »Jardin<  1897.  so.  239  S. 
33  Abb. 

Die  Kunst  des  Blumenbinders 
wird  hier  in  hübscher  Sprache  vor- 
gelührt.  und  diese  Schrift  wird  auch 
dem  deutschen  Leser  viel  Interesse 
gewähren,  um  zu  sehen,  in  welcher 
Form  in  Paris  Blumenzusammen- 
stellungen verwendet  werden  und 
welche  Regeln  dabei  gelten.  Das  Ganze 
ist  in  einem  anmutigen  Plauderton  ge- 
schrieben und  behandelt  auch  all- 
gemeinere Verhältnisse.  So  z.  B.  die 
Blumen  bei  den  Völkern  in  den  ver- 
schiedenen Zeitaltern;  ferner:  Woher 
kommen  die  Blumen?  Wohin  gehen 
.sie?  Weiter  werden  ausser  den  eigent- 
lichen Bindereien  besprochen:  Blumen 
für  Balkons  und  Fenster,  Blumen 
an  Häusern,  Guirlanden  etc.,  schliess- 
lich die  Blumen  im  Auslande.  Ueber 
Deutschland  sagtder  Verfasser  p.228: 

»Deutschland  und Oesterreich,  wo  der 
Blumenhandel  sehr  bedeutend  ist,  sind 
noch  zu  nennen.  Aber  wenn  auch 
manche  ihrer  Zusammenstellungen 
hübsch  sind,  so  sind  andere  doch  wenig 
zierlich  und  von  zweifelhaftem  Ge- 
schmack. (Ist  das  in  Frankreich  nicht 
ebenso?     L.  W.) 

In  Deutschland  besonders  macht 
man  sehr  schwereZusammenstellungen; 
die  Kränze,  meist  aus  Blättern,  die 
dicht  aufeinander  gelegt  sind,  ge- 
bildet,       sind        zuweilen        ziemlich 


grob.*)  Aber  man  muss  anerkennen. 
dass,  wenn  manche  Zusammen- 
stellungen., wie  die,  wo  Vögel  auf  den 
Henkeln  wie  auf  Stangen  sitzen, 
sich  etwas  vom  guten  künstlerischen 
Geschmack  entfernen  (sehr  wahr.  L.W.), 
dagegen  andere  Blumen-Motive  sich 
durch  äusserste  Gewähltheit  und  voll- 
kommene Erfassung  einer  Idee  aus- 
zeichnen. Manche  Sträusse,  bei  denen 
die  Maiblume  ott  das  vorwiegende 
Element  ist,  die  auf  der  Basis  von 
langen  Cycas-Wedeln  ruhen  und  mit 
einer  grossen  Schleife  aus  Band  ver- 
bunden sind,  dessen  Enden  zierlich 
herabhängen,  sind  höchst  elegant: 
diese  Sträusse  sind  meistens  für  Be- 
gräbnisse bestimmt.  Von  origineller 
Erfindung,  sind  sie  gewissermassen  die 
Signatur  der  grossen  deutschen  Blumen- 
binder, welche  dadurch  die  kleinlichen 
und  schlechten  Geschmack  zeigenden 
Leistungen  der  Blumenbinder  von  wenig 
Talent  zurückweisen  wollen. 

Die  Sträusse  und  Vorderstücke  der 
Kreuze,  Kränze  und  Trauerkissen  sind 
ebenfalls  mit  diesen  Cycaswedeln  ge- 
schmückt, welche  man  im  Innern  be- 
festigt oder  quer  über  die  Kränze  hin- 
geworfen hat.  Alan  betreibt  Spezial- 
kulturen  von  Cycas,  um  die  ab- 
geschnittenen Wedel  zu  liefern. 

Unsere  Pariser  Blumenbinder  wenden 
jetzt  auch  Wedel  von  Cycas  und  ge- 
wissen Palmen  in  grosser  Menge  für 
ihre  reichen  Gebilde  an.« 


*)  Der  abgebildete  Kranz  aus  Blättern  im 
deutschen  Stil,  anscheinend  ein  uraltes  Gliche, 
ist  allerdings  wenig  schön.  Es  giebt  aber  viel 
bessere.     L.   W. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


\V.  Weisse  in  Kamenz  i. Sachs.  Coni- 
feren, Zierbäume,  immergrüne  Pflanzen. 
Stauden,  Obstbäume  etc.  —  Fürst  von 
Lobkowitzsche  Baumschulen  in 
Eisenberg  (Böhmen).  —  Au  gusteCh  an- 
tin in  Paris.  Rhododendion.  Orangen, 
Myrten,  Araucarien,  Palmen,  Orchi- 
deen etc.  —  Köhler  &  Rudel  in 
Windischleuba-Alteuburg  (S.-A.).  Spe- 
zial-Preisliste  über  Cactus  -  Dahlien, 
Chrysanthemum,  Canna.  Schnittstauden 
und  div.  Samen.  —  J.  Kmetsch  in 
Burg     bei     Hoyerswerda     (Schlesien). 


Baumschulartikel.  Po  m  m  ers  c  he 

Obstbaum-  und  Gehölzschulen  zu 
Radekow  bei  Tantow  (Berlin-Stettiner 
Bahn).  Dasselbe.  — A.  Seh  wiglewsk  i 
in  Carow  b.  Berlin,  Post  Blankenburg 
(Mark).      Dahlien     (mit    Abb.).  A. 

Metz  &  Co.  in  Berlin,  Bülowstrasse. 
Grassämereien.  W.     Pfitzer     in 

Stuttgart.  Pflanzen -Verzeichnis  über 
Diverses  (mit  Abb.).  —  Karl  Rein  seh 
in  Dresden.  Windmotoren  für  Maschinen 
und   Pumpen. 


i44 


Persunal-Nac  brich  tun. 


Personal-Nachrichten. 


Der  70.  Geburtstag  des  berühmten 
Botanikers  Geh.  Regierungsrat  Prof. 
Dr.  Simon  Seh  wendener.  Mit- 
glied des  Vereins  zur  Beförderung  des 
Gartenbaus  zu  Berlin,  geb.  zu  Buchs, 
Kanton  St.  Gallen,  wurde  am  10. Februar 
festlich  begangen.  Es  erschienen  u.  a. 
der  Rektor  der  Universität,  Geh.  Rat 
Waldeyer  und  der  Dekan  Professor 
Schwarz.  Geh.  Reg.-Rat  Engler 
überreichte  im  Namen  der  Freunde 
ein  grosses,  in  Leder  gepunztes  Album 
mit  etwa  200  Photographien  und  verlas 
die  darauf  bezügliche  Adresse.  (Das 
Album  ist  von  G.  Hulbe,  die  Adresse 
vom  Hofkalligraphen  Sack  gefertigt.) 
Prof.  Asche rson  verlas  die  Adresse 
des  bot.  Vereins  der  Provinz  Branden- 
burg, L.  Wittmack  die  der  Gesellschaft 
naturforschender  Freunde;  Gartenbau- 
direktor Lackner  und  Perring  über- 
reichten das  Diplom  als  Ehrenmitglied 
des  Vereins  zur  Beförderung  des  Garten- 
baus, Prof.  Haberlandt  aus  Graz 
namens  der  Schüler  eine  mit  dem 
Hilde  Schwende n er s  gezierte  inhalts- 
reiche Festschrift  etc.  etc.  Am  fol- 
genden Tage  fand  ein  Festessen  im 
^Englischen  Hause«  statt,  bei  welchem 
der  Rektor  der  Universität,  Geh.  Rat 
Waldeyer,  das  Hoch  auf  S.  M.  den 
Kaiser  ausbrachte.  Prof.  Haberlandt 
begrüsste  den  Jubilar  namens  der 
deutschen  bot.  Gesellschaft,  Professor 
Engler  im  Namen  der  Berliner  Freunde, 
Prof.  Volkens  im  Namen  der  Schüler, 
der  Gesandte  der  Schweiz,  Minister 
Roth,  als  schweizerischen  Veteran 
der  Wissenschaft,  Geh.  Rat  Diels 
sprach  im  Namen  der  Akademie  der 
Wissenschaften,  Prof.  Schwarz  im 
Namen  der  philosophischen  Fakultät. 
Hierauf  antwortete  Geh.  Rat  Seh  wen- 
dener in  längerer  Rede.  Prof.  Kny 
trank  auf  die  Gäste,  Prof.  Lasson 
in  Versen  auf  die  deutsche  bot.  Ge- 
sellschaft, Geh.  Rat  Wagner  auf  die 
Schweiz,  L.  Wittmack  erklärte  die 
Tischkarte,  die  er  mit  Zeichnungen  aus 
Schwendeners  Werken  durch  Herrn 
Schade  hatte  schmücken  lassen,  und 
trank  auf  die  deutschen  Universitäten. 


Prof.  an  der  Universität  Heidelberg, 
Geh.  Hofrat  Dr.  Ernst  P  fitz  er  und 
den  Prof.  an  der  Universität  Kopen- 
hagen Dr.  Eugenius  Warming  zu 
korrespondierenden  Mitgliedern,  in 
ihrer  physikalisch  -  mathematischen 
Klasse  gewählt. 

Der  90.  Geburtstag  des  Hrn.  Adolph 
Demmler  wurde  am  23.  Februar  im 
Kreise  der  Familie  festlich  begangen. 
Der  Vorstand  des  Vereins  zur  Be- 
förderung des  Gartenbaues  überreichte 
dem  immer  noch  frischen  Greise  die 
Vermeilmedaille  für  Förderung  der 
Zwecke  des  Vereins  durch  allgemeine 
Förderung  des  Gartenbaues 


Der  Verein  zur  Beförderung  des 
Gartenbaues  hat  innerhalb  acht  Tagen 
drei  langjährige  Mitglieder  verloren. 
Am  iü.  Februar  verstarb  der  Rentner 
B.  Schäffer,  Berlin,  Begründer  der 
Firma  Schäffer  &  Walcker,  der  in 
Herischdorf  in  Schlesien  sich  der 
Pflege  seines  Gartens  mit  grosser  Liebe 
widmete.  —  Am  18.  Februar  verschied 
nach  langen  Leiden  der  allezeit 
opferfreudige  Kommerzienrat  Otto 
Dellschau,  dessen  Garten  in  Pankow 
von  Herrn  Obergärtner  Schmidt  so 
wohl  gepflegt  wird,  und  dessen 
Azaleen  ein  Schaustück  auf  allen 
Berliner  Ausstellungen  waren.  -  Am 
19.  Februar  verstarb  plötzlich,  nachdem 
er  sich  von  längerer  Kränklichkeit  fast 
ganz  wieder  erholt  hatte,  im  59.  Lebens- 
jahre der  Kgl.  Gartenbaudirektor  und 
Kgl.  Hoflieferant  Gustav  Adolph 
Schultz,  Lichtenberg  bei  Berlin,  ein 
Mann,  der  sich  aus  den  kleinsten  An- 
fängen zu  einem  der  ersten  Handels- 
gärtner Deutschlands  aufgeschwungen 
hatte.  Wie  hoch  dieser  Mann  angesehen, 
ergab  sich  am  besten  aus  der 
nach  Hunderten  zählenden  Trauer- 
versammlung bei  seinem  Begräbnis. 
Wir  werden  seine  Biographie  in  nächster 
Nummer  bringen. 


Die  königl.  Akademie  der  Wissen- 
schaften hat  den  Professor  an  der 
Akademie  zu  Münster  i.  W.,  Geheimen 
Regierungsrat  Dr.  Oskar  Brefeld,  den 


Der  grosse  Gartenliebhaber  Kom- 
merzienrat Ranniger  in  Altenburg, 
Besitzer  eines  herrlichen  Winter- 
gartens, Mitglied  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  f  am 
23.  Februar  nach  einem  nur  Stägigen 
Krankenlager. 


Gartenflora  1899. 


LISSOCHILUS  GRAEFII.    kränzlin. 


Lissochilus  Graefii  Krzl. 

rz^ry-  Von    F.  Kränzlin,       (Hierzu    Tafel     1460.) 

-3^jie  hier  abgebildete  schöne  Erdorchidee  hat  für  Berlin  eine  besondere  Be- 
^£%  deutung  insofern,  als  sie  in  unmittelbarer  Nähe  der  Hauptstadt,  nämlich 
in  Steglitz,  zum  erstenmale  geblüht  hat  und  von  hier  aus  als  neue  Art  be- 
kannt gemacht  wurde.  Es  ist  ein  stattliches  Gewächs  mit  faustgrossen,  prallen, 
eiförmigen  Knollen  und  grossen,  im  allgemeinen  an  Curculigo  erinnernden 
Blättern.  Der  Blütenschatt  erreicht  eine  Höhe  bis  zu  1,25  Meter  und  trägt 
oberseits  eine  reichblütige,  etwas  lockere  Rispe  der  schönen  Blumen,  welche 
die  beifolgende  Tafel  in  natürlicher  Grösse  und  Färbung  zeigt.  Der  Haupt- 
unterschied von  ähnlichen  Arten,  von  denen  aber  keine  z.  Z.  bei  uns  in  Kultur 
ist,  besteht  in  dem  mittleren  Lappen  der  Lippe.  Bei  allen  anderen  Arten 
dieses  Formenkreises  bildet  derselbe  eine  wenn  auch  zusammengefaltete,  so  doch 
leicht  in  eine  Ebene  ausbreitbare  Fläche,  bei  L.  Graelii  ist  dieser  Teil  ein 
solider,  beilklingenähnlicher  Körper,  welchen  flach  auszubreiten  unmöglich  ist. 
Dies  ist  das  am  meisten  charakteristische  Merkmal,  die  anderen  mehr  auf 
botanischen  Subtilitäten  beruhenden  lasse  ich  hier  um  so  eher  bei  Seite,  als  sie 
alle  nur  mit  Hilfe  von  Vergleichsmaterial  gewürdigt  werden  können.  Die 
Pflanze  hat  eine  amüsante  und  für  den  Besitzer  erfreuliche  Vorgeschichte.  Herr 
Dr.  Graef*)  erstand  bei  der  einstmaligen  Firma  Seeger  &  Tropp  zu  East-Dulwich 
bei  London  einen  Posten  Laelien  und  Cattleyen  zu  einem  sehr  geringen  Durch- 
schnittspreis (ich  glaube  1  Sixpence  das  Stück).  Darunter  befand  sich  eine 
verschrumpfte,  sehr  dürftig  aussehende  Knolle,  welche  Herr  Dr.  Gr.  für  Cattleya 
citrina  hielt,  womit  sie  in  der  ThatÄhnlicheit  hatte,  und  welche  er  nach  Art  dieser 
Pflanzen  kultivierte,  d.  h.  den  Gipfel  nach  unten.  Der  neue  Trieb  wuchs  aber 
nicht  in  der  Art  von  Gattl.  citrina  abwärts,  sondern  die  Blätter  wandten  sich 
sofort  aufwärts.  Die  Pflanze  wurde  nun  aus  ihrer  Zwangslage  erlöst  und  ein- 
getopft. Die  neue  Behandlung  schlug  so  gut  an,  dass  die  neue  Bulbe  mehr 
als  doppelt  so  gross  wurde  wie  die  erste  und  die  dritte  wieder  grösser.  Ich 
erinnere  mich  der  alten  Bulben  noch  sehr  genau.  Im  zweiten  Jahre  blühte 
dann  die  Pflanze,  machte  aber  im  darauffolgenden  Jahre  ausser  noch  grösseren 
Bulben  und  Blättern  einen  noch  viel  höheren  Blütenstand  von  den  oben  an- 
gegebenen Dimensionen.  Die  Beobachtungen  zweier  Jahre  und  eine  genaue 
wissenschaftliche  Beschreibung  nebst  einer  Discussion  über  die  systematische 
Stellung  habe  ich  zuerst  in  Gard.  Chronicle  1893,  I.  740  publiziert;  eine  noch 
detailliertere  Beschreibung  mit  deutschem  Text  und  einer  farbigen  Tafel  in  dem 
dritten  Bande  der  Xenia  Orchidacea,  Seite  125  (mit  Tafel  272).  Ich  halte  die  Art 
als  solche  aufrecht,  trotz  Herrn  Allen  Rolfes  Einwand,  welcher  sie  in  Bd.  7  der 
Flora  of  Tropical  Africa  (S.  91)  mit  Lissochilus  Krebsii  Rchb.  f.  vereinigen  will. 


*)  Herr  Dr.  Graef  in  Steglitz  ist  leider  am   2.  März  im  72.  Lebensjahre  verschieden. 


IA(j  856.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

Herr  Rolfe  bat  die  Pflanze  nicht  lebend  untersucht  und  aus  seiner  Beschreibung 
geht  hervor,  dass  er  das  Hauptmerkmal,  wodurch  sich  beide  Arten  unter- 
scheiden, nicht4gesehen  hat.  Ueberdies  hat  L.  Graefii  grössere  Blüten,  als  sie 
je  bei  L.^Krebsii'vorkommen. 

Erklärung  der  aus  Xenia  Orchidacea  III  t.,  272  entlehnten  Analysen: 
1.  Blüte  von  vorn.  2.  Labellum  von  der  Seite  (verkleinert).  3.  Pollenmassen 
von  vorn.  4.  Dieselben  von  hinten.  5.  Anthere  von  innen,  ö.  von  aussen  ge- 
sehen.    (3 — 6  schwach  vergrössert). 


856.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 

am  23.  Februar  1899. 

I.  Der  Vereinsdirektor,  Kgl.  Gartenbaudirektor  Lackner,  wies  daraufhin,  dass 
der  Verein  innerhalb  kurzer  Zeit  mehrere  schwere  Verluste  erlitten  habe, 
und  widmete  den  Dahingeschiedenen:  Herren  Ulrich  Pitt-Wernigerode, 
Rentner  B.  Schäffer-Berlin,  Kommerzienrat  Dellschau-Berlin  und  Kgl. 
Gartenbaudirektor  Gust.  Ad.  Schultz-Lichtenberg  bei  Berlin,  warme 
Worte  der  Anerkennung.  Die  zahlreich  Versammelten  (darunter  auch 
viele  Damen)  erhoben  sich  zum  Zeichen  der  Teilnahme  von  ihren  Sitzen. 

II.  Vorgeschlagen  wurden  zu  wirklichen  Mitgliedern: 

1.  Herr  Schlossgärtner  Ad  amHeydt,Dallmin  an  der  Berl.  Hamburger 

Bahn,  durch  L.  Wittmack; 

2.  »       Kommerzienrat  Hugo  Landau,  Berlin  W.,  Wilhelmstr.  71, 

durch  Herrn  Dr.  Freiherrn  von  Landau; 

3.  »       Gärtnereibesitzer    M.     Rist  ig,    Zehlendorf,     durch     Herrn 

Wienholz; 

4.  »       Rentier  Meermann,  Birkenwerder,  durch  Herrn  Lehmann. 

III.  Als  ein  freudiges  Ereignis  teilte  der  Direktor  mit,  dass  heute  Herr 
Adolph  Demmler  seinen  90.  Geburtstag  feiere  und  dass  ihm  dazu  vom 
Vorstande  die  Vermeilmedaille  überreicht  sei. 

IV.  Alsdann  begrüsste  er  den  in  der  letzten  Versammlung  als  zweiten  Vor- 
sitzenden gewählten  Herrn  Konsul  Seifert.  Dieser  dankte  in  herzlichen 
Worten  für  seine  Wahl  und  erklärte,  er  wolle  sich  nach  besten  Kräften 
bemühen,  allen  Interessen  gerecht  zu  werden  und  die  Ziele  des  Vereins 
nach  jeder  Richtung  zu  fördern.  (Bravo!) 

V.  Alsdann  hielt  Herr  Prof.  Dr.  Carl  Müller  einen  mit  vielem  Humor 
gewürzten  und  mitreichem  Beifall  aufgenommenen  Vortrag  über  das  Ivessche 
Verfahren  der  Reproduktion  von  Photographien  in  natürlichen  Farben 
und  seine  Bedeutung  für  den  Gartenbau.  Herr  Prof.  Müller  entwickelte, 
wie  man  das  weisse  Sonnenlicht  durch  ein  Prisma  in  die  Regenbogen- 
farben zerlegen  könne  und  wie  weiter  sich  diese  Farben  in  drei  Grund- 
farben: rot,  grün  und  blau,  zusammenfassen  lassen.  Wenn  man  nun  einen 
Gegenstand  erst  durch  ein  rotes  Glas  photographiert,  dann  durch  ein 
grünes,  dann  durch  ein  blaues,  von  diesen  Aufnahmen  drei  durchsichtige 
Glasphotographieen  (sog.  Diapositive)  herstellt,  diese  wiederum  durch 
Einschalten  der  entsprechend  gefärbten  Gläser  (rot,  grün  und  blau)  färbt 


856.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  \An 


und  mit  Hilfe  des  [vesschen  Lichtbilderapparates  (des  ..Chromoskopes") 
die  aul  einen  weissen  Schirm  geworfenen  Bilder  übereinander  schiebt, 
so  erbickt  man  bei  völliger  I)eckung  der  Bilder  den  Gegenstand  in 
natürlichen  Farben.  Der  Redner  dankte  dem  Herrn  Prof.  Dr.  Börnstein 
von  der  landw.  Hochschule,  welcher  ihm  das  Chromoskop  nebst  elektrischen 
Lampe  zur  Verfügung  gestellt  hatte,  ebenso  der  Gesellschaft  Urania  für 
Überlassung    einer  Anzahl  zugehöriger  Diapositive 

Die  auf  eine  weisse  Wand  geworfenen  Bilder  einer  Vase  mit  Blumen, 
eines  Tellers  mit  Früchten,  eines  Schmetterlings  etc.  etc.  wurden  über- 
raschend in  ihren  natürlichen  Farben  wiedergegeben.  Prof.  Müller  legte 
dar,  dass  man  Bindereien,  Blumen,  Teppichbeete  etc.  auf  diese  Weise 
sich  in  ihren  natürlichen  Farben  wieder  vorführen  könne;  allerdings 
bedarf  es  vorläufig  dazu  noch  der  komplizierten  Apparate,  deren  vor- 
zügliche Leistungen  aber  die  angemalten  Photographien  als  einen  nur 
wenig  befriedigenden  Notbehelf  erscheinen  lassen. 
VT.  Ausgestellte  Gegenstände:  i.  Herr  Obergärtner  Lehmann  legte  aus 
dem  Garten  des  Herrn  Leutnant  Wollank  in  Dammsmühle*)  mehrere 
sehr  schöne  Exemplare  des  Bismarckapfels  vor  und  bemerkte,  dass 
dieser  Apfel  erst  im  Januar  bis  März  wohlschmeckend  wird:  wegen  dieser 
Dauerhaftigkeit,  seines  schönen  Aussehens  und  seines  guten  Geschmacks 
verdiene  er  die  weiteste  Verbreitung.  Er  fault  nicht  so,  wie  der  Kaiser 
Alexander.  Herr  Inspektor  Dressler  stimmte  dem  bei  ;  wenn  er  auch 
kein  ganz  feiner  Apfel  ist,  so  verdient  er  doch  aus  den  angegebenen 
Gründen  Empfehlung. 

2.  Vorgelegt  wurden  die  in  Gartenflora  Heft  4  S.  100  abgebildeten 
Aluminium-Etiketten  von  F.  Knoll-Leipzig-Lindenau  sowie  dessen 
praktische  Baumbänder.  Auf  Antrag  des  Herrn  Hofgärtner  Hoffmann 
beschloss  der  Verein,  eine'Anzahl  Etiketten,  die  Herr  Bluth  nach  seinen 
allerdings  erst  kurzen  Versuchen  empfahl,  kommen  zu  lassen.  Herr 
Prof.  Dr.  Carl  Müller  bemerkte,  dass.  wenn  man  Wasser  in  Gefässen 
aus  Aluminium  koche,  das  Aluminium  wie  alle  Erdmetalle  etwas  zersetzt 
werde,  es  frage  sich,  ob  im  heissen  Sommer,  wenn  Regen  auf  die  Etiketten 
falle,  nicht  auch  eine  leichte  Zersetzung  stattfinde.  Das  müsse  der  Ver- 
such lehren.  Herr  Hofgärtner  Hoffmann  führte  noch  an.  dass,  wenn  man 
die  gewöhnlichen  Zinketiketten,  nachdem  sie  beschrieben,  mit  Kopallack 
auf  beiden  Seiten  überstreiche,  sie  sich  viel  besser  halten. 

3.  Herr  Prof.  Dr.  Carl  Müller  zeigte  ein  bereits  fast  verblühtes 
Sauromatum  venosum  (abgeb.  Gartentlora  Heft  3  S.  67),  L.  Wittmack 
ein  solches  noch  vor  dem  Aufblühen  vor.  Letzterer  hatte  die  Knolle 
durch  Güte  des  Herrn  J.  Kuntze  (i.  Fa.  J.  C.  Schmidt),  Berlin,  der 
ca.  3000  Stück  in  diesem  Winter  verkauft  hat,  erhalten.  Herr  Prof. 
Müller  bemerkte,  dass  der  lange,  wurmförmige  Fortsatz  am  Kolben  vor 
der  Blütezeit  reich  mit  Stärke  gefüllt  sei.  Diese  Stärke  wird  offenbar 
durch  den  Athmungsprozess  verbrannt  und  infolge  dessen  entsteht  auch 
hier  die  bei  vielen  Araceen  in  der  Blütenscheide  beobachtete  Wärme- 
entwicklung.    Wenn  man  den  Kolben   kurz  vor    dem  Aufblühen    anfühlt, 

*)  Siehe   die  Beschreibung  von   Dammsmühle  in  Gartrl.    i8<j8  S.  400. 


]A$  856.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

spürt  man  eine  Wärme  von  ca.  30 — 32  °  C.  Herr  Privatdozent  Dr. 
Kolkwitz  hat  in  seiner  Habilitationsrede  berechnet,  dass  sich,  wenn 
man  die  Wärme  sammeln  könne,  ein  Glas  Wasser  zum  Kochen  bringen 
lasse.  Der  Geruch  zur  Blütezeit  sei  übrigens  recht  unangenehm,  wie  bei 
Aaspflanzen. 

4.  Herr  Lehmann  legte  abermals  sehr  schöne  riesige  gefüllte  Blumen 
von  Datura  suaveolens  vor  (vergl.  Gartenflora  1898  S.  652).  Die  Pflanzen 
haben  den  ganzen  Sommer  über  geblüht  und  blühen  auch  jetzt  wieder. 
Um  das  zu  erreichen,  hat  Herr  L.  die  Töpfe  über  Wasser  gestellt  und 
recht  gut  gepflegt.  Die  trocken  gehaltenen  haben  weder  Blätter  noch 
Blüten.  Auch  eine  hellrosa  und  eine  dunkelrote  Varietät  besitzt  Herr 
Lehmann.  Er  empfahl  sehr,  diese  schöne  Blume,  die  sich  für  grosse 
Bindereien  sehr  eignet,  als  WTnterblume  zu  ziehen,  nur  dürfte  sie  sich 
abgeschnitten  nicht  lange  halten.  Herr  Lackner  bemerkte,  dass  Datura 
suaveolens  auch  bei  J.  C.  Schmidt  in  Steglitz  blühe.  Dasselbe  ist  bei 
Herrn  Mehl  und  noch  einigen  Herren  der  Fall.  Herr  Lehmann  fügte 
noch  hinzu,  dass  Stecklinge  vom  Frühjahr  bereits  im  Sommer  blühen,  und 
zwar  ebenso  gross  wie  die  alten.  Der  Geruch  ist  bei  den  weissen  be- 
sonders des  Morgens  schön,  bei  den  roten  ist  er  schwach. 

5.  L.  Wittmack  zeigte  zwei  Aststücke  von  den  jetzt  so  viel  be- 
sprochenen alten  Taxus-Bäumen  aus  dem  Garten  des  Herrenhauses  vor, 
die  das  Museum  der  landw.  Hochschule  durch  Güte  des  Herrn  Re issig, 
Bureaudirektor  des  Herrenhauses,  bereits  1897  erhalten. 

VII.  Eine  lange  Debatte  erhob  sich    über    den  folgenden    Antrag    der    Ver- 
einigten Ausschüsse: 

a)  den  Fonds  der  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung  für 
Gärtner  von  6800  auf  10000  M.  zu  erhöhen; 

b)  der  Kgl.  Gärtner-Lehranstalt  Potsdam  zu  ihrem  75jährigen 
Jubiläum  eine  Summe  von  5000  M.  unter  dem  Namen  »Stipendien- 
fonds des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  in  den 
preussischen  Staaten«  zu  überweisen  und  dessen  Verwaltung  dem 
Direktorium  der  Anstalt  zu  übertragen. 

Herr  Direktor  Lackner  erläutert  die  Geschichte  dieses  Antrages:  Am 
25.  Januar  1898  hatten  die  Herren  städtischer  Obergärtner  Weiss  und  Ge- 
nossen einen  Antrag  beim  Vorstande  eingebracht,  von  dem  Überschuss 
der  Jubiläumsausstellung  1897,  der  auf  ca.  lbooo  M.  anzunehmen  sei, 
10  000  M.  dem  Vereinsvermögen  zuzuführen,  von  dem  Rest  die  eine  Hälfte 
der  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung  für  Gärtner  zu  überweisen, 
die  andere  Hälfte  (also  ca.  3000  M.)  dem  jetzt  in  der  Bildung  begriffenen 
Stipendienfonds  der  Kgl.  Gärtner  -  Lehranstalt.  Dieser  Antrag  konnte 
damals  nicht  verhandelt  werden,  weil  die  Abrechnung  über  die  Aus- 
stellung noch  nicht  vorlag,  die  übrigens  auch  heute  noch  nicht  dechargiert 
ist.  In  der  Sitzung  des  Gehölz- und  Obstausschusses  vom  8.  Dezember  1898 
stellte  Herr  Gartenbaudirektor  Hampel  den  Antrag,  statt  3000  M.  5000  M. 
nach  Potsdam  zu  geben,  aber  diese  Summe  nicht  mit  dem  allgemeinen 
Stipendienfonds  zu  verquicken,  sondern  als  besonderen  Fonds  zum  ewigen 
Gedächtnis  an  den  Verein  als  Stipendienfonds  des  Vereins  zur  Beförderung 
des  Gartenbaues  von  der  Direktion  der  Gärtner-Lehranstalt,  aber  unter  den- 


856.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  ^M) 

selben  Bedingungen  wie  den  grossen  Stipendienfonds  verwalten  zu  lassen. 
I  mos  wurde  angenommen.  Ebenso  erklärten  sich  die  übrigen  Ausschluss-, 
wenn  auch  im  Blumen-  und  Gemüseausschuss  einige  abweisende  Stimmen 
laut  wurden,  dafür.  Der  Vorstand  dagegen  gab  in  einer  Sitzung  aller 
Ausschüsse  zur  Erwägung,  ob  es  nicht  besser  sei,  der  Gärtner-Lehr- 
anstalt 3000  M.  zu  ihrem  allgemeinen  Stipendienfonds  ohne  jede  Be- 
dingung zu  geben.  Die  vereinigten  Ausschüsse  aber  beschlossen,  der 
Versammlung  die  5000  AI.  zu  empfehlen.  Darüber,  dass  der  Fonds  der 
Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung  auf  10000  AI.  erhöht  werden 
müsse,  waren  alle  einig. 

Ehe  die  Diskussion  begann,  ging  ein  schriftlicher  Antrag  von  Herrn 
Inspektor  Dressler  und  Genossen  ein: 

1.  den  Fonds  der  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung  auf 
15000  M.  zu  erhöhen  und  aus  den  Zinsen  dieses  Fonds  Stipendien 
zu  zahlen,  und  zwar  abwechselnd  einmal  einem  jungen  Mann,  der 
die  Potsdamer  Lehranstalt  besucht  hat,  das  andere  Mal  einem 
jungen  Mann,  welcher  vom  Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 
hierfür  als  würdig  befunden  wird; 

2.  die  beantragte  Summe  von  5000  M.  zum  Jubiläumsfonds  der  Gärtner- 
Lehranstalt  in  Potsdam  abzulehnen. 

Herr  Inspektor  Dressler  begründete  diesen  Antrag.  Er  und  seine 
Genossen  wollten  nicht  Geld  sparen,  aber  das  Geld  solle  in  der  Ver- 
waltung des  Vereins  bleiben,  damit  es  nicht  nur  den  Zöglingen  der 
Gärtner-Lehranstalt  zu  gute  komme. 

Herr  Kgl.  Gartenbaudirektor  Hampel  sprach  für  den  Antrag  der  ver- 
einigten Ausschüsse;  die  Anstalt  in  Potsdam  sei  ein  Kind  des  Vereins,  der 
Verein  habe  im  Kuratorium  eine  Stimme,  habe  über  das  Wohl  und  Wehe 
mit  beraten,  aber  pekuniär  bisher  nichts  dazu  beigesteuert,  da  gezieme  es 
sich  wohl,  beim  75.  Jubiläum  die  Hand  aufzuthun,  zumal  unsere  Finanz- 
lage günstig  sei.  Es  würde  das  Stipendium  ein  dauerndes  Andenken  an 
den  Verein  sein,  wenn  auch  die  Anstalt  verstaatlicht  würde. 

Herr  Hofgärtner  Hoffmann  befürwortet  ebenfalls  den  Antrag  der  ver- 
einigten Ausschüsse.  Für  die  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Stiftung  könne 
man  alljährlich  im  Etat  etwas  aussetzen,  um  auch  deren  Fonds  zu  erhöhen. 

Herr  Inspektor  Per  ring  begründet  den  Beschluss  des  Vorstandes. 
,;"<>M  M.  zu  geben;  die  Kaiser  Wilhelm-Stiftung  bedürfe  dringend  einer 
Erhöhung,  damit  auch  Unterstützungen  gezahlt  werden  können.  Der 
Stipendienfonds  der  Gärtner-Lehranstalt  betrage  jetzt  schon  13000  M.;  die 
5000  Mk.  würden  Verwaltungsschwierigkeiten  machen. 

Herr  Inspektor  Echtermeyer  empliehlt  den  Antrag  der  Ausschüsse. 
Der  Vorschlag  des  Herrn  Dressler.  alle  zwei  Jahre  das  Stipendium  an 
die  Gärtner-Lehranstalt  zu  geben,  würde  auf  Schwierigkeiten  stossen,  da 
nicht  beabsichtigt  sei,  durchaus  alle  Jahre  den  Fonds  zu  verteilen.  Es 
würde  gewiss  im  Ministerium,  das  dem  Verein  Beihilfen  gewähre,  mit 
Befriedigung  anerkannt  werden,  dass  der  Verein  seine  Mittel  auch  für 
die  Gärtner-Lehranstalt  verwende,  wie  schon  L.  Wittmack  in  den 
Ausschusssitzungen  dargelegt  habe;  die  Kaiser  Wilhelm-Stiftung  bleibe 
ja  in  der  Pflege  des  Vereins. 


j  cq  856.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

Herr  Brettschneider:  Ich  bin  dem  Antrag  Dressler  beigetreten, 
weil  in  kurzer  Zeit  die  Potsdamer  Anstalt  aus  der  Verbindung  mit 
unserem  Verein  ausscheidet;  es  ist  nicht  gesagt,  wie  weit  der  Verein  einen 
Eintluss  bei  der  Verleihung  des  Stipendiums  haben  würde. 

L.  Wittmack,  der  die  historische  Seite  noch  ergänzt,  bittet,  den  An- 
trag der  vereinigten  Ausschüsse  zuerst  zur  Abstimmung  zu  bringen;  die 
A'erwaltung  werde  keine  Schwierigkeiten  machen. 

Herr  Hampel  bemerkt  Herrn  Per  ring  gegenüber,  dass  die  13000  M. 
von  Freunden  und  Schüler  gegeben  seien;  der  Verein  würde  auch  in  Zu- 
kunft gewiss  stets  bereit  sein,  auf  Antrag  des  Vorstandes  die  Kaiser 
Wilhelm-Stiftung  weiter  zu  erhöhen.  Die  Ausschüsse  hätten  den  Antrag 
reiflich  geprüft,  und  wenn  deren  Anträge  nicht  angenommen  würden,  so 
verlören  die  Ausschüsse  ihre  Bedeutung. 

Der  Vereinsdirektor  bemerkt  dem  gegenüber,  dass  zwar  dem  Votum 
der  Ausschüsse  ein  grosser  Wert  beigelegt  werde,  dass  die  Vereins- 
versammlung aber  absolut  souverän  sei. 

Herr  Cordel  berichtet,  er  habe  in  der  Sitzung  der  vereinigten  Aus- 
schüsse mit  mehreren  Genossen  den  Antrag  gestellt,  die  5000  M.  unter 
der  Verwaltung  des  Vereins  zu  belassen,  er  habe  ihn  später  zurückgezogen. 
Herr  Hapt  habe  ihn  aber  in  der  Form  wieder  aufgenommen,  dass  die 
5000  M.  an  die  Kaiser  Wilhelm-Stiftung  gegeben  werden  und  abwechselnd 
ein  Zögling  der  Gärtner  -  Lehranstalt,  und  ein  Anderer  unterstützt 
werden  solle. 

Herr  Bluth  ist  für  den  Antrag  der  vereinigten  Ausschüsse.  Die 
Kaiser  Wilhelm-Stiftung  und  der  Jubiläumsfonds  der  Gärtner-Lehranstalt 
hätten  nichts  mit  einander  zu  thun.  Der  Verein  habe  den  Überschuss 
der  Ausstellung  erworben  durch  die  Thätigkeit  seiner  Mitglieder,  durch 
Gaben  von  Staat,  Stadt,  Behörden  und  Privaten,  da  könne  er  auch  die 
5000  M.  zu  wohlthätigen  Zwecken  verwenden. 

Herr  Echtermeyer:  Was  der  Verein  stiftet,  giebt  er  nicht  dem  Staat, 
sondern  der  Gärtner-Lehranstalt.  Das  Geld  wird  nur  an  wirklich  tüchtige 
Zöglinge  gegeben  werden. 

Herr  Inspektor  Perring  erwidert  Herrn  Hampel,  die  vereinigten  Aus- 
schüsse könnten  sich  nicht  verletzt  fühlen,  wenn  ihr  Antrag  nicht  an- 
genommen werde,  ebenso  wenig  wie  der  Vorstand,  falls  sein  Antrag  nicht 
den  Beifall  der  Versammlung  finde. 

Herr  Hampel:  Wenn  die  Gärtner-Lehranstalt  nach  Dahlem  kommt, 
werden  auch  Handelsgärtner,  Obst-  und  Gemüsegärtner  in  ihr  aus- 
gebildet werden. 

Herr  Inspektor  Lange  ist  für  5000  M.,  wünscht  sogar,  dass  dieser 
Betrag  später  noch  erhöht  werde. 

Herr  Hofgärtner  Hoffmann  spricht  nochmals  für  die  5000  M.;  der 
Stipendienfonds  soll  dem  ganzen  Stande  zur  Ehre  gereichen,  das  Ministe- 
rium werde  es  gewiss  anerkennen,  dass  der  Verein  auch  etwas 
Ordentliches  leiste. 

Herr  Geschäftsführer  Junge:  Das  Ministerium  schenkt  dem  Verein 
Vertrauen,  erweisen  auch  wir  dem  Staate  bezW.  der  Gärtner-Lehranstalt 
Vertrauen,    dass    die  Verwaltung    des  Fonds   gut  geführt  werde;    3000  M. 


Gustav  Adolph  Schultz  t.  |-  i 


sind  als  Separat-Stipendienfonds  zu  wenig,  es  müssen  5000  M.  sein.  In 
Jen  letzten  Jahren  hat  der  Verein  durch  seinen  Vertreter  im  Kuratorium 
einen   ganz  erfreulichen  Einfluss  ausgeübt. 

Herr  Schatzmeister  Loock:  Als  es  sich  zeigte,  dass  die  Jubiläums-Aus- 
stellung einen  Überschuss  ergeben  würde,  hat  der  inzwischen  leider 
dahingeschiedene  Direktor  Herr  v.  Pommer  Esche  bereit-  angeregt, 
den  Fonds  der  Kaiser  Wilhelm-Stiftung  auf  10000  M.  zu  erhöhen.  Da  zeigte 
sich,  dass  der  Überschuss  grösser  war,  und  infolge  dessen  wurde  der 
Antrag  Weiss  eingebracht.  Ich  bin  der  Meinung,  dass  auch  der  Vorstand 
5000  M.  nach  Potsdam  geben  kann. 

[nfolge  eines  Schlussantrages  kamen  mehrere  Redner  nicht  mehr 
zum    Wort. 

Bei  der  Abstimmung  wurden  die  beiden  Anträge  der  vereinigten 
Ausschüsse  (siehe  oben  S.  14S  a  und  b)  mit  sehr  grosser  Majorität  an- 
genommen.  (Eine  zweite  Abstimmung  erfolgt  am  23.  März,  da  die 
\  ersammlung  am  30.  März  des  Gründonnerstags  wegen  nicht  statt- 
finden kann.) 
YIII.  Ohne  Debatte  genehmigte  sodann  dieVersammlung  das  vorgelegte  Programm 
der  Grossen  deutschen  Winterblumen- Ausstellung  Mitte  Februar 
1900  im  Zoologischen  Garten  und  erklärte  sich  damit  einverstenden,  dass, 
um  diese  Ausstellung  zu  einer  des  neuen  Jahrhunderts  würdigen  zu  ge- 
stalten, 20000  Mark  zu  Medaillen  und  Geldpreisen  ausgesetzt  werden, 
lies  beschränkten  Raumes  wegen  können  Obst,  Gemüse,  Gartenpläne  und 
gewerbliche  Gegenstände  nicht  ausgestellt  werden,  das  Hauptgewicht  soll 
eben  auf  Blumen  gelegt  werden.  Auch  hierüber  erfolgt  die  2.  Abstimmung 
am  23.  März. 
IX.  Aufgenommen  wurden  als  wirkliche  Mitglieder  die  in  der  letzten  Ver- 
sammlung Vorgeschlagenen.     (Siehe  Heft  4   S.  90.) 

Carl   Lackner.  L.  Wittmack. 


Gustav  Adolph  Schultz  "f. 

(Hierzu  Abb.   3i,  Portrat.) 


Am    19.  Februar    starb    unerwartet    der    Kgl.  Gartenbaudirektor    Gustav 


A  d  0  Iph  Schultz  in  Lichtenberg  b.  Berlin.  Mit  ihm  ist  einer  der 
bedeutendsten  Handelsgärtner  des  Deutschen  Reiches  dahingegangen,  ein  Mann, 
der.  wie  Herr  0.  Xeumann  mit  Recht  im  Handelsblatt  für  den  Deutschen 
Gartenbau  S.  64  sagt,  ganz  besonders  für  die  Berliner  Handelsgärtnerei  ein 
\  orl  ild  gewesen  ist.  indem  er  mit  weitem  kaufmännischen  Blick  seine  Gärtnerei 
zu  einem  Weltgeschäft  machte.  Er  arbeitete  eben  nicht,  wie  die  meisten 
anderen  Berliner  Handelsgärtnereien  (von  den  grossen  Baumschulen  sehen  wir 
hier  ab),  nur  für  den  Berliner  Markt,  sondern  suchte  überall,  auch  im  Auslande. 
'-.'.  Seine  Maiblumenkeime  gingen  nach  allen  Teilen  Europas,  besonders 
nach  England,  aber  selbst  nach  Amerika;  seine  Hyacinthen  und  Tulpen,  seine 
Palmen  und  Blattpflanzen  fanden  ihren  Weg  nach  allen  Teilen  Deutschlands 
und  auch  nach  dem  Auslande.  Durch  ihn  wurden  die  Berliner  Maiblumen 
weltbekannt. 


152 


Gustav  Adolph  Schultz  f. 


Gustav  Adolph  Schultz  wurde  am  27.  April  1840  zu  Hamburg  geboren. 
Sein  Vater  war  praktischer  Arzt  in  Elmshorn,  wo  der  Knabe  die  Bürger- 
schule des  Dr.  Stoessinger  besuchte.  Im  Oktober  1856  kam  er  in  die  Lehre  bei 
dem  Gärtner  II.  Jensen  in  Hamburg-Hohenfelde  und  trat  im  April  1860  als 
Gehülfe  in  die  damalige  Gemüsegärtnerei  von  Carl  Chone.  Berlin,  Frank- 
furter Allee  ein.  wo  er  sechszehn  Jahre  blieb.  Während  seiner  dortigen  Thätigkeit 
entwickelte  sich  die  anfänglich  kleine  Gemüsegärtnerei  zu  einem  grossen 
Kultur-    und    Versandgeschäft    von    Handelspflanzen,    in    welchem    Schultz    als 


-  A 

Gustav  Adolph  Schultz  f. 

Abb.   3i. 


Geschäftsführer  arbeitete,  rege  durch  Mittel  von  dem  Chef  unterstützt,  der  sein 
Talent  anerkannte  und  in  schönster  Harmonie  mit  ihm  lebte. 

Nach  dem  Tode  Carl  Chones  nahm  Schultz  1874  die  Zietemannsche 
Gärtnerei  in  der  Koppenstrasse  in  Pacht,  siedelte  aber,  da  das  Grundstück  bald 
verkauft  wurde,  1876  nach  seinem  bereits  früher  erworbenen  eigenen  Grund- 
stück am  „Eckartsberge",  neben  der  Eckertschen  Fabrik  (jetzt  Petersburger- 
strasse), über.  Das  Geschäft  blühte  hier  immer  mehr  auf  und  das  Terrain, 
welches  anfänglich  nur  350  Ouadratruten  (ca.  Va  ha)  umfasste,  wurde  allmählich 
auf  1200  Ouadratruten  (ca.  1,7  ha)  vergrössert.  In  der  richtigen  Voraus- 
sicht aber,  dass  das  Grundstück  bald  der  Bebauung  unterliegen  werde,  kaufte 
Schultz  in  Lichtenberg  (Röderstrasse)   ein  Grundstück  von    15  Morgen  (3,75  ha) 


Dioon  edule  und  Dioon  edule  var.  lanuginosum  Wittmck. 


und  richtete  dort  eine  zweite  Gärtnerei  ein.  Im  Jahr  1895  verkaufte  er 
seinen  Besitz  aut  Eckartsberg,  liess  die  dort  befindlichen  Gewächshäuser  nach 
Lichtenberg"  bringen,  vermehrte  deren  Zahl  durch  neue,  die  er  nach  belgischem 
Muster  im  Zusammenhang  errichtete,  und  erbaute  sich  noch  eine  stattliche. 
höchst  geschmackvolle  Villa.  —  Allein  auch  dies  Land  reichte  nicht  aus:  er 
erwarb  noch  ein  grosses.  6.5  ha  umfassendes  Terrain  in  Rummelsburg-Friedri' :hs- 
felde.  wo  er,  gleichwie  auf  7.5  ha  Pachtland,  hauptsächlich  Maiblumen,  Blumen- 
zwiebeln und  Flieder  kultivierte,  während  als  Wechselfrucht  Gemüse  gebaut 
wurde.  Im  Ganzen  umfasste  die  Schultzsche  Gärtnerei  demnach  17.75  ha.*) 
Schon  auf  der  Berliner  Gewerbe-Ausstellung  1S70  wurde  ihm  die  Grosse  silberne 
Staatsmedaille  für  Leistungen  im  Gartenbau  zu  teil;  auch  bei  der  Berliner  Ge- 
werbe-Ausstellung 1896  beteiligte  er  sich  auf  das  rühmlichste  während  der 
u.mzen  Dauer  derselben.  Auf  den  eigentlichen  Gartenbau-Ausstellungen  Berlins 
fehlte  er  nie,  und  seine  Leistungen  waren  immer  von  hervorragender  Bedeutung. 
schon  188]  errang  er  die  Goldene  Medaille  Sr.  Maj.  des  Kaisers,  der  ihn  später 
durch  die  Verleihung  des  Titels  eines  Kgl.  Hotlieferanten  und  nach  der 
Erbauung  der  Samariter-Kirche,  für  die  er  viele  Opfer  gebracht,  durch  den  Kgl. 
Kn>nenorden  4-  Klasse  auszeichnete.  Infolge  seiner  hervorragenden  Leistungen 
auf  der  Jubiläumsausstellung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 
1897   beantragte  der  Vorstand  für  ihn  beim  Ministerium  für  Landwirtschaft  den 

Gartenbaudirektor,  welchem  Ersuchen  auf  das  bereitwilligste  entsprochen 
wurde. 

Nun  ist  er  dahingegangen;  seine  Witwe  aber  ist  entschlossen,  das  Geschäft 
unter  der  Leitung  tüchtiger  Fachmänner  weiter  zu  führen,  und  wir  geben  uns 
der  Hoffnung  hin,  dass  noch  auf  lange  Zeiten  die  von  G  u  s  t  a  v  A.  Schultz 
begründete  Gärtnerei  mit  ihrem  grossen  Export  eine  Musteranstalt  bleiben 
werde. 

G  u  s  t  a  v  A.  S  c  h  u  1 1  z  war  ein  Mann,  der  fast  niemals  über  das  Geschäft 
klagte,  er  erklärte  meistens,  es  ginge  gut,  und  er  hatte  Recht;  erst  in  der  letzten 
Zeit,  bei  dem  immer  bedrohlicher  werdenden  Import,  wünschte  auch  er  Mass- 
regeln gegen  denselben  ergriffen.  Wie  schon  gesagt,  suchte  Gustav  A. 
Schultz  besonders  den  Export  zu  heben,  und  wir  möchten  wünschen, 
dass  die  jüngere  Generation  der  Berliner  Gärtner  sich  an  ihm  ein  Beispiel 
nehmen  und  sich  dem  jetzt  etwas  weniger  gepflegten  Berliner  Exportgeschäft 
w  Leder  mehr  zuwenden  mösre.  L.  W. 


Dioon  edule  und  Dioon  edule  var.  lanuginosum  Wittmck. 

Von    L.    Wittmack. 
(Hierzu   Abbildung   ?2  —  3g.) 
\y   or  einigen  Jahren  übersandte  mir  Herr  Obergärtner   R.    Müller    aus    der 
•      Gärtnerei  des  Herrn  Rathke  &  Sohn  in  Braust  bei  Danzig  einen  Wedel 
eines  weiblichen  Dioon  edule  (Gycadaceae)  und  einen    weiblichen   Zapfen  der- 
selben  Pflanze.     Dieser  Zapfen  war  zuerst   geschlossen   und   fast    kugelig,   oben 
zugespitzt;  nach   dem   Eintrocknen    aber    lösten    sich    die  Schuppen    an    ihren 

*)   Eine  Beschreibung  derselben   findet  sich   in   Gartenrl.    1897,   S.    1.67. 


Dioon  edule 


und  Dioon  edulev*^1^ 


inosum  Wittmck, 


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Abb"  32-        ,•  u       7anfen    aufgesprungen. 
i   te  var    lanuginosum,  weiblicher  Zapfen,         S 
Abb.  32.     Dioon  edule  var.^g   ^  ^  ^^ 

um     wie   unsere  Abb.  3^ 
Spißen  a— e,  ^   -*£  ^^  «.  i-ffÄ 


Dioon  edule   und   Dioon  edule  var.  lanuginosuni  Wittmck. 


_L55 


aus  dem  dortigen  botanischen  Garten  übersandte  (Abb.  6),  trat  der  Unterschied 
des  ersteren  Exemplars  um  so  klarer  hervor. 

Während  die  Spitzen  der  Schuppen  bei  dem  Palermitaner  Zapfen  wie  bei 
allen  normalen  aussen  mit  weisslichen.  glatt  anliegenden,  spinnweben- 
artig verfilzten  Haaren,  die  fast  eine  Art  Haut  bilden,  besetzt  sind,  fehlen  diese 
weisslichen  Ilaare  bei  dem  Exemplar  aus  Praust:  die  Spitze  ist  dagegen  bei 
diesem  stark  mit  lockiger  brauner  Wolle  besetzt,  wie  Abb.  35  zeigt.  Auch 
die  Innenseite  der  Schuppen  ist  viel  krauser  wollig  als  bei  der  Normalform 
(vergl.  Abb.  34  mit  Abb.  39).     Mitunter  zeigten  sich  auch  verwachsene  Schuppen 


-     ■  ■''■•'  - 


Abb.   34. 
Dioon  edule  var.  lanuginosum. 

Schuppe  von    innen,    unten    zwei 
Samenanlagen. 


Abb.  35. 

Dioon  edule  var.  lanuginosuni. 

Schuppe  von  der  Seite. 


Abb.    36. 
Dioon  edule  var.  lanuginosum. 

Zwei   verwachsene  Schuppen. 


(Abb.  36)  und  in   diesem   Falle  waren  stets  vier  Samen    an  der  Basis   statt  zwei 
an  der  normalen. 

Schon  Zu ccar ini  (der  1 845  die GattungDioon  Plat  y  z ami a ,  die  gewöhnliche 
von  Lindley  Bot.  Reg.  1843  app.  59  beschriebene  Art  Dioon  edule:  P.  rigida 
nannte)  spricht  in  den  Abhandlungen  der  Bayer.  Akad..  Band  IV.  Abt.  2, 
S.  23  t.  4  von  einer  möglicherweise  zweiten  unbekannten  Art.  von  der  er  nur 
einzelne,  offenbar  kurz  nach  der  Befruchtung  gesammelte  Schuppen  sah.  Diese 
seien  viel  länger  gestielt,  der  Stiel  oberhalb  der  P.asis  eingefügt,  der  obere 
Teil  der  Schuppe  viel  dichter  mit  Wolle  besetzt.'  Er  bildet  die  Schuppe 
1.  c.  t.  4.  Abb.  l6  ab.  Diese  ist  noch  etwas  grösser,  namentlich  breiter,  und 
länger   gestielt,    aber    an    der  Spitze   nicht    so   stark    behaart    wie   die   unsrige. 


1  -  (5  Dioon  edule  und  Dioon  edule  var.  lanugincsum  Wittnick. 

Die  silberige  Haut  an  der  Spitze  der  Schuppen  der  Hauptart  und  ihre 
Entstehung  müsste  einmal  näher  untersucht  werden.  Sie  gleicht  äusserlich  dem 
papierähnlichen  Gewebe  des  Hausschwammes.  Mikroskopisch  sieht  man.  dass 
es  eigentlich  keine  Haut  ist,  sondern  dass  die  Haare  durch  eine  in  Alkohol  und 
Äther  nicht  lösliche  Masse  verklebt  sind. 

Die  Gattung  Dioon  ist  in  Mexiko  heimisch  und  zählt  nur  zwei  Arten,  von 
denen  bekanntlich  die  eine,  D.  edule.  deren  stärkereiche  Samen  im  Vaterlande 
gegessen  werden,  eine  ziemlich  häufige  Dekorationspflanze  ist.  Die  andere  Art, 
Dioon  spinulosum  Dyer,  ist  sehr  selten.*)  Von  einer  dritten  Art  D.  pectinatum 
(Autor?)  erschien  eine  prachtvolle  Abbildung  als  Supplement  zu  Gardeners 
Chronicle  1893  I.  S.  718  nach  einem  Exemplar  in  Kew.  Die  Blätter  (Wedel) 
sind  bei  diesem  1,60  m  lang  und  30  cm  breit,  die  Fiedern  dichter.  Ich  möchte 
aber  diese  Art  für  die  var.  imbricatum  Miq.  (als  Art)  von  D.  edule  ansehen. 
Regel  sagt  Gartenfl.  1896  S.  371,  dass  je  nach  der  Kultur  die  schmalblättrige 
Form  in  die  breitblättrige  übergeht.**) 

Sir  Thiselton  Dyer,  Direktor  des  botanischen  Gartens  in  Kew,  dem  i<  b 
s.  Z.  Wedelteile  und  Schuppen  des  Prauster  Exemplars  übersandte,  meinte  damals, 
er  könne  keinen  besonderen  Unterschied  rinden,  alle  Zapfen  aber,  die  ich  bisher 
verglichen  habe,  zeigten  die  geschilderte  lockig-wollige  Behaarung  nicht;  ich 
halte  es  daher  für  gut,  um  in  Zukunft  die  Aufmerksamkeit  mehr  darauf  zu 
lenken,  diese  Abart  oder  Form  mit  einem  besonderen  Varietätnamen:  lanugi- 
nosum,  die  wollige,  zu  bezeichnen. 

Erklärung  der  Abbildungen  zu  Dioon. 
32.  Weiblicher  Zapfen  von  Dioon  edule  var.  lanuginosum  aus  Praust  bei 
Danzig  im  aufgesprungenen  Zustande;  33.  Stück  des  Wedels;  34.  Schuppe  von 
innen,  stark  lockig  behaart,  an  der  Basis  zwischen  den  zapfenförmigen  Fort- 
sätzen mit  den  zwei  Samenanlagen;  35.  dieselben  von  der  Seite;  man  sieht,  dass 
die  krauswollige  braune  Behaarung  aussen  sich  bis  zur  Spitze  erstreckt; 
36.  zwei  verwachsene  Schuppen;  37.  Dioon  edule,  normale  Form,  aus  Palermo. 
38.  weissliche  Spitze  einer  Schuppe  desselben  mit  hautartig  verklebten  Haarer., 
von  aussen,  39.  Schuppe  desselben,  von  innen.  Die  Zapfen  etwa  l/2>  das  Übrige 
Vi  nat.  Grösse. 

Nachtrag. 

Einen  Korrekturabzug  vorstehender  Zeilen  mit  den  Abbildungen  habe 
ich  an  Sir  Thiselton  Dyer  geschickt  und  besonders  wegen  Dioon  pecti- 
natum angefragt.  Derselbe  lässt  mir  durch  Herrn  S.  T.  Dünn  einen  Brief 
schreiben,  den  er  selbst  noch  mit  Zusätzen  versehen  hat.  Darnach  ist  die 
Synonymie  von  Dioon  edule  vollständig  gegeben  von  Th.  Dyer  in  Hemsley, 
Biologia  Centrali-Americana  III  p.  191,  in  welchem  Werk  Dyer  die 
Cycadeen  bearbeitet  hat.  Macrozamia  pectinata  Liebm.  ist  daselbst  zurück- 
geführt auf  Dioon  edule. 


*)  Diese  Art  ist  nach  einem  zwischen  Thiselton  Dyer  in  Kew  und  A.  W.  Eichler- 
Berlin  getroffenen  Abkommen  von  ersterem  benannt.  Beschrieben  und  abgebildet  ist  sie 
aber  zuerst  von  Eichler  in  Gartenzeitung  (nicht  Gartenflora)  i883,  S.  411,  dann  von  Dyer 
in  Hemsley,  Biologia  Centrali  Americana  III,  S.    191. 

**)  Nach  Dyer  ist  es  seine  var.  Dioon  edule  fi  Iatipinna.     Siehe  im  Nachtrag. 


Dioon  edule  und   Dioon  edule   var.   lanuginosuin  Wittmck. 


r. 


Ein  Exemplar,    welches    Hermann  Wendland    ^Dionn    pectinatum 
nannte,    wurde    von  Dyer    zu    seiner  Varietät    Dioon    cdulc    var.    Iatipinna 
gestellt.     Ob  dies  das  Exemplar  in  Kew  ist.  welches  in  Card.  Chron.  1893  1.  c. 
abgebildet  wurde,  wird  im  Briefe  nicht  gesagt.     In    Hemsley's    Biologia    findet 
sich  der  Xame  Dioon  pectinatum  noch  nicht. 


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Abb.   37.  Abb.    39. 

Abb.   37.      Dioon  edule,   weibl.   Zapfen,  normal.       Abb.   38.    Spitze    der  Schuppe    eines    normalen  Zapfens 
iuit  spinnwebenartig  verfilzten  Haaren,   von  aussen.     Abb.  3g.    Schuppe    eines  normalen  Zapfens  von   der 

Innenseite,  unten  die  zwei  Samenanlagen. 

Da  es  wenigen  möglich  sein  wird.  Hemsleys  Biologia  Centrali  Americana, 
deren  3.  Band  zu  London  1882/86  erschienen  ist.  einzusehen,  so  will  ich  daraus 
den  D verschen  Artikel  fibersetzen  und  noch  bemerken,  dass  Dyer  die  nicht 
herausgegebenen  Zeichnungen  Liebmanns  aus  dem  Kopenhagener  Herbar  zur 
Ansicht  erhalten  hatte.     Dyer  sagt  in  Hemsley  III  p.  191: 

■- Dioon  Lindl.  Bot.  Reg.  1S43  app.  p.  59  (Dioon).  Platyzamia  Zuccarini 
in   Abh.  bayer.  Akacl.   IV   p.  23  t  4.     Zwei   Arten  sind   Mexiko  eigen. 


I  el§  Dioon  edule  und  Dioon  edule  var.  lanuginosum  Wittmck. 

Dioon  edule  Lindl.  Bot.  Reg.  1.  c.  (Hierzu  giebt  Dyer  eine  schwarze 
Tafel  LXXI,  die  einen  weibl.  Zapfen  darstellt.) 

Dioon  edule  Miq.  in  Act.  Inst.  reg.  Sc.  Neerl.  ser.  3  IV  p.  2  t.  3  u.  4 
Fig.  a,  b,  c.  --  Lern,  in  111.  Hort.  II  p.  91,  mit  t.  t.  D.  C.  Prodi.  XVI,  Teil  2. 
P-  533-  _~  Dioon  imbricatum  Miq.  in  Wiss.  Tijdschr.  I  p.  30,  Act.  Inst,  t  4 
Fig.  d,  e.  D.  angustif olium  Miq.  Lei  p.  37  Fig.  f.  --  D.  aculeatum  Lern, 
in    111.    hört.    II    Mise.    p.    91.  Platyzamia    rigid a    Zucc.    in    Abh.    bayr. 

Ak.  IV  23  t  4.  —  Zamia  Maeleni  Miq.  in  Linn.  XVIII  p.  97.  Z.  Friederici- 
Guilelmi  Hort.  Parmentier  ex  Miq.  Prodr.  Syst.  Cycad.  p.  22.  Macrozamia 
pectinata  Liebm.  ic.  ined.  in  Herb.  Haun.  M.  littoralis  Liebm.  ic.  ined., 
ebenda.  Südmexiko,  Colipa  (wohl  Colima.  L.  W.),  Laguna  verde  (Liebmann) 
Hort  et  Herb  Kew. 

Die  Blätter  variieren  sehr  in  Grösse  und  Form  bei  verschiedenen  Individuen 
und  besonders,  wie  gewöhnlich  bei  Cycadeen,  mit  dem  Alter  der  Pflanze.  Die 
Abschnitte  (die  einzelnen  Fiedern)  können  sein  linear  oder  breit,  entfernt  oder 
dichtdachig.     Sehr  junge  Blätter  sind  ott  gegen  die  Spitze  hin  dornig. 

Die  männliche  Pflanze  ist  gut  abgebildet  in  Bot.  Mag.  t.  6184.  Zuccarinis 
Abbildung  des  weiblichen  Zapfens  ist  ganz  und  gar  unähnlich  (inadaequate*) 
und  die  auf  t  LXXXI  der  Hemsleyschen  Biologia  gegebene  Abbildung  ist  des- 
halb nach  einem  weiblichen  Zapfen,  der  in  Kew  erzeugt  war,  gemacht.  (Folgt 
Tafelerklärung  Fig.  1  weiblicher  Zapfen  in  natürlicher  Grösse,  2  losgelöste 
Schuppe.) 

ß  latipinna  Dyer  t.  LXXXI  Fig.  3 — 5. 

Abschnitte  (Fiedern)  5/8  Zoll  engl,  breit,  die  unteren  gegen  die  Spitze  hin 
dornig.     Südmexiko?  und  Hort.  Kew. 

(Folgt  Erklärung  von  Fig.  3 — 5.  Fig.  3  Basalteil  der  Blattspindel,  zeigend 
gezähnte,  reduzierte  Abschnitte,  4  Abschnitt  vom  untern  Teil  des  Blattes, 
5  desgl.  von  der  Mitte  eines  Blattes;  alles  nat.  Gr.) 

[Dioon  strobilosum  Lern,  in  111.  hört.  10  Mise.  p.  4.  D.  strobilaceum  D.  C. 
Prodr.  VI  2  p.  537  ist  mir  unbekannt.  Es  ist  möglicherweise  ein  Zustand  zu 
D.  edule.] 

2.  Dioon  spinulosum  Dyer-Eichler  in  Gartenzeitung  1883  p.  4,  t  LXXXII 
in  Hemsley  Biologia  1.  c. 

Blätter  kurz  gestielt,  länglich  lanzettlich,  starr,  flach,  fiederschnittig  (pinnati- 
seeta),  gegen  3  Fuss  engl.  lang.  Segmente  (Fiedern)  ungefähr  70  auf  jeder 
Seite,  die  mittleren  grösser,  einander  fast  gegenüberstehend,  lineal  lanzettlich, 
kurz  zugespitzt,  18 — 23nervig,  gegen  4  Zoll  lang,  in  der  Mitte  x .,  Zoll  breit,  an 
der  Basis  schmäler,  beiderseits  mit  stechenden  Dornen,  gegen  die  Basis  hin 
ganzrandig,  die  unteren  in  fiederteilige  Zähne  übergehend.  —  Zapfen? 

Südmexiko,  Tuxtla;  Yucatan,  Progreso  (C.  J.  Höge)  Herb.  Kew.  (Folgt 
Erklärung  der  Tafel  LXXXII.  Die  Figuren  zeigen  die  oberen  und  unteren  Teile 
eines  Blattes  des  Exemplars  von  Yucatan  in   nat.  Gr.)« 


*)    Es  scheint  bei    Zuccarini    ein   halbaufgesprungener  Zapfen  abgebildet  zu   sein. 

L.  W. 


Ältere  empfehlenswerte  LHanzen. 


1  M» 


Aeltere  empfehlenswerte  Pflanzen 

von    Dammann  &  Cie.  ■  San    Giovanni    ä    Teduccio. 


Lagenaria  vulgaris  Ser.  longissima 
(Cucurbita  leucantha  Duch.  longissima). 

(Hierzu  Abb.   )o.| 

Die  Herkuleskeulen,  Lagenaria.  .sind 
ähnlich  wie  die  Zierkürbisse  höchst 
beliebte  Schmuckgegenstände  und  sind 
auch  für  Schaufenster  von  Samen- 
händlern geeignet.  Bei  uns  reifen  sie 
im  Freien  nur  in  warmen  Sommern 
an  Mauern.  Dagegen  sind  sie  eine 
herrliche  Zierde  der  Warmhäuser,  be- 
sonders der  Viktoriahäuser. 

Celosia  cristata  nana  alba. 

i  Hierzu  Abb.  41.) 

I  »er  Hahnenkamm,  Celosia  cristata  L.. 
ist  eine  erblich  gewordene  kamm- 
förmige  YerbänderungderC.  argenteaL., 
die  pyramidenförmige  Blütenstände 
zeigt.  Das  Vaterland  der  letzteren  ist 
*  Istindien.  Die  niedrigen  Formen 
kommen. wiedie  hohen. in  verschiedenen 
Farben  vor:  abgebildet  ist  eine  weisse 
Varietät.  Der  Hahnenkamm  ist  ein 
einjähriges  Gewächs  und  gehört  zur 
Familie  der  Amararitaceen. 

Limabohne  San  Giuseppe. 

(Hierzu  Abb.   \.z. 
Die  Limabahn  en,  Phaseolus  lunatus 
L..  eignen  sich  nur  für   Gegenden  mit 


sehr  wannen  Sommern;  in  den  Ver- 
einigten Staaten  werden  die  aus- 
gehülsten Samen  viel  gegessen.  Die 
Samen  sind  sehr  flach,  meist  sehr 
gross  und  schön  radienartig  geädert. 
Die  Samen  sind   meistens  weiss,    doch 


W 


Abb.   40.     Lagenaria   vulgaris  longissima. 


c  yk 

Abb.  42.     Limabohne  San  Giuseppe    (Phaseolus  lunati 


ibo 


Kleinere  Mitteilungen. 


Abb.  43. 
Oenothera  odorata.    Blumen  gelb,  wohlriechend. 


giebt  es  auch  rotbraun  gelleckte.  Die 
Sorte  San  Giuseppe  windet  nach  An- 
gabe von  Dammann  &  Cie.  sehr  hoch 
und  hat  sehr  schmale  Blätter.  Die 
Hülsen  reifen  früh  und  den  ganzen 
Sommer  und  Herbst  hindurch.  Bohnen 
weiss,  mittelgross.  Für  unsere  Kolonien 
sind  die  Limabohnen  sehr  geeignet. 
Neuerdings  hat  man  auch  niedrige 
Sorten.  Sehr  ähnlich  ist  Phaseolus 
inamoenus  L. ,  die  unschöne  Bohne; 
vielleicht   sind  beide  identisch. 

Oenothera  odorata  Jacq.,  Wohlriechende 
Nachtkerze. 

(Hierzu  Abb.  43.) 

Diese  Nachtkerze  aus  Patagonien  ist 
eine  ein-  oder  zweijährige  Pflanze,  wie 
O.  Drummondi  und  O.  Johnsöni  und  wie 
die  bei  uns  aus  Amerika  eingeschleppte 
O.  biennis,  während  die  meisten  Arten 
ausdauernd  sind.  Sie  bildet,  wie  Voss 
in  Vilmorins  Blumengärtnerei  mitteilt, 
60—80  cm  hohe  Stengel  mit  grossen 
gelben  Blüten  in  langen  Trauben. 
Besonders  geeignet  für  gruppenweise 
Anordnung  oder  zerstreut  auf  Rabatten. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Berichtigung  zu  Eremurus  Elwesianus. 

Zu  der  Notiz  in  Gartenflora  S.  127 
über  Eremurus  Elwesianus  erlauben 
wir  uns  ergebenst  die  Bemerkung, 
dass  wir  dieselbe  niemals  als  Elwesi, 
sondern  stets  als  Elwesianus  an- 
geboten haben,  und  zwar 

1804  Katalog  No.  470 


1895 
1896 
1897 
1898 


47Q  B 
488  B 
496  B 
520  B 


Seite   101, 
»         91, 

78, 
79- 


E.  H.  Krelage  &  Sohn,  Haarlem. 


Thunbergia  alata  L. 

Von  Adam  Heydt,  Schlossgärtner  in 

Dallmin   (Priegnitzi. 

Unter  den  Schlingpflanzen  von  mehr 
hängendem  Charakter  ist  mir  immer 
die  Thunbergia  alata  aufgefallen.  Ihr 
üppiges  Grün  mit  den  nankinggelben, 
schwarz  gezeichneten  Blumen  lassen 
eine  grosse  Verwendung  zu.  Thun- 
bergia alata  zählt  zu  den  Acanthaceen. 
Linnee  widmete  sie  dem  schwedischen 
Professor  der  Botanik  Thunberg. 


Am  zweckmässigsten  ist  es,  diese 
Thunbergia  als  Annuelle  zu  behandeln. 
d.  h.  sie  alljährlich  aus  Samen  frisch 
zu  erziehen,  und  zwar  auf  zwei  Arten, 
entweder  hängend,  als  Ampelpflanze, 
zur  Bekleidung  von  Blumentischen, 
oder  auch  als  Schlingpflanze  an  Stäben 
oder  Gestellen.  Zu  beiden  Zwecken 
ist  sie  benutzbar,  und  in  beiden  Fällen 
blüht  sie  reichlich.  Als  Ampelpflanze 
bilden  die  hübschen  gelben  Blüten 
einen  angenehmen  Kontrast  zu  den 
blauen  Blumen,  der  hängenden  Lobelia 
Erinus  Riccartoni. 

Die  Blätter  sind  schildförmig,  fast 
dreieckig,  dunkelgrün,  etwas  rauh  und 
sitzen  auf  plattgedrückten  Stielen.  Die 
Blumen  sind  nankinggelb  mit  schwarzer 
Mitte  und  blühen  in  Dolden.  Es  giebt 
auch  verschiedene  Abarten,  so  Thun- 
bergia alata  alba  und  Th.  alata 
Barkeri.  Erstere  besitzt  weisse  Blüten 
mit  schwarzem  Auge,  während  die 
letztere  Art  ganz  reinweisse  Blumen  hat. 

Man  säet  den  Samen  im  März  in 
Schalen  in  eine  Erdmischung  aus  Laub-, 


Kleinere   Mitteilungen. 


IUI 


Iltitleerde  und  Sand.  Bis  zum  Aufgehen 
müssen  dieSamcn  feucht,  warm  und  recht 
hell  gehalten  werden.  Nach  dem  Auf- 
gehen, wenn  sich  diePflänzchen  einiger- 

massen  entwickelt  haben,  pflanzt  man 
sie  in  kleine  Töpfe  unter  Anwendung 
von  Laub-  und  Mistbeeterde  mit  ent- 
sprechender Zugabe  von  Sand.  Die 
eingepflanzten  Thunbergien  stellt  man 
dann  in  einen  lauwarmen  Kasten,  der, 
sobald  es  die  Witterung  gestattet,  ge- 
lüftet wird.  Es  empfiehlt  sich, 
möglichst  wenig  zu  beschatten,  im 
Gegenteil  die  Pflanzen  recht  an  die 
Sonne  gewöhnen.  Sind  die  Pflanzen 
durchwurzelt,  was  gegen  Mitte  Mai 
einzutreten  pflegt,  so  werden  sie  noch- 
mals in  4 — 5  zöllige  Töpfe  verpflanzt, 
und  zwar  benutzte  man  nur  Mistbeet- 
erde mit  Sand  vermischt.  Die  Pflanzen 
stellt  man  dann  in  ein  Kalthaus  und 
bindet  die  Ranken  ordnungsmässig  auf. 
Hier  werden  sie  weniger  beschattet, 
aber  desto  mehr  wird  gelüftet  und  ge- 
spritzt. Gegen  Anfang— Mitte  Juni  be- 
ginnt der  langanhaltende  Blütenflor, 
der  bis  Oktober  bleibt. 

Es  ist  klar,  dass  im  Laufe  der  Zeit 
die  Nahrung  in  dem  Topfe  nachlässt 
und  man  muss  Sorge  tragen,  diese 
durch  Düngen  zu  ersetzen.  Wie  fast 
bei  allen  Kulturen,  so  ist  auch  hier 
aufgelöster  Rinderdung  am  Platze,  auch 
künstliche  Dünger,  besonders  Professor 
Wagners Ptlanzennährsalz.  erzielen  sehr 
gute  Erfolge. 

Thunbergia  alata  ist  keine  Pflanze 
für  Massenzucht,  aber  für  Blumen- 
freunde und  als  Nebenkultur  auch  für 
den    Berufsgärtner  ist    sie   am    Platze. 


Die  Wirkung 
des  Schattens  auf  das  Pflanzenwachstum 

hat  der  amerikanische  Botaniker 
Halsted  auf  Grund  von  interessanten 

uchen  testgestellt.  Er  beschattete 
eine  Reihe  von  Pflanzen,  die  in  freier 
Krde  standen,  mittelst  beweglicher 
Schutzwände,  die  derart  aus  Holz- 
platten zusammengesetzt  waren,  dass 
zwischen  jeder  Latte  ein  Zwischen- 
raum von  derselben  Breite  blieb.  Auf 
diese  Weise  wurde  demnach  die  Hälfte 
der  direkten  Sonnenstrahlen  zurück- 
gehalten. Die  mittlere  Temperatur 
hinter  dem  Holze    war   wesentlich  ge- 

er  als  in  vollem  Sonnenscheine. 
und  zwar  um    4  Grad   im    Mai    bis  zu 


fast  8  Grad  im  August.  Die  Keimung 
der  Samen  wurde  im  Frühling  durch 
den  Schatten  verzögert,  im  Sommer 
dagegen  beschleunigt,  woraus  man  den 
Schluss  ziehen  kann,  dass  die  Sonnen- 
strahlung im  Sommer  wegen  ihrer  zu 
grossen  Intensität  der  Keimung  hinder- 
lich ist,  während  sie  im  Frühling  durch 
ihren  massigen  Betrag  beschleunigend 
dazu  wirkt.  Von  den  Nutzpflanzen 
kann  im  allgemeinen  gesagt  werden, 
dass  sie  besser  im  Schatten  stehen, 
wenn  sie  der  Blätter  wegen  gebaut 
werden,  und  besser  in  der  Sonne, 
wenn  man  von  ihren  Wurzeln  Nutzen 
ziehen  will.  Rüben,  Mohrrüben  und 
Kartoffeln  entwickeln  nämlich  im 
Schatten  einen  stärkeren  Blattwuchs, 
aber  weniger  Wurzeln;  dasselbe  ist 
bei  Salat,  Spinat  und  Sellerie  der  Fall. 
für  die  es  also  sehr  von  Vorteil  ist. 
der  direkten  Sonnenhitze  entzogen  zu 
sein.  Andererseits  schadet  der  Schatten 
allen  den  Pflanzen,  die  man  ihrer 
Körner  und  ihrer  Frucht  wegen  zieht, 
also  z.B.  den  Bohnen,  Erbsen.  Tomaten 
und  Gurken.  Sowohl  die  Blüte  wie 
die  Reife  wird  durch  direkte  Sonnen- 
strahlung verzögert  .  gleichzeitig 
schiessen  sie  ins  Kraut  und  die  Farbe 
ihrer  Blätter  wird  dunkler.  Bei  der 
Bohne  kann  jeder  beobachten,  dass  die 
Stellung  der  Blätter  sich  je  nach  dem 
Sonnenstande  ändert,  um  eben  der  zu 
starken  Bestrahlung  auszuweichen;  bei 
den  in  Halbschatten  versetzten  Pflanzen 
rindet  diese  Bewegung  der  Blätter  nicht 
mehr  in  merklichem  Grade  statt. 
Einzelne  Pflanzen  verändern  auch  ihr 
äusseres  Aussehen  merklich,  je  nach- 
dem sie  im  Schatten  oder  im  Sonnen- 
lichte stehen,  die  Wasserfarne  z.  B. 
senken  im  Schatten  ihre  Blätter. 
während  sie  diese  in  der  Sonne  fasl 
aufrecht  tragen  und  dann  weit  weniger 
schön  aussehen.  Es  geht  aus  allen 
diesen  Angaben  hervor,  dass  die  genaue 
wissenschaftliche  Untersuchung  der 
unterschiedlichen  Wirkung  von  Sonne 
und  Halbschatten  durch  sorgsame  Ver- 
suche für  alle  Zweige  der  Pflanzen- 
kultur von  hoher  Bedeutung  ist.     V. 


120  000  M.  für  eine  Nelke. 

Ein  Bostoner  Gärtner  hat  eine  neue, 
sehr  schöne,  riesengrosse,  kraus- 
blättrige  und  tiefrote  Nelke  erzielt.  Er 
sab    dieser    Nelke     den    Namen    Mrs. 


IÖ2 


Kleinere  Mitteilungen. 


Lawson,  nach  der  Frau  eines  der 
reichsten  Leute  der  Stadt.  Mrs.  Law- 
son hat  nun  das  Anrecht  dieser  pracht- 
vollen neuen  Varietät  für  120  000  M.  von 
dem  Gärtner  erworben. 

Winterfest  des  Vereins  zur  Beförderung 
des  Gartenbaues. 

Zu  dem  Bericht  über  das  Winterfest 
Heft  3 ,  Seite  78,  bemerken  wir  der 
Deutlichkeit  wegen,  dass  Herr  Hermann 
Fasbender  dieganze  Tafeldekoration 
nebst  den  Vasen  etc.  geliefert  hatte, 
und  zwar  nur  aus  deutschen  Blumen 
und  deutschem  Bindegrün.  Herr 
Clotofski  erbot  sich  freundlichst  für 
die  grossen  Vasen  das  Material,  Flieder 
und  Schneeball,  zu  geben.  Beim  Fest- 
ausschuss  ist  leider  der  Name  des  Herrn 
Crass  I  ausgelassen  worden. 


800  Jahre  alte  Taxusbäume. 

Aus  der  Neumark,  23.  Februar, 
schreibt  man  der  Deutschen  Tages- 
zeitung: Da  Sie  in  Ihrer  Zeitung  der 
beiden  Taxusbäume  im  Garten  des 
alten  Herrenhausgebäudes  als  besonders 
alter  Exemplare  gedachten,  so  teile 
ich  Ihnen  mit,  dass  sich  im  Parke  des 
Rittergutes  Wuthenow  bei  Soldin  in 
der  Neumark,  das  einem  Herrn  Wurl 
gehört,  zwei  ausserordentlich  grosse 
und  nach  sachverständiger  Schätzung 
mindestens  800  Jahre  alte  Taxusbäume 
mit  einem  Stammdurchmesser  von 
ca.  50  cm  und  ausserordentlich  breiten 
Kronen  befinden.  Die  Bäume  sind 
wirklich  eine  Sehenswürdigkeit. 


Libonia   floribunda    und    ihre    Kultur. 

Von  Adam  Hey  dt,  Schlossgärtner  in  Dallmin 
(Priegnitz). 

Wenn  auch  schon  oft  auf  Libonia 
floribunda  hingewiesen,  so  bedarf  sie 
noch  sehr  der  Empfehlung,  denn  so- 
wohl in  Kreisen  praktischer  Gärtner, 
als  auch  in  denen  der  Liebhaber  wird 
Libonia  kaum  geachtet,  trotzdem  sie 
sich  durch  prachtvolle  Blumen,  schönen 
Wuchs,  leichte,  einfache  und  sichere 
Kultur  sowie  reichen  Blütenflor  aus- 
zeichnet. 

Libonia  zählt  zu  den  Acanthaceen 
und  wurde  von  Carl  Koch  nach  Libon, 
einem  eifrigen  Pflanzensammler  in 
Brasilien,  benannt.  Ihre  Heimat  sind  die 
Hochebenen  von  Brasilien.  Libonia 
floribunda,  die  reichblühende  Libonia, 


wird  bis  60  cm  hoch.  Blätter  länglich 
elliptisch,  ca.  2  cm  lang,  Blüten  meist 
gepaart,  auf  fein  behaarten  Stielen  in 
den  Achseln  der  obersten  Blätter. 
Blumenröhre  am  untersten  Ende  feuer- 
rot, gegen  das  obere  Ende  hin  heller, 
Zipfel  hellgrün. 

Die  einfachste  Anzucht  der  Libonien 
ist  die  durch  Stecklinge,  und  zwar  im 
zeitigen  Frühjahr,  im  März  bis  April, 
denn  je  zeitiger  man  die  Stecklinge 
macht,  desto  bessere  Pflanzen  erzielt 
man. 

Zu  Stecklingen  benutzt  man  junge, 
im  Verholzen  begriffene  Zweige,  die  am 
unteren  Blattknoten  glattgeschnitten 
und  zur  Bewurzelung  in  Torfund  Sand 
gesteckt  werden.  Die  Bodenwärme 
hält  man  auf  20 — 220  R.  In  zwei  bis 
drei  Wochen  werden  die  Stecklinge  be- 
wurzelt sein  und  man  pflanzt  sie  dann 
in  kleine  Töpfe.  Als  beste  und  zu- 
sagendste Erde  habe  ich  Laub-  und 
Heideerde  mitSand  vermischtgefunden. 
Beim  Pflanzen  drücke  man  die  Erde 
nicht  zu  fest  an. 

Am  besten  ist  es  jetzt,  wenn  man  die 
jungen  Libonien  auf  einen  warmen 
Kasten  bringt.  Legt  man  den  Kasten 
mit  Mist  an  und  verwendet  statt  Erde 
Sägespäne,  so  wird  die  Wärme  bedeutend 
länger  erhalten.  Die  Töpfe  werden 
bis  zum  Topfrande  eingesenkt  und 
massig  angegossen.  Die  weitere  Be- 
handlung besteht  jetzt  vorerst  im  Be- 
wässern, Bespritzen,  Beschatten,  Lüften, 
je  nachdem  das  eine  oder  andere  nach 
der  Witterung  notwendig  wird.  Selbst- 
verständlich deckt  man  die  Fenster  in 
der  Nacht  zu.  Treiben  die  Pflanzen 
stark  und  entwickeln  nur  einen  Trieb, 
so  werden  diese  entspitzt. 

Anfang  Mai  oder  besser  Mitte  Mai, 
wenn  die  Nachtfröste  vorüber  sind, 
lege  man  ein  Kastenbeet  an,  welches 
man  mit  einer  Erdmischung  aus  Haide- 
und  Lauberde  mit  Sand  vermischt  an- 
füllt. In  dieses  Beet  pflanzt  man  die 
jetzt  kräftigen  Libonien  in  einem  Ab- 
stand von  etwa  25  cm  nach  allen  Seiten. 
Mit  dem  Pflanzen  ist,  jedoch  nur  wenn 
erforderlich,   ein  Stutzen    auszuführen. 

In  den  ersten  Tagen  werden  die 
Libonien  schattiert  und  später  die 
Pflanzen  ganz  der  Sonne  ausgesetzt. 
Es  ist  jetzt  Hauptsache,  dass  alles 
Lnkraut  entfernt  und  dieErde,  wenn  nötig, 
gelockert  wird.  Sind  die  Pflanzen  gehörig 


Aus  den  Vereinen. 


.«»3 


im  Wachstum,  so  werden  sie  alle  acht 
Tage  gedüngt.  Im  September  topft  man 
die  starken  Libonien  ein  und  hält  sie 
einige  Tage  unter  Glas,  bis  sie  sich 
von  der  Operation  des  Verpflanzens 
erholt  haben.  In  den  Küsten  verbleiben 
Sie  Libonien,  bis  der  Eintritt  von  Frost 
ein  Einräumen  ins  Kalthaus  notwendig 
macht. 

Im  Kalthaus  stelle  man  die  Libonien 
recht  hell  auf.  begiesse  vorsichtig, 
vermeide  aber  grosse  Trockenheit.  Im 
Februar  stellt  man  die  Ptlanzen  wärmer 
und  bringt  sie  hier  zur  Blüte.  Sobald 
der  Flor  beendet,  schneidet  man  die 
Ptlanzen  zurück,  stellt  sie  kühler  und 
pflanzt  sie  im  Mai  von  neuem  aus.  Im 
übrigen  gleicht  die  Pflege  derjenigen 
im  Vorjahre. 

Ich  ziehe  die  Kultur  des  Ausptlanzens 
vor,  weil  man  viel  grössere  Pflanzen 
erzielt  und  eher  blütenfähige  Exemplare 
erhält,  als  wenn  man  die  Libonien 
von  Jugend  an  in  Töpten  pflegt. 

Will  man  dennoch  die  Topfkultur 
anwenden,  so  benutzt  man  obige  Erd- 
mischung und  verpflanzt  jedesmal  dann, 
wenn  es  die  Umstände  erheischen.  Es 
empfiehlt  sich  für  Topfkultur  das  fort- 


währende  Halten    der   Libonien    unter 
( rlasfenstern. 

P.lühende  Libonien  bilden  einen 
grossen  Schmuck  für  allerlei  Deko- 
rationen im  Zimmer,  auf  Blumentischen, 
im  Glashaus  und  dergl.,  auch  können 
die  abgeschnittenen  Blütentriebe  für 
die  Binderei  verwendet  werden. 

Preisausschreiben  für  Binderei. 

Ein  Preisausschreiben  für 
Blumenbinderei  veranstaltet  die 
»Bindekunst«  in  der  ersten  Nummer 
des  am  1.  April  beginnenden  dritten 
Jahrganges.  Der  erste  Preis  wird  ein 
Kunstgegenstand  im  Werte  von  300  M 
sein.  Näheres  über  dieses  Preis- 
ausschreiben wird  in  No.  1  des  neuen 
Jahrganges  der  »Bindekunst«  ver- 
öffentlicht. Diese  Nummer  wird  aut 
Verlangen  vom  »Bindekunst-Verlag«. 
Erfurt,  postfrei  zur  Ansicht  versandt. 
An  dem  letzten  Preisausschreiben, 
welches  für  angehende  Binder  und 
Binderinnen  ausgeschrieben  war,  be- 
teiligten sich  94  Bewerber,  unter  denen 
17  Preise  im  Gesamtwert  von  circa 
200  M.  zur  Verteilung  gelangten. 


Aus  den  Vereinen. 


Der  Allgemeine  Deutsche  Gärtnerverein 

1  Berlin,   Weissenburgerstr.  66) 

Abteilung  für  Stellennachweis,  ver- 
öffentlicht soeben  in  seinen  »Bewe- 
gungen auf  dem  gärtnerischen  Arbeits- 
markte« den  Monatsbericht  für  Januar, 
dem  wir  folgendes  entnehmen:  Bei  der 
Geschäftsstelle  Berlin  wurden  im  Januar 
gemeldet  an  offenen  Stellen  a)  für 
Berlin  und  Vororte  S2  in  der  gewerb- 
lichen Gärtnerei.  Nachweisbar  besetzt 
wurden  davon  02;  14  erledigten 
sich,  indem  diese  jedenfalls  bei  Um- 
gehung des  Nachweises  von  anderen 
Seiten  besetzt  wurden.  Für  3  Stellen, 
die  zum  Hausierhandel  mit  Sämereien 
ausgeschrieben  waren,  fanden  sich 
keine  Bewerber.  Unbesetzt  waren  zwei 
Stellen  wegen  zu  niedrigen  Lohnange- 
bots (18  Mark  monatlich  bei  freier 
Station)  und  eine,  weil  dort  die  Ge- 
hilfen  regelmässig  ihren  Lohn  erst 
einklagen    müssen.      Von     ausserhalb. 


einschliesslich  Ausland,  wurden  25 
Stellen  der  gewerblichen  Gärtnerei 
gemeldet,  die  meist  den  jeweils  nächst- 
gelegenen Zweiggeschäftsstellen  im 
Reiche  zur  Erledigung  überwiesen 
wurden.  Der  Privatgartenbau  meldete 
38  Stellen  an,  davon  31  für  ledige  und 
7  für  verheiratete  Gärtner.  Während 
4  der  letzteren  keine  näheren  Be- 
merkungen über  gewünschte  familiäre 
Verhältnisse  enthielten,  waren  eine  an 
die  Bedingung  geknüpft  »jedoch  kinder- 
los«, eine  »kinderlos  oder  nur  er- 
wachsene Kinder«,  eine  »Frau  muss 
mit  thätigsein,  wenn's  geht,  auch  Sohn 
und  Tochter  zur  Arbeit  stellen«  (Baron 
von  C).  Stellensuchende  Hessen 
sich  einschreiben  96  für  die  gewerb- 
liche Gärtnerei  und  34  für  Privatstellen. 
(Für  letztere  sind  von  früher  her  noch 
50  vornotiert).  Fast  ausschliesslich 
begehrt  wurden  in  der  gewerblichen 
Gärtnerei   die  Alterklassen   von   20  bis 


164 


Litteratur. 


23  Jahren-;  ältere  warten  schon  wochen- 
bezw.  monatelang  auf  Arbeit,  sind  je- 
doch schwer  unterzubringen.  Lieber 
wird  noch  zu  den  jüngeren  gegriffen. 
Verheiratete  sind  hier  überhaupt  nicht 
unterzubringen.  Zu  erwähnen  ist  noch 
folgendes:  Während  im  Dezember  sich 
im  Nachweise  zur  Sprechzeit  täglich 
nur  3 — 6  Stellenbewerber  durchschnitt- 
lich einfanden,  wies  der  Januar  regel- 
mässig 10 — 25  auf.  Seit  Eintritt  des 
Frostwetters  hat  das  Angebot  offener 
Stellen  plötzlich  nachgelassen  und  die 
Stellensuchenden  häufen  sich. 


Verein  zur  Förderung  der  Blumenpflege 
bei  Schulkindern. 

Der  Berliner  Verein  hielt  am  7.  März 
im  Bürgersaale  des  Rathauses  unter 
Vorsitz  des  Schulinspektors  Dr.  Zwick 
seine  zweite  Jahresversammlung  ab. 
Der  erste  Jahresbericht  führte  36  Berlin  er 
Gemeindeschulen  auf.  deren  Kinder 
sich  der  Blumenpflege  widmeten;  diese 
Zahl  hat  sich  im  zweiten  Jahresbericht 
nur  um  eine  vermehrt.  30  Schulen 
sind  der  Blumenpflege  treu  geblieben, 
sechs  haben  sie  wieder  aufgegeben, 
sieben  sind  neu  für  die  Bestrebungen 
gewonnen  worden  ,  190  Gemeinde- 
schulen stehen  der  Sache  überhaupt 
noch  fern.  Die  Zahl  der  ausgegebenen 
Pflanzen,  ,die  im  ersten  Jahre  5894  be- 
trug, hat  sich  im  zweiten  Jahre  auf 
6354     erhöht ,      dank     reicheren     Zu- 


wendungen von  Gönnern,  unter  denen 
Geh.  Kommerzienrat  Veit  und  Kauf- 
mann Seldis-Steglitz  besonders  genannt 
werden.  Die  städtische  Parkdeputation 
spendete  über  1000  Pflanzen  und  die 
erforderliche  Blumenerde  für  alle 
Töpfe.  Die  Belehrung  über  die  Blumen- 
pflege wurde  im  naturkundlichen 
Unterricht  gegeben  und  an  besonderen 
Exemplaren,  die  während  des  ganzen 
Sommers  am  Fenster  der  Schulstube 
ihren  Platz  hatten,  wurde  die  Pflege 
gelehrt ,  die  für  das  Gedeihen  der 
Blumen  unerlässlich  ist.  Die  Mitglieder- 
zahl des  Vereins  ist  von  070  auf  740 
gestiegen,  in  diese  Zahl  einbegriffen 
sind  die  130  ausserordentlichen  Mit- 
glieder und  Wohlthäter.  Die  Ein- 
nahmen des  Vereins  beliefen  sich  auf 
500,  die  Ausgaben  auf  457  M.  Der 
Vorstand  wurde  wiedergewählt.  Herr 
Dr.  Dammer  hielt  alsdann  einen  Vortrag 
über  Zimmerpalmen-Kultur. 

Deutscher  Po  mologen  verein. 
Statuten  und  Verzeichnis  der  Mitglieder 
(Bestand  vom   1.  Juli   1897). 


36/37.  Jahresbericht  des  Garten- 
bau-Vereins für  die  Oberlausitz. 
Enthält  kurze  Berichte  über  die  ein- 
zelnen Vereinssitzungen,  sowie  Ver- 
zeichnisse der  Mitglieder  und  der 
Bibliothek. 


Litteratur. 


Prof.  Dr.  R.  Sadebeck,  Direktor 
des  botan.  Museums  und  des  botan. 
Laboratoriums  für  Warenkunde  in 
Hamburg,  Die  Kulturgewächse  der 
deutschen  Kolonien  und  ihre  Erzeug- 
nisse. Für  Studierende  und  Lehrer  der 
Xaturwissenschaften,  Plantagenbesitzer, 
Kautleute  und  alle  Freunde  kolonialer 
Bestrebungen.  Jena.  Verlag  von 
Gustav  Fischer  1899.  Gr.  8°.  366. 
137  Abbildungen.  Preis  10  M..  geb. 
11  M. 

Dieses  Werk  kommt  gerade  zur 
richtigen  Zeit,  da  das  Interesse  für  die 
Kolonien  ein  überall  rege  gewordenes 
ist.  Es  bietet,  wie  schon  der  Titel 
sagt,    so  zu   sagen  Jedem   etwas,    dem 


Mann  der  Wissenschaft,  wie  dem 
Praktiker,  und  die  zahlreichen  schönen, 
meist  Original-Abbildungen,  die  nur 
mitunter  etwas  zu  stark  schattiert  sind, 
erleichtern  das  Verständnis  sehr.  Die 
meisten  Artikel  sind  vom  Verfasser, 
der  bei  seiner  Stellung  ein  reiches 
Material  zur  Verfügung  hatte,  selbst 
geschrieben,  manche  aber  von  Spe- 
zialisten durchgesehen.  Behandelt 
wurden:  1.  Palmen.  2.  Getreide  und 
Zuckerrohr.  3.  Knollen-  und  Zwiebel- 
gewächse. 4.  Essbare  Früchte  und 
Gemüse.  5.  Eigentliche  Genussmittel 
(Ivaffee,  Thee.  Kakao  etc.).  6.  Gewürze. 
7.  Tabak  (wird  sonst  auch  zu  den  Ge- 
nussmitteln gerechnet).  8.  Fett- und  Öl- 


Gewerbliche  Angelegenheiten. 


l65 


pflanzen.  9.  Färb-  und  Gerbstoff- 
pflanzen.   10.  Gummi,  Harze  undKopale. 

1 1 .  Kautschuk-  und  ( '.uttaperchaptlanzen. 

12.  Faserstoffe.  13.  Nutzhölzer.  14.  Me- 
dizinalpllanzen.  Bei  der  Getreideart 
Eleusine  coracana  ist  uns  aufgefallen, 
dass  Verfasser  E.  Tocussa  nicht  er- 
wähnt, es  hätte  wenigstens,  da  dieser 
Xame  oft  vorkommt,  angegeben  werden 
können,  dass  es  wohl  nur  eine  Varietät 
von  E.  coracana  ist.  Über  die  Be- 
reitung" des  Kaffees  zur  Handelsware 
hätten  doch  wohl  statt  der  Semmler- 
schen  Angaben  solche  von  den  Plan- 
tagenbesitzern selbst  gebracht  werden 
können.  Bei  den  tropischen  Getreide- 
arten und  Hülsenfrüchten  wären  Ab- 
bildungen der  Körner  bezw.  Samen 
erwünscht  gewesen,  da  diese  gerade 
im  Handel  und  Wandel  allein  vor- 
kommen.    Doch   das   sind  kleine  Aus- 


stellungen. I>as  Buch  verdient  in  jeder 
Hinsicht  die  wärmste  Empfehlung,  und 
das  um  so  mehr,  als  es  eine  Menge 
weniger  bekannte  ('.'-wachse  bespricht 
und  z.  T.  auch  charakteristisch  ab- 
bildet, so  z.  B.  die  Xaras-Ptlanze,  eine 
Cucurbitaceae,  auf  den  Dünenhügeln 
der  Walfischbai.  Auch  die  Krankheiten 
der  betr.  Pflanzen  sind  meist  be- 
sprochen. Die  gefürchtete  Sereh- 
krankheit  des  Zuckerrohres  wird  jetzt 
als  eine  erbliche  Degenerationserschei- 
nung angesehen.  L.  Wittmack. 


Mitteilungen  über  Düngungs- 
v  er  suche.  Herausgegeben  vom  Syn- 
dikat der  Kaliwerke  Leopoldhall- 
Stassfurt.  Xo.  11  Gemüse.  2.  Teil.  Mit 
sehr  interessanten  Darstellungen  nach 
Photographien. 


Gewerbliche  Angelegenheiten. 


Frachtermässigung. 

Eine  wesentliche  Ermässigung  des 
Gütertarifs  auf  den  preussischen  Staats- 
bahnen, die  in  der  Hauptsache  land- 
wirtschaftlichen Erzeugnissen  zu  Gute 
kommt,  hatsoeben  derMinister  Thielen 
angeordnet.  Danach  werden  vom 
1.  April  1899  an  Butter,  sämtliche 
Gartenprodukte  und  geräucherte  He- 
ringe zum  Frachtgütertarif  angenommen 
und  als  Eilgüter  befördert.  Durch 
diese  Anordnung  tritt  eine  Verbilligung 
der  Fracht   um  die  Hälfte  ein. 


Gärtnerische  Kommission   des   wirtschaftlichen 
Ausschusses. 

In  dem  Bericht  über  die  erste  Sitzung. 
Heft  3  S.  85,  ist  aus  Versehen  unter 
den  Anwesenden  Herr  M.  Liebau 
fi.  F.  Liebau  &  Co.),  Samenhandlung, 
Erfurt,  nicht  aufgeführt. 

Die  süddeutschen  Gärtner   beklagen 
sich  in  der  Frankfurter  Gärtnerzeitung, 
keiner  von  ihnen  in   diese   Kom- 
mission berufen  sei.     Wir  können  aber 
die     Versicherung     geben,     dass     die 
Berliner«    daran   wirklich   unschuldig 


sind.  Die  Einladungen  scheinen  sich 
vorläufig  nur  auf  Preussen  beschränkt 
zu  haben. 


Erleichterung 
im   Verkehr  mit  amerikanischem   Obst. 

Aus  Hamburg  schreibt  man  der 
Voss.  Zeitung:  Xach  einer  von  zu- 
ständiger Seite  uns  zugehenden  Mit- 
teilung ist  für  den  Verkehr  mit  ame- 
rikanischem Obst  die  Erleichterung 
eingetreten,  dass  durch  Verfügung  des 
Reichskanzlers  jetzt  die  Durchfuhr  von 
frischem  und  getrocknetem  Obst,  sowie 
von  Obstabfällen  aus  Amerika  ohne 
vorherige  Untersuchung  auf  das  Vor- 
handensein der  San  Jose-Schildlaus 
unter  der  Bedingung  gestattet  ist.  dass 
die  Waren  unter  Zollverschluss  durch 
das  deutsche  Zollgebiet  durchgeführt 
werden.  Auch  solche  Sendungen,  die 
im  hiesigen  Freihafengebiet  für  die 
Einfuhr  untersucht  und  mit  der  San 
Jose-Schildlaus  besetzt  befunden  worden 
sind,  können  auf  einen  an  das  Dekla- 
rationsbureau zu  richtenden  Antrag  zur 
Durchfuhr  durch  das  Zollgebiet  unter 
Zollverschluss  zugelassen  werden. 


i66 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Pankow  -  Schönhausen.  Allge- 
meine Gartenbau  -  Ausstellung  des 
Pankow  -  Schönhausener  Gartenbau- 
vereins,  19.  —  24.  Mai  1900,  im 
Restaurant  Linder,  Rreitestr.  34.  An- 
fragen sind  zu  richten  an  W.  Kretsch- 
mann,  Handelsgärtner  in  Pankow- 
Berlin. 

Berlin.  Grosse  deutsche  Winter- 
blumen-Ausstellung, Mitte  Februar 
1900  im  Zoologischen  Garten.  Das 
Programm,  das  Medaillen  und  Geld- 
preise im  Gesamtbetrage  von  nicht 
weniger  als  20000  Mark  aussetzt, 
ist  am  23.  Februar  vom  Verein 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues 
genehmigt  und  wird  nun  gedruckt 
werden. 


Dresden.  Jubiläums  -  Ausstellung 
des  Landesobstvereins  für  das  König- 
reich Sachsen  vom  14. — 19.  Oktober. 
Das  Programmm  ist  zu  beziehen: 
Gerokstrasse  45. 


Dresden.     Anfang   Mai    1900  Früh- 
jahrsausstellung der  Feronia. 


London.  Internationale  Konferenz 
über  Bastard-  und  Kreuzungs- 
pflanzen, veranstaltet  von  der  Royal 
Horticultural  Society  am  11.  und 
12.  Juli  1899.  Anmeldung  von  Artikeln 
und  Pflanzen  an  W.  Wilks,  Secretary, 
117   Victoria  Street,    Westminster  SW. 


Antwerpen.  Internationale  Aus- 
stellung vom  9. — 13.  April  1899  zur 
Feier  des  3ocjährigen  Geburtstages  von 
Anton  van  Dyck. 


Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899 
Grosse  internationale  Ausstellung.  Die 
Ligue  horticole  L'Union  zu  Mont 
St.  Amand  bei  Gent  versendet  ein  sehr 
geschmackvolles  Plakat  zu  ihrer  Aus- 
stellung. 


Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau-Ausstellung  vom  5./17. 
bis  15./27.  Mai  1899.  Unter  dem  6.  März 
übersandte  uns  der  Reichskanzler 
(Reichsamt  des  Innern)  die  Abschrift 
einer       Verbalnote       der       Kaiserlich 


russischen  Botschaft  vom  15.  Februar 
d.  J.,  die  wir  liier  in  Uebersetzung 
folgen  lassen. 

Zugleich  bemerkt  uns  das  Reichs- 
amt des  Innern,  dass  wegen  Ver- 
günstigungen anf  den  preussischen 
Eisenbahnen  Verhandlungen  mit  dem 
Königlich  preussischen  Herrn  Minister 
der  öffentlichen  Arbeiten  eingeleitet 
sind.  Ueber  das  Ergebnis  wird  s.  Z. 
berichtet  werden. 

Abschrift  zu  III  A.  908. 
Russische  Botschaft. 

Berlin,  3./ 15.  Februar  1899. 
Verbalnote. 
Die  Kaiserliche  Botschaft  ist  be- 
auftragt, zur  Kenntnis  zu  bringen,  dass 
Personen,  welche  an  der  Internationalen 
Gartenbau- Ausstellung  in  St.  Petersburg, 
die  vom5./i7-bis  15.  27.  Mai  stattfindet, 
teilzunehmen  wünschen,  Zoll-  und 
Transport-Erleichterungen  eingeräumt 
werden. 

1.  Der  Transport  der  Ausstellungs- 
gegenstände von  der  Grenze  bis  zur 
Ausstellung  erfährt  keine  Reduktion 
des  gewöhnlichen  Preises.  Hingegen 
sind  alle  Gegenstände,  welche  von 
St.  Petersburg  durch  das  gleiche  Zoll- 
amt zurückgeschickt  werden,  welches 
sie  bei  der  Einsendung  passierten, 
befreit  von  Zollausgaben. 

2.  Nach  Schluss  der  Ausstellung 
werden  die  Gegenstände  unentgeltlich 
von  St.  Petersburg  bis  zu  ihrer  An- 
kunftsstation vom  Auslande  trans- 
portiert (also  bis  zur  Grenze). 

3.  Zum  Zweck  der  freien  Durchfuhr 
durch  die  russischen  Grenz-Zollämter 
müssen  die  Ausstellungsgegenstände 
die  Aufschrift  tragen:  »Transit  — 
Exposition«  und  ausserdem  mit  be- 
sonderen Karten  versehen  sein,  welche 
die  Kaiserliche  Gartenbaugesellschaft 
auf  Wunsch  der  Aussteller  entsprechend 
der  deklarierten  Zahl  der  Colli  oder 
Kisten  liefert. 

4.  Die  Zollrevision  der  Ausstellungs- 
gegenstände aus  dem  Auslande  wird 
im  Aus  Stellungsgebäude  selbst 
stattfinden. 

5.  Alle  Pflanzen  müssen  von  Attesten 
begleitet  sein,  welche  feststellen,  dass 


Eingesandte  Preisverzeichnisse.  —  Personal-Nachrichten. 


I<»7 


sie  von  der    Phylloxera  nicht  befallen 
sind. 

Es  muss  noch  hinzugefügt  werden, 
dass  man  die  Absicht  hegt,  einige 
Eisenbahnwagen    für    die    Versendung 


der  Pflanzen  speziell  einzurichten,  die- 
selben zu  heizen  und  mit  Wasser  zu 
versehen,  um  die  Pflanzen  während 
der  Reise  im  guten  Zustande  zu  er- 
halten. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


J.  M.  Helms  Söhne.  Gross-Tabarz, 
Thüringen.  Forst-  und  landwirt- 
schaftliche Samen.  —  Sander  &  Co., 
St.  Albans,  England,  New  Orchids, 
new  Palms,  new  Carnations  (Xelken). 
beautiful  foliage  plants  etc.  — 
H.  Severin  (vorm.  C.  Ilaacke  Wwe.), 
Kremmen  bei  Berlin,  Schnittstauden, 
Chrysanthemum,  Edel-Georginen.  — 
J.  M.  Krannich,  Mellenbach  i.  Thür., 
Holzwaren,  Namenhölzchen,  Kisten  etc. 

—  G.  Bornemann.  Blankenburga.Harz, 
Neueste  und  beste  Blütenpflanzen. 
Zonale-Pelargonien  mit  farbigen  Abb., 
Canna,I)ahli  en, Begonien, Fuchsien  etc. 

—  H.  Henkel.  Darmstadt,  Koniferen  etc. 
Grassamenmischungen.  Samen  von 
Brahea  Roezli  von  C.  A.  Purpus  in 
Kalifornien  an  ihrer  nördlichsten 
Verbreitungsgrenze  gesammelt.  — 
Boettcher  &  Voelcker,  Gr.-Tabarz 
1.  Thür.,  Laub-  und  Nadelholz,  Gras- 
und  Oekonomiesamen.  —  Carl  Grone- 
mann,  Ploflieferant,  Blomberg  in  Lippe, 
Hauptverzeichniss   der  Spezial-Nelken- 


zucht.  Dr.    G.    Di  eck    in  Zusehen. 

Reg.-Bez.  Merseburg,  die  Moor-  und 
Alpenpflanzen  (Eiszeitflora)  des  National- 
Arboretums  und  Alpengartens  Zöschen 
und  ihre  Kultur;  ein  ausserordentlich 
reichhaltiges  Verzeichnis  mit  tabel- 
larischen Angaben  über  Vaterland. 
Boden,  Wuchs  etc.,  derselbe:  Neu- 
heitenliste. —  J.  C.  Schmidt,  Erfurt, 
landw.  Frühjahrsaussaaten,  desgl.  Ver- 
zeichnis praktischer  und  neuer  Geräte 
für  Haus  und  Hof,  Garten  und  Feld.  — 
Otto  Froebel,  Zürich,  illustrierter 
und  erläuternder  Generalkatalog  über 
sämtliche  Kulturen  der  Firma:  I.  Ge- 
wächshauspflanzen (hierzu  ein  farbiges 
Bild  des  Cyclamen  Papilio),  II.  Winter- 
harte  Freilandpflanzen,  Alpen-, Zwiebel  n- 
und  Knollengewächse,  III.  Zierbäume 
und  Sträucher,  Nadelhölzer,  Obst  etc. 
Unter  den  vielen  schönen  Abbildungen 
sei  hervorgehoben:  ein  Teil  des  Froebel- 
schen  Seerosenbassins  mit  nur  winter- 
harten Nymphaeen,  ferner  die  neue 
Picea  pungens  glauca  pendula. 


Personal-Nachrichten. 


Der  bekannte  Pomologe  Friedrich 
Jacob  Dochnahl  zu  Neustadt  am 
Hardt.  Ehrenmitglied  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  feierte 
am  4.  März  seinen  80.  Geburtstag. 

Jakob  Sturm,  Kunst-  und  Ilandels- 
gärtner  in  Erfurt,  wurde  zum  königl. 
württembergischen  Hoflieferanten  er- 
nannt. 

Der  Obergärtner  Wiss  vom  Park- 
revier Sanssouci  ist  zum  Königlichen 
Hofgärtner  ernannt  worden  ;  ihm 
wird  vom   1.  April    an    die    Stelle  des 


dann  pensionierten  Hofgärtners  Merle 
zu  Homburg  vor  der  Höhe  über- 
tragen. 

Otto  Busse,  bisher  Obergärtner  an 
der  Gärtner-Lehranstalt  zu  Köstritz, 
wurde  als  Kreis -Obergärtner  nach 
Centhin,  Kreis  Jerichow,  berufen.  An 
seine  Stelle  trat  W.  Voegler-Scherf . 
bisher  in  der  väterlichen  Gärtnerei  in 
Annaberg  beschäftigt,  früherer  Schüler 
der  Gärtner-Lehranstalt  Köstritz. 

Am  28.  Februar  f  im  52.  Lebens- 
jahre plötzlich    am   Gehirnschlage  der 


i68 


Personal-Nachrichten.    —  Tagesordnung. 


Königliche  Garteninspektor  a.  D. 
Berthold  Stein  in  Breslau.  Stein 
war  früher  Inspektor  des  botanischen 
Gartens  in  Breslau.  Er  schrieb  u.  a. 
ein  bekanntes  Buch  über  die  Orchideen, 
war  auch  botanisch,  namentlich  in 
Flechten  sehr  bewandert.  Im  Jahre  1886 
war  er  Redakteur  der  Gartenflora. 


R.  Mertens,  Obergärtner  und  Obst- 
baulehrer an  der  königl.  Lehranstalt 
für  Obst-,  Wein-  und  Gartenbau  zu 
Geisenheim,  wurde  als  Landes-Obstbau- 
Inspektor  für  das  Königreich  Bayern 
-  mit  dem  Wohnsitze  in  Nürnberg  — 
angestellt.  Für  Geisenheim  ist  das  ein 
grosser  Verlust  und  für  Bayern  ein 
grosser  Gewinn,  sagt  Möllers  Gärtner- 
zeituns  mit  Recht. 


C.  Voland,  bisher  in  Breslau  be- 
schäftigt, wurde  vom  Kreisausschusse 
des  Kreises  Kempen  als  Kreisgärtner 
angestellt. 

Der  ausserordentliche  Professor  an 
der  Universität  Halle  Dr.  Zopf,  früher 
an  der  landwirtschaftlichen  Hochschule 
in  Berlin,  ist  zum  ordentlichenProfessor 
der  Botanik  an  der  Kgl.  Akademie  zu 
Münster  in  Westfalen  ernannt. 


Karl  Lücke,  der  am  1.  Oktober 
seine  Stelle  als  Institutsgärtner  an  der 
Obst-  und  Weinbauschule  in  Wittstock 
aufgab,  hat  die  Anlage  und  Leitung 
der  gräflich  Hadikschen  Obstplantage 
und  Baumschule  in  Nadaska  (Ober- 
Ungarn)  übernommen. 


Hofgarteninspektor  RudolphNoack 
in  Darmstadt  trat  in  den  Ruhestand 
und  erhielt  als  Anerkennung  seiner 
Leistungen  das  Ritterkreuz  des  Ordens 
vom  Zähringer  Löwen  verliehen. 


Am  1.  Februar  starb  im  Alter 
von  78  Jahren  der  gräflich  von 
Bennigsensche  Gartenmeister  a.  D. 
H.  Heike  in  Banteln.  Nachdem  es 
ihm  vergönnt  war,  vor  einigen  Jahren 
sein  50  jähriges  Dienstjubiläum  zu 
feiern,  trat  er  am  1.  Mai  1896  in  den 
Ruhestand,  In  den  weitesten  Kreisen 
wird  der  Tod  des  tüchtigen  Fach- 
mannes lebhaft  bedauert,  und  sein  An- 
denken wird  von  allen  seinen  Freunden 
und  Bekannten,  die  Gelegenheit  hatten, 
den  allezeit  liebenswürdigen  alten 
Herrn  kennen  zu  lernen,  hoch  in  Ehren 
gehalten  werden. 

Johann  Ilthal,  Begründer  und  lang- 
jähriger Leiter  des  Dorj  ewschen  Parks 
bei  Schpola  (Russland),  gab  diese 
Stellung  auf  und  übernahm  die  Ober- 
gärtnerstelle bei  Baron  W  ran  gel  in 
Kosatzkaje  (Russland). 

Dem  Gartendirektor  der  Deutschen 
Botschaft  in  Konstantinopel,  Wentzel. 
ist  der  Kgl.  Kronenorden  IV.  Klasse 
verliehen. 

Dem  Rentier  Agathus  Thiel- 
Charlottenburg,  früher  Inhaber  des 
rühmlichst  bekannten  Bindereigeschäfts 
Kgl.  Hofl.  A.  Thiel- Berlin,  ist  der 
Kgl.  Kronenorden  IV.  Klasse  verliehen. 


Lg 


Tagesordnun; 

für  die 

857.  Versammlung  des  Vereins  z.  Beförderung  d.  Gartenbaues  i.  d.  pr.  Staaten 

am  Donnerstag,  den  23.  März  1899,  6  Ohr  (nicht  am  3o.  März), 

im   grossen  Hörsaal    der   Königl.    landw.    Hochschule,    Invalidenstrasse  42. 

1.  Ausgestellte  Gegenstände.  2.  Vortrag  des  Herrn  Geh.  Regierungsrat  Professor  Dr. 
Orth:  Reisebilder  von  einer  Orientreise.  (Zu  diesem  Vortrage  sind  auch  die 
verehrten  Damen  der  Mitglieder  freundlichst  eingeladen.)  3.  2.  Abstimmung  über  die  Anträge 
der  vereinigten  Ausschüsse,  den  Fonds  der  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung  auf 
10 000  M.  zu  erhöhen  und  ein  Stipendium  von  5ooo  M.  für  die  Kgl.  Gärtner-Lehranstalt  zu 
Potsdam  zu  stiften  (vergl.  S.  1 12  und  148).  4.  2.  Abstimmung  über  die  Bewilligung  von  20000  M.  zu 
Prämien  für  die  grosse  Deutsche  Winterblumen-Ausstellung  Mitte  Februar  1900.  5.  1.  Lesung 
des  Etats  für  1899.  6.  Entlastung  des  Schatzmeisters  für  die  Rechnung  über  die  Jubiläums- 
ausstellung und   für  die  Jahresrechnung   1897. 


Die  botanische  Zentralstelle  für  die  deutschen  Kolonien. 

(Aus  der  dem  Reichstag  überreichten  Denkschrift  betreffend   die  Verwendung  des  Afrikafoi 

jie  botanische  Zentralstelle  am  königlichen  botanischen  ('.arten  zu  Berlin 
hat  dank  der  erhöhten  Mittel,  welche  ihr  zuteil  wurden,  ihre  Thätigkeit 
mit  Beginn  des  laufenden  Etatsjahres  viel  umlassender  gestalten  können,  als  es 
bis  dahin  möglich  gewesen  ist.  Zur  Bestätigung  dieses  sei  zunächst  darauf 
hingewiesen,  dass  die  an  die  verschiedensten  Stationen  unserer  Kolonien  ge- 
lieferten kleineren  und  grösseren  Mengen  von  Samen  tropischer  und  subtropischer 
Nutzpflanzen,  von  Gemüsen,  Getreidearten,  Futter-  und  Ziergewächsen  gegen 
1000  Nummern  betragen  haben.  Naturgemäss  flössen  die  Sendungen  vorzugs- 
weise denjenigen  Plätzen  zu,  an  denen  staatlicherseits  botanische  und  Versuchs- 
gärten unterhalten  werden,  so  namentlich  Viktoria,  Dar-es-Saläm  und  Kwai; 
aber  auch  kleinere  Stationen,  wie  Moschi,  Kilema,  Dabaga  und  Iringa  in  Ost- 
afrika, Lome  und  Kete-Kratyi  in  Togo,  Buea  und  Johann-Albrechtshöhe  in 
Kamerun,  Windhoek  und  Salem  in  Südwestafrika,  nicht  minder  einzelne  Private 
wie  die  Deutsch  -  Ostafrikanische  Gesellschaft  und  die  Friedrich-Hoftmann- 
Pflanzung  in  Useguha,  konnten  bedacht  werden.  Bei  der  Auswahl  des  Saatgutes 
wurde  einerseits  den  geäusserten  Wünschen  thunlichst  Rechnung  getragen, 
andererseits  waren  die  klimatischen  Verhältnisse  des  jeweiligen  Bestimmungs- 
ortes und  damit  die  Möglichkeit  eines  Kulturerfolges  in  Rücksicht  zu  ziehen. 
Um  einiges  Wichtigere  herauszugreifen,  erhielten  unter  Beachtung  dieser  beiden 
Momente  sowohl  ost-  wie  westafrikanische  Stationen  Saatgut  wertvoller  Nutz- 
hölzer, als  Teakholz,  indisches  Sandelholz,  Blauholz,  Mahagoni,  Polisander, 
Ebenholz,  verschiedene  Eisenhölzer  und  Eucalypten.  Sappan-  und  Zuckerkisten- 
holz, ferner  tropische  Obstarten  wie  Sapotillapfel,  Guayaven.  Jambosen,  Granaten 
und  Citronen.  Mit  Ziergehölzen,  Florblumen  und  Palmen  aller  Art  wurden 
vorzugsweise  Dar-es-Saläm,  Viktoria  und  Buea  versehen,  Futtergräser  und  Ge- 
treidesorten  gingen  nach  Kwai,  Atakpame,  Kete-Kratyi,  Gerbakazien  und  Dividivi 
ebendahin  und  nach  Mohorro.  Der  gebirgigen  Lage  Kwais.  Moschis,  Iringas 
und  Bueas  Rechnung  tragend,  wurde  auch  der  Versuch  gemacht,  diesen  eine 
Reihe  europäischer  und  nordamerikanischer  Nadelhölzer,  Laubbäume  und 
Sträucher  zuzuführen,  von  denen  echte  Kastanie.  Oelbäume.  Wein.  Mandel, 
Walnuss  und  virginischer  Wachholder  erwähnt  sein  mögen.  Medizinal-  und 
i  dpllanzen  empiing  besonders  Kwai,  Schatten-  und  Alleebäume  Dar-es-Saläm, 
Viktoria   und  Windhoek. 

Zu  Versuchen  im  grösseren  standen  im  vergangenen  Jahre  vier  Arten 
von  Nutzpflanzen  zur  Verfügung,  nämlich  Friobotrya  japonica.  die  echte,  aus 
Indien  bezogene  Indigopflanze,  die  Dattelpalme  und  der  Matestrauch  der  Süd- 
amerakaner.  Die  erste  konnte  an  fast  sämtliche  in  Betracht  kommende 
Plätze  verteilt  werden,  die  zweite  erhielt  Kete-Kratvi,    die  dritte  Dar-es-Saläm. 


1 70  Die  botanische  Zentralstelle  für  die  deutschen  Kolonien. 

Kwai,  Lome,  Kete-Kratyi,  Windhoek  und  Salem,  den  Matestrauch  Kwai,  Viktoria 
und  Kete-Kratyi.  Eine  Übersicht  über  alle  nach  unseren  Kolonien  ver- 
schickten Samensorten  giebt  das  Notizblatt  des  botanischen  Gartens  und 
Museums  No.  15. 

Weniger  umfangreich,  teils  der  hohen  Kosten,  teils  der  nur  selten  vor- 
handenen Gelegenheit  zur  Ueberführung  wegen,  gestaltete  sich  die  Versendung 
lebender  Nutzpflanzen  im  Wardschen  Kasten.  Immerhin  hat  die  Anzahl  der  ab- 
gegebenen Arten  81,  der  Exemplare  274  betragen,  bei  weitem  mehr  also  als  je  in 
einem  der  vergangenen  Jahre.  Bei  der  Auswahl  der  Arten  waren  hier  natur- 
gemäss  in  erster  Linie  die  Wünsche  der  Stationsleiter  massgebend  und  so 
gingen  nach  Kwai  von  Gewürzpflanzen  die  Muskatnuss  und  Zimmt,  von  Obst- 
arten Achras  Sapota,  Aegle  marmelos,  Spondias  dulcis  und  Anonen,  von  Reiz- 
pflanzen der  Kolabaum  und  Guarana,  von  Nutzhölzern  Pockholz,  Campecheholz, 
australisches  Eisenholz  und  Schleichera  trijuga,  ferner  Medizinalpflanzen,  wie 
Strophanthus,  Tolubalsambaum  und  Maticostrauch,  dann  Feigenbäume,  Illipe 
latifolia,  Bambus  und  die  Kautschukpflanze  Castilloa  elastica.  Die  Friedrich- 
Hoffmann-Pflanzung  in  Useguha  wurde  mit  einer  Reihe  von  Schattenbäumen 
für  Kaffee  bedacht,  daneben  mit  Nutzhölzern  (Polisander,  Pterocarpus  santalinus, 
Pockholz,  Cedrela  odorata),  Obstarten  (Anonen,  Jambosen,  Baumstachelbeeren), 
Olpalmen,  besonders  aber  mit  einer  Stecklingssendung  der  Gespinstpflanze 
Boehmeria  nivea  (Ramie),  die  sie  im  grossen  in  Kultur  zu  nehmen  gesonnen 
ist.  Herr  Direktor  Dr.  Preuss  in  Viktoria  erbat  und  erhielt  von  Medizinal- 
pflanzen Smilax  officinalis,  Toluifera  Pereira,  Erythroxylon  novogranatense, 
Croton  betulinus  und  Eluteria,  von  Obstarten  Aegle  marmelos,  Anona,  Cheri- 
molia,  Achras  Sapota,  von  sonstigen  Nutzpflanzen  Dividivi,  Ravenala  madagas- 
cariensis,  Ficus  bengalensis,  Illipe  latifolia,  Dendrocalamus  strictus  u.  s.  w. 

Der  Versendung  lebender  Pflanzen  wird  die  botanische  Zentralstelle  in 
Zukunft  darum  eine  noch  grössere  Beachtung  schenken  als  bisher,  weil  sich 
herausgestellt  hat,  dass  sie  für  das  Gelingen  einer  Einführung  mehr  Gewähr 
bietet  als  die  Verteilung  von  leicht  verderbbarem  und  immer  nur  teilweise 
zur  Keimung  gelangendem  Saatgut.  Sie  hat  deshalb  durch  Aussortieren 
manches  Überflüssigen  und  Unbrauchbaren  in  den  Kulturhäusern  des 
botanischen  Gartens  Raum  für  vermehrten  Anzuchtsbetrieb  des  Wertvolleren  und 
für  Aufnahme  von  Neuheiten  geschaffen.  Um  letztere  zu  erlangen,  hielt  sie 
nicht  nur  den  bestehenden,  auf  Austausch  gegründeten  Verkehr  mit  vielen 
botanischen  Gärten  des  In-  und  Auslandes  aufrecht,  sondern  knüpfte  auch  neue 
Verbindungen  an  und  erwarb  durch  Kauf  bei  hervorragenden  Firmen,  wie 
William  Brothers  (Ceylon),  Schenkel  (Teneriffa),  Christy  (London)  und  Klar 
(Berlin),  manches  von  dem,  was  bisher  gefehlt  hatte.  Aus  den  auf  diese  Weise 
für  die  Kulturhäuser  gewonnenen  Zugängen  seien  hervorgehoben:  Die  Muskat- 
nuss, eine  Anznhl  lebender,  später  nach  Kamerun  überzuführender  Bambusen 
aus  Kalkutta,  ein  Wardscher  Kasten,  gefüllt  mit  Stecklingen  der  wichtigen 
Kautschukpflanze  Castilloa  elastica  aus  London,  15  Arten  Sämereien  aus  Madras. 
78  aus  Saigon,  28  aus  Kalkutta,  2  aus  Gabun,  57  aus  Baroda  (Indien),  112  aus 
Sydney.  Stecklinge  des  Guttaperchabaumes,  die  Herr  Konsul  Eschke  in  einem 
Wardschen  Kasten  aus  Singapore  zu  schicken  die  Freundlichkeit  hatte,  kamen 
leider  schon  halbabgestorben  an  und  waren  trotz  aller  Bemühungen  nicht  am 
Leben  zu  erhalten. 


Die  botanische  Zentralstelle  für  die  deutschen  Kolonien. 


171 


Eingänge  aus  unseren  Kolonien  sind  für  alle  Abteilungen  der  botanischen 
Zentralstelle  zu  verzeichnen,  wenn  auch  nicht  verhehlt  werden  darf,  dass  sie 
in  ihrem  Umfange  noch  keineswegs  den  berechtigten  Erwartungen  entsprechen. 
Die  gan-z  überwiegende  Mehrzahl  der  Stationen  steht  den  Bestrebungen,  durch 
Übersendung  von  getrockneten  Pflanzen  und  Produkten  zur  Kenntnis  des  Landes 
beizutragen,  noch  teilnahmslos  gegenüber.  Um  so  mehr  ist  die  Thätigkeit  ein- 
zelner anzuerkennen.  Kwai  schickte  9  diverse  lebende  Nutz-  und  Zierptlanzen 
für  den  botanischen  Garten,  die  Friedrich-HolTmann-Pilanzung  10,  Buea  gegen 
30.  aber  leider  mangelhaft  verpackt,  so  dass  nur  ein  Teil  davon  gerettet  werden 
konnte.  An  Sämereien  gingen  ein:  grössere  Kollektionen  durch  Direktor  Kick 
aus  Kwai  und  durch  Regierungsrat  Dr.  Stuhlmann  aus  Dar-es-Saläm,  kleinere 
durch  Graf  Zech  und  Dr.  Kersting  aus  Togo  und  durch  Landwirt  Dintert 
aus  Südwestafrika.  Der  Aufforderung,  durch  Einsendung  hervorragender  Nutz- 
gewächse einen  Austausch  zwischen  Ost-  und  Westafrika  anzubahnen,  ist  bisher 
nur  Kwai  nachgekommen,  indem  es  die  Samen  der  ostafrikanischen  Ölpflanze 
Telfairia  pedata,  einer  wilden  Musaart  und  zweier  schöner  Waldbäume  seiner 
Umgebung  in  grösserer  Menge  nach  Berlin  gelangen  liess.  Es  konnten  damit 
nicht  nur  die  westafrikanischen  Stationen,  sondern  auch  eine  Reihe  tropischer 
botanischer  Gärten  versehen  und  dadurch  wenigstens  teilweise  den  Ver- 
pflichtungen nachgekommen  werden,  den  der  kostenfreie  Bezug  von  Saatgut  aus 
englischen  und  französischen  Kolonien    der  botanischen  Zentralstelle  auferlegt. 

Las  botanische  Museum  verdankt  Hauptmann  v.  Elpons  verschiedene 
Früchte  aus  Hohenlohe-Langenburg.  Direktor  Eick  ebensolche  und  Proben 
europäischer  Kulturgewächse  aus  Usambara,  dem  Grafen  Zech  Indigo  aus  Togo, 
Herrn  Knochen hauer  Gummisorten  aus  Ostafrika,  Herrn  Conrau  versteinerte 
Hölzer  und  Produkte  aus  Kamerun,  Regierungsrat  Dr.  Stuhlmann  Mangrove- 
Rinden  und  diesem  wie  Direktor  Eick  je  eine  Sammlung  sehr  willkommener 
Photographien  von  Vegetationstypen.  Das  meiste  Interesse  beanspruchen  Proben 
von  Nutzhölzern,  die  Lieutenant  Brosig  aus  Kilossa,  Plantagenbesitzer  Kurt 
Hoff  mann  aus  Useguha  und  Graf  Zech  aus  Togo  zur  Verfügung  stellten. 
Namentlich  die  des  ersteren,  die  infolge  Beigabe  von  Blatt-  und  Blütenzweigen 
fast  sämtlich  zu  bestimmen  waren,  geben  einen  wertvollen  Beitrag  zur  Kenntnis 
der  technisch  brauchbaren  Bäume  Ostafrikas  ab.  (S.  Notizblatt  des  botanischen 
Gartens  und  Museums  No.  15.)  An  Herbarpflanzen  wurden  schliesslich  über- 
wiesen aus  dem  Nachlass  des  in  Kamerun  verstorbenen  Gärtners  St  au  dt  221. 
von  Direktor  Dr.  Preuss  in  Viktoria  80,  von  Dr.  Lauterbach  aus  Neu- 
Guinea  92,  von  den  Gärtnern  Deistel  77  und  Lehmbach  289  aus  Kamerun, 
von  Direktor  Eick  aus  Usambara  etwa  60,  von  Herrn  Zenker  in  Bipinde  gegen 
500  und  von  Herrn  Dinklage   aus  Liberia,  Gabun  und  Kamerun  1500  Nummern. 

Die  wissenschaftliche  Bearbeitung  der  Eingänge  hat  dank  der  geschaftenen 
Organisation,  die  Beamten  des  Museums  zu  Spezialisten  für  die  einzelnen  unter 
sie  verteilten  Pllanzenfamilien  heranzubilden,  auch  in  diesem  Jahre  keine  Unter- 
brechung erlitten.  Als  Ergebnis  dieser  Bemühungen,  die  einen  grossen  Teil 
der  Zeit  des  Direktors,  fast  aller  Angestellten  und  auch  einiger,  nicht  dem 
Verbände  des  Museums  angehöriger  Privater  in  Anspruch  nahmen,  liegen  eine 
Reihe  abschliessender  Abhandlungen  vor,  die  teils  in  Englers  botanischen 
Jahrbüchern,  teils  im  Notizblatt  des  botanischen  Gartens  und  Museums  zum 
Abdruck  gelangten.     Genannt  davon  seien: 


172  Die  botanische  Zentralstelle  für  die  deutschen  Kolonien. 


i.  Aus  den  Jahrbüchern: 

A.  Engler:  Icacinaceae,  Aristolochiaceae ,  Anarcardiaceae  africanae 
E.  Gilg:  Sapindaceae,  Gentianaceae  africanae  und  zwei  neue  Capparidaceen- 
Gattungen  aus  Afrika;  G.  Lindau:  Acanthaceae  africanae;  K.  Schumann: 
Gramineae.  Cyperaceae,  Commelinaceae  afric;  L.  Diels:  Campanulaceae  afric: 
M.  Gurke:  Ebenaceae,  Labiatae  afric;  M.  Dammer:  Eine  interessante  Con- 
volaceae  aus  Kamerun:  P.  Hennings:  Fungi  novo-guineenses;  W.  Schmidle: 
Die  von  Professor  Dr.  Volkens  und  Dr.  Stuhlmann  in  Ostafrika  gesammelten 
Desmidiaceae;  A.  Froehner:  Die  Gattung  Coffea  und  ihre  Arten;  F.  Kränzlin: 
Orchidaceae  africanae. 

2.  Aus  dem  Notizblatte: 

A.  Engler:  Chlorophora  excelsa.  ein  wertvolles  Bauholz  in  Deutsch-O-t- 
afrika;  Über  Cardiogyne  africana,  ein  Farbholz  aus  Deutsch-Ostafrika:  Herrn 
M.Dinklages  Beobachtungen  über  die Raphia-PalmenWestafrikas ;  Bestimmungen 
wertvoller,  von  Herrn  Premierleutnant  Brosig  gesammelter  Nutzhölzer 
aus  Kilossa.  G.  Volkens:  Bericht  über  Kulturversuche  in  Deutsch-Ostafrika: 
Kulturerfolge  des  Versuchsgartens  von  Viktoria  mit  den  von  der  botanischen 
Zentralstelle  gelieferten  Nutzpflanzen;  Zur  Frage  der  Aufforstung  in  Deutsch- 
Ostafrika;  Identifizierung  ostafrikanischer  Rinden  und  Hölzer  (zusammen  mit 
Dr.  Gurke);  Gummi  aus  Deutsch-Ostafrika;  Über  Gambia-Mahagoni  in  Ost- 
afrika. M.  Gurke:  Über  den  Gerbstoffgehalt  einiger  Mangrove-Rinden. 
K.  Schumann:  Die  Flora  von  Xeu-Pommern  und  über  die  Centrifugation  der 
Kautschuksäfte.  E.  Gilg:  Camptostylus,  eine  neue  Gattung  der  Flacourtiaceae. 
C.Jürgens:  Über  Kulturgewinnung  des  Mate.  IL  Thoms:  Über  ein  deutsch- 
ostafrikanisches  Gummi  und  über  das  Oel  von  Telfairia  pedata. 

Eine  neue  Publikationsgelegenheit,  die  den  Eingängen  bei  der  botanischen 
Zentralstelle  und  im  weiteren  der  Kenntnis  der  Flora  unserer  Kolonien  zu 
gute  kommt,  wurde  durch  die  Entschliessung  des  Direktors  geschaffen,  einzelne 
hervorragende  afrikanische  Familien  und  Gruppen  monographisch  teils  selbst 
zu  bearbeiten,  teils  von  anderen  bearbeiten  zu  lassen  und  in  gesonderten 
Heften  herauszugeben.  Zwei  von  diesen,  die  Moraceae  von  A.  Engler  mit  18 
und  die  Melastomaceae  von  E.  Gilg  mit  10  Tafeln,  sind  bereits  erschienen, 
ein  drittes,  die  Combretaceae  von  A.  Engler  und  L.  Diehls  mit  etwa  30  Tafeln, 
ist  in  Vorbereitung. 

Die  mit  Demonstrationen  verbundenen  Vorträge  kolonialbotanischen 
Inhalts,  die  während  der  Sommermonate  im  Hörsaal  des  botanischen  Museums 
gehalten  wurden  und  die  den  Zweck  haben,  weitere  Kreise  für  die  Entwicklung 
unserer  Kolonien  zu  interessieren,  hatten  sich  eines  immer  steigenden  Besuchs 
zu  erfreuen,  so  dass  manchmal  der  vorhandene  Raum  kaum  ausreichte.  Es 
sprachen  Geheimrat  Professor  Dr.  Engler:  Über  die  Palmen  Afrikas;  Professor 
Dr.  G.  Volkens:  1.  Über  die  tropischen  Obsarten;  2.  Über  die  Pflanzenwelt 
Ostafrikas  und  3.  Über  die  Art  des  Reisens  in  Afrika;  Prof.  Dr.  K.  Schumann: 
Über  Guttaperchapflanzen;  Dr.  M.  Gurke:  Über  Sisal  und  Mauritiushanf. 

Der  Besuch  der  Vorträge  ist  für  die  Gärtner  und  Volontäre  des  botanischen 
Gartens,  die  sich  für  eine  Anstellung  in  den  Kolonien  beim  Auswärtigen  Amt 
oder  bei  privaten  Gesellschaften  haben  vormerken  lassen,  seitens  der  Direktion 
für  obligatorisch  erklärt.  Sie  erwerben  hierdurch,  wie  durch  besondere 
Unterweisungen    die  ihnen  Professor  Volkens  und  Dr.  Gurke   im  botanischen 


Die  botanische  Zentralstelle  für  die  deutschen  Kolonien. 


'73 


Museum  zuteil  weiden  lässt,  zu  ihrer  in  den  Nutzpflanzenhäusern  des  Gartens 
gewonnenen  praktischen  Ausbildung  die  nutwendigen  theoretischen  Kenntnisse, 
um  dann  später  nach  erfolgtem  Dienstantritt  in  den  Kolonien  sich  auch  der 
floristischen  Erforschung  des  Landes  mit  Erfolg  widmen  zu  können.  Von  so 
vorgebildeten  Gärtnern  trat  im  vergangenen  Jahre  C.  Sander  in  den  Dienst 
einer  Plantagengesellschatt,  C.  Hoffmann  in  den  der  Plantagengesellschaft 
Wiese  und  Wilkens  in  Usambara,  W.  Goetze  trat  im  Auftrage  der  Wentzel- 
I  leckmann -Stiftung  eine  Reise  nach  Ostafrika  an  mit  der  speziellen  Aufgabe, 
die  botanischen  und  kulturellen  Verhältnisse  von  ["liehe  und  dem  Gebirgslande 
im  Norden  des  Nyassa-Sees  zu  erforschen.  Ferner  wurde  der  Gärtner  Scholz, 
welcher  einige  Jahre  im  botanischen  Garten  in  Viktoria  (Kamerun)  thätig  ge- 
wesen war  und  nach  seiner  Rückkehr  im  hiesigen  botanischen  Garten  wieder 
beschäftigt  wurde,  von  Herrn  Baumeister  Gurt  Hoffmann  in  Useguha  zur 
Leitung  seines  Plantagenbetriebes  engagiert.  Die  vier  letztgenannten,  ebenso 
die  Herren  Dr.  Kandt,  Dr.  IL  Meyer,  Dr.  Preuss,  Lehmbach,  Zenker, 
Stolz.  Dinklage,  Conrau  und  Frau  Dr.  Kummer  wurden  mit  botanischen 
Ausrüstungsgegenständen,  wie  Pflanzenpressen  und  Papier.  Pappdeckeln.  Samen- 
kapseln, Gläsern  etc.,  versehen. 

Die  Sammlung  tropischer  Nutzpflanzen  des  botanischen  Gartens,  die 
parallel  mit  den  Vorträgen  während  der  Sommermonate  in  einem  besonderen 
Schauhause  zu  einer  Ausstellung  vereint  wurden,  wurde  an  beiden  dafür  be- 
stimmten Wochentagen  stets  reichlich  besucht  und  hat  sicher  zu  ihrem 
Teil  mit  dazu  beigetragen,  die  Aufmerksamkeit  des  Publikums  auf  die  Be- 
deutung kolonialer  Produkte  in  erhöhtem  Masse  zu  lenken.  Von  denjenigen 
Nutzpflanzen,  welche  in  grosser  Zahl  vermehrt  worden  sind,  wurden  auch  an 
andere  botanische  Gärten  Deutschlands  Exemplare  abgegeben,  damit  auch  an 
diesen  Stellen  das  Interesse  für  jene  Pflanzen  gefördert  wird. 

Zum  Schluss  sei  der  Erfüllung  der  Aufgabe  gedacht,  die  sich  die  bo- 
tanische Centralstelle  seit  ihrem  Bestehen  inbezug  auf  Erteilung  von  Auskünften 
und  Ratschlägen  aller  Art  und  auf  Einholung  von  Gutachten  über  den  Handels- 
wert  gewisser  Produkte  der  Kolonien  gestellt  hat.  Aus  diesem  Zweige  ihrer 
Thätigkeit  sei  für  das  verflossene  Jahr  folgendes  hervorgehoben:  Untersuchung 
und  Bewertung  ostafrikanischer  Mangroverinden,  ostafrikanischen  Gummis,  des 
'  >ls  der  Telfairia  pedata,  des  in  Togo  verwendeten  Indigos,  Auskunft  über  die 
Möglichkeit  der  Anpflanzung  des  Mangabeira-Kautschukbaums  in  Ostafrika, 
über  Mohrs  Pflanzen-  und  Tierschutzmittel,  über  Vorschläge  zu  Anforstungen 
in  den  Schutzgebieten,  über  das  Tabakdüngemittel  Martellin,  über  in  den 
Tropen  brauchbare  Pfianzen-Etiquetten,  über  Bedingungen  und  Aussichten  einer 
Ramie-Kultur  in  Ostafrika,  über  Strophanthus  als  Medizinalpflanze,  über  die 
Einführung  der  Pistazie  in  Südwestafrika  und  über  den  Wert  des  Kiekxia- 
Kautschuks.  Eine  grössere  Anzahl  von  Holzproben  aus  Ost-  und  Westafrika 
wurde  zu  einer  technischen  Prüfung  an  die  Firmen  C.  R.  Meyer  und  Verband 
vereinigten  Tischlermeister  Berlins  übergeben;  ein  Gutachten  über  sie  steht 
aber  noch  aus. 

Nicht  unerwähnt  darf  bleiben,  dass  die  Wirksamkeit  der  botanischen 
Zentralstelle  erheblich  dadurch  gewonnen  hat.  dass  Prof.  Dr.  Volkens  als 
Kustos  am  botanischen  Museum  angestellt  wurde  und  nunmehr  den  grössten 
Teil    seiner  Thätigkeit    den  kolonialen  Angelegenheit    ganz    besonders  widmet. 


_L74_ 


Ein  Weizenschiff  aus   Palästina. 


Ein  Weizenschilf  aus  Palästina. 

Hierzu  Abb.  44.) 
L=<ei  Gelegenheit  der  offiziellen  Festfahrt    zur  Einweihung    der  Erlöserkirche 

in  Jerusalem  wurde  am  6.  November  1898  die  in  erfreulichem  Aufblühen 
begriffene  deutsche  (württembergische)  Kolonie  Haifa  am  Vorgebirge  Karmel 
besucht.  Die  Ankunft  so  zahlreicher  deutscher  Gäste  erregte  überall  die 
grösste  Freude,  und  in  liebenswürdigster  Weise  wurde  Gelegenheit  gegeben, 
die  wirtschaftlichen  Eigentümlichkeiten  der  Kolonie  kennen  zu  lernen. 

Die  massiv  und  solide  aufgeführten  Gebäude,  mit  roten  Ziegeln  gedeckt, 
wie  in  Deutschland,  machten  überall  einen  sehr  vorteilhaften  Eindruck. 

Der  Unterzeichnete  nahm  Veranlassung,  den  grössten  Grundbesitzer  der 
Kolonie,  zugleich  Kaufmann.   Herrn   Abraham  Duck,    zu  besuchen  und  seine 


Abb.  44.     Ein  Weizenschiff  aus  Palästina. 
Von  Abraham  Duck  in  Haifa. 


Haus-  und  Hofvvirtschaft  sowie  den  schön  und  sauber  gehaltenen  grossen 
Garten  desselben  zu  besichtigen. 

Der  Grundbesitz  des  Herrn  Duck  umfasst  100  württembergische  Morgen 
(31,5  ha).  Es  werden  gehalten  9  Pferde  und  17  Stück  Rindvieh,  dagegen  gar 
keine  Schafe  und  Schweine.  Es  werden  gebaut  Weizen,  Gerste  und  Hafer  als 
Winterfrucht  nach  Brache;  als  Sommerfrucht  dagegen  Durra  oder  Dari 
(Andropogon  Sorghum  oder  Sorghum  vulgare)  u.  a.  Bestellt  wird  ganz  anders  wie 
bei  den  Eingeborenen,  mit  württembergischen,  z.  T.  zweischarigen  Pflügen 
aus  Zuffenhausen  und  Ulm.  Geerntet  wird  mit  Mähemaschine  und  Dresch- 
maschine. 

Der  württembergische  Morgen  ward  vor  ca.  30  Jahren  mit  200  bis 
300  Francs  bezahlt,  derselbe  kostet  jetzt  800  bis  1000  Francs.  Während  man 
früher  mehr  Orangen  und  Flachs  baute,  ist  man  jetzt  mehr  zum  Weinbau  über- 


Das  Schneeglöckchen,  Galanthus.  [hl 

gegangen  und  der  Wein  kann  zu  einem  sehr  billigen  Preise  abgegeben  werden. 
Es  ist  ein  feuriger,  kräftiger  Wein,  welcher  wie  der  von  der  deutschen  Kolonie 
Rephaim  zu  Jerusalem  sich  wahrscheinlich  bald  mehr  in  Deutschland  ein- 
führen wird.*) 

Von  besonderem  Interesse  waren  zwei  eiserne  Göpel  zur  Wasserhebuni; 
für  den  1  ha  grossen  Garten,  welcher,  unterstützt  durch  reichliche  Bewässerung, 
sich  in  üppigster  subtropischer  Vegetation  präsentierte,  von  der  nur  auf  Bananen, 
Myrten,  grossfrüchtige  Orangen,  einzelne  Palmen  aufmerksam  gemacht  sein  mag. 

Der  Besitzer  hatte  die  Güte,  mich  mit  verschiedenen  Produkten  seines 
Ackerbaues,  insbesondere  mit  dem  vorstehend  abgebildeten,  von  arabischer 
Hand  mit  Geschick  geflochtenen  »Weizenschiff*  zu  beschenken.  Die  auf- 
rechten, lang  und  schwarz  begrannten  Ähren  des  dort  gebauten  harten  Weizens 
(Triticum  durum)  bedeuten  hier  also  einen  Mastenwald,  die  Schiffsschnäbel 
sind  ebenfalls  von  Ähren  dargestellt.  Das  Ganze  hat  ein  höchst  gefälliges 
Aussehen  und  wird  deshalb  hier  zu  allgemeiner  Kenntnis  gebracht.  Die  Länge 
des  »Weizenschiffs«  ist  0,53  m,  die  Höhe  0,33  m. 

Herrn  Abraham  Duck  verfehle  ich  nicht,  auch  an  dieser  Stelle  für 
die  liebenswürdige  Aufnahme  und  diese  Schenkung  den  verbindlichsten  Dank 
auszusprechen  und  die  besten  Wünsche  für  das  Wohlergehen  der  dortigen 
Landsleute  und  das  Gedeihen  der  Kolonie  hinzuzufügen. 

Berlin.   25,  März   1899.  Prof.  Dr.  A.  Orth. 


S" 


Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 

Blätter  zu  ihrer  Geschichte  von  Carl  Hansen,  Kopenhagen. 
as  Schneeglöckchen,  Galanthus  nivalis,  welches  im  16.  Jahrhundert, 
^^^f  vielleicht  früher,  aus  seiner  Heimat,  Mittel-  und  Süd-Europa  und 
West- Asien,  nach  Nord-Europa  gebracht  wurde  und  jetzt  selbst  im  nördlichsten 
Norwegen  kultiviert  wird,  vielfach  auch  in  Parks  oder  Wäldern  verwildert  ist, 
erregt  überall  bei  seinem  Erscheinen  grosse  Freude.  Mit  Recht  heisst  es  von 
ihm,  dass  es  in  schweren  Zeiten  sich  zeigt,  wenn  Freunde  und  Freuden  selten 
sind.  Wenig  sind  der  anderen  Blumen  zur  Zeit,  wenn  das  Schneeglöckchen  blüht, 
aber  es  ist  regelmässig  da,  ob  auch  der  Winter  noch  so  hart  ist.  LJnd  dann 
bleibt  es  treu,  wenn  es  einmal  vorhanden  ist.  Linnee  liebte  dies  niedliche 
Zwiebelgewächs  und  baute  es  an  in  seinem  interessanten  Garten  zu  Hammarby 
bei  Upsala.  Die  meisten  der  seltenen  Pflanzen,  welche  zur  Zeit  dieses  Blumen- 
königs dort  florierten,  sind  verschwunden,  aber  das  Schneeglöckchen  rühmt 
und  lobt  noch  heut  den  grossen  Meister.  In  Dänemark  heisst  die  Pflanze  am 
häufigsten  „Vintergjaek",  das  bedeutet  Gecker  oder  Necker  des  Winters,  und 
sehr  viel  wird  die  Blume  zwischen  jugendlichen  Korrespondenten  ausgewechselt, 
welche  sich  einen  Spass  machen,  sich  gegenseitig  gecken  oder  necken  wollen 
und  dabei  ein  wenig  die  poetische  Ader  fliessen  lassen.  Es  gibt  in  der  skandi- 
navischen Literatur  viele  Gedichte  dieser  Art  und  besondere  kleine  Bücher  mit 
derartigen    Reimereien.     In    England    nennt    man    die    Schneeglöckchen    u.  a. 

*)  Der  Weinbergbesitzer  Johannes  Pross  zu  Haifa  liefert    1   Liter  Wein   frei  Berlin  zu 
85  Pfennig. 


I>yg  Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 

,,candlemas  bells".  Lichtmessglocken,  weil  sie  gewöhnlich  am  2.  Februar  da 
sind,  auch  heissen  sie  ,.Fair-maids"  (schöne  Mädchen)  und  „purification-flowers" 
(Reinheitsblumen)  als  ein  Bild  der  Schönheit  und  Reinheit.  In  Wales  ist  die 
Blume  besonders  hoch  in  Gunst  und  heisst  dorten  ,,clock-maben",  was  Kinder- 
glocke bedeuten  soll.  Ein  gewöhnlicher  englischer  Name  ist  .,fair  maids  of 
February"  und  dieser  Name  hat  seinen  Ursprung  in  alten  Ceremonien.  Früher 
war  es  häufiger  als  jetzt,  dass  eine  Legende  oder  eine  gewisse  Blume  an  die 
damals  so  zahlreichen  kirchlichen  Feiertage  geknüpft  wurde.  Es  wurde  ge- 
sagt, dass  das  Schneeglöckchen  sich  gezeigt  hätte  an  jenem  Tage,  als  Maria 
zum  ersten  Male  das  Christkind  mit  zum  Tempel  in  Jerusalem  führte;  am 
Jahrestage  dieses  Ereignisses,  am  2.  Februar,  wurde  desshalb  ihr  Bild  in  der 
Kirche  mit  diesen  weissen  Blumen  geschmückt  und  ,,fair  maids".  junge 
Mädchen,  trugen  in  Prozession  Kränze  von  Schneeglöckchen  zur  Kirche  hin. 
In  der  Schweiz  heisst  die  Blume  „Schneetröpli"  oder  „Schneeglöckli",  aber 
auch  ,,Amselblümli".  weil  die  Blume  blüht,  wenn  die  Amsel  zu  singen, 
beginnt.  In  vielen  Gegenden  Deutschlands  und  Österreichs  hat  die  Pflanze 
eine  Reihe  sehr  bezeichnender  Namen  wie  „Schneeflocken",  ,, Schneeblümchen", 
..Jungfer  im  Hemd"  u.  s.  w.  u.  s.  w.  und  wird  als  ein  Symbol  jugendlicher 
Liebe  und  Reinheit  aufgefasst. 

In  einer  Legende  wird  der  Ursprung  der  Pflanze  folgendermassen  erzählt: 
Eva  sass  auf  der  wüsten  kalten  Erde  und  weinte  bei  dem  Gedanken  an  alle 
die  schönen  Blumen  des  Paradieses.  Da  nahte  sich  ein  Engel  aus  dem  Para- 
dies, um  sie  zu  trösten.  Seit  dem  Sündenfall  hatte  keine  Blume  sich  vor  Eva 
entfaltet,  dagegen  fiel  der  Schnee  unaufhörlich.  Der  Engel  wollte  nun  be- 
weisen, dass  es  wieder  einmal  Sommer  werde,  er  athmete  auf  eine  Schnee- 
flocke und  diese  fiel  zur  Erde  als  eine  niedliche  kleine  Blume.  Auch  wo 
seine  Flügel  die  Erde  berührt  hatten,  wuchsen  die  schönen  weissen  Blumen 
hervor.  Dass  die  Blume  durch  den  Schnee  emporschiesst,  ist  wohl  bekannt, 
und  hierauf  wird  hingedeutet  in  mehreren  Namen,  wie  zum  Beispiel  in  dem 
französischen  ,,perce  neige". 

Fast  überall  ist  die  Blume  beliebt,  aber  in  Devonshire,  im  südlichen 
England,  wird  sie  gefürchtet.  Dort  meint  man,  die  Blume  gleiche  einem 
weissgekleideten  Leichnam,  und  man  liebt  nicht,  dass  eine  Blüte  des 
Schneeglöckchens  einem  ins  Haus  geschickt  wird.  An  anderen  Orten  Englands 
wird,  wie  in  Dänemark,  mit  der  Blume  viel  Scherz  getrieben  und  besonders 
am  Valentinstage,  den  14.  Pebruar.  Dann  sagen  jugendliche  Seelen  einander 
per  Brief  oft  die  grössten,  wenn  auch  nicht  immer  die  angenehmsten  Wahr- 
heiten und  die  Blume  spielt  hierbei  eine  Rolle.  Die  Gedichte,  welche  hierbei 
folgen,  gleichen  in  mehreren  Beziehungen  den  in  Dänemark  gebräuchlichen 
Geck-  oder  Neckbriefen.  Aber  die  Poesie  dieser  ..Valentines"  steht  nicht 
immer  so  hoch  wie  die  schönen  Strophen  zur  Ehre  der  Blumen,  welche 
u.  a.  bei  Tennyson,  Burns  und  mehreren  englichen  Dichtern  zu  finden  sind. 

Ausser  der  Maria  ist  die  Blume  im  Laufe  der  Zeiten  allen  Jungfrauen 
gewidmet  worden  und  namentlich  solchen,  welche  den  Schleier  nahmen. 
Mehrere  Schriftsteller  suchen  den  Grund  hierfür  darin,  das  die  Pflanze  sich 
so  oft  in  Klostergärten  findet,  und  die  kleine,  nonnenartige  Blume  mit  herab- 
hängendem Kopf  sollte  eine  Übereinstimmung  zeigen  mit  dem  einförmigen 
traurigen  Leben,  welches  die  Bewohner  der  Klöster  tühren. 


Das  Schneeglöckchen,  Galanthus.  \nn 


Man  hat  in  früheren  Zeiten  selten  von  anderen  als  weissen  Schneeglöckchen 
reden  gehört.  Mine  Legende  erzählt,  warum  sie  weiss  seien.  Als  in  den 
Tagen,  wo  die  Welt  geschaffen  wurde,  alles  Farbe  erhalten  hatte,  der  Himmel 
Blau,  die  Wolken  Grau,  die  Erde  Braun  und  die  Blumen  alle  möglichen  Farben, 
da  nahte  der  Schnee  sich  dem  Schöpfer  und  fragte  ihn.  ob  für  ihn  gar  keine 
Farbe  übrig  geblieben  sei.  Der  Schöpfer  gebot  dem  Schnee,  sich  an  die  reich 
gefärbten  Blumen  zu  wenden  und  sich  dort  eine  Farbe  auszusuchen.  Der  Anfang 
wurde  bei  der  Rose  gemacht,  aber  diese  wollte  von  ihrer  schönen  roten  Farbe 
nichts  abgeben.  Der  Schnee  zog  sich  trauererfüllt  zurück,  da  hörte  er.  wie 
die  kleine  Galanthus-  oder  Milchblume  ganz  leise  flüsterte,  wenn  ihre  Farbe 
ihm  nützlich  sein  könnte,  so  würde  sie  ihm  gern  damit  helfen.  Seit  jenen 
Zeiten  besteht  ein  inniges  Verhältnis  zwischen  dem  Schnee  und  dem  Schnee- 
glöckchen. Der  Schnee  deckt  und  wärmt  die  Freie  rings  um  die  Ptlanze  und 
giebt  dem  niedlichen  Blümchen  Feuchtigkeit  und  Kraft,  emporzuschiessen. 
Es  ist  auch  in  Ländern,  wo  der  Schnee  häutig  vorkommt,  Glaube  oder  fast 
Aberglaube  geworden,  dass  die  Blume  sich  nicht  recht  wohl  befindet,  ehe  ihr 
Freund,  der  Schnee,  sie  umarmt  hat. 

An  einigen  Orten  wird  die  Blume  als  eine  Art  Wetterprophet  angesehen, 
und  sagt  man,  dass  der  Sommer  kurz  werde,  falls  die  Blumen  schnell  welken. 

Die  Blume  entfaltet  sich  in  den  verschiedenen  Jahren  zu  sehr  ver- 
schiedener Zeit,  je  nachdem  das  Wetter  ist,  und  in  der  Regel  dauert  die  Blüte 
viele  Tage,  ja  Wochen.  Es  ist  dies  notwendig,  damit  das  Blühen  ein  Resultat 
geben  könne,  denn  es  müssen  Insekten  bei  der  Befruchtung  thätig  sein. 
So  früh  sind  aber  wenig  Insekten  da,  die  Bienen  ziehen  noch  nicht  gern  aus 
und  es  scheint  eine  kleine  Fliege  zu  sein,  welche  das  Schneeglöcken  besucht, 
teils  um  in  der  Blume  Schutz  zu  suchen,  teils  auch  um  Blütenstaub  zu  finden. 
Nun  ist  aber  die  Blume  so  gestaltet,  dass  das  kleine  Tierchen  bei  seinem 
Besuch  die  kleine  Glocke  so  zu  sagen  zum  Klingen  bringt.  Aber  wegen  der 
seltenen  Besuche  muss  die  Blume  sich  lange  halten  --  zu  der  Freude  ihrer 
vielen  Gönner. 

Man  kann  sagen,  dass  mit  wenigen  Blumen  so  viele,  leider  aber  miss- 
lungene  Versuche  gemacht  seien,  sie  durch  Treibcultur  zum  früheren  Blühen 
zubringen  alsmitdemgemeinenSchneeglöckchen.  IndieserBeziehungistGalanthus 
nivalis  auch  von  vielen  anderen  Zwiebelgewächsen  sehr  verschieden.  Vielen 
Gärtnern  und  Amateuren  war  darangelegen,  Schneeglöckchen  zu  Weihnachten 
hervorzutreiben.  Es  zeigte  sich  auch  bei  angewandter  künstlicher  Wärme 
etwas  beschleunigter  Wuchs;  aber  die  Blüten  waren  nie  normal  und  ver- 
verwelkten bald,  oft  eben,  wenn  die  Blüten  sich  öffneten. 

Man  versuchte,  in  grösseren  Beständen  von  Schneeglöckchen  einige  Pflanzen 
herauszusuchen,  welche  sich  etwas  besser  wie  andere  zur  Treibkultur  zu  eignen 
schienen,  aber  sehr  viel  war  dadurch  nicht  erreicht. 

Die  europäischen  Schneeglöckchen  sind  in  dieser  Beziehung  etwas  zähe 
und  so  zu  sagen  widerspenstig,  mit  Ausnahme  einiger  Formen,  welche  in 
Griechenland  wild  wachsen.  Diese  kommen  öfter  früher  in  Blüte,  und  zwar 
schon  zu  Ende  des  Jahres. 

Von  den  westasiatischen  Arten  sind  mehrere  noch  williger  in  solchem 
frühen  Blühen  und  florieren  überhaupt  mehr  oder  minder  leicht  zu  verschiedenen 
Perioden  der  letzten  Hälfte  des  Jahres.      Dies   ist  namentlich   der  Fall   mit  der 


1^8  Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 


in  den  letzten  Jahren  eingeführten,  beschriebenen  und  abgebildeten  schönen 
Galanthus  cilicicus  Baker  aus  Cilicien.*)  Mit  dieser  Art  machte  ich  im  ver- 
gangenen Sommer  Versuche  und  legte  einfach  Zwiebeln  teils  in  Blumentöpfe 
in  der  Stube,  teils  auch  in  einen  Blumenkasten  ausserhalb  eines  Erkers,  also 
so  zu  sagen  im  Freien.  Zwiebeln  im  August  gelegt  blühten  schon  einen  Monat 
später.  Es  sah  ganz  wunderbar  aus,  in  sommerlicher  Umgebung  eine  so- 
genannte Winterblume  in  Blüte  zu  sehen.  Seite  an  Seite  mit  den  Schnee- 
glöckchenblühten nämlich  Pelargonien,  Tropaeolum.  Levkojen,  Nyctaginen,  Helio- 
trop, Petunien.    Verbenen    und    dergleichen  Sommer-Florblumen. 

Wie  weit  nun  die  Galanthus  cilicicus  sich  zur  Kultur  in  Gärten  eignen 
werden,  kann  wohl  kaum  schon  ausgemacht  sein,  weil  die  Art  noch  so  neu 
und  unbekannt  ist.  Vielleicht  ist  sie  nicht  so  ausdauernd,  so  winterhart  und 
so  genügend  willig  blühend  in  jedem  Jahre,  wie  der  alte  Galanthus  nivalis, 
aber  jedenfalls  können  wir  an  der  neuen  Art  viel  Vergnügen  haben,  und  viel- 
leicht lässt  sie  sich  akklimatisieren.  Diejenigen  Galanthus,  welche  zu  Weihnachten 
blühen,  sind  immerhin  von  grösstem  Interesse  für  die  Blumengärtner.  Es  sollen 
nun  hier  einige  Formen  erwähnt  werden,  welche  früher  heranwachsen  und  ihre 
Blüten  ausbilden  als  der  alte  Galanthus  nivalis. 

Galanthus  Olgae  Orph.  wurde  gefunden  auf  dem  Berge  Taygetus  vom 
griechischen  Professor  Orphanides,  welcher  sie  nach  der  Königin  Olga  von 
Griechenland  benannte,  weshalb  die  Pflanze  in  den  Gärten  auch  oft  Galanthus 
Reginae  Olgae  heisst.  Sie  ist  noch  heutzutage  ziemlich  selten  und  teuer.  Die 
Blume  ist  ganz  weiss  ohne  die  grünen  Flecken  von  G.  nivalis. 

Galanthus  Rachelae  wurde  1884  auf  dem  Berge  Hymettus  vom  Professor 
Mahaffy  gefunden.  Diese  Art  wird  gewöhnlich  als  eine  frühblühende  Varietät 
von  G.  nivalis  angesehen,  welcher  sie  auch  in  Beziehung  auf  Wuchs  sehr  ähn- 
lich ist,  aber  die  Blätter  sind  schmäler  und  entwickeln  sich  erst,  wenn  die 
Blüten  da  sind.     Sie  kann  schon  zu  Oktober  blühen. 

Galanthus  octobrensis  hört,  gleicht  der  eben  genannten  sehr.  Er  stammt 
aus  Albanien  und  kann  schon  im  Oktober  blühen. 

Galanthus  corcyrensis  wurde  auf  Corfu  gefunden.  Blüht  mitunter 
schon  im  Dezember  und  Januar  und  wird  gewöhnlich  als  eine  Varietät  des 
Galanthus  nivalis  betrachtet,  aber  er  ist  im  ganzen  etwas  kleiner  und 
weniger  hart.  In  der  seltenen  Pflanzensammlung  des  Herrn  Max  Leichtlin 
zu  Baden-Baden  befinden  sich  mehrere  Formen,  welche  etwas  früher  blühen. 
im  Dezember  oder  noch  früher. 

Galanthus  praecox   ist   mitunter  ein    Gartenname  für  G.  corcyrensis. 

Galanthus  Elsae  ist  ebenfalls  eine  frühblühende  Form  von  Galanthus 
nivalis.  Er  stammt  aus  dem  Athos-Gebirge  in  Griechenland,  von  wo  er  vor 
etwa  zehn  Jahren  nach  Nord-Europa  eingeführt  wurde.  Er  blüht  im  Dezember, 
bisweilen  auch  noch  etwas  früher.  Die  Blumen  sind  klein,  aber  von  sehr 
schöner  Form. 

Diese  vorgenannten  frühblühenden  Schneeglöckchen  sind  einige  der 
bekanntesten  dieser  Rasse;  es  könnten  noch  andere  erwähnt  werden,  welche 
aus  einfachen  und  gefüllt  blühenden  Schneeglöckchen  ausgesucht  wurden. 


*)  Ist   neuerdings    bekanntlich    von  Walter    Siehe    in    Mersina   wieder    eingeführt    und 
hat  überall,  weil  sie  sich  treiben  lässt,  sehr  gefallen. 


Das  Schneeglöckchen,   (hilanthus.  |  -, , 


Die  ganz  gewöhnliche  Meinung,  dass  ein  Schneeglöckchen  weiss  wie 
Schnee  sein  müsse,  hält  nicht  mehr  Stand,  weil  man  nun  auch  Schneeglöckchen 
in  mehreren  Farben  hat.  In  England  baut  man  ein  paar  Varietäten  von  ent- 
schieden gelber  Farbe,  welche,  wie  es  scheint,  sehr  beliebt  sind.  Vor  etwas 
mehr  als  zwanzig  Jahren  wurde  in  Xorthumberland  in  einem  alten  Garten  der 
erste  gelbe  Galanthus  gefunden,  und  zwar  in  einem  grossen  Bestände  von  lauter 
weissen  Galanthus  nivalis.  Er  ist  sehr  schön  und  hat  den  Xamen  Galanthus 
lutescens  bekommen.  Eine  andere  gelbe  Form  wurde  vor  einigen  Jahren  eben- 
falls in  Xorthumberland  gefunden.  Sie  ist  etwas  grösser  als  der  soeben  genannte 
und  wächst  etwas  kräftiger  heran,  weshalb  sie  auch  etwas  leichter  vermehrt 
werden  kann.     Sie  erhielt  den  Xamen  Galanthus  flavescens. 

Galanthus  pallidus  Smith  ist  eine  blassgelbe  etwas  grüngezeichnte 
Form  von  G.  nivalis.     Er  blüht  etwas  früher. 

Es  soll  auch  rotblühende  Schneeglöckchen  geben,  sagt  Max  Leichtlin 
in  Baden-Baden,  und  ein  bekannter  englischer  Schriftsteller,  A.  D.  Webster,  be- 
richtet, er  habe  ein  rotes  Schneeglöckchen  in  Llandegai  nahe  den  Penrhyn- 
Castle-Wäldern   in  Wales  gefunden. 

Rotblühende  Schneeglöckchen  sind  auch  mitunter  durch  Kunst  hergestellt 
worden,  um  den  einen  oder  anderen  Amateur  oder  Redakteur  zu  mystifizieren. 
Dies  war  der  Fall  im  Jahre  1887,  als  von  mehreren  Seiten  rote  Schnee- 
glöckchen an  eine  englische  Gartenzeitung  gesandt  wurden.  Es  stellte  sich 
heraus,  dass  Judsons  Magentalarbe  oder  Cochenille  hier  Verwendung  ge- 
funden hatte. 

Rote  Dinte  hat  nach  Versuchen,  welche  ich  gemacht  habe,  etwas  schneller 
gewirkt  als  verschiedene  andere  Lösungen.  Will  man  überhaupt  weisse  Blumen 
färben,   dann  ist  die  rote  Dinte,  etwas  verdünnt,  ein  erprobtes  Mittel. 

Es  giebt  auch  verschiedene  Formen  oder  Varietäten  von  grüngefärbten 
Schneeglöckchen  mit  Blüten,  welche  grüngeadert,  aber  gewöhnlich  doch  etwas 
weissgerändert  sind.  Eine  besondere  Type  hiervon  ist  die  Galanthus  virescens. 

Albino-Formen,  welche  noch  mehr  von  Grün  frei  sind  als  die  vorgenannte 
G.  Olgae  sind  oft  gefunden  worden.  Eine  solche  ist  der  schöne  Galanthus 
pauliformis  Hort.,  welche  von  D.  Melville  um  Dunrobin  -  Castle  in  Gross: 
britannien  herangezogen  ist. 

Eine  beinahe  reinweisse  Art  ist  der  schöne  Galanthus  latifolius 
Ruprecht.  Er  wächst  wild  im  Kaukasus  in  einer  Höhe  von  6000  bis  8000  Fuss. 
Er  ist  sehr  kenntlich  an  den  glänzend  grünen,  sehr  auffallend  breiten  Blättern 
und  den  kleinen  weissen  Blüten.  In  Gärten  wird  er  mitunter  G.  Redoutei 
benannt. 

Galanthus  latifolius  major  ist  eine  neuere  Varietät,  welche  grössere 
Blumen   hat. 

Einige  Schneeglöckchen  blühen  später  als  der  gewöhnliche  G.  nivalis 
und  seine  gefüllten  Varietäten;  dies  ist  der  Fall  bei  folgenden  interessanten 
und   schönen   Arten: 

Galanthus  Elwesii.Hook.  Dieser  wurde  schon  1854  von  Balansa  ent- 
deckt, aber  erst  1^74  zum  erstenmale  eingeführt  durch  II.  J.  Elwes  Esq.  den 
bekannten  Verfasser  eines  grossen  Werkes  über  Lilien.  Diese  Art  hat  ihre 
Heimat  in  der  Umgebung  von  Smyrna  und  ans  dieser  sind  schon  verschiedene 
sehr  schöne  Varietäten   entstanden. 


jgo  Dahlie  „Königin  der  Weissen"  (Cactus-Hybride). 

Galanthus  praecox  Orph.  gleicht  zum  Teil  der  letztbesprochenen.  Er 
stammt  von  der  Insel  Chios,  wo  er  auf  dem  Gebirge  Pellinos  in  einer  Höhe 
von  3000  bis  4000  Fuss  gefunden  worden  ist. 

Galanthus  Fosteri  Baker  aus  Amasia  in  Klein-Asien  ist  eine  sehr 
variable  Pflanze,  welche  von  einigen  Pllanzenkennern  für  eine  Hybride  zwischen 
G.  latifolius  und  G.  Elw.esii  angesehen  wird.  Er  wurde  Ende  der  achtziger 
Jahre  nach  Nord-Europa  gebracht. 

Max  Leichtlin  schätzt  G.  Forsten  hoch  und  betrachtet  diesen  als  den  König 
der  Schneeglöckchen. 

Galanthus  plicatus  Bieb.  hat  seine  Heimat  in  der  Krim  und  in 
Kaukasien  und  ist.  selbst  wenn  er  nicht  blüht,  leicht  erkennbar  an  seinen 
fusslangen  gefalteten  Blättern. 

Schneeglöckchen  mit  mehreren  Blüten  am  Stiele  sind  mitunter,  wenn 
auch  nicht  oft,  gefunden.  Galanthus  Cathcartiae  ist  ein  solches  Zwillings- 
Schneeglöckchen,  welches  in  Schottland  zwischen  gewöhnlichen  G.  nivalis 
gefunden  worden  ist. 

Galanthus  Sharlocki  Gaspari  ist  eine  sehr  charakteristische  Varietät 
von  G.  nivalis,  welche  sehr  oft.  ja  sozusagen  immer,  mit  gespaltener  Spalte 
auftritt.  Sie  wurde  in  verwildertem  Zustande  in  Westpreussen  gefunden  und 
ist  für  Kenner  von  hohem  Interesse.  (Fortsetzung  folgt.) 


Dahlie  „Königin  der  Weissen"  (Cactus-Hybride). 

Neuheit  für  1899. 

Züchter  R.  .1  a  h  n  k  e   in  Pankow  b.  Berlin. 

...     }  _  (Hierzu  Abb.  45). 

'jlNlM  ebenstehend  abgebildete,  von  mir  aus  Samen  erzogene  und  bereits  drei 
.^1  (/  Jahre  erprobte  Xeuheit  ist  als  eine  verbesserte  ..Kaiserin  Auguste 
Viktoria''  zu  betrachten,  von  der  sie  übrigens  nicht  gefallen  ist.  Die  Pflanze 
ist,  im  Gegensatze  zur  Kaiserin  Augusta,  hellgrün  belaubt  und  hat  wenig  ge- 
zähnte Blätter,  sie  baut  sich  gut,  wird  ca.  1  m  hoch  und  ist  ein  dankbarer 
Frühblüher,  da  Ende  Mai,  Anfang  Juni  schon  die  ersten  Blumen  zum  Vor- 
schein kommen.  Auch  als  Topfpflanze  ist  sie  nicht  hoch  genug  zu  schätzen. 
Die  Blumen  sind  blendend  rein  weiss,  und  trägt  diese  Dahlie  daher  mit 
Recht  den  Xamen  „Königin  der  Weissen";  keine  der  anderen,  die  als  rein 
weiss  bezeichnet  werden,  kann  mit  ihr  verglichen  werden,  denn  es  zeigen 
alle  anderen  mehr  oder  weniger  einen  gelblichen  oder  grünlichen  Schein. 
Die  Blumen  werden  12  bis  14  cm  gross,  sind  von  langanhaltenderBlüten 
dauer,  und  tragen  sich  sehr  gut  auf  ausserordentlich  langen,  festen,  25  bis 
40  cm  langen  Stielen  über  dem  Laube,  so  dass  die  Pflanze  einen  imposanten 
Eindruck  macht.  Diese  Dahlie  ist  nicht  nur  als  Solitäpflanze  sehr  schön, 
sondern  auch  als  Schnittblume  allerersten  Ranges  zu  bezeichnen.  Es  brachten 
einzelne  Pflanzen  bis  500  Blumen,  denn  die  Knospen  erscheinen  bis  zu  drei 
Stück  in  einem  Blattwinkel,  wie  nebenstehende  Abbildung  eine  Blume  und 
zwei  Knospen  zeigt.  Kräftige  Landknollen  sowie  bewurzelte  Stecklinge  sind 
abzugeben. 


Dahlie  „Königin  der  Weissen"  (Cacius-Hybride). 


[81 


Abb.  45.     Neue  Dahlie   „Königin  der  Weissen" 
Von  R.  Jabnke.  Pankow  bei   Berlin. 


l82 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 


Der  Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  in  den  preussischen  Staaten 
würde  dieser  Dahlie  sicherlich  das  Wertzeugnis  erteilt  haben,  wenn  dieselbe 
nicht  schon  auf  einer  grösseren  Ausstellung  mit  einem  Preise  bedacht  worden 
wäre.  Bereits  prämiierte  Pflanzen  dürfen  aber  nicht  mehr  mit  einem  Wert- 
zeugnis gekrönt  werden. 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 

Von    L.    Wittmack. 
(Fortsetzung.) 
4.    Norfolk   (Virginien). 
Obwohl  auch  die  Staaten  Georgia,    Nord-    und  Süd-Carolina  Frühgemüse 
ziehen,    die    selbstverständlich    später    auf    den    Markt    kommen    als    die    aus 
Florida,  bietet  doch  ein  weit  grösseres  Interesse  die  Gemüsezucht  im  östlichen 
Virginien,    in  dem    dem    Meere    nahe    gelegenen  sogenannten  Tidewater-  (Flut- 
wasser-) Distrikt  bei  Norfolk.     Die  dort  befindlichen    Farmen,    gegen    1000  an 
der  Zahl,  sind  nach  Maurice    de    Vilmorin    wahre    Musteranlagen   und   man 
schätzt    den    Jahresertrag    auf    20    Millionen    Mark.     Nach    den    Berichten    der 
Handelskammer    von    Norfolk    (Vilmorin   1.  c.  p.  91)    betrug    der    Versand    im 
Jahre  1893  von  Frühgemüsen: 


Wert     1  735  200  Mark, 

»  710  400  » 

982  400  » 

6  000  000  » 

»  1 14  400  » 

»  41 7  600  » 

»  277  ooo  » 

»  485  600  » 

1  2S9  600  » 

3  785  600  » 


Kopfkohl     .     .     .  347  130  Fässer, 

Anderer  Kohl      .  177  707         » 

Spinat      ....  122  S29         » 

Kartoffeln    .     .     .  500  000         » 

Salat 8  174  Körbe, 

Melonen  ....  856  152         » 

Tomaten       ...  92  591  Kisten, 

Grüne  Bohnen     .  80  935         » 

Grüne  Erbsen      .  185  425  Körbe, 

Erdbeeren  ...  0  465  306  Kisten  ä   1  1, 
Bis  zu  den  ersten  Tagen  des  Juli   1893    war    der    Gesamtwert    schon    auf 

18886400  Mark  geschätzt,  dazu    werden    noch    einige    spätere    Sendungen    ge- 
kommen sein. 

Die  Gemüsefarmen  sind  fast  alle  weniger  als  zwei  englische  Meilen  vom 
Meer  gelegen,  und  da  dieses  dort  mit  zahlreichen  Armen  ins  Land  eindringt, 
kann  die  Hälfte  der  Farmen  direkt  auf  Schiffe  verladen,  die  übrigen  befördern 
mit  den  beiden  Eisenbahnen,  welche  Norfolk  berühren  und  diese  haben 
eigens  Zweiggeleise  in  die  Gemüsegegenden  gelegt. 

Der  Boden  ist  ein  fast  ebener  Alluvial-  (Schwemmland-)  Boden,  halb  thonig, 
mit  feinem  Sand  bedeckt.  Man  pflügt  ihn  mit  zwei  Pferden,  düngt  im  Herbst 
stark  mit  Guano  und  lässt  ihn  in  Ruhe  liegen,  bis  man  gegen  Februar  mit  der 
Saat  oder  Pflanzung  beginnt.  Man  hackt  mittels  einer  Pferdehacke  ein-  bis 
zweimal,  nimmt  aber  statt  der  Pferde  Maultiere,  weil  diese  kleinere  Hufe  haben 
und  geschickter  sind.  (In  den  Südstaaten,  z.  B.  New-Orleans,  werden  vielfach 
die  Strassenbahnen  auch  von  Maultieren  gezogen.)  Später  wird  mit  der  Hand 
gehackt. 


Der  Gemüsehau  in  den  Vereinigten  Staaten.  igo 


Der  Flächeninhalt  der  Gemüsefarmen  ist  im  Durchschnitt  30 — 40  ha,  doch 
giebt  es  auch  solche  bis  120  ha  und  darüber. 

Diese  Gemüsezucht  erfordert  natürlich  viele  Arbeiter  und  Arbeiterinnen; 
an  ihnen  fehlt  es  aber  nicht,  denn  die  Baumwollernte  und  die  Erdnussernte 
im  Herbst,  der  Austernfang  und  Versand  im  Winter  geben  während  der  übrigen 
Zeit  Beschättigung  und  so  hat  sich  denn  um  Norfolk  eine  Arbeiterbevölkerung 
von  40000  Seelen  ansässig  gemacht.  Die  meisten  Arbeiter  sind  Farbige,  die 
Männer  erhalten  2,80 — 3,60  M.  für  den  Tag,  die  Frauen  fast  ebenso  viel,  der 
weisse  Arbeiter  fängt  nicht  unter  4  M.  an,  erhält  im  zweiten  Jahre  die  Hälfte 
mehr  und  wird  nicht  selten  am  Gewinn  beteiligt.  Viele  tüchtige  junge  Leute 
werden  bald  Obergärtner,  und  wenn  sie  sich  ein  kleines  Kapital  erspart  haben, 
übernehmen  sie  oft  selber  eine  Farm. 

Bei  der  Gleichförmigkeit  des  Bodens  ist  es  ziemlich  gleichgiltig,  wo  man 
die  einzelnen  Gemüse  baut,  dagegen  sorgt  man  aber  um  so  mehr  für  eine  Frucht- 
folge zwischen  den  verschiedenen  Arten.     Die  Hauptgemüse  sind: 

Frühkartoffeln.  Ausschliesslich  Early  Rose.  Gepflanzt  im  Januar,  ge- 
erntet im  Mai  und  Juni.     Preis  pr.  Fass   12  M. 

Kopfkohl.  Wird  während  des  Winters  aus  den  Kästen  ins  Freie  ge- 
pflanzt.    Hauptsorten:  Express,  d'Etampes,  Early  Jersey,  Wakefield  etc. 

Grünkohl,  Kaie.  Wird  auch  Borecole  genannt.  Man  säet  ihn  im 
September  und  pflückt  im  Winter  und  Frühjahr  die  Blätter.  Eine  in  den  Samen- 
Verzeichnissen  oft  genannte  Sorte  ist  der  niedrige  Deutsche  Grünkohl,  ausser- 
dem werden  krauser  Mosbacher  und  niedriger  purpurroter  aufgeführt. 

Spargel.  Meist  wird  »holländischer«  gebaut  und  in  Bündeln  von  1  bis 
2  Pfund  verschickt.  Unter  ihm  zieht  man  oft  Erdbeeren.  Letztere  werden 
aber  nicht  immer  in  Rotation  mit  Gemüse  gebaut,  sondern  oft  als  eigene  Zucht 
von  anderen  Farmern.  Eine  Erdbeerplantage  bei  Plymouth,  West-Norfolk,  ist 
80  ha  gross. 

Tomaten  werden  unter  Glas  im  Winter  angezogen  und  auch  noch  einmal 
unter  Glas  verpflanzt. 

Erbsen  werden  wie  Salat,  grüne  Bohnen,  Tomaten  und  Erdbeeren  in 
Lattenkisten  versandt. 

Nachdem  alles  abgeerntet,  lässt  man  die  Felder  brach  liegen  und  sie 
bedecken  sich  dann  mit  crab-grass,  Digitaria  sanguinalis.  ein  auch  bei  uns  in 
Gemüsegärten  lästiges  Unkraut,  das  in  Amerika  in  den  Südstaaten  auch  in 
Mais-  und  Baumwollfeldern  auftritt,  oft  so  massenhaft,  dass,  wenn  man  es  zu 
Heu  machte,  sein  Ertrag  grösser  sein  würde  als  die  ganze  Ernte. *) 

Auch  in  Virginien  wird  dies  Gras  geerntet  oder  man  säet  Mais  auf  die 
Gemüsefelder;  derselbe  wird  noch  vollkommen  reif. 

Bei  der  grossen  Konkurrenz  bezahlen  sich  um  Norfolk  nicht  alle  Kulturen 
gut,  aber  alles  in  allem  gerechnet,  machen  die  tüchtigen  Farmer  doch  gute 
Geschäfte,  einer  gab  Vilmorin  8 — 10  %  im  Minimum  an. 

5.    Die  Gemüsezucht  in  den  Sommermonaten. 

Wenn  mit  Juni  die  grossen  Gemüseversendungen  aus  Norfolk  aufhören, 
beginnt  in  den  nördlicheren  Staaten,  Pennsylvanien,  New-York,  Massachusetts, 
aber  auch  in  Süd-Illinois  und  Südwest-Michigan,  die  grosse  Gemüseproduktion. 


*)    Prof..  Phares,    Mississippi,    zitiert    in  Vasey,    The  agricultural  grasses  of  the  U.S., 
Washington   1884,  S.  33. 


Spargel 2  636  ha, 

Runkelrüben        345     » 

Bohnen 1  084    » 

Sellerie  .     : 1  623    » 

Kohl 10421     » 

Gurken 348    » 


184  Der  Gemüsebau  in    den  Vereinigten  Staaten. 

Pennsylvanien  liefert  besonders  nach  Philadelphia,  der  Staat  New-York 
nach  der  Stadt  New-York,  Massachusetts  nach  Boston  und  New-York,  Süd- 
Illinois  nach  St.  Louis,  Südwest- Michigan  nach  Chicago,  Milwaukee  und 
Detroit. 

Fast  dieselbe  Gegend  am  Ostufer  des  Michigan-Sees,  die  so  schöne 
Pfirsiche  und  Wein  erzeugt/-1)  ist  auch  für  Gemüse  berühmt  und  der  Verkehr  zu 
Wasser  erleichtert  auch  hier  den  Transport.  Einzelne  Orte  eignen  sich  be- 
sonders für  die  Kultur  von  Sellerie,  so  Kalamazoo,  Jackson  und  Tecumseh. 
deren  Ertrag  aus  Sellerie  auf  mehrere  Millionen  angegeben  wird.  Ähnlich 
grosse  Selleriekulturen  sah  ich  in  Arlington  bei  Boston.  Man  zieht  in  Amerika 
fast  nur  Bleichsellerie,  der  bei  keiner  Mahlzeit  fehlen  darf.  In  Arlington  wird 
er  meist  zwischen  zwei  Reihen  Brettern  gebleicht,  die  der  Länge  nach  zwischen 
den  Reihen  dachförmig  hingelegt  werden.  Dies  erleichtert  die  Arbeit  sehr. 
doch  geschieht  das  Bleichen  auch  dort  mitunter  durch  Anhäufeln. 

In  Pennsylvanien  und  New-York  wurden  1890  folgende  Anbauflächen 
ermittelt  (nach  Vilmorin): 

Melonen   u.  Wassermelonen     5  826  ha. 

Erbsen 3  778     » 

Kartoffeln 944 

Bataten 1  864    » 

Spinat 1  304    » 

Tomaten 2  796    » 

Gesamtfläche  43  254  ha.  Die  Hauptsache  ist  der  Kohl,  wie  bei  uns;  auffallender- 
weise aber  nur  50  ha  Grünkohl,  der  doch  im  Winter  so  viel  aus  dem  Süden 
eingeführt  wird. 

Die  Kohlpflanzungen  sind  teilweise  so  grossartig  wie  auf  den  Rieselfeldern 
vieler  europäischer  Städte  oder  wie  in  jenen  Gegenden,  die  von  altersher  eine 
Sonderzucht  von  Kohl  betreiben.  Alle  Truckfarmer  aber  bearbeiten  das  Land 
zu  Kohl  fast  nur  mit  dem  Pfluge  und  behaupten,  dass  dadurch  und  durch  das 
nachfolgende  Eggen  der  Boden  besser  umgearbeitet  werde  als  mit  dem  Spaten. 
Sie  lassen  über  Winter  das  Land  in  rauher  Furche  liegen,  der  strenge  Frost 
wirkt  noch  weiter  zerkrümelnd  ein  und  tötet  zugleich  viele  Insekten.  Haupt- 
sorten sind  der  frühe  Jersey,  Wakefield  und  Hendersons  früher  Sommerkohl. 
Von  Beten,  Beta  vulgaris,  baut  man  natürlich  möglichst  dunkelrote  und 
recht  frühe,  so  die  Eclipse  mit  kleinem  Kopf,  die  extra  frühe  egyptische, 
welche  aber  im  Alter  holzig  wird,  Burpees  extra  early  u.  s.  w. 

Gurken  bilden,  wie  alles  saftige  Früchte  besitzende  Gemüse,  in  der  heissen 
Zeit  eine  willkommene  Speise  und  werden  viel  gebaut.  Hauptsorten:  White 
spine  (weisse,  dornige),  extra  early  white  spine,  eine  Neuheit,  und  Chicago 
white. 

Erbsen  werden  viel  in  den  Staaten  New-York  und  Pennsylvanien 
für  den  Markt  gebaut,  in  den  Neu-Englandstaaten  aber,  besonders  in  Maine,  für 
Konservenfabriken.  Noch  weiter  nördlich,  an  der  canadischen  Grenze  und  in 
Canada,  werden  Erbsen  besonders  zur  Saat  gezogen,  weil  sie  da  mehr  frei 
bleiben  vom  Erbsenkäfer,  Bruchus  pisi. 

In  den  mittleren  Staaten,  von  Ohio  im  Osten  bis  Nebraska  im  Westen 
werden  ausser  anderem  Gemüse  namentlich  Melonen  und  Sellerie  gebaut. 

*)  Siehe  Gartenflora   1898  S.   387. 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten.  |,X- 


Melonen,  sowohl  Wassermelonen  wie  eigentliche  Melonen,  sind  im 
heissen  Sommer  nächst  Tomaten  das  allerbeliebteste  Erfrischungsmittel.  Schon 
zum  Kaffee  morgens  erhält  man  in  den  besseren  Hotels  eine  halbe  kleine 
Moschus-Melone,  die  man  vor  dem  Kaffee  geniesst,  indem  man  sie  mit  einem  Thee- 
löffel  ausschält,  oder  man  erhält  aut  Wunsch  auch  ein  riesiges  Stück  von 
einer  Wassermelone.  In  den  Centralstaaten  wird  die  mit  Melonen  bebaute 
Fläche  auf  4SS4  ha  angegeben.  Streng  genommen  kann  man  nicht  nur  die 
mittleren  Staaten  als  Hauptgegenden  für  Melonen  nennen,  sie  werden  ebenso 
viel  in  Maryland,  in  Georgia  u.  s.  w.  gebaut.  Am  21.  Juli  war  auf  der  Aus- 
stellung schon  eine  reife  riesige  Wassermelone  von  1  m  Länge  ausgestellt. 
Berühmt  ist  auch  das  Muskatine  County  in  Iowa  wegen  seiner  Melonen.  End- 
lich darf  Californien  nicht  vergessen  werden,  wo  man  vielfach  in  den  ersten 
Jahren  zwischen  den   Reihen   junger  Obstbäume  Melonen  zieht. 

Die  Kultur  der  Melonen  erfordert  viel  Sorgfalt  und  einen  lockeren, 
frischen  Boden.  Bei  St.  Louis*)  pflügt  man  den  Boden  tief  und  eggt  tleissig, 
dann  bildet  man  Hügel,  welche  in  jeder  Richtung  4 — b  Fuss  von  einander  ent- 
fernt sind:  kleinere  Sorten,  wie  Xet  Gern  (eine  Xetzmelone),  brauchen  nur  4  Fuss; 
Wassermelonen  erhalten  mitunter  auf  sehr  reichem  Boden  8 — 10  Fuss  Ent- 
fernung. Man  düngt  entweder  das  ganze  Feld  vorher  reichlich  mit  Stalldung 
oder,  da  dieser  oft  knapp  ist,  nur  die  Hügel,  indem  man  für  400  Hügel  einen 
zweispännigen  Karren  verrotteten  Düngers  verwendet.  Dieser  wird  etwa  3  Zoll 
hoch  mit  loser  Erde  bedeckt.  In  Lrmangelung  von  Stalldünger,  der  immer  der 
beste  ist,  giebt  man  jedem  Haufen  einen  Esslöffel  voll  Guano  und  Phosphate. 
Wassermelonen  werden  5 — b  Kerne  auf  einen  Hügel  gelegt,  und  wenn  das 
dritte  Blatt  1—2  Zoll  breit  ist.  wird  alles  bis  auf  eine  Pflanze  auf  jedem  Hügel 
ausgebrochen;  bei  anderen  Melonen  (nutmegs)  nimmt  man  sogar  10 — 12  Kerne 
und  lässt  zwei  Pflanzen  stehen.  Eine  grosse  Plage  sind  die  Mäuse,  die  dem 
Melonensamen  sehr  nachstellen  und  empfiehlt  deshalb  W.  S.  Ross  einen  guten 
Rattenfänger  (muse-dog).  Auch  Insektenlarven  (striped  bogs)  thun  oft  grossen 
Schaden;  durch  Pflügen  und  Hacken  vertilgt  man  sie  am  besten.  Pflügen  und 
Hacken  geschieht  aber  auch  ausserdem  fortwährend,  um  den  Boden  locker  zu 
erhalten,  bis  Mitte  Juli  oder  selbst  später,  mitunter  sogar  wenn  die  Früchte 
halb  ausgewachsen  sind,  wobei  man  dann  natürlich  sorgfältig  die  Ranken  auf 
die  Flügel  legen  muss. 

Eine  Hauptsache  ist  gute  Saat  und  mit  Recht  wird  empfohlen,  nur  die 
allerbeste  zu  wählen  oder  sie  selbst  zu  ziehen.  Eine  fernere  Hauptsache  ist, 
nur  gute  Melonen  zu  verschicken,  da  geringe  die  Preise  verderben,  selbst  wenn 
man  gute  und  geringe  gesondert  versendet.  Bei  St.  Louis  hat  ein  Verein  des- 
halb 1892  einen  Inspektor  angestellt,  der  alle  geringe  Ware  vom  Versand  mit 
den  Wagen  des  Vereins  ausschliesst,  und  die  Preise  hielten  sich  gut,  selbst 
wenn  4  5  Eisenbahnwagen  an  einem  Tage  verschickt  wurden.  Diese  Wahr- 
heit gilt  natürlich  nicht  nur  für  Melonen,  sie  gilt  für  alle  Lrzeugnisse. 

In  anderen  Gegenden  pflanzt  man  nicht  auf  Hügeln,  sondern  in  Furchen, 
pflügt  im  Herbst  den  Dünger  unter  und  giebt  vor  dem  Pflanzen  in  die  Furche 
noch  etwas  Dünger.  In  den  mittleren  Staaten  zieht  man  auch  die  Melonen 
vorher  unter  Glas  an  und  bringt  sie  dann  in  die  Furchen. 


*)  Melon  Culture  von    W.  S.    Ross   in  Transactions    of    the    Illinois  State   Horticultural 
Society,    1892,   S.    169. 


1  §(5  Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten   Staaten. 


Sellerie.  Der  grossen  Selleriekulturen  bei  Kalamazoo  etc..  in  Michigan  und 
bei  Boston  ist  schon  oben  (S.  184)  gedacht,  aber  auch  bei  Horsehead  in  New-York 
wird  viel  Sellerie  gebaut.  Bekanntlich  hat  man  neuerdings  Sorten,  die  sich  von 
selbst  bleichen,  so  Golden  Self-Blancbing  Celery  und  White  Plume.  William 
Meggat  von  Wethersfield,  Connecticut,  bemerkte  aber  auf  dem  Kongress  der 
Samenzüchter  in  Chicago,*)  dass,  wenn  man  alle  grünen  Exemplare  ausreisse, 
die  Konstitution  und  Grösse  der  Ptlanzen  geschwächt  würde,  dass  die  Samen 
von  grünen  Pflanzen  kräftigere  Stöcke  geben. 

In  Illinois,  Ohio  und  ebenso  in  New-York  werden  auch  viel  Zwiebeln 
gezogen,  teils  zur  Saat,  teils  und  besonders  zu  Steck-  und  Setzzwiebeln. 
Letztere  werden  auf  leichtem  ungedüngten  sandigen  Boden  aus  Samen,  die  man 
gegen  Mai  säet,  in  dichten  Reihen  erzogen.  Man  nimmt  die  kleinen  Pflanzen 
im  August  heraus  und  lässt  sie  langsam  unter  einer  Schicht  Heu  eintrocknen. 
Die  kleinen  Zwiebeln  von  Erbsen-  bis  Haselnussgrösse  werden  dann  an  die 
Truckfarmers  im  Süden  und  an  die  Marktgärtner  im  Osten  verkauft,  welche 
sie  auf  Beeten,  die  lockeren,  aber  stark  gedüngten  Boden  haben,  im  ersten  Früh- 
jahr aussetzen.  Sobald  die  Zwiebeln  die  halbe  normale  Grösse  haben,  werden 
sie  schon  auf  den  Markt  gesandt,  um  als  erste  die  höchsten  Preise  zu  erzielen. 

In  Virginien  und  Maryland  pflanzt  man  die  Steckzwiebeln  etwas  später 
und  lässt  sie  zur  vollen  Grösse  auswachsen.  Man  erhält  so  grosse  Mengen  und 
grosse  Exemplare  und  betreibt  das  Ganze  mehr  landwirtschaftlich. 

Tomaten.  Wie  schon  mehrfach  erwähnt,  spielen  die  Tomaten  in  den 
Vereinigten  Staaten  eine  ganz  ausserordentliche  Rolle.  Man  isst  sie  sozusagen 
zu  jeder  Mahlzeit,  auch  in  Scheiben  geschnitten,  mit  Essig  und  Öl  und  etwas 
Pfeffer  und  Salz  oder  auch  unter  Hinzuthun  von  etwas  Zucker.  Ausserdem 
werden  sie  gekocht,  gefüllt  u.  s.  w.  Ganz  besonders  werden  sie  aber  ein- 
gemacht, nicht  die  ganzen  Tomaten,  sondern  der  Brei,  und  viel  zu  Saucen  ver- 
wendet. Eigene  Fabriken  beschäftigen  sich  wie  in  England  mit  der  Her- 
stellung verschiedener  Saucen  und  unter  diesen  spielt  »Catsup«  eine  der 
wichtigsten  Rollen.  Catsup  ist  aber  eben  vorwiegend  aus  Tomaten  bereitet. 
In  den  Restaurants  steht  sozusagen  auf  jedem  Tisch  eine  Flasche  mit 
Catsup,  aus  welcher  der  (last  nach  Belieben  nehmen  kann.  Dabei  ist  die  Zucht 
der  Tomaten  eine  noch  verhältnismässig  neue  und  doch  verkauft  einer  der 
Haupt-Samenzüchter  auf  diesem  Gebiet,  Herr  Livingston  in  Firma 
A.  W.  Livingstons  Sons  in  Columbus,  Ohio,  jährlich,  wie  er  mir  mitteilte, 
6'/.,,  tons.  ca.  117  Zentner  Samen,  das  ist  so  viel,  dass  200  000  acres.  80000  ha, 
damit  bebaut  werden  können.  Bedenkt  man  nun,  dass  noch  viele  andere 
grosse  Firmen.  W.  Attlee,  Burpee  &  Co. -Philadelphia,  Peter  Henderson 
&  Sons-New-York,  J.  C.  Vaughan  in  Chicago  u.  s.  w.  Spezialisten  sind  oder 
wenigstens  viel  Samen  verkaufen,  so  erscheint  die  Angabe  im  Census,  dass 
22  802  acres  mit  Tomaten  bebaut  werden,  viel  zu  niedrig,  selbst  wenn  man 
annimmt,  dass  obige  Schätzung  etwas  hoch  sei.  A.  W.  Livingston  ist  einer 
der  Pioniere  auf  diesem  Gebiete  und  hat  viele  neue  Sorten  gezogen,  wie  auch 
die    anderen  obigen  Firmen    zum  Teil.     Auf    dem    Gartenbau-Kongress    zeigte 


*)  Selection  in  Seed  Growing.  Embracing  papers  read  at  the  Worlds  Horticultural 
Congress.  Modern  Methods  of  the  Seed  Trade;  Seed  growing  at  Fordhook  Farm.  Heraus- 
gegeben von  der  grossen  Samenhandlung  W.  Attlee,  Burpee  &  Co.,  Philadelphia.  Herr  Burpee 
ist  Präsident  der  American  Seed  Trade  Association. 


Her  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten.  187 


Herr  Livingston  seine  neue  Züchtung  Buckey  State  Tomate  vor,  eine  runde, 
schön  dunkle  Frucht,  die  37  cm  Umfang  hatte.  Dabei  hat  sie  «-ine  schön 
dunkelrote  Farbe  und  eine  ganz  glatte  Gestalt,  nicht  gerippt;  sie  soll  sehr 
ertragreich  sein.  Zum  Einmachen  am  besten  geeignet  sind  Livingstons  New 
Stone  red  und  L.  Stone  purpur.*)  Von  Attlee,  Burpee  &  Co. -Philadelphia 
ist  eine  ganz  dunkelrote  Fordhooks  First  in  den  Handel  gegeben.  Die 
Hendersonschen  Züchtungen  sind  in  Europa  schon  bekannter.**) 

Die  Tomaten  gedeihen  bei  dem  warmen  Sommer  fast  in  allen  Staaten. 
in  den  nördlichen  muss  man,  wie  bei  uns,  die  Blätter  entfernen,  wenn  die 
Früchte  ausgewachsen  sind,  damit  sie  sich  färben.  Das  ist  weiter  südlich  nicht 
nötig.  In  Süd-Illinois  säet  man  die  Saat  Ende  März  oder  Anfang  April  in 
Mistbeeten,  die  in  Ermangelung  von  Glas  auch  wohl  mit  Musseline  gedeckt 
und  stets  um  die  Mitte  des  Tages  reichlich  gelüftet  werden.  Die  Durchschnitts- 
temperatur in  den  Kästen  ist  ca.  20°  C.  Wenn  die  Pflanzen  2  Zoll  hoch  sind, 
versetzt  man  sie  in  kalte  Kästen  und  bringt  sie  dann  schliesslich  auf  ein  stark 
mit  Stalldünger  oder  Handelsdünger  gedüngtes  Stück  Land  in  der  ersten  Hälfte 
des  Mai.  Frank  G.  Austin  berechnet  die  Kosten  folgen dermassen*)  für 
10  acres 

Pacht  von   10  acres  Land  ii  2  s •     •     5     20, — 

Pflügen.  Pulverisieren  und  Markieren  ä   1.50      .     .     .     »      I5r 

1000  Pfund  (Handels-)Dünger »      17,50 

Unterbringen  des  Düngers »10, — 

30300  Pflanzen,  das  Tausend  50  es »     18,15 

Aussetzen  derselben  auf  das  Feld »     10,— 

Kultivieren,    5 mal  mit  einem  2  spännigen  Kultivator     »      15, 
Zweimal  Hacken,  zweites  und  letztes  Pflügen    .     .     .     »     20. — 

Summa  $  125.05. 
Eine  Tomatenptlanze  giebt  bei  sorgfältiger  Kultur  1  Peck  (V4  Bushel)  bis 
Va  Bushel,  d.  h.  9—18  1  Früchte,  mitunter  selbst  1  Bushel.  Aber  selbst  nur  1  Peck 
angenommen,  ergiebt  pro  acre  3630  Pecks  oder  90772  Bushel.  Ein  Bushel  wird 
von  den  Konservenfabriken  mit  20  cents  (80  Pf.)  bezahlt,  nach  unseren  Begriffen 
ein  sehr  niedriger  Preis;  das  macht  für  1  acre  181,50,  für  10  acres  1815  $.  Hier- 
von gehen  noch  ab  die  Kosten  für  Pflücken  und  Verpacken,  was  der  Farmer 
aber  z.  T.  selbst  thun  würde,  mit  4  es  per  bushel. 

Zum  Schluss  rechnet  Austin  einen  Reinertrag  von  70  Dollars  pro  acre, 
aber  selbst  bei  nur  «/4  Peck  Ertrag,  also  2'/4  1,  würden  noch  45  $  pr.  acre 
=  450  M.  pr.  ha  sich  ergeben.  Er  selbst  hatte  von  einem  halben  acre 
67,50  $  Reinertrag.  Er  empfiehlt  besonders,  die  Tomaten  zwischen  jungen  Obst- 
bäumen zu  bauen,  da  sie  die  Bäume  nicht  so  beschatten  wie  Mais  und  den 
Boden  locker  und  feucht  erhalten.  (Schluss  folgt.) 

*  Livingston  hat  auch  eine  besondere  Schrift  herausgegeben:  Livingston  and  the  Tomato 
(Preis   1    |  ■ 

**]  Der  Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaus  hat  von  fast  allen  genannten  Herren 
mehrfach  Samen  erhalten,  wofür  diesen  auch  hier  verbindlichsten  Dank  gesagt  sei. 

'■'■'■    Transactions  of  the  Illinois  Horticultural  Society    [892   S.   .^Si. 


i88 


Neue   und  empfehlenswerte  Pflanzen.  —  Kleinere  Mitteilungen. 


Neue  und  empfehlenswerte  Pflanzen  etc, 


Neues  Veilchen  „Rubin". 

(Ein  Sämling  von  Kronprinzessin  v.  Deutschland.) 
Vor  drei  Jahren  in  der  Gärtnerei 
von  A.  Lutzenberger  in  Zehlendorf  ge- 
fallen und  vermehrt,  zeichnet  sich  das 
Veilchen  „Rubin"  neben  allen  be- 
kannten guten  Eigenschaften  der 
Stammformen  durch  seine  leuchtend 
tief  dunkel  purpurvioletten  Blumen 
hervorragend  aus.  Die  Veilchen  haben 
eine  vorzügliche  Lichtfarbe  in  einer 
bisher  bei  Veilchen  noch  nicht  er- 
reichten rothen  Schattierung.  „Rubin" 
ist  sehr  grossblumig,  langstielig,  stark 
duftend  und  ein  gutes  Treibveilchen 
von  Januar  ab.  Seine  tiefe  Färbung 
bewährt  sich  besonders  in  der  Treiberei. 

Der  Versand  dieser  Neuheit  beginnt 
Mitte  April  in  kräftigen  .  reichbe- 
wurzelten Stecklingspflanzen,  zum  Aus- 
pflanzen fertig.  Der  Alleinverkauf  der 
Neuheit  erfolgt  durch  C.  van  der 
Smissen,  Steglitz-Berlin. 

Herr  van  der  Smissen  sandte  uns 
am     18.    März     einige     Blumen    dieser 


Sorte  zu.  die  in  der  That  wegen 
ihres  roten  Farbentons  den  Namen 
„Rubin"  sehr  verdienen.  Der  Geruch 
ist  sehr  schön. 


Neuere  Birnsorten. 

Herr  Gartenbaudirektor  C.  Mathicu 
legte  am  13.  Oktober  1898  im  Gehölz- 
und  Obstausschuss  mehrere  Neuheiten 
von  Birnen  vor,  die  der  Verein  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues  bezogen 
hatte. 

1.  Conference  Riv  ers.  Scheint  ein 
Sämling  der  Marie  Louise,  ist  sehr  süss, 
hateinedickeSchale.  was  für  den  Trans- 
port gut  ist. 

2.  Direktor  Hardy.  Ahnelt  der 
Clairgeau,  ist  wahrscheinlich  ein 
Sämling  von  ihr.  Hat  ein  bedeutend 
besseres  Aroma  als  Conference  Rivers. 

3.  Idaho.     Süss   und  sehr  muskiert. 

Als  ältere  gute  Sorten  wurden  vor- 
gelegt: Beurre  Prengalle.  Birne  von 
Tongern.  Unvergleichliche  vonBeaurain. 


Kleinere  Mitteilungen, 


Das  Denkmal  der  Königin  Luise 

im  Tiergarten  wurde  am  Ge- 
burtstage der  Königin  kurz  vor  9  Uhr 
vormittags  vom  Kaiserpaar  besucht. 
Der  Chef  der  Tiergartenverwaltung, 
Präsident  Kayser  und  der  Tiergarten- 
direktor Geitner  begrüssten  den 
Kaiser  und  seine  Gemahlin.  Für 
den  Schmuck  des  Denkmals  hatte 
die  warme  Witterung  dieses  Winters 
eine  grossartige  Entfaltung  der  herr- 
lichsten Blütenpracht  gestattet.  4300 
Blumenstöcke  und  Pflanzen  waren 
zu  einem  farbenreichen  Bilde  vereinigt. 
Die  hohe  Taxuswand,  die  den  Denk- 
malplatz umgiebt,  war  in  ihrem  oberen 
Teil  freigeblieben  und  bildete  so 
einen  wirkungsvollen  dunklen  Hinter- 
grund für  die  Flieder-  und  Schnee- 
ballsträucher, deren  Blütenzweige  sich 
straussartig       ausbreiteten.  Erhöht 

wurde  die  schöne  Wirkung  durch  die 
mattroten    Azaleen,    die    tuffartig    den 


Fuss  der  Sträuche  verhüllten.  Zu 
Seiten  des  Denkmals  prangten  mäch- 
tige Rhododendron  inmitten  niedrig 
gehaltener  Blumen,  deren  Beet  von 
blauen  und  weissen  Krokus  eingefasst 
war.  Am  Denkmalgitter  zogen  sich 
grüne  Gewinde  hin,  die  dort,  wo  die 
Säulen  sich  erheben,  in  Blumenkränze 
zusammenliefen.  Der  Platz  zwischen 
Gitter  und  Denkmal  bildete  ein  ein- 
ziges Blumenmeer  von  Azaleen,  Rhodo- 
dendron, Goldlack,  Cinerarien,  Tulpen. 
Hyacinthen  u.  dergl.  An  den  Treppen- 
wangen standen  Gruppen  von  hoch- 
stämmigen Rosen  u.  dergl..  die  sich 
um  getriebene  Magnolien  anordneten. 
Helle  Tulpenbeete  bildeten  auf  dieser 
Seite  der  Anlagen  den  Abschluss  der 
grossartigen  Ausschmückung.  Nicht 
minder  schön  nahm  sich  das  halbrunde 
Parterre  gegenüber  dem  Denkmal- 
platze aus.  Auf  dem  Luisenstein 
lagen    frische  Blumen    und   am   Gitter 


Kleinere   Mitteilungen. 


l8q 


des  Denkmals  Friedrich  Wilhelms  III. 
prangten  Blumengewinde. 

(Voss.  Ztg.) 

Schwammpilze  an  den  Obstbäumen. 

Bei  einem  Gange  durch  Obstalleen 
sieht  man  besonders  an  älteren  Bäumen 
am  Stamme  öfter  grosse  Fruchtträger 
verschiedener  Pilzarten.  sogenannte 
Schwämme,  welche  das  Holz  zersetzen 
und  das  allmähliche  Absterben  des 
Baumes  herbeiführen.  Wie  kommen 
denn  solche  Schwämme  an  unsereObst- 
bäume?  Diese  Frage  kann  leicht  be- 
antwortet werden.  Durch  den  Wind 
oder  durch  Insekten  werden  an  Rinden- 
wunden oder  auf  unbedeckte  Ver- 
letzungen des  Stammes  oder  der  Äster 
Sporen  gebracht,  diese  keimen  dort, 
entsenden  Schläuche  in  das  Innere  des 
Baumes,  welche  in  demselben, Mycelium 
bildend,  weiterwuchern,  die  Rot-  und 
Weissfäule  des  Holzes  hervorrufen  und 
schliesslich  ihre  Fruchtträger  an  der 
Aussenseite  des  Stammes  erscheinen 
lassen,  von  denen  aus  sich  wieder  die 
Sporen  auf  Wundflächen  an  anderen 
Bäumen   ansiedeln. 

Der  Schaden,  den  diese  Pilze  an- 
richten, ist  noch  viel  zu  wenig  bekannt, 
oft  erst  nach  Stürmen,  welche  die 
morsch  gewordenen  Bäume  umwarfen 
oder  die  .i.ste  von  den  Stämmen  ab- 
schlitzten, bemerkt  der  Baumbesitzer, 
wie  die  Pilze  das  Holz  schon  lange 
Zeit  vorher  durchwuchert  hatten  und 
die  Pilzfäule  hervorriefen.  Die  ver- 
schiedenen Arten  besitzen  auch  eine 
verschiedene  Lebensdauer;  während 
einige  Pilze  nur  einige  Monate  vege- 
tieren, um  aber  am  gleichen  Baume, 
oft  an  gleicher  Stelle  wieder  zu  er- 
scheinen, sind  andere  ausdauernder 
und  erreichen  ein  Alter  von  mehreren 
Jahren. 

Von  den  Schwämmen  linden  wir 
nachstehende  Arten  am  meisten  auf 
den  Bäumen  vor: 

llydnum  Schied  erm  ayri.  Frucht- 
r  erscheint  im  September  bis 
Oktober,  sieht  knollig,  höckerig  aus, 
breitet  sich  mitunter  meterweit  aus, 
hat  ein  schwefelgelbes,  amLichte  rotes. 
später  bräunlich-rotes  Aussehen,  kommt 
meistens  am  Apfelbaume  vor. 

Polyporus  cinnamomeus.  Der 
Fruchtkörper  ist  ausdauernd,  holzig, 
zuerst  kugel-,  später  hutförmig,  6  bis 
8  cm    lang    und    5  —  7  cm    dick.      Die 


Oberfläche  ist  gelbbraun  bis  braun, 
die  Löcherschicht  zimmtbraun.  Findet 
sich  sowohl  aui  Apfel-  und  Birn-,  als 
auch  auf  Kirschbäumen  vor. 

Polyporus  hirsutus.  Der  Frucht- 
körper ist  korkig,  lederartig,  halb- 
kreisförmig, bis  8  cm  lang.  üeisch- 
weiss,  hat  etwas  gewölbte  Oberfläche; 
ist  mit  grau-braunen  Haaren  besetzt, 
kniiimt  aui  dem  Kirschbaume  vom 
Spätherbste  bis  Frühjahr  vor. 

Polyporus  hispidus.  Der  weiche, 
schwammige,  konsolförmige  Frucht- 
träger  ist  anfangs  gelbbraun,  wird 
später  kastanienbraun,  die  Oberfläche 
ist  mit  dunkelbraunen  bis  schwarzen 
Haaren  bedeckt.  Befällt  Apfel-  und 
Nussbäume. 

Polyporus  igniarius.  Frucht- 
trägerist kugelknollig,  später  huf-  oder 
polsterlörmig,  holzig,  ausdauernd,  innen 
rostbraun  gezont.  Die  Oberfläche  ist 
anfangs  gelbbraun,  später  wird  sie 
schwarzbraun,  zeigt  konzentrische 
Furchen  und  abgerundeten,  stumpfen 
Rand.  Kommt  seht  häufig  auf  Apfel-, 
Birn-.  Kirsch-,  Zwetschen-  und  Nuss- 
bäumen   vor. 

Polyporus  su  lphureus.  In  jungem 
Zustande  ist  der  Fruchtkörper  weil  h- 
fleischg,  später  erhärtet  sich  das  weiss- 
gelbe  Fleisch,  breitet  sich  halbkreis- 
förmig aus,  wird  bis  30  cm  lang.  Die 
hell-  bis  orangengelbe  glatte  Ober- 
fläche wird  zuletzt  weisslich.  Findet 
sich  vom  Juni  bis  November  auf 
Kirsch-  und  Birnbäumen  vor. 

Polyporus  spumeus.  Der  Frucht- 
körper ist  weichfleischig,  5  cm  lang, 
5 — 6  cm  dick,  das  Fleisch  ist  zuerst 
rötlich-violett,  wird  später  bräunlit  h. 
die  Oberfläche  ist  höckerig,  kommtauf 
Apfelbäumen  vom  August  bis  No- 
vember vor. 

Sobald  die  angeführten  oder  auch 
sonstige,  an  Birn-.  Kirsch-  und  Xuss- 
bäumen  vorkommende  Schwammpilze 
bemerkt  werden,  sind  sie  sofort,  selbst 
wenn  bei  den  ausdauernden  Meissel 
und  Schnitzmesser  verwendet  werden 
müssen,  zu  entfernen  und  zu  ver- 
brennen. Xach  dem  Entfernen  der 
Schwämme  sind  die  glatten  bezw.  ge- 
glätteten Schnittwunden  sorgfältig  mit 
Steinkohlenteer  zu  verstreichen,  doch 
nicht  allein  die  befallene  Stelle,  sondern 
auch  jede  entrindete  Stelle,  selbst  die 
kleinste  Wunde.  Das  Verstreichen  mit 
Baummörtel    hilft    hier    nicht,    das    in 


i9° 


Kleinere  Mitteilungen. 


dem     Teer     enthaltene     Kreosot     soll 
hierbei  das  Mycel  zerstören. 

Als  Vorbeugemittel  wäre  zu  em- 
pfehlen: Vermeidung  aller  grösseren 
Schnittflächen,  sauberer  glatter  Schnitt, 
wenn  solcher  nötig  ist,  und  Ver- 
streichen sämtlicher  Wunden  mit 
Baumsalbe. 

Rezept  zur  Baumsalbe:  500  g 
weisses  Harz,  500  g  Teer,  250  g  Leinöl 
sind  unter  gelindem  Feuer  miteinander 
auflösend  zu  vermischen,  wobei  die 
Mischung  umzurühren  ist.  Sollte  die 
Baumsalbe  zu  flüssig  sein,  so  kann  man 
zur  Erhärtung  nötigenfalls  00  g  Spiritus 
zusetzen.  Ein  von  anderer  Seite  em- 
pfohlener Zusatz  von  Zinkweiss  ist 
völlig  zu  verwerfen.  Fehlt  die  Baum- 
salbe, so  bestreiche  man  die  Wund- 
stellen der  Bäume  wenigstens  vorläufig 
bis  zur  Beschaffung  mit  Oelfarbe. 

Bei  der  Gemeingefährlichkeit  der 
Baumschwämme  sollte  von  seiten  der 
Obstbaumbesitzer  selbst  darauf  ge- 
drungen werden,  dass  alle  befallenen 
Bäume  in  der  Gemeinde  durch  die 
Baumwarte  sachgemäss  behandelt 
werden. 

Hohenheim.     Garteninspektor  Held. 

(Württemberg,  landw.  Wochenblatt). 


Wie  soll  ein  guter  Obstbaum  aussehen? 

(Aus  der  Beilage  der  Hannoverschen  Land- 

und  forstwirtschaftlichen  Zeitung: 

„Unser  Obstgarten".) 

Die  Wurzel  soll  vor  allen  Dingen 
gesund  sein,  beim  Ausheben  nicht 
zu  sehr  beschädigt,  und  nicht  zu  kurz 
abgestochen.  Ferner  soll  keine  starke 
direkt  nach  unten  gehende  Pfahlwurzel 
vorhanden  sein,  sondern  gut  verzweigte 
Seitenwurzeln  etwa  von  der  Stärke 
eines  Daumens  bis  zu  Bleistiftstärke. 
An  solchen  Wurzeln  werden  sich  an 
der  Schnittstelle  sehr  leicht  und  sehr 
schnell  wieder  junge  Saugwurzeln 
bilden. 

Weniger  Werth  braucht  man  auf 
das  Vorhandensein  der  feinen  Faser- 
würzelchen zu  legen,  denn  diese  sind 
meist  schon  kurze  Zeit  nach  dem 
Herausnehmen  des  Baumes  aus  dem 
Erdboden  abgestorben.  Bei  dem 
Stamme  kommt  die  Gesundheit  eben- 
falls wieder  in  erster  Linie  in  Be- 
tracht. Ferner  dürfen  keine  Wunden 
daran  sein,  etwa  Krebswunden  oder 
andere    Beschädigungen.     Froststellen 


oder  dergleichen.  Die  Veredlungs- 
stellen müssen  gut  vernarbt  sein, 
der  Stamm  muss  glatt  und  gerade 
gewachsen  sein,  nach  der  Krone  zu 
sich   etwas  verjüngend. 

Darauf  zu  achten  ist  ebenfalls,  dass 
der  Baum  möglichst  frei  von  Ungeziefer 
ist,  damit  nicht  irgend  ein  gefährlicher 
Obstbaumschädling  mit  verschleppt 
wird.  Die  Höhe  des  Stammes  soll 
für  einen  normalen  Hochstamm  2,oobis 
2,20  m  sein.  Selbstverständlich  muss 
der  Stamm  auch  genügend  stark  sein, 
damit  er  den  Einflüssen  der  Witterung 
auch  erfolgreich  Widerstand  leisten 
kann.  Gesundheit  ist  auch  bei  der 
Krone  die  erste  Bedingung.  Dem- 
nächst soll  sie  nicht  zu  alt  oder  gar 
überständig  und  oft  zurückgeschnitten 
sein,  sondern  jung  mit  kräftigen 
wüchsigen  Jahrestrieben. 

Die  Anzahl  der  Triebe  hängt  ganz 
davon  ab,  welche  Form  man  dem 
zukünftigen  Baum  geben  will,  sei  es 
nun  Pyramiden-  oder  Kesselform  oder 
irgend  welche  andere.  Dies  wären 
einigen  Anhaltspunkte  für  Obstbaum- 
käufer. 

Selbstverständlich  kann  ja  nun  nicht 
jeder  Baum  allen  diesen  Anforderungen 
entsprechen,  doch  muss  es  das  Be- 
streben des  Obstzüchters  sein,  nur 
möglichst  gute  Bäume  zu  pflanzen, 
wenn  er  Erfolg  von  der  Obstzüchterei 
haben  und  sich  selbst  vor  Schaden 
bewahren  will. 


Billbergia  nutans  als  Zimmer-  und  Marktpflanze. 

In  der  Sitzung  der  Ausschüsse  für 
Blumen  -  und  Gemüsezucht  am 
2.  Februar  d.  J.  stellte  Herr  Carl 
Crass  II.  ein  hübsches  Exemplar  von 
Billbergia  nutans,  noch  im  Knospen- 
zustande,  aus,  die  er  als  gute  Zimmer- 
pflanze sehr  empfahl.  Bei  ihm  steht 
ein  Exemplar  schon  ein  Jahr  im  Zimmer. 
Man  vermehrt  sie  am  besten  durch  die 
zahlreich  sich  bildenden  Seitensprossen, 
die  sog.  Kindein.  Wenn  diese  ab- 
genommen und  für  sich  ge- 
pflanzt werden,  blühen  sie  schon  im 
nächsten  Jahre.  Lässt  man  aber  die 
Kindein  stehen,  so  wird  die  Pflanze 
hübsch  buschig. 

Die  Pflanze  bildet  nur  wenig  Wurzeln 
und  beansprucht  daher  nur  einen 
kleinen  Topf.  Für  Verkaufspflanzen 
nimmt  man  aber  besser  etwas  grössere 


Kleinere   Mitteilungen. 


igi 


Töpfe,  da  zu  kleine  leicht  umfallen. 
Man  hält  sie  am  besten  bei  S — 10 °  K.. 
giebt  ihr  halb  Laub-,  halb  Ileideerde 
und  kultiviert  sie  im  Sommer  im 
kalten  Kasten  oder  im  Freien.  Will 
man  sie  früher,  etwa  um  Weihnachten, 
in  Blüte  haben,  so  hält  man  sie  etwas 
wärmer.  Herr  Kgl.  Obergärtner  Haber- 
mann,  Monbijou-Garten.  bemerkte  noch. 
dass  diese  Bromeliaceae  ausser- 
ordentlich widerstandsfähig  ist;  sie  ist 
sehr  geeignet  für  Dekoration  von 
Tuffsteinen  etc.,  aber  dicht  unter  dem 
Glase.  Sobald  die  Pflanzen  geblüht 
haben,  werden  sie  bei  ihm  ab- 
geschnitten und  bilden  dann  reichlich 
Seitensprossen. 


Fuchsien  als  Vasendekoration. 

Die  Verwendung  der  Fuchsien  zu 
allen  möglichen  Dekorationen  ist 
eine  so  vielseitige,  dass  es  eigentlich 
überflüssig  erscheint,  wenn  noch  mehr 
darübergeschrieben  wird;  aber  dennoch 
kann  ich  nicht  unterlassen,  auf  obige 
Verwendungsart  aufmerksam  zu  machen, 
es  wird  damit  ein  Effekt  erzielt,  der 
geradezu  Bewunderung  hervorruft,  und 
dann  lassen  sich  hauptsächlich  solche 
Fuchsien  dazu  verwenden,  welche  einen 
hängenden  Wuchs  besitzen  und  so  von 
ihrem  erhöhten  Stand  in  den  Vasen 
so  recht  zur  Geltung  kommen,  indem 
die  Blüten  der  hängenden  Fuchsien, 
von  unten  gesehen,  ihre  Formen  so 
recht  dem  Auge  darbieten. 

So  eine  bepflanzte  Vase  auf  einem 
erhöhten  Ständer .  welche  bis  zum 
Fusse  der  Vase  durch  höhere  Pflanzen 
verdeckt  wird  ,  ist  von  unerreicht 
guter  Wirkung  als  Mittelpunkt  eines 
grossen  Beetes  oder  als  Krönung 
einer  Terrassenmauer,  doch  am 
schönsten  machen  sie  sich  da.  wo  man 
irgend  einen  thorartigen  Eingang  mit 
lebendem  Zaun  oder  mit  einen  immer- 
grünen Zaun  hat,  dereinengeradem  Weg 
einfasst  oder  als  Abteilung  im  Garten 
mit  regelmässigen  Wegen  in  die  Nähe 
des  Wohnhauses  etc.  geführt  ist;  dieser 
Zaun,  welcher  eine  beliebige  Höhe, 
jedoch  nicht  unter  i1'2  m  haben  soll, 
isi  so  rechl  geeignet,  mit  Vasen,  welche 
mit  Fuchsien  bepflanzt  sind,  garniert 
zu  werden,  und  zwar  so,  dass  in  den 
Zaun  Ständer,  worauf  die  Vasen  be- 
festigt sind,  so  angebracht  werden. 
dass  der  Fuss  der  Vase  genau  mit  der 


Oberkante  des  Zaunes  abschneidet; 
eine  regelmässige  Einteilung  der  Vasen 
auf  den  Zaun  ist  innezuhalten,  auch  ist 
darauf  zu  sehen,  dass  dieselben  nicht 
zu  dicht  zu  stehen  kommen,  indem 
sonst  die  gewünschte  gute  Wirkung 
nicht  erreicht  wird  und  eine  Über- 
ladung sieht  nicht  gut  aus.  Am 
schönsten  machen  sich  die  immer- 
grünen Zäune,  wie  Thuja  occidentalis 
oder  Taxus,  zu  dieser  Dekoration  sehen 
aber  auchZäune  aus  Rosen  und  Liguster 
rechl  gu1   mit  den  Vasen  aus. 

Damit  nun  die  Fuchsien  auch  einen 
Lebhaften  Wuchs  entwickeln,  müssen 
die  Vasen  mit  einer  recht  kräftigen 
Erde,  der  man  noch  einige  Hände  voll 
Hornspäne  (sogenannte  Drehspäne) 
beimischt,  gefüllt  werden;  diese  Horn- 
späne haben  die  lägen  schaff,  sich 
allmälig  aufzulösen .  indem  die  ab- 
gedrehten Späne  zum  teil  ganz  feine 
sind,  die  schon  in  acht  Tage  wirken 
und  dann  auch  wieder  gröbere,  die 
in  einigen  Wochen  sich  auflösen;  auf 
diese  Weise  wird  den  Fuchsien  bei 
fleissiger  Bewässerung  den  ganzen 
Sommer  über  der  nöthige  Stickstoff' 
durch  die  sich  auflösenden  Hornspäne 
zugeführt  und  die  Blüten  sind  dann 
zuletzt    ebenso    gross    wie    zu    Anfang. 

Zu  bemerken  hätte  ich  noch,  dass 
die  Vasen  nicht  zu  gross,  aber  auch 
nicht  zu  klein  zu  nehmen  sind,  sie 
müssen  das  richtige  Verhältnis  zur 
Höhe  und  Stärke  des  Zaunes  etc.  haben. 

Indessen  nicht  allein  zur  Bepflanzung 
der  Vasen  auf  Zäunen  etc.  möchte  ich  die 
Fuchsien  verwendet  wissen,  über- 
haupt wo  Vasen  zur  Verwendung 
kommen,  soll  die  Fuchsie  als  das  ge- 
eignetste Bepflanzungsmaterial  Be- 
nutzung linden  und  auch  da,  wo  z.  B. 
in  der  Mitte  eine  Yucca  gepflanzt  ist, 
machen  sich  die  Fuchsien  als  Ein- 
fassung im  Verein  mit  einigen  Hänge- 
pilanzen recht  gut.  und  was  die  Flaupt- 
sache  ist,  es  ist  immer  ein  feines 
Arrangement,  das  jedem  Garten  zur 
Zierde  gereicht. 

J.    Bi emulier, 
Gr.-Tabarz  (Villa  Spindler). 

Das  Erfrieren  der  Pflanzen. 

I  >as  interessanteste  und  lohnendste 
Studium  für  den  praktischen  Gärtner 
bietet  offenbar  die  Pflanzenphysiologie. 
Ein    solches   Studium   verschafft    nicht 


!9: 


Kleinere  Mitteilungen. 


nur  manche  angenehmeStunde.  sondern 
lässt  auch  manche  Schlüsse  auf  die 
praktische  Thätigkeit  zu.  Daher  sollte 
denn  auch  der  Gärtner  und  mit  ihm 
der  Pflanzenfreund  überhaupt  keine 
sich  ihm  bietende  Gelegenheit  mit  der 
Pflanzenphysiologie  vertrauter  zu 
werden ,  unbenutzt  vorüber  gehen 
lassen. 

Ich  glaube  nun  den  gesch.  Lesern 
dieser  Zeitschrift  einen  Dienst  zu  er- 
weisen, wenn  ich  an  dieser  Stelle  auf 
einige  physiologische  Vorgänge  im 
Pflanzenleben  aufmerksam  mache, 
denen  bis  vor  kurzem  nur  wenige 
Aufmerksamkeit  geschenkt  werden 
konnte.  Hierbei  habe  ich  das  Er- 
frieren der  Pflanzen  im  Auge.  Wenn 
ich  eben  sagte,  das  diesem  physio- 
logischen Vorgange  bislang  nur  wenig 
Aufmerksamkeit  geschenkt  werden 
konnte,  so  ist  dieses  darauf  zurück- 
zuführen, dass  es  an  geeigneten  In- 
strumentenfehlte,  umdieunerlässlichen 
ein  gehendenBeobachtungen  anzustellen. 

Herrn  Prof.  Dr.  Hans  Molisch  ver- 
danken wir  nun  die  Erfindung  eines 
äusserst  einfachen  Apparates,  mittels 
dessen  wir  in  aller  Behaglichkeit  in 
einem  angenehm  erwärmten  Zimmer 
eingehend  die  Vorgänge  im  Innern  der 
Pflanze  während  des  Erfrierens  be- 
obachten können.  Ein  doppelwandiger 
Kasten,  dessen  Zwischenräume  mit 
Sägespänen  ausgefülltsind,  nimmt  einen 
zweiten  Kasten,  in  welchem  wir  ein 
Mikroskop  unterbringen,  auf.  Zwischen 
beide  Kästen  füllen  wir  eine  Kälte- 
mischung (Eis  und  Kochsalz)  und 
unsere  Beobachtungen  können  be- 
ginnen. Bemerkt  sei  noch,  dass  zur 
Beleuchtung  sowie  zur  Bewegung  des 
zu  beobachtenden  Objekts  geeignete 
Vorkehrungen  getroffen  sind. 

Aeusserst  überraschend  sind  die 
Bilder,  die  wir  da  erschauen.  Ich 
muss  mich  hier  auf  die  Wiedergabe 
der  wesentlichsten  Erforschungen,  die 
nach  dieser  Richtung  bisher  erzielt 
wurden,  beschränken.  Es  zeigte  sich 
bei  der  Beobachtung  der  verschiedensten 
chemischen  Stoffe,  welche  im  Pflanzen- 
leben eine  Rolle  spielen,  wie  auch 
einzelner  Pflanzenteile,  dass  die  Eis- 
bildung unter  Einwirkung  der  durch 
die  Kältemischung  erzielten  niedern 
Temperatur  stets  wohl  in  derselben 
Weise,  nicht  aber  immer  an  derselben 
Stelle    erfolgte.      Ebenso    ergab    sich 


auch  ein  unterschiedliches  Verhalten 
der   Objekte  während   des  Aufthauens. 

Beim  Gefrieren  toter  Gegenstände, 
wie  Stärkekleister,  Eiweiss.  Milchsaft 
vom  Gummibaum,  verschiedener  Salz- 
und  Farbstofflösungen  krystallisierte 
stets  reines  Eis  heraus,  wodurch  die 
Form  der  Stoffe  sehr  verändert  ward; 
die  festen  Körper  wurden  zusammen- 
gedrängt, die  Lösungen  konzentriert, 
oft  auch  aus  diesem  feste  Körper  aus- 
geschieden. Nach  dem  Aufthauen 
nahmen  einzelne  Objekte  ihren  alten 
Zustand  wieder  an  ,  andre  dagegen 
nicht. 

Die  Pflanzenzelle  zeigte  beim  Ge- 
frieren ähnliche  Vorgänge;  auch  hier 
bildete  sich  stets  reines  Eis,  welches 
die  festen  Bestandteile  der  Zelle  auf 
einen  kleinen  Raum  zusammendrückte 
und  die  verschiedenen  Farbstoff- 
lösungen konzentrierte.  Während  aber 
bei  den  Zellen  einiger  Pflanzen  die 
Eisbildung  innerhalb  der  Zelle  er- 
folgte, entstand  das  Eis  bei  andern  — 
diese  Pflanzengruppe  bildet  die  Regel 
—  ausserhalb  der  Zelle,  diese  dabei 
arg  zusammendrückend.  In  vereinzelten 
Fällen  traten  beide  Erscheinungen 
auch  zugleich  auf. 

Noch  einem  eigentümlichen  Umstand 
müssen  wir  hier  einige  Beachtung 
schenken.  Es  zeigte  sich  nämlich,  dass 
nahe  bei  einander  liegende  Zellen  nicht 
immer  ein  gleiches  Verhalten  der 
Kälte  gegenüber  zur  Schau  trugen. 
So  sind  die  Schliess-  und  Haarzellen 
verschiedener  Pflanzen  wesentlich 
widerstandsfähiger  gegen  die  Kälte, 
als  es  die  umgebenden  Zellen  sind. 
Diese  Entdeckung  verdanken  wir  dem 
erwähnten  Professor;  dass  die  Schliess- 
zellen  andern  Einflüssen  (grosse  Hitze) 
gegenüber  besonders  widerstandsfähig 
sind,  ist  bereits  seit  längerer  Zeit  be- 
kannt. 

Von  wesentlicher  Bedeutung  für  den 
praktischen  Gärtner  ist  nun  die  Ant- 
wort auf  die  Frage:  .,Wann  stirbt  die 
Pflanze?"  Bisher  war  allgemein  die 
Anschauung  vertreten,  dass  die  Pflanze 
erst  während  des  Aufthauens  zu  Grunde 
geht,  und  dass  infolgedessen  es  auch 
möglich  sei,  erfrorene  Pflanzen  bei 
vorsichtiger  Aufthauung  zu  retten. 
Als  solches  betrachtet  man  in  den 
Gärtnereien  das  Überbrausen  mit 
kaltem  Wasser.  Es  sei  hier  jedoch 
gleich  bemerkt,  dass  durchÜbergiessen 


Kleinere  Mitteilungen. 


m 


mit  kaltem  Wasser  kein  Langsames 
Aufthauen,  sondern  eher  ein 
schnelles  Aufthauen  erfolgt. 

Die  neuesten  Untersuchungen  haben 
nun  dargelegt,  dass  die  erfrorene 
Pflanze  nicht  erst  beim  Aufthauen, 
sondern  bereits  beim  Gefrieren  resp. 
im  gefrorenen  Zustand  abstirbt.  Es 
ist  dies  an  einer  ganzen  Reihe  von 
Versuchspflanzen  unwiderleglich  fest- 
gestellt. Auch  stellte  es  sich  heraus, 
dass  keinerlei  Unterschied  an  den 
Pflanzen,  welche  schnell  und  langsam 
aufgethaut  wurden,  zu  konstatieren 
war.  Die  gleichen  Pflanzenarten, 
welche  bei  langsamer  Aufthauung  am 
Leben  blieben,  litten  auch  nicht  bei 
rascher  Aufthauung  und  umgekehrt 
waren  durch  langsames  Aufthauen 
auch  solche  Pflanzen  nicht  zu  retten, 
die  bei  raschem  Aufthauen  zu  Grunde 
gingen.  Pline  Ausnahme  von  dieser 
Regel  machten  allerdings,  aus  bisher 
unerklärlich  gebliebenen  Gründen, 
einige  Apfel-  und  Bimsorten,  sowie 
die  Blätter  von  Agave  americana. 

Wenn  wir  von  einem  Erfrieren  der 
Pflanzen  reden,  so  stellen  wir  uns  hier- 
unter allgemein  eine  Schädigung  der 
Pflanze  infolge  der  unter  o°  gesunkenen 
Temperatur  vor.  Xun  hat  es  sich  aber 
herausgestellt,  dass  verschiedene 
Pflanzen  bereits  bei  einer  Temperatur, 
die  etwas  über  dem  Eispunkt  liegt, 
unter  denselben  Erscheinungen  zu 
Grunde  gehen,  wie  solche  bei  unter 
o°  erfrorenen  Pflanzen  auftreten.  Und 
so  eigentümlich  es  auch  berühren  mag, 
kann  man  doch  mit  Fug  und  Recht 
von  dem  Erfrieren  der  Pflanzen  bei 
einer  Temperatur  über  o°  reden.  Ver- 
schiedene Pflanzenphysiologen  sind 
übereingekommen,  zwischen  Erfrieren 
und  Cr  ef  rier  en  derart  zu  unterscheiden, 
dass  unter  Erfrieren  eine  Schädigung 
oder  Absterben  der  Pflanze  infolge 
niederer  Temperatur  (event.  noch 
etwas  über  o°),  unter  Gefrieren  jedoch 
die  Eisbildung  innerhalb  der  Pflanzen- 
organe verstanden  wird;  ohne  Einfluss 
ist  hierbei,  ob  die  Pflanze  infolge  der 
Eisbildung  abstirbt  oder  nicht  einmal 
Schaden  leidet. 

Die  Ursache  des  Erfrierens  einer 
Pflanze  bei  einer  Temperatur  über 
Null  ist  auf  zwei  Ursachen  zurück- 
zuführen. Entweder  wirkt  die  Kälte 
derartig  auf  die  Wurzeln  ein.  dass 
diese  unfähig  werden,  für  die  weitere 


Saftzirkulation  zu  sorgen,  so  dass  also 
die  Pflanze  schliesslich  wegen  allzu- 
grossen  Wasserverlustes  durch  die 
Transpiraiion  verwelken  muss,  oder 
aber  dass  durch  die  niedere  Temperatur 
irgendwelche  Störungen  im  chemischen 
Getriebe  der  Nährstoffe  hervorgerufen 
werden.  Über  diesen  letzteren  Punkt 
herrscht  jedoch  noch  keine  voll- 
ständige Klarheit,  möglich  ist  auch, 
dass  hierbei  rein  physikalische  Vor- 
gänge eine  Rolle  mitspielen. 

Ziehen  wir  nunmehr  das  Fach  aus 
unsern  Beobachtungen,  da  haben  wir 
zunächst  noch  festzustellen,  dass  bei 
o°  überhaupt  noch  keine  Pflanze  ge- 
friert ,  im  Gegenteil  muss  die 
Temperatur  erst  unter,  oft  sogar  sehr 
weit  unter  o°  sinken,  bis  eine  Eis- 
bildung erfolgt.  E>as  Eigentümliche 
|  hierbei  ist  jedoch,  dass  die  Eisbildung 
dann  bei  einer  höheren  Temperatur 
erfolgt.  Oder  mit  andern  Worten, 
irgend  eine  Pflanze,  nehmen  wir  die 
Kartoffel,  muss  erst  bis  auf  —  30  C.  ab- 
gekühlt sein  ,  bis  Eisbildung  erfolgt, 
wobei  jedoch  die  Temperatur  der 
Kartoffel  plötzlich  wieder  auf —  1"  C. 
steigt.  Bei  andern  Pflanzen  gelten  natür- 
lich andere  Zahlen.  Der  Botaniker  nennt 
diese  niedere  Temperatur  den  Cber- 
kältungspunkt,  die  höhere,  bei  der 
die  Eisbildung  praktisch  erfolgt,  den 
Gefrierpunkt.  Bei  dem  Gefrieren 
wird  nun.  und  zwar  meist  ungemein 
schnell,  der  Zelle  das  Wasser  entzogen, 
und  dieser  Wasserentzug  ist  es  denn 
auch,  worunter  die  Pflanze  zu  leiden 
hat  resp.  woran  sie  zu  Grunde  geht. 
Je  weniger  saftre'ch  eine  Pflanze  ist. 
um  so  weniger  ist  sie  der  Gefahr  des 
Gefrierens  ausgesetzt.  Daher  denn 
auch  die  Thatsache,  dass  von  zwei 
gleichen  Pflanzen  zunächst  diejenige 
erfriert,  welche  ammeistenFeuchtigkeit 
enthält,  während  die  trockene  wider- 
standsfähiger bleibt. 

Herrn.  Holm. 

Stylvolle  Bindereien 
und  Pflanzenzusammenstellungen. 
Am  23.  März  hat  unser  Landsmann 
L.  Winter  in  Bordighera  im  Hause 
des  Bechsteinsaales  zu  Berlin,  Link- 
strasse 42,  einen  höchst  geschmack- 
vollen Laden  eröffnet  und  durch 
prächtige,  mit  farbigen  Vignetten  ge- 
schmückte Prospekte  zur  Besichtigung 
eingeladen.  Wirmöchten  allenPtlanzen- 


194 


Unterrichtswesen.  —   Litteratur. 


und  Blumenliebhaber  den  Besuch 
dringend  empfehlen,  denn  sie  sehen 
dort  in  höchst  origineller  Anordnung 
sowohl  Früchte,  Zapfen,  Zweige, Blumen 
etc.,  zu  Sträussen,  Stillleben  etc.  ver- 
arbeitet. Sie  sehen  ferner  schöne 
Terracotten  von  der  berühmten  Manu- 
fatture  di  Signo.  einem  kleinen  Ort 
bei  Florenz,  vor  allem  aber  prächtige 
Palmen,  Cycas  etc.,  von  denen  ein 
grosser  Teil  wegen  der  seit  Mitte 
März  bei  uns  eingetretenen  Kälte  in 
den  riesigen  elektrisch  beleuchteten 
Kellerräumen  untergebracht  ist. 
Näheres  in  der  folgenden  Nummer. 

In  glücklicher  Weise  hat  auch  Herr 
O.  Möhrke.  Schillstrasse  15,  neue 
Ideen  in  der  Binderei  zur  Ausführung 
gebracht.  Er  benutzt  besonders  farbige 
Thongefässe,  die  er  nach  eigenen  An- 
gaben fertigen  lässt,  und  hat  solchen 
Zuspruch,  dass  er  seinen  Laden  durch 
einen  zweiten  erweitern  muss. 

Endlich  sei  in  dieser  Richtung 
auch  A.  Hedenus,  Potsdamer- 
strasse 129,  genannt,  der  in  seinem 
Schaufenster  originelle  Kränze,  Kissen 
etc.  mit  Flechten,  Palmfrüchten  etc. 
geschmückt  zeigt. 

Unsere  Bindereien  aus  reinen  Blumen 
werden    darunter    nicht  leiden;    es  ist 


aber  erfreulich,    dass    neue   Ideen  uns 
vorgeführt  werden. 

Giftigkeit  oder  Ungiftigkeit  der  Eibe, 
Taxus  baccata. 

Es  ist  nicht  richtig,  dass  die  Tiere 
keine  Eibennadeln  fressen,  weil  sie 
wissen,  dass  sie  giftig  seien.  Im  Gegen- 
teil, sie  fressen  sie  gern  und  leiden 
keinen  Schaden,  wenn  sie  sie  frisch 
zu  sich  nehmen;  es  scheint  ein  Magen- 
und  Appetit  anregendes  Mittel  für  sie 
zu  sein.  Ganz  anders  ist  es,  wenn  man 
ihnen  gepulverte  trockene  Taxusnadeln 
giebt,  wie  das  von  Bauernburschen 
mitunter  geschieht,  wenn  die  Pferde 
nur  Körnerfutter  erhalten  und  dieses 
satt  bekommen.  Getrocknete  Taxus- 
nadeln sind  unzweifelhaft  giftiger  als 
frische,  und  wenn  die  Tiere  das  geringste 
Quantum  zu  viel  erhalten,  besonders 
wenn  Pferde  nicht  an  Eibennadeln  ge- 
wöhnt sind,  können  sie  daran  sterben. 
Das  beste  Schutzmittel  gegen  Ver- 
giftung durch  Taxus  ist,  dass  man 
einzelne  Taxusbäume  in  die  Hecken 
der  Weideflächen  oder  auf  diese  selbst 
pflanzt. 

(C.  W.  Strickland  in  Gardeners' 
Chronicle   1895  II   160.) 


Unterrichtswesen. 


Gartenbauschule  für  Damen. 

Am  22.  März  fand  in  der  von  Frl. 
Dr.  Elwira  Castner  zu  Friedenau  bei 
Berlin  geleiteten  Gartenbauschule  für 
Damen  wiederum  ein  Examen  statt, 
bei  welchem  die  Schülerinnen  tüchtige 
Kenntnisse  und  vor  allem  Verständnis 
des  Vorgetragenen  aufwiesen.  Drei 
der  Damen  erhielten  das  Zeugnis 
,,gut",  eine  das  Zeugnis  „sehr  gut". 
Im  Oktober  wird  die  neue  viel  grössere 
Anstalt  in  Marienfelde  bezogen  werden, 


welche  Raum  für  30  Pensionärinnen 
bietet.  Gegenwärtig  wird  die  Schule 
von  26  Damen  besucht. 

Frühjahrskurses  im  Obstbau. 

Der  diesjährige  Frühjahrskursus  im 
Obstbau  für  Lehrer  wird  am  Kgl.  po- 
mologisehen  Institut  zu  Proskau  vom 
10.-22  April  abgehalten.  Der  hierzu 
als  Ergänzung  dienende  Sommerkursus 
findet  vom  14.  —  24.  August  statt. 
(Proskauer  Obstbau-Zeitung.) 


Litteratur. 


Max  Schulze(Jena).  DieOrchidaceen 
Deutschlands,  Deutsch  -  Oesterreichs 
und  der  Schweiz.  Mit  92  Farbentafeln, 
1  Tafel  in  Schwarzdruck  und   1   Stahl- 


stich. Gera  Untermhaus.  Verlag  von 
Friedrich  von  Zezschwitz  (vormals 
Fr.  Eugen  Köhlers  Botanischer  Verlag, 
1894. 


Litteratur. 


IQ: 


Der  Verfasser,  einer  der  besten 
Kenner  der  Erdorchideen,  giebt  in 
diesem  Werke  die  vollständigste  Zu- 
sammenstellung aller  Arten,  Abarten 
und  Bastarde,  und  können  wir  allen 
Botanikern  und  Gärtnern,  die  sich  für 
Orchideen  interessieren,  die  Anschaffung 
dieses  Werkes,  das  von  13  M.  auföM. 
(Halbfranzband  7,50  M.)  herabgesetzt 
ist,  aufs  beste  empfehlen.  Allein  die 
92  Tafeln  sind  so  viel  wert.     L.  W. 


Cyperaceae  et  Gramineae.  Her- 
ausgegeben von  den  Professoren  v. 
Schlechtendahl,  Langethal  und 
Fr.  E.  Schenk.  Revidiert  von  Prof. 
Ernst  Hallier-München.  Verlag  von 
Friedrich  von  Zezschwitz,  vormals 
Fr.  Eugen  Köhlers  Botanischer  Verlag. 
940  S.  Text  und  436  Tatein.  30  Liefe- 
rungen ä  1  M. 

Uns  persönlich  gefällt  das  kleine 
Format  und  das  bläuliche  Grün  der 
Biälter  nicht.  Im  Uebrigen  ist  das 
Buch,  das  ein  Sonderabdruck  aus  der 
grossen,  viele  Bände  umfassenden 
Schlechtendahl-Hallierschen  Flora  ist, 
besonders  der  zahlreichen  Abbildungen 
wegen,  zu  empfehlen.  Wir  hätten  bei 
der  Gattung  Carex  lieber  gesehen, 
wenn  zu  anfang  gleich  eine  Uebersicht 
über  sämtliche  Untergattungen  oder 
Stämme, wie  Hallier  sie  nennt, gegeben 
wäre,  ähnlich  wie  das  in  Engler 
u.  Prantl,  Xatürl.  Pflanzenfamilien  ge- 
schehen ist.  Text  und  Abbildungen 
passen  vorläufig  noch  nicht  zu- 
sammen. L.  W. 


Aus  dem  Verlage  von  Trowitsch 
&  Sohn,  Frankfurt  a.  O.  liegt  jetzt  in 
dritter  vermehrter  Auflage  das  »Garten- 
buch für  Anfänger«  von  Joh. 
Böttner  vor.  Es  ist  eine  erfreuliche 
Thatsache,  dass  der  Gartenbau  von 
Jahr  zu  Jahr  unter  allen  Berufsklassen 
sich  mehrFreunde  erwirbt.  Noch  grösser 
würde  ihre  Zahl  sein,  wenn  nicht  so 
Mancher  glaubte,  die  Gartenkunst  berge 
Geheimnisse,  die  nur  einem  gelernten 
Gärtner  offenbar  würden.  Diesem 
Glauben  kann  das  obenerwähnte  Buch 
mit  dem  grössten  Erfolge  entgegen- 
treten. Für  Anfänger  ist  es  geschrieben, 
und  wir  können  allen  solchen  nur 
dringend  raten,  sich  dieses  Buch  an- 
zuschaffen. Mit  Freuden  wird  sich 
Jeder   der    Lektüre    desselben  widmen 


und  im  Umsehen  wird  er  durch  die 
kurze  und  durchaus  klare  Schreibweise 
des  Verfassers  angespornt  werden  zu 
eigenen  Versuchen,  die  an  der  Hand 
der  zahlreichen,  den  Text  in  bester 
Weise  begleitenden  Abbildungen  kaum 
misslingen  können.  Mit  den  einfachsten 
und  billigsten  Mitteln  lernt  der  An- 
fänger in  diesem  vortrefflichen  Buche 
die  »Geheimnisse«  der  Gartenkunst, 
die  ihm  bald  eine  reiche  Quelle 
ständigen  Genusses  sein  werden. 

Im  Interesse  der  Ziele  unseres  Vereins 
müssen  wir  dem  Böttnerschen  Garten- 
buch die  weiteste  Verbreitung  wünschen. 

Ad.  Dr. 

John  M.  Coulter,  Haupt-Professor 
der  Botanik  an  der  Universität  Chicago. 
The  Origin  of  Gymnosperms  and  the 
seed  habit.  Sep.-Abdr.  aus  Bot.  Gazette 
XXVI  p.  153—168.  (Ursprung  der 
nacktsamigen  Gewächse  und  der  Cha- 
rakter des  Samens).  Der  Verfasser  isl 
der  Ansicht,  dass  die  fossilen  Samen- 
pflanzen von  einer  Gruppe,  die  durch 
die  fossile  Gattung  Cordaites*)  im 
weiteren  Sinne  vertreten  wird,  ab- 
stammen. Ferner,  dass  diese  wieder 
von  Farnkräutern,  welche  den  heutigen 
Marattia-Arten  ähnlich  sind,  sich  ab- 
leiten lassen,  und  von  diesen  die 
Gymnospermen  (Koniferen  und  Cyca- 
deen),  endlich,  dass  die  Samen  durch 
Verkümmerung  des  sog.  Makro- 
sporangiums  der  Selaginellen  etc. 
entstanden  und.  da  die  Hülle  fehlte, 
sich  mit  einer  Samenschale  um- 
gaben. 

Die  Gartenkunst,  Zeitschrift  für 
die  Gesamtinteressen  der  Gartenkunst 
und  Gartentechnik  sowie  der  damit 
verwandten  Zweige  des  Gartenbaues, 
herausgegeben  vom  Verein  deutscher 
Gartenkünstler.  Verlag  von  Gebr. 
Bornträger,  Berlin.  Monatlich  ein 
Heft  in  gr.40  mitvielenTextabbildungen. 
Preis   15  M. 

*)  Cordaites  ist  ein  Nadelholz  mit  auf- 
rechtem Stamm  und  verzweigter  Krone, 
linealen  oder  auch  breiten  Blattern,  die  mit 
elliptischer  Basis  dem  Zweige  ansassen.  l>ie 
Blüten  sassen  im  Winkel  von  spiraligen  Deck- 
blättern und  bildeten  Ähren.  Die  weiblichen 
trugen  auf  dem  Scheitel  einen  Büschel  ver- 
kümmerter Biälter.  Die  Samen  erinnern  an 
Taxus  und  Gingko  oder  Cycas  etc.      L.  W. 


i9<L 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Nachdem  nunmehr  drei  Hefte  dieser 
Zeitschrift  vorliegen,  können  wir  unser 
Urteil  dahin  aussprechen,  dass  hier 
wirklich  etwas  Gediegenes  geboten 
wird,  und  man  kann  dem  Verein 
deutscher  Gartenkünstler  Glück 
wünschen,  dass  er  in  Herrn  Dr.  Thost, 
dem  Inhaber  der  Firma  Gebr.  Born- 
träger, einen  Verleger  gefunden  hat, 
der  sich  ernstlich  der  Vereinszeitschrift 
annimmt. 

No.  1  bringt  u.  a.  die  fürstlichen 
Parks  und  Gärten  zu  Wernigerode 
a.  Harz  mit  drei  Plänen  und    drei  An- 


sichten, von  C.  Koopmann,  Araucaria 
imbricata  in  Blasewitz  bei  Dresden 
m.  Abb.  von  F.  Ledien,  die  sogenannte 
Lohkrankheit  der  Bäume  m.  Abb.  von 
P.  Sorauer;  No.  2  u.  3  die  preis- 
gekrönten Entwürfe  betr.  des  Platzes 
Z.  in  Schöneberg  mit  Plänen  etc.,  den 
Borsigschen  Garten  m.  Abb.  von 
H.  Weidlich,  die  Pläne  zu  der  Garten- 
bauabteilung auf  der  Pariser  Welt- 
ausstellung (nach  Le  Jardin  etc.), 
Baumpflanzungen  in  städtischen  Strassen 
von  Weiss  etc. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau-Ausstellung  vom  5./17. 
bis  1 5-/2 7.  Mai  1899.  Der  Nachtrag  II 
zum  Programm  ist  soeben  erschienen 
und  enthält  eine  grosse  Zahl  Ehren- 
preise und  verschiedene  Bestimmungen. 
Wir  empfehlen  allen,  die  nach  Peters- 
burg reisen,  sich  denselben  kommen  zu 
lassen.  Eine  Anzahl  Exemplare  sind 
uns  zur  Verteilung  übersandt. 

Die  Anmeldefrist  ist  auf  unsere 
Bitte  bis  zum  15.  27.  April  ver- 
längert, und  empfehlen  wir  allen,  die 
irgend  dazu  in  der  Lage  sind,  im 
Interesse  des  deutschen  Garten- 
baues sich  zu  beteiligen.  Baldige 
Angabe  des  Raumes  ist  aber  geboten. 
Wie  wir  privatim  hören,  ist  grosser 
Platzmangel.  Das  Taurische  Palais 
bietet  einen  gedeckten  Raum  von 
2800  qm,  dazu  kommen  noch  drei  zu 
erbauende  Gewächshäuser  von  je  30  m 
Länge,  ob  aber  das  genügen  wird,  ist 
zweifelhaft.  Da  einige  Aussteller,  Preis- 
richter etc.  ihre  Damen  mitbringen 
wollen,  so  können  wir  mitteilen,  dass 
für  diese  bestens  gesorgt  werden 
wird. 

Notwendig  zur  Reise  ist  ein  von  einer 
russischen  Gesandtschaft  oder  einem 
russischen  Konsulat  visierter  Pass; 
ferner  zu  empfehlen  Baedekers  Russ- 
land, ein  warmer  Überzieher,  ein  Frack. 
Wohnungsbestellungen  sind  baldigst 
an  Geheimrat  Fischer  von  Waldheim, 
kaiserl.  bot.  Garten,  zu  richten.  Die 
Stadt    Petersburg   hat  2000  Rubel  zum 


Empfang  ihrerseits  ausgesetzt.  Im 
Marientheater  findet  am  7./19.  Mai  eine 
Gala-Vorstellung  statt  etc.  Bis  jetzt 
haben  79  deutsche  Preisrichter  an- 
genommen, wir  werden  die  Namen  in 
nächster  Nummer  veröffentlichen.  Im 
ganzen  werden  200  ausländische  Preis- 
richter erwartet. 

Besonders  gern  gekauft  werden 
in  Russland',  kleine  und  mittlere 
Palmen,  Araucarien,  Rosen  etc..  keine 
grossen  Exemplare!  Dies  zur  Notiz 
für  Aussteller.  Von  Baden  ist  der 
Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Pfitzer,  Direktor 
des  bot.  Gartens  in  Heidelberg,  zum 
Delegierten  ernannt,  von  Preussen  Geh. 
Rat  Prof.  Dr.  Engler,  Direktor  des 
Kgl.  bot.  Gartens,  Berlin,  Kgl.  Garten- 
baudirektor Lackner,  Steglitz, Direktor 
des  Vereins  zur  Beförderung  des 
Gartenbaues,  und  L.  Wittmack. 


Lyon.  Vom  3.  bis  12.  November  1899. 
Allgemeine  Gartenbau-Ausstellung  der 
Societe  d'horticulture  du  Rhone,  ver- 
bunden mit  einer  Ausstellung  von 
darauf  bezüglichen  Kunst-  und  ge- 
werblichen Gegenständen  bei  Gelegen- 
heit des  4.  Kongresses  der  französischen 
Chrysanthemum-Züchter.  Aus  diesem 
Anlass  wird  ein  internationaler 
Wettbewerb  in  Chrysanthemum 
damit  verbunden  sein.  Fahrpreis- 
ermässigungen um  50%  sind  erbeten. 
Programme  beim  General-Sekretär 
G.  Chabonne,  Palais  des  Arts  in 
Lyon   (Rhone). 


Aus  den  Vereinen. 


L97 


Berlin^  Grosse  deutsche  Winter- 
blumen -  Ausstellung.  Mitte  Februar 
1900  im  Zoologischen  Garten.  Das 
Programm,  das  Medaillen  und  Geld- 
preise im  Gesamtbetrage  von  nicht 
weniger  als  200011  Mark  aussetzt, 
ist  am  23.  Februar  vom  Verein 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues 
genehmigt    und    wird     nun     gedruckt. 


Pankow  -  Schön  hausen.  Allge- 
meine Gartenbau  -  Ausstellung  des 
Pankow  -  Schönhausener  Gartenbau- 
vereins, 19.  — 24.  Mai  1900,  im 
Restaurant  Linder,  Breitest!".  34.  An- 
fragen sind  zu  richten  an  W.  Kretsch- 
mann,  Handelsgärtner  in  Pankow- 
Berlin. 


London.  Internationale  Konferenz 
über  Bastard-  und  Kreuzungs- 
pflanzen,  veranstaltet  von  der  Royal 
Horticultural     Society     am      11.     und 


12.  Juli  1899.  Anmeldung  von  Artikeln 
und  Pflanzen  an  W.  Wilks,  Secretary, 
117    Victoria  Street,    Westminster  SW. 


Antwerpen.  Internationale  Aus- 
stellung vom  9. — 13.  April  1S99  zur 
Feier  des  3ocjährigen  Geburtstages  von 
A  n  t  o  n  v  a  n   D  y  c  k. 


Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899 
Grosse  internationale  Ausstellung.  Die 
Ligue  horticole  L'Union  zu  Mont 
St.  Amand  bei  Gent  versendet  ein  sehr 
geschmackvolles  Plakat  zu  ihrer  Auf- 
stellung. 

Internationaler  Gärtnerischer 
Kongress  in  Paris  während  der 
Gartenbau  -  Ausstellung  vom  24.  bis 
29.  Mai.  Es  werden  halbe  Fahrpreise 
gewährt.  Meldungen  nur  bis  zum 
15.  April:  rue  de  Grenelle  84,  Bureau 
I   der  Soc.  nationalle  d'hortic.  de  France. 


Aus  den  Vereinen. 


Aus  der  Sitzung  des  Liebhaber-Ausschusses 
am  6.  Februar  1899. 

Geheimrat  Hauchecorne  teilt  mit, 
dass  er  auf  dem  Rennsteige  bei  Ruhla 
an  einem  Wiesenbache  massenhaft 
Mimulus  luteus  gefunden  hat.  Es  stellte 
sich  heraus,  dass  diese  Pflanze  aus  dem 
Meininger  Schlossgarten,  einem  Wasser- 
laufe folgend ,  ausgewandert  war. 
Gerade  im  Wasser  hält  sie  sich,  wie 
Dr.  Dammer  bemerkt,  gut  und  über- 
dauert unsere  Winter. 

Herr  Prof.  Roden waldt  empfiehlt 
1.  Tropaeolum  speciosum,  welches  er 
bei  Herrn  v.  St.  Paul  als  Vorpflanzung 
in  Gebüschen  gesehen;  2.  Campanula 
lactiflora,  die  grosse  Büsche  bildet, 
ebenfalls  bei  v.  St.  Paul;  3.  Phytolacca 
acinosa  variegata  (esculenta). 

Ihrr  Dr.  Dammer  legt  die  1.  Bände 
der  von  ihm  herausgegebenen  Garten- 
bau-Bibliothek. Verlag  von  Karl 
Sigismund,  vor.  Bd.  I  Zimmer-Blüten- 
pflanzen, II  Zimmer  -  Blattpflanzen, 
VI   Balkonpflanzen. 

Herr  Geheimrat  Hauchecorne  er- 
bietet sich,  im  Sommer  Samen  von 
Lathyrus  latifolius  zu  sammeln  und  ab- 
zugeben. 


Herr  Prof.  Rodenwaldt  empliehlt 
Thonkästen  für  Balkons  vom  Töpfer- 
meister Schmidt  -  Gharlottenburg, 
Schulstrasse  10,  ä  Stck.  1,25.  Den 
Rand  oben  lässt  Herr  Schmidt  auf 
Wunsch  abschlagen. 

Herr  Peschke:  Hoftöpfermeister 
Schöffel.Lindowerstrasse  10/1 1,  macht 
auch  solche  Kästen  in  jeder  Grösse 
und  Form. 

Herr  Demharter:  Die  Thonkästen 
müssen  möglichst  gross  sein,  damit  sie 
nicht  so  leicht  austrocknen.  Töpfer 
Schleinitz  in  Weissensee  macht  sehr 
grosse  Kästen.  Xach  Herrn  Peschke 
sind  diese  Kästen  aber  aus  gröberem 
Thon. 


Geschäftsbericht  der  Deutschen  Dahlien- 
Gesellschaft  über  das  erste  Jahr  (1898)  ihres 
Bestehens. 

Die  Deutsche  Dahlien-Gesellschaft, 
die  heute  auf  ihr  einjähriges  Bestehen 
zurückblickt,  wurde  nach  voran- 
gegangenem Aufruf  in  allen  Fach- 
Mattern  am  17.  November  1807  in 
Steglitz  begründet,  und  es  verhiess  das 
damals  schon  zutage  tretende  Intere  — 
der    aus    vielen    Teilen    Deutschlands 


j98 


Aus   den  Vereinen. 


Krscliienenen  der  zeitgemässen,  natio- 
nalen Vereinigung  eine  sichere  Lebens- 
fähigkeit. 

Mit  den  Vorarbeiten  beauftragt, 
berief  der  damalige  provisorische 
Vorstand  die  erste  ordentliche  Ver- 
sammlung auf  den  13.  März  1898 
nach  Leipzig  ein.  Dieselbe  bestätigte 
den  bisherigen  Vorstand,  welchem 
ergänzend  3  Beisitzer  zur  Seite  ge- 
stellt wurden.  In  dem  Bestreben,  der 
deutschen  Dahlienzucht,  welche  be- 
reits Ende  der  sechziger  Jahre  eine 
für  damalige  Verhältnisse  führende, 
erste  Weltstellnng  eingenommen, 
später  aber  von  England  überflügelt 
wurde,  weil  sie  es  nicht  verstand,  dem 
Zeitgeiste  Rechnung  zu  tragen  und 
neue  Formen  aufzunehmen,  die  gerade 
diese  Pflanzengattung  wieder  einreihten 
unter  die  für  alle  Zwecke  verwend- 
baren Modeblumen,  diese  führende 
Stellung  wieder  zurück  zu  erobern, 
gelangten  die  Entwürfe  für  eine 
systematische  Wertzeugnisbestimmung 
in  ihren  Grundzügen  einstimmig  zur 
Annahme.  Um  der  breiten  Öffent- 
lichkeit sofort  einen  Beweis  ihres 
Bestehens  zu  geben,  beschloss  die 
Gesellschaft  einmütig,  schon  im  ersten 
Jahre  eine  ., Special- Dahlien- Aus- 
stellung" zu  veranstalten. 

Die  Wahl  des  Ortes  fiel  auf  Magde- 
burg, als  aufblühende  Gärtnerstadt 
im  Herzen  Deutschlands.  Angeregt 
durch  öfteres  Anwesendsein  einiger 
Herren  des  Vorstandes  und  opfer- 
freudiges Eintreten  des  Magdeburger 
Ausstellungs-Ausschusses,  konnte  trotz 
vorangegangener  sehr  ungünstiger 
Witterung,  Hitze  und  Dürre,  mit 
Unterstützung  dort  einheimischer  Gärt- 
ner eine  Dahlienblütenschau  eröffnet 
werden,  wie  solche  bisher  in  Deutsch- 
land nicht  gesehen  wurde. 

Wenn  auch  das  finanzielle  Ergeb- 
nis der  Ausstellung  den  Erwartungen 
nicht  entsprach  und  das  Gesellschafts- 
vermögen dabei  mit  einem  ziemlichen 
Beitrage         herangezogen  werden 

musste,  so  waren  in  idealer  und  be- 
lehrender Hinsicht  die  Erfolge  unver- 
kennbar grosse.  Die  Berichte  sämt- 
licher deutschen  Gartenzeitschriften 
sowie  der  gute  Besuch  seitens  der 
Magdeburg  nahevvohnenden  Gärtner- 
schaft, sind  Anerkenhungen,  die  uns 
weiter  anspornen  werden,  auf  diesem 
öffentlichen       Wege       rüstig       fortzu- 


schreiten. Wir  hoffen,  dass  eine 
nächste  Ausstellung,  die  in  Berlin 
abgehalten  werden  soll,  neben  zu  er- 
wartendem grösserem  Liebhaberbesuch 
auch  finanziell  günstig  ausfallen  wird. 
Die  Ausstellung  gab  Veranlassung, 
die  beiden  Züchter,  bei  welchen 
gleichzeitig  die  synonymen  Cactus- 
Dahlien  „Hohenzollern"  und  ,. Gold- 
krone" entstanden  waren,  zu  bestimmen, 
dieselben  nun  unter  dem  Namen 
„Hohenzollern"  zu  führen,  da  letzterer 
Name  als  der  zuerst  in  die  Öffentlich- 
keit eingeführte  anerkannt  werden 
musste.  Nach  öfteren  schriftlichen 
und  mündlichen  Verhandlungen  er- 
klärte sich  der  Verband  der  Mandeis- 
gärtner  bereit,  sein  im  Jahre  1897 
auf  den  Namen  „Goldkrone"  erteiltes 
Werthzeugnis  in  „Hohenzollern"  um- 
zuschreiben. 

Wiederholt  wurde  die  Deutsche 
Dahlien-Gesellschaft  in  diesem  Jahr 
um  Prüfung  deutscher  Neuzüchtungen 
ersucht.  Es  wurden  auf  Grund  der 
Bestimmungen  Wertzeugnisse  ver- 
liehen- 

Der  Firma  Daiker  &  Otto,  Langen- 
weddin  gen,  auf  ein  stimmigen  Antrag 
der  Beurteiler  ein  solches  für 
deren  Neuzüchtung  „Goldelse", 
ein  Sport  von  „Gloriosa",  ferner 
derselben  Firma  für  einen  anderen 
Gloriosa-Sport  „Badenia"  durch 
Stimmenmehrheitsbeschluss.  Kohl- 
mannslehner  &  Schwenke,  Schöne- 
berg-Berlin,  beantragten  ebenfalls 
für  die  in  Handel  zu  bringenden 
Tölkhausschen  Züchtungen  Be- 
urteilung und  erhielten  für  „Sedan" 
mit  Stimmenmehrheit,  für  „Nacht- 
falter" durch  einstimmiges  Votum 
Wertzeugnisse,  während  „Königin 
Wilhelmine  von  Holland"  lobend 
im  Protokoll  anerkannt  wurde. 
Soweit  die  von  jeder  Sorte  gezeigte 
Ursprungspflanze  bei  Besichtigung 
am  6.  November  dies  gestattete, 
erkannten  die  Preisrichter  auch 
die  von  der  Firma  Goos  &  Koene- 
mann,  Nieder-Walluf,  vorgeführten 
Neuheiten  „Siegmund"  und  „Sieg- 
linde" in  beiden  Fällen  einstimmig 
des  Wertzeugnisses  für  würdig. 
Wir  veröffentlichen  um  so  lieber 
diese  Erfolge  deutscher  Zucht,  als 
dieselben  den  besten  englichen  Neu- 
einführungen vollständig  ebenbürtig 
sind. 


Eingesandte   Preisverzeichnisse.  —  Personal-Nachrichten. 


199 


Zwei  ordentliche  Mitglieder-Ver- 
sammlungen fanden  in  dem  Jahre  statt, 
die  anregend  auf  die  Teilnehmer  wirkten, 
auch  neue  Mitglieder  der  Gesellschaft 
zuführten,  welche  am  Jahresschluss 
aus  nahezu  80  Mitgliedern  bestand. 

Den  Jahreseinnahmen  von  1354,15  M. 
stellten  sich  1146,64  M.  Ausgaben 
gegenüber,  so  dass  heute  das  Gesell- 
schaftsvermögen 207.51   M.  beträgt. 

Wir  treten  hoff'nungsfreudig  in  das 
zweite  Geschäftsjahr  ein  und  nochmals 
sei  allen  Denen,  die  das  gesellschaft- 
liche Wohl  im  vergangenen  so  nach- 
haltig förderten,  besonders  auch  den 
Herausgebern  aller  deutschen  Fach- 
blätter,     welche      unsere      Veröffent- 


lichungen immer  bereitwilligst  auf- 
nahmen, aufrichtigster  herzlichster!  )ank 
gesagt.  An  die  geehrten  Mitglieder 
richten  wir  noch  die  Bitte  fernerer 
fleissiger  Mitarbeit,  sie  dient  ja  im 
Besonderen  dem  Weiterausbau  der 
deutschen  Dahlienzucht,  wie  auch  im 
weiteren  Sinne  dem  -reimten 
deutschen  Gartenbau. 

Berlin,  den  31.  Dezember  iS^s. 

Der  Vorstand  der  Deutschen  Dahlien  Gesellschaft 

C.  Kotte,  Präsident.  E.  N  o  n  n  e  ,  2.  Vor- 
sitzender. Heinr.  Kohlmannslehner, 
Geschäftsführer.  G.  B  o  r  n  e  111  a  n  n  ,  Schritt- 
führer. Ed.  Grass,  Schatzmeister.  I  C. 
Hanisch,  Beisitzer.  Eug.  Daiker 
Beisitzer.     W  i  1  h,  T  h  ü  r  m  e  r  ,  Beisitzer. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


Paul  Parey,  Verlagsbuchhandlung, 
Berlin.  Verzeichnis  der  daselbst  189S  er- 
schienenen Werke:  überLandwirtschaft, 
Gartenbau  und  Forstwesen.  —  Herrn. 
A.  Hesse.  Baumschulen  in  Weener 
(Prov.  Hannover).  Spezialofferte  über 
Koniferen.  —  Ellwanger  &  Barry 
in  Rochester  N.  Y.  Novelties  in  Fruit 
and  Ornamental Trees.Shrubs,  Rosesetc. 
(m.  Abb.)  —  K.  J.  Kuyk  (Nachfolger 
von  Aug.  van  Geert)  in  Gent  (Belgien). 
Hauptpreisverzeichnis  nur  für  Handels- 
gärtner über  die  Spezialkulturen,  z.  B. 
Azaleen ,  Camellien  ,  Rhododendron, 
Palmen,  Farne, Selaginellen,  Anthurien, 
Aralien,  Araucarien,  Aspidistra,  Be- 
gonien ,  Bromeliaceen  etc.  etc.  — 
Wallpach  -  Seh  wanenfeld  in  Inns- 
bruck. Forst-  und  Feldsamen  (,, Alpines 
Saatgut").  --  Max  Deegen  (Christian 
Deegen's  Nachfolger)  in  Köstritz,  Thü- 
ringen.     Dahlien,    Rosen.    Gladiolen, 


Obstbäume ,      Ziergehölze.  Otto 

Heyneck  in  Cracau-Magdeburg.  Chry- 
santhemum und  Caladium,  Derselbe 
Nachtrag    zum    Sortimentskatalog.    — 
Louis  Schön.  Crimmitschau(Sachsen). 
Baumbänder,    Cocosstricke,  Raffiabast 
Leimringe,  Raupenleim  etc.  —  Fred'k 
W.  Kelsy,    NewYork.      Trees.     Ever- 
greens,  Shrubs.    Roses,    Vines.    Hardy 
Plants  and  best  fruits.  -    V.  Lemoine 
et    fils,    Nancy    (France).      Neuheiten 
und     Diverses.     —     Koenemann     & 
Maassen,    Inhab.   Reinh.   Koenemann. 
Remscheid.    Neuheiten.  Dahlien,  Chry- 
santhemum.   Stauden  u.  a.    —    Koll  & 
I   Sonntag    in    Hilden    bei    Düsseldorf- 
|   Chrysanthemum,    Neuheiten    und   aus- 
I   gewählte    ältere    Sorten.    —    Severin 
j   in  Kremmen  b.  Berlin.  Edel-Georginen. 
-  J.  C.  Schmidt   in  Erfurt.     Diverse 
I  Arrangements  mit  Abb.  (sehr  als  Vor- 
1  bilder  zu  empfehlen!) 


Personal-Nachrichten. 


Der  Kgl.  Garteninspektor  Karl 
Salomon  am  bot.  Garten  zu  Würz- 
burg f  am  7.  Februar  im  Alter  von 
69  Jahren.  Er  gehörte  zu  den  heut 
zu  Tage  leider  recht  seltenen  Gärtnern, 
die    auch    tüchtige    botanische  Kennt- 


nisse besitzen,  und  war  schriftstellerisch 
sehr  thätig.  Er  schrieb  einen  Nomen- 
klator  der  Getässkryptogamen,  der 
auch  für  Botaniker  sehr  brauchbar 
ist,  ferner  über  winterharte  Ziergehölze, 
über    Palmen,    über    höhere    Pflanzen- 


2,00 


Berichtigung.   —  Bitte. 


kultur  etc.  Seine  letzte  Arbeit  über  I  schien  1849—51.  Im  Jahre  1852  be- 
Melastomaceen  erschien  in  der  Garten-  |  gründete  er  mit  Ule  die  noch  heut 
flora  1898.  :   bestehende  Zeitschrift  »Die  Natur«. 


Dem  Wirkl.  Rat  Max  K  o  1  b  , 
München,  wurde  zu  seinem  40jährigen 
Dienstjubiläum  am  19.  März  u.  a  ein 
Kunstschrein  mit  Silberbesteck  gestiftet. 

G.  Reich.  Stadt-Obergärtner  des 
Herrenkrugs  bei  Magdeburg,  tritt  am 
1.  April  in  den  Ruhestand. 


Gustav  Bahr,  pens.  Eisenbahn- 
Sekretär  in  Warnick.  Küstrin  II,  starb 
18.  März.  Es  verliert  der  Verein  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  dessen 
Mitglied  er  war,  in  ihm  einen  der  tüch- 
tigsten Privat-Pomologen,  der  in  seiner 
Bescheidenheit  sein  Glück  nur  in  seinem 
Obstgarten  suchte  und  fand.  Er  war 
unverheiratet.  W. 

Karl  Eu  nicke,  bisher  im  bot. 
Garten  zu  Berlin,  trat  für  die  Firma 
C.  Woermann,  Hamburg,  eine  Reise 
nach  Kamerun  an. 

Prof.  Karl  Müller  in  Halle  a.  S., 
geb.  16.  Dezember  1818  zu  Allstedt, 
f  am  9.  Februar.  Er  war  einer  der 
besten  Mooskenner  und  sein  Herbarium 
ist  vom  Kultusministerium  für  die 
Universität  Halle  angekauft.  Sein 
Hauptwerk    über    die    Laubmoose    er- 


Prof.  Dr.  Richard  von  Wettstein. 
Prag,  ist  als  Nachfolger  von  Kerner 
v.  Marilaun  zum  Universitätsprofessor 
und  Direktor  des  bot.  Gartens  in  Wien 
ernannt. 

G.  Heine,  bisher  in  Hofgarten  zu 
Kl.  Glienicke  bei  Potsdam  ging  als 
Pflanzungsassistent  der  Plantagen  der 
Neu-Guinea-Kompagnie  nach  Stephans- 
ort in  Neu-Guinea.  Erst  im  Herbst  1898 
war  er  aus  Kiautschou,  wo  er  im  See- 
bataillon diente,  zurückgekehrt. 


Chr.  Drescher  in  Berlin,  der 
berühmte  Kranzbinder,  feierte  am 
10.  Februar  sein  25jähriges  Geschäfts- 
jubiläum. Er  ist  am  10.  Februar  1845 
in  Sorge,  Kreis  Krossen,  geboren  und 
seit  1S63  in  Berlin  ansässig  und  In- 
haber der  Rettungsmedaille  am  Bande. 


E.  Henze,  bisher  stellvertretender 
Obergärtner,  wurde  an  Stelle  des  ver- 
storbenen A.  Mathson  zum  Ober- 
gärtner der  städtischen  Gruson-Ge- 
wächshäuser  in  Magdeburg  ernannt. 


Hermann  Lern bke,  bisher  Handels- 
gärtnerin Altona, wurde  zum  städtischen 
Friedhofsverwalter  daselbst  erwählt. 


Berichtigung. 


In  dem  Aufsatz  Dioon  edule,  Heft  6, 

S.   155  Zeile  1  von  oben  lies  Abb.  37  statt  Abb.  6, 
S.  157      »       2  von  unten  lies  (Dion)  statt  (Dioon), 
S.   158      »       2  von  oben  lies  Tafel  LNXXI  statt  LXXI. 
S.   158      »      14  von  unten  lies  Prodr.  XVI  statt  VI. 

L.   Wittmack. 


Bitte. 

Mit  einer  Monographie  der  Musaceae  beschäftigt,  bedarf  ich  lebender 
Blütenstände  von  Heliconia  und  Strelitzia.  Ich  würde  den  Herren  zu  grossem 
Danke  verpflichtet  sein,  welche  mich  durch  Uebersendung  derselben  unter- 
stützen wollten.  Prof.  K.  Schumann,  Berlin,  Grunewaldstr.  0  ;. 


Gartenflora    1899. 


1461. 


DlER  VILLA  WAGNERI  kumezow. 

D.  florida  S.  et  Z.    X    Middendorffiana  Carr.) 


Diervilla  Wagneri  mihi 

(D.  florida  S.  et  Z.  x     Micldendorffiana  Carr.). 

Von  Professor  X.  J.  Kusnezow,   Direktor  Jes   Botanischen  Gartens  zu  Jurjew  (Dorpal 

—^  I  Hierzu   Tafel    i  (.61.) 

triebe  zweistreifig,  behaart.  Blätter  gewimpert,  oberseits  wie  auch  unterseits 
kahl  und  nur  auf  den  Nerven  etwas  behaart.  Blüten  einzeln,  blattwinkel- 
ständig,  kurzgestielt,  fast  sitzend.  Kelchzipfel  lanzettlich,  V3  der  Kronenröhre 
erreichend,  nur  am  Rande  gewimpert,  ganz  getrennt  oder  etwa  bis  zur  Mitte  alle 
oder  zu  3-  -3  verwachsen,  alle  oder  fast  alle  von  einer  und  derselben  Crosse. 
Blumenkrone  etwa  3  cm  lang,  rosa  mit  gelblichweissen  Pa'rtieen,  aber 
ohne  dunkelgelbe  oder  purpurne  Flecken,  aus  engem  Grunde  plötzlich  stark 
erweitert,  nicht  zweilippig,  mit  5  gleich  tiefen  Einschnitten,  innen  unten  über 
der  Staubblatteinfügung  etwas  filzig;  Saumlappen  von  etwa  Ya  Röhrenlange. 
Staubfäden  am  Grunde  etwas  haarig.  Staubbeutel  etwas  verfilzt.  Griffel  kahl. 
Fruchtknoten  sparsam  behaart. 

Dieser  interessante  Bastard  stammt  von  der  Kreuzung,  die  der  berühmte 
Ilandelsgärtner  F.Wagner  in  Tukkum  (Kurland,  Russland)  vor  8  Jahren 
zwischen  I>.  florida  S.  cl  Z.  (Nordchina)  und  D.  Middendoi-ffiana  Carr.  (Ostsibir., 
Nordchina,  Japan)  ausgeführt  hat.  Wie  bekannt,  ist  bei  uns  (in  den  Ostsee- 
provinzen) D.  Middendorffiana  nebst  Forsythia  der  erste  Blütenstrauch  im  Früh- 
jahr, während  Diervilla  florida  erst  im  Juni  anfängt  zu  blühen;  ihre  Blütendauer 
erstreckt  aber  sich  bis  zum  August,  zu  einer  Zeit,  wo  die  />.  Middendorffiana 
einen  zweiten,  wenn  auch  schwächeren  Flor  entwickelt.  Mit  dem  Pollen  der  zweiten 
Blüte  der  D.  Middendorffiana befruchtete  nun  Herr  Wagner  vor  8 Jahren  Ende  August 
eine  D.  florida  (von  der  Vor.  Mad.  <  buturier),  im  Top!  stehend,  und  brachte  die  Pflanze 
in  ein  ungeheiztes  Gewächshaus.  Von  den  angesetzten  Früchten  fielen  alle  mit 
Ausnahme  einer  Kapsel  ab,  die  im  Oktober  reif  wurde  und  nur  wenige  Samen 
enthielt,  von  denen  drei  keimten,  doch  wieder  bis  auf  einen  umkamen.  Diese 
eine  Pilanze  zeichnete  sich  sofort  durch  starken  Wuchs  und  eine  ganz  besondere 
hellgrüne  Färbung  aus,  die  weder  Ähnlichkeit  mit  derjenigen  der  l>.  Midden- 
dorffiana noch  der  von  D.  florida  hat.  Merkwürdig  ist  es,  dass  es  fast  8  Jahre 
gedauert  hat,  bis  die  Pflanze  jetzt  zum  erstenmal  blühte,  während  D.  Midden- 
dorffiana bei  zeitiger  Aussaat  bekanntlich  schon  im  Herbst  desselben  Jahres. 
die  übrigen  Diervilla  aber  auch  sehr  früh  blühen.  Auch  aus  Stecklingen  er- 
erzogene Bilanzen  wollten  sich  nicht  bei  Herrn  Wagner  zum  Blühen  be- 
quemen. Herr  Wagner  meint  aber,  dass  der  Charakter  der  Pflanze  in  dieser 
Hinsicht  sich  ändern  wird,  sobald  Stecklinge  einer  Pflanze  die  schon  geblüht 
hat,  entnommen  werden.  Ob  der  Strauch  Kapseln  mit  keimfähigen  Samen 
hervorbringen  wird,  ist  bis  jetzt  unbestimmt,  denn  in  diesem  Jahre,  wo  die 
Pflanze    zum  erstenmal  blühte,    blieb  sie  noch  steril.      Weder   die   mit  ei- 


202  Diervilla  Wagneri  mihi. 


Pollen    bestäubten  Blüten    noch  andere   mit  Varietäten    der  D.  florida  bestäubte 
setzten  Früchte  an. 

Herr  Wagner  meint  mit  vollem  Recht,  das  späte  Blühen  und  schon 
früher  den  mangelhaften  Samenansatz  nur  dadurch  zu  erklären,  dass  es  sich  um 
eine  extreme  Kreuzung  (zweier  Subgenera)  handelt.  Die  Kultur  der  Pflanze 
scheint  sehr  einfach  zu  sein.  Sie  wächst,  nach  Wagners  Angaben,  eher 
wie  Unkraut,  im  Gegensatz  zu  1>.  Middendorffiana,  die  nicht  überall,  nament- 
lich im  Westen,  gedeihen  will.  Auch  in  Jurjew  (Dorpat)  wächst  diese  Art 
recht  kümmerlich.  Wagners  Mutterstrauch  von  I>.  Wagneri  ist  circa 
1  Meter  hoch  und  ebenso  breit,  dürfte  auch  keinen  grösseren  Wuchs  erreichen; 
der  Wuchs  ist  nicht  so  sparrig  (sondern  viel  buschiger)  als  der  von  I>. 
Middendorffiana,  von  der  sowohl,  wie  von  der  sogen.  Weigelia  er  sich  schon  aus 
der  Ferne  unterscheidet.  Herr  Wagner  hegt  für  diese  Neuheit  grosse  Hoff- 
nung vom  gärtnerischen  Standpunkte,  da  die  Pflanze  die  guten  Eigenschaften 
beider  Eltern  in  sich  vereinigt,  namentlich  die  Stammmutter  einer  neuen  Reihe 
schöner  Formen  werden  dürfte.  Die  Bastarde  und  Varietäten  von  Diervilla 
florida,  hortensis,  coraeensis,  japonica  etc.  sind  in  Kurland  nicht  winterhart, 
während  D.  Wagneri  sich  unserem  Klima  gegenüber  ganz  wie  sein  Vater 
(D.  Middendorffiana)  verhält,  also  absolut  widerstandsfähig  gegen  Kälte  ist. 
Hervorzugehen  ist  noch,  dass  die  gelbe  Farbe  des  Vaters,  die  in  der  Blüte  der 
D.  florida  fehlt,  auf  den  Bastard  übergegangen  ist,  während  die  charakteristische 
Punktierung  des  Schlundes  der  D.  Middendorffiana  fehlt.  Im  Gegensatz  zu 
D.  Middendorffiana  ist  die  Blumenkrone  aus  fünf  regelmässigen  Abschnitten 
gebildet.  Überhaupt  aber  hat  sie  mehr  die  Muttereigenschaften  beibehalten, 
wie  es  aus  der  obengegebenen  Beschreibung  klar  hervorgeht. 

Was  die  Blütezeit  des  neuen  Bastardes  in  A^ergleich  mit  der  seiner 
Eltern  anbelangt,  so  kann  man  folgendes  darüber  mitteilen  :  Wie  oben 
schon  angedeutet  ist,  treibt  D.  Middendorffiana  sehr  früh  und  ist  schon  im 
April  belaubt,  blüht  meistens  Anfang  Mai  und  zum  zweitenmal  Ende  Juli  und 
August  und  noch  später,  die  Früchte  reifen  im  Juli  und  dann  wieder  Ende 
September.  1>.  flor/dn  blüht  im  Juni,  entwickelt  aber  Blüten  nach  und  nach 
bis  Ende  August,  in  diesem  Jahre  noch  später,  die  Früchte  reifen  vom  August 
an.  I).  Wagneri  blühte  bisher  von  Ende  Mai  bis  Anfang  Juni,  es  ist  aber 
immerhin  möglich,  dass  sie   im  Herbst  noch  einen  zweiten  Flor  entfaltet. 

Als  Speziesnamen  wähle  ich  für  diesen  neuen  Bastard  D.  Wagneri 
zur  Ehre  des  verstorbenen  Vaters  Herrn  F.  Wagners,  des  berühmten  Gärtners 
aus  Riga,  dessen  Verdienste  für  Gärtnerei  bei  uns  in  Russland  unbestritten 
sind  und  der  auch  der  erste  I).  Middendorffiana  aus  den  Samen,  die  ihm  von 
dem  Akademiker  Middendorff  etwa  1850  übergeben  wurden,  erzog.  Diese  erste 
Pflanze  wurde  von  Lemaire  im  ,, Illustration  horticole"  T.  115  Jahrg.  1S.57  unter  dem 
Namen  Wagneria  Middendorffiana  beschrieben.  Dieser  Name  blieb,  bis  es  sich 
herausstellte,  dass  die  Pflanze  zum  Genus  ^/Vr/vV/rt  gehörte.  Dippel  (Handbuch 
der  Laubholzkunde.  Bd.  I.  p.  2O7)  hat  durch  irgend  welche  Verwechselung 
Wagneria  Middendorff iai/a  als  Synonym  zu  D.  sessilifolia  Buckly  gestellt,  was 
ein  offenbarer  Irrtum  ist,  da  I).  sessilifolia  aus  Amerika  stammt  und  mit 
I>.  Middendorffiana  absolut  nichts  zu  thun  hat. 


SSj.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  20^ 


857.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 

am  23.  März  1899. 

T.  Der  Direktor  des  Vereins,  Herr  Lackner -Steglitz,  widmete  den  dahin- 
geschiedenen Mitgliedern,  Kommerzienrat  und  Senator  Ranniger  in  Alten- 
burg und  Eisenbahn -Sekretär  I».  Bahr  in  Warnick,  Küstrin  II,  warme 
Worte  der  Anerkennung,  und  die  Anwesenden  erhoben  sich  zum  /eichen 
der  Teilnahme  von  ihren  Sitzen. 
II.  Vorgeschlagen  wurden  zu  wirklichen  Mitgliedern: 

1.  Herr  Obergärtner    Ferdinand    Greinig    in    Köpenick    (C.    Bolles 

Obstplantage),  durch  Herrn  Garteninspektor  Weber; 

2.  ..      Kreis-Obergärtner      Otto     Busse,      Genthin,      durch      Herrn 

Kies  e  w  e  1 1  e  r  ; 

3.  ..      Kautmann  (i.  Schlochow,  Friedenau,  durch  Herrn  G.  Ileyden; 

4.  ..      Obergärtner  Karolewsky,  Wannsee,  Villa  Wild,  durch  Herrn 

K  r  o  p  p ; 

5.  ..      Blumenhändler  Möhricke,  Berlin,  Schillstr.    15.    durch   Herrn 

W  i  en  holtz. 
III.  Ausgestellte  Gegenstände:  1.  Herr  K  retsc  h  m  a  n  n  -  Pankow  führt  au- 
gezeichnete Primula  obeonica  grandiflora  vor.  Herr  Kretschmann  be- 
merkte, dass  er,  als  er  vor  vielen  Jahren  sich  Samen  dieser  Pflanze  be- 
schaffte, nur  unscheinbare  Blumen  davon  erhalten  habe,  als  er  dann 
aber  bei  Gelegenheit  einer  Ausstellung  des  Vereins  in  der  Flora  zu 
Charlottenburg  die  herrlichen  Exemplare  der  Herren  Arends  und  Pfeiffer 
in  Nieder- Ronsdorf,  Rheinprovinz,  gesehen,  habe  er  sich  davon  kommen 
lassen  und  immer  nur  von  den  schönsten  Ptlanzen  den  Samen  weiter- 
gezüchtet. Aus  solchen  Samen  sind  die  vorliegenden  erwachsen.  Im 
vorigen  Jahre  stellte  er  eine  Anzahl  im  Hause  auf  Tafeln  auf  und  hat  sie 
als  Schnittblumen  leicht  verkauft,  da  sie  langstielig  sind  und  sich  sehr 
gut  halten,  wenigstens  länger  als  Primula  chinensis.  Die  Pflanze  eignet 
sich  aber  auch  sehr  gut  zum  Topfverkauf.  Der  Same  ist  erst  spät 
gesäet,  einmal  um  besser  Samen  ziehen  zu  können,  zweitens  weil  die 
Blütezeit  sonst  mit  der  der  Cineracien  zusammengefallen  wäre  und  der 
Verkauf  schwieriger  gewesen  sein  würde.  Er  hofft,  auf  der  Grossen 
Winterblumen-Ausstellung  Mitte  Februar  1900  schöne  Schau- 
pflanzen vorführen  zu  können. 

Die  Kultur  ist  einfach.  Man  säet  die  Primula  obeonica  grandiflora  von  Juli 
1ms  August  kalt  aus.  kultiviert  sie  im  kalten  Kasten  und  überwintert  sie  ent- 
weder in  einem  heizbaren  Mistbeet-Kasten,  der  nur  eben  frostfrei  ge- 
halten wird,  oder  in  einem  eben  frostfreien  Hause.  Herr  Kretschmann 
glaubt,  dass  P.  obeonica  eine  Zukunft  habe. 

1.  Herr  A.  Drawiel- Lichtenberg  legt  mehre  Apfel  vor  und  bemerkt 
dazu  folgendes: 

.1.  Neuer  Berner  Rosenapfel  zeichnet  sich  durch  angenehmen 
Geruch  und  lieblichen  Geschmack  aus  und  kann  wegen  seiner 
schönen  leuchtenden  Farbe  (earminrot)  als  Tafelapfel  empfohlen 
werden.  Auch  seine  frühe  Tragbarkeit  ist  eine  gut<  Kigenschaft. 
Der  grösste  von  den  5  Stück,  die  ich  geerntet,   wog  285  g. 


204  ^-*7*  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 


b.  Coulon's  Reinette  ist  eine  gute  Tatel-Frucht  und  eine  tragbare, 
nicht  empfindliche  Sorte. 

c.  Newton  Wunder.  Das  Reis  erhielt  ich  von  Herrn  Mathieu  am 
9,  Mai  1896.  Schon  am  einjährigen  Holze  zeigte  das  Reis  Blüten- 
knospen, welche  aber  nicht  zur  Ausbildung  kamen.  Das  Reis  hat 
drei  Früchte  gebracht,  wovon  die  grösste  am  9.  Oktober  bei  der 
Abnahme  480  g  wog.  Heute  wiegt  die  Frucht  100  g  weniger. 
Die  Sorte  scheint  frühtragend  zu  sein,  denn  das  Reis  ist  wieder 
mit  mehreren  Fruchtknospen  besetzt.  Die  Frucht,  welche  ich  vor 
vier  Wochen  geprobt,  war  saftig  und  von süss-säuerlichem  Geschmack. 
Die  grosse  Frucht  soll  gemalt  werden. 

Herr  Mehl  fügt  hinzu:  Wenn  wir  Apfel  wünschen,  die  noch  im  Früh- 
jahr gegessen  werden  sollen,  so  ist  vor  allem  auch  der  Northern  Spy  zu 
nennen.  Er  ist  ansehnlich,  wohlschmeckend,  saftig  und  hält  sich  ein 
ganzes  Jahr;  allerdings  trägt  er  erst  spät.  Vielleicht  müsste  man  die 
Sorte  auf  alte  Bäume  veredeln.  Herr  C.  Mathieu  führte  ihn  voriges  Jahr 
vor,  und  er  fand  allgemeine  Anerkennung. 
IV.  Hierauf  hielt  Herr  Geh. -Rat  Prof.  Dr.  Albert  Orth  einen  mit  grossem 
Beifall  autgenommenen  Vortrag  über  seine  Reise  nach  Ägypten  und  Palästina 
gelegentlich  der  Einweihung  der  Erlöserkirche  in  Jerusalem.  Unterstüzt 
durch  zahlreiche  grosse  Photographien  und  Zeichnungen  (letztere  von 
Herrn  Geh.  Holrat  von  Eyth,  dem  Begründer  der  Deutschen  Landwirtschafts- 
gesellschaft, selbst  gefertigt  und  dem  Museum  der  landw.  Hochschule  verehrt), 
schildert  der  Redner  eingehend  den  Boden,  sowie  Land  und  Leute.  Er  hatte 
das  Glück,  in  Ägypten  gerade  zu  einer  Zeit  zu  sein,  wo  der  Nil  wie  vor 
Jahrtausenden  das  ganze  Unterägypten  überschwemmte  und  gab  ein  klares 
Bild  der  eigenartigen  Bewässerungs-Vorrichtungen.  Weiter  besprach 
er  Palästina,  die  Wüste  Juda,  ein  Hochplateau,  das  steil  nach  dem  Jordan- 
thal abfällt,  welches  viel  tiefer  liegt  als  das  Mittelmeer.  Anknüpfend 
an  seinen  Besuch  in  Haifa  führte  er  das  schöne,  in  Gartenflora  Heft  7,  Seite 
74  abgebildete,  aus  Weizenähren  geflochtene  Schiff  vor,  welches  Herr 
Abraham  Duck  ihm  verehrt,  und  das  er  mit  vieler  Mühe  unbeschädigt 
nach  Berlin  gebracht.  Der  Vortrag  wird  in  den  Nachrichten  aus  dem 
Klub  der  Landwirte  zu  Berlin  erscheinen. 

V.  Einstimmig  wurden  in  2.  Lesung  genehmigt:  Die  Anträge  der  vereinigten 
Ausschüsse:  a)  den  Fonds  der  Kaiser  Wilhelm-  und  Augusta-Jubelstiftung 
für  Gärtner  von  6800  M.  auf  10000  M.  zu  erhöhen;  b)  der  Königlichen 
Gärtner-Lehranstalt  zu  Potsdam  zu  ihrem  75  jährigen  Jubiläum  eine 
Summe  von  5000  Mark  zu  überweisen  mit  der  Massgabe,  dass  die 
Zinsen  als  „Stipendium  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues" 
vergeben  werden.     (Vergl.  S.   112,   148,  168.) 

VI.  In  zweiter  Abstimmung  wurde  ferner  die  Bewilligung  von  20000  Mark 
zu  Prämien  für  die  Grosse  deutsche  Winterblumen-Ausstellung 
Mitte  Februar  1900  im  Zoologischen  Garten  ausgesprochen. 

VII.  Hierauf  wurde  der  den  einzelnen  Mitgliedern  in  der  Versammlung  über- 
gebene  Etat  für  1899,  der  von  dem  des  Vorjahres  wenig  abweicht,  in 
erster    Lesung    genehmigt.     Hierbei    ward  ein    Antrag    des  Herrn    Hof- 


Englische  Garten.  20-, 

gärtner  Hoffmann  angenommen,  künftig  den  Etatsentwurf  14  Tage  vorher 
den  hiesigen  Mitgliedern  mit  der  Gartenflora  zugehen  zu  lassen. 
YIII.  Herr  llientzsch  erstattete  namens  des  Revisions- Ausschusses  kurz 
Bericht  über  die  Rechnung  für  die  grosse  Jubiläums-Ausstellung 
von  1.897,  die  incl.  der  aufgelaufenen  Zinsen  einen  Cberschuss  von 
17  250.10  M.  ergeben  hat,  und  beantragt,  dem  Schatzmeister,  Herrn  Kgl. 
Hoflieferant  J.  F.  Loock,  Entlastung  zu  erteilen.  Ebenso  beantragte  er 
Entlastung  betr.  der  Jahresrechnung  für  1897. 

Nachdem  der  Vereinsdirektor  Herrn  Loock  für  die  ganz  ausser- 
ordentliche Mühewaltung,  die  namentlich  die  Jubiläums-Ausstellung  ihm 
verursacht,  den  wärmsten  Dank  des  Vereins  ausgedrückt  hatte,  sprach 
die  Versammlung  unter  lebhaftem  Beifall  ihm  die  Decharge  aus. 
IX.  Das  Comite  für  die  Berliner  Kunstausstellung  hat  beschlossen,  in 
diesem  Jahre  die  Räume  des  Landes-Ausstellungsgebäudes,  namentlich 
die  zwei  vorderen  Säle,  mehr  als  bisher  gärtnerisch  zu  schmücken,  und 
erbietet  sich,  Gärtnern  ohne  Platzmiethe  den  nötigen  Raum  dafür  zu 
gewähren.     Sie  können  dann  auch  ihre  Firma  dabei  anbringen. 

Von  mehreren  Sachverständigen  wurde  hervorgehoben,  dass  niemand 
ohne  Entschädigung  einen  ganzen  Sommer  hindurch  seine  Pflanzen  dort 
aufstellen  werde,  da  das  ganz  gewaltige  Opfer  koste.  Hofgärtner  Hoff  mann 
und  L.  Wittmack  empfahlen,  um  den  Künstlern  möglichst  entgegen- 
zukommen, zu  beantragen,  dass  die  Gärtner  dann  wenigstens  in  irgend 
einer  Form  prämiirt  werden  möchten.  Die  Versammlung  aber  sprach 
sich  dagegen  aus,  da  sie  eine  Beteiligung  ohne  Entschädigung  in  Geld 
für  aussichtslos  hielt. 
X.  Das  Preisgericht,  bestehend  aus  den  Herrn  Habermann,  Xeuheisel 
und  W  i  e  n  h  o  1 1  z  ,  sprach  Herrn  Kretschmann  für  seine  Primula 
obconica  grandiflora  den  Monatspreis  von  15  M.  zu. 
XI.  Vor  der  Sitzung  wurden  eine  Anzahl  Samen,  Syringa  japonica  etc.  verteilt, 
die  unser  Ehrenmitglied,  Herr  Hofmarschall  von  Saint  Paul  Illaire 
zu  Fischbach  im  Riesengebirge,  Präsident  der  Deutschen  dendrologischen 
Gesellschaft,  dem  Verein  freundlichst  zur  Verfügung  gestellt  hatte. 

Carl  Lackner.  Wittmack. 


Englische  Gärten. 

(Vortrag,  gehalten  im   Verein  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  am   24.  November    [898 
ri  ^  von  A.  Brodersen.) 

];--)ic  von  mir  im  Sommer  1S98  unternommene  Reise  nach  England  hatte  in 
-*—  ,  erster  Linie  den  Zweck,  die  englischen  Gärten  und  Parkanlagen  zu 
studieren;  es  war  aber  auch  mein  Wunsch,  mich  über  die  Gärtnerei  im  all- 
gemeinen zu  belehren  und  die  Vorzüge  Englands  kennen  zu  lernen.  Ausser 
Londoner  Gärten  habe  ich  den  Südwesten  Englands  gesehen,  und  beziehen 
sich  meine  Ausführungen  nur  auf  diese  Teile.  Es  kann  ja  sein,  dass  in 
anderen  Gegenden  anderes  zu  beobachten  ist,  doch  kann  ich  darüber  nicht 
sprechen. 


20Ö  Englische  Gärten. 


Im  ganzen  habe  ich  auf  einer  vierwöchentlichen  Reise  nicht  weniger  als 
60  Park-  und  Gartenanlagen  grösseren  Stiles  besuchen  können,  und  wenn  es 
mir  gelungen  ist,  in  dieser  kurzen  Zeit  so  viel  zu  sehen,  so  ist  das  besonders 
dadurch  herbeigeführt,  dass  mich  deutsche  Männer  in  England  unterstüzt  haben, 
namentlich  Herr  F.  W.  Meyer,  der  Landschaftsgärtner  der  Firma  Robert 
Veitch  in  Exeter,  welcher  sogar  eine  Zeit  lang  mich  auf  der  Reise  begleitet 
hat.  Dadurch  bin  ich  in  die  Lage  gekommen,  einen  viel  tieferen  Einblick  in 
englische  Gartenbauverhältnisse  zu  thun  ,  als  sonst  möglich  gewesen  sein 
würde. 

Nachdem  ich  zurückgekehrt  bin,  ist  mir  vielfach  die  Frage  entgegen- 
gehalten: »Wie  haben  Ihnen  die  englischen  Gärten  gefallen?  Wie  unterscheiden 
sie  sich  von  den  deutschen?«  So  einfach  wie  diese  Frage  ist,  so  ist  sie  nicht 
so  einfach  zu  beantworten.  Um  sich  über  die  Gesichtspunkte,  die  bei  der 
Anlage  englischer  Gärten  massgebend  sind,  klar  zu  werden  und  um  sagen  zu 
können,  ob  sie  einem  gefallen,  muss  man  sich  erst  mit  dem  englischen 
Charakter,  mit   Gewohnheiten  und   Sitten  bekannt  gemacht  haben. 

Vor  allem  macht  sich  da  das  Freiheitsbestreben  der  Engländer  geltend, 
d.  h.  eine  Freiheit,  die  sie  sich  anderen  gegenüber  erlauben,  ohne  dass  andere 
ihnen  gegenüber  sich  solche  gestatten  dürften,  das  würden  sie  sich  sehr  ver- 
bitten. So  ist  es  auch  im  Garten.  Der  Gartenbesitzer  will  von  seinem  Hause 
aus  möglichst  die  Gegend  geniessen;  manche  haben  ja  auch  so  grosse 
Besitzungen,  dass  ihnen  die  ganze  Gegend  gehört,  andere  wollen  sie  wenigstens 
mit  den  Augen  beherrschen.  Andererseits  möchte  aber  keiner  erlauben,  dass 
irgend  einer  der  Passanten  in  seinen  Garten  schaut.  Bei  uns  dagegen  öffnet 
man  an  einzelnen  Stellen  die  Pflanzungen,  um  die  Passanten  hineinblicken  zu 
lassen. 

Würde  der  englische  Gartenbesitzer,  um  das  Hineinschauen  der  Vorüber- 
gehenden zu  verhindern,  auf  seiner  Grenze  Pflanzungen  oder  Mauern  errichten, 
so  würde  er  selber  nicht  frei  ausschauen  können.  Er  greift  da  oftmals  zu  einem 
anderen  Mittel:  er  versenkt  ohne  Weiteres  die  Fahrwege,  oft  mit  grossen 
Kosten.  In  vielen  Ortschaften,  z.  B.  Torquay,  findet  man  in  den  mit  Villen 
und  Gärten  bebauten  Teilen  öffentliche  Fahrstrassen,  gleichgültig,  ob  das 
Terrain  schräg  oder  gerade  ist,  2 — 4  m  tief  eingeschnitten  und  das  anstossende 
Terrain  durch  starke  Mauern,  meistens  aus  Quadern,  Kalkstein  u.  s.  w.  gestützt. 
Man  wandert  so  zwischen  Mauern  dahin.  Bei  uns  ist  es  in  manchen  Gemeinden 
vorgeschrieben,  dass  keine  Mauern  erbaut  werden  dürfen,  weil  die  Schönheit 
des  Ortes  darunter  leidet. 

Ahnlich  ist  es  bei  der  Vorfahrt  zu  den  Grundstücken.  Der  Zufahrtweg 
ist  meistens  so  gehalten,  dass  man  von  ihm  aus  nicht  in  den  Garten  hinein- 
schauen oder  doch  nur  die  nebensächlichen  Teile  sehen  kann.  Der  Besitzer 
liebt  es  nicht,  von  einem  Besucher  gesehen  zu  werden,  bevor  ihm  gemeldet 
ist,  von  wem  und  in  welcher  Angelegenheit  er  zu  sprechen  ge- 
wünscht wird. 

Damit  will  ich  aber  nicht  sagen,  dass  es  schwer  sei.  die  Erlaubnis  zur 
Besichtigung  der  Gärten  zu  bekommen.  Wir  sind  mit  der  grössten  Liebens- 
würdigkeit aufgenommen  ,  so  dass  sich  mancher  Deutsche  ein  Beispiel 
daran  nehmen  kann.  Von  dem  Augenblick  an,  wo  man  angenommen  ist,  wird 
einem  Alles  gezeigt    und    man    geniesst    die    vollste  Gastfreundschaft. 


Englische  Gärten.  207 


Bezüglich  der  Wegeführung  im  allgemeinen  war  ich  etwas  enttäuscht. 
Man  legt  nicht  solchen  Wert  auf  die  Art  der  Wegeführung,  sondern  diese  ist 
meist  eine  zufällige. 

Fragt  man,  warum  ein  Weg  nicht  so  oder  so  gelegt  ist,  so  erhält  man 
zur  Antwort:  Sie  müssen  doch  zugeben,  dass  die  Wegelage  praktisch  ist.  Man 
will  nämlich  schnell  von  einem  Platz  zum  andern  kommen.  Die  Engländer 
haben  auch  gar  nicht  so  das  Wegebedürfnis  wie  wir.  Bei  uns  sind  die  Wege 
die  stummen  Führer  des  Parkbesuchers;  in  England  kehren  sich  die  Parkbesucher 
gar  nicht  an  die  Wege.  In  den  öffentlichen  Anlagen  sind  die  Wege  nur  für 
diejenigen,,  welche  schnell  hindurch  wollen.  Die  andern  Besucher  gehen  bei 
gutem  Wetter  auf  die  Rasenflächen  und  legen  sich  auch  wohl  darauf.  Wenn 
wir  die  Wege  als  stumme  Führer  betrachten,  so  müssen  wir  auch  die  Pflanzungen 
mit  Rücksicht  auf  die  Betrachtung  der  geschaffenen  Bilder  von  diesen  Wegen 
aus  möglichst  abwechselungsreich  gestalten. 

Hinsichtlich  der  Anordnung  der  Pflanzungen  scheue  ich  mich  nicht  zu 
sagen,  dass  die  Engländer  uns  darin  meist  ausserordentlich  nachstehen.  Die 
Pflanzungen  sind  zum  grössten  Teil  nach  unseren  Begriffen  sehr  willkürlich 
und  ohne  eine  massgebende  Idee  für  die  Gesamtwirkung  gemacht.  Nur  die 
vom  Wohnhause  aus  sichtbaren  Parkteile  und  die  Ausschmückung  um  das 
Flaus  lassen  eine  beabsichtigte  Wirkung  durch  die  Gruppierung  erkennen. 

Für  die  Anordnung  der  Pflanzungen  wird  das  Hauptgewicht  darauf  gelegt 
den  verschiedenen  Pflanzungen  solchen  Standort  zu  geben,  der  ein  gutes  Ge- 
deihen erwarten  lässt,  ohne  hierbei  besonders  ängstlich  auf  die  Gesamtwirkung 
zu  achten. 

Damit  soll  aber  nicht  gesagt  sein,  dass  in  den  englischen  Anlagen  keine 
schönen  Bilder  zu  linden  seien,  im  Gegenteil  ausserordentlich  viele.  Man  ist 
dort  ja  nicht  gezwungen,  bestimmten  Pinien  (den  Wegen)  nachzugehen,  sondern 
man  begiebt  sich  auf  die  Rasenflächen  und  dort  öffnen  sich  auf  Schritt  und 
Tritt  schöne  Bilder,  je  nachdem  das  Licht  wirkt. 

In  einzelnen  grösseren  Parks  und  grossen  städtischen  Anlagen  ist  von 
einer  Pflanzung  wie  bei  uns  keine  Rede.  Einen  solchen  der  Natur  abgelauschten 
Aufbau  der  Gehölze  findet  man  in  England  nicht.  Ebenso  wenig  findet  man 
ein  Auflösen  der  Pflanzungen  durch  in  die  Rasenbahnen  vorgeschobene  Gruppen; 
Vorpflanzungen  einzelner  Bäume  sind  nicht  selten,  allein  Strauchpflanzungen 
als  kleinere  Gruppen  oder  Staudenpflanzen  frei  vor  den  grösseren  Massen 
stehend,  die  Konturen  der  Pflanzung  lockernd,  fehlen,  wie  auch  die  Verbindung 
der  Bäume  durch  niedrige  Gruppen,  bestehend  aus  baumartigen  Sträuchern, 
selten  beobachtet  wird. 

Das  einzige  Mittel,  durch  welches  die  Bäume  verbunden  werden,  bilden 
die  in  grossen  Massen  auftretenden  immergrünen  Sträucher,  vor  allem  Kirsch- 
lorbeer. Diese  werden  aber  oft  nur  gepflanzt,  um  den  Rasen  unter  den  grossen 
Bäumen  zu  ersetzen.  In  einzelnen  Fällen  wirkt  solche  Unterpflanzung,  be- 
sonders bei  älteren  Bäumen  und  an  Abhängen,  recht  gut,  allein  diese  Art  der 
Ptlanzung  ist  so  allgemein,  dass  der  Reiz  völlig  verloren  geht. 

In  allen  grösseren  Parkanlagen  sieht  man  weidendes  Vieh;  damit  dieses 
die  Pflanzen  nicht  beschädigt,  ist  jeder  Baum  und  fast  jeder  Strauch  mit  einem 
Schutzgitter  umgeben.  So  anmutig  das  weidende  Vieh  auch  ist,  die  Zäune  sind 
eine  empfindliche,  störende  Zugabe. 


2o8  Englische  Gärten. 


Bezüglich  des  Gehölzmaterials  sind  wir  sehr  im  Nachteil;  in  England 
hat  man  ein  herrliches  mannigfaltiges  Material  zur  Verfügung.  Wenn  wir 
Deutschen  nur  ein  annähernd  so  reiches  hätten,  könnten  wir  etwas  ganz  anderes 
leisten.  Wenn  ein  deutscher  Gärtner  in  deutschem  Geschmack  in  England 
arbeiten  könnte,  würde  er  dort  grosse  Erfolge  erringen  können;  aber  die  Eng- 
länder haben  für  fremde  Art  wenig  Verständnis.  Die  Engländer  denken  oft 
nicht  nach,  ob  das,  was  sie  in  eine  Gruppe  hineinpflanzen,  in  der  Wirkung 
auch  harmoniert.  Das  Material  in  den  Gruppen  ist  oft  vorzüglich  und  trotzdem 
die  Wirkung  mangelhaft. 

Bei  uns  wird  grosse  Sorgfalt  auf  die  Gestalt  der  Gruppe  gelegt,  aber 
unsere  Gartenliebhaber  haben  wenig  Interesse  für  die  einzelne  Art  des  Strauches, 
ob  z.  B.  eine  Schneebeere  durch  einen  besseren  Strauch  ersetzt  werden  könnte, 
fragen  sie  sich  nicht.  In  England  ist  es  umgekehrt,  der  Engländer  interessiert 
sich  für  die  einzelne  Sorte;  das  sieht  man  auch  bei  den  Blumengruppen.  Man 
findet  die  allerunglaublichsten  Zusammenstellungen,  aber  jedes  Exemplar  ist 
eine  gute  Sorte  und  von  guter  Kultur.  Ein  Besitzer  interessiert  sich  z.  B.  für 
Bambusen,  ein  anderer  für  Rhododendron,  der  dritte  für  Schlingpflanzen,  der 
vierte  für  Alpenpflanzen,  Fuchsien  oder  Pelargonien  u.  s.  f.  Jede  einzelne 
Spezialität  wird  mit  grosser  Sorgfalt  betrieben.  Die  Liebe  für  das  Einzelne 
wird  in  einer  Weise  ausgeübt,  wie  wir  es  leider  nur  selten  beobachten. 

Sollte  es  uns  gelingen,  eine  ähnliche  Liebe  auch  bei  uns  erwecken  zu 
können,  so  würden  wir  ein  grosses  Arbeitsfeld,  eine  weite  Ausdehnung  unseres 
Betriebes  erlangen. 

Um  nun  einiges  Spezielle  zu  schildern,  sei  gesagt:  es  herrscht  in  den 
Londoner  Parks  eine  solch  ausserordentliche  Blumenfülle,  in  den  für  Massen- 
wirkung berechneten  Anpflanzungen,  dass  es  schwer  ist,  ohne  es  gesehen  zu 
haben,  sich  eine  richtige  Vorstellung  davon  machen  zu  können.  Fast  gleichgültig 
ist  es  dabei,  ob  der  Park  im  Norden  oder  Westen  von  London  liegt. 
In  einem  einzigen  Londoner  Park  sind  mehr  Blumen  als  in  sämtlichen 
Berliner  öffentlichen  Anlagen  zusammen,  nicht  nur  was  die  Sorten 
und  die  Schönheit,  sondern  auch  was  die  Zahl  anbetrifft.  Die  Zahl  ist  in 
Berlin  ja  auch  nicht  gering,  aber  das  Material  ist  bei  uns  so  traurig,  dass  es 
nicht  recht  zur  Geltung  kommt.  In  England  dagegen  ist  jedes  Stück  eine  Aus- 
stellungspflanze; die  Blumen  aus  dem  Hydepark  würden  alle  unsrigen  schlagen. 
Da  findet  man  Bougainvillea,  Pelargonien,  Fuchsien  in  Pyramiden,  und  sobald 
die  Blumen  den  geringsten  Mangel  zeigen,  werden  sie  entfernt.  Der  Reichtum 
an  Material  ist  geradezu  bewunderungswürdig. 

Wenn  ich  einen  Vergleich  zwischen  einem  Berliner  und  einem  Londoner 
Park,  zwischen  dem  Tiergarten  und  dem  Hydepark  ziehen  soll,  so  ist  es,  als 
ob  ich  den  Tiergarten  mit  dem  Tempelhofer  Felde  vergleichen  müsste.  Das 
Tempelhofer  Feld  mit  einigen  Tausend  grossen  Bäumen  bestanden,  durch  grosse 
Teiche  belebt  und  an  einzelnen  Stellen  reich  mit  Blumen  geschmückt,  die 
weiten  Flächen  mit  sich  kreuzenden  Wegen  durchzogen,  mit  den  weidenden 
Schafheerden,  mit  den  auf  den  Rasenflächen  spielenden  und  ruhenden  Menschen 
würde  eher  dem  Hydepark  gleichen  wie  der  Tiergarten. 

Während  der  Tiergarten  wenig  Luft  und  Licht  bietet*),  ist  der  Hydepark 

*)  Auch  der  grosse  französische  Landschaftsgärtner  Ed.  Andre  hat  sich  dahin  aus- 
gesprochen, dass  an  mehreren  Stellen  im  Tiergarten  mehr  gelichtet  werden  müsse.  (Siehe 
Gartenflora   1897  S.  334.)     Glücklicherweise  geschieht  das  jetzt.     L.  W. 


Englische  Gärten.  200 


nur  Luft  und  Licht;  während  der  Tiergarten  nur  wenig  Rasen  hat,  ist  dort 
alles  Rasen,  während  im  Tiergarten  nur  hier  und  da  ein  kleines  Plätzchen  für 
Kinder  ist.   ist  der  ganze   Ilydepark  ein  Spielplatz. 

Könnte  man  das  nicht  auch  in  angemessener  Weise  bei  uns  einführen? 
Könnte  man  den  Tiergarten  dadurch  nicht  nutzbarer  machen.'  Könnte  man 
nicht  manche  völlig  vernachlässigte,  unzugängliche  und  ungesunde  Flächen,  die 
seit  unzähligen  Jahren  nicht  gelichtet  sind,  abholzen,  und  durch  geeignete 
Massnahmen  grosse,  gesunde  Kinderspielplätze  schaffen?  Durch  solche  Ein- 
griffe würde  der  Tiergarten  in  keiner  Weise  leiden  oder  in  seinem  Charakter 
geändert  werden.  Man  könnte  immer  noch  genügend  Gehölzpartien  sich  vor- 
behalten, und  wenn  man  jetzt  die  Siegesallee  ausschmückt,  so  sollte  man  auch 
an  anderen  Stellen  Schmuck  anbringen  und  neben  schattigen  Wegen  auch  freie 
Flächen  schaffen,  die  der  Bevölkerung  zum   Nutzen  gereichen. 

Eine  Anlage,  die  mir  sehr  imponiert  hat,  ist  der  botanische  Garten  in 
kew.  Ich  habe  demselben  anderthalb  Tage  gewidmet,  und  ich  habe  gesehen, 
mit  welcher  ausserordentlichen  Sorgfalt  derselbe  angelegt  ist.  Er  dient  zunächst 
wissenschaftlichen  Zwecken,  dazu  dient  auch  das  grosse  Arboretum  und  die 
vielen  botanischen  Pflanzen,  die  alle  gut  etikettiert  sind,  sodass  jeder  Besucher 
sie  kennen  lernen  und  geniessen  kann.  Alles  wird  dem  Publikum  in  angenehmer 
Form  dargebracht;  überall  sind  Wegweiser,  sodass  man  in  kurzer  Zeit  zu  Hause 
ist.  Jeder  Baum  und  jeder  Strauch  tritt  Einem  angenehm  entgegen.  Lern 
Publikum  ist  nicht  verboten,  auf  den  Rasen  zu  gehen,  man  kann  daher  auch 
jeder  Pflanze  näher  treten;  ja  auf  den  grossen  Rasenflächen  sind  besondere 
geschorene  Rasenbahnen,  auf  denen  das  Publikum  lustwandeln  kann. 

Im  botanischen  Garten  ist  sogar  ein  Theehaus,  und  es  stehen  in  der  Nähe 
Stühle  auf  dem  Rasen,  sodass  man  in  Ruhe  eine  Tasse  Thee  oder  Kaffee  trinken, 
ev.  ein  Butterbrot  zu  sich  nehmen  kann;  es  will  dies  bei  uns  nicht  viel  be- 
deuten, aber  in  England  muss  es  hoch  angeschlagen  werden.  Man  versteht  es 
eben  ausgezeichnet,  den  Garten  dem  Publikum  angenehm  zu  machen  und  man 
erzieht  dadurch  wirkliche  Pflanzen-  und  Gartenliebhaber. 

Der  Kewgarten  ist  im  allgemeinen  nur  eine  ebene  Fläche,  aber  alles  ist 
so  gut  angeordnet,  dass  man  das  kaum  empfindet.  An  einer  Stelle  ist  auch 
eine  Art  Hohlweg  angelegt,  und  da  finden  sich  herrliche  Rhododendron, 
Kamellien  und  Hex  in  25—30  Fuss  hohen  Prachtexemplaren.  Da  sieht  man. 
dass  alles  hergerichtet  ist  zur  Freude  der  Besucher,  nicht  damit  bloss  die  Art 
vertreten  sei. 

Wenn  ich  hiermit  das  Terrain  vergleiche,  auf  dem  der  neue  Berliner 
botanische  Garten  entstehen  wird,  so  kann  ich  nur  sagen:  wir  haben,  was  Lage 
und  Formation  anbetrifft,  Verhältnisse,  die  es  möglich  machen,  wenn  auch  in 
bescheideneren  Grenzen,  so  aber  doch  dem  inneren  Werte  nach,  einen  Garten 
zu  schaffen,  der  demjenigen  von  Kew  nicht  nachsteht. 

Hoffen  wir  daher,  dass  in  Dahlem  ein  Institut  entsteht,  dem  es  neben 
segensreicher  wissenschaftlicher  Forschung  obliegt,  nach  den  Grundsätzen,  wie 
solche  in  Kew-Gardens  befolgt  werden,  reiche  Früchte  zutragen,  unser  deutsches 
Volk  zu  wirklichen  Garten-  und   Pllanzentreunden  zu  erziehen. 


2io  Motive  zu  Teppichbeeten.  —  Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 

Motive  zu  Teppichbeeten  aus  Haeckels  ..Kunstformen  der  Natur". 

t  (Hierzu  Abb.  46  u.  47.) 

urz  bevor  ich  die  warm  empfundene  Rezension  des  Herrn  Landes- 
ökonomierat  A.  Goethe  in  Geisenheim  über  Haeckels  »Kunstformen 
der  Natur«  erhielt,  die  in  dieser  Nummer  Seite  2 16  abgedruckt  ist,  hatte  ich. 
in  gleicher  Begeisterung"  wie  Goethe  über  das  neueste  Werk  meines  verehrten 
einstigen  Lehrers,  der  allen,  welche  sich  an  der  Festgabe  zu  seinem  60.  Ge- 
burtstag 1894  beteiligten,  die  1.  Lieferung  als  Geschenk  zusandte,  den  Verfasser 
um  die  Erlaubnis  gebeten,  einige  der  schönen  Formen  kopieren  zu  dürfen.  Er 
sowohl,  wie  die  Verlagshandlung,  das  Bibliographische  Institut  in  Leipzig, 
haben  das  bereitwilligst  gestattet,  wofür  ich  ihnen  den  lebhaftesten  Dank  aus- 
spreche, und  so  erhalten  die  verehrten  Leser  zwei  Abbildungen  (Fig.  11  u.  12 
der  Tafel  5  in  Haeckels  Werk)  eines  Teiles  von  Querschnitten  durch  die  Wand 
von  zwei  Kalkschwämmen,  welche  als  prächtige  Motive  für  Teppichbeete  und 
Blumengruppen  (und  ebenso  gut  für  Stickmuster)  dienen  können.  Fig.  46 
Sycarium  elegans  Haeckel,  Fig.  47  Sycaltis  perforata  Haeckel. 

Im  Übrigen  schliesse  ich  mich  ganz  Herrn  Landesökonomierat  Goethe  an 
und  kann  noch  hinzufügen,  dass  auch  in  den  Ausschüssen  des  Vereins  zur  Be- 
förderung des  Gartenbaues  Haeckels  Werk  die  allgemeinste  Bewunderung 
erregt  hat.  Dabei  ist  der  Preis  von  3  Mark  für  10  so  prächtige  Tafeln  mit 
Text,  wie  sie  die  1.  Lieferung  bringt,  geradezu  erstaunlich  niedrig. 

Die  tierischen  Schwämme  bieten  übrigens  eine  wahre  Fülle  zierlicher 
Gebilde.  Herr  Geh.  Reg. -Rat  Prof.  Dr.  Franz  Eilhard  Schulze,  Direktor 
des  zoologischen  Instituts  an  der  Universität  Berlin,  der  Spezialist  der  tierischen 
Schwämme,  welcher  mich  freundlichst  über  den  Bau  noch  näher  orientierte,  bat 
mir  eine  ganze  Reihe  reizender  Formen  der  Nadeln  etc.  von  Kieselschwämmen 
vorgeführt,  wie  sie  u.  a.  in  seiner  Bearbeitung  der  Kieselschwämme  der»Challenger 
Expedition«   abgebildet  sind.  L.  Wittmack. 


Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 

Von   L.   Wittmack.  [Schluss.] 

Gemüsetreiberei. 

Wie  schon  in  der  Einleitung  über  den  Gemüsebau  gesagt  ist,  finden,  trotz 
der  massenhaften  Einfuhr  von  Frühgemüse  aus  dem  Süden,  die  Gemüsetreiber 
im  Norden  immer  noch  ihre  Rechnung.  Sie  ziehen  hauptsächlich  solche  Gegen- 
stände, die  sich  nicht  weit  versenden  lassen,  oder,  wenn  es  auch  dieselben 
Dinge  sind  wie  die  aus  dem  Süden  kommenden,  so  erhalten  sie,  weil  die 
Gemüse  frischer  sind  und  von  den  reichen  Bewohnern  der  grossen  Städte 
bevorzugt  werden,  doch  höhere  Preise. 

Um  ein  Beispiel  zu  geben,  wie  eine  solche  Gemüsetreiberei  eingerichtet 
ist,  sei  die  des  Herrn  Wiles  in  Beideman  in  der  Nähe  von  Philadelphia 
beschrieben,  die  ich  unter  freundlicher  Begleitung  des  Herrn  Eisele,  Geschäfts- 
führers des  Herrn  Henry  Dreer   in  Philadelphia,  am  2.  Oktober  1893  besuchte. 

Herr  Wiles  hat  18  Gewächshäuser,  die  alle  miteinander  in  Verbindung 
stehen.     Im  ersten,   170  Fuss  lang,   19V2  Fuss  breit,  war  nichts  weiter  als  Peter- 


Motive  zu  Teppichbeeten  aus  Haeckels  „Kunstfbrmen  der  Natur".  211 


Abb.  46.      Teil  eines  Querschnittes  aus  der  Wand  eines  Kalkschwammes, 

Sycarium   elegans  Haeckel. 

Nach  Haeckel,   Kunstformen  der  Natur. 


Abb.   47.     Teil  eines  Querschnittes  aus  der  Wand  eines  Kalkschwammes, 

Svcaltis  perforata   Haeckel. 

Nach  H  ae  c  kel,   Kunstformen  der  Natur. 


2i2  Der  Gemüsebau  in  den  Vereinigten  Staaten. 

silie  in  drei  langen  Beeten  an  der  Erde;  im  zweiten  Hause  dasselbe.  Mitunter 
wird  die  Petersilie  erst  im  Freien  ausgesäet  und  die  Wurzeln  dann  nachher 
ins  Haus  gepflanzt,  diese  war  aber  direkt  im  Hause  ausgesäet.  Mehrere  der 
folgenden  Häuser  standen  voll  Salat.  Dieser  wird  im  Freien  ausgesäet  und 
dann  hierher  verpflanzt,  wobei  man  die  alten  Blätter  abschneidet.  Die  Mist- 
beete enthielten  Sellerie,  der  gebleicht  werden  sollte.  Er  stand  ausserordentlich 
dicht;  die  einzelnen  Stauden  werden  mit  Papiercylindern  umgeben,  damit 
sie  bleichen.  Herr  Wiles  treibt  auch  Sauerampfer,  doch  ist  er  fast  der 
einzige  in  seiner  Gegend,  der  das  thut,  da  die  Nachfrage  nur  gering  ist.  Der 
Sauerampfer  wird  im  Freien  angezogen,  die  Blätter  werden  im  Herbst  ab- 
geschnitten und  die  Wurzelstöcke  im  Hause  ausgepflanzt. 

Überall  war  in  den  Häusern  etc.  Wasserleitung;  drei  Beete  Salat  wurden 
gerade  in  meiner  Anwesenheit  bewässert.  Die  betr.  Sorte  hat  Herr  Wiles  aus 
England  bezogen  (des  Namens  erinnerte  er  sich  nicht  mehr),  jetzt  zieht  er  selber 
Samen  und  wählt  mit  grosser  Sorgfalt  die  Samenträger  und  den  Samen  selber  aus. 

Auch  Bohnen  werden  getrieben,  und  zwar  Lima-Bohnen  (Phaseolus  lunatus). 
Da  diese  sehr  hoch  ranken,  war  ein  Drahtgeflecht  dafür  errichtet.  Andere 
Bohnen  treibt  er  wenig,  weil  sie  von  weit  her  nach  den  Märkten  des  Nordens 
gesandt  werden.  Als  Sorten  benutzt  er  Valentine  und  die  goldene  Wachsbohne. 
Gurken  treibt  er  nicht,  teils  weil  sie  auch  aus  weiter  Ferne  nach  Phila- 
delphia gesandt  werden,  teils  weil  sie  in  den  östlichen  Staaten  getrieben  werden, 
namentlich  in  Arlington  bei  Boston*).  Dagegen  spielt  die  Anzucht  der  To- 
maten (an  Fäden),  eine  grosse  Rolle.  Die  grünen  Tomaten  werden  gekocht  und  an 
die  Hühner  verfüttert,  von  denen  Herr  Wiles  eine  grosse  Zahl  besitzt.  Alles 
Federvieh,  das  eingeschlossen  gehalten  wird,  muss  nach  Herrn  Wiles  etwas  vege- 
tabilische Nahrung  (er  meint  etwas  Grünes)  haben.  Auch  Tauben  zieht  er 
viel  und  verkauft  oft  25  Paar  junge  Tauben  die  Woche. 

Von  Kulturen  ist  ferner  die  Treiberei  des  Blumenkohls  hervorzuheben, 
den  Herr  Wiles  in  grosser  Menge  zieht  und  zwar  den  „Frühen  Erfurter  Zwerg". 
—  Den  ganzen  Winter  zieht  er  Radieschen.  Die  ersten  werden  noch  im  freien 
Felde  ausgesäet  und  das  Feld,  wenn  Kälte  droht,  mit  Heu  belegt.  Ich  sah 
solche,  die  vor  10  Tagen,  also  Ende  September,  gesäet  waren  und  in  4  Wochen 
verkaufsfähig  sein  sollten.  Später  säet  er  sie  im  kalten  Kasten  und  endlicq 
im  Gewächshause.  Brunnenkresse  ist  ebenfalls  zu  finden,  und  zwar  nicht  weniger 
als  4  Häuser  voll.  Diese  wächst  auch  auf  trockenem  Boden.  Auch  etwas 
Minze,  Speermint  wird  kultiviert,  sowie  rote  Beete. 

Überblicken  wir  alles,  so  finden  wir  hauptsächlich  folgende  Artikel  bei 
Herrn  Wiles:  1.  Salat,  2.  Petersilie,  3.  weisse  und  rote  Radieschen,  4.  Minze 
(speermint) ,  5.  Sauerampfer,  6.  Blumenkohl,  7.  Bleichsellerei,  8.  rote  Beete, 
9.  Brunnenkresse.  Man  sieht,  es  sind  meist  Sachen,  die  keinen  zu  weiten  Trans- 
port ertragen.  —  Wir  sahen  uns  auch  den  Komposthaufen  an;  namentlich  mit 
Hilfe  des  Kompost  hat  Herr  Wiles  seinen  anfänglich  armen  Boden  so  an- 
gereichert. Er  benutzt  dazu  1.  Pferdedünger,  2.  abgebrühte  Hopfenzapfen  aus 
Brauereien,  3.  Mergel ,  4.  menschliche  Abfallstoffe ,  5.  Federviehdünger;  das 
Ganze  wird  selbstverständlich  im  Jahre  4 — 5mal  umgegraben.  —  Die  Gemüse 
werden    mittels    eigenen    Wagens     nach     Philadelphia     gefahren    und     einem 


*)  Bei  Arlington  ist  sehr  grosse  Gemüsekultur,  wie  in  der  ganzen  Umgegend  von  Boston. 
Den  Bleichsellerie  sah  ich  dort  zwischen  Brettern  bleichen,  auch  durch  Anhäufeln. 


Kleinere   Mitteilungen. 


213 


Kommissionär  übergeben.  Dieser  rechnet  alle  Woche  ab  und  erhält  10%  Ver- 
mittlergebühr. Herr  Wiles  hat  weiter  keine  Umstände  und  ist  mit  diesem 
Modus  sehr  zufrieden,  er  wollte  sich  nur  noch  ein  Bank-Konto  anlegen.  - 
Weniger  befriedigt  äusserte  er  sich  über  die  Arbeiterverhältnissc.  Die  Arbeiter 
treiben  ihm  zu  viel  Politik,  namentlich  zur  Zeit  der  Wahlen,  und  ein  Arbeite]-, 
der  sonst  1  — 11,2  Dollar  pro  Tag  erhält,  verdient  zur  Wahlzeit  5  Dollar  pro 
Tag,  wenn  er  anderen  bei  den  Wahlbeeinflussungen  hilft  oder  seine  Stimme 
verkauft.  —  Herr  Dreer  hat  weniger  über  die  Arbeiter  zu  klagen,  da  seine 
Gärtnerei  weiter  ab  von  der  Stadt  liegt. 

Wir  sehen  aber,  wenngleich  die  Arbeiterverhältnisse  nicht  günstig  sind 
aus  diesem  einen  Beispiel  schon,  dass  es  drüben  sich  doch  noch  lohnt,  im 
Winter  Gemüse  zu  treiben,  trotz  aller  Konkurrenz  des  Südens:  man  muss  nur 
die  richtigen  Arten  wählen. 

Sollte  das  bei  uns  nicht  auch  möglich  sein?  Wir  könnten  Beispiele  an- 
führen, dass  regelmässig  mitten  im  Winter  Gurken  und  grüne  Bohnen  aus  Wilna 
nach  Berlin  gesandt  und  gut  verkauft  sind,  während  unsere  Gemüsezüchter 
sagen,  sie  könnten  nichts  absetzen.  Die  Hauptsache  ist,  dass  man  regel- 
mässig liefern  kann.  Es  nützt  dem  Händler  mit  Delikatessen  nichts,  wenn 
ihm  einmal  ein  Posten  feinen  getriebenen  Gemüses  angeboten  wird,  er  muss 
darauf  rechnen  können,  dass  er  es  dauernd  erhalten  kann. 

In  Wien  zahlte  man  einem  Gemüsetreiber  im  Winter  für  1  kg  Prinzessin 
bohnen  10  iL  =  17  M.,  für  eine  Gurke  1  fl.,  für  eine  grosse  Erdbeere  00  Kreuzer 
Und  dabei  hat  Wien  Italien  noch  viel  näher  als  wir. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Streptocarpus  Hybriden. 

Beigegebene  Abbildung*)  veranschau- 
licht eine  i1/i  Jahr  alte  Pflanze  dieser 
schönen  Gesneracee  und  ersieht  man 
aus  diesem  Bilde  so  recht,  was  uns  mit 
derselben  für  ein  vorzügliches  Deko- 
rationsmaterial an  die  Hand  gegeben 
ist.  Da  diese  Streptocarpus  wenig 
Anspruch  in  bezug  auf  die  Kultur 
machen,  so  sind  sie  so  recht  dazu  ge- 
schaffen, im  Sommer  leerstehende 
Gewächshäuser  zu  schmücken,  und 
wenn  man  dieselben  im  Sommer 
schattig  und  recht  luftig  hält,  kann 
man  den  Flor  bis  tief  in  den  Dezember 
ausdehnen,  wenn  sie  Anfang  September 
in  ein  Warmhaus  gebracht  werden,  wo 
dann  die  Blumen  einen  ganz  aus- 
gezeichneten Werkstoff  für  feinere 
Binderei  abgeben. 


*)    Die   Abbildung    ist    leider    zu    klein,     so 
dass  wir  sie  nicht  bringen  können. 

I).   Red. 


Auch  zum  Ausschmücken  derZimmer 
sind  dieselben  recht  gut  zu  verwenden, 
indem  die  ganze  Pflege  nur  in  tleissigem 
Begiessen  besteht,  bis  die  Blüten  all- 
mählich nachlassen  und  dann  die  Ruhe- 
zeit eintritt,  wo  nur  noch  soviel  Wasser 
gereicht  werden  darf,  dass  die  Wurzeln 
nicht  vertrocknen.  Im  März  beginnt 
sich  dann  der  Trieb  wieder  zu  regen, 
wo  die  günstigste  Zeit  zum  Verpflanzen 
gekommen  ist;  als  Nährboden  gebe 
man  Lauberde,  der  man  etwas  Ilorn- 
späne  beimischt.  Im  Laute  desSommers, 
überhaupt  in  der  Vegetationszeit  gebe 
man  wöchentlich  zweimal  einen  Dung- 
guss  und  Hornspanwasser,  was  die 
Blütenbildung  ungemein  befördert, 
indem  sich  gleichzeitig  die  Blätter  recht 
krät'tigausbilden.  und  müssen  dieselben, 
da  sie  sehr  leicht  brechen,  recht  vor- 
sichtig behandeltet  werden,  damit  die 
Pflanze  dadurch  nicht  verunstaltet  wird. 
Und  nicht  allein  dieses,  auch  die 
Blütenstiele,  welche  sich  auf  der  Basis 


214 


Kleinere  Mitteilungen. 


des  Blattes  bilden,  gehen  zurück,  wenn 
ein  Blatt  zerbrochen  wird,  wie  ich 
dieses  bisher  sehr  oft  beobachtet 
habe.  Jedes  Blatt  bringt  8 — 9  Blüten- 
stiele, wovon  wieder  ein  jeder  bis 
6  einzelne  Blumen  bringt;  also  je  mehr 
gut  ausgebildete  Blätter  vorhanden, 
je  mehr  Blütenstiele  werden  hervor- 
kommen,und  ist  es  daher  recht  lohnend, 
wenn  man  ältere  Pflanzen  kultiviert, 
die  nicht  selten  25  Blütenstengel  auf 
einmal  über  die  Blätterrosette  erheben, 
wie  die  Abbildung  zeigt.  Diese  Pflanze 
ist  Ende  August  photographiert  und 
heut,  am  6.  Dezember,  sind  noch 
32  Blumen  geöffnet. 

Ganz  besonderes  Gewicht  ist  darauf 
zu  legen,  dass  die  Entwicklung  durch 
nichts  gestört  wird,  dann  kann  man 
durch  nochmaliges  Verpflanzen  im 
Juli  wahre  Ausstellungspflanzen  kulti- 
vieren, sodass  sich  im  Laufe  des 
Sommers  ca.  20  Blätter  ausbilden,  was 
160 — 180  Blütenstiele  giebt,  alle  wieder 
mit  durchschnittlich  je  6  Blüten;  so 
produziert  eine  gut  kultivierte  Pflanze 
über  1000  Blumen,  die  nun  bei  den 
neuen  Hybriden  von  weiss  bis  in 
violett  variieren  und  recht  grossblumig 
sind;  und  was  die  Hauptsache  ist,  sie 
lassen  sich  recht  gut  zur  Binderei  ver- 
wenden. Auch  als  Topfpflanzen  werden 
sie  willig  Käufer  finden  und  die  wenige 
Mühe  reichlich  lohnen.  Stellt  man  die 
temperiert  überwinterten  Streptocarpus 
nach  dem  Verpflanzen  auf  warmen  Fuss, 
so  kann  man  schon  von  Mitte  April 
ab  blühende  Pflanzen  haben,  welche 
bei  vorsichtiger  Behandlung  bis  im 
Herbst  uns  durch  ihre  Blumen  erfreuen 
werden. 

Gr.-Tabarz  (Villa  Spindler). 

J.  Biemüller. 


Das  ungewöhnlich  milde  Wetter 

der  letzten  Tage,  schrieb  die  Voss. 
Ztg.  am  17.  Februar,  hat  die  Vegetation 
im  Freien  ausserordentlich  beeinflusst. 
Eine  ganze  Anzahl  Sträucher  haben 
ihre  Knospen  geöffnet  und  die  jungen 
Triebe  sind  zum  teil  schon  mehrere 
Zentimeter  lang.  Aber  nicht  nur  junges 
Laub,  sondern  auch  Blüten  treten  schon 
vielfach  auf,  und  zwar  nicht  nur  die  un- 
scheinbaren Kätzchen  der  Haseln  und 
Erlen,  sondern  auch  bunte  Blumen, 
wie  die  reizenden  roten  Blumen  der 
dahurischen  Alpenrose  (Rhododendron 


dahuricum),  diemattrosa,  süssduftenden 
Blumen  des  Seidelbastes  (Daphne 
Mezereum).  Ja  selbst  Monatsrosen,  die 
ungedeckt  durch  den  Winter  gingen, 
beginnen,  die  Knospen,  die  sie  im 
Herbst  gebildet  hatten,  zu  öffnen.  An 
den  Pfirsichsträuchern  färben  sich  die 
Blütenknospen  schon  deutlich  rosen- 
rot. Noch  grösser  ist  die  Zahl  der 
jetzt  im  Freien  blühenden  krautigen 
Gewächse.  Die  verschiedenen  Schnee- 
glöckchen, die  Winterlinge,  die  Helle- 
borusarten  stehen  schon  seit  längerer 
Zeit  in  voller  Blüte,  die  gelbe  Stern- 
bergia  lutea  blüht  nun  schon  seit 
Oktober  ununterbrochen.  Die  ver- 
schiedenen Krokusarten,  die  im  Früh- 
jahr blühen,  haben  zum  teil  bereits 
ihre  Blumen  geöffnet,  zum  teil  stehen 
sie  unmittelbar  vor  dem  Aufblühen. 
Veilchen  giebt  es  bereits  in  grösserer 
Menge ,  ebenso  frische  ,  stengellose 
Primeln  (Primula  acaulis). 

Mit  dem  Plan  eines  Nordparkes, 

wie  er  für  die  Reh-  und  Wurzelberge 
in  Aussicht  genommen  ist,  beschäftigt 
sich  jetzt  die  städtische  Bauverwaltun^. 
Sie  hat  zunächst  das  Gelände  dieser 
,,Gebirgs"-Landschaft  festzulegen,  um 
das  Ganze  dem  Bebauungsplan  an- 
zupassen und  die  notwendig  werdenden 
Abänderungen  der  Baufluchtlinien  in 
den  Stadtplan  einzuzeichnen.  Der 
grössere  Teil  des  fraglichen  Gebiets 
befindet  sich  in  fremdem  Besitz,  so- 
dass später  auch  noch  Verhandlungen 
mit  den  betreffenden  Eigentümern 
erforderlich  werden.  Nach  alledem 
dürften  die  Anpflanzungen  in  diesem 
Jahre  kaum  noch  in  Angriff  genommen 
werden  können.  (Der  Plan  des  Herrn 
Gartendirektors  Mächtig  ist  ein- 
zwischen  genehmigt.) 


Neuerungen  in  der  Berliner  Kunst-Ausstellung. 

In  der  diesjährigen  Grossen  Berliner 
Kunst-Ausstellung  werden  einige  Neue- 
rungen geplant.  Unter  anderem  soll 
die  grosse  Vorhalle,  die  bisher  für 
die  Werke  der  Plastik  verwendet 
wurde,  in  eine  Art  Gewächshaus  oder 
Orangerie  mit  exotischem  Pflanzen- 
werk umgewandelt  und  mit  behaglichen 
grösseren  Nischen  versehen  werden, 
in  welchen  die  Plastik  Aufstellung 
finden  soll.  Insbesondere  sollen  dort 
einige    bereits    angemeldete    Brunnen- 


Kleincrc   Mitteilungen. 


■2  1 


Gguren  inThätigkeit  aufgestellt  werden, 
die  dazu  dienen  werden,  in  der  heissen 
Jahreszeit  den  Besuchern  der  Aus- 
stellung Erholung  und  Erfrischung  zu 
spenden.  Die  teilweise  sehr  hohen 
Ausstellungsräume,  die  im  ganzen  einen 
kalten  und  nüchternen  Eindruck  hervor- 
riefen, sollen  durch  wirksame  Yelarien 
in  behagliche,  intime  Räume  um- 
gestaltet werden. 

Zur  Bekämpfung  des  Apfelblütenstechers. 

Garten-Inspektor  Held  an  der  land- 
wirtschaftlichen Akademie  in  Hohen- 
heim  bei  Stuttgart  hat  eine  Reihe  von 
Versuchen  über  die  Bekämpfung  des 
Apfelblütenstechers.  jenes  kleinen 
Käferchens,  das  unter  den  Rinden- 
schuppen unserer  Obstsäume  lebt,  an- 
gestellt, und  ist  zu  dem  Resultat  ge- 
kommen, dass  von  den  Bekämpfungs- 
mitteln, welche  er  angewendet  hat, 
diejenigen  die  besten  waren,  welche 
am  wenigsten  kosteten,  und  zwar: 

1.  Das     Umwickeln     der    Bäume 
mit  Heuseilen. 

2.  Das  Abklopfen. 

Heuseile  wurden  im  Oktober  und 
November  1897  um  die  Bäume  gelegt. 
Ich  möchte  aber  vorschlagen,  sie  schon 
im  Juli  umzulegen,  da  ein  gut  Teil 
der  Käferchen  schon  in  diesem  Monate 
Schlupfwinkel  sucht.  Dieses  Verfahren 
ist  übrigens  sehr  alt  und  auch  bei  uns 
noch  da  und  dort  »gegen  die  Hexen« 
üblich,  damit  dieselben  die  zukünftige 
Ernte  nicht  beschädigen.  Bei  uns 
werden  die  Strohseile  aber  viel  zu 
spät,  wenn  der  Baum  schon  entlaubt 
ist.  umgelegt,  reber  das  Heuseil  hat 
nun  Held  4 — öfach  zusammengefaltetes 
Pack-  oder  Zeitungspapier  mittels  Bind- 
faden befestigt  und  darunter  im  Fe- 
bruar 1898  von  2100  Bäumen  22000 
Käferchen,  also  pro  Baum  10  Käferchen 
gefangen,  die  schon  einen  recht  er- 
heblichen Schaden  angerichtet  hätten. 

Als  die  beste  Yertilgungs-Methode 
bezeichnet  aber  Held  das  Abklopfen 
der  Bäume,  das  er  an  3000  Obstbäumen 
ausführte. 

Der  Versuch  dauerte  vom  28.  März 
bis  2.  Mai  und  ergab,  dass  nur  das 
Abklopfen  und  Autlesen  der  Schädlinge 
von  durchgreifendem  Erfolge  ist. 


Man  legte  unter  die  Bäume  ein 
Wagenlaken  oder  grosse  Tücher.  Zum 
Abklopfen  wurden  Stangen  benutzt, 
an  deren  Spitze  sich  ein  Stück  Hisen- 
röhre  betindet,  die  mit  Gummi  oder 
Lappen  überzogen  ist.  Dieses  Ab- 
klopfen ist  besser  als  das  Abschütteln. 
hie  Z<-it  zum  . Vlddopfen  ist  früh  von 
5  —  7  Uhr,  wenn  die  Käferchen  noch 
steif  sind.  Die  Tierchen  werden  dann 
zusammengekehrt  und  in  einem  Behälter, 
in  dem  sich  Kalkmilch  und  etwas 
Petroleum  befindet,  getötet. 
C.  Reichelt,  Ratg.  f.  Obst-  u.  Gartenb.,FriedbcrL\ 


Ein  Reichs-Versuchsgarten 

wird  an  der  von  Steglitz  nach  Dahlem 
führenden  Chaussee  gegenüber  dem 
Haupteingang  zum  neuen  Botanischen 
('.arten  angelegt.  Dieser  Versuchs- 
garten untersteht  dem  Reichsgesund- 
heitsamte in  der  Klopstockstrasse 
und  hat  mit  dem  Botanischen  Garten 
nichts  zu  thun.  Der  Zweck  der  neuen 
Anlage,  die  nördlich  der  Dahlemer 
Chaussee  ein  weit  ausgedehntes,  vor- 
läufig von  einem  Drahtzaun  einge- 
schlossenes Gelände  umfasst,  besteht 
lediglich  darin,  gewisse  Krankheits- 
erscheinungen bei  Pflanzen  zu  beob- 
achten und  die  Urschen  und  Ver- 
hütungen derartiger  Erkrankungen  zu 
ergründen. 

Rosenkrankheit. 

Grosse  Niedergeschlagenheit,  schreibt 
die  Voss.  Ztg.,  herrscht  unter  den 
Rosenzüchtern,  denn  es  ist  noch  nicht 
gelungen,  dem  heimtückischen  Krank- 
heitserreger der  La  France-Rose 
richtig  auf  die  Spur  zu  kommen. 
Während  mikroskopische  Untersuchun- 
gen das  Vorhandensein  eines  Wurzel- 
pilzes nicht  ergaben  und  Prof.  Dr. 
Sorauer  der  Ansicht  zuneigt,  es 
handle  sich  nur  um  eine  allgemeine 
Sohwächeerscheinung.  will  der  Rosen- 
züchter  Kinkel-Rosenheim  beobachtet 
haben,  dass  die  vorjährige  grosse 
Hitze  im  August  die  Hauptursache 
der  Zerstörung  abgegeben  habe. 
Neuerdings  will  man  eine  ähnliche 
Krankheitserscheinung  auch  bei  der 
Marschall  Niel-Rose  testgestellt  haben. 


2l6 


Litteratur. 


Litteratur. 


Kunst-Formen  der  Natur. 
Vor  einigen  Monaten  kündigte  das 
Bibliographische  Institut  in  Leipzig 
unter  diesem  Titel  ein  in  etwa  fünf 
Lieferungen  zu  je  3  M.  erscheinendes 
Werk  an,  dessen  Urheber  Professor 
Ernst  Haeckel  in  Jena  ist.  Wer  mit 
dem  Mikroskope  arbeitet,  findet  manch- 
mal unter  demDeckglase  Anordnungen, 
Gliederungen  an  und  für  sich  sehr 
wenig  bedeutender  oder  wenig  ge- 
kannter Objekte,  die  Ausrufe  der  Be- 
wunderung hervorlocken,  weil  die 
Umrisse  des  Ganzen  und  der  einzelnen 
Teile  die  Empfindung  des  Schönen 
auf  das  lebhafteste  erwecken.  Oft 
genug  staunt  man  über  harmonische 
Gestaltung  und  edlen  Aufbau,  wo  man 
sie  gar  nicht  vermutet  hätte,  und  auch 
die  allerkleinsten  Schöpfungen  der 
allwaltenden  Natur  tragen  mitunter  in 
ihrer  äusseren  Erscheinung  den  Stempel 
des  Schönen  in  so  hervorragendem 
Masse,  dass  man  nur  bedauern  muss, 
dass  ein  solcher  Anblick,  eine  solche- 
Quelle  des  reinsten  Genusses,  verhältnis- 
mässig nur  wenigen  zugänglich  ist. 

Empfindungen  dieser  Art  waren  es, 
die  mich  bald  in  den  Besitz  der  ersten 
Lieferung  dieses  Werkes  kommen 
Hessen;  versprach  doch Haeckels Name 
auch  in  dieser  Richtung  Hervorragendes. 
Meine  Erwartungen  sind  aber  um  ein 
Vielfaches  übertroffen  worden,  und  ich 
kann  mich  an  den  herrlichen  Formen 
von  ebenso  grosser  Mannigfaltigkeit 
als  von  eigenartiger  Anordnung  gar 
nicht  satt  sehen.  Welche  Anregung  wird 
aus  diesen  Abbildungen  ein  Gärtner 
empfangen,  dessen  Auge  die  Dinge 
mit  dem  Massstabe  der  Schönheit  zu 
messen  gewohnt  ist?!  Welche  herrlichen 
Vorbilder  für  das  Blumenbeet,  für  die 
Binderei  und  für  Ausschmückungen 
aller  Art  bieten  sich  hier  in  den  Dar- 
stellungen der  verschiedensten  Meeres- 
bewohner dem  formenfreudigen  Auge?! 

Wie  Haeckel  selbst  über  die  Sache 
denkt,  das  mögen  einige  Sätze  der  von 
ihm  verfassten  Vorrede  ausdrücken. 
Gleich  zu  Anfang  heisst  es:  „Die  Natur 
erzeugt  in  ihrem  Schosse  eine  un- 
erschöpfliche Fülle  von  wunderbaren 
Gestalten,  durch  deren  Sehönheit  und 
Mannigfaltigkeit  alle  vom  Menschen 
geschaffenen       Kunstformen      weitaus 


übertroffen  werden.  Die  Naturprodukte, 
aus  deren  Nachahmung  und  Model- 
lierung die  bildendeKunst  desMenschen 
hervorgegangen  ist ,  gehören  be- 
greiflicherweise solchen  höheren 
Gruppen  des  Pflanzenreichs  und  des 
Tierreichs  an,  mit  denen  der  Mensch 
in  beständiger  Berührung  lebte,  vor 
allem  den  Blütenpflanzen  und  Wirbel- 
tieren. Dagegen  ist  den  meisten 
Menschen  grösstenteils  oder  ganz  un- 
bekannt jenes  unermessliche  Gebiet 
der  niederen  Lebensformen,  die  ver- 
steckt in  den  Tiefen  des  Aleeres 
wohnen  oder  wegen  ihrer  geringen 
Grösse  dem  unbewaffneten  Auge  ver- 
schlossen bleiben." 

,,Die  vorliegenden  ..Kunstformen  der 
Natur"  verfolgen  den  Zweck,  jene  ver- 
borgenen Schätze  ans  Licht  zu  ziehen 
und  einem  grösseren  Kreise  von 
Freunden  der  Kunst  und  der  Natur 
zugänglich  zu  machen.  Seit  frühester 
Jugend  von  dem  Formenreize  der 
lebendigen  Wesen  gefesselt  und  seit 
einem  halben  Jahrhundert  mit  Vorliebe 
morphologische  Studien  pflegend,  war 
ich  nicht  nur  bemüht,  die  Gesetze 
ihrer  Gestaltung  und  Entwicklung  zu 
erkennen,  sondern  auch  zeichnend  und 
malend  tiefer  in  das  Geheimnis  ihrer 
Schönheit  einzudringen.  Auf  zahl- 
reichen Reisen,  die  sich  auf  einen  Zeit- 
raum von  fünfundzwanzig  Jahren  er- 
strecken, habe  ich  alle  Länder  und 
Küsten  Europas  kennen  gelernt  und 
auch  an  den  interessantesten  Gestaden 
des  nördlichen  Afrika  und  des  süd- 
lichen Asien  längere  Zeit  gearbeitet. 
Tausende  von  Figuren,  die  ich  auf 
diesen  wissenschaftlichen  Reisen  nach 
der  Natur  gezeichnet  habe,  sind  bereits 
in  meinen  grösseren  Monographien 
publiziert;  einen  anderen  Teil  will  ich 
bei  dieser  Gelegenheit  veröffentlichen. 
Ausserdem  werde  ich  bemüht  sein, 
aus  der  umfangreichen  Litteratur  die 
schönsten  und  ästhetisch  wertvollsten 
Formen  auszulesen  und  zusammen- 
zustellen." 

Und  schliesslich  sagt  Haeckel:  „Die 
Quellen  ästhetischen  Genusses  und 
veredelnder  Erkenntnis,  die  überall 
in  der  Natur  verborgen  sind,  sollten 
mehrundmehr  erschlossen  undGemein- 
gut  weitester  Bildungskreise  werden." 


Litteratur. 


2  i  7 


Gärtnerische  Kreise  dürfen  dem 
Herrn  Verfasser  und  in  zweiter  Linie 
seinen  Mithelfern  sowie  der  Verlags- 
buchhandlung für  die  Veröffentlichung 
gerade  dieses  Werkes  grossen  Dank 
wissen.  Uns  aber  erfüllt  es  mit  Stolz 
und  Freude  ,  einen  Forscher  wie 
Haeckel  in  Sachen  der  Schönheit  der 
.Natur  auf  unserer  Seite  zu  sehen  und 
von  ihm  eine  so  wirksame  Unter- 
stützung zu  empfangen.  Den  Sitz  alles 
wahrhaft  Schönen  in  der  Natur  zu 
suchen,  dazu  die  jungen  Gärtner,  die 
1  räger  der  nächsten  beruflichen  Ge- 
neration immer  mehr  anzuleiten  und 
darauf  zu  verweisen,  das  sollte  eine 
der  Hauptaufgaben  der  Lehrer  des 
Gartenbaues  sein.  Wenn  erst  die  Natur 
als  die  unerschöpfliche  Quelle  aller 
Schönheits-Begriffe  allgemein  benutzt 
wird,  dann  nimmt  der  Gartenbau  in 
seinem  ganzen  Umfange  einen  neuen 
Aufschwung! 

L.-Oek.-R.  R.  Goethe-Geisenheim. 


II.  Graf  zu  Solms-Laubach,  Pro- 
fessor der  Botanik  an  der  Universität 
Strassburg  i.  E.,  Weizen  und  Tulpe 
und  deren  Geschichte.  Mit  i  Tafel 
in  Handkolorit.  Leipzig.  Verlag  von 
Arthur  Felix   1899. 

Eine  echte  deutsche  Gelehrtenarbeit, 
wie  wir  sie  stets  in  den  Schriften  des 
Reichsgrafen  zu  Solms-Laubach 
finden,  liegt  auch  in  dieser  Schrift 
vor.  Schade,  dass  er  nicht  zwei  Ver- 
öffentlichungen daraus  gemacht  hat, 
dann  würde  die  Zahl  der  Käufer 
vielleicht  doppelt  so  gross  werden, 
denn  viele  interessieren  sich  nur  für 
den  Weizen,  andere  nur  für  die  Tulpe. 
Wir  schli  essen  uns  bezüglich  des  Weizens 
der  Auffassung  des  Verfassers  an.  dass 
man  Körnicke's  fünf  Unterarten 
von  Triticum  vulgare,  dem  gemeinen 
Weizen:  vulgare  im  engeren  Sinne,  tur- 
gidum.  durum,  Spelta  und  dicoecum, 
besser  als  Arten  aufführt.  Wir  haben 
das  zwar  früher  selbst  nicht  gethan, 
sondern  sind  Alefeld  und  Körnicke 
in  mancher  Hinsicht  gefolgt.  Wenn 
man  aber  wünscht,  dass  die  Landwirte 
die  lateinischen  Namen  bei  Getreide 
anwenden  sollen,  muss  man  die  Sache 
1  hst  vereinfachen  und  nicht  sagen: 
Triticum  vulgare  durum  etc.,  sondern 
einfach    I  riticum  durum. 

Dil  Hauptfrage,  die  der  Verfasser  zu 
lösen  sucht,  ist  die  nach  dem  Vater- 


lande des  Weizens.  Während  fast 
alle  Vorgänger  die  Heimal  in  West- 
asien suchen,  nimmt  er  Mittelasien  an, 
weil  sonst  nicht  erklärlich  sei,  dass 
in  China  der  Weizen  schon  im  3.  Jahr- 
tausend, in  Aegypten  erst  im  4.  Jahr- 
tausend vor  Chr.,  kultiviert  winde. 
Auch  führt  er  als  ausgezeichnet.  1 
Paläontologe  die  Verhältnisse  der  Vor- 
welt, z.T.  unter  Benutzung  von  Englers 
Arbeiten,  zur  Begründung  an. 

Leider  sind  fossile  od  er  prähistorische 
Weizenproben  in  Zentralasien  bis  jetzt 
nicht  gefunden.  Dass  die  Weizenkultur 
in  Zentralasien  uralt,  ist  gewiss  nicht 
zu  bestreiten;  aber  man  kann  sich 
vielleicht  ebensogut  vorstellen,  dass 
sie  von  Vorderasien  nach  Zentralasien 
und  von  da  nach  China  sich  aus- 
gebreitet habe. 

Die  prähistorischen  Funde  bespricht 
der  Verfasser  eigentlich  viel  zu  wenig. 
Des  Referenten  Arbeiten,  z.  B.  seine 
Ansicht,  dass  T.  dicoecum  der  Urform 
am  nächsten  stehen  möchte,  eine  An- 
sicht, der  auch  Kör  nicke  zuneigt, 
scheinen  dem  Verfasser  nicht  bekannt 
zu  sein. 

Für  den  Gärtner  viel  wichtiger  ist 
die  auch  räumlich  ausgedehntere  Ab- 
handlung über  die  Geschichte  der 
Tulpen  in  Mittel-  und  Westeuropa. 
Solms  bespricht  1.  die  Feldtulpen, 
2.  die  Gartentulpen.  Er  weist  nach, 
dass  die  gelbe  wilde  Tulpe,  Tulipa 
silvestris,  die  jetzt  bis  zum  südlichen 
Schweden  wächst,  ursprünglich  nur  in 
einem  begrenzten  Bezirk  Italiens  bei 
Barga,  im  oberen  Serchiothal  in  den 
Apenninen  und  bei  Bologna  einheimisch 
war  und  erst  später,  im  vorigen  Jahr- 
hundert, bei  uns  verwildert  ist. 

Die  Gartentulpe  wurde  von  Busb  ecq, 
dem  Gesandten  Kaiser  Ferdinands  I. 
beim  Sultan  für  die  Gärten  entdeckt. 
Als  er  im  Jahre  1554  nach  Kon- 
stantinopel  reiste,  sah  er  in  einem 
Garten  zwischen  dieser  Stadt  und 
lladrianopelzum  ersten  Mal  dieseBlume 
(Solms  zitiert  die  betr.  Stelle  aus  dem 
Reisebrief);  merkwürdigerweise  sah 
Conrad  Gesner  sie  schon  1559  'n 
Augsburg  aus  Samen  gezogen.  Clusius, 
dei  157;-;  nach  Wien  kam,  traf  dort 
mit  Busbecq  zusammen,  der  ihm  viele 
Samen  schenkte,  auch  Tulpensamen. 
Ausserdem  ist  die  Tulpe,  ehe  Clusius 
sie  inHolland  verbreitete, schon  um  1570 
in  Mecheln    gewesen,    1574  blühte  die 


2l8 


Litteratur. 


erste  in  Brüssel,  1594  war  sie  schon 
in  mehreren  Sorten  in  Breslau. 

In  Holland  unterscheidet  man  heute 
1.  einfarbige  oder  Muttertulpen,  2.  bunt- 
farbige oder  gebrochene,  von  letzteren 
wieder  a)  Bizarden,  mit  gelbem 
Grund  und  verschiedener  Panachierung, 
b)  Flamands,  die  weissgrundig  sind 
und,  wenn  die  Panachierungsfarbe 
violett  ist,  Bybloemen  (sprich  Bei- 
blumen), wenn  sie  rot  ist,  »Roses« 
heissen.  Alle  die  berühmten  alten 
Sorten,  wie  Semper  Augustus,  Admiral 
Liefkens,  Gouda  (sprich  Gauda)  u.  s.  w., 
von  denen  wir  noch  kolorierte  Ab- 
bildungen besitzen,  sind  nach  Solms 
durchweg  Bybloemen  oder  Roses. 

Solms  hatte  das  Glück,  die  gross- 
artige Bibliothek  des  Herrn  E.  H. 
Krelage  in  Haarlem  eingehend  durch- 
sehen zu  können,  und  auf  Grund  dieser 
Studien  und  anderer  Originalquellen 
giebt  ereineganz  eingehende  Geschichte 
derselben,  namentlich  auch  des  Tulpen- 
schwindels. 

Wir  lächeln  heute  über  die  hohen 
Preise,  die  damals  für  Tulpen  gezahlt 
wurden,  aber  ist  es  heute  bei  den 
Orchideen,  z.  B.  den  Cypripedien,  nicht 
ähnlich?  Der  Unterschied  ist  nur  der, 
dass  man  bei  den  Tulpen  eine  Art 
Terminhandel  trieb,  dass  man  Blumen 
verkaufte,  die  man  noch  gar  nicht  hatte. 

Solms  geht  auch  auf  die  Ab- 
stammung der  Gartentulpen  ein  und 
schliesst  mit  folgenden  Sätzen: 

Es  stellt  sich  heraus,  dass  die 
Gartentulpen  die  variable  Progenies 
(Nachkommenschaft)  zwischen  nicht 
näher  bestimmbaren  asiatischen  Spezies 
der  Gattung,  dass  die  wilden  Alt- 
tulpen Europas  reine,  aus  dem  Osten 
gekommene  Arten  darstellen,  dass 
endlich  die  Neutulpen  (Neotulipes  der 
Italiener)  sich  als  Abkömmlinge  der 
Gartentulpen  erweisen,  die  wieder  in 
wilden  Zustand  gelangt  sind,  und  dass 
deren  häufiges  Neuauftreten  der  geringen 
Konstanz  der  Vererbung  bei  der  Fort- 
pflanzung mittels  Samen,  gegebenen- 
falls der  Sportbildung  zur  Last  zu 
legen  ist. 

Die  Einzelheiten  möge  man  in  Solms 
trefflichem  Werk  selber  lesen! 

Die  beigefügte  Tafel  giebt  drei 
berühmte  Tulpen  farbig  wieder: 
1.  Viseroy  (weiss  mit  violetter 
Panachierung),     2.    Semper    Augustus, 


3.     Gouda     (beide     weiss      mit    roter 
Panachierung).  L.  W. 


A.  Voss,  Gärtnerisches  Zentralblatt. 
Referierendes  und  forschendes  Organ 
für  den  gesamten  Gartenbau  u.  s.  w. 
Berlin,     Weissenburgerstrasse  66. 

Zentralblätter  giebt  es  bereits,  auf 
den  verschiedensten  Gebieten  der 
Naturwissenschaften  und  verwandter 
Disziplinen.  Sie  haben  den  Zweck,  in 
kurzer  und  gedrängter  Form  möglichst 
vollständig  alle  Arbeiten  und  sonstigen 
Mitteilungen,  die  in  dem  betreffenden 
Fach  erschienen  sind,  zu  bringen,  und 
sie  sind  infolge  dessen  für  Forscher 
und  Interessenten  eine  grosse  Er- 
leichterung bei  ihren  Arbeiten.  Mit 
Freude  ist  daher  auch  das  bisher 
noch  nicht  existierende  gärtnerische 
Zentralblatt  zu  begrüssen.  Damit  aber 
ein  derartiges  Werk  ein  wirkliches 
,, Zentralblatt''  und  ein  zuverlässiges 
Nachschlagewerk  sei,  ist  es  freilich  u.a. 
absolut  notwendig,  dass  es  die  betr. 
Artikel  bald  bringt  und  nicht  um 
mehrere  Jahre  nachhinkt  ,  wie  dies 
leider  bei  manchen  ähnlichen  „Zentral- 
blättevn"  der  Fall  ist,  ferner,  dass  es 
alle  litterarischen  Erscheinungen 
möglichst  vollständig  giebt  und  nicht 
einzelne  Gebiete  bevorzugt,  und  endlich, 
dass  die  betr.  Referate  und  sonstigen 
Mitteilungen  objektiv  wiedergegeben 
werden.  Dass  möglichst  viele  Mit- 
arbeiter an  einem  solchen  Zentral- 
blatt thätig  sind,  kann  dasselbe  nur 
fördern  und  vor  Einseitigkeit  bewahren. 
In  wie  weit  Herr  Voss  sich  auf  den 
angegebenen  Standpunkt  stellen  wird 
und  will,  muss  die  Zukunft  lehren. 
Jedenfalls  war  es  bedenklich,  von  dem 
ersten  Heft  gleich  etwa  ein  Achtel  mit 
der  unglücklichen  Nomenklaturfrage 
zu  füllen.  .Glücklicherweise  sind  die 
folgenden  Nummern  in  dieserBeziehung 
besser. 

Wir  wünschen  dem  Unternehmen 
des  Herrn  Voss  von  ganzem  Herzen 
nach  jeder  Richtung  hin  den  besten 
Erfolg,  denn  ein  gärtnerisches  „Zentral- 
blatt" ist  thatsächlich  ein  Bedürfnis. 
Mögen  diese  Zeilen  dazu  beitragen, 
aus  seiner  Zeitschrift  ein  „Zentralblatt" 
im  wahrsten  Sinne  des  Wortes  zu 
machen,  dann  wird  auch  der  pekuniäre 
Erfolg  nicht  ausbleiben. 

Dr.  Kr. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


2  ig 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Petersburg.  III.  internationale 
Gartenbau-Ausstellung  vom  5./17. 
bis   15.27   Mai    1899. 

Alphabetisches  Verzeichnis  der  deutschen 
Preisrichter 

tür  die  internationale  Gartenbau-Aus- 
stellung in  Petersburg  vorn  5.1 7.  bis 
15.  37.  Mai  1899  (soweit  sie  bis  zum 
28.  März  gemeldet  waren),  unter  Weg- 
lassung der  Titel.  Es  sind  78,  von 
von  21  Herren  steht  die  Erklärung 
noch  aus.) 

Benary,  E.,  Erfurt. 

Bertram,  Dresden. 

Betten,  R  ,  Frankfurt  a.  O. 

Bluth,  Franz,  Gr.-Lichterfelde  b.  Berlin. 

Bornemann,  Blankenburg  a.  H. 

Buchner,  M.,  München. 

Bunt/el.Max,  Xieder-Schönweide  b. Berlin. 

Bunker,  Hamburg. 

Chrestensen,  \.  I..,  Erfurt. 

Conwentz,  Danzig. 

Dippe,  C,  Quedlinburg. 

Drude,  O.,  Dresden. 

Fchtermeyer,  Th.,  Wildpark  b.  Potsdam. 

Engler,  A.  W.,  Berlin. 

Fintelmann,  G.,  Sanssouci  b.  Potsdam. 

Grünenthal,  G.,  Berlin. 

Grussdorf,  H.,  Quedlinburg. 

Hammelbacher,  J.   O.,  München. 

Harms,  Fr.,  Hamburg. 

Hauber,  J.,  Cassel. 

Haubold,  B.,  Laubegast-Dresden. 

Heinemann,  F.  C,  Erfurt. 

Heibig,  H.  F.,  Laubegast. 

Henckel,  H.,  Darmstadt. 

Hering,  C,  Potsdam. 

Hesdörfler,  Berlin. 

Heyneck,  O.,  Magdeburg. 

Hoffmann,  Mart,  Treptow  b.  Berlin. 

Höss,  A.,  Frankfurt  a.   M. 

Jawer,  Th.,  Nieder-Schönhausen  b.  Berlin. 

Jürgens,  R.,  Hamburg. 

Kallmevcr,  Stettin. 

Kaiser,  W.,  Würzburg. 

Knöfek  Dresden. 

Kolb,  M.,  München. 

Koopmann,   K.,  Wernigerode  a.   H. 

Kracke,  Döhren. 

Krantz,  II..  Mittelhufen  b.  Königsberg. 

Kränzlin,  F.,  Gr.-  Lichterfelde  b.  Berlin. 

Kuntze,  C,  Berlin. 

Lackner,  C,  Steglitz  b.  Berlin. 

Lambert,  !'..  Trier. 

Lindberg,  A.,  I  .übeck. 

Loock,    I.  F..  Berlin. 

Mette,  Heinr..  Quedlinburg. 

Mietsch,  C.  W.,  Dresden. 

Müller,   F.,   Erfurt. 

Neumann,  O.,  Schöneberg  b.  Berlin. 


(  Hberg,  O.,  Dresden. 
Paulig,  Ph.,  Lübeck. 
Putzer,  F.,  Heidelberg. 
Rathke,  Fr.,  Praust  b.  Danzig 
Raue,  H.,  Dresden. 
Reimers,  Th.,  Altona  Ottensen. 
Richter,  L.  R.,  Strehlen- Dresden. 
Riechers,  F.  A.,  Söhne,  Hamburg. 
Röthcke,  G.,  Frankfurt  a.   M. 
Ruschpier,  P.,  Dresden-Strehlen. 
Rüppel,  Hamburg. 
Schmidt,  G.,  Erfurt. 
Schröder,  Mainz. 
Seeligmüller,  E.  C,  (Tonberg. 
Seidel,  IL,  Laubegast  Dresden. 
Seidel,  R.,  Laubegast- Dresden. 
Seyderhelm,  H.,  Hamburg. 
Siebcrt,  A.,  Frankfurt  a.  M. 
Siesmayer,  J.,  Frankfurt  a.  M. 
Singer,  A.,  Kissingen, 
van  der  Smissen,  G,  Steglitz  b.  Berlin. 
Stehen,  R.,   Dalldorf  b.  Berlin. 
Stoldt,  C,  Wandsbeck-Marienthal  b.  Ham- 
burg. 
Strassheim,  Frankfurt  a.  M. 
Tiefenthal,  O.,  Wandsbeck  b.  Hamburg. 
Trip,  J.,  Hannover. 
Wagner,  A.,  Leipzig-Gohlis. 
Weissbach,  R.,  Laubegast-Dresden. 
Wiese,  A.,  Stettin. 
Wittmack,  L.,  Berlin. 


Herr  Wm.  Minlos  (Dampfschiffs- 
Rhederei  Lübeck  und  Hamburg)  hat 
sich  bereit  erklärt,  den  Dampfer 
..Marie  Louise",  Kapt.  Xachtwey,  am 
Dienstag  den  9.  Mai  von  Lübeck 
nach  Petersburg  abfahren  zu  lassen. 
Ankunft  in  Petersburg,  Seezollamt  am 
13.— 14.  Alai  (von  dort  können  die 
( Titer  in  30—40  Minuten  per  Wagen 
zur  Ausstellung  befördert  werden). 
Der  Dampfer  bietet  neben  vielem 
Deckraum  auch  Platz  für  ca.  2<>  Pas- 
sagiere. Herr  Min  los  bietet  den  Aus- 
stellern eine  Sonderfracht  und  Passage 
an,  nämlich  eine  Seefracht  für  Bäume 
und  Pflanzen  von  M.  1.50  4-  15%  Cap- 
laken  pro  50  kg  gegen  die  Taxfracht  von 
1  Rubel  =  2,2'>  M.  +  15%  Gapl.  pro 
50  kg  und  eine  Passage  von  50  M. 
inclusive  Beköstigung  für  die  Einzel- 
fahrt gegen   Taxe  von  60  M.  pro  Person. 

Die  Seeversicherung  würde  Herr 
Minlos  im  Raum  mit  '  ,"„  und  auf 
Deck  mit  l/a%  besorgen. 

Bei  Deckverladung  würden  Vor- 
kehrungen   getroffen  werden,    um    die 


220 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Pflanzen  thunlichst  gegen  Seewasser 
und  Sonnenstrahlen  zu  schützen. 

In  Lübeck  sind  die  Ausstellungs- 
gegenstände an  die  Firma  Wm.  Minlos 
zu  adressieren.  Spätestens  am  8.  Mai 
abends  müssten  die  Güter  in  Lübeck 
eintreffen. 

Etwa  drei  Wochen  vor  dem  Abgangs- 
termin des  Dampfers  ist  das  ungefähr 
zur  Verladung  kommende  Quantum  an 
Gütern  Herrn  Minlos  aufzugeben. 

Hamburg,  22.  Januar  1899. 

Prof.  Dr.  Zacharias, 
Botanischer  Garten. 


Frachtermässigung  für  die  Petersburger 
Ausstellung. 

Der  Staatssekretär  des  Innern  über- 
sendet uns  unter  dem  6.  April  1899 
III  A.  1460  Abschrift  eines  Schreibens 
des  Königlich  preussischen  Herrn 
iMinisters  der  öffentlichen  Arbeiten  und 
Chefs  des  Reichsamts  für  die  Ver- 
waltung der  Reichseisenbahnen,  das 
wir  hiermit  zur  Kenntnis  bringen: 

Die  Königlichen  Eisenbahndirek- 
tionen, die  Kaiserliche  Generaldirektion 
der  Eisenbahnen  in  Elsass-Lothringen 
und  die  Direktion  der  Main-Neckar- 
Eisenbahn  sind  ermächtigt  worden,  die 
Pflanzen  und  sonstigen  Gegenstände, 
die  auf  der  vom  17.  bis  27.  Mai  d.  ]. 
in  St.  Petersburg  stattfindenden  inter- 
nationalen Gartenbau-Ausstellung  aus- 
gestellt und  nicht  verkauft  werden, 
unter  den  im  Deutschen  Eisenbahn- 
Verkehrs-Verbande  vereinbarten  Be- 
dingungen an  die  Versandstation  und 
den  Aussteller  des  der  Sendung  auf 
dem  Hinwege  beigegebenen  Fracht- 
briefes frachtfrei  zurückzubefördern. 
Den  Preussischen  Privateisenbahnen 
wird  die  Genehmigung  hierzu  von  den 
zuständigen  Königlichen  Eisenbahn- 
kommissaren  ebenfalls  erteilt  werden. 

Dem  Antrage  der  Russischen  Re- 
gierung auf  Gewährung  von  Fahrt- 
erleichterungen zum  Besuche  der  Aus- 
stellung vermag  ich  nicht  zu  ent- 
sprechen. Gelegentlich  derStockholmer 
Kunst-  und  Industrie-Ausstellung  im 
Jahre  1897  ist  mit  Rücksicht  auf  die 
damals  vorliegenden  besonderen  Ver- 
hältnisse ausnahmsweise  eine  all- 
gemeine Verlängerung  der  Geltungs- 
dauer der  bestehenden  Rückfahrkarten 
bis  zu  30  Tagen    zugestanden  worden. 


Im  Verkehr  zwischen  preussischen 
Stationen  und  St.  Petersburg  werden 
Rückfahrkarten  z.  Z.  überhaupt  nicht 
ausgegeben,  so  dass  schon  aus  diesem 
Grunde  die  etwaige  Gewährung 
einer  ähnlichen  Vergünstigung  aus- 
geschlossen sein  würde.  Zur  Gewährung 
anderer  Fahrterleichterungen  dürfte 
aber  die  bevorstehende  Ausstellung 
keinen  Anlass  bieten. 


Ehrenpreise. 

Ausser  den  im  2.  Nachtrag  zum 
Programm  aufgeführten  Ehrenpreisen 
sind  noch  folgende  hinzugekommen: 
Von  Ernst  Benary-Erfurt  eine  grosse 
Vermeil-  (vergoldete  silberne)  Medaille 
im  Wert  von  100  M.  für  die  besten 
aus  Samen  vom  Aussteller  gezogenen 
Pflanzen.  VomMinisterium  derFinanzen: 
1  gr.  goldene,  3  kl.  goldene,  5  gr. 
silberne,  10  kl.  silberne,  15  bronzene 
Medaillen  und  20  Diplome  zur  Ver- 
fügung der  Preisrichter.  Herr  Du  mo  wo 
hat  4  gr.  goldene  Medaillen  gestiftet: 
1.  für  looSpecies  Palmen,  2.  50  Sorten 
Cycadeen,  3.  50  Croton,  4.  25  Sorten 
Araucarien. 

Von  den  Preisen  im  2.  Nachtrag 
nennen  wir  u.  a.:  Ehrenpreis  der  Pro- 
tektorin der  russ.Garlenbaugesellschaft, 
Grossfürstin  Elisabeth  Feodorowna,  für 
die  beste  Gruppe  Lathyrus  odoratus 
oder  für  Theerosen  in  Blüte.  Ehren- 
preis des  Grossfürsten  Michael  Niko- 
laewitsch  für  eine  Sammlung  von  mehr 
als  6  Palmen  oder  Cycadeen  in  grossen 
Exemplaren  (56a).  Vom  Ministerium 
für  Ackerbau  1  goldene,  1  gr.,  1  kl. 
silberne  Medaille  für  Obst-  u.  Beeren- 
weine (181a),  neue  Konkurrenz;  von 
der  Apanagen-Hauptverwaltung  1  kl. 
gold.  Med.  für  40  oder  mehr  Arten 
buntblättriger  Caladien  (64a,  neue  Kon- 
kurrenz). Von  der  Gesellschaft  »Flora« 
in  Dresden  1  Kunstgegenstand  aus 
Meissener  Porzellan  im  Werte  von 
120  M.  für  die  beste  Rosenunterlage. 
Vom  Handelsgärtner  W.  K.  Freund- 
lich ein  Kunstgegenstand  im  Werte 
von  150  Rubeln  für  die  beste  Gruppe 
Theophrasteae,  oder  für  Croton.  Vom 
Präsidenten  der  russ.  Gartenbaugesell- 
schaft, Generalmajor  S.  J.  Speransky 
a)  1  gr.  gold.  Med.  für  die  beste  Gruppe 
Orchideen  einer  Art  oder  Abart  (99b. 
neue  Konkurrenz),   b)   1  kl.  gold.  Med. 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


22  I 


für  Garten- und  Parkpläne  (199).  Vom 
Vizepräsidenten  Geheimral  A.  Fischer 
von  Waldheim  a)  1  kl.  gold.  Med. 
für  die  praktischste  Beschattungs- 
vorrichtung, b)  1  gr.  u.  1  mittlere 
silb.  Med.  für  die  praktischsten  und 
elegantesten  Etiketten  (202a,  neue 
Konkurrenz). 

Anmeldungen  mit  vollständigen 
Listen  der  Gegenstände  werden  noch 
bis  zum  20.  April  (2.  Mai)  an- 
genommen, jedoch  ohne  Garantie,  dass 
dieselben  im  Hauptkatalog  Aufnahme 
finden. 

Herr  \.  von  Plautin,  Mitglied  der 
Kommission  für  den  Empfang  der 
fremden  Gäste, bittet,  dass  allePersonen, 
welche  dasl'rn^iamm  etc.  wünschen, sich 
an  diese  Kommission  wenden.  Annoncen 
für  den  Katalog  nimmt  der  Sekretär 
der  auswärtigen  Abteilung,  Woldemar 
Ender,  Mytninsky  Quai,  Haus  11, 
Logcs  18,  bis  20.  April  12.  Mai)  entgegen. 

Frankreich  macht  L;anz  besondere 
Anstrengungen;  es  hat  sich  ein  grosses 
Komitee  gebildet  und  die  Regierung 
giebt  den  Ausstellern  Beihilfen.  Belgien 
hat  ausgezeichete  Gegenstände  an- 
gemeldet. Aus  Dänemark  werden  ca. 
50  Aussteller  erwartet.  Sachsen  und 
Hamburg  werden  voraussichtlich  viel 
schicken,  auch  aus  anderen  Gegenden 
Deutschlands  ist  viel  angemeldet. 

Vor  wenigen  Wochen  herrschte  in 
Petersburg  noch  grosse  Kälte,  in  der 
Nacht  zum  13./25.  März  220  R.,  dabei 
viel  Schnee. 

*  *  * 

Auswärtige  Staats  -  Delegaten  und  Kommissare. 

Fü  r  d  as  Den  tsche  Reich:  a)  Baden,  \ 
Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Pfitzer, 
Direktor  des  botanischen  Gartens 
in  Heidelberg,  b)  Bayern:  König- 
licher Rat  Max  Kolb,  Inspektor 
des  Königlichen  botanischen 
Gartens   in   München   (Kommissar). 

c)  IIa  m  b  u  r  g :  P rof.  Dr.  Zach  a- 
rias,  Direktor  des  botanischen 
Gartens   in  Hamburg  (Kommissar). 

d)  Preussen:  Geh.  Regierungsrat 
Prof.  Dr.  A.W.  Engler,  Direktor 
de,  Königlichen  botanischen 
Gartens.  Berlin.  Königl.  Gartenbau- 
direktor Carl  Lackner.  Steglitz, 
Direktor  des  Vereins  zur  Beförde- 
rung des  Gartenbaues  in  den 
preussischen  Staaten.  Geh.  Reg.-Ral 
Dr.  L.  W  Htm  ack,  Professor  an  der 


Königl.  landw.  Hochschule  und  an 
der  Universität,  General-Sekretär 
des  Vereins    zur  Beförderung    des 

Gartenbaues,  d)  Sachsen:  Prof. 
Dr.  Oskar  Drude,  Direktor  des 
Königl.  botanischen  Gartens  in 
I  >i  esden  1 1  »elegat  und  Kommi 

F  ü  r  Leli;  i  en  :  Graf  de  Kercho^  e 
de  Denterghem.  Präsident  der 
K.  Gesellschaft  für  Ackerbau  und 
Botanik  in  Gent.  .  (Delegat.) 
l  duard  Pynaert-Van -Geert. 
Chef-Redakteur  der  ..Revue  de 
l'Horticulture  Beige  et  Etrangi 
und  Albert  Mae  1  teils.  Kom- 
missionsmitglied der  K.<  lesellschaft 
für  Ackerbau  und  Botanik  in  Cent 
(Kommissare). 

Für  Frankreich:  Die  Herren  II. 
I.cv  equ  e  d  e  Vilmorin,  Vice- 
PräsidentderNationalenGartenbau- 
Gesellschaft  Frankreichs  zu  Paris: 
Ab.  Chatenay,  General-Sekretär 
derselben  Gesellschaft  .  und 
Truffaut  Vorsitzender  des  Syn- 
dikats französischer  Gärtner  in 
Paris  (Delegaten).  II.  Martinet, 
Professor  der  Gartenbauschule  zu 
Versailles  (Kommissar). 

Für  Holland:  Die  Herren  Kr  n  est 
K  r  e  1  a  ge,  Haarlem,undG  aleslo  ot, 
Amsterdam  (I  »elegaten). 

Für  Persien:  Mirza  Samad  Khan 
Momtazis-Saltaneh,Chambellan, 
Rat  der  persischen  Mission  in 
St.  Petersburg  (Kommissar). 

Bestand  der  Auswärtigen  Abteilung 
der  Internationalen  Gartenbau-Ausstellung: 

Vorsitzender:  S.  Excellenz,  Herr 
Geheimrat  A.  A.  Fischer  von 
Wald  he  im,  Direktor  des  Kaiserl. 
Botanischen  Gartens. Ehrenmitglied 
und  Vizepräsident  der  Kaiserl. 
Russischen  Gartenbau-«  lesellschaft. 

Sekretär:  Titulärrat  YV.  Ende]  . 
Beamter  des  Kaiserl.  Russischen 
i  »epartement  für  Ackerbau.  Zweiter 
Sekretär  der  Kaiserl.  Russischen 
( '.artenbau-Gesellschaft,  Mytninski- 
Quai   \o.   11. 

Mitglieder:  K.  J.  Bart  eisen,  Ober- 
gärtner  des  Kaiserl.  Botanischen 
Gartens;  IL  F.  Eilers,  Hofliefe- 
rant und  Handelsgärtner  in  St. 
Petersburg .  Kamennoostrowski- 
Prospekl  X".  33;  W.  K.  freund- 
lich. Gärtnereibesitzer  inZars 


22  2 


Aus   den  Vereinen. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


Sselo;  A.  A.  Gramberg,  Hof- 
gärtner in  Michailowka  bei 
Strelna. 

*  * 

Zu  beachten  für  Reisende  nach  Russland. 

Ein  Pass  ist  absolut  notwendig.  Auch 
lerne  man  möglichst  die  russischen 
gedruckten  Buchstaben  und  die  Zahlen, 
nehme  auch  ein  kleines  Wörterbuch 
mit,  in  welchem  die  russischen  Wörter 
mit  lateinischen  Buchstaben  geschrieben 
sind.  Warme  Kleidungsstücke!  Kein 
Zeitungspapier  zum  Einwickeln!  Bae- 
decker  nicht  vergessen!  Von  Berlin 
werden  die  meisten  Preisrichter  am 
Sonnabend  den  13.  Mai,  abends  11  Uhr 
3  Min.,  vor.  Bahnhof  Friedrichstrasse 
fahren,  dann  trifft  man  in  Petersburg 
Montag  den  15.  Mai,  10  Uhr  morgens, 
ein.  Preis  von  Berlin  nach  Wirballen 
I.  Kl.  67,50  M,  II.  Kl.  50.10  M.;  von 
Wirballen  nach  Petersburg  I.  Kl. 
24,05  Rubel  Silber  (1  Silberrubel  ca. 
2.23  M.),  II.  Kl.  1445  Rubel.  An  der 
russischen  Grenze  den  amtlichen  Eisen- 
bahn- und  Dampfschiffsführer  (60  Ko- 
peken) kaufen,  anderswo  erhält  man 
ihn  schwer. 

Der  Zoll  für  Pflanzen  beträgt  50  Ko- 
peken pro  Pud. 

Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899. 
Grosse  internationale  Ausstellung.    Das 


Komitee  der  Ligue  Ilorticole  L'Union 
zu  Mont  St.  Amand  bei  Gent  hat  in 
seiner  letztenSitzung  beschlossen,  sämt- 
lichen ausländischen  Handels- 
partnern, welche  zu  ihrer  vom 
30.  April  bis  9.  Mai  stattfindenden  All- 
gemeinen Gartenbau -Ausstellung  in 
Gent  anwesend  sind,  freien  Eintritt 
zu  gestatten,  und  bittet  Kollegen,  welche 
von  dieser  Einladung  Gebrauch  zu 
machen  wünschen,  diese  sobald  als 
möglich  dem  Komitee  anzuzeigen,  damit 
dasselbe  ihnen  eine  Eintrittskarte  für 
die  Dauer  der  Ausstellungzustcllen  kann. 


Internationaler  Gärtnerischer 
Kongress  in  Paris  während  der 
Gartenbau  -  Ausstellung  vom  24.  bis 
29.  Mai.  Es  werden  halbe  Fahrpreise 
gewährt.  Meldungen  nur  bis  zum 
15.  April:  nie  de  Grenelle  84,  Bureau 
der  Soc.  nationalle  d'hortic.  de  France. 

Berlin.  Grosse  deutsche  Winter- 
blumen-Ausstellung. Mitte  Februar 
1900  im  Zoologischen  Garten.  Das 
Programm,  das  Medaillen  und  Geld- 
preise im  Gesamtbetrage  von  nicht 
weniger  als  20000  Mark  aussetzt, 
liegt  dieser  Nummer  der  Gartenflora 
bei,  ist  auch  vom  Verein  zur  Beförder- 
ung des  Gartenbaues.  Invaliden- 
strasse  42,  zu  erhalten. 


Aus  den  Vereinen. 


Verzeichnis 

der  im  Sommer  1899  seitens   der  ver- 
einigten   Ausschüsse    des  Vereins    zur 
Beförderung      des      Gartenbaues      be- 
absichtigten Exkursionen. 
Mai:  Noch  nichts  festgesetzt. 
Juni:  Wörlitz  und  Dessau. 
ca.  31.:  Stiftungsfest. 
Juli:  Pfaueninsel  bei  Potsdam. 


August:  Neustrelitz. 
September:  14.:  Landsberg  a.  W. 
(Ausstellung  des  Märkischen  Obst- 
bauvereins). 
Oktober:  Dresden  (Jubiläums- Aus- 
stellung des  Landesobstbauvereins 
für  das  Königreich  Sachsen). 

Ausserdem  ist  es  den  einzelnen 
Ausschüssen  überlassen,  für  sich  Aus- 
flüge zu  veranstalten. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


Anatole  CordonnieretlilsinBailleul 
(Nord),  France,  Catalogue  et  guide  pour 
l'amateur  de  Chrysanthemes  ä  grandes 
tleurs,  mit  vielen  Abbildungen.  —  Die- 
selben. Comment  obtenir  30  grandes 
ileurs  de  Chrvsanthemes  sur  une  seuie 


tige?  [Wie  erhält  man  30  grosse  Chry- 
santhemum auf  einem  Stengel?]  (Em- 
pfehlung des  Düngers  „Papillon".)  — 
Dieselben,  La  question  des  engrais  en 
horticulture.  (Die  Düngerfrage.)  — 
A.  Schwiele wski.  Carow  bei  Berlin. 


Personal-Nachrichten. 


22'-! 


Posl  Blankenburg  (Mark),  Georginen 
(Dahlien).  Luigi    Cane    in    Casa- 

lecchio  de  Renn,  Bologna  (Italien), 
Listino  dell  Sementi.  Besonders  Gehölz- 
samen. —  W.  A.  Manda  (Universal 
Horticultural  Establishment)  in  South 
Orange,  New- Jersey  U.  S.  A.,  New  rare 
and  beautiful  plants,  seeds  and  bulbs. 
u.  a.  Rosa  Wichuriana-Hybriden,  Warm- 


hauspflanzen etc.  -  Rivoire  pere  et 
fils  in  Lyon.  l6  rue  d'Algerie,  I'lantes 
ä  massifs  et  en  collections  (Gruppen- 
pflanzen und  Sammlungen  und  Lobelia 
Gerardi).  Dieselben,  Nouveau  soufre 
ipite  Schloesing  ä  la  nicotine. 
(Schwefelblüte  mit  Nikotin,  soll  sehr 
wirksam  sein)  und  Zerstäuber. 


Personal-Nachrichten. 


Der  Geheime  Regierungsrat  und 
frühere  Telegrapheningenieur  im 
Reichspostamt  Dr.  Philipp  Wilhelm 
Brix,  seit  1866  Mitglied  des  Vereins 
zur  Beförderung  des  Gartenbaues,  ist 
am  31.  März  in  Charlottenburg  im 
82.  Lebensjahre  verschieden.  Geboren 
zu  Berlin,  studierte  er  hier  und  in 
Königsberg  Mathematik  und  Natur- 
wissenschaften, um  Lehrer  zu  werden. 
Im  Jahre  1847  übertrug  ihm  das 
preussische  Handelsministerium  durch 
Yermittlungdes  Vereins  zur  Beförderung 
des  Gewerbefleisses  „Untersuchungen 
über  die  Heizkraft  der  wichtigeren 
Brennstoffe",  die  ihn  bis  1851  be- 
schäftigten; sein  darüber  geschriebenes 
Werk  (gedruckt  1853)  wird  noch  jetzt 
in  der  Wissenschaft  geschätzt.  Die 
entscheidende  Wendung  in  seinem 
Leben  brachte  das  Jahr  1853:  der 
deutsch -österreichische  Telegraphen- 
verein übertrug  ihm  die  Redaktion 
seiner  Zeitschrift ,  der  ersten  wissen- 
schaftlichen Zeitschrift  auf  dem  Gebiete 
der  Telegraphie,  welche  Brix  von 
1  \: 4  bis  1869  herausgab.  Im  Jahre 
1 86 1  trat  er  in  ein  engeres  Verhältnis 
zur  preussischen  Telegraphenver- 
waltung, indem  er  als  Lehrer  an  der 
I  elegraphenschule  angestellt  wurde. 
Zugleich  war  er  Lehrer  der  elektrischen 
Telegraphie  an  der  Bauakademie, 
später  an  der  Technischen  Hochschule, 
eine  Stellung,  die  er  bis  1882  bekleidete. 
Als  in  der  Mitte  der  siebziger  Jahre 
die  zunehmende  Ausbreitung  des 
elektrischen  Telegraphen  an  die 
Telegraphenverwaltung  auch  in  wissen- 
schaftlicher Beziehung  erhöhte  An- 
forderungen stellte,  wurde  Brix  im 
Jahre  1876  zum  Ingenieur  beimGeneral- 
Telegraphenamt  ernannt.  Als  technisch- 


wissenschaftlicher  Beirat  der  Tele- 
graphenverwaltung hat  er  sich  um 
die  Entwicklung  der  deutschen  Tele- 
graphie grosse  Verdienste  erworben. 
Wie  der  Geistliche  am  Sarge  hervor- 
hob, wandte  Brix,  der  allein  durchs 
Leben  wandelte,  seine  besondere  Li 
dem  Gartenbau  zu.  In  seinem  Garten 
zog  er  besonders  viel  Obstsorten,  aber 
auch  Blumen.  —  Seit  Begründung  des 
Liebhaber  -  Ausschusses  des  Vereins 
zur  Beförderung  des  deutschen  Garten- 
baues wurde  er  zum  Vorsitzenden  er- 
wählt, legte  das  Amt  aber  vor  drei 
Jahren  wegen  Altersschwäche  nieder. 
(Berl.  Lokal-Anzeiger.) 


Unser  verehrter  Kollege,  Professor 
Dr.  Bernhard  Frank  von  der  land- 
wirtschaftlichen Hochschule.  Mitglied 
des  Vereins  zur  Beförderung  des 
Gartenbaues,  ist  in  das  Kaiserliche 
Gesundheitsamt  berufen  worden. 
Sein  Eintritt  in         das  Amt 

hängt  mit  der  Errichtung  der  biolo- 
gischen Abteilung  für  Pflanzenschutz 
beim  Gesundheitsamte  zusammen.  Mit 
ihm  ist  auch  Dr.  Friedrich  Krüger, 
gleichfalls  Mitglied  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues  über- 
getreten. Ausgeschieden  ist  aus 
dem  Dienste  des  Gesundheitsamtes 
u.  a.  Prof.  Dr.  Behrens  von  der 
technischen  Hochschule  in  Karls- 
ruhe, der  erst  im  vorigen  Jahre  im 
Interesse  der  biologischen  Abteilung 
für  das  Gesundheitsamt  angeworben 
wurde.  Er  ist  nach  Karlsruhe  zurück- 
gekehrt. 

Eine  von  Berlins  grössten  Industrie 
firmen,      die      Maschinenfabrik       von 
Carl  Beermann,  begeht  am  15.  April 


224 


Feldmessunterricht. 


die  Feier  ihres  50jährigen  Geschäfts- 
jubiläums. Die  derzeitigen  Inhaber 
des  Etablissements,  die  Herren 
Hermann  Beermann  und  Georg  Beer- 
mann. Mitglieder  des  Vereins  zur 
Beförderung  des  Gartenbaues,  haben 
für  die  Feier  dieses  goldenen  Jubiläums 
ein  grosses  Programm  entworfen,  das 
sich  vornehmlich  als  ein  Arbeiterfest 
gestalten  soll.  Die  Firma  ist  im  Jahre 
1849  von  dem  Ingenieur  Carl  Beer- 
mann in  der  Dresdener  Strasse  be- 
gründet und  im  Jahre  1856  auf  ein 
grosses  Gelände  vor  dem  Schlesischen 
Thor  verlegt  worden.  Hier  hat  das 
Unternehmen  den  gewaltigen  Auf- 
schwung des  19.  Jahrhunderts  im 
Maschinenwesen  mitgemacht  und  ihn 
durch  eigene  Erfindungen  gefördert. 


Charles  Xaudin,  Direktor  des 
Laboratoriums  für  den  höheren  Unter- 
richt der  Villa  Thuret  in  Antibes,  f 
19.  März  im  84.  Lebensjahre.  Naudin. 
geboren  am  15.  August  1815  zu 
Autun,  schrieb  über  die  Vegetation 
der  Solanaceen,  über  Melastomaceen 
und  vor  allem  über  Cucurbitaceen  etc. 
Er  war  Leiter  des  reichen  Akklimati- 
sationsgartens der  Villa  Thuret. 
Der  Verein  zur  Beförderung  des  Garten- 
daues  verdankt  ihm  mancherlei  Samen, 
Der   Unterzeichnete     aber    wertvollen 


Rat,    namentlich    in   Bezug    auf  Cucur- 
bitaceen. L.  W. 

Gottlieb  Schober,  herrschaftlicher 
Gärtner  zu  Karlsdorf,  Kreis  Nimptsch, 
erhielt  das  Allgemeine  Ehrenzeichen. 


Joh.  Njehus,  bisheriger  Gehilfe  des 
Bot.  Gartens  in  Würzburg,  wurde  zum 
Nachfolger  des  f  Inspektors  Salomon 
ernannt. 


Heinrich  Schultheiss,  der  Gründer 
der  Rosenfirma  Gebr.  Schultheiss  zu 
Steinfurt  bei  Nauheim  f  am  Herz- 
schlage am   28.  März,  53  Jahre  alt. 


J.  Kesselring,  Mitinhaber  des 
Pomologischen  Gartens  Dr.  E.  Regel 
&  Kesselring,  Schwiegersohn  Regeis, 
feierte  am  3.  März  seine  silberne  Hoch- 
zeit. 

In  Erfurt  ist  beschlossen  worden, 
einen  städt.  Gartendirektor  anzustellen. 
Gehalt  anfangs  3Ö00  M. 


Der  k.  u.  k.  Hofgartendirektor  Anton 
Umlauft  in  Schönbrunn  und  unser 
Mitglied  Gartendirektor  Wilhelm 
Lauche  in  Eisgrub  in  Mähren  erhielten 
den  kaiserl.  österreichischen  Franz- 
Josephs-Orden. 


Feldmessunterricht. 

Der  Unterricht  im  Feldmessen  an  der  städtischen  Fachschule  für  Gärtner, 
unter  Leitung  des  Kgl.  Gartenbaudirektor  Hampel,  Städtische  Baumschule 
vor  dem  Schlesischen  Thor,  Sonntags  von  8  —  10  Uhr,  beginnt  daselbst 
Sonntag,  den  7.  Mai.  Honorar  3  Mark.  Um  zahlreiche  Beteiligung  wird 
gebeten. 


Tagesordnung 

für  die 

858.  Versammlung  des  Vereins  z.  Beförderung  d.  Gartenbaues  i.  i  pr.  Staaten 

am  Donnerstag,  den  27.  April  1899,  6  Uhr, 

im    Königl.    botanischen    Museum,    Grunewaldstr.  6-7    (im   Königl.  botanischen  Garten). 
NB.    Vom  April  bis  August  finden  die  Versammlungen  des  Vereins  zur  Beförderung 
des  Gartenbaues  im  Königl.  botanischen  Museum,  <>  Uhr,  statt. 

1.  Ausgestellte  Gegenstünde.  2.  Vortrag  des  Herrn  Professor  Dr.  Carl  Müller: 
Ueber  die  Blütenfarben,  ihre  Entstehung  und  Nuancierung.  3.  Zweite  Lesung  des  Etats. 
4.  Die  Petersburger  Ausstellung.     5.  Verschiedenes. 


Das  Schneeglöckchen, 
Galanthus. 

Blätter  zu  ihrer  Geschichte  von  Carl  Hansen, 
Kopenhagen. 

Hierzu  Abbildung  48 — 52.) 

A.bb.  48.  

Galanthus  Elwesii.  [Schluss.J 

Eine  der  ersten  Abbildungen  von  Galanthus  nivalis  ist  der  charakteristische 
Holzschnitt  bei  L'Obel  in  seinem  »Stirpium  Ilistoria«,  1576  zu  Antwerpen 
publiziert.  Gerarde  in  England  benutzte  1597  L'Obels  Bild  und  noch  ein 
anderes  Bild  eines  Galanthus,  welches  mutmasslich  nach  englischen  Angaben 
G.  Imperati  oder  vielleicht  G.  plicatus  sein  könnte.  Clusius  giebt  1601  in 
seiner  »Ilistoria«  diese  beiden  Abbildungen  und  sagt  uns,  dass  der  grössere 
Galanthus  zu  uns  kam  nach  Europa  von  Konstantinopel  oder  Byzantium.  wie  es 
damals  genannt  wurde. 

Sehr  wahrscheinlich  ist  es,  dass  die  Mönche  schon  viel  früher  Galanthus- 
zwiebeln   nach   England  und  somit  nach  Nord-Europa  gebracht  haben. 

Noch  verdienen  erwähnt  zu  werden: 

Galanthus  nivalis  serotinus.  klein,  aber  schön. 

G.  n.  caucasicus  ist  gross  und  spätblühend. 

G.  n.  caspicus  ist  eine  Form  des  vorigen. 

G.  grandis  ist  eine  schöne  Form  von  G.  nivalis  und  ähnelt  am  meisten 
der  G.  n.  caucasicus. 

G.  Imperati  giebt  es  in  mehreren  Formen.  Der  echte  Galanthus  Imperati 
Bertoloni  stammt  aus  Italien,  wird  aber  gewöhnlich  für  eine  gigantische  Form 
des  G.  nivalis  angesehen.  Es  ist  auch  schwer  zu  sagen,  wo  G.  nivalis  aufhört 
und  G.  Imperati  anfängt.  In  der  Sektion,  zu  welcher  G.  Imperati  gehört, 
Qnden  sich  mehrere  höchst  liebliche  Schneeglöckchen,  und  eines  der  schönsten 
ist  die  Melvillesche  Dunrobin-Form.  G.  nivalis  Atkinsi  ist  vielleicht  die  aller- 
grösste  und  eine  stark  wachsende  Form.  Sie  ist  am  besten  bekannt  als  G.  Imperati 
Atkinsi. 


226  L)as  Schneeglöckchen,  Galanthus. 


Galanthus  major  Ruprecht  ist  ein  grossblühender  G.  nivalis. 

Galanthus  Melvillei  hört,  scheint  eine  bestimmte  Form  des  G,  nivalis, 
aber  von  allen  verschieden  durch  niedrigen  Wuchs  und  grosse  Blüte. 

G.  nivalo-pli  catus  »Valentine«  ist  eine  gute  Hybride. 

Galanthus  Van  Houttei  ist  eine  schöne  Form  des  G.  nivalis  und  gleicht 
viel  G.  n.  caucasicus. 

Galanthus  umbrensis  hört,  stammt  aus  Italien.  Sie  ist  viel  früher 
blühend  als  G.  nivalis,  aber  von  etwas  schwächerem  Wuchs. 

Galanthus  reflexus  Herbert  ist  eine  eigentümliche  Form  des  G.  nivalis, 
sie  wurde  auf  Mont  Garganus  gefunden. 

Galanthus  aestivalis  ist  eine  eigentümliche  Form  des  G.  nivalis. 

Galanthus  Allen  i  wird  als  eine  Hybride  zwischen  G.  latifolius  und 
G.  caucasicus  angesehen  und  hat  in  seinen  Merkmalen  etwas  von  beiden.  Die 
Blüte  ist  etwas  ähnlich  dem  G.  latifolius.  aber  doppelt  so  gross  und  die  Blätter 
korrespondieren  in  Grösse. 

Von  gefüllt  blühenden  Schneeglöckchen  bat  man,  ausser  dem  gewöhnlichen 
G.  n.  fl.  pl.  noch  ein  zweites  und  zwar  besser  gestaltetes: 

Galanthus  nivalis  fl.  pl.  Allen,  von  welchem  gesagt  wird,  es  sei 
ebenso  schön  und  dicht  gefüllt  wie  eine  Ranunkel. 

Galanthus  nivalis  plenissimus  soll  aus  Aussaaten  von  den  letzten 
Jahren  stammen  und  wird  als  sehr  gross  und  schön  beschrieben. 

Die  Kultur  des  Schneeglöckchens  ist  sehr  leicht,  selbst  für  den  wenig 
geübten  Pflanzenzüchter.  Giebt  es  eine  Blume,  welche  nur  geringe  Pflege  ver- 
langt, so  ist  es  diese,  und  man  kann  beinahe  sagen,  dass  sie  um  so  besser  gedeiht, 
je  weniger  sie  kultiviert  wird. 

Gar  zu  zärtliche  Pflege  scheint  sie  gar  nicht  zu  schätzen,  sie  erträgt  da- 
gegen sehr  viel  harte  Behandlung.  Zum  Beispiel  verträgt  sie  ganz  gut  aus  der 
Erde  genommen  und  umgepflanzt  zu  werden,  wenn  sie  in  voller  Blüte  steht.  Wenn 
die  Erde  einigermassen  passend  ist,  und  nicht  zu  lehmig  oder  zu  trocken,  ge- 
deiht sie  in  der  Regel  ganz  gut,  am  besten  jedoch  in  einem  etwas  sandigen,  aber 
doch  nahrungsreichen  Boden.  Das  Vorkommen  der  Pflanze  in  unserer  Flora, 
als  verwildert,  im  Gebüsch  und  auf  Wiesen  zeigt  darauf  hin,  dass  sie  sehr 
genügsam  ist.  Im  Gebüsch  und  überhaupt  zwischen  Sträuchern  gedeiht  der 
Galanthus  oft  überraschend  gut,  selbst  wenn  die  Strauchwurzeln  die  ganze  Erd- 
masse durchwebt  haben.  Sein  Vorkommen  auf  Wiesen,  überhaupt  zwischen 
Gras,  zeigt  auch,  dass  er  so  wenig  wie  eine  andere  Wiesenblume,  im  Wege 
für  seine  Nachbarn  ist.  Da  die  Blüten  eine  gar  nicht  geringe  Handelswaare 
geworden  sind,  welche  auf  ähnliche  Art  wie  die  Veilchen  eine  gewisse  Zeit 
des  Jahres  vielen  Menschen  Gewinn  bringen,  so  wäre  es  nicht  unzweckmässig, 
wenn  man  mehr  davon  zöge.  Wegen  der  leichten  Kultur  und  bei  der  gegen- 
wärtigen Kenntnis  der  bedeutenden  Variation,  würde  es  ziemlich  leicht  ge- 
lingen, soviel  davon  zu  schaffen,  als  eben  verlangt  würde. 

Nicht  immer  giebt  es  in  etwas  südlicheren  Landstrichen  früher  Blüten 
als  wie  in  den  nördlicheren.  So  wird  z.  B.  in  englischen  Zeitschriften 
behauptet,  dass  die  Blüten  des  Schneeglöckchens  in  Schottland  sich  um  acht 
Tage  früher  öffnen  als  bei  London,  wohin  dann  sehr  grosse  Mengen  des 
schottischen  Schneeglöckchens  auf  den  Markt  gebracht  werden. 


Das   Schneeglöckchen,  Galanthus.  2'2~ 

Eine  allgemeine  Erfahrung is1  es,  dass  Schneeglöchen  etwas  früher  blühen 
dort,  wo  Baumkronen  und  Sträucher  die  Pflanze  etwas  beschatten  und  auch 
gegen  Wind  schützen. 

Es  giebt  deswegen  sozusagen  in  allen  grösseren  Gärten,  in  Gebüsch- 
gruppen  u.  s.  w.,  Plätze,  wo  gute  Standorte  für  das  Schneeglöckchen  wären,  und 
mancher  Ort.  wo  es  heut  gar  nicht  gesehen  wird,  könnte  zu  Tausenden 
damit  bepflanzt  werden,  ohne  dass  sie  anderen  Pflanzen  im  Wege  ständen. 
Dass  es  auf  Wiesen  sich  so  gut  entwickelt,  hat  veranlasst,  dass  man  in  einigen 
Parks  und  Gärten  es  zu  Massen  in  den  Rasen  pflanzte.  Dies  lässl  sich  nur 
machen,  wo  vieljährige  Gräser  zu  dauerndem  Rasen  angewandt  sind  und  der 
Rasen  nicht  gar  fein  gehalten  werden  soll.  In  Raigrasrasen  passen  die  Schnee- 
glöckchen nicht,  aber  einem  ein  wenig  vernachlässigten  Rasen  steht  die 
Blume  vortrefflich;  Schöneres  giebt  es  dort  kaum  während  der  Blütezeit,  und 
die  dunklen  Blätter  welken  doch  ab,  wenn  sie  ihre  Funktion  vollendet  haben, 
um  der  Zwiebel  für  das  nächste  Jahr  Nahrung  zuzuführen,  dann  sind  sie  gar 
nicht  im  Wege.  Im  Rasen  wuchern  die  Schneeglöckchen  oft  sehr  und  geben 
hier  und  dort  guten  Samen  und  neue  Varietäten.  Besonders  schön  wirkt  das 
Schneeglöckchen  in  den  schattigen  Rasenflächen,  und  wo  Gras  nicht  mehr 
fortkommt,  kann  das  Schneeglöckchen  noch  sehr  üppig  sein.  Oft  wächst  das 
Schneeglöckchen  am  besten  und  sein  Samen  reift  leichter,  wenn  die  Pflanze 
eben  zwischen  Gras  und  im  Schatten  von  grossen  Bäumen  steht.  In  England 
hat  man  an  solchen  Orten  12  bis  16  Zoll  lange  Blätter  gemessen,  und  es  wird 
erwähnt,  dass  unter  einer  einzigen  Krone  eines  Apfelbaumes  für  20  Pfund 
Sterling  Schneeglöckchen-Blumen  gepflückt  seien.     Und  das  in  einem  Jahr. 

Recht  oft  hat  es  sich  gezeigt,  dass  die  Pflanzen  am  besten  da  gedeihen,  wo 
sie  gar  nicht  umgepflanzt  wurden.  Aber  die  einfach  blühenden  und  die  ge- 
füllten sind  in  der  Beziehung  etwas  verschieden.  Die  gefüllten  scheinen  ein 
und  sogar  ein  wiederholtes  Umpflanzen  am  besten  zu  ertragen  und  ist  dies 
Umpflanzen  auch  zweckmässig,  weil  sie  ausschliesslich  oder  hauptsächlich  durch 
Umpflanzung  oder  Teilung  der  Stöcke  vermehrt  werden.  Man  hat  hier  und  da 
gesehen,  dass  einfachblühende  ausstarben,  aber  die  gefüllten  gediehen  da  .oft 
gut,  selbst  wenn  die  einzelnen  durch  Pilze  vernichtet  wurden  oder  durch  dürre 
Erde  oder  sonst  aus  unerklärlichen  Umständen  zu  Grunde  gingen.  Es  ist  eine 
nicht  ganz  ungewöhnliche  Behauptung,  dass  die  einfachblühenden  zuletzt  in 
gefüllte  übergehen,  das  glaubt  man  an  einem  oder  dem  anderen  Ort  erfahren 
zu  haben.  An  einigen  Stellen  hat  sich  erwiesen,  dass  die  gefüllten  am  dauer- 
haftesten sind.  Es  giebt  aber  auch  wieder  Angaben,  dass  die  einfachblühenden 
am  widerstandsfähigsten  seien.  Sodann  wird  berichtet,  z.  B.  von  Dunrobin  Castle, 
N.  B.,  dass  die  einfachen  Arten  weit  besser  im  Gras  und  im  Schatten  gedeihen 
.als  die  gefüllten.  Und  dort  nehmen  die  Schneeglöckchen  ein  Areal  von  drei 
acres,  über  ein  Hektar  ein. 

In  Grossbritannien  widmet  man  überhaupt  der  Schneeglöckchenkultur  sehr 
[nteresse.  Hier  und  dort  kultivieren  Farmer  und  Cottagers  sie  im 
Garten  wie  auch  im  Felde,  um  die  Zwiebeln  zu  verkaufen.  Diese  werden  in 
Zwischenräumen  von  ein  paar  Jahren  aus  der  Erde  herausgeholl  und  sortiert. 
:  kleinsten  Zwiebeln  werden  wieder  gepflanzt,  um  erst  später  verkauft  zu 
weiden.  In  England  kann  man  auch  Moorlandstücke  von  1  bis  2  acres  Grösse 
mit     Schneeglöckchen     bepflanzt     sehen    und    gedeihen  diese  darauf   sehr  gut. 


228 


Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 


In  solchen  grossen  Kulturen  hat  eine  Krankheit  oft  recht  viel  Schaden 
gemacht,  die  durch  den  Pilz  Polyactis  galanthina  R.  B.  verursacht  ist.  Man 
will  bemerkt  haben,  dass  der  Pilz  häufig  plötzlich  auftritt,    gleich   nach  einem 


mm 

V/VA- 

Abb.  49.     Galanthus  cilicicus    Baker. 
Cliche  von  Herrn  Hoflieferant  F.  C.  Heinemann.  Erfurt. 


Schneefall  und  dass  sowohl  Blätter  als  wie  Blütenstiele  befallen  werden.  Die 
Zwiebel  wird  dadurch  auch  weich  und  verrottet.  In  einigen  Gärten  wurden 
die  Pflanzen    angegriffen,    als   sie    erst  wenig    aus    der    Erde  herausgewachsen 


Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 


229 


waren,  und  in  diesen  Fällen  sagl  man,  dass  die  Krankheit  nicht  so  sehr  an- 
kend  wirkte  als  wie  sonst,  indem  ganz  gesunde  Zwiebeln  mit  kranken 
zusammen  standen.  Verschiedene  Mittel  gegen  Pilze  sind  angewendet  worden. 
aber  nicht  immer  mit  gutem  Erfolg.  An  einzelnen  Orten  hat  man  die  kranken 
Pilanzen  dadurch  gerettet,  dass  man  sie  ganzlich  in  Ruhe  Liess  und  höchstens 
mit  einer  Schicht  Sand  oder  sandiger  Erde  bedeckte. 

Im  Tierreich  scheint  diese  Pflanze  nicht  viele  Feinde  zu  haben.  Der 
scharte,  beizende,  etwas  giftige  Saft  der  Pflanze  scheint  sie  gegen  Tierfeinde  zu 
verteidigen.     Mäuse  und   Kahlfrost  thun  mitunter  im  Winter  etwas  Schaden. 

Bisweilen  macht  der  Frost  die  Pflanze  leidend  aussehen,  wenn  nämli<  b 
nach  längerer  Zeit  milden  Wetters  plötzlich  kaltes  kommt  und  die  Pflanzen 
schon   ein   paar  Zoll  über  die  Erde    herausgewachsen    sind.     Die  Platter  ziehen 


Abb.  5o.     Galanthus  Elwesii. 


m 

Abb.   5i.     Galanthus  latifolius. 


sich  dann  zusammen  und  scheinen  auf  dem  Wege  zu  welken.  Aber  damit  ist 
nicht  gesagt,  dass  sie  zum  Tode  verurteilt  sind.  Die  Säfte  wandern  in  diesem 
Fall  in  die  Zwiebel  hinunter  und  wirken  von  da  aus  als  eine  Art  Reservoir. 
Verblieben  die  Säfte  alle  in  den  Blättern  oben,  dann  würde  die  Pflanze  leichter 
et  werden.  Dass  die  Säfte  später  hinaufsteigen,  zeigt  sich  sehr  deutlich 
dadurch,  dass  man,  wenn  man  blühende  Pflanzen  umpflanzt,  die  Zwiebeln  sehr 
reduziert  findet,  sie  sind  weich,  schwammig  und  klein,  die  Kraft  ging  nach  oben. 

Die  Vermehrung  der  Schneeglöckchen  geht  gewöhnlich  und  am  häufigsten 
auf  vegetativem  Wege  von  statten,  indem  die  Stöcke  geteilt,  die  kleinsten 
Zwiebeln  herausgelöst  werden  und  allen  mehr  Platz  gegeben  wird. 

Die  Vermehrung  durch  Samen  wird  seltener  vorgenommen,  aber  kann 
sehr  gute  Resultate  geben,  und  auf  diese  Art  hat  man  viele  interessante  Varie- 
täten gewonnen.  Darum  ist  es  von  Wichtigkeit,  dass  man  dem  Samen  Auf- 
merksamkeit schenke. 


2^0  Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 


Bei  Galanthus  cilicicus  reift  der  Samen  erst  im  nächsten  Jahr,  d.  h.  wenn 
die  Pflanzen,  wie  bei  mir,  im  Spätsommer  geblüht  haben. 

Erfahrene  Kultivateure  von  Schneeglöckchen  raten  an.  die  Samen  solange 
sitzen  zu  lassen,  bis  sie  völlig  reif  sind  und  auszufallen  drohen.  Der  geerntete 
Samen  muss  an  einem  schattigen,  luftigen  Ort.  z.  B.  oben  auf  dem  Boden  oder 
an  ähnlichen  Stellen  hingelegt  und  dann  baldmöglichst  gesäet  werden,  nachdem 
er  nur  eine  oder  zwei  Wochen  durchlüftet  war. 

Die  Aussaat  direkt  im  Freien  giebt  nicht  immer  das  beste  Resultat.  Mit- 
unter macht  man  die  Aussaat  in  kleinen  Kisten,  solchen  z.  B.,  welche  als 
Emballage  für  Kognakflaschen  gedient  haben  und  die  besonders  gut  verwendbar 
sind.  Diese  sind  ziemlich  stark,  aus  gutem  Holz  angefertigt  und  nicht  zu  tief. 
In  den  Boden  der  Kiste  werden  etwa  24  Löcher  mit  einem  Centrumbohrer  für 
den  Wasserabzug  gemacht,  und  an  beiden  Enden  ein  Stück  Brett  untergenagelt, 
sodass  die  Kiste,  wenn  sie  im  Garten  hingestellt  wird,  auch  von  unten  Luft- 
zufuhr hat  und  der  Wasserablauf  nicht  gehindert  wird.  In  die  Kiste  selbst 
legt  man  Scherben  über  die  Löcher  und  noch  einige  mehr  dazu.  Die  Erde 
darf  nicht  gar  zu  humos  sein,  muss  aber  locker  und  lose  sein  und  dies  wird 
durch  Zumischung  von  Kies  und  Sand  erreicht. 

Der  Samen  wird  in  3/4  Zoll  tiefe  Rilleu  gelegt  und  die  Rillen  mit  Sand 
zugemacht,  dann  bringt  man  noch  über  die  ganze  Bodenfläche  eine  1/i  Zoll 
dicke  Sandschicht.  Diese  Kisten  werden  ins  Freie  gestellt  ohne  auf  irgend 
eine  Art  gedeckt  zu  werden.  Sie  erfordern  nicht  viele  Pflege,  nur  dann  und 
wann  ein  Begiessen  und  ein  Jäten,  wenn  sich  L'nkraut  einfindet.  Im  zweiten 
Jahr  legt  man  eine  kleine  Schicht  Erde  auf.  um  nachzufüllen,  wenn  die  Erde 
zusammengesunken  ist. 

Die  Samenpflanzen  müssen  in  den  Kisten  bleiben,  bis  sie  blühbar  sind, 
was  gewöhnlich  erst  im  vierten  Jahre  nach  der  Aussaat  eintritt. 

Der  Same  keimt  sehr  ungleichmässig,  was  sich  zu  erkennen  giebt,  wenn 
schliesslich  alle  Pflanzen  herausgenommen  werden,  einige  Zwiebeln  sind  dann 
nicht  grösser  als  wie  Weizenkörner,  während  andere  gleichzeitig  die  gewöhn- 
liche blühfähige  Grösse  erreicht  haben.  Der  Samen  von  Galanthus  lutescens 
liegt  in  der  Regel  mehrere  Jahre  in  der  Erde,  ehe  er  keimt.  Man  hat  Beispiele,, 
dass  von  verschiedenen  Galanthus-Arten  die  gleichzeitig  gesäet  waren,  einige 
gleich  gekeimt  und  im  vierten  Jahre  blühfähig  wurden,  während  zu  dieser  Zeit 
der  Galanthus  lutescens  erst  anfing  zu  keimen.  Wenn  Schneeglöckchensamen 
den  Winter  durch  trocken  aufbewahrt  wird,  kann  es  leicht  passieren,  dass  er 
erst  ein  Jahr  später  keimt. 

Die  jungen  Samenpflanzen,  welche  im  vierten  Jahre  blühen,  sind  noch 
keineswegs  als  normal  entwickelt  anzusehen.  Erst,  wenn  sie  drei-  oder  vier- 
mal geblüht  haben,  ist  es  möglich,  über  den  Charakter  und  Wert  zu  urteilen. 
Es  vergehen  also  etliche  Jahre,  ehe  man  wissen  kann,  ob  eine  neue  schöne 
Form  entstanden  ist. 

Xicht  alle  Galanthusformen  halten  im  Laufe  der  Jahre  gleich  gut  aus. 
Von  der  echten  Type  des  Galanthus  nivalis  kann  man  am  sicherten  sagen, 
dass  sie  gewöhnlich  wahrhaft  ausdauernd  ist,  und  in  der  Regel  ist  dies  auch  der 
Fall  mit  Galanthus  plicatus,  aber  es  hat  sich  gezeigt,  dass  einige  der  neueren 
und  schönen  Formen,  welche  man  davon  erhalten  hat,  die  unglückselige 
Eigenschaft  haben,  unbeständig  zusein  und  plötzlich  aussterben  können.     Solche 


Das  Schneeglöckchen.  Galanthus.  23  I 


müssen  immer  nach  verschiedenen  Methoden  kultiviert  werden,  um  dadurch 
ihr  gänzliches  Aussterben  zu  verhindern.  Galanthus  Elwesii  gedeiht  ge- 
wöhnlich nicht  gut  in  gar  zu  fester,  lehmiger,  bindiger  Erde.  Galanthus  lati- 
folius  und  Galanthus  caucasicus  lieben  am  meisten  eine  kiesige,  griffige, 
etwas  sandige  Erde,  welche,  auch  andere,  wie  z.  B.  Galanthus  Fosteri 
lieben. 

Sowohl  britische  wie  dänische  Erfahrungen  sprechen  dafür,  dass  es  ratsam 
sein    kann.    Torferde.    d.  h.  Tortstaub,    mit    Steingrus    gemischt   zu  verwenden. 

Man  hat  ferner  die  Erfahrung  gemacht,  dass  Schneeglöckchen  mit  stark 
grüngefärbten  Blättern  schneller  und  kräftiger  heranwachsen  als  andere. 
Die  gelben  Schneeglöckchen  wachsen  dagegen  nur  sehr  langsam,  sind  zart  und 
sehr  schwer  zu  vermehren.  Dies  ist  der  Fall  mit  Galanthus  Scharlockii, 
G.  poculiformis  und  G.  lutescens. 

Schon  beim  Pflanzen  kann  man  an  den  Zwiebeln  die  verschiedenen  Galanthus 
etwas  unterscheiden  und  man  findet  drei  verschiedene  Typen.  So  ist 
die  Zwiebel  des  Galanthus  nivalis  nahezu  eiförmig,  die  des  G.  plicatus  ist 
mehr  rhomboidal  oder  spindelförmig,  während  der  Galanthus  Elwesii  eine  mehr 
runde   Zwiebel   hat. 

Dr.  J.  G.  Baker  giebt  eine  Diagnose  sämtlicher  Arten  in  seinem  Iland- 
book  of  Amaryllidaceae,  Eondon  p.  16 — 18  und  in  Gardener's  Chronicle  vom 
April  1889  pag.  458.  Er  giebt  7  Arten  den  Vorrang  als  typische  und  bezeichnet 
ihre  Verbreitungsareale  und  Blütezeiten  wie  folgt: 

1.  Galanthus  nivalis  E. :  Pyrenäen  bis  Kaukasus.  Unterarten  sind 
Galanthus  Imperati  und  G.  caucasicus.     Blütezeit  Februar — März. 

2.  Galanthus  graecus.  Orph.  Insel  Chios  und  Pellinos- Gebirge. 
Blütezeit  April. 

3.  Galanthus  Elwesii  Hook.  fil.  Klein-Asien  nahe  Smyrna  und  in 
Höhe  von  3700  Fuss  auf  der  Manissa-Gebirgskette.  Blütezeit  Mai.  (Blüht 
früher.) 

4.  Galanthus  latifolius,  Ruprecht.     Kaukasus.     Blütezeit  Mai. 

5.  Galanthus  Olgae,  Orph.     Griechenland.     Oktober. 

6.  Galanthus  plicatus  M.  B.  Krim  und  Dobrudscha  -  Gebirge.  März 
bis  April. 

7.  Galanthus  Fosteri.  Baker.  Amasia  in  der  Provinz  Sirwas.  nördliches 
( !entral-Klein-Asien.     April. 

Die  Zwiebeln  der  verschiedenen  Schneeglöckchen-Typen  variieren  in 
Bezug  der  Grösse  übrigens  nicht  sehr  viel.  Galanthus  nivalis-Zwiebeln  können 
von  J ._.— ;:  1  Zoll  Durchmesser  haben  und  so  ziemlich  die  Grösse  einer  Ilaselnuss 
erreichen.  E)ie  gefülltblühenden  haben  jedoch  gewöhnlich  etwas  grössere 
Dimensionen. 

Galanthus  plicatus  und  G.  Imperati  haben  Zwiebeln,  welche  1  Zoll  und 
mehr  im  Durchmesser  gross  werden,  und  sowohl  in  Beziehung  auf  Grösse  wie 
Form  können  sie  etwa  einem  Taubenei  ähnlich  sein. 

Mit  einiger  Übung  kann  man  sodann  auf  Grund  der  Verschiedenheiten  wohl 
mitunter  die  verschiedenen  Typen  unterscheiden,  und  gelten  dann  auch  die 
Farben  der  äussersten  Zwiebelschalen,  welche  von  gelblich  und  hell  bis 
dunkler  und  braungefärbt  variieren  können.  Obgleich  die  Blütezeit  für  die  ver- 
schiedenen Arten,  wie    oben  angegeben,    sehr    verschieden  ist,    ist   doch  wohl 


232_ 


Das  Schneeglöckchen,  Galanthus. 


Grund  da,  Kreuzbefruchtungen  zu  versuchen.  Um  solche  zu  ermöglichen, 
pflanzt  man  die  verschiedenen  Arten  Zwiebeln  zu  verschiedenen  Zeiten  des 
Jahres,  um  so  zu  probieren,  die  Blüten  zu  gleicher  Zeit  in  Flor  zu  bekommen. 
In  England  hat  man  viel  experimentiert  mit  der  Kreuzung  verschiedener  Arten 
und  man  hat  wirklich  viel  Glück  damit  gehabt,  unter  anderen  ist  der  Galan- 
thus nivalo-plicatus  »Valentine«  auf  diese  Art  entstanden. 

Noch  einmal  möchten  wir  zum  Schluss  den  Blumenfreunden  die  Kultur 
und  selbst  die  Vermehrungskultur  von  Galanthus  auf  das  wärmste  empfehlen. 
Die  Zwiebeln  der  gewöhnlichen  Schneeglöckchen  sind  so  billig  und  erfordern, 
wie  schon  gesagt,  so  wenig  Pflege,  dass  es  eigentlich  auffallend  ist.  wie  wenig 
sie  kultiviert  werden.  Bereits  oben  ist  hervorgehoben,  dass  grosse  Gebüsch- 
areale kaum  auf  andere  Art  als  durch  Schneeglöckchen  ausgenutzt  werden 
können,  —  jedenfalls  schwerlich  besser. 

Sehr  oft  werden  auch  die  Galanthus  als  Kant-  oder  Einfassungspflanzen 
benutzt,  bisweilen  gemeinsam  mit- den  herrlichen  blauen  Scilla,  was  eine  schöne 
Zusammenstellung  giebt,  —  mitunter  kommt  die  Scilla  jedoch  später. 

Auf  Friedhöfen  sind  besonders  viele  passende  Lokalitäten  für  die  Schnee- 
glöckchen, und  doch  sieht  man  derartige  Anlagen,  wo  die  Blume  sich  gar 
nicht  findet.  Die  vielen  Hecken  und  kleinen  Gesträuche  geben  eben  sehr 
passende  Örtlichkeiten  für  diese  niedlichen  Blumen.  Und  in  der  Symbolik  der 
Blume  ist  so  viel  Schönes  niedergelegt,  dass  sie  alle  ästhetischen  wie 
sentimentalen  Gefühle  ansprechen  muss. 

In  manchen  Park-  und  Promenadenwäldern  wäre  es  wünschenswert,  die 
Schneeglöckchen  sogar  im  Grossen  zu  naturalisieren.  Die  so  reizende,  eigen- 
tümliche Schönheit  der  bescheidenen  Blume,  nicht  nur  die  der  schon  ent- 
falteten Glocke,  sondern  auch  die  der  zierlichen,  eine  Zeitlang  grün  gekleideten 
Knospe,  welche  in  aufrechter  Stellung  aus  der  Erde  hervortritt,  würden  jeden 
Spaziergänger  erfreuen.  Wären  die  selteneren  und  neueren  Formen  etwas 
allgemeiner  bekannt,  würde  das  Galanthusgeschlecht.  unsere  lieben  Schnee- 
glöckchen, noch  weit  mehr  populär  werden. 


Abb.  52.     Galanthus  nivalis  h\   pl.   u.  andere. 


Dekoration  zum   5ojührigen  Geschäftsjubilaum  der  Firma  Carl   Beermann-Berlin.       «23 

Dekoration  zum  50jährigen  Geschäftsjubiläum  der  Firma 
Carl  Beermann-Berlin. 

r^V/um  Empfang  der  verschiedenen  Deputationen  bei  Gelegenheit  des  50jährigen 
^r  Geschäftsjubiläums  am  15.  April  (vergl.  Heft  8,  S.  223)  hatten  die  Herren 
Hermann  Beermann  und  Georg  Beermann,  die  beiden  Sühne  des  bereits 
im  39.  Lebensjahr  verstorbenen  Begründers  der  grossen  landw.  Maschinen- 
fabrik  Carl  Beermann,  vor  dem  Schlesischen  Thor,  Berlin,  ihr  grosses 
Komptoir  durch  Herrn  Landschaftsgärtner  W.  Wendt,  BerlinS.,  Ilasenhaide  56, 
in  einen  wahren  Illumensalon  verwandeln  lassen.  Alle  Pulte  etc.  waren  ent- 
fernt, schöne  Teppiche  gelegt  und  an  allen  Wänden  ein  reicher  Pflanzenschmuck 
angebracht. 

Links  an  der  Wand,  nahe  dem  Eingang,  standen  die  Büsten  der  Kaiser- 
lichen Majestäten  in  einem  Magnolien-  und  Lorbeerhain,  weiterhin  folgte  an 
derselben  Wand  eine  Gruppe  von  Palmen,  Dracaenen,  Magnolien,  Cytisus 
Attleyanus  etc.,  an  der  Basis  von  Tulpen,  buntblättrigen  Funkien  etc.  ab- 
geschlossen. Diese  Gruppe  diente  als  ansprechender  Hintergrund  für  ein  auf 
einer  Staffelei  aufgestelltes  etwa  1,25  m  hohes,  von  M.  Patke  echt  künstlerisch 
ausgeführtes  farbiges  Gedenkblatt,  das  die  Arbeiter  der  Fabrik  ihren  Chefs 
gewidmet  hatten.  Meisterhaft  wie  das  Bild  selbst,  war  auch  der  in  Leder  ge- 
punzte  Rahmen  vom  Ilofbuchbinder  Coli  in. 

Die  Rückwand  des  Saales  nahm  in  ihrer  ganzen  Breite  eine  ganz  aus- 
gezeichnet zusammengestellte  Gruppe  aus  blühenden  und  nichtblühenden 
Pflanzen  ein:  In  der  Mitte  eine  hohe  Dracaena  lineata,  links  und  rechts  je  eine 
Phoenix  canariensis,  in  den  Ecken  hohe  Lorbeerpyramiden,  vor  diesen  wieder 
Palmen,  Chamaerops  excelsa,  nach  der  Mitte  zu,  mehr  im  Vordergrunde,  wieder 
eine  Dracaene,  links  und  rechts  davon  blauer  Flieder,  hochstämmige  Schnee- 
bälle und  vor  diesen  getriebener  weiss-bunter  Ahorn,  Acer  Xegundo.  In 
diesem  Blütenhain  stand  eine  zweite  kostbare  Ehrengabe:  die  Bronzestatue  eines 
Schmiedes,  modelliert  von  Eberlein,  gegossen  von  Schaeffer  &  Walcker,  A.  G., 
umrahmt  nach  vorn  von  einem  Halbkreis  niedriger  Blütenpflanzen,  Azaleen, 
Spiraea  japonica  etc.,  abgeschlossen  dureh  Selaginellen. 

An  den  Fensterpfeilern  wieder  Magnolien,  Kentien,  Deutzien,  Cytisus, 
Cinerarien  etc.  Die  beiden  Geldschränke,  welche  wegen  ihrer  Schwere  nichl 
hatten  entfernt  werden  können,  waren  in  geschickter  Weise  durch  Epheu  und 
Palmen  verdeckt.  Das  über  dem  kleineren  Geldschrank  hängende  Bild  des 
Geschäftsbegründers  hatte  eine  hübsche  Umrahmung  aus  kleineren  Blumen 
erhalten;  ganz  besonders  zierlich  nahmen  sich  unter  diesen  die  weissen  Allium 
neapolitanum  aus. 

Endlich  rechts  vom  Eingange  fand  sich  eine  Gruppe  von  Dracaenen, 
Lorbeeren,  Magnolien  und  blühenden  Pflanzen. 

Die  hier  öfter  genannten  Magnolien  sind  nicht  blühende  M.  Soulangeana 
oder  dergl.,  die  viel  zu  steifgewirkt  hätten:  es  waren  Magnolia  grandiflora, 
die  nur  als  Blattpflanzen  Verwendung  gefunden  hatten.  Erst  vor  wenigen 
Wochen  hatte  Herr  Wendt  diese  in  Italien  so  häutige  Art  erworben,  und  wohl 
zum  ersten  Mal  sah  man  sie  in  grösserem  Masse  verwendet.  Ihre  grossen 
glänzend  grünen   Blätter  machen  sie  für  Dekorationen  recht  geeignet. 


irtA  Einige  frühblühende  Crocus-Arten. 


Eine  besondere  Zierde  erhielt  der  Saal  noch  durch  die  schönen  Bindereien, 
welche  von  Freunden  des  Hauses  Beermann  gespendet  und  geschickt  in  den 
Fensternischen  aufgestellt  waren. 

Der  Raum  reichte  für  sie  aber  bei  Weitem  nicht  aus,  ein  Nebenzimmer 
war  noch  ganz  mit  Bindereien  angefüllt.  Unter  ihnen  sei  ein  aus  Rohr  ge- 
bildeter kleiner  Schwingpflug  (d.  h.  ein  Pflug  ohne  Räder)  hervorgehoben. 
Ein  Pflug  ist  an  und  für  sich  ein  etwas  steifer  Gegenstand;  hier  aber  war 
durch  Anbringung  von  Blumensträussen  an  den  beiden  Sterzen  und  am  Vorder- 
ende des  Pflugbalkens  sowie  durch  Hindurchleitung  von  zartem  durchbrochenen 
rosa  seidenen  Band,  das  sich  von  hinten  nach  vorn  zog,  dem  Ganzen  ein  sehr 
gefälliges  Ansehen  gegeben.  Sehr  schön  waren  auch  mehrere  Blumenjardinieren 
aus  Kork  arrangiert,  ebenso  die  hohen  Blumenkörbe  u.  s.  w.,  kurz,  Alles  war 
höchst  geschmackvoll,  sowohl  die  Dekoration  des  Herrn  Wen  dt  wie  die 
Bindereien. 

In  einem  anderen  Raum  des  Geschäftshauses  wurde  nach  Empfang  der 
Deputationen  ein  Frühstück  eingenommen,  am  Nachmittag  fand  für  das  ganze 
Personal  eine  Sondervorstellung  im  Schillertheater  (Ehrliche  Arbeit)  statt  und 
abends  ein  Ball.  Am  nächsten  Tage,  einem  Sonntage,  besichtigten  mehrere 
Mitglieder  des  Vereins  diese  »Blumen-Ausstellung«,  und  zu  Hunderten  wanderten 
die  Beamten  und  Arbeiter  mit  ihren  Frauen  hin,  um  den  Schmuck  zu  schauen. 
Die  schönste  Weihe  aber  gaben  die  jetzigen  Geschäftsinhaber  dem  Feste,  indem 
sie    loooooMark   zu   einer   Wohlthätigkeitsstiftung  für   ihr   Personal  spendeten. 

L.  W. 


Einige  frühblühende  Crocus-Arten. 


Ll/rühlingsblüher  im  Garten  sind  stets  willkommen.  Je  reicher  wir  den 
A^%  Blumenflor  in  des  Jahres  ersten  Monaten  ausstatten  können,  desto  lieber 
wird  es  uns  sein.  Wir  wollen  deshalb  heute  auf  einige  Crocus-Arten  hin- 
weisen. Von  S.  Arnott  werden  in  einer  der  Februar-Nummern  des  ,,Gardeners' 
Chronicle"  vier,  in  unseren  Gärten  leider  noch  so  seltene  Crocus  beschrieben. 
Wir  geben  im  Folgenden  die  Ausführungen  Arnotts  wieder. 

Wer  möchte  die  Crocus  im  Frühling  missen?  Wohl  niemand.  Sie  er- 
schliessen  sich  mit  den  ersten  wärmeren  Sonnenstrahlen  des  Vorfrühlings. 
Ehe  wir  es  ahnen,  sind  sie  da  und  grüssen  uns.  Gold,  purpurn,  lila,  weiss 
oder  gestreift  ist  ihr  Kleid.  Alles,  was  wir  in  den  Gärten  zumeist  als  Crocus 
sehen,  sind  holländische  Abarten.  Wir  wissen  ihren  Wert  zu  schätzen.  Allein 
es  giebt  doch  noch  andere  Crocus,  echte  ,, Arten".  Mit  diesen  können  wir 
unsern  Garten  recht  hübsch  schmücken.  Sie  bieten  einerseits  eine  grössere 
Abwechselung,  anderseits  sind  sie  zu  verschiedenen  Zeiten  in  Blüte.  Heute 
seien  einige  Arten  beschrieben,  die  zu  den  frühblühendsten  der  Gattung  zählen. 
Wir  ordnen  sie  in  chronologischer  Reihenfolge,  der  Zeit  ihres  Erscheinens 
entsprechend. 

Unsere  Crocus  stellen  sich  nicht  immer  zur  gleichen  Zeit  ein.  Ihr  Er- 
scheinen ist  abhängig  von  der  Witterung.  Das  nicht  nur  in  Bezug  auf  ihre 
Triebzeit,  sondern  auch  hinsichtlich  der  Witterung,  welche  in  den  vorher- 
gehenden Monaten    herschte.      Es    kann    also    ihr  Erwachen    manchmal    schon 


Einige  truhblühende  Crocus-Arten.  23^ 


—  im  Januar  —  ehe  der  Winter  recht  vergangen,   eintreten,    manchmal  lassen 
sie  uns  bis  in  den  März  warten. 

Crocus  Imperati.  Wer  in  die  Lage  versetzt  sein  sollte,  eine  Auswahl 
unter  den  frühen  Crocus  zu  treffen,  würde  wahrscheinlich  diese  prächtige  Art 
vor  allen  wühlen.  Obgleich  Italien  ihre  Heimat  ist,  ist  sie  sehr  hart  und 
macht  uns  so  wenig  Mühe  wie  alle  anderen  Safrane.  Crocus  Imperati  !s1 
schön,  sei  es  in  noch  geschlossenem  Zustande,  wenn  seine  hellbraunen  Seg- 
mente sich  uns  zeigen,  sei  es  offen  im  Sonnenschein,  wenn  seiner  Blumen 
reiches  Purpur  uns  mit  Staunen  erfüllt.  Je  günstiger  die  Lage,  desto  zeitige] 
erschliesst  er  sich,  in  England  oft  schon  vor  Neujahr. 

Es  giebt  eine  weisse  Abart  hiervon,  welche  indes  einige  Schwierigkeiten 
in  der  Kultur  zu  machen  scheint. 

Sonst  kann  man  im  allgemeinen  zwei  Farbenvariationen  bei  diesem 
Crocus  unterscheiden.  Die  eine  —  die  zierlichere  von  beiden  —  blüht  zeitiger 
und  ist  hübsch  schwarzpurpurn  punktiert  auf  der  Aussenseite.  Die  andere 
Varietät  ist  meist  ähnlich  gezeichnet  an  der  Aussenseite  der  äusseren  Segmente 
und  gewöhnlich  kleiner.  C.  Imperati  bringt  reichlich  Samen.  Man  kann 
diesen  sofort  nach  der  Keife  aussäen.  Sämlinge  blühen  nicht  vor  dem  dritten 
oder  vierten  Jahre. 

("rocus  vitellinus.  Dieser  hübsche  und  kleine  Crocus  erscheint  etwa 
gleichzeitig  mit  C.  Imperati.  Seine  Blüten  zeigen  ein  tiefes  Goldgell». 
was  weithin  leuchtet.  Es  ist  eine  der  Arten,  deren  Blumen  gleichzeitig  mit 
den  Blättern  erscheinen.  Dieser  Umstand  wird  vielen  schätzenswert  dünken. 
Die  Aussenseite  der  Blütenblätter  ist  manchmal  bronzefarben  angehaucht. 
Die  Antheren  sind  gelb  oder  orangefarben  und  die  Narben  scharlach  oder 
orange.  C.  vitellinus  ist  in  Nordpalästina  und  Syrien  zu  Hause.  Er  ist 
ganz  hart  und  einer  weiten  Verbreitung  wert. 

Crocus  Crewei.  Der  seltene  C.  Crewei  ist  C.  biflorus  nahe  ver- 
wandt. Man  hönnte  zweifelhaft  sein,  ob  man  ihn  als  eigene  Art  aufstellen 
solle  --  ausgenommen  seiner  dunklen,  fast  schwarzen  Antheren  halber.  Er 
blüht  zur  selben  Zeit  wie  die  vorhergehende  Art.  Kann  er  mit  dieser 
auch  nicht  hinsichtlich  der  leuchtenden  Färbung  der  Blüten  sich  messen,  so 
ist  er  doch  recht  hübsch  und  wertvoll.  Die  weisslichen  äusseren  Segmente 
sind  schön  chokoladenfarben  angehaucht  und  das  weisse  Blüteninnere  steht 
in  hübschem  Gegensatz  zu  dem  tiefen  Chokoladenbraun  der  Antheren. 

Dieser  Crosus  wurde  zuerst  von  Elwes  im  Jahre  1874  in  Syrien  ge- 
funden: wir  erhielten   ihn  aber  auch  aus  Klein-Asien. 

»rocus  ancyrensis.  Ein  anderer  recht  hübscher  Safran,  welcher  bald 
nach  C.  vitellinus  erscheint,  ist  C.  ancyrensis,  der  Angora-Crocus.  Er  ist 
dunkler  in  der  Färbung  als  C.  vitellinus.  Seine  Blütenfarbe  ist  fast  tief- 
orange.    Die  Segmente  sind  nicht  gestreift.     Eine  kleine  Gruppe  des  Angora- 

11s  mit  seinen  grasartigen  Blättern  und  leuchtenden  Blumen  schaut  gar 
nett  aus.  In  manchen  Teilen  Klein-Asiens  soll  er  sehr  häufig  sein,  er  ist  indes 
nicht   so  häufig   in    Kultur,  als  man   erwarten  sollte. 

Die  eben  beschriebenen  Safrane  sind  nur  einige  wenige  Vertreter  dei 
artenreichen  Gattung.  Sie  erfreuen  uns  zu  einer  Zeit,  in  der  die  kleinste  Blume 
hoch  im  Preise  steht.  S. 


236 


Die  beiden  alten  Eiben  im  Garten  des  Herrenhauses  zu  Berlin. 


Die  beiden  alten  Eiben  (Taxus  baccata) 
im    Garten    des    Herrenhauses    zu    Berlin. 

^  (Hierzu  Abb.   53   u.  54.) 

(4-V4^ie  alten  Eiben  im  Garten  des  Herrenhauses  erfreuen  sich  mit  Recht 
<£^P  einer  grossen  Berühmtheit,*)  gehören  sie  doch  zu  den  stärksten  und 
höchsten  Exemplaren  unseres  Vaterlandes.  Conwentz**),  der  sich  ganz  speziell 
mit  der  Eibe  in  der  Vorwelt  und  Gegenwart  beschäftigt,  führt  als  stärkstes 
lebendes  Exemplar  in  Westpreussen  die  Eibe  am  Rande  des  Ziesbusches  bei 
Lindenbusch  an.  Dasselbe  misst  über  dem  Erdboden  180  cm  und  in  1  m 
Höhe  156  cm  Umfang  und  übertrifft  daher  die  bekannten  Bäume  auf  der 
Heidelberger  Schlossterrasse  (in  1  m  Höhe  136  cm  Umfang,  1880  von  Conwentz 
gemessen).  Hingegen,  sagt  Conwentz,  wird  unsere  Taxus  aus  dem  Ziesbusch 
an  Dicke  übertroffen,  z.  B.  von  der  stärkeren  Eibe  an  der  Südfront  des  Herren- 
hauses in  Berlin  (in  1  m  Höhe  170  cm  Umfang,  18S9  von  Conwentz  gemessen, 
jetzt  175  cm  bei  einer  Höhe  von  11,60  irr.  der  schwächere  0,93  in  einer  Höhe 
von  11,85  ni,  teils  nach  in  meiner  Gegenwart  vorgenommennen  Messungen 
des  Herrn  Völckel ,  teils  nach  Messungen  des  Herrn  Reg.  -  Baumeister 
Fritsch.  L.  W.),  von  der  Eibe  an  der  alten  Schweizerei  im  Fürstensteiner 
Grund  mit  230  cm  Umfang  (wo?),  1889  von  Conwentz  gemessen,  von 
der  in  Petersdorf  in  Schlesien  fast  3  m  Umfang  nach  Fiek,  vom  sog.  Ibenbom 
(d.  h.  Eibenbaum)  zu  Mönkhagen  bei  Rostock,  291  cm  Umfang  nach  Krause, 
von  der  Eibe  des  bot.  Gartens  in  Frankfurt  a.  M.  238  cm  Umfang,  1889  von 
Conwentz  gemessen,  von  mehreren  Exemplaren  im  Bodethal  u.  a.  m. 

Kein  Wunder,  dass,  als  der  Neubau  des  Herrenhauses  eine  Verpflanzung 
der  beiden  Eiben  nötig  machte,  man  mit  der  grössten  Umsicht  vorging,  um 
diese  alten  Wahrzeichen  am  Leben  zu  erhalten,  und  diese  Vorsicht  wurde  um 
so  grösser,  als  der  Erbauer  des  Abgeordneten-  und  des  Herrenhauses,  Herr 
Geh.  Baurat  Schulze,  Mitglied  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues, 
selbst  ein  grosserKoniferenkenner  ist.  —  Die  ganze  Arbeit  wurde  Herrn  Landschafts- 
gärtner L.  Maecker,  Friedenau,  übertragen. 

Mehrere  Jahre  hindurch  wurden  die  Bäume  vorbereitet,  um  ihren  »Umzug« 
bewerkstelligen  zu  können.  Auf  Rat  der  Herren  Geh.  Reg. -Rat  Prof. 
Dr.  Engler,  Garteninspektor  Perring  und  Landschaftsgärtner  Maecker 
wurde  die  obere  Erde  durch  bessere  ersetzt  und,  um  zu  sehen,  ob  sich  in 
der  Peripherie  bei  guter  Nahrung  neue  Wurzeln  bilden  würden.  Ende  Juli  1894 
an  einem  Teile  des  Umfanges  ein  U/^m  langer,  75  cm  breiter  und  1,5  m  tiefer 
Graben  in  Gestalt  eines  Kreissektors  in  212  m  Abstand  vom  Stamm  ausgehoben, 
wobei  eine  Anzahl  von  1  —  2  cm  starken  Wurzeln  durchstochen  werden 
mussten.  Der  Graben  wurde  mit  guter  Erde  angefüllt  und  im  nächsten  Jahre, 
im  April  1895,  wieder  untersucht.  Da  zeigte  sich,  dass  die  abgeschnittenen 
Wurzeln    förmliche    Besen    von    Saugwurzeln  gebildet  hatten. 

Anfänglich  war  beabsichtigt  gewesen,  wenn  der  Erfolg  günstig  ausfiele, 
drei  solcher  Sektoren  in  einem  Jahre  mit  guter  Erde  zu  füllen  und  in  dem  folgenden 

*/   Siehe  Th.  Fontane,  Havelland,  S.    126.  —  J.  Trojan  an  verschiedenen  Orten. 
**;  Prof.  Dr.  H.  Conwentz,  Direktor  des  Westpreussischen  Provinzialmuseums  zu  Danzig, 
,,Die  Eibe  in  Westpreussen,  ein  aussterbender  Waldbaum''.     Abhandlungen  zur  Landeskunde  der 
Prov.  Westpreussen,  Heft  111,  S.  45,  Danzig    1892.     Ausserdem  viele    andere  Veröffentlichungen 
von  demselben  über  die  Eibe. 


Die  beiden  alten  Eiben  im  Garten  des  Herrenhauses  zu  Berlin.  2^7 


Jahre  drei  dazwischen  liegende,  so  dass  dann  im  ganzen  l'mfang  neue  Saug- 
wurzeln sich  landen.  —  Da  aber  der  erste  Versuch  so  glänzend  ausgefallen  war, 
glaubte  man,  zumal  die  Aste  zurückgeschnitten  wurden,  auf  einmal  einen 
ganzen  Kreis  in  Gestalt  eines  Grabens  mit  guter  Erde  und  zugleich  starke 
Fassdauben,  die  eine  Art  Kübel  ohne  Boden  bildeten,  an  der  Peripherie  an- 
bringen zu  können.  Und  so  geschah  es.  Die  Bäume  wurden  gut  gepflegt  und 
besonders  regelmässig  bespritzt;  aber  trotzdem  wurden  im  nächsten  Jahr 
(1896)  die  Nadeln  rot  und  dass  ganze  Aussehen  ein  bedenkliches, 
so  dass  die  gärtnerischen  Sachverständigen  das  Fortkommen  für  wenig 
aussichtsvoll      erklärten.  Herr     Geh.     Baurat     Schulze       Hess      sie      aber 

Abends  fleissig  bespritzen  ,  und  das  hatte  den  Erfolg,  dass  im  Jahre 
darauf  (1897)  an  den  Ästen  und  namentlich  an  den  Stämmen  selbst  eine 
grosse  Anzahl  neuer  Triebe  erschienen.  Während  des  ganzen  Sommers 
1897  und  1898  sind  die  Bäume  wiederum  reichlich  bespritzt  worden, 
auch  die  Erde  wurde  gelockert  und  alles  zur  Förderung  des  Wuchses  gethan. 
Hätten  sie  so  noch  ein  Jahr  länger  an  ihrer  Stelle  bleiben  können,  so  wäre 
wohl  jede  Gefahr  ausgeschlossen  gewesen.  Das  war  aber  nicht  möglich.  Der 
Xeubau  erforderte,  dass  die  Bäume  schon  in  diesem  Frühjahre  an  eine  andere 
Stelle  gerückt  wurden. 

Ende  März  1899  etwa  wurde  am  Rande  der  Baumscheiben  aufgegraben, 
da  stellte  sich  leider  heraus,  dass  die  Wurzeln  nicht,  wie  man  erhofft,  in  das 
neue  Erdreich  gegangen  waren,  dass  die  abgeschnittenen  Wurzeln  auch  keine 
Saugwurzeln  gebildet  hatten,  wie  sie  doch  1895  gezeigt,  sondern  im  Gegenteil 
vielfach  bis  auf  einen  Meter  rückwärts  von  der  Schnittfläche  schwarz  und 
verstockt  waren.  Nur  an  wenigen  Stellen  waren  Wurzeln  in  den  guten  Boden 
an  der  Peripherie  gedrungen. 

Erfreulicherweise  zeigte  sich  aber,  dass  in  der  Nähe  des  Stammes  eine 
ganze  Anzahl  neuer  Saugwurzeln  entstanden  sind,  und  dies  giebt  Hoffnung  auf 
ein  glückliches  weiteres  Gedeihen. 

Die  faulen  Wurzeln  wurden  nun  abgeschnitten  und  der  Wurzelballen 
infolgedessen  bedeutend  verkleinert,  was  den  späteren  Transport  erleichterte. 
Ursprünglich    5    m    im    Durchmesser,    mass    der  Wurzelballen    jetzt    nur   3  m. 

Der  Transport  sollte  wegen  des  ungeheuren  Gewichtes  des  Ballens,  das 
man  immer  noch  auf  550—600  Zentner  schätzte,  in  der  Weise  erfolgen,  dass 
die  Bäume  nicht  herausgehoben,  sondern  in  einem  eigens  dazu  gefertigten 
Stichkanal  oder  breiten  Graben  —  senkrecht  stehen  bleibend  —  fortgewalzt 
werden  sollten. 

Die  Hauptschwierigkeit  aber  lag  darin,  den  Wurzelballen  auch  unten  frei 
zu  machen.  Zu  dem  Zweck  musste  der  ganze  Ballen  so  zu  sagen  untertunnelt 
und  dem  Kübel  ein  Boden  aus  dicken  Bohlen  gegeben  werden.  Der  so 
hergestellte  Kübel  wurde  dann  auf  Walzen  gebracht,  welche  sich  auf  einem 
immer  wieder  weiter  vorgelegten  Bohlenbelag  bewegten  und  durch  Drahtseile, 
die  mit  zwei  Flaschenzügen  in  Verbindung  standen,  weiter  gezogen. 

■Wiederum  bewährte  sich  hier  das  Wrort  des  Archimcdes:  »Gebt  mir.  einen 
festen  Punkt,  und  ich  werde  die  ganze  Erde  aus  ihren  Angeln  heben.« 

In  der  Nähe  der  Westgrenze  des  Ilerrenhausgartens  war  dieser  feste 
Punkt  gegeben:,  ein  mächtiges  Bohlwerk,  in  Gestalt  etwa  eines  Prellbocks  bei 
Eisenbahnen,    war    errichtet    und    an   dieses    der    eine    starke  Flaschenzug   mit 


238_ 


Die  beiden   alten  Eiben   im  Garten  des  Herrenhauses  zu  Berlin. 


Schraube  angebracht;  für  den  zweiten  Flaschenzug  diente  eine  dicke  Rüster  als 
Befestigungspunkt. 

Ungefähr  fünf  Mann  zogen  an  jedem  Flaschenzuge  ohne  grosse  Anstrengung 
-  nur  zu  Anfang  wegen  der  grösseren  Reibung  mehr  sich  mühend  —  und 
ganz,  ganz  langsam,  aber  auch  ganz  sicher  rollte  der  Baum  weiter. 

Die  kleinere  Eibe  wurde  zuerst,  Anfang  April,  versetzt.  Sie  hatte  einen 
weit  längeren  Weg,  etwa  50  m  zurückzulegen,  wozu  im  ganzen  16  Stunden 
erforderlich  waren.  Die  grössere  brauchte  nur  20  m  zu  machen  und  iührte 
diesen  Marsch  am   17.  April  in  9  Stunden  aus. 


Abb.  53.     Gesamtansicht  der  beiden  alten  Eiben 

im  Herrenhausgarten  kurz  nach  dem  Transport  der  kleineren. 

Photographien  von  Fritz  Regung. 

Am  17.  April  ist  die  Arbeit  beendet  worden.  Nun  stehen  die  Bäume 
nahe  der  westlichen  Grenze  des  Herrenhausgartens.  Hoffen  wir,  dass  sie  die 
vielen  Mühen,  die  auf  ihre  Erhaltung  verwendet  sind,  lohnen  werden  und  sie 
sich  auch  in  den  Kronen  wieder  üppiger  entwickeln,  denn  letztere  —  das 
lässt  sich  nicht  leugnen  —  machen  jetzt  einen  nicht  gerade  schön  zu  nennenden 
Eindruck. 

Die  Hauptfrage  nach  dem  Alter  der  Bäume  kann  immer  noch  nicht 
endgültig  entschieden  werden.  Ein  Zählen  der  Jahresringe  der  abgeschnittenen 
Aststümpfe    und    daraus    Berechnung    der    Jahresringe    des  Stammes    ist.    wie 


Die  beiden  alten  Eihen   im  Garten  des  Herrenhauses  zu  Berlin.  23Q 


Conwentz  I.e.  S.  44  bemerkt,  nicht  zulässig,  da  die  Jahresringe  des  Astholzes 
im    allgemeinen    enger  sind  als  die  des  Stammholzes. 

Auch  Vergleiche  mit  abgehauenen  Stämmen  führen  zu  keinem  sichern 
Resultat,  da  die  Bäume  individuell  sehr  verschiedene  Weite  der  Jahresringe 
zeigen  können.  Ein  drastisches  Beispiel  führt  Conwentz  an.  Wenn  er  nach 
dem  einen  der  zwei  abgehauenen  Exemplare  aus  Lindenbusch  das  Alter 
des  dort  lebenden  Exemplars  berechnet,  kommt  er  aui  943  Jahre,  was  er  selbst 
als  wahrscheinlich  zu  hoch  ansieht;  wenn  er  es  nach  dem  andern  schätzt, 
kommt  er  nur  auf  311  Jahre.  —  In  den  letzten  zehn  Jahren  ist  der  Umfang 
der  stärkeren  Eibe  des  Herrenhauses,  wie  oben  erwähnt,  von  170  aui  17-  cm 
gestiegen. 

Gegen  ein  sehr  hohes  Alter  der  Herrenhaus-Eiben  spricht  ein  neuer- 
dings   entdeckter    Umstand.     Bei    den  Vorbereitungen    für    den  Transport    der 


Abb.  54.     Transport  der  kleineren  alten  Eibe  im  Herrenhausgarien. 
Photographien  von  Fritz  Regling. 

Bäume  stiess  man  60  cm  unter  den  tiefsten  Wurzeln  auf  Kalksteinfundament; 
ein  Beweis;  dass  die  Bäume  auf  aufgeschüttetem  Boden  stehen.  Auch  Ziegel- 
steine sind  gefunden,  ein  wohlerhaltencr  Ziegel  ist  10  Zoll  lang,  5  Zoll  breit, 
_>  Zoll  hoch.  Das  ist  nicht  das  Format  der  mittelalterlichen  Ziegel,  sondern 
das   des  vorigen  und  etwa  der  ersten  Hälfte  dieses  Jahrhunderts. 

Au<h  einige  Muffeln  von  der  1750  nebenan  errichteten  Kgl.  Porzellan- 
Manufaktur  sind   gefunden. 

Das  alle-  spricht  dafür,  dass  die  Bäume  frühestens  um  die  Mitte  des 
gen  Jahrhunderts  hierher  Verpflanzt  worden  sind.  Wie  alt  sie  damals 
schon  waren,  steht  freilich  nicht  fest;  es  ist  aber  wohl  nicht  anzunehmen, 
dass   man  sehr  alte  Bäume  gewählt  hat.   im  Gegenteil  jüngere. 

Herr  Kommerzienrat  Schutt,  gleichfalls  Mitglied  des  Vereins  zur  Be- 
förderung des  Gartenbaues,  hat  Herrn  Geh.  Baurat  Schulze  mitgeteilt,  dass  er 


2io      Beiträge  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Apfel-  und  Birnensorten. 

vor  25  Jahren  fünf  sechsjährige  Eiben   in    seinem  Garten   in   Steglitz    gepflanzt 
hat,  die  jetzt  schenkeldick  sind. 

Wir  dürfen  wohl  annehmen,  dass  die  Schätzung  der  Herren  Engler. 
Perring  und  Maecker  auf  200  Jahre  bei  der  stärkeren,  mit  100  bei  der 
schwächeren  Eibe  das  Maximum  sein  wird. 

Abschnitte  der  Äste  sowie  einen  Längsschnitt  durch  zwei  zusammen- 
gewachsene Aste  dieser  berühmten  Eiben  hat  Herr  Geh.  Baurat  Schulze  dem 
Museum  der  Königl.  landwirtsch.  Hochschule  zum  Geschenk  gemacht,  wie 
bereits  im  Jahre  1897  der  Bureaudirektor  des  Herrenhauses,  Herr  Reissig. 
dem  gedachten  Museum  Abschnitte  der  Aststümpfe,  übersandte.  Beiden  sei 
auch  an  dieser  Stelle  der  wärmste  Dank  dafür  ausgesprochen.  Auch  eine 
interessante  hohle  Linde,  in  deren  Hohlraum  sich  ein  mächtiger  Zopf  von 
Wurzeln  gebildet,  ist  dem  Museum  von  Herrn  Geh.  Baurat  Schulze  überwiesen. 

L.  Wittmack. 
* 
Nachtrag. 

Wie  in  No.  189  der  Voss.  Zeitung  vom  23.  April  1S99  mitgeteilt  wird, 
sind  die  Häuser  der  Leipzigerstrasse  nicht,  wie  in  Xo.  175  der  Voss.  Zeitung 
berichtet,  auf  ehemaligen  Tiergartenterrain,  sondern  auf  Wiesengrund  erbaut. 
Das  Grundstück  Leipzigerstrasse  No.  3  (das  jetzige  Herrenhaus)  war  zuerst, 
nach  1735,  von  Leutnant  von  der  Groben  bebaut  worden.  Zu  Nicolai's 
Zeit  (1778)  lag  hier  das  Gotzkowskysche  Haus,  und  wird  von  Nicolai  aus- 
drücklich erwähnt,  dass  hinter  demselben  ein  schöner  Garten  sei.  Ferner 
berichtet  er  an  anderer  Stelle  von  diesem  Garten  :  Er  ist  auch  wohl  angelegt. 
In  demselben  sind  zwei  grosse  Salons  von  hohen  Kastanienbäumen  und  ein 
angenehmes  Labyrinth  etc.  Der  alten  Eiben  gedenkt  er  nicht,  sie  können  also 
noch  nicht  bemerkenswert  gewesen  sein.  Der  augenscheinlich  sehr  gut 
orientierte  Verfasser  des  Artikels  in  der  Voss.  Zeitung  sagt :  Jedenfalls  ist  an- 
zunehmen, dass  die  Bäume  (er  sagt  der  Baum)  in  der  zweiten  Hälfte  des  vorigen 
Jahrhunderts  in  den  Garten  verpflanzt  worden  sind,  denn  zu  Anfang  dieses 
Jahrhunderts  gehörten  Haus  und  Garten  dem  Generalintendanten  von  der  Recke, 
und  der  damalige  Kronprinz,  spätere  König  Friedrich  Wilhelm  IV.,  hat 
als  Knabe  viel  unter  dem  alten  Eibenbaum  gespielt.  —  Die  Familie 
Mendelssohn  ist  erst  später  (um  1820  nach  der  Notiz  in  No.  175  der  Voss. 
Zeitung)  in  den  Besitz  des  Grundstückes  gekommen,  das  zum  Bau  des  Herren- 
hauses erworben  wurde,  nachdem  im  Jahre  1852  die  »Erste  Kammer«  in  der 
Oberwallstrasse  abgebrannt  war.  Das  aufgefundene  Fundamentmauerwerk 
dürfte  aus  der  ersten  Zeit  der  Bebauung  des  Grundstückes  stammen. 


Beiträge  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener 
Äpfel-  und  Birnensorten 

aus  dem  Königl.  pomologischen  Institut  zu  Proskau  O.-S. 

Von   Dr.  Richard  Otto, 
^      Leiter  der  ehem.  Abteilung  der  Versuchsstation  am  Königl.  pomologischen  Institut. 

Mi  im  Herbste  des  Jahres  1898  wurden  seitens   der   chemischen  Abteilung  der 


*>sn>   Versuchsstation  des  Königl.  pomologischen  Instituts    eine   grössere   Anzahl 
der  verschiedensten  Äpfel-  und  Birnensorten,  welche  sämtlich  hier  im  Institut 


Beiträge  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Äpfel- und  Birnensorten.      04 1 

gewachsen  und  deren  sonstige  Vegetationsbedingungen  (Bodenverhältnisse, 
Klima  etc.)  uns  somit  bekannt  waren,  einer  chemischen  Untersuchung  aut 
ihre  wichtigsten,  insbesondere  für  die  Obstverwertung  (Obstweinbereitung)  in 
Betracht  kommenden  Bestandteile  unterzogen. 

Die  Resultate  dieser  Untersuchungen,  welche  an  einem  anderen  <  »rte  aus- 
führlicher veröffentlicht  werden,  sollen  im  Nachfolgenden  kurz  (es  ist  aus 
diesem  Grunde  hier  auch  auf  die  einschlägige  Litteratur  nicht  näher  ein- 
gegangen) mitgeteilt  werden,  da  sie  uns  ein  treffendes  Bild  geben  von  dem 
Gehalt  der  einzelnen  Sorten  an  den  wichtigsten,  besonders  für  die  Obstwein- 
bereitung in  Frage  kommenden  Bestandteilen,  um  so  mehr,  als  diebetreffenden 
Früchte  im  Sommer  und  Herbst  1898  an  demselben  Orte,  also  unter  ganz 
gleichen  Yegetationsbedingungen,  sich  entwickelt  haben. 

Diese  Untersuchungen  hier  kurz  mitzuteilen,  erscheint  mir  auch  aus  dem 
Grunde  wünschenswert,  weil  in  vielen  älteren  Büchern  über  Obstverwertung  etc. 
sich  Angaben  über  den  Zucker-,  Säure-  etc.  Gehalt  der  einzelnen  Frucht- 
sorten finden,  die  jetzt  als  falsch  gelten  müssen,  da  die  betreffenden  Be- 
stimmungen nach  veralteten  und  ungenauen  Methoden  ausgeführt  sind,  wo- 
durch häufig  die  in  Betracht  kommenden  Bestandteile  zu  niedrig  gefunden  sind. 

Die  vorliegenden  Bestimmungen  sind  nach  den  neuesten  und  jetzt  wohl 
allgemein  gewählten  chemischen  Methoden  durchgeführt.  So  ist  z.  B.  für  die 
Gesamtzuckerbestimmung  die  äusserst  genaue  gewichts-analytische  Methode  der 
Zuckerbestimmung  nachAllihn  gewählt,  nachdem  zuvor  die  zu  untersuchende 
Substanz  mit  Salzsäure  in   der  vorgeschriebenen  Weise  invertiert  wurde. 

Die  Säure  wurde  als  Gesamtsäure  mit  V10  Xormallauge  titrimetrisch  nach 
der  Tüpfelmethode  bestimmt  und  auf  Äpfelsäure,  als  der  in  reifen  Äpfeln  und 
Birnen  in  grösster  Menge  sich  vorfindenden  organischen  Säure,  berechnet.  In 
der  nachstehenden  Tabelle  ist  die  Säure  aufgeführt  „pro  mille",  d.  h.  in  1  1 
Saft  (Most)  sind  Gramm  Äpfelsäure  enthalten. 

Alle  Untersuchungen  wurden  an  möglichst  gleichmässigen  und,  wenn 
nichts  Anderes  bemerkt,  an  reifen  Exemplaren  durchgeführt.  Von  einer  grossen 
Anzahl  von  Früchten  einer  Sorte  wurde  eine  gute  Durchschnittsprobe  her- 
gestellt und  diese  Früchte  dann  auf  einer  Reibemaschine  zerkleinert  und  darauf 
sogleich  mittelst  einer  sog.  Haushaltungspresse  stark  abgepresst.  In  dem  klaren, 
ev.  vorher  filtrierten  Moste  wurden  dann  sofort  die  betreffenden  Bestimmungen 
vorgenommen.  Die  gefundenen  Prozent-  ev.  Promillezahlen  beziehen  sich  also 
dem  Gebrauche  bei  Weinuntersuchungen  gemäss  auf  das  Mostgewicht,  d.  h.  in 
100  cem  Most  sind  enthalten  Gramm. 

Auch  auf  Stärke  wurde  bei  den  einzelnen  Sorten  geprüft,  doch  war  nur 
selten  solche  nachzuweisen,  da,  wie  erwähnt,  die  Früchte  in  der  Regel  im 
reifen  Zustande  zur  Untersuchung  gelangten. 

In  der  nachfolgenden  Tabelle  sind  die  Untersuchungsdaten  mit  Angabe 
der  Zeit  der  Untersuchung  mitgeteilt. 

Ausser  dem  chemisch  quantitativ  genau  ermittelten  Gesamtsäure-  und 
Gesamtzuckergehalt  (ev.  auch  Rohr-  und  Traubenzuckergehalt  bei  einigen 
Sorten,  wie  grosse  Casseler  Reinette  etc.)  finden  wir  in  dieser  Tabelle  noch 
Angaben  über  den  Gehalt  der  einzelnen  Äpfel-  und  Birnensorten-Moste  anöchsle- 
Graden  (ermittelt  mit  der  Ochsle'schen  Mostwage  bei  150  C.)  und  Angaben 
über    das   spez.   Gewicht  der  Moste  bei   150  C,    sowie    über    den  Zuckergehalt. 


'2A2      Beiträge  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Äpfel- und  Birnensorten. 

bestimmt  mit  der  Üchsle'schen  Mostwage  nach  der  Formel:  die  Anzahl 
<  »chsle-Grade  durch  5  dividiert  und  0.5  zuaddiert,  ergeben  bei  den 
reinen  Äpfelmosten  den  mit  der  quantitativ  chemischen  Zucker- 
bestimmung ziemlich  genau  übereinstimmenden  Zuckergehalt  in 
Prozenten;  ferner  auch  über  den  Zuckergehalt,  ermittelt  mit  der  Klosterneu- 
burger  Mostwage  bei  17,5°  C.  Diese  beiden  letzteren  annähernden  Zucker- 
bestimmungsmethoden wurden  als  in  der  Praxis  übliche  mit  herangezogen 
sowohl  zum  Vergleiche  unter  sich,  als  auch  zum  Vergleiche  mit  der  quantitativ 
chemischen  Zuckerbestimmung.  Ebenso  sind  zum  Vergleiche  unter  sich  zwei 
Extrakt-Bestimmungen  aufgenommen,  einmal  die  nach  meiner  Ansicht  genauere 
aus  dem  spez.  Gewicht,  unter  Zugrundelegung  der  von  Haien  ke  und  Möslinger 
berechneten  Tabellen*)  ,  sodann  die  Extrakt-Bestimmung  mittels  des 
Balling'schen  Saccharometers  bei  15  °  C. 

I.  Äpfel. 

Nach  den  nebenstehenden  Untersuchungen  ist  also  bei  uns  der  zucker- 
reichste Apfel  der  Königliche  Kurzstiel  mit  19,24  g  Gesamtzucker 
in  100  ccm  Most.  Auch  anderwärts  ist  der  Königliche  Kurzstiel  als  der 
zuckerreichste  Apfel  gefunden.  So  hebt  Professor  Behrend  in  Hohenheim  in 
seiner  Schrift  „Beiträge  zur  Chemie  des  Obstweines  und  des  Obstes'"  im  Jahre 
1892  den  Königlichen  Kurzstiel  als  die  zuckerre  ichste  Sorte  (mit  17%)  her- 
vor. Hotter  (vergl.  III.  Bericht  über  die  Thätigkeit  der  pomologischen  Ver- 
suchs- und  Samen-Kontroll-Station  für  Mittelsteiermark,  Graz  1895)  fand  sogar 
in   1  1  Most   dieses   Apfels   215  g  Zucker,   d.  i.  in  100  ccm  =  21,5  g  Zucker. 

Ordnen  wir  die  untersuchten  Apfelsorten  nach  ihrem  Gehalt  anZucker, 
so  ergiebt  sich  folgendes : 

I.  Äpfelsorten  mit  hohem  Zuckergehalt  (über  14  g  Zucker 
in  100  ccm  Most).  [%] 

Königlicher  Kurzstiel  (19,24  g),  Gelber  Richard  (18.97  g),  Schöner  Pfäffling 
(16,50  g),  Grosse  Casseler  Ränette  (14,79  g),  Scheibenränette  (14,74  g),  Hightop 
(14,46  g),  Wintergoldparmäne  (14,21   g). 

II.  Äpfelsorten  mit  niederem  Zuckergehalte  (bis  10  g  Zucker 
in  100  ccm  Most).  [%] 

Possarts  Nalivia  (6,81  g),  Florianer  Pepping  (7,22  g),  Mauss-Reinette  (7,32  g), 
Knolls  Mostapfel  (9,28  g),  Kaiser  Alexander  (9,36  g),  Doppelter  Holländer 
(9,53  g),  Landsberger  Ränette  (9,77  g),  Marabot  (9,90  g). 

III.  Äpfelsorten  mit  mittlerem  Zuckergehalt  (von  10 — 14  g  Zucker 

in  100  ccm  Most).     [%] 
Hierher    gehören    alle    nicht    unter    I.   und    II.    aufgeführten    der    unter- 
suchten Sorten. 

Der  Gehalt  an  Gesamtsäure  (ber.  als  Äpfelsäure)  stellt   sich  wie  folgt: 
IV.  Äpfelsorten  mit  hohem  Säuregehalt  (über  9  g  Gesamtsäure 
in  1  1  Most).     [9—14  °/oo] 
Kunzens  Königsapfel  (13,90  g),   Weisser  Sommercalville  ?  (11,25  g),   Blut- 
roter   Cardinal    (9,983  g),    Türkenapfel  (9,980  g),  Carpentin  (9,782  g) ,  Welscher 


*)  Vergl.  Fresenius,    Anleitung    zur    chemischen  Analyse    des  Weines    von    Dr.    E. 
Borgmann,  II.  Auflage,    1898,  S.   206  u.  folg. 


Beitrage  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Äpfel-  und  Birnensorten.      043 


Im  Moste  der  nachstehenden  Sorten  sind  enthalten: 
I.     Äpfel: 


Datum 
der 

Bezeichnung 

C.e- 
samt- 
säure 

•^  sc 

«  E 

■°  5 

—  ~ü 

Gesamtzucker 

X/ 

0  0    • 

Spec. 
Ge- 

j= 

r-,         .1-. 

=     .    = 
■r.    j.     ■ 

-    ü 
1  S-o 

5  -j 

-     .  <-. 

:  nach 
Sacharo- 
15°  C. 

Unter- 

ja ~. 

"£.2u 

wicht 

■S"5  "> 

u  -->  ■-> 

WVn  = 

M  10  "° 

M 

such- 
ung 

der 
Sorte 

(Äpfel- 
säure) 
p.mille 

Sc 
55 

(quantitativ) 

■t3Äo 

T3 

des 
Mostes 
b.  [50C. 

oc  v  ■■ 

ä;Os 

jx    0 

N 

-1  „  -, 

~    0 

N  s 

SO  . 

'-■■:- 

S  "-> 

/   D. 

izzti  — 
7cü 
HS  v 

Bemerkungen 

1898 

(<W 

0/ 
/o 

/o 

O 

0/ 

lü 

/o 

0/ 
/o 

% 

l 

1.  10. 

Tom  Pütt 

217:i 

— 

12  19 

Aepfel    schon    län- 
gere   Zeit    gelegen 

und    etwas    einge- 

schrumpft.   Reit'. 

2 

11.  10. 

Marabot 

1.340 

— 

9,90 

48,0 

1,0480  10,10 

— 

12,60 

— 

Aepfel    direkt    dem 
Baum  entnommen. 
Keif. 

Reif. 

3 

13.  10. 

s.ui  der  Laans 

7,973 

w  enig 
Stärk. 

13,89 

71,7 

1.0717  1  1  si 

15,25 

18,85 

Goldriinette 

4 

14.  10. 

<  leflammt.  weiss. 

Cardinal 

6,767 

0 

12,00 

55,8 

1,055811,68 

12,50 

14,66 

— 

>> 

5 

17.  10. 

Süsser  Holaart 

1,407 

gross. 
Meng 

11,69 

54,5 

1  054511,30 

12,00 

14,31 

Geschm.  sehr  süss, 
Fleisch  weiss,  hart. 

6 

21.  10. 

Polnischer 

8,911 

viel 

11,88 

58,0 

1,0580 

12,10 

12,70  1" 

15,00 

Geschm.    säuerlich, 

Papierapfel 

Stärk. 

Fleisch  «  eiss,  ihm  h 

hart. 

7 

21.  10.    Luikenapfel 

7.370 

0 

11,39 

53,2 

1,053211,14 

12,00 

13,97 

13,40 

Reif. 

s 

2.").  10.    Kais.  Alexander- 
apfel 
26    ID.    Türkenapfel 

6,499 

0 

9,36 

49,0 

1,0490,10,30 

11,00 

12,87 

13,00 

>) 

9 

9,980 

0 

13,80 

65,2 

1,065213,54 

14,50 

17,13 

16,80 

H 

10 

26./10. 

Harberts  Ränette 

8,210 

0 

13.27 

64,6 

1.0641  i  13,42 

14,00 

16,98 

17,00 

>' 

11 

27.  10. 

Weiss.  Sommer- 
Calville 

11,256 

0 

13,12 

65,1 

1,065113,52 

14,12 

17,11 

16,20 

)) 

12 

28.  10. 

Welsch.  Weinling 

9,780 

0 

11,10 

54,0 

1,054011,30 

12,10 

14,18 

14,00 

•• 

13 

31./10. 

Engl.  Bellerleur 

7,102 

wenig 

Stark. 

12,82 

63,7 

1,0637  13,24 

13,70 

16,71 

16,20 

11 

14 

31.  10. 

Edelrother 

5.360 

0 

11,45 

56,0 

1,0560  11.70 

12,25 

14,71 

15,50 

>J 

15 

2./11. 

Kunzens  Königs- 
apfel 

Woltmanns 

13,900 

0 

10,91 

55,7 

1,0557 

11,64 

12,00 

14,63 

14,00 

11 

16 

2.  11. 

7,639 

0 

10,74 

50,4 

1,0501 

10,58 

11,25 

13,23 

14,00 

>l 

Schlotterapfel 

17 

3.  11. 

Froms  Goldrän. 

7,839 

0 

12,94 

62,6 

1,0626 

13  02 

13.20 

16,45 

15,50 

» 

18 

4/11. 

Batullenapfel 

6,867 

0 

10,31 

52,4 

1,0524 

10,98 

11,75 

13,76 

13,50 

11 

19 

4.  11. 

Possarts   Nalivia 

8,006 

0 

6,81 

38,4 

1,0384 

7.35 

8,25 

10,08 

9,00 

,, 

20 

10./11. 

Dopp.  Holländer 

4,596 

0 

9,53 

45,8 

1,0458 

9,66 

10,00 

12  03 

12.00 

11 

21 

ll./ll. 

Gubener 

5,561 

0 

11,47 

53,2 

1,0532 

11,14 

11,90 

13,97 

13,25 

)) 

Waraschke 

22 

24.  11.    Muscat-Ränette 

4,448 

0 

10,49 

55 

1,0550  11,50 

12,1 

1  1,11 

13,90 

" 

23 

25/11.    Blutrot.  Cardinal 

9,983 

0 

11.30 

57 

1,057011,90 

12,00 

14,97 

1  1,00 

11 

24 

7./9. 

Grosse  Casseler 

10,264 

3,99 

1      7,50 
,.  QojTraub.Z. 

1  Rohr-Z. 

49 

1,0190 

10,30 

— 

12,87 

Aepfel    noch   grün, 
Fleisch  grün,  Ge- 
schmack noch  zn- 

Riinette 

ammenziehend  u. 

herbe.     Unreif! 

25 

21.  9. 

do. 

9,413 

3,81 

t      7,33 

10,10  Tr!$ 7 

^Rohr-Z. 

54,8 

1,0518 

11,46 

14,39 

Aepfel  meist    grün, 
1  leisch  weiss.  Ge- 
schm.   nicht    mehr 
zusammenz.  gras- 

ahnl.  süssl.  U  n  rei  f. 

26 

:>.  in 

do. 

8,509 

1,60 

1      9,76 

1  n  oeJTraob.  TL. 
1^.00       ._,,,, 

v  Rohr-Z. 

61,8 

1,0618 

12,80 

— 

16,24 

— 

Farbe  gelblich,  Ge- 
schmack aneenehm 
süss,  Fleis  h    noch 

hart.    Unreif! 

27 

19.  10. 

do. 

7,900 

0 

,      9,3  ■ 

12,79  Tr;V.!!;-A 

1  Rolir-Z. 

62,0 

1,0620 

12.90 

13,50 

16,29 

15,90 

Aeusserl.  wenig  seit 
5/10.  vei  iindert, Ge- 
schmack dgl.  nicht. 
Noch  unreif! 

28 

14.  12. 

do. 

7,705 

0 

13,20 
14  7q|Traub.Z 

1  *tiv\       1.51 

{ Rohr-Z. 

71.1 

1,0714 

1  1,78 

15,12 

18,77 

17,50 

Fleisch  gelol.  w  eiss, 
saftig,    weinig    ge- 
würzt.   Geschmack 
zieml.  süss.    Reif! 

2  4_1      Beiträge  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Apfel-  und  Birnensorten. 


M 


Datum 

der 
Unter- 
such 
ung 


Bezeichnung 

der 

Sorte 


Ge- 
samt- 

Z.  Ml 

tu  C 
X)  3 

saure 
(Äpfel- 

2 = 

6ßH 

säure) 

So 

p.  mille 

C/3 

(°Ao) 

/o 

Gesamtzucker 

(quantitativ) 

/o 


li< 


Spec. 
Ge- 
wicht 

des 
Mostes 
b.  150C. 


—      Ü 

1 

H      0" 

£      0 

c-e'£ 

3  — 
73  « 

0  2U 

^•£  + 

5   crQ 

2  .  «« 

„Cfl     . 

•u  t; 

ü    O    0J 

■*  m"0 

^0- 

-'-X    M 

i:  mj  0 

0-^ 

N      ^ 

—  1> 
vi   C 

/ü 

/o 

/o 

/o 

Bemerkungen 


29 

14./11. 

30 

18./11. 

31 

2./11. 

32 

16./11. 

33 
34 
35 
36 

28./11. 
29./11.I 

30./11.1 

1./12.I 

37 

38 
39 

1./12.I 
2./12. 

2./12.I 

40 

3./12. 

41 
42 

5./12. 
5./12. 

43 

44 
45 

6./12. 
6./12. 

8  '/12. 

46 

8./12. 

47 

9./12. 

48 

9./12. 

49 

10./12. 

50 

12/12. 

51 

12./12. 

52 

13./12. 

53 

15./12. 

54 
55 
56 

15./12. 
16./12. 
17./12. 

57 

19./12. 

58 
59 

19./12. 
20./12. 

Florianer 

Pepping 

Grosser   Bohn- 
apfel 

Rheinischer 

Krummstiel 


Gulderling 

Schöner  Pfäff  ling 
Königl.  Kurzstiel 
Gelber  Richard 
Gredes  Quitten- 
ränette 
Weisser  Matapfel 
Boikenapfel 
Baumanns 

Ränette 
Weisser  Winter- 
taffetapfel 
Carpentin 
Winter-Gold- 
parmäne 
.  Hightop 
Knolls  Mostapfel 
Köttenischer 

Streifling 
Gelber    Winter- 
Karthäuser 
Florianer  Rosen- 
apfel 
Administrator- 
apfel 
Brüsseler  ge- 
fleckte Ränette 
Ränette   von 

Montmorency 
Blutrote   rhei- 
nische Ränette 
Königin  Sophien- 
apfel 
Winter-Gold- 
parmäne (s.5./i  2.) 

Staatenparmäne 
Mauss  Ränette 
Landsberger 

Ränette 

Doppelter  süsser 

Agatapfel 

Ribston  Pepping 

Scheiben- Ränette 


7,169 

0 

7,135 

0 

5,862 

0 

8,375 

Stark. 
vorh. 

1,306 

0 

9,112 
6,630 
7,906 

0 

0 

0 

8,174 
6,968 

0 
0 

5,628 

0 

7:370 

0 

9,782 

0 

5,695 

0 

7,303 
8,241 

0 
0 

4,482 

0 

6,097 

0 

4,382 

0 

3,082 

0 

6,030 

0 

9,514 

0 

3,283 

0 

2,680 

0 

6,365 

0 

4,690 
1  3,484 

0 
0 

j  5,159 

0 

1,675 

0 

6.432 

0 

8,241 

0 

10,35 


,      0,60 
7  99)Tr;uib.Z. 
'  **A\      0,59 
1  Rohr- Z. 
8,50 
-  iTraub.Z. 
1,75 
Rohr-Z. 
8,86 

QiTraub.Z. 

10,38|     1M 

v  Rohr-Z. 
r      9,73 
91  ITraub.Z. 
U^1!      0,46 
1  Rohr-Z. 

16,50 

19,24 
18,97 
10,61 

11,92 
10,09 
11,29 

11,49 

13  61 
11,68 

14,46 

9,28 

10,24 

1189 

11,19 

10,46 

10,69 

12,65 

10,37 

13,52 

1421 


11,98 
7.32 

9,77 

12,50 

11,70 
14,74 


38,5 

49,1 

49,6 

51,1 

77.9 
95,6 
92,6 
54,4 

62 
51 
55,4 

59,7 

65 
63,2 

73,3 

47 
50,2 

58,6 

55,2 

50,5 

57,1 

600 

49,3 

662 

67,4 


60,6 
33,9 
49,1 

63,0 

58,1 
73,0 


1,0385 
1,0491 
1,0496 
1,0511 


8,20 
10,32 
10,52 


8,60  10,11 
12,90 


9,70  F;irl:,e  grün,  Ge 
schmack  säuerlich. 
TJmeif! 


13  00  Farbe  grün ,  Ge- 
schmacksäuerlich 
Unreif! 


11,00 

10,90  13,03  12,00  Unreif 


10,7211,30  13,4213,00  Noch  unreif 


1,0779  16,08  16,25  20  49  19,C0  Reif. 

1,0956  19,62  19,?  0  25,21  23,00  „ 

1,0926  19,02  19,00  24,40  22,50  „ 

1,054411,3811,6014,2813,00  „ 

1,0620  12,90  13,50  16,29  15,40  „ 

1  0510  10.70  11,25  13,39  13  00  „ 

14,5513  60  „ 


1,0554,11,58 

I 
1,059712,44 

1.065013,50 


12,00 
12,90 
14,00 


15,68 
17,08 


14,80 
16,90 


1,063213.14  13  50 


1,0733 
1,0470 
1,0502 

1,0586 

1,0552 

1,0505 

1,0571 

1,0600 

1,0493 

1,0662 

1 ,0674 


1,0606 
1.0339 
1,0491 

1,0630 

1,0581 


15,1615,70 

9.9010,50 

10  541100 

12,5212,60 

11.9012,20 

10,60  11,25 

11,92  12,30 

! 
12.50  12,90 


16,601500 

19,27     — 
12,34  12,00 
13,1812,80 

15,3914,80 

14,4913,50 

13,2612,90 

15,00  14,30 


15,76 


10,36  10,50  12,95 


13,74!14,00 


13,98 


12,62 

7,28 
10,52 


14,90 


17,39 
17,71 


13,1015,92 

7,60;  8,90 

10,7512,90 


13,10  13,60  16,55 


14,90 
12,00 
16  50 


16  60  Früchte  gross. als  bei 
'      1    No.  42,  docli  auch 
mit      Fusid  adium 
befallen.    Reif. 
15,00  Reif. 
9,90      „ 


12,50 
15,00 


12,32;12,75  15,26  14,00 
1,0730  15,10  15,25:19,1917,00 


Beitrage  zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Äpfel-  und  Birnensorten.       24^ 


II.     Dirnen 


Datum 

Ge- 

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0 

Spec. 

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Mostes 

3    "  ö    1  w  S. 

£ 

1898 

(%o) 

%  1  %  1  o 

b.  i3°C. 

0/           0/           0/ 

/o   j     /o   1    /o 

0/ 
/o 

/o 

1     3./10. 

\\  ildling  von 

6,767 

— *>  11,01    62  1 

1,062113,00  13.75  16,39 

16  50 

1,70      Frisch  d.  Baume 

Einsiedel 

entnommen. 

2     3.  1»). 

Weilersche 

5,896 

— 

9,92    59,4 

1,05!  »4  L2,38  L3.00  L5,60 

15,50 

3,15       1  lisch  d.  Baume 

Mostbirne 

entnommen. 

:;     :..  11. 

Ochsenherzbirne 

3,350 

— 

12,05 

69,5 

1,069514,3514,40  18,27  17,00 

0.01)7     Viel   Pectinstoffe. 

1      7.  11. 

Lange,  grüne 

2,144 

— 

11.06 

59,0 

1,0590  L2,30  12,75  15,50  14,40 

0,001                  „ 

Herbstbirne 

5     s.  11. 

Winter-Nelis 

3. 551 

— 

10.70 

58,5 

1,0585  12,20  12.75 

15,37  11.50 

0.010 

<;     9.  11. 

Spörlberg 

2,613 

— 

6,32 

37,5 

1,0375   8,00   «,70   9,85   9,90 

O.02O 

7    in  11. 

/.ephirine 

Gregoire 
Löwenkopf 

2,680 

— 

9,40 

52,8 

1,0528  11. iis  11,50  13,87  13,00 

0.01)2 

8 

13.  12 

4,212 

— 

12,58 

61,4 

1,0611  L2,78|l3,25  16, 13  14,60 

0,000 

•i 

*)  Birnen  wurden  alle  in  reifem  Zustande  untersucht,  deshalb  nicht  auf  Stärke  geprüft. 


Weinling    (9,780  g),     Ränette    von   Montmorency    (9,514  g),     Königlicher    Kurz- 
stiel (9,112  g). 

V.  Äpfelsorten  mit  niedrigem  Säuregehalt  (bis  3  g  Gesamtsäure 

in  1  1  Most).     [  -3  %o  | 
Schöner   Pfäffling  (1,306  g),     Marabot  (1,340  g),     Süsser  Holart  (1,407  g), 
Doppelter  süsser  Agatapfel  (1,675  g),  Tom  Pott  (2,479  g),  Königin  Sophienapfel 
(2,080  g). 

VI.  Äpfelsorten  mit  mittlerem  Säuregehalt  (3— 9  g  Gesamtsäure 

in  i  1  Most).     [3—9  ü/oo  | 
Hierher    gehören    alle    nicht    unter    IV.  und  V.    aufgeführten   der  unter- 
suchten Sorten. 

VII.  Äpfelsorten  mit  hohem  Zucker-  (über  14  g  Zucker  in  100  cem  Most) 
und  hohem  Säuregehalt  (über  9  g  Säure  in  1  1  Most). 
Königlicher  Kurzstiel  (19.24  %  Zucker,  9,112  °/oo   Säure). 

VIII.  Äpfelsorten  mit  niedrigem  Zucker-  (bis  10  g  Zucker  in  100  cem  Most) 

und  niedrigem  Säuregehalt  (bis  3  g  Säure  in  1  1  Most). 
Marabot  ((».90  %  Zucker;   1,340  u/oo   Säure). 

IX.  Äpfelsorten  mit  mittlerem  Zucker-  (10—14  g  Zucker  in  100  cem  Most) 

und  mittlerem  Säuregehalt  (3     g  g  Säure  in  1  1  Most). 
Hierher  gehören  alle  untersuchten  Sorten  mit  Ausnahme  des  Königlichen 
Kurzstiels  (VII)  und  Marabot  (VIII). 

Der  Königliche  Kurzstiel  in  erster  Linie    und    alle    übrigen    unter- 
suchten   Sorten,  mit   Ausnahme  von   Marabot.  dürften    sich    also    wohl    lür    die 
tweinbereitung    empfehlen,    soweit    nur    das    Verhältnis    von  Gesamtzucker 
und  Gesamtsäure  in  Betracht  kommt. 

Die  vorstehende  Tabelle  zeigt  uns  weiter,  dass  man  bei  Äpfelmosten 
für  die   Praxis  genau  genug  den   Zuckergehalt    mit    der   Öchsleschen 


2A.G      Beiträge   zur  chemischen  Zusammensetzung  verschiedener  Äpfel-  und  Birnensorten. 

Mostwage  ermitteln  kann.  Und  zwar  wird  bei  den  reinen  Äpfelmosten 
der  Zuckergehalt  ziemlich  genau  übereinstimmend  mit  dem  durch 
die  quantitative  chemische  Analyse  ermittelten  Werte  gefunden, 
wenn  man  die  bei  150  C.  ermittelten  Öchsle-Grade  durch  5  dividiert 
und  zu  der  erhaltenen  Zahl  0,5  hinzuaddiert.  Für  ein  Gemisch  von 
Äpfel- und  Birnensorten  mag  die  von  Kulisch  angegebene  Methode:  ,,Man 
teilt  die  Anzahl  der  Grade  Öchsle  durch  5  und  zählt  zu  der  erhaltenen  Zahl 
1  hinzu"  völlig  genau  genug  sei,  für  reine  Äpfelmoste  erscheint  jedoch 
nach  den  vorliegenden  Untersuchungen  die  Addition  von  0,5  dem  wirklichen 
Zuckergehalt  noch  mehr  zu  entsprechen. 

Dagegen  sehen  wir,  dass  mit  der  Klosterneuburger  Mostwage  der  Zucker- 
gehalt in  reinen  Äpfelmosten  bei  weitem  nicht  so  genau  gefunden  wird  wie 
mit  der  Öchsleschen  Mostwage. 

Auch  der  Extraktgehalt  wird  für  reine  Äpfelmoste  viel  genauer  aus  dem 
spez.  Gewicht  unter  Zugrundelegung  der  Tabellen  von  Halenke  und  Mös- 
linger  gefunden  als  mittels  der  Ballingschen  Saccharometers. 

II.  Birnen. 

Von  den  untersuchten  Birnensorten  hat  sich  am  zuckerreichsten  erwiesen 
Löwenkopf  (in  100  ccm  Most  12,58  g  Zucker),  es  folgen:  Ochsenherzbirne 
(12,05  g),  lange  grüne  Herbstbirne  (11,06  g),  Wildling  von  Einsiedel  (11,09  g)< 
Winter-Nelis  (10,70  g),  Weilersche  Mostbirne  (9,92  g),  Zephirine  Gregoire  (9.40  g). 
Am  wenigsten  Zucker  enthält  Spörlberg  (6.32  g). 

Der  Gesamtsäuregehalt  ist  nirgends  ein  hoher,  am  säureärmsten  ist 
die  lange  grüne  Herbstbirne  (2,144  g  in  1  1  Most),  dann  aufwärts  steigend: 
Spörlberg  (2,013  S),  Zephirine  Gregoire  (2,680  g),  Ochsenherzbirne  (3,350  g), 
Winter-Nelis  (3,551  g),  Löwenkopf  (4,212  g),  Weilersche  Mostbirne  (5,896  g) 
und  Wildling  von  Einsiedel  (6,767  g). 

Als  gleichzeitig  zuck  er-  und  säurereich  kann  von  den  untersuchten 
Sorten  eigentlich  nur  Wildling  von  Einsiedel  und  vielleicht  noch  die  Weilersche 
Mostbirne  gelten,  welche  sich  auch  durch  einen  sehr  hohen  Gerbstoffgehalt 
auszeichnen  und  deswegen  längst  gern  zur  Obstweinbereitung  verwendet 
werden. 

Die  Birnen  sind  also  im  Gegensatz  zu  den  Äpfeln,  wie  dies  ja  wohl 
auch  bekannt  ist,  im  allgemeinen  sehr  säurearm. 

Im  übrigen  zeigten  die  untersuchten  Birnensorten  einen  hohen  Gehalt  an 
Pectin-,  Gerbstoffen  etc.  Daher  mag  es  wohl  kommen,  dass  sich  bei  den 
reinen  Birnenmosten  die  mit  der  Öchsleschen  und  Klosterneu- 
burger Mostwage  ermittelten  Zuckerwerte  durchaus  nicht  an- 
nähernd mit  den  durch  die  quantitative  Bestimmung  gefundenen 
decken,  sondern  öfters  über  2%  von  diesen  differieren.  Es  lässt 
sich  somit  für  reine  Birnenmoste  der  Zuckergehalt  mit  einer  dieser 
Mostwagen  nicht  genügend  genau  ermitteln.  Auch  Hotter  (1.  c.)  hat 
die  gleiche  Beobachtung  gemacht,  dass  der  Birnensaft  ganz  allgemein  eine 
grössere  Menge  von  Nichtzuckerstoffen  enthält  als  der  Apfelsaft,  und  dass  man 
beim  Birnenmost  nicht  mit  derselben  Sicherheit  wie  beim  Apfelmost  aus  dem 
Mostgewichte    einen    Schluss    auf    den    wahrscheinlichen    Zuckergehalt    ziehen 


Kleinere   Mitteilungen. 


247 


kann  ,      da      der      Gehalt     an     Nichtzuckerstoffen     im     Birnensafte     stärkeren 
Schwankungen  unterworfen  ist. 

Erwähnt  sei  noch,  dass  die  meisten  der  vorstehenden  analytischen  Be- 
stimmungen in  dankenswertester  Weise  Herr  Dr.  v.  Wahl,  Assistent  an  der 
ehem.  Abteilung  der  Versuchsstation,  ausgeführt  hat. 

Chemische    Abteilung    der    Versuchsstation    des 
K  g  1.  pomologischen    Instituts    zu   P  r  o  s  k  a  u,    im   Februar   1 899. 


Kleinere  Mitteilungen. 


Fäulnis  des  Fruchtfleisches  verursachende  Pilze. 

Professor  Dr.  J.  Behrens,  an  der 
landwirtschaftl.  botanischen  Versuchs- 
station in  Karlsruhe,  veröffentlichte 
eine  grössere  wissenschaftliche  Ab- 
handlung: Beiträge  zur  Kenntnis 
der  Obstfäulnis  in  dem  Zentralblatt 
für  Bakteriologie,  Parasitenkunde  und 
Infektionskrankheiten,  II.  Abteilung, 
IV.  Band,  1898.  Verlag  von  Gustav 
Fischer  in  Jena.  Für  uns  Praktiker 
entnehmen  wir  aus  dieser  53  Seiten 
grossen  wissenschaftlich  wichtigen  Ab- 
handlung: 

Als  Fäulniserreger  der  Fruchtfäule 
sind  folgende  Pilze  thätig: 

Penicillum  gl  au  cum  Lk.  auf 
Aepfeln,  Birnen,  Trauben  und  der 
äusseren  Schale  der  Wallnüsse,  nur 
auf  saftigen  Früchten,  nicht  auf  anderen 
Pflanzenteilen; 

Penicillum  luteum  Zuk.  auf 
Aepfeln,  wenig  vorkommend; 

Mucor  stolonifer  Ehrb.  auf  Birnen 
und  Tomaten,  nur  auf  saftigen  Früchten, 
nicht  auf  anderen  Pflanzenteilen; 

Botrytis  vulgaris  Fr.  (=  cinerea 
Pers.)  auf  Aepfeln,  Birnen,  Erdbeeren, 
Johannisbeeren  und  Traubenbeeren, 
Wallnüssen,  Hagebutten,  auch  auf  an- 
deren Pflanzenteilen  vorkommend,  ist 
daher  weit  gefährliger  als  Penicillum. 

<  »idium  f  ruetigenu  m  Lk.(Mon  ilia 
fruetigena  Pers.)  auf  Aepfeln.  Birnen, 
Pflaumen,  Kirschen,  Aprikosen,  Pfir- 
sichen. Mirabellen.  Quitten  u.  s.  w. 

Vielfach  werden  die  Pilze  durch 
Micken  und  Wespen  u.  s.  w.  verbreitet, 
welche,  auf  faulen  Früchten  sitzend  und 
an  den  Polstern  des  Pilzes  saugend, 
zwischen  den  Haaren  an  den  Beinen, 
am    Rüssel    und    an    anderen    Körper- 


teilen durch  Abstreifen  Oidiumsporen 
erhalten  und  dann  diese,  wenn  sie 
Wundstellen  gesunder  Früchte  auf- 
suchten oder  unverletzte  gesunde 
Früchte  annagen,  auf  die  Wundstellen 
durch  Abstreifen  übertragen.  In  dem 
an  Wespen  so  reichen  Jahre  1895 
konnte  man  bedeutend  mehr  durch 
Oidium  fruetigenum  befallene  Aepfel 
finden  als  1896,  1897  und  1898,  wo 
der  Wespenflug  gering  war. 

Die  Vernichtung  kann  nur  durch 
Sammeln  und  Verbrennen  der  be- 
fallenen Teile  erfolgen,  denn  das 
empfohlene  Bespritzen  der  Zweige, 
kurz  vor  dem  Aufbruch  der  Knospen, 
mit  Kupferkalkflüssigkeiten  hat  nach 
eingehenden  Versuchen  wenig,  beinahe 
gar  keine  nachweisbaren  Vorteile  ge- 
bracht.*) 

Garteninspektor  Ph.  Held,  Hohenheim. 


Ein  Teil  des  Parks  von  Sanssouci 

und  der  Anlagen  des  Neuen 
Orangeriegebäudes  soll  nach 
Art  der  schwebenden  Gärten  der 
Semiramis  zu  Babylon  nach  einem 
von  dem  Kaiser  genehmigten  Entwurf 
im  Taufe  der  nächsten  Jahre  um- 
gestaltet werden.  Es  handelt  sich,  wie 
die  ,,Potsd.  Corr."  schreibt,  um  die 
Ausführung  einer  Lieblingsidee  Kaiser 
Friedrichs,  für  die  der  verstorbene 
Hof-Gartendirektor  Walther  umfang- 
reiche Pläne  entworfen  hat.  Danach 
wird  die  unterste  Terrasse  des  Neuen 
Orangeriegebäudes  über  die  Chaussee 
hinweg  bis  zum  Park  von  Sanssouci 
durch    einen   grossen  Strassenüberbau 


*)  Letzteres  trifft  nach  Frank  und  Krüger 

nicht  zu.     1).   Red. 


248 


Kleinere  Mitteilungen. 


erweitert.  Im  Park  steigt  dann  die 
Anlage  terrassenförmig  bis  zu  dem 
Hauptweg  abwärts.  Auf  .  den  neu 
geschaffenen  Terrassen  sollen  die 
prächtigsten  Gartenpflanzen  angebaut 
werden;  zwei  mächtige  Springbrunnen, 
sowie  reichhaltiger  Skulpturenschmuck 
sind  vorgesehen.  Dem  Projekt  sollen 
die  Hofgärtnereien  an  der  sogenannten 
Maulbeerallee  sowie  das  allen  Be- 
suchern Potsdams  bekannte  Cafe 
Blume  am  Fusse  des  neuen  Orangerie- 
gebäudes, das  Eigentum  der  Krone 
ist,  zum  Opfer  fallen.  Ein  Modell  des 
Projekts  in  Gyps,  das  sich  jetzt  im 
Neuen  Palais  befindet,  soll  in  diesem 
Jahre  in  der  Berliner  Kunstausstellung 
zu  sehen  sein.  —  Weiter  wird  uns 
mitgeteilt,  dass  die  Pläne  dazu  im 
Auftrage  des  verstorbenen  Garten- 
direktors Walther  von  dem  Baumeister 
Felix  Wolff  entworfen  worden  sind. 


Der  Wassersturz  im  Victoriapark 

am  Kreuzberg  hielt  am  Sonntag  den 
23.  April  mittags  anlässlich  der  Ab- 
nahme der  sechs  Hermendenkmäler  der 
Freiheitssänger  Rückert,  Körner, 
v.  Schenckendorf,  Kleist,  Arndt 
und  Uhland  durch  die  Abnahme- 
kommission der  städtischen  Behörden 
sein  diesjähriges  Proberauschen  zur 
vollen  Zufriedenheit  der  Vertreter  der 
städtischen  Behörden  und  des  an- 
wesenden Publikums  ab.  Zur  Abnahme 
der  Denkmäler  und  Besichtigung  des 
Wassersturzes  waren  Stadtbaurat  Ho  ff- 
mann,  Stadträthe  Kochhann  und 
Wagner  sowie  die  Stadtverordneten 
Baurat  Kyllmann,  Rechtsanwalt 
Ladewig,  Paul  Singer  und  Reich- 
now  und  die  Schöpfer  der  Denkmäler 
erschienen.  Bürgermeister  Kirschner 
warverhindert,  sich  an  derBesichtigung 
zu  beteiligen.  Die  Besichtigung  und 
Abnahme  der  Denkmäler  erfolgte  unter 
Führung  des  Gartenbaudirektors 
Mächtig.  Die  Ausführung  und  Auf- 
stellung der  Denkmäler  fand  die  volle 
Zufriedenheit  der  Abnahmekommission 
bis  auf  die  Aufstellung  Uhland  s,  der 
etwas  in  das  mit  einer  Bank  umgebene 
Halbrondel  zurückgesetzt  werden  soll. 
,  Nach  Massgabe  der  vorhandenen  Mittel 
sollen  dem  Victoriapark  noch  einige 
Kunstzierden  in  Gestalt  plastischer 
Werke  zuteil  werden.  Beabsichtigt  ist 
u.   a.    die    Aufstellung    einer    weiteren 


Bronzegruppe  analog  der  vor  dem 
Wassersammeibassin  des  Wassersturzes 
»Ein  seltener  Fang«.  (Voss.  Z.) 


Meine  Erfahrungen  und  Resultate 

mit    dem    Sterilisierungsverfahren    der    Firma 

J.  Weck,  Oeflingen  (Baden). 

(Hierzu  Abb.  55.) 

Vor  ungefähr  drei  Jahren  machte 
ich  nach  obigem  Verfahren  die  ersten 
Versuche,  Obst  und  Gemüse  in  Gläsern 
zu  sterilisieren.  Es  waren  von  Früchten 
zunächst  Kirschen,  Zwetschen, 
Mirabellen  und  Birnen;  von  Ge- 
müsen grüne  Erbsen,  Bohnen, 
gelbe  Rüben,  Spargeln,  welche  die 
Probe  bestehen  mussten.  Der  Erfolg 
war  geradezu  verblüffend,  denn  nicht 
nur  waren  die  mitten  im  Winter  zur 
Verwendung  gelangenden  sterilisierten 
Sachen  von  seltener  Güte  und  bestem 
Wohlgeschmack,  als  wären  sie  frisch 
dem  Garten  entnommen,  sondern  es 
erhöhte  auch  das  Bewusstsein,  diese 
Speisen  selbst  gezogen,  eingeheimst 
und  mit  peinlicher  Reinlichkeit  in  die 
Gläser  eingelegt  zu  haben,  ganz  wesent- 
lich den  Genuss,  und  der  für  ein  ver- 
feinertes Geschmacksorgan  stets  vor- 
handene ,  oft  gesundheitsschädliche 
Metallgeschmack  der  früher  ver- 
wendeten gekauften  Blechkonserven 
kam  bei  den  J.  Weckschen  Gläsern 
ganz  in  Wegfall.  Auch  war  bei  der 
also  ermöglichten  Verwertung  eigener 
Gartenerzeugnisse  zur  Sterilisierung 
die  grösste  Billigkeit  gegenüber  den 
gekauften  Konserven  ganz  wesentlich 
ins  Gewicht  fallend,  während  ander- 
seits die  Anschaffungskosten  des 
Apparates  und  der  Gläser  im  Vergleich 
zu  den  Vorteilen,  die  derartig  sterili- 
sierte Nahrungsmittel  in  Bezug  auf 
Gesundheit  undReinlichkeit  bieten, 
um  so  weniger  in  Betracht  kamen,  als 
sämtliche  Utensilien  zu  gleichen 
Zwecken  jahrelang  verwendet  werden 
können. 

Ich  bürgerte  in  der  Folge  das 
J.  Weck  sehe  Sterilisirungsverfahren 
im  hiesigen  Krankenhaus  ein,  wo 
nun  die  Krankenschwestern  seither 
emsig  bemüht  sind,  das  im  Spital- 
garten erzeugte  oder  zu  diesem  Zweck 
eingekaufte  Obst  und  Gemüse  im 
J.  Weckschen  Apparat  zu  sterilisieren, 
um  es  den  Winter  über  als  Kranken- 
kost zu  verabreichen.     Früher  waren 


Kleinere   Mitteilungen. 


249 


die  Kranken  Lediglich  auf  Dörrobst  und 
Kellergemüse  alsZuspeisen  angewiesen, 
da  das  hiesige  Gemeinde-Krankenhaus 
die  Ausgaben  für  die  teuren  Konserven 
sich  nicht  leisten  konnte:  nun  aber 
war  es  mit  dem  J.W  eck  sehen  Apparal 
leicht  ermöglicht,  den  Kranken  die 
feinsten  Obst-  und  Gemüsekonserven 
jederzeit  zu  verschalten.  Wer  aber 
nur  einmal  J.  Wecksche  Konserven 
verkostet  hat.  der  weiss,  wie  seh  m  a  c  k- 
haft  und  leicht  verdaulich  be- 
sonders für  Magenkranke  und  Re- 
konvaleszenten die  so  präparierten 
Speisen  sind. 


Abb.  55. 

Gestell  zum  Sterilisieren    von    J.   Weck, 

Oeflingen  (Baden). 

So  sollte  der  unübertreffliche  Sterili- 

sierungsapparat  des  Herrn  J.  Weck 
in  keiner  Familie,  besonders  aber  in 
keinem  Krankenhaus  fehlen. 

Herr  Weck  hat  seinen  Apparat  in 
mehreren  Grössen  konstruiert  und  hält 
die  dazu  nötigen  Gläser  und  Glasdeckel 
in  den  verschiedensten  Dimensionen 
und  Formen  vorrätig;  auch  ist  der 
liebenswürdige  Erfinder  stets  gern 
bereit,  diesbezügliche  Anfragen  jeder 
Art  zu  beantworten  und  die  betreffenden 
Pr<  »spekte  und  Kochrezepte  einzusenden. 
Ebenso  sind  bei  demselben  Obst  und 
Gemüse  sowie  die  feinsten  Fleisch- 
und  Fischspeisen  aller  Art  in  Gläsern 
genussfertig  sterilisiert  erhältlich. 

Georg  Kerner,  prakt.  Arzt, 
Wehr  (Baden). 

Bemerkung  der  Redaktion:  Herr 
Weck    hat    uns    eine  Broschüre  über- 


sandt,  aus  der  hervorgeht  dass  sein 
Apparat  ein  von  ihm  verbesserter 
1 !  üssenersch  er  ist.  Der  eigentliche 
Erfinder  ist  der  Chemiker  I  >r.  R  em  pel. 
Als  dieser  bald  nach  der  Patentierung  des 
Apparates  starb,  übernahm  das  Patent 
Herr  Fabrikdirektor  A.  Hüssener  in 
□  und  jetzt  hat  Herr  Weck  ihn. 
\\  ie  gesagt,  vei  \  dlkommt.  Schon  früher 
sind  viele  günstige  Zeugnisse  über  den 
Apparat  veröffentlicht,  namentlich  im 
Praktischen  Ratgeber,  u.  a.  von  Herrn 
Hofmarschall    v.   St.   Paul    Fischbach. 

Camassia    esculenta    und   Scabiosa  caucasica. 
zwei  hübsche  Stauden  für  den  Schnitt. 

Von  Adam  Heydt,  Schlossgärtner  in  Dali  min. 

Es  wird  jeder,  der  sich  mit  Blumen- 
kultur  befasst,  wohl  wissen,  dass 
gegen  Ende  Mai — Juni  der  Blumen- 
reichtum noch  kein  so  mannigfaltiger 
ist.  deshalb  sollte  man  den  um  die 
Zeit  florierenden  Pdumen  Achtung 
zollen,  besonders  dann,  wenn  die  Aus- 
wahl da  sein  soll.  Eine  solche  ist 
Camassia  esculenta,  eine  Liliacee. 
Die  Blumen  sind  hellblau,  in  langer 
Rispe  auf  hohen,  bis  zu  60  cm  langen 
Stielen,  die  im  Mai  bis  Juni  blühen.  Wie 
die  meisten  Liliaceen.  so  treibt  auch 
diese  Art  im  Frühjahr  aus  und  zieht 
nach  der  Blüte  ein.  um  im  nächsten 
Jahre  erneut  zu  blühen. 

Die  Vermehrung  geschieht  durch 
Teilung,  wie  durch  Samen,  letzterer 
setzt  sich   in  grosser  Menge  an. 

Scabiosa  caucasica.  Scabiosacau- 
casica  blüht  von  Mai  ab  fast  den  ganzen 
Sommer  hindurch  bis  ein  Frost  sie  im 
Herbst  zerstört.  Sie  bildet  breite. 
spaarige  Büsche  von  starkem  Wuchs 
und  ist  nur  zum  Schnitt  oder  zu 
Gruppen  anzupflanzen.  Die  jüngeren, 
oben  sitzenden  Blätter  sind  etwas 
schmaler  als  die  unteren. 

Die  Blumen  entwickeln  sich  auf  ca. 
60  cm  langen  Stielen .  die  fest  und 
stabil  sind  und  dadurch  zu  Binde- 
zwecken wie  geschaffen  sind.  Die 
Blumen  bilden  einen  5  —  7  cm  breiten 
himmelblauen  Kopf.  diesichmitLeucan- 
themum  maximum  und  Gaillardia 
granditlora  „Golden  Sunsett"  zu- 
sammen recht  gut  verwenden  lassen 
und  solchen  Bindestücken  einen  guten 
Effekt    verleihen. 

Die  Anzucht  von  Scabiosa  caucasica 
geschieht  durch  Samen,  am  besten  im 


250 


Kleinere  Mitteilungen. 


zeitigen  Frühjahr  mit  etwasBoden  wärme 
und  fortwährender  massiger  Boden- 
feuchtigkeit. Ich  fand,  dass  Scabiosa 
sehr  langsam  und  schwer  keimt. 


Winteräpfel. 

Von  Adam   H  e  y  d  t,  Schlüssgärtner  des  von 

Podhielskischen     Schlossgartens     zu     Dallmin 

(Prignitzj. 

Betreffs  der  neueren  Obstsorten,  die 
Herr  Drawiel-Lichtenberg  sowie  Herr 
Mehl  in  der  letzten  Vereinsversamm- 
lung empfohlen  haben  (Gartenfiora, 
Heft  8,  S.  203)  und  die  auch  L.Späth 
in  seinem  Verzeichnis  hervorhebt, 
möchte  ich  nur  zu  Versuchen  raten, 
nicht  aber  sofort  zur  Massenpflanzung. 
Dazu  ist  noch  zu  wenig  Erfahrung  vor- 
handen, und  wir  haben  unter  unseren 
alten  Sorten  auch  sehr  empfehlens- 
werte. Von  dem  mir  unterstellten,  etwa 
100  Morgen  umfassenden  Gartenbetrieb 
sind  10  Morgen  nur  mit  Obst  bestellt; 
davon  sind  5  Morgen  ums  Jahr  1820 
bepflanzt,  und  auf  ihnen  finden  sich 
Sorten,  die  heute  noch  vortrefflich  sind, 
speziell  für  den  Zweck  des  Genusses 
im  Frühjahr,  also  Winteräpfel,  wie 
z.  B.  der  gelbe  Stettiner-,  dessen  Früchte 
tadellos  sind  und  als  Tafelfrucht  dienen, 
sodann  die  graue  Reinette  und  einige 
Peppings,  doch  letztere  weniger.  Ausser 
diesen  hier  schon  alten  Sorten  halte 
ich  für  Dauerobst  sehr  geeignet: 
Kasseler  Reinette,  Goldreinette  von 
Blenheim,  Königl.  Kurzstiel,  Eiser- 
apfel (hier  schon  gegen  1800  gepflanzt), 
Bellefleur,  Boikenapfel,  Harberts  Rei- 
nette, Pariser  Rambour,  Cox-Ürangen- 
Reinette  u.  s.  w. 

Es  sind  dies  Sorten,  die  sich  zur 
Massenkultur  lohnen  und  auch  hier  in 
den  etwa  60  Morgen  umfassenden,  von 
dem  verstorbenen  Schlossgärtner  Volk 
angelegten,  jetzt  dem  Obergärtner 
Hillmann  unterstellten  Obstanlagen 
Sr.  Excellenz  v.  Podbielski  quartier- 
weise angepflanzt  sind.  Nebenbei  be- 
merkt ,  werden  diese  immer  noch 
mehr  erweiterten  Obstanlagen  mit 
der  Zeit  zu  den  mustergültigsten 
iJeutschlands  gehören  und  in  der 
Provinz  Brandenburg  eine  beachtens- 
werte Sehenswürdigkeit  werden. 

Clematis  graveolens. 

Diese  gelbblühende  Clematis  ist 
infolge       ihrer       Widerstandsfähigkeit 


gegen  Kälte  und  in  Bezug  auf  den 
Boden  eine  sehr  zu  empfehlende 
Schlingpflanze,  indem  gerade  gelb- 
blühende Schlingpflanzen,  die  obige 
Eigenschaften  besitzen,  nicht  allzu- 
häufig anzutreffen  sind.  Da  diese 
hübsche  Clematis  bezüglich  des 
"Wuchses  sowie  in  der  Blüte  viel 
Ähnlichkeit  mit  vitalba  hat,  so  klettert 
dieselbe  ebenfalls  in  dieser  Weise  an 
den  zu  bekleidenden  Gegenstand  in 
die  Höhe  und  überzieht  in  kurzer 
Zeit  ganze  Wände.  Allerdings  empfiehlt 
es  sich  dann  auch,  ihr  einen  gut- 
gelockerten, nichtzuleichten.  abernahr- 
haften Boden  zu  verabfolgen,  der,  wenn 
kalkarm,  von  Zeit  zu  Zeit  pulverisierten 
Aetzkalk,  im  Herbst  in  die  Nähe  der 
Wurzel  erhalten  muss.  Dann  entwickelt 
sich  der  Strauch  ungemein  schnell  und 
erfreut  uns  im  Sommer  mit  seinen 
hübschen  gelben.  in  Rispen  er- 
scheinenden Blumen,  die  sich  gar 
lieblich  zwischen  dem  Blau  der 
Clematis  Jackmanni  abheben. 

Auch  zur  Bildung  von  Festons  und 
zur  Bekleidung  von  Laubengängen  ist 
Clematis  graveolens  recht  gut  zu  ver- 
wenden. Eine  reichliche  Bewässerung, 
hauptsächlich  an  trockenen  Haus- 
wänden, und  Verabreichen  eines 
Dunggusses  und  Untergraben  von 
Dünger  im  Herbst  in  die  Nähe  der 
WTurzel  trägt  zur  guten  Ausbildung 
wesentlich  bei,  andernfalls  wächst  sie 
nur  kümmerlich  und  bringt  wenig 
Blumen  hervor  und  verdient  dann  nicht 
angepflanzt  zu  werden,  wie  dieses  mit 
so  vielen  Clematis  der  Fall  ist,  die 
infolge  mangelhafter  Pflege  verhungern 
und  nur  kleine  oder  gar  keine  Blumen 
hervorbringen. 

Die  Vermehrung  der  Clematis  gra- 
veolens ist  durch  Samen  und  durch 
Veredeln  auszuführen.  Die  durch 
Samen  gewonnenen'  jungen  Pflanzen 
blühen  meist  schon  im  dritten  Jahr. 
Daher  ist  diese  Vermehrung  sehr 
zu  empfehlen  und  lohnend,  indem  aus 
den  Sämlingen  verschiedene  gelbe 
Nuancen  gewonnen  werden  können; 
vieleicht  ist  mit  der  Zeit  auch  eine 
grossblumige  Sorte  daraus  zu  erziehen. 

Durch  Pfropfen  auf  Wurzelstöcke 
der  Cematis  Viticella  ist  die  Ver- 
mehrung ebenfalls  leicht,  jedoch  nur 
dann  ausführbar,  wenn  Edelreiser 
in    nicht    ganz    ausgereiftem   Zustande 


Kleinere  Mitteilungen. 


O1 


\  ei  wendet  werden,  diedürien  aberkeine 
Blutenknospen  haben,  indem  sonst  das 
Edelreis  wohl  anwächst,  aber  keine 
I  riebe  macht  oder  sich  nur  selten 
ein  solches  Auge  zu  einer  Triebknospe 
umwandelt.  Die  geeigneste  Zeit  zum 
Veredeln  ist  das  Frühjahr,  entweder 
im  Warmhaus  oder  in  einem  Warm- 
kasten. Die  nötigen  Reiser  verschaffe 
man  sich  dadurch,  dass  im  Herbst 
eingepflanzte  Clematis  angetrieben 
werden  und  die  Wurzeln  der  Clematis 
Yiticella  im  Herbst  gesammelt  werden, 
die  dann  frostfrei  zu  überwintern  sind: 
aber  zu  beachten  ist  dabei,  dass  an 
den  Wurzeln  nicht  Oben  und  Unten 
verwechselt  werde,  da  die  Reiser 
stets  auf  die  Oberseite  der  Wurzel- 
stückchen einzusetzen  sind,  andern- 
lalls  ist  nicht,  darauf  zu  rechnen,  dass 
die  Veredlung  wachsen  würde.  Die 
veredelten  Wurzelstücke  werden  mit  der 
Veredlung  so  tief  eingesetzt,  dass  das 
Edelreis,  welches  nur  zweiBlätter  haben 
darf,  mit  der  Erde  abschneidet,  und  die 
Yeredelungsstelle  ganz  mit  Erde  bedeckt 
ist.  Sind  dieselben  angewachsen,  so 
sind  sie  allmählich  an  Luft  und  Licht 
zu  gewöhnen  und  im  Laufe  des 
Sommers  auf  ein  gut  vorbereitetes 
Beet  zu  pflanzen,  wo  sie  sich  in  zwei 
Jahren  recht  kräftig   entwickeln. 

Zu  bemerken  ist  noch,  dass  die 
Stecklinge  schattig  und  massig  feucht 
zu  halten  sind. 

Villa  Spindler,  Grosstabarz. 

J.  B  i  e  m  ü  1 1  e  r. 

Rasenpflege  nach  der  Praxis. 

Von  Adam  Heydt,  Kunstgärtner. 

Nicht  die  Anlage  eines  Rasens, 
sondern  die  Unterhaltung  desselben 
soll  hier  besprochen  werden. 

Im  April,  sobald  neues  Leben  er- 
wacht, beginnt  auch  die  Arbeit  für 
den  Rasen.  Er  wird  erst  mit  einem 
Besen  abgekehrt,  dann  mit  ehr  Sense 
geschnitten  und  hierauf  mit  der  Mäh- 
maschine nachgeschnitten.  Die  Kanten 
werden  mit  einer  Rasenscheere  ge- 
schnitten. Wenn  dann  der  Rasen  zum 
erstenmale  gemäht  ist.  so  wird  er  egal 
gewalzt,  jedoch  muss  die  Walze  lang- 
sam bewegt  werden,  weil  sonst,  wenn 
sie  zu  schnell  geht,  der  Rasen  leicht 
uneben  wird. 

Treten  jetzt  trockne  Tage  auf,  so 
wird    der  Rasen  morgens   gehörig  be- 


gossen oder  bespritzt,  freilich,  wo  keine 
Wasserleitung  vorhanden  ist.  muss 
man  es  schon  unterlassen,  weil  dann 
die  Unterhaltung,  soll  das  Wasser  mit 
Kannen  beigetragen  werden,  zu  kost- 
spielig wird.  Wird  der  Rasen  gut 
bewässert,  so  verliert  er  sehr  selten 
seine  üppige  Farbe,  während,  wenn 
nicht  begossen,  er  mehr  hellgrün 
wird. 

In  trüben  Tagen  ist  es  gut,  den 
Rasen  zu  düngen.  Las  beste  Dünge- 
mittel ist  das  Begiessen  mit  aufgelöstem 
Nährsalz;  eine  solche  Düngung  ist 
nicht  ein  schmutziges  Geschäft,  hinter- 
lässt  keinen  Geruch  und  kräftigt  das 
Gras  in  jeder  Weise,  sodass  es  üppig 
treibt. 

Das  Schneiden  des  Rasens  erfolgt 
bis  Oktober  alle  acht  bis  zehn  I 
jedoch  darf  es  nicht  an  zu  heissen 
Tagen  geschehen,  denn  sobald  dann 
das  Gras  weggeharkt  wird,  verbrennt 
der  Rasen  binnen  wenigen  Stunden, 
deshalb  halte  ich  die  Maschinen  mit 
Rasen-Fangkörben  nicht  für  praktisch. 
Hat  man  begonnen,  den  Rasen  zu 
schneiden,  und  es  wird  nachher  zu 
heiss,  so  lasse  man  das  Gras  liegen 
bis  zum  nächsten  Tage;  dann  geharkt, 
verbrennt  der  Rasen  nicht  mehr  so 
leicht. 

Vielerorts  wird  im  Herbst  und 
Winter  der  Rasen  mit  Mistbeeterde 
oder  Kompost  befahren  und  das  als 
sehr  gut  für  denselben  hingestellt.  Ich 
kann  dieses  in  keiner  Weise  em- 
pfehlen; wenn  auch  eine  positive 
Dungkraft  nicht  zu  leugnen  ist,  so 
wird  doch  mit  der  Misterde,  über- 
haupt mit  Befahren  von  Erde  eine 
so  grosse  Menge  von  Unkrautsamen 
in  den  Rasen  gebracht,  dass  das  Un- 
kraut mehr  schadet  und  den  Rasen 
verunziert,  als  die  Düngung  genützt 
hat.  Wer  nicht  mit  Nährsalz  (Ge- 
misch von  künstlichem  Dünger) 
düngen  will,  dem  empfehle  ich  das 
Düngen  mit  Chilisalpeter,  der,  im 
Herbst  und  Winter  wie  im  Frühjahr 
gestreut,  sehr  gut  wirkt.  Das  Düngen 
mit  Jauche  halte  ich  aus  bekannten 
Gründen,  wenigstens  in  der  Nähe 
eines  Schlosses,  Herrenhauses  oder 
Wohnhauses  nicht  für  angebracht. 

Die  Ilauptbedingungen  zur  Erhaltung 
eines  guten  Rasen  sind:  ., Düngen, 
rechtzeitiges      Schneiden,      Bewässern 


2=>2 


Kleinere   Mitteilungen. 


sowie  Reinhalten  von  Unkraut  und 
Entfernen  desselben.  Auch  ist  das 
Walzen   nicht  zu   umgehen. 

Eine  Krankheit  der  Agaven. 

Es    giebt    Krankheiten    und   Schädi- 
gungen an  Pflanzen,  die  mitunter  plötz- 
lich    auttreten     und     sich    verbreiten. 
Man  weiss  oft  keine  Erklärung  für  das 
Erscheinen    derselben,    bis  man  durch 
Zufall  dahinter  kommt,  dass  irgend  ein 
Schmarotzer  möglicherweise  mit  einer 
neu  erworbenen  Pflanze  eingeführt  sein 
könnte.     So    ergeht    es    auch    mit   der 
heute  zu  beschreibenden  Agavenkrank- 
heit. Ein  grosses  Gartenetablissement  — 
der  Name  thut  nichts  zur  Sache  --  er- 
warb   von    einer  bekannten  Firma  zur 
Bereicherung        seiner       Sukkulenten- 
sammlung    eine    Anzahl    Kakteen   und 
Agaven,     deren     letztere     in    ziemlich 
grossen  Exemplaren    vertreten   waren. 
Dieselben  wurden  dem  Sortiment  ein- 
verleibt   und    während    der  Sommers- 
zeit    auf   Felspartien    im    Freien    auf- 
gestellt.       Bei      dem     Einstellen     der 
Pflanzen     zur    Überwinterung     in    die 
Gewächshäuser    zeigte  sich,    dass  eine 
Anzahl    von    den  Agaven    viele  kleine 
Bohrlöcher  an  den  Blättern,  namentlich 
an    den    jüngsten,    aufwiesen,    welche 
von     irgend    einem    Insekt    herrühren 
mussten.     Alan  suchte  eifrig  nach  und 
machte     die     Entdeckung,     dass     eine 
kleine    Made    die    Urheberin    der   Be- 
schädigung  war.     Dieselbe  hatte  etwa 
eine  Länge    von    8 — 12  mm    bei  einer 
Dicke    von     2    mm,    der    Körper    war 
rosa,   wie  bei  der  gewöhnlichen  (  >bst- 
made,  und  der  Kopf  schwarz.    Sobald 
das  Tier,   das   selten  an  die  Blattober- 
fläche  kam,  sich  entdeckt  sah,  schlüpfte 
es    in    eines    der    vorhandenen    Bohr- 
löcher   oder    liess    sich    an  einem  Ge- 
spinstfaden herab  und  suchte  möglichst 
zu    entkommen.     Dass    sein   Fang    bei 
der     Stachelbewehrung     der    Agaven- 
blätter nicht  leicht  war,  ist  erklärlich. 
Dennoch    gelang    es,    eine  grosse  An- 
zahl   dieses    kleinen  Wüstlings    zu    er- 
halten, um  dieselben  teils  zu  vernichten. 
teils  sachverständigen  Wissenschaftlern 
zur     Untersuchung     und     Feststellung 
seiner  Herkunft  und  Art  zu  übergeben. 
Jedoch  keiner  der  befragten  Gelehrten 
konnte  eine  sichere  Auskunft  erstatten, 
weil    es   eben  nicht  möglich  war.    die 
vollendete  Form  des  Insektes,  das  eine 


Fliege     oder     eine    Motte    sein    muss. 
herbeizuschaffen. 

Trotz  des  eifrigsten  Absuchens 
musste  es  nicht  gelungen  sein,  den 
Schmarotzer  völlig  aus  seinen  An- 
siedlungen  zu  vertreiben,  und  so  sah 
man  im  zweiten  Jahre  eine  immer 
weiter  um  sich  greifende  Verwüstung 
bei  den  Agaven.  Nicht  nur  die  eben 
entwickelten  und  schon  älteren  Blätter 
waren  wiederholt  von  Bohrlöchern  ver- 
unstaltet und  durchzogen,  sondern 
selbst  oder  richtiger,  besonders  das 
Herz.  Die  sich  erst  bildenden  Blätter 
der  Agaven  zeigten  durch  die  vielen 
Anbohrungen,  dass  das  Insekt  nicht 
nur  nicht  vertilgt,  sondern  sich  be- 
deutend vermehrt  hatte.  Wieder  wurde 
nach  dem  Feinde  gefahndet,  wieder 
wurde  abgesucht,  mit  Seife  gewaschen. 
mitFichtenöl  und  Tabakslauge  gespritzt, 
mit  Schwefel-  und  Tabakstaüb  gestreut, 
es  wurde  geräuchert,  kurz  alle  nur 
erdenklichen  Mittel  angewendet,  um 
den  Schädling,  dessen  Name  und  Her- 
kunft man  nicht  einmal  kannte,  zu 
vertreiben.  Vergebens,  die  fleischigen 
Agavenblätter  boten  ihm  einen  so 
sicheren  Unterschlupf,  dass  alle  an- 
gewendeten Mittel  nichts  halfen,  und 
so  schritt  man  denn  im  dritten  Jahre 
mit  schwerem  Herzen  zu  dem  Radikal- 
mittel, alle  die  Pflanzen,  welche  Spuren 
des  iDsektenfrasses  zeigten,  zu  ver- 
nichten, d.  h.  dem  Feuer  zu  übergeben. 
Selbstverständlich  wirkte  diese  letzte 
Instanz  prompt,  aber  welche  Opfer 
hatte  sie  gefordert.  Eine  ganze  Reihe 
schöner,  alter  und  seltener  Exemplare 
mussten  dem  Feuertode  preisgegeben 
werden,  wollte  man  nicht  noch  weitere 
Verheerungen  durch  Belassen  der 
Pflanzen  in  dem  Sortiment  unter- 
stützen. 

Es  dürfte  vielleicht  von  Interesse 
und  der  Allgemeinheit  von  Nutzen 
sein,  diese  Erscheinung  zur  Kenntnis 
zu  bringen,  denn  das  Auftreten  und 
Verbreiten  jenes  Insektes  kann  nur 
durch  direkte  Einführung  mit  neuen 
Agaven  herbeigeführt  sein,  da  die  jahr- 
zehntelange Kultur  der  Sukkulenten 
in  besagtem  Etablissement  nie  einen 
derartigen  Fall  aufwiesen  und  es  viel- 
leicht nahe  liegt,  dass  auch  anderwärts 
der  Schädling  eingeführt  wurde  und 
dann  verwüstend  sich  bemerkbar  ge- 
macht hat.  —  a  — 


Ans  Jen  Vereinen. 


253 


Scirpus  natalensis. 

Von   Ad  am  Hey  dt,   Schlossgärtner   in 

Dallmin-Prignitz. 

Eine    in  früheren  Jahren   geschätzte. 

jetzt  kaum  mehr  anzutreffende  Pflanze, 
die  eine  vielseitige  Verwendung  hal 
und  sich  leichi  und  ganz  einfach  heran- 
ziehen lässt,  ist  Scirpus  natalensis. 
Dej  Natal-Scirpa  ist  eine  Cyperaceae. 
Scirpus  natalensis  bildet  einen  kom- 
pakten Husch,  dessen  Blätter  sich  gra- 
ziös erheben  und  ähnlich  einer  Dra- 
caene  elegant  überhängen.  Für  Blumen- 
tische,  Jardinieren  u.  s.  w.  im  Winter  is1 
sie  deshalb  mit  zu  benutzen, weil  sie  sich 
in  ganz  kleinen  Töpfen  heranziehen 
lüsst,  die  zwischen  grössere  gestellt 
werden  können.  Auch  als  Einzelpflanze 
ist  sie  hübsch.  Die  Blätter  lassen  sich 
zur  Binderei  benutzen, selbsl  bei  kleinen 
^nstecksträusschen  sind  sie  verwend- 
bar, indem  man  die  Blätter  teilt  und 
als  Schleifen  die  Blattstreifen  benutzt. 
Sie  liehen  das  Kalthaus  und  können 
selbst  unter  einer  Stellage  Aufstellung 
erhalten,  jedoch  müssen  sie  vor  Fäulnis 
behütet  werden,  denn  wenn  sie  zu 
nass  stehen,  stocken  gern  die  Pflanzen. 
Besser  ist  es  selbstverständlich,    wenn 


man    den  Scirpus   einen    lichteren    Platz 
erteilt  als  unter  einer  Stellage. 

I  >i e  Anzucht  besteht  vor  allem  in 
einjähriger  Kultur.  Den  Samen  säet 
man  in  leichte,  sandige  Erde  im  März 
aus.  hält  ihn  bis  zum  Keimen  feucht, 
jedoch  nicht  zu  warm:  sobald  die 
Sämlinge  fassbar  sind,  pflanzt  man  sie 
in  kleine  Töpfe  und  1>i  ingl  sie  in  einen 
kalten  Kasten.  Hier  werden  sie  kühl 
gehalten,  weil  nur  dadurch  üppige 
Pflanzen  erzielt  werden.  Gegen  Mai 
hin  verpflanzt  man  die  Scirpus  in  3-  bis 
höchstens  31  ..zöllige  Töpfe,  und  zwar  in 
Mistbeeterde,  Kinderdung  und  - 
Usdann  stein  man  die  Pflanzen  ins 
Freie,  und  zwar  auf  ein  etwas  schattig 
gelegenes  Pect,  wo  sie  bis  zum  Topf- 
rand eingesenkt  werden. 

Im  Sommer  besteht  die  ganze  Pflege 
nur  im  tüchtigen  Bewässern,  denn 
Scirpus  verlangt  viel  Wasser,  auch 
muss  später  tüchtig  mit  Dünger  dem 
Wachstum  nachgeholfen  werden.  Im 
Freien  bleiben  lie  Scirpus  von  Mitte 
bis  Ende  <  »ktober,  dann  räume  man 
sie  ins  Kalthaus  ein. 

Im  Kaufe  des  Winters  bilden  sie 
eine  willkommene  Pflanze  sowohl  für 
den  Privat-   wie  Berufsgärtner. 


Aus  den  Vereinen, 


Allgemeiner  Deutscher  Gärtnerverein 

Abteilung  für  Stellennachweis), 

Perlin.  Weissenburgerstr.  66.  Im  Monat 
März  wurden  für  Berlin  und  Vororte 
310  offene  Stellen  der  gewerblichen 
Gärtnerei  gemeldet,  davon  etwa  der 
dritte  Teil  für  Landschaftsgärtnerei, 
die  übrigen  für  die  Branche  der 
I  landelsgärtnerei  (Blumen-  und  Pflanzen- 
kulturen). Das  Angebo1  von  Arbeits- 
kräften war  demgegenüber  ein  recht 
minimales,  nämlich  nur  118.  Als 
natürliche  folge  stellte  sich  denn  auch 
eine  kleine  Steigerung  der  Löhne  ein. 
Die  Handelsgärtnerei  bot  für  junge 
Gehilfen  durchschnittlich  _c:  Mark  pro 
Monat  bei  freier  Station ,  bei  Wohnung 
und  Kaffee  54  bis  65  Mark.  Aeltere 
und  Obergehilfen  erzielten  30  (-Mark 
bei  freier  Station  oder  60  bis  90  Mark 
bei  Wohnung  und  Katfee.  Verschiedent- 
lich tauchen   auch  schon  Wochenlohn- 


zahlungen auf.  Die  Landschaftsgärtnerei 
bewilligte  fast  allgemein  einen  Stunden- 
lohn von  35  Pf,  für  selbständig 
Arbeitende  (1  ibergehilfen)  bis  45  Pf. 
Einige  grössere  ältere  firmen  zahlten 
ausnahmsweise  auch  für  jüngere  Leute 
30  und  33Pf,  während  Blumengeschäfts- 
inhaber, die  nur  für  kurze  Zeiten  Ge- 
hilfen einstellen,  allgemein  40  Pf.  be- 
willigten (Vorgarten-  und  Balkon- 
arbeiten). AK  allgemein  bemerkens- 
werte Erscheinung  ist  hervorzuheben, 
dass  Gehilfen  über  25  Jahr,  die  bis 
dahin  nur  in  Handelsgärtnereien  thätig 
waren,  häufig  wider  eigenen  Willen 
die  Saisonarbeit  im  Landschaftsfach 
anzunehmen  sich  gezwungen  sehen. 
weil  die  Handelsgärtnerei  nur  in 
äussersten  Notfällen  noch  auf  diese 
reflektiert.  Aussei'  den  genannten  210 
Stellen,  welche  teils  schriftlich,  teils 
telephonisch   der  Geschäftsstelle  über- 


254 


Litteratur. 


mittelt  wurden  ,  wurde  noch  ein 
grösserer  Teil  von  Engagements  ausser- 
halb der  Geschäftszeiten  im  Verkehrs- 
lokale des  Nachweises,  wo  sich  häutig 


Prinzipale  persönlich  einfanden,  ab- 
geschlossen. Der  Privatgartenbau 
meldete  20  Stellen,  wovon  nur  wenige 
besetzbar  waren. 


Litteratur. 


Anleitung  zum  gärtnerischen 
Planzeichnen  von  Fritz  Encke, 
Kgl.  Garteninspektor.  Lehrer  der 
Gartenkunst  an  der  Kgl.  Gärtner- 
lehr anstalt  zu  Wildpark.  Verlag 
von    Paul   Parey -Berlin.     8  Mark, 

Verfasser,  seit  Jahren  an  der  Königl. 
Gärtnerlehranstalt  zu  Wildpark  bei 
Potsdam  als  Lehrer  der  Gartenkunst 
thätig,  hat  sich  der  dankenswerten  Auf- 
gabe unterzogen,  den  Schülern  der 
Gärtnerlehranstalt  in  dem  vorliegenden 
Werke  einen  Leitfaden  in  die  Hand  zu 
geben,  der  es  ihnen  ermöglichen  soll, 
selbständige  Übungen  im  Planzeichnen 
zu  pilegen.  In  ausgezeichneter  Weise 
ist  ihm  die  Lösung  dieser  Aufgabe 
gelungen.  In  klarer,  übersichtlicher 
und  anschaulicher  Weise  führt  er  uns 
die  Technik  des  Planzeichnens  im  all- 
gemeinen, der  Darstellung  der  ver- 
schiedenen Gegenstände  in  einem 
Gartenplane,  der  Profile,  der  Horizontal- 
kurven, der  Bergschattierung  durch 
Bergstriche  etc.  im  besonderen  vor 
Augen  und  giebt  zum  Schlüsse  eine 
Beschreibung  der  zum  Planzeichnen  er- 
forderlichen Zeichengeräthe,  sowie 
einige  beherzigenswerte  Winke  für 
deren  Handhabung.  Unter  den  mannig- 
fachen in  neuerer  Zeit  erschienenen, 
eine  Anleitung  zum  Planzeichnen 
gebenden  Werken  nimmt  das  vor- 
liegende eine  besonders  bevorzugte 
Stelle  ein  und  steht  zu  hoffen,  dass  es 
bei  dem  im  Verhältnis  zu  seiner  ge- 
diegenen Ausstattung  und  den  in 
sauberer  verständnisvoller  Ausführung 
beigegebenen  16  Tafeln  durchaus 
niedrig  zu  nennenden  Preise  die 
weiteste  Verbreitung  finden  werde. 
A.  Fintelmann. 


BotanicoBogariensi  coluntur,  herbaceis 
exceptis.  Fasciculus  I.  Farn  I,  Ranun- 
culaceae  —  Fam  X  Polygalaceae. 
Botaviae   1899. 

Der  Adjunkt  des  Direktors  des 
Botanischen  Gartens  in  Buitenzorg.  der 
bekanntlich  von  Herrn  Prof.  Dr.  Treub 
geleitet  wird,  giebt  hier  eine  höchst 
sorgfältige  Zusammenstellung  aller  in 
dem  reichen  Garten  zu  Buitenzorg 
kultivierten  Gewächse,  mit  Ausnahme 
allerdings  der  krautartigen,  unter  ge- 
nauer Angabe  der  Orte,  wo  die  Arten 
beschrieben  sind  und  der  Synonyme. 
Der  erste  Katalog  erschien  von  B 1  u  m  e 
1823.  der  zweite  von  Hasskarl  1844, 
der  dritte  von  Teysmann  et  Binnen- 
dijk.  Viele  Arbeiten  sind  von  dem 
Verfasser  neu  autgestellt  und  mit  Be- 
schreibungen versehen.  Das  Werk  ist. 
da  es  für  die  ganze  Welt  bestimmt 
ist,  in  lateinischer  Sprache  abgefasst, 
und  ist  für  Systematiker  sehr  wichtig. 

L.  Wittmack. 


J.    C.    Bo erläge,     Catalogus    plan- 
tarum  Phanerogamarum  quae  in  Horto 


Notizblatt  des  Kgl.  bot.  Gartens 
und  Museums  zu  Berlin  N.,  17.  Band 
IL  enthält  I.  E.  Gilg,  giftige  und 
essbare  Strychnos.  II.  H.  Thoms  Unter- 
suchung der  Strychnos  Dekindtiana. 
III.  G.  Volkens,  die  kaktusartigen 
Euphorbien  Ostafrikas,  IV.  Neue  Nutz- 
pflanzen Ostafrikas,  1.  Mascarenhasia 
elastica  K.  Schum  (mit  Abb.),  höchst 
wichtiger  Kautschukbaum,  2.  Cana- 
rium  Liebertianum  Engl,  (liefert  Harz) 
Erythrophloeum  guineense  Don,  Holz 
vorzüglich,  Rinde  sehr  giftig,  zu  Gottes- 
urteilen, 3.  Cordyla  africana  Lour. 
Obst-  und  Schattenbaum,  V.  Neue  Ein- 
führungen des  Berliner  botanischen 
Gartens.  VI.  Diagnosen  neuer  afrika- 
nischer Pflanzenarten. 


Ausstellungen  und  Kongresse.  —  Eingesandte   Preisverzeichnisse. 


2.55 


Ausstellungen  und  Kongresse. 


Petersburg.  III.  internationale 
G  a  r  t  e  n  b  a  u  -  A  u  s  s  t  e  1 1  u  n  g  vom  5 .  1 ; . 
bis   15./37  Mai  1899. 

Es  empfiehlt  sich,  schon  Sonnabend, 
den  i3.  Mai,  Morgens  9  Uhr  2  Min. 
von  Berlin  abzureisen.  Man  ist  dann 
nur  eine  Nacht  auf  der  Eisenbahn 
undkommtSonntag.  den  14.  Mai,  Abends 
ca.    7  Uhr  30  Min.    in    Petersburg    an. 

In  Petersburg  kein  Wasser  trinken! 

*  u.  * 

Wichtig  für  Reisende  nach  Russland. 
In  Gartenflora  No.  8,    S.  222  —  ..Zu 
beachten  für  Reisende  nach  Russland" 
—  möchte  es  lauten: 

1.  Ein  -vom  russischen  Konsul 
visierler'  Pass  ist  absolut  notwendig. 
Um  das  Visum  anstandslos  beim  Konsul 
zu  erhalten,  ist  es  geraten,  im  Besitz 
irgend  eines  Dokumentes  zu  sein,  wel- 
ches beweist,  dass  man  nicht  Israelit 
ist.  z.  I!.  Taufschein.  Konfirmations- 
schein, Trauschein  oder  dergl. 

2.  Der  Zoll  für  Pflanzen  beträgt  pro 
Pud  50  Kop.  in  Gold.  (Ein  Goldrubel 
ist  ca.  4  M.,  also  ca.  2  M.   für    15  kg). 

3.  Ein  Rubel  ist  ca.  2  Mark  16  Pfg. 

4.  Wegen  Logis  wende  man  sich  an 
die  Empfangskommission  der 
Intern.  Gartenbau  -  Ausstellung 
St.  Petersburg*),  und  bemerke  thun- 
lichst,  zu  welchem  Preise  man  ein 
Zimmer  wünscht  —  von  1  Rubel  bis 
2,  3  und  5  Rubel,  und  für  mehrere 
Zimmer  zusammen  -bis  10  Rubel  und 
teurer;  erstere  zwei  Preise  beziehen 
sich  mehr  auf  Chambre  garnis.  — 
Weiter  wolle  man  bemerken,  ob  man 
im  Zentrum  der  Stadt  —  was  an- 
zuraten ist  —  oder  näher  bei  der  Aus- 
stellung zu  logieren  wünscht. 

5.  99  Cigarren  sind  zollfrei. 

II.   F.  Eiler  s,  St.  Petersburg, 
Kameno-<  >strow-Prospekt  23. 

*)  Adresse  Karavannaja  N.   20. 


Gent.  30.  April  bis  9.  Mai  1899. 
Grosse  internationale  Ausstellung.  Das 
Komitee  der  Ligue  Horticole  L'Union 
zu  Mont  St.  Amand  bei  Gent  hat  in 
seiner  letztenSitzung  beschlossen,  sämt- 
lichen ausländischen  Handels- 
gärtnern, welche  zu  ihrer  vom 
30.  April  bis  9.  Mai  stattlindenden  All- 
gemeinen Gartenbau -Ausstellung  in 
Gent  anwesend  sind,  freien  Eintritt 
zu  gestatten,  und  bittet  Kollegen,  welche 
von  dieser  Einladung  Gebrauch  zu 
machen  wünschen,  diese  sobald  als 
möglich  dem  Komitee  anzuzeigen,  damit 
dasselbe  ihnen  eine  Eintrittskarte  für 
die  Dauer  der  Ausstellung  zustellen  kann. 
Bei  dieser  Gelegenheit  veranstaltet  die 
L'Horticulture  Internationale  vormals 
Linden  am  1.  und  2.  Mai  in  Brüssel 
eine  grosse  Pflanzen-Auktion. 


Strassburg  (Elsass).  Gartenbau- 
Ausstellung  des  Gartenbau- Vereins 
des  Unter-Elsasses  vom  10.  Mai  an. 
Anmeldungen  an  den  Vereinspräsi- 
denten Wagner,  Strassburg-Neudorf, 
Polygonstrasse  49. 


Paris.       Früh  jahrs -Aus  Stellung 

der  Societe  nationale  d'Horticulture 
de  France  vom  24. —  29.  Mai.  Anmel- 
dungen an  die  Geschättsstelle  der  Ge- 
sellschaft in  Paris,  Rue  de  Grenellc  84. 


G  r  e  i  f  e  n  b  e  r  g.      F  r  ü  h  j  a  hrs-Aus- 

stellung   des    Gartenbau  -Vereins   am 
28.  Mai.  _■ 

Bie  brich.      Rosen -Ausstellung 

des  Gartenbau-Vereins  im  Juni. 


( !  enf.  Internationale  Gartenbau- 
Ausstellung  der  Societe  liehetique 
d'Horticulture  de  Geneve  vom  14.  bis 
20. Juni.  Anmeldungen  an  G.N  il  seh  n  er 
fils,  Rue  de  Mont  Blanc   17  in  ( renf. 


Eingesandte  Preisverzeichnisse. 


II.  Hildmanns  Cacteen-Züchtcrei  Aloe  etc.  etc.)  Reinhold  Schröter, 
(H.  Fröhlich)  Birkenwerder  bei  Berlin,  dingen  bei  Greussen  in  Thüringen 
an  der  Nfordbahn,  Hauptverzeichnis  i  Xaturholz-Gartenmöbel, C.A.Dietrich 
der  Fettpflanzen-Sammlung.     (Cacteen,   j   ebendaselbst.  Tuffsteine,  Grottensteine. 


256 


Personal-Nachrichten.  —  Sprechsaal.  —  Berichtigungen. 


Personal-Nachrichten. 


A.  Förstel,  Stadtgärtner  inHermann- 
stadt  (Siebenbürgen),  trat  von  seiner 
Stellung  zurück  und  liess  sich  in 
Klagenfurt    als   Handelsgärtner  nieder. 

A.  Rosmanit,  Obergärtner  der  von 
Bredenschen  Gärtnerei  in  Wien,  wurde 
als  Stadtgärtner  in  Hermannstadt  an- 
gestellt. 


J.  Xemeczek,  kaiserlich  königlicher 
Hofgärtner  in  Miramare,  trat  in  den 
Ruhestand  und  wurde  ihm  das  goldene 
Verdienstkreuz  mit  der  Krone  ver- 
liehen. 

Hektor  Eck,  Garten -Ingenieur  in 
Dresden -Blasewitz,  beging  in  aller 
Stille  am  3.  April  sein  5ojähriges  Fach- 
jubiläum. Seine  früheren  Obergärtner 
widmeten  ihrem  verdienstvollen  Meister 
eine  kunstvolle  Glückwunschadresse. 


Paul  Kynast,  Kreis-Obergärtner  in 
Peiskretscham  (O.-S.),  wurde  daselbst 
von  seinen  Freunden  und  Kollegen  aus 
Anlass  seines  2  5  jährigen  Fachjubiläums 
am  3.  April  eine  grössere  Ehrung  dar- 
gebracht. 

Franz  Frydrych,  bisher  Gärtner 
des  pomologischen  Instituts  in  Troja 
bei  Prag,    wurde    als  Gartenbaulehrer 


nach    Tatar    Pazardzik  (Bulgarien)  be- 
rufen. 


Josef  Peschek,  Schlossgärtner  des 
Grafen  Schönborn  in  Lukawitz,  trat 
in  den  Ruhestand. 

Sein  Nachfolger  wurde  J.  Bauer, 
bisher  Schlossgärtner  in  Dlaskowitz. 


Joseph  Häberlein,  bisherigem  An- 
staltsgärtner in  Landsberg,  wurde  vom 
15.  März  ab  die  Stelle  eines  zweiten 
Obergärtners  an  der  kgl.  Gartenbau- 
schule   in  Weihenstephan    übertragen. 


Franz  Rehberg  er,  erzherzoglicher 
Schlossgärtner  in  Wallsee  a.  d.  Donau, 
erhielt  das  silberne  Verdienstkreuz  mit 
der  Krone. 

V.  Vacek,  Baumschulbesitzer  in 
Pametnik  (Böhmen),  erhielt  das  goldene 
Verdienstkreuz  mit  der  Krone. 


J.  Rosen  bürg,  Obergärtner  des 
Baron  Pirquet  in  Hirschstetten,  über- 
nahm die  Leitung  der  Gärten  und 
Baumschule  der  Domäne  Zinkau. 


Anton  Kropatsch,  pensionierter 
kaiserlich  königlicher  Hülfsgärtner, 
starb  in  Wien  im  Alter  von  78  Jahren. 


Sprechsaal. 


Frage  3:    Welches  ist    die    Stamm- 
pflanze der  japanischen  Pflaumen? 
Antwort.     Prunus  triflora  Roxb. 


aus  Indien  und  China.  Mit  dieser  sind 
in  Amerika  die  europäischen  Pflaumen 
gekreuzt.  L.  W. 


Berichtigungen. 

S.  203  lies  unter  den  vorgeschlagenen  Mitgliedern  5.  Herr  Blumenhändler 
Möhrcke,  nicht  Möhricke. 

S.  21g  lies  unter  den  Petersburger  Preisrichtern  A.  IIoss,  Frankfurt 
a.  M.,  nicht  Höss. 


Gartenflora   1899. 


1462. 


AMPELOPSIS  GRAEBNERI  c  bollen.  sp 


Ampelopsis  Graebneri, 

eine  neue  Schlingpflanze  des  freien  Landes. 

Beschrieben    von    Dr.    (.'..    Bolle. 
(Hierzu   Tafel    i  (.62. 1 

s  giebt  eine  wohlbekannte  Gruppe  weinähnlicher  Schlingpflanzen,  deren 
Nomenklatur,  fast  drei  Jahrhunderte  zurückreichend  und  hauptsächlich 
durch  dieLinneischel  ledera  quinquefolia  charakterisiert,  sich  neuerdings,  derZeit- 
strömung  entsprechend,  ungemein  kompliziert  hat.  Heutzutage  muss  man  ihre 
disjeeta  membra  unter  den  Benennungen  Ouinaria,  Parthenocissus  und  Tetra- 
stigma  suchen,  wenn  anders  man  es  nicht  vorzieht,  bei  dem  seit  lange  üblichen 
Namen  Ampelopsis  Michx.  stehen  zu  bleiben.  Wir  ziehen  letzteres  jener  eben 
erwähnten  Zersplitterung  vor,  auf  die  Gefahr  hin,  uns  nicht  auf  der  modernsten 
Höhe  zeitgenössischer  Systematik  zu  halten.  Es  ist  ja  doch  weniger  die  strenge 
Direktive  wissenschaftlicher  Axiome  als  vielmehr  individuelle  Geschmacks- 
richtung, die  bei  solchen  Dingen  entscheidet. 

Die  Familie  der  Ampelideen,  so  weit  über  die  gemässigte  Zone  verbreitet,  ja 
südwärts  über  diese  hinausgreifend,  nimmt  ein  besonderes  Interesse  in  Anspruch, 
da  wenigstens  eine  der  wichtigsten  Nutzpflanzen  des  Menschengeschlechts  ihr  an- 
gehört. Zumal  die  Gattung  Vitis  ist  es,  welche  hierbei  in  Betracht  kommt. 
Wenn,  der  Tracht  nach,  die  Grundform  des  Schlinggewächses  hier  fast  aus- 
schliesslich dominiert,  so  spaltet  dagegen  die  Blattgestalt  alles  hierzu  Gehörige 
in  zwei  ganz  verschiedene  Abteilungen,  je  nachdem  der  Umriss  des  Laubes 
einfach,  mehr  oder  weniger  gelappt  oder  zusammengesetzt,  gefingert,  seltener 
gefiedert  sich  darstellt.  Letztere  Bildung  wollen  wir  in  Nachstehendem  vor- 
zugsweise ins  Auge  fassen;  sie  ist  der  Typus  des  unserer  täglichen  Anschauung 
so  vertrauten  sogenannten  wilden  Weins  (Ampelopsis  hederacea).  Verfolgen 
wir  die  mythologischen  Wurzeln  dieser  Vokabel  ins  Altertum  hinauf,  so  leiten 
uns  dieselben  zu  der  anmutigen  Erscheinung  eines  Götterjünglings,  des  schönen 
Ampelos,  dem  als  einem  Liebling  des  Bacchus,  Verehrung  gezollt  ward.  Nur 
durch  die  etwas  zugespitzte  Ohrmuschel  verrät  die  antike  Kunst  an  ihm  eine 
Beimischung  faunischen  Bluts.  Leicht  erinnert  uns  dies  daran,  wie  in  dei 
Gegenwart  Lombroso  wieder  auf  solch  ein  atavistisches  .Merkmal,  wenn  auch 
nach  ganz  anderer  Richtung  hin.  Gewicht   legen   konnte. 

[ene  Traubenfülle,  die,  in  Noah  und  Bacchus  zuerst  verkörpert,  sich  dem 
stimmungsvollen  Genuss  menschlicher  Daseinsfreude  darbietet,  bleibt  der 
Gattung  Ampelopsis  fremd.  I)ie  Arten,  welche  sie  zusammensetzen,  erzeugen, 
im  Gegensatz  zu  Vitis.  nur  winzige  und  saftarme  Beeren,  die  sich,  für  uns 
hmacklos,  nur  fruchtfressenden  Vögeln,  zumal  des  Drosselgeschlechts,  als 
Nahrung  darbieten.  Dieser  Mangel  gleicht  sich  andererseits  in  befriedigendster 
\\    ise  aus.  wie  sehr  auch  sogar  der  Wohlgeruch    der  Blüte  zurücktritt,    deren 


2^8  Ampelopsis  Graebneri. 


Unscheinbarkeit  später  nur  Früchte  zeitigt,  von  welchen  wir  Nutzen  weder 
empfangen  noch  begehren.  Dagegen  entwickelt  sich  hier  der  Totalwuchs  zu 
Gestaltungen,  die  an  das  Schönste  heranreichen,  welches  wir  von  der  Lianen- 
form zu  erwarten  gewohnt  sind.  Wenige  Gewächse  scheinen  mehr  zum 
Schmuck  der  ßaumwelt  und  des  Gesteins  geschaffen.  Mit  geschmeidigem 
Stamm  und  üppigem  Gerank  zu  schwindelnder  Höhe  hinanreichend,  entfaltet 
der  Wildwein,  weitausgreifend,  einen  Glanz  und  eine  Eleganz  des  Laubes,  die 
Bewunderung  erwecken  müssen.  Bald  spielt  der  Wind  mit  der  Beweglichkeit 
guirlandenartig  niederhängender  Ranken,  bald  sehen  wir  wehmütig  die  Nähe 
des  Herbstes  durch  den  reichen  Purpur  des  Blattausreifens  verkündigt.  Unschein- 
bare Mauerhöhen  bedecken  sich  mit  lieblichem  Grün,  mancherlei  Unschönes 
sanft  verhüllend,  und  je  höher  die  moderne  Architektur  ihre  Bauten  auf- 
türmt, um  desto  wertvoller  und  unentbehrlicher  erscheinen  sothane  Pflanzen 
für  den  Garten,  wohl  am  meisten  diejenigen,  welche  mit  dem  stärksten  Saug- 
apparat ausgerüstet,  als  Selbstklimmer  mitunter  kostspielige  Vorrichtungen  an 
der  kahlen  Wand  entbehrlich  machen. 

Denn  das  ist  ihr  Hauptvorzug,  dass  sie  mittels  axillärer  Ranken  jene 
Schröpfköpfen  vergleichbare  Saugnäpfe  besitzen,  die  die  blossen  Saug-  und  Luft- 
wurzeln des  Epheus  und  derBignonien  übertreffend,  ihr  Aufschweben  zu  höheren 
Regionen  erleichtern.  Allerdings  sind  sie.  je  nach  den  Spezies,  in  verschiedenem 
Maasse  mit  solchen  ausgestattet. 

Diese  Vorzüge  sind  es  gewesen,  welche  früh  schon  die  Ampelopsis  der 
Kultur  zuführten.  Europa  war  ihrer  ursprünglich  nicht  teilhaftig  geworden;  es 
war  erfreut,  sie,  zuerst  wenigstens  eine  Spezies  davon,  aus  Amerika  zu  erhalten, 
Dies  geschah  im  Beginn  des  17.  Jahrhunderts  zur  Zeit  der  ersten  Kolonisierung 
Canadas  durch  die  Franzosen.  Seitdem  kennt  Deutschland  diese  Lianenform 
als  wilden  Wein,  Frankreich  sie  als  Vigne  vierge,  England  als  Virginian  creeper. 
Weit  später  erst  hat  der  ferne  Orient,  am  Himalaya  beginnend  und  in  Japan 
endigend,  uns  wertvolle  Bereicherungen  verwandter  Art  dargeboten,  unter 
welchen  Ampelopsis  Veitchii  durch  enormes  Saugwurzelvermögen  wohl  die 
am  höchsten  zu  schätzende  sein  mag. 

Bei  alledem  scheint  die  westliche  Hemisphäre,  Heimat  des  am  frühesten 
zu  uns  gekommenen  Wildweines,  ihr  Füllhorn  voll  nahestehender  Bildungen 
noch  nicht  erschöpft  zu  haben.  Neuerdings  erst  hat  sie  uns  durch  die  blau- 
grünschimmernde  A.  Engelmanni  überrascht,  welche  von  den  so  reichen 
Späthschen  Baumschulen  aus  jetzt  die  Runde  durch  Deutschland  zu  machen 
verspricht.  Wir  schätzen  uns  glücklich,  dieser  eine  andere  folgen  zu  lassen, 
deren  Kenntnisnahme  sicher  Interesse  erregen  wird.  Bis  jetzt  besitzt  dieselbe, 
und  zwar  anonym,  allein  der  Berliner  botanische  Garten,  aus  welchem  sie  erst, 
klein  und  winzig,  den  Weg  in  nahegelegene  andere  Kulturen  gefunden  haben 
dürfte.  Ihre  Geschichte  ist  in  zwei  Worten  erzählt.  Angeblich  wurde  sie  vor 
wenigen  Jahren  als  Parthenocissus  sp.  aus  Nordafrika  importiert.  Dort  mag 
sie  zuerst  in  Kultur  genommen  worden  sein.  Die  Analogien  der  Pflanzen- 
geographie sowie  alle  Ähnlichkeiten  äusserer  Bildung  weisen  jedoch  gebieterisch 
auf  Nordamerika  als  eigentliches  Vaterland  hin.  Bei  uns  hat  diese  jedenfalls 
neue  Ampelopsis  an  einem  Baumstamm  rankend,  sieben  Jahre  im  Freien  aus- 
gedauert und  dabei  15  m  Höhe  erreicht.  Man  will  in  einem  Sommer  Schöss- 
linge  von  6  m  Länge  sich  entwickeln  gesehen  haben. 


Ainpelopsis  Graebneri. 


259 


Da  es  nicht  gelungen  ist,  auch  nicht  in  der  amerikanischen  Litteratur, 
etwas  über  diesen  hier  zu  charakterisierenden  Wildwein  aufzuspüren,  mag  es 
gerechtfertigt  erscheinen,  wenn  ich  von  ihm  hier  Namen  sowohl  wie  Diagnose 
gebe  und  ihn  als  eine  höchst  beachtungswerte  Neuheit  der  Publizität  über- 
liefere. Er  sei  demjenigen  Botaniker  gewidmet,  der  zuerst  meine  Aufmerksamkeit 
aut  ihn  hinlenkte  und  ebenso  Kulturversuche  mit  ihm  angestellt  hat.  Es  isi 
dies  Herr  Dr.  P.  Graebner,  dem  seine  Forschungen  auf  dem  Gebiet  der 
deutschen  Ilaideflora  schon  früh  einen  ehrenvollen  Platz  in  der  Gelehrtenwelt 
gesichert  haben,  während  er  zur  Zeit  als  Mitarbeiter  an  hervorragenden  Floren- 
werken sich  anschickt,  die  Klassicität  unseres  Ascherson  zu  teilen. 

Im  Begriff,  die  Diagnose  zu  liefern,  verweilen  wir  einen  Augenblick  lang 
mit  einer  Empfindung,  die  nicht  alle  Dunkelheiten  überwunden  hat.  bei  der 
Thatsache  sehr  grosser  Ähnlichkeit,  welche,  wie  die  Ampelopsisarten  überhaupt, 
so  auch  die  gegenwärtige  mit  ihren  Gattungsverwandten  verbindet,  ferner  mit 
dem  Bewusstsein  des  Besitzes  von  nur  massig  ausreichendem  Material,  da 
Blüte  und  Fruchtbildung  hiesigen  Orts  noch  nicht  stattgefunden  haben,  also 
auch  nicht  berücksichtigt  werden  konnten.  Habitus  und  biologische  Eigen- 
tümlichkeiten müssen  hier  aushelfen  und  den  Mangel  strengerer  botanischer 
Kennzeichnung  vor  der  Hand  in  etwas  ausgleichen.  Uns  erschien  als  wünschens- 
wert, dem  Namen  die  Priorität,  der  Pflanze  die  Notorietät  zu  sichern.  Jeden- 
falls hiltt  auch  das  beigefügte  wahrhaft  vortreffliche  und  dabei  überaus  treue  Bild. 
von  der  Pland  der  Frau  Dr.  Marie  Graebner,  Mutter  des  Botanikers,  gezeichnet 
und  koloriert,  über  alle  Wortschilderung  hinaus,  um  trotz  der  Beschränkung 
letzterer  auf  rein  vegetative,  zum  Teil  sogar  nur  relative  Kennzeichen,  eine 
leichtere  Anschauung  von  dem  spezifischen  Wert  der  Pflanze  zu  gewinnen. 

Ampelopsis  Graebneri.  Ble.  Frutescens,  alte  scandens,  summopere  vegeta, 
ramis  crebris  acetabulis  palmitium  insigniter  adhaerentibus,  junioribus  tenuibus, 
dense  velutinis,  gemmis  rubris,  foliis  digitatis,  foliolis  subelongatis,  apice  pro- 
dueto,  margine  grosse-serratis,  plerumqüe  minoribus  quam  in  speciebus  affinibus, 
marginali  parvulo,  omnibus  undique  velutinis,  laete  viridibus.  auetumnalibus 
splendide  purpurescentibus,  colore  firmo,  coma  serius  cadente.  Flore  fruetuque 
hueusque  ignotis. 

Es  zeichnet  sich  mithin  die  Neuheit  vor  A.  quinquefolia  aus  durch  sehr 
viel  stärkere  Vervollkommnung  der  Saugnapfbildung  und  durch  allseits  sammet- 
artige  Behaarung  von  Blatt  und  Blättchen;  ferner  durch  noch  weit  intensiveres 
Herbstkolorit;  A.  Engelmanni  hat  im  Gegensatz  zu  Graebneri  blaugrünes  und 
unbehaartes  Laub  und  ebenso  wie  A.  quinquefolia  grüne,  nicht  rote  Knospen. 
A.  hirsuta  unterscheidet  sich  auf  den  ersten  Blick  eine  fast  zottige  Behaarung.  A. 
radicantissima  durch  das  Zurückstehen  der  auctumnalen  Verfärbung. 

Es  würde  zu  weit  führen,  alle  übrigen  Unterscheidungsmerkmale  zwischen 

A.    Graebneri     und     seinen     Gattungsverwandten     des     Breiteren     aufzuführen. 

Schliesslich  sei  noch  bemerkt,  dass  sich  die  rote  Herbstfärbung  selbst  in  vollem 

Schatten   herstellt   und    erhält.     Dem    Kultivateur    wird    es    wichtig    sein,    dass 

.linge  unserer  Art  sich  mit  Leichtigkeit   bewurzeln,    während    dies    bei  A. 

hü  bekanntlich  den  grössten  Schwierigkeiten  begegnet.  Für  schnelle  Ver- 
breitung der  Neuheit  dürften  die  Bedingungen  daher  günstiger  sein.  Auch  als 
Zimmerpflanze  hat  sich  A.  Graebneri  erfahrungsgemäss  bewährt;  möge  sie  daher 
au>  all   diesen  Gründen  weiteren  Kreisen  recht  angelegentlich   empfohlen  sein. 


26o  858.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 

858.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues 

am  27.  April  1899. 

I.  Der  Direktor  des  Vereins,  Kgl.  Gartenbaudirektor  Carl  Lackner,  verlas 
das  Dankschreiben  des  Herrn  Geh.  Regierungsrat  Prof.  Dr.  Schwendend" 
für  seine  Ernennung  zum  Ehrenmitgliede,  das  besonders  abgedruckt  wird. 
(Siehe  S.  27g.) 

IL  Vorgeschlagen  wurde  zum  wirklichen  Mitgliede: 

Herr  C.  Jokisch,  Obstbaumschule  in  Gransee,  durch  Herrn  Hof- 
lieferant J.  F.  Loock. 
III.  Ausgestellte  Gegenstände.  1.  Herr  Rentier  Carl  Kneiff  in  Nordhausen 
hatte  ausser  Wettbewerb  eine  Neuheit:  Aruncus  Silvester  Kosteletzky 
var.  Kneifii  Zabel,  die  sich  durch  ihre  fein  zerschlitzten  Blätter  auszeichnet, 
übersandt,  mit  der  er  zum  eisten  Male  einen  Lreibversuch  gemacht  hatte. 
»Leider«,  schrieb  Herr  Kneiff,  »ist  die  Blüte  bei  dem  Mangel  an  Sonnen- 
schein nicht  so  weit  entwickelt,  wie  ich  es  gewünscht  hätte.  Es  ist  der  erste 
Versuch,  und  müssen  die  Pflanzen  wahrscheinlich  zu  dem  Zweck  vor- 
bereitet werden«.  Über  diese  Pflanze  wird  später  ein  besonderer  Artikel 
erscheinen. 

2.  Geradezu  Bewunderung  erregten  die  zahlreichen  (ca.  40)  Körbe  mit 
Äpfeln  aus  dem  Garten  des  Herrn  Kommerzienrat  C.  Bolle  zu  Marienhain 
bei  Köpenick,  die  Herr  Obergärtner  Greinig  ausser  Preisbewerb  vorführte. 
Sie  waren  so  schön  erhalten,  als  wenn  sie  vor  kurzem  erst  gepflückt 
wären.  Herr  Grein  ig  hatte  sie  in  Torf  streu  aufbewahrt,  die  aber  gesiebt 
war,  um  die  gröbsten  Teile  zu  entfernen.  Diese  Torfstreu  muss  man 
aber  während  des  ganzen  Sommers  flach  ausgebreitet  liegen  lassen  und 
öfter  wenden,  damit  sie  ihren  Geruch  verliert.  Vor  allem  muss  man 
auch  das  Obst  erst  nach  dem  Schwitzen  einlegen.  In  einer  Kiste  von 
1    qm  Fläche  kann  man  4 — 5  Ctr.  Obst  aufbewahren. 

3.  Die  Firma  Mayfarth  &  Co..  Berlin-Frankfurt  a.  Main,  hatte  bereits 
vor  der  Versammlung  eine  neue  Spritze  zum  Töten  der  Blutläuse  im 
Garten  demonstriert.  Die  Spritze  an  sich  ist  zwar  nicht  neu,  es  ist  die 
bekannte  und  bewährte  Syphonia-Spritze,  die  mit  komprimierter  Luft 
arbeitet,  neu  ist  aber  daran,  dass  ein  Apparat  eingeschaltet  ist,  um  eine 
Mischung  von  Petroleum  und  Wasser  vornehmen  zu  können.  Dieser 
Apparat  ist  von  Dr.  Lossen  in  Wiesbaden  erfunden  und  der  Firma 
Mayfarth  &  Co.  zur  Fabrikation  übergeben.  Es  ist  eine  Flasche,  die 
3/4  mit  Petroleum  gefüllt  wird;  1n  diese  tritt  der  Wasserstrahl  und  mischt 
sich  mit  Petroleum,  reisst  dieses  mit  sich  fort  und  bildet  eine  so  feine 
Emulsion,  dass  sie  wie  Milch  erscheint. 

Bei  den  Versuchen  im  Freien  hatte  sich  ergeben,  dass  der  Apparat 
das  Gemisch  ausserordentlich  fein  zerstäubt,  man  hatte  aber  die  Be- 
fürchtung, dass  die  Blätter  durch  das  Petroleumgemisch  litten.  Für  be- 
laubte Pflanzen  ist  übrigens  die  Lösung  gar  nicht  bestimmt,  sondern  viel- 
mehr zur  Bespritzung  der  Bäume  im  unbelaubten  Zustande. 

Die  Syphonia-Spritze  selbst  dient  zum  Bespritzen  der  Weinstöcke  und 
Obstbäume   mit    Kupferkalk-  (Bordelaiser)  Brühe,    sowie    neuerdings    auch 


858.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  o'H 

zum  Vernichten  des  Hederichs  durch  Bespritzen  mit  verdünnter  Eisen- 
vitriollösung. 

Herr  Prot'.  Dr.  Sorauer:  Im  Kgl.  botanischen  Garten  ist  auf  meine 
Anregung  eine  Ma\  farthsche  Syphonia-Spritze  angeschafft,  um  verschiedene 
Üespritzungsmittel  zu  probieren  und  ist  man  mit  ihr  sehr  zufrieden,  nur 
beim  Bespritzen  mit  Kupiervitriol-Kalkbrühe  tritt,  wenn  letztere  anfängt 
etwas  dick  zu  werden,  leicht  Verstopfung  ein.  Aber  gegen  Blutläuse 
dürfte  alles  Spritzen  nicht  helfen,  da  man  die  in  den  Ritzen  sitzenden 
Läuse  nicht  alle  treffen  kann.  Das  beste  Mittel  ist  da  das  Ausbürsten 
der  befallenen  Stellen  mit  Petroleummischung  oder  Petroleum-Seifen- 
mischung im  Winter,  und  wenn  sich  im  Sommer  doch  noch  Zweige  be- 
lallen zeigen,  das  Abschneiden  und  Verbrennen  derselben. 

Herr  Lehmann  empfiehlt  die  Spritze  von  C.  Jokisch  in  Gransee.  die 
nur  3,75  M.  kostet  und  bis  6  m  hoch  spritzt;  auch  in  Züllichau,  wo  ver- 
schiedene Spritzen  ausgestellt  waren,  fand  sie  vielen  Beifall;  Herr  Jokisch 
verkauft  Tausende.  Herr  Prof.  Sorauer  bittet,  dass  Herr  Jokisch  sie 
dem  Verein  vorführen  möge.  Herr  Kgl.  Garteninspektor  Weber  be- 
merkt, dass  die  Jokischsche  Spritze  eine  ganz  gewöhnliche  Handspritze 
sei,  aber  eine  Manschette  in  der  Mitte  habe,  die  es  verhindert,  dass  der 
Spritzende  sich  beschmutzt. 

Herr  Mehl  empfiehlt  die  Gewächshausspritze  des  Herrn  Klempner- 
meister Hildebrandt  in  Lankwitz  bei  Berlin,  die  in  eine  Wanne  gesetzt 
wird  und  sowohl  beim  Auf-  wie  beim  Niederziehen  spritzt  und  ca.  20  bis 
22  M.  kostet.  Herr  Bluth:  Die  Hildebrandtsche  Spritze  ist  ein  so- 
genannter Zerstäuber  für  Gewächshäuser,  ein  Mann  kann  mit  dem  Fuss 
dieselbe  festhalten,  mit  der  einen  Hand  drücken,  mit  der  anderen  den 
Schlauch  leiten,  sie  arbeitet  gut,  aber  blau  wird  der  Spritzer  von  Kupfer- 
vitriollösung auch.  Das  feine  Verstäuben  führt  bei  starkem  Winde  nicht 
zum  Ziel,  da  der  Wind  den  Staub  ablenkt,  ausserdem  kann  man  auf 
einer  Leiter  stehend,  sie  nicht  anwenden.  Herr  Mehl:  Es  ist  nicht  nötig, 
auf  einer  Leiter  zu  stehen,  ich  habe  bis  5  m  hohe  Pyramiden  damit 
bespritzt. 

4.  Herr  Dittmann  -  Eberswalde  erläutert  an  Beispielen  die  Ver- 
edelung neuer  Cactus-Dahlien  auf  Knollen  älterer  Georginen- 
sorten, das  sich  bei  ihm  ausgezeichnet  bewährt  hat.  Die  Knollen 
werden  in  Töpfe  gepflanzt,  in  den  Spalt  gepfropft,  mit  Lehm  umschmiert, 
mit  feuchtem  Moos  umwickelt  und  in  einen  warmen  Mistbeetkasten 
gesetzt,  da  wachsen  die  Edelreiser  in  8  — 14  Tagen  an.  Die  austreibenden 
Triebe  kann  man  wieder  zur  Veredelung  benutzen  und  so  aus  einem 
grünen  Triebe  9  —  10  Pflanzen  machen. 

Herr  Kohlmannslehner  warnt  vor  dieser  Veredelung,  weil  in  sehr 
vielen  Fällen  die  so  veredelte  Knolle  im  nächsten  Jahre  nicht  austreibt. 
Es  empfiehlt  sich,  wenigstens  recht  tief  zu  pflanzen,  so  dass  das  Edelreis 
Wurzeln  und  selbst  Knollen  bildet.  Die  deutsche  Dahlien-Gesellschaft 
hat  ihre  Mitglieder  gebeten,  das  Verfahren  nicht  anzuwenden.  Wenn  es 
sich  nur  um  die  Vermehrung  neuer  Sorten  handelt,  ist  es  sehr  vorteilhaft. 
Herr  Dittmann  verteidigt  sein  Verfahren  und  bemerkt,  es  sei  nicht  aus- 
geschlossen, vielleicht    dadurch  Pfropfhybriden    zu    erzeugen.     Herr  van 


252  858.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc. 


der  Smissen  tritt  Herrn  Kohlmannslehner  bei,  es  ist  leider  oft  die 
Erfahrung  zu  machen,  dass,  wenn  man  Neuheiten  gekauft  hat,  sie  im 
nächsten  Jahre  nicht  austreiben,  weil  sie  veredelt  waren.  Er  bittet  mit 
dem  Urteil  bis  zum  nächsten  Jahre  zu  warten.  Herr  Wien  holz:  Um 
blühende  Topfpflanzen  zu  erhalten,  ist  die  Veredelung  sehr  gut,  aber  zur 
Weiterkultur  im  Lande  nicht.  Zur  Vermehrung  ist  es  viel  besser,  Steck- 
linge zu  machen. 

5.  Aus  dem  Königl.  botanischen  Garten  war  eine  Reihe  höchst 
interessanter  Pflanzen  ausgestellt.  Herr  Obergärtner  Strauss  führte  be- 
sonders schöne  Neuholländer  vor,  Herr  Obergärtner  Cornils  ein 
wahres  Schaustück:  Acalypha  hispida  Blume,  mit  fast  V2  m  langen 
purpurroten  Ähren,  die  wie  beim  Fuchsschwanz  herabhängen,  eine  Pflanze, 
welche  unter  dem  Namen  A.  Sanderi  in  Gent  1S98  so  grosses  Aufsehen  als 
Neuheit  gemacht  hat,  sowie  ferner  Amorphophallus  bulbifer  Blume  var. 
lineatus  Engl,  eine  Araceae  mit  seltsamem  Blütenstande.  Von  den  Neu- 
holländern zeichneten  sich  besonders  aus:  Aotus  gracillima  mit  schön 
goldgelben  Ähren  und  Pimelea  spectabilis. 

Herr  Cornils  bemerkte,  dass  die  Acalypha  hispida  sehr  viel  Dung 
und  sehr  viel  Sonne  erhalten  habe,  er  habe  in  andern  Gärten  Exemplare 
gesehen,  die  nicht  so  der  Sonne  ausgesetzt  waren  und  infolge  dessen  nicht 
so  intensive  Blütenfarbe  zeigten.  L.  Wittmack  wies  darauf  hin,  dass  die 
Pflanze  bis  jetzt  nur  in  weiblichen  Exemplaren  eingeführt  sei  und  dass 
die  zahlreichen  purpurroten  Narben  es  sind,  welche  dem  Blütenstand  die 
schöne  Farbe  verleihen.     Die  Pflanze  ist  abgebildet  Gartenfl.  1898  S.  276. 

Herr  Bluth  berichtete  von  der  früher  so  sehr  verbreiteten  Kultur  der 
Pimelea  spectabilis.  Vor  40—50  Jahren  wurde  sie  in  Berlin  von 
Zietemann,  Priem  u.  a.  massenhaft  gezogen,  es  war  eine  Marktpflanze, 
fast  so  häufig  wie  Pelargonien,  man  erhielt  auf  dem  Dönhoffsplatz  für 
einen  Topf  etwa  8  gute  Groschen,  also  1  Mark.  Es  ist  eine  ausgezeichnete 
Pflanze,  ob  man  sie  aber  jetzt  verkaufen  würde,  bleibt  fraglich.  (Herr 
Kohlmannslehner:  Sicherlich!)  Alle  schönen  Neuholländer,  Chori- 
zema  etc.  etc.,  die  auf  Ausstellungen  in  grossen  Kulturexemplaren  ge- 
zeigt werden,  wurden  früher  als  Marktpflanzen  gezogen.  Herr  Haubold 
in  Dresden,  der  auch  die  Liebe  zu  den  Neuholländern  wieder  entflammen 
möchte,  hat  die  Kultur  der  Mitraria  coccinea  wieder  begonnen,  aber 
rechten  Anklang  finden  sie  nicht.  Dass  die  Neuholländer  heute  so  wenig 
gekauft  werden,  liegt  z.  T.  daran,  dass  die  Gärtner  nicht  mehr  direkt 
mit  dem  Publikum,  sondern  mit  dem  Händler  verkehren.  Der  Händler 
aber  nimmt  nur  das,  was  schlanken  Absatz  findet,  sich  leichter  trans- 
portiert und  ihm  am  meisten  Verdienst  abwirft.  In  kleineren  Städten, 
namentlich  auch  in  Badeorten,  werden  seltenere  Pflanzen  weit  eher 
gekauft. 

Betreffs  der  Acalypha  bemerkte  Herr  Bluth,  dass  auch  von  Acal. 
musaica  nur  die  weibliche  Pflanze  in  Kultur  sei. 

Herr  Professor  Dr.  Carl  Müller  wies  im  Hinblick  auf  den  aus- 
gestellten Amorphophallus  bullifer  auf  den  Riesen  unter  den 
Araceen:  Amorphophallus  Titanum  Beccari  hin,  den  Beccari  auf 
den  malayischen  Inseln  entdeckt  hat.     Der  Knollen  hat  \'.2 — 3/4  m  Durch- 


858.  Versammlung  des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues  etc.  263 

messer,  der  Blütenschaft  die  Dicke  eines  Armes,  die  Blütenscheide  einen 
oberen  Durchmesser  von  :! \  m  und  die  ganze  Pflanze  eine  Höhe  von 
3 — 4  m.  Das  ist  nur  zu  erklären  durch  den  reichen  Humus  des  dortigen 
l'rwaldes.  Auch  in  der  Technischen  Hochschule  zu  Charlottenburg  er- 
zielt Herr  Obergärtner  Müller  bei  Amorphophallus  Rivieri  ausgezeichnete 
Resultate,    indem    er    ihm    im  Herbst    eine    fette   Kompostmasse   bereitet. 

6.  Herr  Robert  Moncorps  legte  die  vor  Kurzem  aus  Italien  be- 
zogenen Kartoffeln  »Ätna«  vor.  welche  angekeimt  versandt,  aber  nicht 
gewachsen  und  jetzt  ganz  verfault  sind.  Er  fürchtet,  sie  seien  ge- 
räuchert gewesen,  um  das  zu  schnelle  Auskeimen  zu  verhindern.  Herr 
Prof.  Sorauer  bezweifelt  das.  Die  andere  Sorte  »Vesuv«  hat  sich  besser 
entwickelt. 

7.  Herr  Dietze  erfreute  die  Versammlung  durch  wahrhaft  entzückende 
Marschall-Niel-Rosen  von  einer  fast  ungesehenen  Grösse.  Er  berichtete 
darüber:  Die  Rosen  sind  1886  gepflanzt,  und  zwar  in  einem  Hause  von 
2^  m  Länge  und  3  m  Breite  24  Stück;  von  denen  finden  sich  jetzt  noch 
id.  die  alle  noch  vortrefflich  tragen.  Oft  meint  man,  die  Niel-Rosen 
tragen  nur  in  der  Jugend  gut,  das  ist  nicht  richtig,  man  muss  nur  die 
Rosen  nach  dem  Abblühen  gut  düngen  und  reichlich  giessen,  damit  sie 
kräftiges  Holz  machen.  Die  Blütezeit  wird  bei  mir  jetzt  in  3—4  Wocheu 
beendet  sein,  dann  fülle  ich  Kuhdung  auf  die  Beete,  auf  denen  die  Rosen 
ausgepflanzt  stehen,  und  begiesse  diesen  mit  dem  Schlauch.  Nach  4  Tagen 
kommt  der  Dung  wieder  hinaus,  dann  aber  dünge  ich  noch  einmal 
während  des  Sommers  mit  lU  kg  Chilisalpeter  und  nach  14  Tagen  noch 
einmal  mit  der  gleichen  Menge.  Vor  der  Blütezeit  gebe  ich  etwas  schwefel- 
saures Ammoniak  und  schreibe  ich  diesem  den  schön  rötlichen  Hauch 
der  Blumen  zu.  Zu  viel  darf  man  aber  nicht  düngen,  sonst  fallen  die 
Knospen  ab,  darum  darf  man  auch  nicht  gleich  nach  dem  Ausstreuen 
des  Düngers  Wasser  darauf  giessen. 

8.  Herr  Kgl.  Gartenbaudirektor  Carl  Mathieu  legt  die  Birne  »Directeur 
Alphand«,  eine  hübsche  Schaufrucht,  vor,  wie  die  Belle  Angevine  und  die 
Späte  von  Toulouse,  aber  ebenso  wie  diese  von  Geschmack  einer  Kohlrübe. 

IV.  Hierauf  hielt  Herr  Prof.  Dr.  Carl  Müller  einen  mit  ausserordentlichem 
Beifall  aufgenommenen  Vortrag  über  die  Blütenfarben,  ihre  Entstehung 
und  Xüancierung.  Wir  hoffen  diesen  interessanten  Vortrag  gelegentlich 
bringen  zu  können.  Heute  sei  nur  kurz  erwähnt,  dass  das  Weiss  der 
Blumen  durch  farblose  Zellen,  zwischen  denen  viele  Luftlücken  sind,  er- 
zeugt wird,  das  Blau  durch  blauen  Zellsaft,  der  sich  durch  Säuren  rot 
färbt,  das  Gelb  durch  gelb  gefärbte  Protoplasmakörner  (Xanthophyll) 
ähnlich  wie  das  Grün    durch  die  Chlorophyllkörner.  Anknüpfend    an 

--inen  Vortrag  über  das  Ivessche  Dreifarbensystem  (Gartenfl.  1899, 
S.  147).  wies  der  Redner  daraufhin,  dass  die  Natur  ebenfalls  mit  3  Farben, 
aber  nicht  Blau,  Rot,  Grün,  sondern  Blau,  Rot  und  Gelb  arbeitet.  Das 
sammetartige  Aussehen  wird  durch  dichte,  hervorstehende  Zäpfchen  (Haare) 
wie  beim  echten  Sammet  bewirkt. 
V.  Der  Etat  für  1890  wurde  in  zweiter  Lesung  ohne  Debatte  genehmigt.  Er 
schliesst  in  Einnahme  mit  22592  M.  50  Pf.,  in  Ausgabe  mit  20295  M.  ab. 
Hierin  sind  einbegriffen  2000  M.  für  Vorbereitung  der  Grossen    deutschen 


2(5/1  Primula  obconica,  ihr  Wert,  ihre  Verwendung  und  Anzucht. 

Winterblumen-Ausstellung  im  Zoologischen  Garten,  sodass  ein  Überschuss 
von  2297  M.  verbleibt. 

VI.  Auf  eine  Anfrage  des  Herrn  Kgl.  Gartenbaudirektor  Grussdorf.  Quedlin- 
burg über  Gewächshäuser  aus  hohlen  Glaskörpern,  bemerkt  Herr  Bluth. 
dass  sich  feine  Haarrisse  in  dem  Glase  bilden,  durch  die  Wasser  nach 
dem  Innern  der  hohlen  Körper  tritt  und  sich  daselbst  Rost  ansetzt.  Herr 
Cornils  berichtet,  dass  sich  öfter  ein  Riss  nahe  am  Boden  bildet  und 
dann  mit  einem  Knall  der  Boden  abspringt.  Auch  sammelt  sich  im 
Winter  der  Schnee  in  den  Fugen. 

VII.  Das  Preisgericht,  bestehend  aus  denHerren  Rosenzüchter  Hering,  Potsdam, 
Gartenbaudirektor  C.  Mathieu,  Charlottenburg  und  Geh.  Rechnungsrat 
Schmidt,  Berlin,  sprach  den  schönen  Xiel-Rosen  des  Herrn  E.  Dietze- 
Steglitz  den  Monatspreis  von  15  Mark  zu. 

C.  Lackner.  L.  Wittmack. 


Primula  obconica,  ihr  Wert,  ihre  Verwendung  und  Anzucht. 

Von  Adam  Heydt,  v.  Podbielskischer  Schlossgärtner  zu  Dallmin  (Prignitz). 
)|ln  Xo.  8  unserer  »Gartenflora«  S.  203  wird  in  dem  Bericht  der  Versammlung 
^   vom  23.   März    der    Primula  obconica    Erwähnung    gethan    und  von    Herrn 
Kretschmann-Pankow  besonders  hervorgehoben,  dass  sie  zur  Schnittblumen- 
zucht und  als  Topfpflanze    sehr    geeignet  sei.     Dieses    giebt    mir  Veranlassung 
zur  Besprechung  obigen  Themas. 

Primula  obconica  wurde  früher  gar  nicht  geachtet;  nachdem  aber  dieselbe 
von  Arends  &  Pfeiffer  in  Xieder-Ronsdorf  (Rheinprovinz)  durch  sorgfältige 
Kultur  verbessert  worden,  hat  sie  sich  nach  und  nach  die  Gunst  vieler  be- 
deutender Fachleute  erworben.  Herr  Kretschmann  sagt,  die  Kultur  sei  sehr 
einfach  und  säe  er  sie  zwischen  Juli  und  August  aus.  Demgegenüber  möchte 
ich  erwidern,  dass  für  die  Aussaat  die  allergünstigste  Zeit  wohl  März — April 
ist,  ich  aber  die  Aussaat  im  Februar — April — Mai  für  am  vorteilhaftesten 
halte,  und  zwar  aus  folgenden  Gründen:  Die  P.  obconica,  die  jetzt  gesäet 
werden,  blühen  von  August,  ja  schon  von  Juli  bis  Juni  des  folgenden  Jahres 
ab,  so  zu  sagen  immerwährend,  vorausgesetzt,  dass  sie  gut  gepflegt  werden. 
Die  Zeit  im  Spätherbst,  nachdem  die  Chrysanthemum  verblüht  sind,  ist  diejenige, 
von  welcher  ab  die  P.  obconica  als  Schnittblume  hervortritt;  besonders  dem 
kleineren  Handelsgärtner  sind  sie  dann  willkommen,  besitzen  sie  doch  lange, 
kräftige  Stiele  und  eine  Blumenfarbe  moderner  Richtung,  die  sich  zu  fast  allen 
Bindereien  gut  benutzen  lässt.  Doch  das  nicht  allein,  sie  ist  eine  der  dank- 
bar blühendsten  Topfblumen  für  das  Zimmer  und  ich  möchte  den  Mitgliedern 
des  Vereins  zur  Beförderung  des  Gartenbaues,  die  sich  mit  Zimmergärtnerei 
befassen,  nur  anraten,  sich  diese  P.  obconica  zuzulegen;  die  Freude  daran 
bleibt  nicht  aus,  ist  es  doch  eine  Pflanze,  die  auch  einmal  sehr  trocken  oder 
auch  einmal  etwas  zu  nass  werden  kann,  ohne  dass  dieses  ihr  sehr  schadet. 
Sie  verlangt  im  allgemeinen  feuchten  Boden  und  fühlt  sich  am  Fensterbrett 
des  Zimmers  am  wohlsten. 

Doch  zurück  zu  dem  Standpunkt,  von  dem  aus  Herr  Kretschmann  die 
P.  obconica-Kultur  betrachtet,  welche  wohl  darin  besteht,  speziell  fürs  Frühjahr 


Primula  obconica.   ihr  Wert,  ihre  Verwendung  und  Anzucht.  26^ 


blühende  Pflanzen  zu  haben;  dann  mag  für  den  Grossbetrieb  die  Aussaat  im 
Sommer  passen,  da  ist  sie  angebracht,  doch  sollte  der  Handelsgärtner  nicht 
übersehen,  dass,  wenn  die  Blüte  im  Herbste  beginnt  und  ununterbrochen  anhält, 
ihm  diese  Primel  eine  gute  Einnahme  verspricht,  er  auch  im  Frühjahr  keinen 
Nachteil  von  den  dann  einjährigen  Primeln  hat.  Handelsgärtner  sollen  und 
müssen  bei  jeder  Kultur  zuerst  den  pekuniären  Erfolg  im  Auge  haben.  Auch 
ich  kultiviere  P.  obconica  seit  einigen  Jahren  zur  Winterblumenzucht  mit  dem 
besten  Erfolg. 

Gewöhnlich  säe  ich,  wie  auch  heuer,  den  Samen,  in  Lauberde  und  Sand, 
so  etwa  im  Februar — März  aus,  mit  anderen  im  Februar  zu  säenden  Topf- 
pflanzen. Den  Samen  stelle  ich  dann  bis  zum  Keimen  ins  Temperierhaus  und 
wird  er  eben  feucht  gehalten.  Bedecken  mit  Glasscheiben  erfolgt  nicht,  denn 
dieses  ist  überflüssig.  Sobald  sich  die  Samenpfiänzchen  soweit  entwickelt 
haben,  dass  sie  pikierfähig  sind,  werden  sie  in  genügendem  Abstand  in  genannte 
Erdmischung  pikiert  und  bleiben  die  Kästen  vorläufig  in  demselben  Haus. 
Begiessen  und  Spritzen  erfolgt,  wenn  notwendig;  dieses  sind  Handgriffe,  die  ein 
Fachmann  von  selbst  verstehen  muss.  Wachsen  die  P.  nun  ordentlich  heraus, 
so  stelle  ich  sie  ins  Kalthaus,  pikiere  sie  auch  nochmals,  wenn  es  eben  er- 
forderlich ist;  dann,  so  um  Mai  herum,  wenn  einige  Fenster  in  den  Mist- 
beeten frei  werden,  wird  die  Misterde  in  denselben  mit  Sand  vermengt  und 
die  P.  in  Abstand  von  20 — 25  cm  ausgepflanzt.  Nach  etwa  14  Tagen,  wenn 
die  P.  im  Zuge  sind,  d.  h.  kräftig  in  Entwicklung  treten,  werden  die  Fenster 
auf  Latten  gelegt,  so  dass  etwa  10  cm  hoch  Luft  nach  allen  Seiten  hinzu  kann. 
Die  Fenster  bleiben  darauf  liegen  und  wird  bei  Sonnenschein  schattiert,  am 
besten  mit  Deckbrettern.  Das  Schattieren  durch  Bestreichen  der  Fenster  mit 
Kalk  habe  ich  aus  praktischen  Gründen:  weil  bei  mangelndem  Sonnenlicht  die 
Pflanzen  zu  düster  stehen  und  das  Schattieren  nur  einige  Stunden  notwendig 
ist.  weiter  nicht  angewandt,  wie  ich  überhaupt  diese  Schattierung  nicht  weiter 
empfehlen  mag. 

Im  Laufe  des  Sommers  werden  nun  die  P.  feucht  gehalten  und  morgens 
vor  dem  Beschatten,  sowie  mittags  nach  demselben  leicht  bespritzt.  Ein  weiteres 
Haupterfordernis  ist  das  Auskneifen  der  Knospen,  damit  sich  vorerst  genügende 
Blätter  mit  Reservenahrung  bilden,  die  nachher  im  Stande  sind,  grosse  und 
viele  Blumen  dauernd  zu  ernähren.  Die  Knospen  lasse  ich  erst  von  Mitte 
August  ab  durchgehen,  damit  im  September,  falls  ein  Nachtfrost  die  Blumen 
im  Freien  zerstört,  die  Primeln  ein  verwendbares  Material  liefern.  Die 
Pflanzen  den  Sommer  über  blühen  zu  lassen  ist  deshalb  unnütz,  weil  um  diese 
Zeit  genug  andere  Blumen  blühen  und  Primula  obconica  viel  zu  wertvoll  ist, 
um   als  Sommerblume  zu  dienen. 

Um  die  Pflanzen  zu  stärken  und  zu  kräftigen,  ist  es  thunlich,  dieselben 
alle     14  Tage    zu   düngen.     Im    letzten    Jahre    verwandte    ich    sehr  vorteilhaft 

ers     Nährsalz«,  doch  vorher    immer  verdünnten    aufgelösten    Hühnermist. 

Mitte  August  pflanzt  man  die  dann  sehr  starken  Primula  obconica  in  5Z0II. 
Töpte  und  pflegt  sie  vorerst  auf  bekannte  Art,  wie  man  eben  frisch  eingetopfte 
Pflanzen  zu  halten  gewohnt  ist.  Nachher  lüfte  man  tleissig  und  bringe  die 
Primeln  ja  nicht  zu  früh  ins  Gewächshaus.  Ich  empfehle,  einen  Teil  in  kalten 
Kästen  zu  belassen,  da  Frost,  wenn  die  Kästen  bedeckt,  nicht  weiter  schadet, 
und    man    nachher,  wenn    der    getriebene  Teil  nachlässt,    frische    Pflanzen    ins 


2(5(5  Primula  obconica,  ihr  Wert,  ihre  Verwendung  und  Anzucht. 

Haus  stellen  kann.  Auf  diese  Art  und  Weise  hat  man  im  Winter  die  Primeln 
in  Hülle  und  Fülle  in  Blüte. 

Am  besten  blühen  sie  in  einem  recht  hellen,  mit  nicht  zu  feuchter  Luft 
erfüllten  Hause  bei  10 — 12 °  Wärme.  Bei  höherer  Wärme  beobachtete  ich 
kleinere  Blüten  und  mattere  Farbe  derselben. 

Vor  einiger  Zeit  ging  eine  Notiz  durch  die  Zeitung,  dass  Primula  obconica 
giftig  sei,  d.  h.  dass  die  feinen  Härchen  der  Blatt-  und  Blumenstiele  bei  Be- 
rührung mit  der  Haut  der  Hand  Schwellungen  u.  s.  w.  verursachen; 
dies  mag  wohl  zutreffen  bei  solchen  Personen,  die  ganz  zarte  Hände  haben, 
aber  mir  persönlich  ist  ein  solcher  Fall  nicht  bekannt,  weshalb  ich,  trotzdem 
ich  viel  mit  P.  ob.  hantierte,  dieser  Eigenschaft  keine  oder  wenige  Beachtung 
schenkte.  Der  Wert  in  blumistischer  Beziehung  ist  viel  zu  gross,  sei  es  fin- 
den Handelsgärtner  oder  Dilettanten,  als  dass  eine  derartige  Eigenschaft  mass- 
gebend werden  darf,  um  diese  Primel  der  Kultur  vorzuenthalten. 

Im  Zimmer  hält  sich  P.  obconica  ebenfalls  sehr  lange  und  gut.  In  diesem 
Jahre  will  ich  versuchen,  ob  sich  Primula  obconica  als  Gruppenpflanze 
verwenden  lässt  und  werde  dann  das  Resultat  hier  bekannt  geben. 

Auch  hege  ich  die  Absicht,  meine  jetzt  schon  lange  pikierten  Primeln 
auf  der  grossen  Berliner  Winterblumen-Ausstellung  im  nächsten  Jahr  aus- 
zustellen, um  einen  Vergleich  mit  Herrn  Kretschmanns  Sommeraussaaten  zu 
haben,  die  zu  der  Zeit  dann  erst  zu  blühen  anfangen,  während  die  meinigen 
dann  schon  viele  Blumen  gebracht  haben. 

Bei  Durchsicht  des  Obigen  wird  man  ersehen,  dass  die  Anzucht  und 
Pflege  dieser  Primeln  sehr  lukrativ  ist,  Pflanzen  bis  60  cm  Durchmesser  mit 
Blumen  übersäet  zu  haben,  ist  weiter  nichts  besonderes,  wenigstens  bin  ich  es 
so  gewohnt. 

Bemerken  will  ich  nur  noch,  dass  die  Aufmerksamkeit,  welche  ich  dieser 
Primel  zuwende,  infolge  meines  vor  etwa  5  Jahren  erfolgten  Besuches  bei  der 
Firma  Arends  <fc  Pfeiffer  in  Ronsdorf,  Rheinland,  veranlasst  wurde,  denn  die 
dortigen  Kulturen  dieser  Pflanze  haben  etwas  musterhaftes,  zudem  die  Inhaber  der 
Firma  mit  Rührigkeit  an  Verbesserung  dieser  Primeln  arbeiten. 

* 
Bemerkung  zu  vorstehendem  Artikel. 

Von  W.  Kretschmann,  Pankow-Berlin. 

Zu  dem  Artikel  des  Herrn  Heydt  über  Primula  obconica  hätte  ich  Nach- 
stehendes zu  bemerken: 

Im  grossen  Ganzen  pflichtet  Herr  Heydt  meinen  Ausführungen  bei,  er 
scheint  nur  damit  nicht  einverstanden,  dass  man  die  Aussaat  im  Juli — August 
macht,  giebt  aber  auch  zu,  dass,  wer  die  Pflanzen  im  März — April  blühend 
haben  will,  im  Juli  aussäen  muss.  Es  ist  von  Herrn  Geh.  Rat  Wittmack 
nicht  richtig  aufgefasst,  wenn  er  schreibt  „man  säet  die  Pr.  obc.  im  Juli — August 
aus".  Ich  habe  von  den  ausgestellten  Pflanzen  gesprochen.  Nach  dem  Wort- 
laut in  dem  Bericht  könnte  man  annehmen,  dass  im  allgemeinen  die  Aussaat- 
zeit im  Juli  sei.  Ich  möchte  dem  ergänzend  hinzufügen,  dass  ich  meine  erste 
Aussaat  Mitte  April  mache.  Für  mein  Pflanzen-Versandgeschäft  ist  es  nötig, 
dass  ich  Aussaaten  von  April  bis  Anfang  August  von  vierzehn  zu  vierzehn 
Tagen  mache,  damit  Jeder  für  die  Zeit,  wo  er  die  Pflanzen  blühend  haben  will 


Prim.ula  obconica,  ihr  Wert,  ihre  Verwendung  und  Anzucht.  267 


(es  kaufen  bei  mir  Ilerrschafts-  und  Handelsgärtner),  Pflanzen  bekommen  kann. 
Ein  früheres  Aussäen  halte  ich  für  Handelspartner  nicht  ratsam:  wenn  man 
die  Pflanzen  zum  Winterschnitt  haben  will,  genügt  die  April-Aussaat  vollkommen. 
Ich  habe  in  meinem  kurzen  Bericht  gesagt,  dass  ich  die  ausgestellten  Pr.  obc. 
Ende  Juli  ausgesät,  um  die  Pflanzen  im  April  Mai  blühend  zu  haben.  Zu 
einer  Zeit,  wo  die  Winter-  und  Frühlingsblumen  aufgehört  und  Sommerblumen 
noch  nicht  viel  blühen,  (ich  beziehe  das  hauptsächlich  auf  niedrige 
Pflanzen),  gerade  in  diesem  Übergangsstadium  werden  Pr.  obc.  gern  gekauft 
und  können  in  Massen  verkauft  werden.  Ferner  mache  ich  die  Aussaat  des- 
wegen so  spät,  weil  ich  von  dieser  Aussaat  meine  Pflanzen  zur  Samengewinnung 
auswähle.  Wenn  nun  auch,  wie  Herr  Hey  dt  ganz  richtig  sagt,  Pr.  obc.  fast 
unaufhörlich  blüht,  so  sind  doch  bekanntlich  die  ersten  Blumen  die  grössten 
und  bestausgebildetsten. 

Bei  Beurteilung  über  die  Verwendung  und  Verwertung  der  Pflanzen  ist 
wohl  mehr  oder  wenig